Das Wichtigste in Kürze
- Air Liberté ist eine historische französische Airline mit Basis in Paris-Orly, gegründet 1987 und ab September 2001 als Air Lib geführt.
- Codes: IATA IJ, ICAO LIB, Rufzeichen „LIBERTE“; als Air Lib IATA IW und Rufzeichen „AIR LIB“.
- Vom Charter zum Linienverkehr: Ab 1995 forderte Air Liberté Air Inter mit Kampfpreisen auf Strecken wie Orly–Toulouse heraus.
- Drei Großaktionäre in fünf Jahren: British Airways ab 1997, Swissair ab 2000, Jean-Charles Corbet ab 2001.
- Ende als Air Lib: Nach der Fusion mit AOM und dem Swissair-Kollaps wurde die Gesellschaft im Februar 2003 liquidiert.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| IATA-Code | IJ |
|---|---|
| ICAO-Code | LIB |
| Rufzeichen | LIBERTE |
| Drehkreuze | ORY |
| Status | Historisch – 2001 mit AOM zusammengelegt und in Air Lib umbenannt, Flugbetrieb im Februar 2003 eingestellt, Liquidation am 17. Februar 2003 |
| Geschäftsmodell | Anfangs Charterairline für Ferienziele, ab Anfang der 1990er-Jahre auch Linienverkehr in die Überseegebiete, nach Kanada und ab 1995 im französischen Inland |
| Gegründet | Juli 1987 von Lotfi Belhassine; Flugbetrieb ab April 1988 |
| Basis | Paris-Orly (ORY); Firmensitz zunächst in Rungis, als Air Lib am Flughafen Orly |
| Eigentümer | Anfangs Reiseveranstalter Aquarius, ab 1997 British Airways (67 %) mit der Bank Rivaud, ab Mai 2000 eine Konstruktion unter Führung der SAirGroup (Swissair), ab Juli 2001 die Holding Holco von Jean-Charles Corbet |
| Prägende Typen | McDonnell Douglas MD-83 und DC-10-30, dazu Boeing 737, nach der TAT-Integration Fokker 100 und ATR |
| Vielfliegerprogramm | Executive Club von British Airways (1997–2000), danach Qualiflyer im Swissair-Verbund |
| Nachfolgecodes | Als Air Lib ab 2001 IATA IW (vorher AOM), ICAO LIB, Rufzeichen AIR LIB |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Air Liberté?
- Schriftzug „Air Liberté“ am Rumpf, wobei sich der Auftritt mit den Eigentümerwechseln mehrfach änderte
- Ab Herbst 2001 Schriftzug „Air Lib“ bzw. „Air Lib Express“
- Französisches Kennzeichen mit F-, etwa F-GHED bei einer MD-83
- Typ-Mix als Indiz: MD-83 im Inland ab Orly, DC-10-30 in die Überseegebiete, später Fokker 100 und ATR aus dem TAT-Bestand
- Heute nur noch auf historischen Fotos zu sehen
Wer in Fotoarchiven aus Orly der 1990er-Jahre stöbert, findet zwischen Air France, Air Inter und AOM eine weitere Airline mit selbstbewusstem Namen: Air Liberté. Sie begann als Charterflieger, wagte 1995 den Preiskampf gegen Air Inter, wechselte binnen weniger Jahre von British Airways zu Swissair und endete als Air Lib in einer der bekanntesten Airline-Pleiten Frankreichs. Hier erfährst du, wie das alles zusammenhängt, welche Flugzeuge die Airline flog und woran du sie auf alten Fotos erkennst.
Historische Airline
Air Liberté flog unter diesem Namen von 1988 bis 2001 und danach als Air Lib, die im Februar 2003 den Betrieb einstellte und liquidiert wurde. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die historische Airline. Die Codes IJ und LIB stehen hier für Air Liberté.
Air Liberté im Überblick
Air Liberté war eine private französische Airline mit Basis am Flughafen Paris-Orly. Gegründet wurde sie im Juli 1987 von dem Unternehmer Lotfi Belhassine, wichtigster Geldgeber war anfangs der Reiseveranstalter Aquarius. Im April 1988 hob die erste Maschine ab, ein gemieteter Jet der MD-80-Familie. Das Geschäft bestand zunächst aus Charterflügen zu Ferienzielen in Südeuropa und rund ums Mittelmeer, dazu kamen einzelne Fernziele.
