Das Wichtigste in Kürze
- Air Littoral ist eine historische französische Regionalairline aus Montpellier, aktiv von 1972 bis Februar 2004.
- Codes: IATA FU, ICAO LIT, Rufzeichen „AIR LITTORAL“.
- ATR-Pionier: Air Littoral übernahm im Dezember 1985 die erste ATR 42 und war damit Erstkunde des Typs.
- Vom Turboprop zum Jet: Nach Bandeirante, Brasilia und ATR kamen Fokker 100 und ab 1997 Bombardier CRJ.
- Swissair-Verbund: Ab 1998 hielt die SAirGroup bis zu 49 Prozent; nach deren Zusammenbruch fand Air Littoral keinen tragfähigen Käufer mehr.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Air Littoral im Überblick
- 2.Codes und Rufzeichen
- 3.Die Geschichte: von Logistair bis zum Swissair-Verbund
- 4.Die Flotte: vom Islander zum CRJ
- 5.Das Streckennetz
- 6.Swissair, Qualiflyer und das Ende
- 7.Woran du Air Littoral erkennst
- 8.Unfälle und Zwischenfälle
- 9.Air Littoral heute: Spuren für Spotter
- 10.Häufige Verwechslungen
- 11.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | FU |
|---|---|
| ICAO-Code | LIT |
| Rufzeichen | AIR LITTORAL |
| Drehkreuze | MPL, NCE, MRS |
| Status | Historisch – Flugbetrieb im Februar 2004 eingestellt, anschließend Liquidation |
| Geschäftsmodell | Regionalairline mit Inlands- und Nachbarlandstrecken im Süden Frankreichs, zeitweise Zubringerflüge für Air France |
| Gegründet | 1972 als Logistair am Flugplatz Le Castellet (manche Quellen nennen 1973), später in Air Littoral umbenannt |
| Sitz und Basen | Montpellier-Méditerranée (MPL) als Heimat, dazu Nizza (NCE), Marseille (MRS) und Paris-Orly |
| Eigentümer (Auswahl) | Anfang der 1990er-Jahre KLM-Beteiligung, ab 1993 Mehrheit bei Michel Seydoux, ab 1998 SAirGroup (Swissair) mit bis zu 49 % |
| Prägende Typen | Embraer Bandeirante und Brasilia, ATR 42, Fokker 100, zuletzt Bombardier CRJ100/200 |
| Vielfliegerprogramm | Qualiflyer (im Verbund der Swissair Group) |
| Flotte zum Schluss | Laut französischsprachiger Wikipedia 17 CRJ, 12 ATR 42-500 und 5 Fokker 100 (Februar 2004) |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Air Littoral?
- Schriftzug „Air Littoral“ am Rumpf, je nach Epoche in unterschiedlichen Hausfarben
- Französisches Kennzeichen mit F-, etwa F-GPYE bei einer ATR 42
- Typ-Mix als Indiz: ATR 42, Fokker 100 und CRJ – meist in Montpellier, Nizza oder Marseille fotografiert
- Bei Flügen im Auftrag von Air France hilft nur das Kennzeichen bei der Zuordnung
- Heute nur noch auf historischen Fotos zu sehen
Wer alte Fotos aus Nizza, Marseille oder Montpellier aus den 1990er-Jahren durchsieht, landet früher oder später bei Air Littoral. Die Regionalairline aus dem Languedoc war über drei Jahrzehnte die feste Größe im Süden Frankreichs – und sie hat ein Stück Typengeschichte geschrieben: Die allererste ATR 42 im Liniendienst trug ihren Namen. Hier erfährst du, wie aus einer kleinen Islander-Airline ein CRJ-Betreiber im Swissair-Verbund wurde, woran du Air Littoral auf alten Bildern erkennst und warum 2004 Schluss war.
Historische Airline
Air Littoral stellte den Flugbetrieb im Februar 2004 ein und wurde anschließend liquidiert. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die historische Airline. Die Codes FU und LIT stehen hier für Air Littoral.
