Das Wichtigste in Kürze
- Air Inter ist eine historische französische Inlandsairline: gegründet 1954, regelmäßig im Einsatz ab 1960, 1997 vollständig in Air France aufgegangen.
- Codes: IATA IT, ICAO ITF, Rufzeichen „AIR INTER“.
- Größte Inlandsairline Europas: Mit dichtem Takt ab Paris-Orly beförderte Air Inter in mindestens einem Jahr mehr Passagiere als Air France.
- Einziger Mercure-Betreiber: Die Dassault Mercure flog ab dem 4. Juni 1974 ausschließlich für Air Inter, bis zum 29. April 1995.
- Airbus-Pionier: früher A300-Betreiber und gemeinsam mit Air France und British Caledonian Erstkunde der A320.
- Allwetter-Pionier: Mit der Caravelle trieb Air Inter Landungen bei schlechter Sicht nach Kategorie III voran.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| IATA-Code | IT |
|---|---|
| ICAO-Code | ITF |
| Rufzeichen | AIR INTER |
| Drehkreuze | ORY |
| Status | Historisch – 1996 in Air France Europe überführt, am 1. April 1997 vollständig in Air France aufgegangen |
| Geschäftsmodell | Inlands-Linienverkehr mit hoher Frequenz zwischen Paris und den französischen Großstädten sowie Korsika |
| Gegründet | 12. November 1954 als Lignes Aériennes Intérieures |
| Erster Linienflug | 16. März 1958 zwischen Paris und Straßburg, regelmäßiger Betrieb ab 1960 |
| Eigentümer | Halbstaatlich: Air France und SNCF als Gründungsaktionäre, später UTA größter Einzelaktionär, ab 1990 mehrheitlich Air France |
| Basis | Paris-Orly (ORY), Flüge gebündelt in Orly-Ouest; ab 1974 zusätzlich Strecken ab Paris-Charles de Gaulle |
| Prägende Typen | Vickers Viscount, Fokker F27, Sud Aviation Caravelle, Dassault Mercure, Airbus A300, Airbus A320 |
| Vielfliegerprogramm | Fréquence Plus |
| Ende des Namens | Letzte Flüge unter dem Namen Air Inter Ende 1995, danach Marke Air Inter Europe bis zur Fusion 1997 |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Air Inter?
- Schriftzug „Air Inter“ am Rumpf, ab den 1990er-Jahren „Air Inter Europe“ in einer an Air France angelehnten Bemalung
- Französisches Kennzeichen mit F-, bei der Mercure etwa F-BTTD, bei der Caravelle 12 etwa F-BTOE
- Die Dassault Mercure ist ein sicherer Hinweis: Air Inter war ihr einziger Betreiber
- Typischer Mix auf alten Orly-Fotos: Caravelle, Mercure, A300 und A320 nebeneinander
- Heute nur noch auf historischen Fotos und als Museumsflugzeug zu sehen
Wer sich mit französischer Luftfahrt der 1970er- und 1980er-Jahre beschäftigt, kommt an Air Inter nicht vorbei. Die Inlandsairline verband Paris im dichten Takt mit Lyon, Marseille, Nizza, Toulouse und Korsika, und auf ihrem Vorfeld in Orly stand eine Flotte, die es so nirgendwo sonst gab: Caravelle, die seltene Dassault Mercure, dazu früh A300 und A320. Hier erfährst du, wie Air Inter entstand, was ihre Flotte so besonders machte, woran du sie auf alten Fotos erkennst und wie sie schließlich in Air France aufging.
Historische Airline
Air Inter wurde 1996 in Air France Europe überführt und ging am 1. April 1997 vollständig in Air France auf. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die historische Gesellschaft. Die Codes IT und ITF stehen hier für Air Inter.
Air Inter im Überblick
Air Inter war die französische Inlandsairline schlechthin. Gegründet wurde sie am 12. November 1954 unter dem Namen Lignes Aériennes Intérieures. Hinter ihr standen öffentliche und private Verkehrsunternehmen sowie Banken; die größten Gründungsaktionäre waren Air France und die Staatsbahn SNCF. Später stieg die private UTA schrittweise zum größten Einzelaktionär auf.
Vier Jahre lang existierte Air Inter weitgehend nur auf dem Papier. Am 16. März 1958 startete der erste Linienflug zwischen Paris und Straßburg, doch noch im selben Jahr musste der Betrieb aus finanziellen Gründen wieder ruhen. Erst 1960 begann der regelmäßige Flugverkehr – nachdem der Staat Air Inter im Februar 1960 den Inlandsverkehr auf dem französischen Festland übertragen hatte.