Anders als viele Charterairlines blieb Air Liberté nicht bei Pauschalreisen. Sie drängte früh in den Linienverkehr und nutzte jede Lücke, die die schrittweise Öffnung des französischen Luftverkehrs bot – zuerst auf internationalen und Überseestrecken, ab 1995 dann im Herzen des Inlandsmarkts, der bis dahin Air Inter gehört hatte. Damit wurde Air Liberté zu einem der wichtigsten privaten Wettbewerber der staatlichen Air France und ihrer Tochter Air Inter.
Die Kehrseite: Die Airline schrieb Mitte der 1990er-Jahre hohe Verluste, ging 1996 in ein Insolvenzverfahren und wechselte danach mehrfach den Eigentümer. Für Spotter ist das ein Glücksfall, denn jede Phase brachte eigene Flugzeuge und eigene Bemalungen.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code IJ: stand bis 2001 vor den Flugnummern und auf Tickets.
- ICAO-Code LIB: Kennung im Flugplan – blieb auch bei Air Lib bis 2003 in Gebrauch.
- Rufzeichen LIBERTE: so meldeten sich die Crews im Funk; Air Lib nutzte später „AIR LIB“.
Nach der Fusion mit AOM übernahm Air Lib den IATA-Code IW der AOM French Airlines. Ein Flugplan mit IW-Flugnummern kann also AOM, Air Lib oder Air Lib Express bedeuten – entscheidend ist das Datum. Wie IATA- und ICAO-Codes vergeben und weitergereicht werden, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes.
Französische Airline-Geschichte im Hangar
Mit Planetrack hältst du Sichtungen mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen fest – und baust dir eine Sammlung auf, in der auch MD-80 und DC-10 ihren Platz haben. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Geschichte: vom Charterflieger zur Air Lib
Gründung und Charterjahre (1987–1990)
Air Liberté startete als klassischer Ferienflieger. Die Flugzeuge brachten Urlauber aus Frankreich ans Mittelmeer, nach Spanien, Portugal, Tunesien und Marokko. Für Tunesien entstand sogar eine eigene Tochter, Air Liberté Tunisie, die Mitte der 1990er-Jahre an eine tunesische Tourismusgruppe verkauft wurde und als Nouvelair weiterflog. Schon 1988 kündigte Air Liberté die Bestellung von zwei Airbus A300-600R an – ein Zeichen, dass das Unternehmen größer denken wollte.
Im Dezember 1990 machte die Airline Schlagzeilen mit einem Flug nach Kambodscha, nach Angaben der französischen Wikipedia dem ersten einer westlichen Gesellschaft seit 1975. Um 1990 erlangte zudem der Club Méditerranée über die Übernahme von Aquarius Einfluss auf die Airline.
Erste Linienflüge (1991–1994)
Anfang der 1990er-Jahre lockerte Frankreich den Zugang zu Linienstrecken, und private Anbieter wie Air Liberté und die Charterairline Minerve – später Teil von AOM – drängten in den Markt; 1991 traten beide kurzzeitig sogar in einem gemeinsamen Auftritt an. Ab 1991 flog Air Liberté planmäßig nach La Réunion sowie nach Rom und Montreal. Am 1. August 1993 kamen Linienflüge auf die Antillen hinzu, also nach Pointe-à-Pitre und Fort-de-France. Auf diesen Langstrecken setzte die Airline die DC-10-30 ein.
Angriff auf Air Inter (1995)
Anfang 1995 öffnete Frankreich die ersten großen Inlandsstrecken ab Orly, die bis dahin Air Inter vorbehalten waren, für Wettbewerber. Air Liberté war sofort zur Stelle: Sie startete 1995 Orly–Toulouse, im Laufe des Jahres folgten Bordeaux und Straßburg. Auf der Toulouse-Strecke entbrannte ein Preiskampf, über den die Fachpresse ausführlich berichtete – beide Airlines unterboten sich mit Spartarifen.