Air Littoral im Überblick
Air Littoral war eine französische Regionalairline mit Sitz in Montpellier. Ihr Netz spannte sich über den Süden des Landes: Montpellier, Nizza und Marseille waren die wichtigsten Basen, dazu kamen Verbindungen nach Italien, Spanien und Marokko. Die Airline flog sowohl eigene Strecken als auch Flüge im Auftrag von Air France.
Typisch für Air Littoral war der ständige Wandel der Flotte. Die Airline probierte viele Muster aus, war aber bei zwei Typen vorne mit dabei: bei der ATR 42, für die sie Erstkunde war, und bei der CRJ-Familie von Bombardier, mit der sie Ende der 1990er-Jahre in die Jet-Ära wechselte.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code FU: stand vor den Flugnummern auf Tickets, Anzeigetafeln und im Flugplan.
- ICAO-Code LIT: diente der Flugsicherung zur Kennung der Flüge – eine Abkürzung von „Littoral“.
- Rufzeichen AIR LITTORAL: so meldeten sich die Besatzungen im Funk.
Achte bei alten Unterlagen darauf, dass Air Littoral zeitweise Flüge im Auftrag von Air France durchführte. Dann stand auf dem Ticket eine AF-Flugnummer, geflogen hat aber ein Air-Littoral-Flugzeug mit Air-Littoral-Crew. Wie IATA- und ICAO-Codes funktionieren und warum sie nicht immer zur durchführenden Airline passen, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes.
Regionalluftfahrt im Hangar sammeln
Mit Planetrack hältst du Sichtungen mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen fest – und baust dir eine Sammlung auf, in der ATR, Fokker und CRJ ihren eigenen Platz haben. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Die Geschichte: von Logistair bis zum Swissair-Verbund
Anfänge mit der Islander
Die Wurzeln liegen 1972 am Flugplatz Le Castellet bei Toulon. Dort entstand eine kleine Gesellschaft namens Logistair, die mit einer Britten-Norman Islander die Strecke Nizza–Montpellier–Perpignan bediente. Manche Quellen nennen 1973 als Gründungsjahr. Der Start verlief holprig: Die Gesellschaft geriet früh in Schwierigkeiten, und der Pilot und Teilhaber Robert Da Ros übernahm die Führung, als angeblich nur noch ein flugfähiges Flugzeug übrig war. Unter ihm wurde die Airline in Air Littoral umbenannt und zog an den Flughafen Montpellier-Méditerranée.
Ausbau im Süden
1976 und 1977 kamen Strecken wie Montpellier–Nizza und Montpellier–Mende–Clermont-Ferrand dazu, teils mit Anschluss an die Inlandsflüge von Air Inter nach Paris. Später stieg Marc Jorel ein, der Embraer-Flugzeuge nach Frankreich importierte – das erklärt, warum brasilianische Turboprops die Flotte prägten. 1982 wuchs das Netz deutlich: Neben Strecken wie Biarritz–Pau–Lyon und Verbindungen ab Montpellier nach Lyon, Bordeaux und Perpignan kamen mit Nizza–Mailand und Nizza–Venedig auch Auslandsziele dazu.
Mitte der 1980er-Jahre (1986/87) fusionierte die Airline mit der Compagnie Aérienne du Languedoc (CAL).
Wechselnde Eigentümer
Die 1990er-Jahre waren von häufigen Eigentümerwechseln geprägt. Anfang der 1990er-Jahre war KLM an Air Littoral beteiligt (laut deutschsprachigen Quellen 1991–1992 mit rund 35 Prozent), ein Zusammenhang mit der Beschaffung der Fokker 100 wird in französischen Quellen genannt. Die Partnerschaft wurde nicht weiterverfolgt. Ab 1993 lag die Mehrheit laut französischen Quellen beim Unternehmer Michel Seydoux, 1992 bis 2000 führte Marc Dufour die Airline. 1997 ging Air Littoral an die Börse.
Im selben Jahr gründete die Airline Air Littoral Riviera in Nizza, an der das Fürstentum Monaco beteiligt war, und baute dort ein Umsteigesystem auf. Am 31. März 1998 wurde Air Littoral Riviera wieder in die Muttergesellschaft integriert. Für Fracht und Pakete entstand Air Littoral Express mit Beechcraft 1900.