Die Heimat war von Anfang an Paris-Orly. Die Flüge waren im Westterminal Orly-Ouest gebündelt, dort saßen auch Flugbetrieb und Technik. Die Verwaltung zog später von Paris nach Paray-Vieille-Poste, direkt an den Flughafen. Ab 1974 kamen einige Strecken ab Paris-Charles de Gaulle hinzu, die als Zubringer für die Langstrecken von Air France und UTA dienten.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code IT: stand vor den Flugnummern, auf Tickets und Gepäckanhängern.
- ICAO-Code ITF: diente der Flugsicherung zur Kennung der Flüge.
- Rufzeichen AIR INTER: so meldeten sich die Besatzungen im Funk – schlicht und eindeutig.
Wenn du alte Flugpläne, Tickets oder Bordkarten auswertest, ordnest du französische Inlandsflüge mit „IT“ vor der Nummer bis Mitte der 1990er-Jahre Air Inter zu. Wie die beiden Code-Systeme funktionieren, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes.
Französische Klassiker im eigenen Hangar
Mit Planetrack hältst du Caravelle, Mercure oder frühe Airbus-Typen mit Foto, Typ, Kennzeichen und Flughafen fest – egal ob am Vorfeld oder im Museum – und baust dir Stück für Stück eine Sammlung französischer Luftfahrtgeschichte auf. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Die Geschichte in Etappen
1954–1960: Holpriger Start
Gründung im November 1954, erster Linienflug Paris–Straßburg im März 1958 mit einer Douglas DC-3, Pause noch im selben Jahr. 1960 erhält Air Inter den Inlandsverkehr übertragen und fliegt ab dann regelmäßig.
1960er: Viscount und Caravelle
Vickers Viscount werden zum ersten Rückgrat, dann folgen Fokker F27 und die Caravelle. Die Passagierzahlen steigen von 35.000 im Jahr 1958 auf mehrere Millionen.
1970er: Mercure und Airbus
1974 startet die Dassault Mercure in den Liniendienst, im selben Jahr beginnen Flüge ab Charles de Gaulle. Mit dem A300 kommt ein Großraumflugzeug auf die dichtesten Inlandsstrecken.
1980er: Konkurrenz durch den TGV
Ab 1981 fährt der TGV zwischen Paris und Lyon. Air Inter wächst trotzdem weiter, bestellt als einer der Erstkunden die A320 und stellt ab Ende des Jahrzehnts schrittweise auf den neuen Airbus um.
1990–1997: Im Air-France-Konzern
Mit dem Kauf von UTA übernimmt Air France 1990 auch die Kontrolle über Air Inter. Es folgen der Auftritt als Air Inter Europe, die Überführung in Air France Europe zum 1. Januar 1996 und die vollständige Verschmelzung am 1. April 1997.
Europas größte Inlandsairline
Air Inter wuchs vor allem in den 1970er-Jahren rasant. Laut den verfügbaren Statistiken stieg die Zahl der Fluggäste von rund 4,6 Millionen im Jahr 1975 auf etwa 5,7 Millionen im Jahr 1980 und danach weiter. Damit war Air Inter die größte Inlandsairline Europas und beförderte in mindestens einem Jahr sogar mehr Passagiere als Air France.
Das Erfolgsrezept war ein dichter Takt auf wenigen, sehr stark nachgefragten Strecken: Paris nach Lyon, Marseille, Nizza, Toulouse, Bordeaux, Straßburg und Mülhausen, dazu Ajaccio, Bastia und Calvi auf Korsika. Das Prinzip ähnelt eher einem Shuttle als einem klassischen Drehkreuz – den Unterschied erklärt der Artikel über Hub-and-Spoke und Point-to-Point.
Ein Vorläufer der Billigflieger?
Manche Luftfahrthistoriker sehen in Air Inter einen Wegbereiter späterer Low-Cost-Airlines. Sitzplätze wurden nicht vorab zugeteilt, Essen an Bord kostete extra, die Bodenzeiten waren kurz. Für die Preise nutzte Air Inter einen farbigen Tarifkalender in Blau, Weiß und Rot: Je nach Tag und Uhrzeit galten unterschiedliche Preisstufen – ein frühes Beispiel für Ertragssteuerung. Wie das moderne Geschäftsmodell funktioniert, liest du unter Wie Billigflieger funktionieren.