Kurz darauf übernahm Air Liberté den Linienbetrieb der Charterairline Euralair samt Slots in Orly. Damit wuchs das Inlandsnetz rasch. Wer wissen will, wie es in Toulouse heute für Spotter aussieht, findet Tipps unter Planespotting in Toulouse-Blagnac.
Insolvenz und British Airways (1996–2000)
Der schnelle Ausbau kostete viel Geld. Am 26. September 1996 kam Air Liberté in ein gerichtliches Sanierungsverfahren. Um die Airline bewarben sich mehrere Interessenten, darunter AOM. Den Zuschlag erhielt British Airways: Über ihre französische Tochter TAT European Airlines übernahm BA Anfang 1997 67 Prozent, die Bankengruppe Rivaud beteiligte sich ebenfalls. An die Spitze rückte Marc Rochet, der zuvor AOM geführt hatte.
Ab dem 1. April 1997 flogen TAT und Air Liberté gemeinsam als „TAT – Air Liberté“, im Oktober 1997 setzte sich wieder der Name Air Liberté durch. Mit TAT kamen Regionalflugzeuge wie Fokker 100, ATR 42 und ATR 72 in die Flotte. Ende 1997 zählte Air Liberté rund 39 Flugzeuge. Ab Bordeaux eröffnete sie im Dezember 1997 Verbindungen nach Madrid, Barcelona und Lissabon.
1998 bekam die Airline neue Uniformen, entworfen vom Modehaus Ted Lapidus. Passagiere sammelten Meilen im BA-Programm Executive Club, und laut englischer Wikipedia war Air Liberté von 1999 bis 2000 als Affiliate an die Allianz oneworld angebunden. Streiks und anhaltende Verluste blieben trotzdem ein Thema.
Im Swissair-Verbund (2000–2001)
Im Mai 2000 verkaufte BA Air Liberté. Käufer war eine Konstruktion um die Swissair-Muttergesellschaft SAirGroup und die Beteiligungsgesellschaft Taitbout Antibes aus der Marine-Wendel-Gruppe. Swissair besaß damals bereits Anteile an AOM und Air Littoral und wollte die drei französischen Airlines zu einem Gegengewicht zu Air France formen. Air Liberté wechselte ins Vielfliegerprogramm Qualiflyer, das Swissair mit Partnern wie Sabena und Crossair betrieb.
Ende März 2001 legte die Swissair Group den Flugbetrieb von AOM und Air Liberté zusammen. Die Integration war schwierig: zwei Flugbetriebszulassungen, überlappende Strecken, Arbeitskämpfe. Als Swissair und Marine Wendel kein weiteres Kapital nachschießen wollten, meldete AOM-Air Liberté im Juni 2001 Insolvenz an.
Air Lib und das Ende (2001–2003)
Am 27. Juli 2001 erhielt die Holding Holco des Air-France-Piloten Jean-Charles Corbet den Zuschlag. Ihr Plan sah vor, rund 2.700 von gut 4.500 Arbeitsplätzen und 28 von 50 Flugzeugen zu erhalten; Swissair sagte Geld für die Restrukturierung zu. Im September 2001 trat die Gesellschaft als Air Lib auf. Kurz darauf brach Swissair selbst zusammen, und der französische Staat sprang mit einem Darlehen ein.
Air Lib versuchte es 2002 mit der Niedrigpreismarke Air Lib Express auf Verbindungen von Paris nach Südfrankreich und halbierte im Sommer 2002 die Flüge in die Überseegebiete. Die Rettung gelang nicht: Anfang Februar 2003 stand der Flugbetrieb still (die englische Wikipedia nennt den 6. Februar), am 17. Februar 2003 ordnete das Handelsgericht die Liquidation an. Corbet wurde 2007 unter anderem wegen der Verwendung von Swissair-Geldern verurteilt. Mehr zu solchen Zusammenbrüchen liest du unter Große Airline-Pleiten in Europa.
1987–1990: Charterairline
Gründung im Juli 1987, Betriebsstart im April 1988 mit MD-80-Jets, Ferienflüge ans Mittelmeer.
1991–1996: Linienairline
Réunion, Montreal und Antillen, ab 1995 Inlandsstrecken ab Orly im Wettbewerb mit Air Inter. Im September 1996 Insolvenzverfahren.