1972–1987: Turboprop-Anfänge
Start als Logistair mit Islander, Umzug nach Montpellier, Embraer Bandeirante und Brasilia, 1985 erste ATR 42 der Welt, Fusion mit der CAL.
1988–1996: Wachstum
Kurzzeitig KLM-Beteiligung, Fokker 100 in der Flotte, Netz rund ums Mittelmeer.
1997–2001: Jets und Swissair
Börsengang, Bestellung der CRJ, Drehkreuz Nizza, ab 1998 Einstieg der SAirGroup und Teilnahme an Qualiflyer.
2001–2004: Niedergang
Swissair-Krise, Anteile an Marc Dufour, 2003 Insolvenzverfahren, im Februar 2004 Einstellung des Flugbetriebs.
Die Flotte: vom Islander zum CRJ
Kaum eine europäische Regionalairline hat so viele Muster ausprobiert wie Air Littoral. Die folgende Übersicht basiert auf den verfügbaren Flottenlisten; einzelne Zahlen schwanken je nach Quelle.
| Typ | Anzahl (ca.) | Epoche | Einsatz und Hinweis |
|---|---|---|---|
| Britten-Norman BN-2 Islander | 5 | 1970er-Jahre | Startflugzeug der Logistair-Zeit |
| Embraer EMB 110 Bandeirante | bis zu 8 | ab Ende der 1970er-Jahre | Kleiner Turboprop für dünne Strecken |
| Embraer EMB 120 Brasilia | 12 | 1980er-Jahre | Teils für Air France im Einsatz |
| Fairchild Swearingen Metro | 7 | 1980er-Jahre | Kleiner Regionalturboprop |
| Nord 262 | ca. 4 | 1980er-Jahre | Französischer Turboprop |
| ATR 42-300 und -500 | bis zu 21 | 1985–2004 | Erstkunde der ATR 42 |
| ATR 72-200 | 2 | 1990er-Jahre | Gestreckte ATR-Version |
| Fokker F27, F28, Fokker 70 | 1 / 3 / 5 | 1990er-Jahre | Ergänzung und Überbrückung |
| Fokker 100 | 10–15 (je nach Quelle) | ab etwa 1990 | Jet für längere Strecken |
| Boeing 737-300 | 1 | kurzzeitig | Einziger Boeing-Jet der Airline |
| Beechcraft 1900C | 7 | ab 1997 | Bei Air Littoral Express für Fracht |
| Bombardier CRJ100/200 | 17 zum Schluss | 1997–2004 | Rückgrat der letzten Jahre |
ATR 42: Air Littoral als Erstkunde
Die wichtigste Fußnote in der Geschichte von Air Littoral: Im Dezember 1985 übernahm die Airline die erste Serien-ATR 42 – damals in der Version ATR 42-300. Der erste Linienflug führte von Béziers nach Paris-Orly. Damit begann die Karriere eines Turboprops, der bis heute an vielen Regionalflughäfen Europas zu sehen ist. Hersteller ist ATR aus Toulouse.
Später kamen die modernisierte ATR 42-500 mit Sechsblattpropellern und zwei ATR 72-200 dazu. Bei der Einstellung 2004 standen laut französischen Quellen noch zwölf ATR 42-500 in der Flotte. Wie du ATR 42 und ATR 72 auseinanderhältst und von der Dash 8 unterscheidest, zeigt der Artikel Turboprops unterscheiden.
Embraer-Turboprops
Vor der ATR prägten Flugzeuge aus Brasilien das Bild. Die kleine EMB 110 Bandeirante und die größere EMB 120 Brasilia flogen für Air Littoral, dazu die Fairchild Swearingen Metro. Die Brasilia erkennst du am T-Leitwerk und am schlanken Rumpf, die Metro an ihrer sehr langen, schmalen Nase. Hersteller der beiden Brasilianer ist Embraer.
Fokker 100: der erste Jet
Mit der Fokker 100 stieg Air Littoral um 1990 in den Jetbetrieb ein. Ergänzend flogen mehrere Fokker 70, die verkürzte Variante, sowie einzelne F28 Fellowship und eine F27 Friendship. Fünf Fokker 100 blieben bis zum Schluss. Mehr zum Hersteller findest du unter Fokker.