Die Flotte: von der Viscount bis zur A320
Air Inter war eine Airline mit ausgeprägt französischem Flottenprofil – mit Ausnahme der britischen Viscount und der niederländischen F27 kamen die wichtigsten Muster aus Frankreich bzw. von Airbus. Die wichtigsten Typen im Überblick:
| Typ | Zeitraum bei Air Inter | Einsatz | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Douglas DC-3 | Ende 1950er | Erste Linienflüge | Erstflug Paris–Straßburg 1958 |
| Vickers Viscount | 1960er–1970er | Erstes Rückgrat | Britischer Turboprop mit ovalen Fenstern |
| Fokker F27 | 1960er–1980er | Kleinere Inlandsstrecken | Air Inter war großer Kunde der Serie 500 |
| Nord 262 | um 1970 | Dünne Strecken | Vier Maschinen von Rousseau Aviation gemietet |
| Caravelle III und 12 | 1960er–1990er | Hauptstrecken | Triebwerke am Heck, dreieckige Fenster |
| Dassault Mercure 100 | 1974–1995 | Dichte Inlandsstrecken | Air Inter war einziger Betreiber |
| Airbus A300B2/B4 | ab den 1970er-Jahren | Paris–Großstädte | Bis zu 22 Exemplare |
| Airbus A320 | ab Ende der 1980er | Einheitsflotte | Air Inter war Erstkunde |
| A319, A321, A330-300 | 1990er | Ergänzung | Kamen erst in den letzten Betriebsjahren |
Ein Blick auf das Jahr 1980 zeigt den Wandel: Damals bestand die Flotte aus 48 Flugzeugen – Fokker F27, Caravelle in zwei Versionen, zehn Mercure und acht Airbus. Zum Ende hin umfasste die Flotte nach verfügbaren Angaben rund 76 Flugzeuge.
Vickers Viscount und Fokker F27
Die Vickers Viscount aus Großbritannien prägte die ersten Jahre des Linienverkehrs. Sie war ein moderner Turboprop mit Druckkabine und brachte Air Inter in die Turbinenära. Daneben flog Air Inter die Fokker F27 Friendship, vor allem die gestreckte Serie 500, auf kleineren Strecken. Die Frachttochter Intercargo Services nutzte zusätzlich zwei Vickers Vanguard – sie gehörten aber nicht zur Passagierflotte.
Caravelle: Allwetter-Pionier
Die Sud Aviation Caravelle war das erste Strahlflugzeug von Air Inter. Eingesetzt wurden die Version III und die gestreckte Caravelle 12, auch „Super 12“ genannt. Mit der Caravelle betrat Air Inter technisches Neuland: Die Airline gilt als Vorreiter beim automatischen Landen nach Kategorie III, also bei sehr geringer Sicht. Gerade bei Nebel im Pariser Becken war das ein echter Vorteil. Wie Präzisionsanflüge funktionieren, erklärt der Artikel zum ILS-Anflug.
Dassault Mercure: das Einzelstück
Die Dassault Mercure ist der Typ, der Air Inter unverwechselbar macht. Dassault Aviation entwarf den zweistrahligen Kurzstreckenjet als Konkurrenz zur Boeing 737, fand aber außer Air Inter keinen Abnehmer. Air Inter bestellte am 30. Januar 1972 zehn Exemplare und erhielt dafür einen staatlichen Zuschuss. Am 4. Juni 1974 ging die Mercure in den Liniendienst. Gebaut wurden insgesamt nur zwölf Flugzeuge, darunter zwei Prototypen; einen davon übernahm Air Inter später überarbeitet zusätzlich.
Die Mercure bot in reiner Economy-Bestuhlung bis zu 162 Sitze in Sechserreihen. Air Inter flog sie mit dreiköpfiger Cockpitbesatzung, obwohl der Jet für zwei Piloten ausgelegt war. Über ihre gesamte Laufbahn sammelte die kleine Flotte rund 360.000 Flugstunden. Am 29. April 1995 absolvierten die letzten beiden Mercure ihre letzten Linienflüge.
Airbus A300 und A320
Air Inter gehörte zu den frühen Betreibern der Airbus A300. Auf den dichtesten Strecken zwischen Paris und Marseille, Nizza oder Toulouse passte das Großraumflugzeug perfekt ins Konzept. Neben der A300B2 flog auch die A300B4; in der Spitze waren es 22 Maschinen, einige davon bis 1992 gebraucht übernommen.