1997–2000: British Airways
BA übernimmt 67 Prozent, Zusammenlegung mit TAT, neue Uniformen 1998.
2000–2003: Swissair und Air Lib
Verkauf an die Swissair-Seite, 2001 Fusion mit AOM, ab September 2001 Air Lib, Liquidation im Februar 2003.
Das Streckennetz
Air Liberté flog über die Jahre eine bunte Mischung aus Inlands-, Übersee-, Ferien- und Langstreckenzielen. Die Tabelle zeigt eine Auswahl aus verschiedenen Phasen:
| Region | Ziele (Auswahl) | Typischer Typ |
|---|---|---|
| Frankreich (Festland) | Toulouse, Bordeaux, Straßburg, Nizza, Montpellier, Perpignan, Toulon | MD-83, Fokker 100, ATR |
| Korsika und Regionalflughäfen | Figari, Rodez, Aurillac, Brive, Lannion, Épinal | Fokker 100, ATR, Brasilia |
| Überseegebiete | Saint-Denis (Réunion), Pointe-à-Pitre, Fort-de-France | DC-10-30 |
| Nordamerika | Montreal, Toronto | DC-10-30 |
| Europa und Mittelmeer | London-Heathrow, Rom, Lissabon, Porto, Faro, Málaga, Alicante, Malta, Tunis, Djerba, Casablanca | MD-83, 737 |
| Asien | Bangkok, Colombo, Karachi | DC-10-30 |
Die vielen kleinen französischen Ziele stammen überwiegend aus der TAT-Zeit, als regionale Zubringer zur Flotte gehörten. Wie sich Charter- und Linienverkehr unterscheiden – ein Thema, das Air Liberté selbst durchlebt hat –, erklärt der Artikel Charterflug und Linienflug.
Die Flotte
Eine einzige verlässliche Gesamtliste gibt es nicht, denn die Flotte änderte sich mit jedem Eigentümerwechsel. Laut der englischen Wikipedia bestand sie Mitte der 1990er-Jahre aus fünf Boeing 737-200, acht MD-83 und fünf DC-10 – eine Angabe ohne weiteren Beleg. Über die gesamte Zeit tauchen folgende Typen auf:
| Typ | Einsatz | Hinweis |
|---|---|---|
| McDonnell Douglas MD-83 | Inland, Ferienziele, Mittelstrecke | Rückgrat der Kurz- und Mittelstrecke |
| McDonnell Douglas MD-82 | Kurz- und Mittelstrecke | Später auch bei Air Lib |
| McDonnell Douglas DC-10-30 | Überseegebiete, Kanada, Asien | Langstrecken-Arbeitspferd |
| Boeing 737-200, -300, -600 | Inland und Europa | Teils von Euralair übernommen |
| Airbus A300-600R, A310 | Mittel- und Langstrecke | Nur wenige Exemplare |
| Boeing 747-100 | Langstrecke | Einzelstück in der frühen Bemalung |
| Fokker 100, Fokker 28 | Regionalstrecken | Aus dem TAT-Bestand |
| ATR 42-300, ATR 72-200 | Regionalstrecken | Aus dem TAT-Bestand |
| Embraer EMB 120 Brasilia | Kleine Regionalstrecken | Aus dem TAT-Bestand |
MD-83: das Inlandspferd
Die MD-83 war das Flugzeug, mit dem Air Liberté den Kampf um Orly führte. Der schlanke Zweistrahler mit Hecktriebwerken und T-Leitwerk bot genug Reichweite für Ferienziele am Mittelmeer und genug Sitze für dichte Inlandsstrecken. Ergänzt wurde er durch die MD-82, die äußerlich praktisch gleich aussieht – auseinanderhalten kannst du die beiden in der Regel nur über das Kennzeichen. Hersteller war McDonnell Douglas.
DC-10-30: die Langstrecke
Für Réunion, die Antillen und Kanada nutzte Air Liberté die DC-10-30. Typisches Merkmal ist das dritte Triebwerk im Seitenleitwerk und das zusätzliche Mittelfahrwerk der Langstreckenversion. Nach der Fusion mit AOM, die selbst stark auf die DC-10 gesetzt hatte, wurde der Dreistrahler zum prägenden Langstreckenmuster von Air Lib.