CRJ: der Regionaljet der letzten Jahre
Am 23. Januar 1997 unterschrieb Air Littoral einen Kaufvertrag über sieben Regionaljets von Bombardier. Der CRJ wurde danach zum wichtigsten Typ: Bei der Einstellung 2004 gehörten 17 Maschinen zur Flotte. Die Quellen bezeichnen sie mal als CRJ100, mal als CRJ200 – äußerlich sind beide Versionen praktisch gleich, auf der Planetrack-Seite findest du sie gemeinsam unter CRJ100/CRJ200. Wie du CRJ, ERJ und Fokker auseinanderhältst, erklärt Regionaljets erkennen.
Klassiker auf die Wunschliste
Setz Typen wie Fokker 100, CRJ200 oder ATR 42-300 auf deine Wunschliste – Planetrack benachrichtigt dich, wenn ein Flugzeug dieses Typs in deiner Nähe anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Das Streckennetz
Air Littoral verband vor allem die Städte im Süden Frankreichs untereinander und mit dem Ausland. Laut französischen Quellen umfasste das Netz zuletzt rund zwanzig Ziele in Frankreich, Spanien, Italien und Marokko, teils mit Codesharing.
| Region | Ziele (Auswahl) | Hinweis |
|---|---|---|
| Südfrankreich | Montpellier, Nizza, Marseille, Perpignan, Béziers | Kernnetz der Airline |
| Übriges Frankreich | Lyon, Bordeaux, Biarritz, Pau, Clermont-Ferrand, Paris-Orly | Teils mit Anschluss an Air Inter oder Air France |
| Italien | Mailand, Venedig, Florenz | Ab 1982 Nizza–Mailand und Nizza–Venedig |
| Spanien und Marokko | Valencia, weitere Ziele | Oft ab Perpignan, Montpellier oder Nizza |
Besonders wichtig wurde ab 1997 Nizza. Mit Air Littoral Riviera startete die Airline im Oktober 1997 mit 17 Strecken ab der Côte d’Azur und organisierte dort Umsteigeverbindungen – für eine Regionalairline ein ehrgeiziges Konzept. Ähnliche Ansätze verfolgten damals andere europäische Regionalairlines, einen Überblick gibt der Artikel Regionalairlines in Europa.
Swissair, Qualiflyer und das Ende
Teil der Swissair-Beteiligungen
Ende der 1990er-Jahre kaufte sich Swissair bei mehreren europäischen Airlines ein. 1998 erwarb die SAirGroup 44 Prozent an Air Littoral und stockte später auf 49 Prozent auf; laut französischer Wikipedia war zuvor eine Annäherung an Lufthansa gescheitert. Air Littoral nahm am Vielfliegerprogramm Qualiflyer teil, in dem auch Crossair und Sabena vertreten waren.
Swissair hielt in Frankreich zugleich Anteile an AOM French Airlines und Air Liberté. Eine Zusammenführung aller drei Gesellschaften war im Gespräch, wurde aber nach der Swissair-Krise 2001 aufgegeben. AOM und Air Liberté gingen in Air Lib auf, Air Littoral blieb eigenständig. Die Swissair-Anteile übernahm der frühere Chef Marc Dufour.
Insolvenz und Einstellung
Nach einer Restrukturierung arbeitete der Flugbetrieb laut französischen Quellen zwar zeitweise profitabel, die aufgelaufenen Schulden waren aber zu hoch. Nach einer gescheiterten Übernahme kam im Sommer 2003 das Insolvenzverfahren, weitere Rettungsversuche blieben erfolglos. Im Februar 2004 ordnete ein Gericht die Einstellung an, die Betriebsgenehmigung war bereits zuvor entzogen worden. Ein Nachfolgeprojekt unter dem Namen „Littoral Airlines“ mit Unterstützung aus der Region Montpellier scheiterte an der Finanzierung.
