Das Wichtigste in Kürze
- Der Bandeirante ist Embraers Gründungsflugzeug: Für seine Serienfertigung entstand 1969 überhaupt erst das Unternehmen.
- Schnellster Erkennungsweg: Tiefdecker mit zwei PT6-Turboprops, geradem Flügel, Einziehfahrwerk und klassischem Leitwerk.
- Rund 500 Exemplare entstanden bis 1990, eingesetzt von Luftwaffen, Regionalairlines und Frachtfliegern auf mehreren Kontinenten.
- Europäischer Twist: Ryanair startete 1985 mit einem 15-sitzigen Bandeirante zwischen Waterford und London-Gatwick.
- Heute eine Rarität: Im DACH-Raum praktisch nicht zu sehen; die letzten Maschinen fliegen vor allem in Brasilien und Nordamerika.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist der EMB 110 Bandeirante?
- 2.Die Versionen im Überblick
- 3.Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
- 4.Bandeirante oder etwas anderes?
- 5.Der Bandeirante in Europa – und bei Ryanair
- 6.Wo der Bandeirante heute noch fliegt
- 7.Museumsexemplare: der Bandeirante zum Anfassen
- 8.Spotting-Tour planen
- 9.Fototipps speziell für den Bandeirante
- 10.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
- 11.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Embraer (Entwicklung ab 1965 im Rahmen eines Programms des brasilianischen Luftfahrtministeriums) |
|---|---|
| ICAO-Typcode | E110 |
| Erstflug | 26. Oktober 1968 (Prototyp YC-95) |
| Indienststellung | 1973 – Luftwaffe Brasiliens im Februar, Linienbetrieb bei Transbrasil ab April |
| Produktion | bis 1990; Embraer nennt 498 ausgelieferte Exemplare, andere Quellen weichen leicht ab |
| Triebwerke | 2 × Pratt & Whitney Canada PT6A (frühe Serie PT6A-27 mit 680 PS, spätere Versionen PT6A-34 mit 750 PS) |
| Propeller | Dreiblatt-Verstellpropeller von Hartzell |
| Länge | 15,10 m (gestreckte Versionen) |
| Spannweite | 15,33 m |
| Höhe | 4,92 m |
| Sitzplätze | je nach Version und Bestuhlung 15 bis 21 Passagiere |
| Max. Startgewicht | 5.900 kg (EMB 110P1A/41) |
| Max. Reisegeschwindigkeit | rund 410 km/h |
| Reichweite | knapp 2.000 km bei Sparflug mit Reserve |
| Kabine | ohne Druckkabine |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Tiefdecker mit geradem, ungepfeiltem Flügel – viele kleine Zubringer-Turboprops wie Twin Otter, Do 228 oder L-410 sind Hochdecker
- Zwei schlanke Triebwerksgondeln mit Dreiblattpropellern weit vorn am Flügel
- Einziehbares Bugradfahrwerk – im Flug sind die Räder verschwunden
- Klassisches Leitwerk mit Höhenleitwerk am Rumpf, kein T-Leitwerk wie bei der EMB 120 Brasilia
- Gestreckte Versionen ab EMB 110K mit kleiner Bauchflosse unter dem Heck
- Schmaler, langer Rumpf mit einer Reihe kleiner Fenster; Fracht- und Kombiversionen mit großer Ladetür im hinteren Rumpf
Aktualisiert: Oktober 2026 – Ein schmaler Tiefdecker rollt zur Piste, zwei schlanke Propellergondeln sitzen weit vorn am geraden Flügel, das Fahrwerk verschwindet nach dem Abheben, und das Leitwerk wirkt beinahe altmodisch schlicht: Wenn dir das irgendwo zwischen Amazonas und Neuengland begegnet, ist es sehr wahrscheinlich ein Embraer EMB 110 Bandeirante. Mit ihm hat Brasiliens Flugzeugindustrie ihren Anfang genommen. Hier erfährst du, woher der Typ kommt, welche Versionen es gibt, wie du ihn von ähnlichen Zubringern unterscheidest und wo die letzten Exemplare noch fliegen oder stehen.