Fokker und ATR: das TAT-Erbe
Mit der Integration von TAT bekam Air Liberté ab 1997 eine Regionalflotte: die Fokker 100, ältere Fokker F28, Turboprops von ATR und die Embraer EMB 120 Brasilia. Wie du ATR 42 und ATR 72 auseinanderhältst, zeigt Turboprops unterscheiden. Die Fokker-Jets erkennst du am T-Leitwerk mit Hecktriebwerken – ähnlich wie die MD-80, aber deutlich kleiner. Hersteller war Fokker.
MD-80 auf der Wunschliste
Setz Typen wie MD-83 oder Fokker 100 auf deine Wunschliste und richte Sichtungs-Alarme ein – Planetrack benachrichtigt dich, wenn ein Flugzeug dieses Typs in deiner Nähe anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du Air Liberté erkennst
Air Liberté hat in ihrer kurzen Geschichte mehrfach ihr Erscheinungsbild gewechselt. Das macht die Zuordnung alter Fotos spannend:
Spricht für Air Liberté
- Schriftzug „Air Liberté“ am Rumpf
- MD-83 oder DC-10-30 mit französischem F-Kennzeichen
- Fokker 100 oder ATR mit Air-Liberté-Schriftzug aus der TAT-Zeit ab 1997
- Aufnahme aus Orly, Toulouse, Bordeaux oder Straßburg zwischen 1995 und 2001
Spricht dagegen
- Schriftzug „Air Lib“ – dann ist es die Nachfolgegesellschaft ab Herbst 2001
- Schriftzug „AOM“ auf einer DC-10 – dann ist es die Fusionspartnerin
- Schriftzug „TAT“ auf einer Fokker – dann ist es die BA-Tochter vor oder während der Integration
Sicherheit bringt wie immer das Kennzeichen. Air-Liberté-Flugzeuge waren in Frankreich registriert und tragen ein F- vor der Buchstabenfolge, etwa F-GHED bei der MD-83, die im Mai 2000 in den Zwischenfall in Paris-Charles de Gaulle verwickelt war. Über das Kennzeichen kannst du verfolgen, wo eine Maschine vorher und nachher flog. Tipps zum Wechsel von Airline-Designs gibt der Artikel Wenn Airlines ihr Design wechseln, allgemeine Hinweise zu alten Typen findest du unter Oldtimer am Himmel erkennen.
Welcher Name, welches Jahr?
Für die Zuordnung alter Fotos hilft eine grobe Regel: 1988 bis März 1997 Air Liberté, kurz darauf „TAT – Air Liberté“, ab Oktober 1997 wieder Air Liberté, ab März 2001 AOM/Air Liberté und ab September 2001 Air Lib. In Übergangsphasen tragen Flugzeuge oft Elemente mehrerer Marken – mehr dazu unter Hybrid- und Mischlackierungen erkennen.
Unfälle und Zwischenfälle
Der bekannteste Zwischenfall ereignete sich am 25. Mai 2000 nachts am Flughafen Paris-Charles de Gaulle. Die MD-83 F-GHED sollte als Flug 8807 nach Madrid starten, als eine Shorts 330 der Frachtairline Streamline Aviation über einen Zwischenrollweg auf dieselbe Piste rollte. Eine Tragfläche der MD-83 traf das Cockpit der Shorts; deren Copilot kam ums Leben, der Kapitän wurde verletzt. Die MD-83 brach den Start ab, an Bord wurde niemand verletzt, und das Flugzeug kehrte nach der Reparatur in den Dienst zurück.
Die französische Untersuchungsbehörde BEA sah die Ursache vor allem in einem Fehlbild des Lotsen über die Position der beiden Flugzeuge. Als begünstigende Faktoren nannte sie unter anderem Abstimmungsprobleme zwischen Boden- und Turmlotsen, schlechte Sicht und verwirrenden Funkverkehr auf Französisch und Englisch. Die BEA empfahl daraufhin, in Charles de Gaulle nur noch auf Englisch zu funken.