Weitere Beispiele für das Ende traditionsreicher Gesellschaften findest du im Artikel Große Airline-Pleiten in Europa.
Welcher Name, welches Jahr?
Für die Zuordnung alter Fotos hilft eine grobe Regel: Islander-Fotos aus den frühen 1970er-Jahren gehören zur Logistair-Zeit, ATR 42 ab Ende 1985 zu Air Littoral, CRJ ab 1997. Flugzeuge aus Nizza von 1997/98 können den Zusatz „Riviera“ tragen. In Übergangsphasen tragen Maschinen oft Elemente mehrerer Designs – mehr dazu unter Hybrid- und Mischlackierungen erkennen.
Woran du Air Littoral erkennst
Live begegnet dir Air Littoral nicht mehr, auf Fotos aus Südfrankreich aber oft. Diese Merkmale helfen beim Zuordnen:
Spricht für Air Littoral
- Schriftzug „Air Littoral“ am Rumpf
- ATR 42, Fokker 100 oder CRJ mit französischem F-Kennzeichen
- Aufnahme aus Montpellier, Nizza, Marseille oder Lyon
- Datum zwischen Mitte der 1980er-Jahre und Anfang 2004
Spricht dagegen
- ATR 42-600 mit Glascockpit – die Version kam erst nach dem Ende von Air Littoral
- Schriftzug „Brit Air“ auf einem CRJ – dann ist es die spätere Air-France-Regionaltochter
- Aufnahme nach Februar 2004
Das sicherste Merkmal ist das Kennzeichen. Air-Littoral-Flugzeuge waren in Frankreich registriert und tragen ein F- vor der Buchstabenfolge, etwa F-GPYE bei einer der ATR 42. Mit dem Kennzeichen verfolgst du den Lebenslauf einer Maschine in Datenbanken weiter und siehst, wohin sie nach 2004 ging – viele CRJ und ATR flogen später bei anderen Airlines weiter. Wie das geht, erklärt Den Lebenslauf eines Flugzeugs recherchieren.
Achtung Verwechslung
CRJ in Frankreich flogen um 2000 nicht nur bei Air Littoral. Auch Brit Air setzte den Regionaljet ein, teils in Air-France-Farben. Und weil Air Littoral selbst Flüge für Air France durchführte, kann die Flugnummer auf Fotos oder Unterlagen in die Irre führen. Achte auf Kennzeichen und Bildunterschrift, bevor du ein Foto zuordnest.
Unfälle und Zwischenfälle
In der Firmengeschichte sind drei Totalverluste mit insgesamt 21 Toten dokumentiert:
- 21. Dezember 1987: Eine EMB 120 Brasilia (F-GEGH), die im Auftrag von Air France von Brüssel nach Bordeaux flog, stürzte im Anflug kurz vor dem Flughafen Bordeaux-Mérignac ab. Alle 16 Menschen an Bord kamen ums Leben.
- 18. November 1988: Eine Fairchild Swearingen Metro stürzte kurz nach dem Start in Montluçon ab. Alle vier Insassen starben.
- 30. Juli 1997: Eine ATR 42 (F-GPYE) landete auf dem Flug von Nizza nach Florenz zu schnell, schoss über das Bahnende hinaus und kam in einem Graben zum Stehen. Der Kapitän starb einige Tage später, die übrigen Insassen überlebten, mehrere wurden verletzt.
Air Littoral heute: Spuren für Spotter
Die Airline ist verschwunden, ihre Flugzeuge sind weitergezogen oder verschrottet. Für Spotter bleibt Air Littoral ein Thema für Archiv und Sammlung: alte Dias, Flugpläne, Bordkarten und Modelle. Die Regionalstrecken im Süden Frankreichs fliegen heute andere, vor allem HOP! beziehungsweise Air France und Air Corsica – nicht selten mit ATR, also genau dem Typ, den Air Littoral einst eingeführt hat.
Wer in Südfrankreich unterwegs ist, kann an den alten Basen Nizza oder Marseille immer noch Regionalverkehr beobachten. Bevor du dort fotografierst, lies den Artikel zum Fotografieren an französischen Flughäfen. Für die Einordnung alter Typen hilft Oldtimer am Himmel erkennen.