E110 in den Hangar
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Was ist der EMB 110 Bandeirante?
Der Bandeirante ist ein zweimotoriger Turboprop-Zubringer für 15 bis 21 Passagiere. Er war gedacht für genau die Strecken, die in einem Land von der Größe Brasiliens zahlreich sind: kurze und mittlere Verbindungen zwischen Regionalstädten, oft mit einfachen Pisten und wenig Infrastruktur. Angetrieben wird er von zwei Pratt & Whitney Canada PT6A – dem gleichen Triebwerksstamm, der auch in vielen anderen kleinen Turboprops steckt. Eine Druckkabine hat er nicht.
Die Geschichte beginnt 1965, als das brasilianische Luftfahrtministerium ein leichtes Mehrzweck-Transportflugzeug in Auftrag gab. Entworfen wurde es im Luftfahrt-Technikzentrum in São José dos Campos unter Leitung des französischen Ingenieurs Max Holste, den Bau des Prototyps überwachte der junge Offizier Ozires Silva. Der Prototyp mit der militärischen Bezeichnung YC-95 hob am 26. Oktober 1968 zum Erstflug ab. Embraer feierte genau dieses Datum 2018 mit einer Jubiläumsveranstaltung zum 50. Geburtstag.
Für die Serienfertigung fehlte damals schlicht ein Hersteller. Deshalb gründete der brasilianische Staat im August 1969 die Empresa Brasileira de Aeronáutica, kurz Embraer, mit Ozires Silva als erstem Präsidenten. Der Bandeirante war ihr erstes Serienflugzeug. Nach drei Prototypen wurde die Konstruktion noch einmal überarbeitet; die ersten Serienmaschinen gingen im Februar 1973 an die Luftwaffe, im April 1973 nahm Transbrasil den Typ in den Liniendienst auf.
Bis 1990 lief die Produktion. Embraer selbst nennt 498 ausgelieferte Maschinen, in anderen Quellen findest du leicht abweichende Zahlen von knapp unter bis knapp über 500. Danach konzentrierte sich der Hersteller auf den größeren Nachfolger EMB 120 Brasilia und später auf die Regionaljets der ERJ-145-Familie. Ohne den Bandeirante gäbe es weder diese Typen noch die heutigen E-Jets wie die Embraer E190.
Die Versionen im Überblick
Der Bandeirante wurde über zwei Jahrzehnte immer wieder angepasst. Für Spotter ist vor allem wichtig: Es gibt eine kurze Urversion und gestreckte Versionen ab der EMB 110K, die du an der Bauchflosse unter dem Heck erkennst.
| Version | Einsatz | Merkmal |
|---|---|---|
| EMB 110 / C-95 | erste Serie, Luftwaffe und Airlines | kurzer Rumpf, PT6A-27 mit 680 PS |
| EMB 110K1 / C-95A | Frachtversion der Luftwaffe | Rumpf um 0,85 m verlängert, PT6A-34, Bauchflosse, Ladetür hinten |
| EMB 110P1 | zivil, schnell umrüstbar Fracht/Passagiere | gestreckter Rumpf mit großer Frachttür |
| EMB 110P2 | reine Passagierversion | gestreckter Rumpf ohne Frachttür |
| EMB 110P1A/41, P2A/41 | späte zivile Serie | höheres Startgewicht von 5.900 kg |
| EMB 110B / R-95 | Luftbild und Vermessung | Ausrüstung für Luftbildkameras |
| EMB 110E | Geschäftsreise | 6 bis 8 Sitze, Executive-Kabine |
| EMB 111 / P-95 | Seeaufklärung | Suchradar in vergrößerter Nase, Spitzname „Bandeirulha“ |
Daneben gab es Sonderversionen für Such- und Rettungsflüge (SC-95), geophysikalische Vermessung. Militärisch stellt die C-95 in Brasilien den Löwenanteil: Die Luftwaffe betrieb 2010 noch rund 96 Maschinen, für 2017 wurden etwa 48 genannt. Ein Teil davon wurde modernisiert.