Noch wichtiger wurde die Airbus A320: Gemeinsam mit Air France und British Caledonian war Air Inter Erstkunde des Fly-by-Wire-Jets. Ab 1989 stellte die Airline schrittweise auf die A320 als Standardmuster um, insgesamt kamen rund 33 Exemplare. In den letzten Jahren kamen A319, A321 und die A330-300 hinzu. Wie du die Mitglieder der A320-Familie auseinanderhältst, zeigt der Artikel A318, A319, A320 und A321 unterscheiden. Mehr zum Hersteller findest du unter Airbus.
Seltene Typen auf der Wunschliste
Setz Klassiker wie A300 oder frühe A320 auf deine Wunschliste – Planetrack benachrichtigt dich, wenn ein Flugzeug dieses Typs in deiner Nähe anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Konkurrenz durch Bahn und neue Airlines
Ironischerweise kam der härteste Gegner aus dem eigenen Aktionärskreis: Die SNCF eröffnete 1981 die TGV-Verbindung zwischen Paris und Lyon und nahm Air Inter auf dieser Strecke spürbar Passagiere ab. Mit jedem neuen Schnellfahrabschnitt wurde der Zug auf weiteren Strecken zur Alternative.
Ab Ende der 1980er-Jahre öffnete Frankreich den Inlandsmarkt schrittweise für den Wettbewerb. Neue Anbieter wie AOM French Airlines, Air Liberté und TAT griffen Air Inter auf den lukrativen Strecken ab Orly an. Hinzu kamen Streiks im Frühjahr 1995, von denen vor allem die Konkurrenz profitierte. Air Inter schätzte, 1995 rund 1,3 Millionen Fluggäste verloren zu haben, und reagierte im Juni mit einem Rabatt von 100 Franc pro Ticket. 1996 kündigte die Gesellschaft an, 18 verlustreiche Strecken zu schließen.
Eine Antwort auf den Wettbewerb war La Navette: Ab November 1996 pendelten Flugzeuge unter der Marke Air Inter Europe zwischen Orly und Toulouse, später auch Marseille und Nizza – in Spitzenzeiten etwa alle 30 Minuten, sonst stündlich.
Der Weg zu Air France
Air France war von Anfang an Aktionär, die Kontrolle hatte sie aber lange nicht. Das änderte sich 1990: Mit dem Kauf von UTA erhielt Air France auch deren Anteil von knapp 36 Prozent an Air Inter und kontrollierte damit über 75 Prozent des Kapitals. Am 12. Januar 1990 wurden Air France, UTA und Air Inter in einer erweiterten Air-France-Gruppe zusammengefasst.
In den folgenden Jahren näherte sich Air Inter optisch und organisatorisch der Mutter an. Die Flugzeuge erhielten eine an Air France angelehnte Bemalung mit dem Schriftzug Air Inter Europe. Die letzten Flüge unter dem alten Namen Air Inter fanden Ende 1995 statt. Zum 1. Januar 1996 ging die Gesellschaft in der neuen Air France Europe auf, die nach außen weiter als Air Inter Europe auftrat. Gegen den Widerstand der Gewerkschaften wurde die Fusion schließlich vollzogen: Am 1. April 1997 verschwand Air Inter als eigenständiges Unternehmen und wurde Teil von Air France. Heute gehört Air France zur Gruppe Air France-KLM.
Später übernahmen auch Konzerntöchter wie HOP! Teile des französischen Inlands- und Regionalverkehrs – ein Thema für sich.
Woran du Air Inter erkennst
Auf alten Fotos aus Frankreich ist Air Inter gut zu identifizieren, wenn du auf Typ, Schriftzug und Kennzeichen achtest:
Spricht für Air Inter
- Schriftzug „Air Inter“ oder „Air Inter Europe“ am Rumpf
- Dassault Mercure – dann ist es praktisch immer Air Inter
- F-Kennzeichen an Caravelle, A300 oder frühen A320
- Aufnahme aus Orly, Lyon, Marseille, Nizza, Toulouse oder Korsika
Spricht dagegen
- Air-France-Schriftzug ohne Zusatz – dann ist es Air France selbst
- Foto nach 1997
- Langstreckenflugzeuge wie Boeing 747 – die flog Air Inter nicht
Nach Fusionen gibt es oft Übergangszustände, in denen Maschinen Elemente zweier Marken tragen – mehr dazu im Artikel über Hybrid- und Mischlackierungen. Wie Airlines ihren Auftritt grundlegend ändern, zeigt Wenn Airlines ihr Design wechseln.