Gute Chancen auf Air-Littoral-Material, wenn …
- du Fotoarchive aus Nizza, Montpellier oder Marseille der 1990er-Jahre durchsuchst
- du gezielt nach frühen ATR 42 oder Fokker 100 in Frankreich suchst
- du auf Sammlerbörsen nach Modellen und Flugplänen Ausschau hältst
Keine Chance, wenn …
- du Air Littoral live am Zaun erwischen willst – der Flugbetrieb endete im Februar 2004
Häufige Verwechslungen
- Air Littoral mit Air Liberté gleichsetzen – beide gehörten zur Swissair-Welt, Air Liberté ging aber mit AOM in Air Lib auf, Air Littoral nicht.
- Air Littoral für eine Air-France-Tochter halten – sie flog zeitweise im Auftrag von Air France, war aber eigenständig.
- Jede CRJ in Frankreich Air Littoral zuordnen – auch Brit Air und weitere Regionalairlines flogen den Typ.
- Die ATR 42 der ersten Stunde für eine -500 halten – die frühen Maschinen waren -300 mit Vierblattpropellern.
- Den Code FU heute noch Air Littoral zuschreiben – IATA-Codes werden nach dem Ende einer Airline neu vergeben.
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Fazit
Air Littoral war über drei Jahrzehnte die Regionalairline des französischen Südens. Aus einer kleinen Islander-Gesellschaft in Le Castellet wurde ein Betreiber mit ATR, Fokker und CRJ, der Montpellier, Nizza, Marseille und Lyon miteinander und mit dem Mittelmeerraum verband. Als Erstkunde der ATR 42 hat sie Typengeschichte geschrieben, als Teil der Swissair-Beteiligungen teilte sie am Ende deren Schicksal. Für Spotter bleibt sie ein lohnendes Kapitel, das du über F-Kennzeichen und alte Fotos gut nachverfolgen kannst.
Kurzfazit
Air Littoral (IATA FU, ICAO LIT) war eine historische französische Regionalairline aus Montpellier, aktiv von 1972 bis Februar 2004. Bekannt ist sie als Erstkunde der ATR 42 und für ihre CRJ-Flotte der letzten Jahre.
Zusammenfassung
- Air Littoral war die Regionalairline des französischen Mittelmeerraums mit Schwerpunkt auf Montpellier, Nizza, Marseille und Lyon.
- Die Flotte spiegelt drei Jahrzehnte Regionalluftfahrt: vom Islander über Embraer-Turboprops und ATR bis zu Fokker 100 und CRJ.
- Als Teil der Swissair-Beteiligungen gehörte Air Littoral zur Qualiflyer-Welt – und geriet mit dem Ende von Swissair in Schieflage.
- Live spotten kannst du Air Littoral nicht mehr, aber alte Fotos lassen sich über F-Kennzeichen und Typ gut zuordnen.
Häufige Fragen
Gibt es Air Littoral heute noch?
Nein. Air Littoral geriet 2003 in ein Insolvenzverfahren, mehrere Rettungsversuche scheiterten. Im Februar 2004 ordnete ein Gericht die Einstellung an, das Unternehmen wurde liquidiert. Ein Nachfolgeprojekt namens Littoral Airlines kam mangels Finanzierung nicht zustande.
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Air Littoral?
Air Littoral nutzte den IATA-Code FU und den ICAO-Code LIT. Im Funk meldeten sich die Crews mit „AIR LITTORAL“.
Was hat Air Littoral mit der ATR 42 zu tun?
Air Littoral war Erstkunde der ATR 42. Die erste Serienmaschine ging im Dezember 1985 an die Airline, kurz darauf folgte der erste Linienflug zwischen Béziers und Paris-Orly. Im Lauf der Jahre flogen bis zu 21 ATR 42 der Versionen -300 und -500 für Air Littoral, dazu zwei ATR 72-200.
Welche Flugzeuge flog Air Littoral?