Praxis-Tipp: Bauchflosse checken
Siehst du unter dem Heck eine kleine Flosse, hast du einen gestreckten Bandeirante ab EMB 110K vor dir – also die Bauform, die die meisten Airlines geflogen haben. Fehlt sie, ist es sehr wahrscheinlich eine frühe Serienmaschine. Welche Version es genau ist, verrät dir am Ende das Kennzeichen.
Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
Kleine Zubringer-Turboprops sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. Beim Bandeirante reicht aber eine einfache Reihenfolge.
Flügelposition prüfen
Der Flügel sitzt unten am Rumpf. Damit fallen die vielen Hochdecker der Klasse – Twin Otter, Dornier 228, Let L-410 – sofort raus.
Leitwerk ansehen
Das Höhenleitwerk sitzt am Rumpfende, nicht oben auf der Seitenflosse. Ein T-Leitwerk spricht für EMB 120 oder Beechcraft 1900, ein Kreuzleitwerk für Jetstream oder Metro.
Gesamtbild abgleichen
Gerader Flügel, zwei schlanke PT6-Gondeln mit Dreiblattpropellern, ein schmaler Rumpf und ein Fahrwerk, das im Flug verschwindet: Das ist das typische Bandeirante-Profil.
Wer Turboprops grundsätzlich systematisch auseinanderhalten will, findet im Guide Turboprops unterscheiden eine gute Methode. Die Bestätigung liefert wie immer das Kennzeichen; wie du Präfixe und Länderkennungen liest, erklärt der Beitrag Flugzeug-Kennzeichen verstehen.
Bandeirante oder etwas anderes?
Die häufigsten Verwechslungen passieren mit anderen kleinen Zubringern der 1970er- und 1980er-Jahre. Der Finder hilft dir beim Eingrenzen.
Schnellbestimmung: kleiner Zubringer-Turboprop
Embraer EMB 110 Bandeirante
Tiefdecker, klassisches Leitwerk und Einziehfahrwerk an einem kleinen Zweimot sind das typische Bandeirante-Bild. Achte noch auf die Bauchflosse: Sie zeigt dir die gestreckte Version.
Hochdecker-Zubringer
Ein Hochdecker in dieser Größe ist eher eine DHC-6 Twin Otter, eine Dornier 228 oder eine Let L-410.
EMB 120 Brasilia oder Beechcraft 1900
Ein Tiefdecker mit T-Leitwerk ist meist der Nachfolger EMB 120 Brasilia oder eine Beechcraft 1900D.
Jetstream oder Metro
Ein Höhenleitwerk auf halber Höhe der Seitenflosse deutet auf eine BAe Jetstream 31 oder eine Fairchild Swearingen Metro.
Der Vergleich mit dem eigenen Nachfolger lohnt sich besonders: Die EMB 120 Brasilia ist größer, hat eine Druckkabine und trägt ihr Höhenleitwerk ganz oben auf der Seitenflosse. Wer beide einmal nebeneinander gesehen hat, verwechselt sie nicht mehr.
Der Bandeirante in Europa – und bei Ryanair
Für europäische Spotter hat der Bandeirante eine besondere Fußnote: Die heute größte Low-Cost-Airline des Kontinents, Ryanair, begann mit genau diesem Typ. Am 8. Juli 1985 startete der erste Ryanair-Flug von Waterford im Südosten Irlands nach London-Gatwick – mit einem 15-sitzigen EMB 110. Lange blieb der Bandeirante nicht, danach folgten größere Flugzeuge. Heute fliegt der Konzern unter dem Dach der Ryanair Holdings Hunderte Boeing 737, der Anfang war aber ein kleiner Turboprop aus Brasilien.