Alte Urlaubsfotos auswerten
Hast du Fotos von Frankreich- oder Korsika-Reisen aus den 1970er- bis 1990er-Jahren? Ein Air-Inter-Jet ist gut möglich. Achte auf das Kennzeichen am Rumpf und auf die Triebwerksanordnung: Heckmotoren deuten auf eine Caravelle, Triebwerke unter den Flügeln bei einem schlanken Zweistrahler auf eine Mercure oder A320. Tipps zum Erkennen alter Typen findest du unter Oldtimer am Himmel erkennen.
Unfälle
Air Inter erlebte in ihrer Geschichte drei tödliche Unfälle. Am 12. August 1963 stürzte eine Viscount im Warteverfahren bei Tramoyes nahe Lyon ab. Am 27. Oktober 1972 prallte eine weitere Viscount im Anflug auf Clermont-Ferrand nahe Noirétable gegen einen Berg; 60 von 68 Menschen an Bord kamen ums Leben.
Der schwerste Unfall ereignete sich am 20. Januar 1992: Flug 148, eine A320 mit dem Kennzeichen F-GGED, flog im Anflug auf Straßburg in einen Höhenzug am Mont Sainte-Odile in den Vogesen. 87 der 96 Insassen starben. Die Untersuchung fand unter anderem heraus, dass die Crew einen Sinkflugwinkel eingeben wollte, der Autopilot aber im Modus für Sinkrate stand – das Flugzeug sank dadurch viel zu steil. Als Folge änderte Airbus die Anzeige, damit die beiden Modi nicht mehr zu verwechseln sind, und Bodenannäherungswarner wurden für die A320 empfohlen. Air Inter rüstete ihre Flotte noch während der Untersuchung damit nach.
Zu den Schäden ohne Verletzte gehört eine A300B2, die im April 1993 in Montpellier beim Zurückschieben einen Lichtmast rammte und anschließend abgeschrieben wurde.
Air Inter heute: Spuren im Museum
Live spotten kannst du Air Inter nicht mehr. Dafür sind gleich mehrere Air-Inter-Flugzeuge erhalten – und einige davon stehen an spannenden Spotter-Orten.
Le Bourget
- Mercure F-BTTD im Musée de l’Air et de l’Espace
- Dazu die Caravelle 12 F-GCVL mit Air-Inter-Vergangenheit
- Ideal kombinierbar mit der Paris Air Show
Toulouse
- Caravelle 12 F-BTOE bei Aeroscopia
- Direkt am Airbus-Werk in Blagnac
Speyer und Marseille
- Mercure-Prototyp F-BTTB im Technik Museum Speyer
- Mercure F-BTTH am Flughafen Marseille Provence
Im Musée de l’Air et de l’Espace in Le Bourget siehst du die Mercure F-BTTD und die Caravelle 12 F-GCVL – den passenden Spot beschreibt die Seite Musée de l’Air am Flughafen Le Bourget. Wer zur Paris Air Show fährt, kann den Besuch gut verbinden. Bei Aeroscopia in Toulouse steht die Caravelle 12 F-BTOE, die ursprünglich an Air Inter ausgeliefert wurde; Tipps für den Spot findest du unter Aeroscopia in Toulouse-Blagnac und im Spotting-Guide für Toulouse.
Auch ohne Frankreich-Reise kommst du an eine Mercure: Das Technik Museum Speyer zeigt den zweiten Prototyp F-BTTB, der später im Liniendienst für Air Inter flog. Prüf vor jedem Besuch die aktuellen Öffnungszeiten und die Aufstellung, denn Exponate werden gelegentlich umgestellt, restauriert oder sind nicht zugänglich. Bevor du an französischen Flughäfen die Kamera zückst, lies außerdem den Artikel zum Fotografieren an französischen Flughäfen.
Häufige Verwechslungen
- Air Inter mit Air France gleichsetzen – bis 1997 waren es zwei getrennte Gesellschaften; Air Inter flog fast nur im Inland.
- Air Inter Europe für eine Neugründung halten – es war dieselbe Airline unter neuem Namen bzw. neuer Konzernstruktur.
- Den IATA-Code IT einer heutigen Airline zuordnen – in historischen Unterlagen bis Mitte der 1990er-Jahre steht IT für Air Inter.