Air Liberté heute: Spuren für Spotter
Die Airline ist seit über 20 Jahren Geschichte, ihre Flugzeuge sind längst weitergezogen oder verschrottet. Für Spotter bleibt Air Liberté ein Archivthema: alte Dias aus Orly, Bordkarten, Flugpläne mit IJ-Flugnummern, Modelle in den verschiedenen Bemalungen. Wer heute in Orly, Toulouse oder Bordeaux fotografiert, sieht an denselben Pisten die Nachfolger im Inlands- und Überseeverkehr. Bevor du an französischen Flughäfen die Kamera auspackst, lies die Hinweise zum Fotografieren an französischen Flughäfen.
Gute Chancen auf Air-Liberté-Material, wenn …
- du Fotoarchive aus Orly, Toulouse oder Bordeaux der 1990er-Jahre durchsuchst
- du Urlaubsfotos von Mittelmeerflughäfen oder aus La Réunion jener Zeit hast
- du auf Sammlerbörsen nach Modellen, Flugplänen und Bordkarten suchst
Keine Chance, wenn …
- du Air Liberté oder Air Lib live am Zaun erwischen willst – der Flugbetrieb endete im Februar 2003
Häufige Verwechslungen
- Air Liberté mit AOM gleichsetzen – beide flogen ab Orly und wurden 2001 zusammengelegt, waren davor aber eigenständige Konkurrenten.
- Air Lib für eine eigene Neugründung halten – Air Lib war die umbenannte, fusionierte Gesellschaft aus Air Liberté und AOM.
- Den IATA-Code IW Air Liberté zuschreiben – IW stammte von AOM; Air Liberté selbst flog unter IJ.
- Air Liberté in der BA-Zeit für British Airways halten – trotz britischer Mehrheit flog die Airline unter eigenem Schriftzug und mit französischen Kennzeichen.
- Air Liberté Tunisie mit Tunisair verwechseln – die frühere Tochter wurde zu Nouvelair, nicht zu Tunisair.
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Poste deine Fotos von MD-83, DC-10 oder Fokker 100 mit Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen, tausch dich in der Community mit anderen Fans französischer Luftfahrtgeschichte aus und behalte deine Sammlung im Hangar im Blick. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Air Liberté verkörpert wie kaum eine andere Airline die Umbruchjahre des französischen Luftverkehrs. Als Charterflieger gestartet, nutzte sie die Marktöffnung, forderte Air Inter auf deren Kernstrecken heraus und wurde zum Spielball großer Konzerne: erst British Airways, dann Swissair. Die Fusion mit AOM zu Air Lib sollte einen starken Konkurrenten für Air France schaffen, endete aber im Februar 2003 in der Liquidation. Für Spotter bleibt eine Airline mit vielen Gesichtern – MD-83 und DC-10, Fokker und ATR, wechselnde eigene und zuletzt Air-Lib-Bemalungen –, die sich über Schriftzug, Datum und Kennzeichen gut zuordnen lässt.
Kurzfazit
Air Liberté (IATA IJ, ICAO LIB) war eine historische französische Airline mit Basis in Paris-Orly, gegründet 1987. Sie wechselte vom Charter- zum Linienverkehr, gehörte ab 1997 mehrheitlich British Airways und ab 2000 der Swissair-Seite und ging 2001 mit AOM in Air Lib auf, die im Februar 2003 liquidiert wurde.
Zusammenfassung
- Air Liberté begann als Charterairline für Ferienziele rund ums Mittelmeer und wuchs mit der Öffnung des französischen Marktes zu einem wichtigen privaten Herausforderer der staatlichen Air-France-Gruppe.
- Die Flotte prägten MD-83 und DC-10-30; unter British Airways kamen mit der Integration von TAT Fokker 100, ATR und Embraer Brasilia dazu.
- Mit Swissair und AOM wurde Air Liberté 2001 zu Air Lib – ein Unternehmen, das den Zusammenbruch seiner Geldgeber nur bis Februar 2003 überlebte.
- Live spotten kannst du Air Liberté nicht mehr, aber auf alten Fotos aus Orly, Toulouse oder Bordeaux lässt sie sich über Schriftzug, Typ und Kennzeichen gut zuordnen.
Häufige Fragen
Gibt es Air Liberté heute noch?