Auch in Großbritannien war der Typ in den 1980er- und 1990er-Jahren bei kleinen Regionalairlines und Frachtbetreibern zu sehen, etwa bei Air Ecosse oder Titan Airways. Diese Zeiten sind vorbei: Im Linienverkehr in Europa spielt der Bandeirante keine Rolle mehr. Im deutschsprachigen Raum ist er heute eine echte Rarität, die höchstens bei Überführungen auftaucht.
Wo der Bandeirante heute noch fliegt
Der Bandeirante ist kein reiner Museumstyp – aber die Zahl aktiver Maschinen sinkt seit Jahren. Laut einer Branchenzählung von 2020 waren weltweit noch 39 Exemplare bei 15 Betreibern im Airline-Dienst, die größten Flotten hatten damals Wiggins Airways und Royal Air Freight in den USA sowie Transportes Aéreos Guatemaltecos. Viele dieser Maschinen fliegen Fracht, oft nachts und auf kurzen Strecken. Wie viele es im Oktober 2026 noch sind, lässt sich nur über aktuelle Flottendatenbanken klären.
| Region | Trefferchance | Warum |
|---|---|---|
| Brasilien | mittel | Heimatland, Luftwaffe mit C-95, kleinere Regionalbetreiber |
| USA (vor allem Nordosten und Mittlerer Westen) | mittel bis niedrig | Kleine Frachtbetreiber mit Bandeirante-Flotten |
| Mittelamerika | niedrig bis mittel | Einzelne Regionalairlines mit älteren Turboprops |
| Europa / DACH | sehr niedrig | Kein Linienverkehr mehr, nur Einzelfälle |
In Brasilien bleibt die Luftwaffe die wichtigste Anlaufstelle für C-95-Sichtungen. Wer ohnehin nach São Paulo reist, kann am Flughafen São Paulo-Guarulhos Glück haben, auch wenn das große internationale Drehkreuz vor allem Jets anzieht. Historisch prägte der Typ auch die Flotten brasilianischer Airlines wie Transbrasil und VASP, die beide inzwischen nicht mehr existieren.
Flotten ändern sich – gerade bei alten Typen
Bei einem Flugzeug, dessen Produktion 1990 endete, verschwinden jedes Jahr Maschinen aus dem Dienst. Verlass dich nicht auf ältere Flottenlisten, sondern such vor deiner Reise in einem Tracking-Dienst nach dem Typcode E110 und prüf das Kennzeichen in einer aktuellen Datenbank.
Wie du solche Raritäten einordnest, erklärt der Beitrag Wie selten ist meine Sichtung?. Tipps für die Jagd nach Exoten bündelt der Guide Seltene Flugzeuge spotten, und wie du ein bestimmtes Kennzeichen gezielt im Blick behältst, zeigt Flugzeug nach Kennzeichen verfolgen.
Keinen Bandeirante verpassen
Setz in Planetrack den Typ E110 oder ein bestimmtes Kennzeichen auf deine Wunschliste und lass dich per Sichtungs-Alarm benachrichtigen, wenn eine Maschine an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.
Museumsexemplare: der Bandeirante zum Anfassen
Weil fliegende Maschinen selten sind, lohnt der Blick ins Museum. Der Prototyp YC-95 – also das Flugzeug, das 1968 als erstes abhob – steht im Museu Aeroespacial in Rio de Janeiro. Ein weiteres frühes Exemplar zeigt das Memorial Aeroespacial Brasileiro in São José dos Campos – der Stadt, in der Embraer bis heute seinen Hauptsitz hat. Für Luftfahrtfans mit Brasilien-Reiseplänen ist das eine lohnende Kombination aus Technik- und Firmengeschichte.
Wie du Oldtimer und historische Typen generell sicher bestimmst, zeigt der Guide Historische Flugzeuge erkennen. Und wer selbst einmal mit einem alten Zubringer mitfliegen will, findet Ideen im Beitrag Seltene Flugzeugtypen als Passagier fliegen.