- Air Inter mit Air Littoral oder Brit Air verwechseln – auch Air Littoral und Brit Air flogen französische Inlandsstrecken, waren aber eigenständige Regionalairlines.
- Mercure für eine Boeing 737 halten – die Mercure ist größer, hat einen längeren Rumpf und flog nur in Frankreich.
Museumsfunde und Sichtungen sauber sortiert
Poste deine Fotos von Caravelle, Mercure oder A300 mit Typ, Kennzeichen, Airline und Spot, tausch dich in der Community mit anderen Fans französischer Luftfahrtgeschichte aus und behalte deine Sammlung im Hangar im Blick. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Air Inter war über Jahrzehnte das Rückgrat des französischen Inlandsverkehrs und zeitweise die größte Inlandsairline Europas. Sie flog Typen, die anderswo selten oder gar nicht zu sehen waren, allen voran die Dassault Mercure, und war bei Caravelle, A300 und A320 technisch vorn mit dabei. Gegen TGV, neue Wettbewerber und die Konzernpläne der Air France konnte sie sich am Ende nicht als eigene Marke halten. Für Spotter bleibt sie ein Stück französischer Luftfahrtgeschichte, das du heute in Le Bourget, Toulouse und Speyer besichtigen kannst.
Kurzfazit
Air Inter (IATA IT, ICAO ITF) war eine historische französische Inlandsairline von 1954 bis 1997 mit Basis in Paris-Orly. Bekannt ist sie als einziger Betreiber der Dassault Mercure und als früher Airbus-Kunde. Ab 1996 trat sie als Air Inter Europe auf und ging am 1. April 1997 in Air France auf.
Zusammenfassung
- Air Inter verband ab 1960 Paris mit Lyon, Marseille, Nizza, Toulouse, Bordeaux, Straßburg, Mülhausen und Korsika und war über Jahrzehnte das Rückgrat des französischen Inlandsverkehrs.
- Die Flotte reichte von Viscount und F27 über Caravelle und die einzigartige Dassault Mercure bis zu A300, A320 und späten A330 – ein Querschnitt französischer und europäischer Verkehrsflugzeuge.
- Nach der Übernahme von UTA kontrollierte Air France ab 1990 auch Air Inter; über Air Inter Europe und Air France Europe ging die Gesellschaft am 1. April 1997 in Air France auf.
- Live spotten kannst du Air Inter nicht mehr – aber Caravelle und Mercure in Air-Inter-Geschichte stehen in Museen in Le Bourget, Toulouse und Speyer.
Häufige Fragen
Gibt es Air Inter heute noch?
Nein. Air Inter wurde zum 1. Januar 1996 in die neu gegründete Air France Europe überführt und trat als Air Inter Europe auf. Am 1. April 1997 ging die Gesellschaft vollständig in Air France auf und verschwand als eigenes Unternehmen. Ihre Inlandsstrecken übernahm Air France.
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Air Inter?
Air Inter nutzte den IATA-Code IT und den ICAO-Code ITF. Im Funk meldeten sich die Crews mit dem Rufzeichen „AIR INTER“. Die Codes beziehen sich auf die historische Gesellschaft – in heutigen Flugplänen steht IT nicht mehr für Air Inter.
Warum ist Air Inter für Mercure-Fans so wichtig?
Die Dassault Mercure fand außer Air Inter keinen einzigen Kunden. Air Inter bestellte 1972 zehn Exemplare, nahm sie ab Juni 1974 in Betrieb und flog sie gut 20 Jahre lang auf Inlandsstrecken. Die letzten beiden Mercure absolvierten am 29. April 1995 ihre letzten Linienflüge. Jedes Mercure-Foto aus dem Liniendienst zeigt also eine Air-Inter-Maschine.
Welche Flugzeuge flog Air Inter?
In den Anfangsjahren Douglas DC-3 und später Vickers Viscount, dazu Fokker F27 und geleaste Nord 262. Ab den 1960er-Jahren prägte die Caravelle die Flotte, ab 1974 die Mercure. Danach folgten Airbus A300 und ab Ende der 1980er-Jahre die A320, in den letzten Jahren auch A319, A321 und A330-300.
Was hatte Air Inter mit der SNCF zu tun?
Die französische Staatsbahn SNCF gehörte neben Air France zu den Gründungsaktionären. Später wurde die Bahn zum härtesten Konkurrenten: Ab 1981 nahm der TGV zwischen Paris und Lyon Air Inter spürbar Fluggäste ab.