Nein. Air Liberté wurde 2001 auf Betreiben der Swissair Group mit AOM French Airlines zusammengelegt, ging im Juni 2001 in die Insolvenz und wurde im Juli 2001 von der Holding Holco unter Jean-Charles Corbet übernommen. Ab September 2001 hieß sie Air Lib. Anfang Februar 2003 stellte Air Lib den Flugbetrieb ein, am 17. Februar 2003 folgte die Liquidation.
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Air Liberté?
Air Liberté flog unter dem IATA-Code IJ und dem ICAO-Code LIB, im Funk mit dem Rufzeichen „LIBERTE“. Air Lib übernahm ab 2001 den IATA-Code IW von AOM, behielt aber den ICAO-Code LIB und meldete sich als „AIR LIB“.
Wer hat Air Liberté gegründet?
Gegründet wurde Air Liberté im Juli 1987 von dem Unternehmer Lotfi Belhassine. Wichtigster Anteilseigner war zu Beginn der Reiseveranstalter Aquarius, auch die Bankengruppe Rivaud gehörte zu den frühen Geldgebern. Den Flugbetrieb nahm die Airline im April 1988 auf.
Welche Flugzeuge flog Air Liberté?
Das Rückgrat bildeten die McDonnell Douglas MD-83 auf Kurz- und Mittelstrecke und die DC-10-30 auf der Langstrecke. Dazu kamen Boeing 737 verschiedener Serien, Airbus A300 und A310 sowie zeitweise eine Boeing 747. Mit der Integration der British-Airways-Tochter TAT ab 1997 flogen auch Fokker 100, Fokker 28, ATR 42, ATR 72 und Embraer Brasilia unter Air-Liberté-Flagge.
Was hatte British Airways mit Air Liberté zu tun?
Nach dem Insolvenzverfahren im Herbst 1996 übernahm British Airways über ihre französische Tochter TAT European Airlines die Mehrheit – 67 Prozent, die Bank Rivaud hielt einen großen Teil des Rests. BA legte TAT und Air Liberté zusammen und nutzte die Airline als Standbein im französischen Markt. Im Mai 2000 verkaufte BA Air Liberté an eine Gruppe um die Swissair-Muttergesellschaft SAirGroup.
Was war Air Lib Express?
Air Lib Express war die 2002 eingeführte Niedrigpreismarke von Air Lib für Verbindungen von Paris-Orly in mehrere Städte Südfrankreichs. Mit der Liquidation von Air Lib im Februar 2003 verschwand auch diese Marke.
Welcher Zwischenfall ist mit Air Liberté verbunden?
Am 25. Mai 2000 stieß in Paris-Charles de Gaulle eine startende MD-83 von Air Liberté (Flug 8807 nach Madrid) mit einer Shorts 330 der Frachtairline Streamline Aviation zusammen, die auf dieselbe Piste gerollt war. Der Copilot der Shorts kam ums Leben, an Bord der MD-83 wurde niemand verletzt. Die französische Untersuchungsbehörde BEA nannte unter anderem verwirrenden zweisprachigen Funkverkehr als Faktor.
Air Liberté im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
McDonnell Douglas MD-83
Mehr Treibstoff, mehr Gewicht, mehr Reichweite: Die MD-83 war die Langstrecken-Version der MD-80 und flog Urlauber ohne Zwischenstopp ans Mittelmeer und auf die Kanaren. Heute hält sie sich als ACMI-Charterjet und als Frachter.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas MD-82
Mehr als jede andere Version prägte die MD-82 das Bild der MD-80-Familie: Hunderte „Super 80“ bei American Airlines, 90 Maschinen bei Alitalia, Lizenzmontage in Shanghai. So erkennst du sie und so findest du heute noch eine.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas MD-80
Lang wie eine Zigarre, zwei kräftige Triebwerke am Heck: Die MD-80-Familie war von 1980 bis in die 2010er-Jahre ein Standardjet in Europa und den USA. So unterscheidest du MD-81, -82, -83, -87 und -88 und findest heute noch einen „Mad Dog“.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas DC-10
Zwei Triebwerke unter den Flügeln, das dritte mitten im Seitenleitwerk: Die DC-10 war einer der ersten Großraumjets und flog auch für Lufthansa und Condor. Heute ist sie eine Rarität – so erkennst du sie.