Spotting-Tour planen
Ob in Brasilien oder an einem kleinen Frachtflugplatz in Nordamerika: Bandeirante-Einsätze folgen selten einem Muster, das du aus dem Kopf kennst. Planung entscheidet.
Bereit für deine Bandeirante-Jagd?
- Ich habe aktive Kennzeichen über den Typcode E110 in einem Tracking-Dienst gefunden.
- Ich weiß, ob die Maschine tagsüber oder nur nachts fliegt.
- Ich kenne Windrichtung und voraussichtliche Landerichtung.
- Mein Standpunkt ist öffentlich zugänglich und erlaubt.
- Ich habe eine passende Verschlusszeit für Propellerunschärfe im Kopf.
Gerade Frachtbetreiber fliegen oft in den Randstunden. Prüf deshalb vorab, ob deine Wunschmaschine überhaupt bei Tageslicht unterwegs ist. Für die Lichtplanung hilft dir der Guide Sonnenstand planen für deinen Fotospot.
Fototipps speziell für den Bandeirante
Der Bandeirante ist klein, schlank und fliegt vergleichsweise langsam – ein dankbares Motiv, wenn du die Eigenheiten von Propellerflugzeugen beachtest.
Propeller drehen lassen
Bei sehr kurzer Belichtungszeit frieren die Dreiblattpropeller ein, und das Bild wirkt, als stünden die Triebwerke still. Wähle eine längere Zeit und zieh mit. Wie das geht, steht im Guide Propeller fotografieren: die richtige Verschlusszeit.
Seitenprofil nutzen
Die schlanke Rumpflinie, der gerade Flügel und die Bauchflosse kommen im Seitenprofil am besten zur Geltung. Für Typ-Dokumentation ist das die wichtigste Ansicht.
Kennzeichen sauber erwischen
Bei einem Typ mit rund 500 gebauten Exemplaren erzählt jedes Kennzeichen eine eigene Geschichte. Ein lesbares Kennzeichen macht dein Foto später in Datenbanken erst wertvoll.
Umfeld mitnehmen
Kleine Flugplätze, Frachtvorfelder und Regionalterminals passen zum Charakter des Zubringers. Ein etwas weiterer Ausschnitt erzählt oft mehr als die formatfüllende Nahaufnahme.
Wie alt eine bestimmte Maschine ist, findest du mit dem Guide Flugzeugalter herausfinden heraus. Wenn du gerade erst einsteigst, bringt dich Planespotting für Einsteiger schnell auf Kurs.
Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
Es spricht für den Bandeirante, wenn …
- ein kleiner Zweimot-Tiefdecker mit geradem Flügel vor dir steht
- das Höhenleitwerk klassisch am Rumpfende sitzt
- das Fahrwerk nach dem Abheben eingezogen wird
- im Tracking-Dienst E110 als Typ steht
Sieh genauer hin, wenn …
- die Nase auffällig vergrößert ist – dann kann es ein Seeaufklärer EMB 111 sein
- die Maschine deutlich größer wirkt und eine Druckkabine hat
- du nur die Unterseite im Gegenlicht siehst
Es ist kein Bandeirante, wenn …
- der Flügel oben auf dem Rumpf sitzt
- ein T-Leitwerk das Heck krönt – dann eher EMB 120 oder Beechcraft 1900D
- das Fahrwerk starr ausgefahren bleibt
- Strahltriebwerke am Heck sitzen – dann bist du bei der ERJ 145
Fazit
Der EMB 110 Bandeirante ist weit mehr als ein kleiner Turboprop: Er ist der Grund, warum es Embraer überhaupt gibt. Aus einem staatlichen Entwicklungsprogramm der 1960er-Jahre wurde ein Zubringer, der in knapp 500 Exemplaren auf mehreren Kontinenten flog – und in Irland sogar den Grundstein für Ryanair legte. Heute ist er selten geworden. Gerade das macht jede Sichtung zu einem besonderen Eintrag im Logbuch.