Am Anfang stand eine Britten-Norman Islander, später kamen Embraer EMB 110 Bandeirante und EMB 120 Brasilia, Metro, Nord 262 und Fokker F27 dazu. Das Rückgrat der 1990er-Jahre bildeten ATR 42 und Fokker 100, ergänzt um Fokker 70 und F28. Ab 1997 setzte die Airline auf den Bombardier CRJ, der am Ende den größten Teil der Flotte stellte.
Welche Rolle spielte Swissair bei Air Littoral?
Die Swissair-Mutter SAirGroup stieg 1998 mit 44 Prozent ein und erhöhte später auf 49 Prozent. Air Littoral wurde Teil des Qualiflyer-Programms. Eine angedachte Zusammenführung mit den anderen französischen Swissair-Beteiligungen AOM und Air Liberté kam nicht mehr zustande. Nach der Swissair-Krise 2001 gingen die Anteile an den früheren Chef Marc Dufour.
Wo hatte Air Littoral ihre Basen?
Heimat und Sitz war Montpellier. Weitere wichtige Basen lagen in Nizza und Marseille, dazu kam Paris-Orly. Lyon gehörte zu den wichtigen Zielen im Netz. In Nizza baute Air Littoral ab 1997 ein eigenes Umsteigesystem auf.
Welche Unfälle gab es bei Air Littoral?
Drei Totalverluste sind dokumentiert: Am 21. Dezember 1987 stürzte eine EMB 120 auf einem Flug für Air France vor Bordeaux ab (16 Tote), 1988 verunglückte eine Metro bei Montluçon (4 Tote), und am 30. Juli 1997 schoss eine ATR 42 in Florenz über das Bahnende hinaus; der Kapitän starb an seinen Verletzungen.
Air Littoral im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
ATR 42-300/320
Hochdecker, T-Leitwerk und nur vier Blätter pro Propeller: Die ATR 42-300 und -320 sind die erste Generation des ATR-Turboprops. Heute triffst du sie vor allem als Frachter. So erkennst du sie.
FlugzeugtypATR 42-500
Mit der ATR 42-500 bekam der kleine ATR-Turboprop Mitte der Neunziger Sechsblatt-Propeller, stärkere Triebwerke und eine neue Kabine. So erkennst du sie und trennst sie von älteren und jüngeren ATR 42.
FlugzeugtypATR 72-200/210
Hochdecker, T-Leitwerk und nur vier Blätter pro Propeller: Die ATR 72-200 und -210 sind die erste Generation der großen ATR. Viele fliegen heute fensterlos als Frachter. So erkennst du sie und so findest du sie.
FlugzeugtypBombardier CRJ100/CRJ200
Klein, schlank, Triebwerke am Heck: Der CRJ100/200 war der erste Canadair Regional Jet und startete 1992 bei Lufthansa CityLine. In Europa ist er fast verschwunden, in den USA fliegt er noch – so erkennst du den 50-Sitzer sicher.
FlugzeugtypFokker 100
Zwei Tay-Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Heckkonus, der sich bei der Landung aufklappt: Die Fokker 100 ist der größte Verkehrsjet, den Fokker je gebaut hat – und heute ein seltener Fang.
FlugzeugtypFokker 70
Kurz, gedrungen, zwei Tay-Triebwerke am Heck und ein Rumpfende, das bei der Landung aufklappt: Die Fokker 70 ist die kleine Schwester der Fokker 100 – bekannt von KLM Cityhopper, als Regierungsjet und heute ein seltener Fang.
FlugzeugtypFokker F28 Fellowship
Der erste Jet aus Amsterdam: Die Fokker F28 Fellowship flog 1967 zum ersten Mal, brachte Hecktriebwerke und aufklappbaren Heckkonus in die Fokker-Familie und ist heute fast nur noch im Museum zu sehen.
FlugzeugtypFokker F27 Friendship
Hoher Flügel, zwei Rolls-Royce-Dart-Turboprops und große ovale Fenster: Die Fokker F27 Friendship war Europas erfolgreichster Turboprop-Airliner ihrer Zeit. Heute ist sie ein echter Sammlerfang.