Was war La Navette?
La Navette war ein Pendeldienst ab Paris-Orly, der im November 1996 unter der Marke Air Inter Europe startete, zunächst nach Toulouse, später auch nach Marseille und Nizza. Außerhalb der Spitzenzeiten ging es stündlich, in den Hauptverkehrszeiten etwa alle 30 Minuten. Air France führte das Konzept nach der Fusion weiter.
Wo kann ich heute noch ein Air-Inter-Flugzeug sehen?
Im Musée de l’Air et de l’Espace in Le Bourget stehen die Mercure F-BTTD und die Caravelle 12 F-GCVL, bei Aeroscopia in Toulouse die Caravelle 12 F-BTOE. Der Mercure-Prototyp F-BTTB, der später für Air Inter flog, steht im Technik Museum Speyer. Prüf vor dem Besuch Öffnungszeiten und Aufstellung, denn Exponate werden gelegentlich umgestellt oder restauriert.
Air Inter im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Sud Aviation Caravelle
Zwei Triebwerke am Heck, dreieckige Kabinenfenster und eine Nase von der Comet: Die Caravelle war Frankreichs erster Jetliner und machte die Hecktriebwerks-Bauweise salonfähig. So erkennst du sie – und hier siehst du sie heute noch.
FlugzeugtypDassault Mercure
Ein französischer Kurzstreckenjet, der größer und schneller als die Boeing 737 war und trotzdem nur einen Kunden fand: Die Dassault Mercure flog von 1974 bis 1995 ausschließlich für Air Inter. So erkennst du sie und findest sie heute im Museum.
FlugzeugtypAirbus A300B2
Mit der A300B2 begann 1974 die Airbus-Geschichte im Liniendienst: der erste zweistrahlige Großraumjet der Welt, gebaut von einem europäischen Konsortium. Hier erfährst du, wie es dazu kam, was die B2 technisch ausmacht und wie du sie von B4 und -600 unterscheidest.
FlugzeugtypAirbus A300B4
Die A300B4 war die Version, mit der Airbus wirklich ins Geschäft kam: mehr Treibstoff, mehr Reichweite, und 1978 der Durchbruch in den USA. Heute ist sie eine Rarität, die fast nur noch als Frachter unterwegs ist.
FlugzeugtypAirbus A320 (ceo)
Der Jet, mit dem Airbus den Kurzstreckenmarkt umgekrempelt hat: Die A320 der ersten Generation ist seit 1988 im Dienst und noch immer an fast jedem Flughafen zu sehen. So erkennst du sie und ihre Varianten.
FlugzeugtypAirbus A319
Kurz, kompakt und seit 1996 im Liniendienst: Die A319 ist das gestutzte Mitglied der A320-Familie. So trennst du sie sicher von A318, A320 und A319neo.
FlugzeugtypAirbus A321 (ceo)
Der lange Airbus aus Hamburg: Die A321ceo ist der gestreckte Ableger der A320 und seit 1994 bei Lufthansa im Einsatz. Vier Türpaare und schlanke Proportionen verraten sie – so erkennst du sie sicher.
FlugzeugtypAirbus A330-300
Langer Rumpf, zwei Triebwerke, aufgesetzte Winglets: Die A330-300 ist seit über 30 Jahren ein Arbeitstier der Langstrecke. So erkennst du sie und grenzt sie von ihren Geschwistern ab.
FlugzeugtypVickers Viscount
Riesige ovale Fenster, vier pfeifende Rolls-Royce-Dart-Turbinen und ein Platz in den Geschichtsbüchern: Die Vickers Viscount brachte 1953 als erstes Turboprop-Flugzeug den Linienverkehr in Schwung. Hier erfährst du, wie du sie erkennst und wo du die letzten Exemplare findest.
FlugzeugtypFokker F27 Friendship
Hoher Flügel, zwei Rolls-Royce-Dart-Turboprops und große ovale Fenster: Die Fokker F27 Friendship war Europas erfolgreichster Turboprop-Airliner ihrer Zeit. Heute ist sie ein echter Sammlerfang.
FlugzeugtypDouglas DC-3 / C-47
Zwei Sternmotoren, Spornrad, schräg stehender Rumpf am Boden: Die DC-3 und ihre Militärschwester C-47 sind Legenden. So erkennst du sie und so findest du die letzten Flieger in Europa.