Kurzfazit
Kleiner Tiefdecker, zwei PT6-Turboprops, klassisches Leitwerk, Einziehfahrwerk: Das ist der Bandeirante. Wer ihn sehen will, sucht nach E110, plant eine Reise nach Brasilien oder Nordamerika – oder besucht den Prototyp im Museu Aeroespacial in Rio de Janeiro.
Zusammenfassung
- Der EMB 110 flog am 26. Oktober 1968 als Prototyp YC-95 und ging 1973 in Dienst, zuerst bei der brasilianischen Luftwaffe, dann bei Transbrasil.
- Bis 1990 baute Embraer knapp 500 Exemplare in vielen Versionen, vom Truppentransporter C-95 über Fracht- und Vermessungsmodelle bis zum Seeaufklärer EMB 111.
- Tiefdecker-Layout, klassisches Leitwerk und Einziehfahrwerk trennen ihn von Twin Otter, Dornier 228 und Let L-410; von der EMB 120 unterscheidet ihn das fehlende T-Leitwerk.
- Wer einen Bandeirante sehen will, plant eine Reise nach Brasilien, sucht in Tracking-Diensten nach E110 oder besucht die Museumsexemplare in Rio de Janeiro und São José dos Campos.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Name Bandeirante?
Als Bandeirantes bezeichnet man in Brasilien die Expeditionstrupps der Kolonialzeit, die vom Raum São Paulo aus ins Landesinnere vordrangen. Der Name passt zum Auftrag des Flugzeugs: entlegene Städte des riesigen Landes an das Luftverkehrsnetz anbinden.
Welchen ICAO-Typcode hat der Bandeirante?
Der EMB 110 läuft unter E110. Damit findest du ihn in Tracking-Diensten, unterscheidest aber nicht zwischen den einzelnen Versionen wie P1 oder P2. Dafür brauchst du das Kennzeichen und eine Flottendatenbank.
Warum gilt der Bandeirante als Embraers erstes Flugzeug?
Der Bandeirante wurde ab 1965 in einem staatlichen Programm im Luftfahrt-Technikzentrum in São José dos Campos entwickelt. Um ihn in Serie zu bauen und zu verkaufen, gründete Brasilien im August 1969 die Empresa Brasileira de Aeronáutica – kurz Embraer. Der EMB 110 war damit das erste Serienprodukt des Herstellers.
Hatte der Bandeirante eine Druckkabine?
Nein. Der Bandeirante ist ein Zubringer ohne Druckkabine und fliegt deshalb in vergleichsweise niedrigen Höhen. Den Schritt zur Druckkabine machte Embraer erst mit dem Nachfolger EMB 120 Brasilia.
Ist Ryanair wirklich mit einem Bandeirante gestartet?
Ja. Der erste Ryanair-Flug am 8. Juli 1985 führte von Waterford in Irland nach London-Gatwick, und zwar mit einem 15-sitzigen EMB 110. Schon nach wenigen Jahren stieg die Airline auf größere Flugzeuge um. Mit der heutigen Boeing-737-Flotte hat dieser Anfang nur noch den Namen gemeinsam.
Was ist der Unterschied zwischen EMB 110 und EMB 111?
Die EMB 111 ist eine Seeaufklärer-Version mit Suchradar in einer vergrößerten Nase, in Brasilien als P-95 „Bandeirulha“ bekannt. Die Argentinische Marine lieh sich während des Falklandkriegs 1982 zwei Maschinen als Übergangslösung.
Wo sehe ich heute noch einen Bandeirante?
Am ehesten in Brasilien, wo die Luftwaffe den Typ als C-95 lange in großer Zahl betrieben hat, sowie bei kleinen Fracht- und Regionalbetreibern in Nord- und Mittelamerika. In Europa ist der Typ aus dem Linienverkehr verschwunden. Museumsexemplare stehen unter anderem im Museu Aeroespacial in Rio de Janeiro und im Memorial Aeroespacial Brasileiro in São José dos Campos.
Embraer EMB 110 Bandeirante sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
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