FlugzeugtypEmbraer EMB 120 Brasilia
Tiefdecker, T-Leitwerk, zwei Vierblatt-Propeller und rund 30 Sitze: Die EMB 120 Brasilia war in den 1980er- und 1990er-Jahren ein Arbeitstier der US-Regionalairlines. Heute ist sie vor allem als Frachter und Exot unterwegs.
FlugzeugtypEmbraer EMB 110 Bandeirante
Tiefdecker, zwei PT6-Turboprops, rund 15 bis 21 Sitze: Mit dem Bandeirante begann 1968 die Geschichte von Embraer. So erkennst du den brasilianischen Zubringer-Klassiker und findest die letzten Exemplare.
FlugzeugtypFairchild Swearingen Metro
Lang, dünn, laut und erstaunlich zäh: Die Swearingen Metro aus San Antonio war der Zubringer-Turboprop der 1970er- und 80er-Jahre und fliegt heute vor allem Fracht. So erkennst du Metro, Merlin und Expediter.
FlugzeugtypBoeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
Weitere Airlines
Air Liberté
Historische französische Airline aus Paris-Orly: 1987 als Charterairline gegründet, ab 1995 Herausforderer von Air Inter im Inland, dann bei British Airways und Swissair – und ab 2001 als Air Lib bis zur Liquidation 2003.
NetzwerkAOM French Airlines
Historische französische Airline mit Basis in Paris-Orly. AOM entstand aus Air Outre Mer und Minerve, flog DC-10-30 in die Überseegebiete und MD-83 im Inland und ging 2001 mit Air Liberté in Air Lib auf.
NetzwerkSwissair
Historische Schweizer Nationalairline von 1931 bis 2002: Swissair flog mit Caravelle, DC-8, Boeing 747, MD-11 und A330 von Zürich, Genf und Basel in die Welt – bis zum Grounding im Oktober 2001.
RegionalCrossair
Historische Regionalairline aus Basel: 1975 von Moritz Suter als Taxiflug-Firma gegründet, Erstkundin von Saab 340 und Saab 2000 und 2002 das Fundament von Swiss International Air Lines.
NetzwerkAir Inter
Historische französische Inlandsairline (1954–1997) mit Basis in Paris-Orly. Air Inter flog Caravelle, war einziger Betreiber der Dassault Mercure, setzte früh auf A300 und A320 und ging 1997 vollständig in Air France auf.
NetzwerkAir France
Frankreichs Netzwerk-Airline mit dem Drehkreuz Paris-Charles de Gaulle: Gründungsmitglied von SkyTeam, Teil der Air France-KLM-Gruppe und mit einer Langstreckenflotte aus Airbus A350 und Boeing 777.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
ATR
Der französisch-italienische Hersteller ATR baut seit den 1980er-Jahren nur zwei Flugzeuge – die ATR 42 und die ATR 72. Hochdecker, T-Leitwerk, Propeller: Wer die Familie einmal verstanden hat, erkennt sie überall, von Lanzarote bis zu den griechischen Inseln.
HerstellerBombardier
Bombardier hat den Regionaljet in Europa populär gemacht, die heutige A220 entwickelt und Learjet, Canadair und de Havilland Canada unter einem Dach vereint. Heute baut der Konzern aus Montreal nur noch Businessjets – und die siehst du an Genf, Le Bourget oder Nizza öfter, als du denkst.
HerstellerFokker
Fokker war über Jahrzehnte der große Name der niederländischen Luftfahrt: erst Jagdflugzeuge im Ersten Weltkrieg, dann die F.VII, später F27, F28, Fokker 50, 70 und 100. 1996 ging der Hersteller pleite. Hier erfährst du, wie es dazu kam, was vom Unternehmen geblieben ist und wo du Fokker-Typen heute noch vor die Linse bekommst.
HerstellerEmbraer
Vom Zubringer-Turboprop Bandeirante zum E195-E2 mit 146 Sitzen: Embraer aus São José dos Campos gilt nach Airbus und Boeing als dritte große Kraft im Verkehrsflugzeugbau – und baut nebenbei Businessjets, den Militärtransporter C-390 und den Super Tucano. Hier erfährst du, wie du die Familien auseinanderhältst und wo du sie in Europa vor die Linse bekommst.
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