FlugzeugtypVickers Vanguard
Vier kräftige Tyne-Turboprops, ein bauchiger Rumpf und später ein riesiges Frachttor: Die Vanguard kam als Passagierflugzeug zu spät, als Frachter Merchantman flog sie dafür bis 1996.
Weitere Airlines
Air France
Frankreichs Netzwerk-Airline mit dem Drehkreuz Paris-Charles de Gaulle: Gründungsmitglied von SkyTeam, Teil der Air France-KLM-Gruppe und mit einer Langstreckenflotte aus Airbus A350 und Boeing 777.
NetzwerkUTA – Union de Transports Aériens
Historische französische Airline (1963–1992): Die private UTA flog von Paris mit DC-8, DC-10 und Boeing 747 nach West- und Zentralafrika, in den Pazifik und nach Kalifornien – bis Air France sie übernahm. Traurig bekannt wurde sie durch den Bombenanschlag auf Flug 772 über der Ténéré-Wüste 1989.
NetzwerkAir Liberté
Historische französische Airline aus Paris-Orly: 1987 als Charterairline gegründet, ab 1995 Herausforderer von Air Inter im Inland, dann bei British Airways und Swissair – und ab 2001 als Air Lib bis zur Liquidation 2003.
NetzwerkAOM French Airlines
Historische französische Airline mit Basis in Paris-Orly. AOM entstand aus Air Outre Mer und Minerve, flog DC-10-30 in die Überseegebiete und MD-83 im Inland und ging 2001 mit Air Liberté in Air Lib auf.
RegionalAir Littoral
Historische französische Regionalairline aus Montpellier. Air Littoral begann 1972 mit einer Islander, brachte die ATR 42 als Erstkunde in den Liniendienst, flog zuletzt CRJ100 und ATR 42-500 und wurde im Februar 2004 eingestellt.
RegionalBrit Air
Historische Regionalairline aus Morlaix in der Bretagne. Brit Air startete 1973 als Lufttaxi, flog ATR, Saab 340 und Fokker 100, brachte CRJ700 und CRJ1000 als Erstkunde in den Liniendienst und ging ab 2013 in HOP! auf.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Paris-Orly
Der zweite große Pariser Flughafen: knapp 35 Millionen Passagiere, strenge Nachtruhe und ein Deckel für die Flugbewegungen, seit 2026 mit Transavia France als wichtigster Airline – und mit Air Caraïbes, French Bee und Corsair die Adresse für französische Langstrecke in die Überseegebiete.
FlughafenFlughafen Paris-Charles de Gaulle
Größter Flughafen der EU und Heimat von Air France: vier Ost-West-Bahnen in zwei Paaren, ein riesiges Terminal 2, das FedEx-Drehkreuz für Europa – und ein Spotter-Umfeld, das ohne Genehmigung, Auto und gute Vorbereitung schnell frustriert.
Airline-GruppeAir France-KLM
Air France-KLM ist ein französisch-niederländischer Konzern mit zwei Netzwerk-Airlines, zwei Transavia-Betrieben und eigenen Regionaltöchtern. Wer am Zaun nur auf Blau-Weiß-Rot oder KLM-Blau achtet, verpasst die halbe Gruppe.
HerstellerDassault Aviation
Dassault Aviation baut in Frankreich Kampfjets und die Businessjets der Falcon-Familie. Für Spotter heißt das: Rafale auf Airshows und Militärflugplätzen, Falcons auf jedem größeren Flughafen mit Geschäftsreiseverkehr – und mit ein paar Merkmalen am Heck lassen sich die Modelle sicher auseinanderhalten.
Wo du Air Inter vor die Linse bekommst
Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Musée de l'Air et de l'Espace am Flughafen Paris-Le Bourget
Im alten Pariser Flughafenterminal von 1937 steht eines der größten Luftfahrtmuseen der Welt: zwei Concorde, eine begehbare Air-France-747, die A380 Nummer vier und von den Terrassen der Blick auf Europas wichtigsten Businessjet-Flughafen. So holst du als Spotter das Meiste aus dem Besuch heraus.
MuseumAeroscopia am Flughafen Toulouse-Blagnac
Direkt neben der Airbus-Endmontage in Blagnac stehen zwei Concordes, der zweite A380 überhaupt und das erste A320-Testflugzeug. Aeroscopia ist der perfekte Startpunkt für einen Spottertag in Toulouse – mit Werkstour, Testflugzeugen und dem Beluga-Verkehr nur wenige Kilometer entfernt.
Passende Guides aus dem Blog
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