FlugzeugtypFokker 100
Zwei Tay-Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Heckkonus, der sich bei der Landung aufklappt: Die Fokker 100 ist der größte Verkehrsjet, den Fokker je gebaut hat – und heute ein seltener Fang.
FlugzeugtypFokker F28 Fellowship
Der erste Jet aus Amsterdam: Die Fokker F28 Fellowship flog 1967 zum ersten Mal, brachte Hecktriebwerke und aufklappbaren Heckkonus in die Fokker-Familie und ist heute fast nur noch im Museum zu sehen.
FlugzeugtypATR 42-300/320
Hochdecker, T-Leitwerk und nur vier Blätter pro Propeller: Die ATR 42-300 und -320 sind die erste Generation des ATR-Turboprops. Heute triffst du sie vor allem als Frachter. So erkennst du sie.
FlugzeugtypATR 72-200/210
Hochdecker, T-Leitwerk und nur vier Blätter pro Propeller: Die ATR 72-200 und -210 sind die erste Generation der großen ATR. Viele fliegen heute fensterlos als Frachter. So erkennst du sie und so findest du sie.
FlugzeugtypBoeing 737-200
Schlanke Zigarren-Triebwerke unter dem Flügel, eine Kufe am Bugrad und Luftdüsen vor dem Einlauf: Die 737-200 ist der Jet, der auf Schotter landet. Hier erfährst du, wie die -200 und die -200 Advanced entstanden, woran du sie erkennst und wo sie heute noch fliegt.
FlugzeugtypBoeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypBoeing 737-600
Nur 69 Exemplare, kein Winglet, ein Rumpf so kurz wie bei der alten 737-500: Die 737-600 ist die seltenste 737 der Next Generation. So erkennst du sie – und weißt, wo sie noch fliegt.
FlugzeugtypEmbraer EMB 120 Brasilia
Tiefdecker, T-Leitwerk, zwei Vierblatt-Propeller und rund 30 Sitze: Die EMB 120 Brasilia war in den 1980er- und 1990er-Jahren ein Arbeitstier der US-Regionalairlines. Heute ist sie vor allem als Frachter und Exot unterwegs.
Weitere Airlines
AOM French Airlines
Historische französische Airline mit Basis in Paris-Orly. AOM entstand aus Air Outre Mer und Minerve, flog DC-10-30 in die Überseegebiete und MD-83 im Inland und ging 2001 mit Air Liberté in Air Lib auf.
NetzwerkAir Inter
Historische französische Inlandsairline (1954–1997) mit Basis in Paris-Orly. Air Inter flog Caravelle, war einziger Betreiber der Dassault Mercure, setzte früh auf A300 und A320 und ging 1997 vollständig in Air France auf.
NetzwerkAir France
Frankreichs Netzwerk-Airline mit dem Drehkreuz Paris-Charles de Gaulle: Gründungsmitglied von SkyTeam, Teil der Air France-KLM-Gruppe und mit einer Langstreckenflotte aus Airbus A350 und Boeing 777.
RegionalAir Littoral
Historische französische Regionalairline aus Montpellier. Air Littoral begann 1972 mit einer Islander, brachte die ATR 42 als Erstkunde in den Liniendienst, flog zuletzt CRJ100 und ATR 42-500 und wurde im Februar 2004 eingestellt.
NetzwerkBritish Airways
Die britische Netzwerk-Airline aus London: 1974 aus BOAC und BEA entstanden, Drehkreuz Heathrow, Teil der IAG, Gründungsmitglied von oneworld und mit A380, 777 und 787 eine der vielfältigsten Langstreckenflotten Europas.
NetzwerkSwissair
Historische Schweizer Nationalairline von 1931 bis 2002: Swissair flog mit Caravelle, DC-8, Boeing 747, MD-11 und A330 von Zürich, Genf und Basel in die Welt – bis zum Grounding im Oktober 2001.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Paris-Orly
Der zweite große Pariser Flughafen: knapp 35 Millionen Passagiere, strenge Nachtruhe und ein Deckel für die Flugbewegungen, seit 2026 mit Transavia France als wichtigster Airline – und mit Air Caraïbes, French Bee und Corsair die Adresse für französische Langstrecke in die Überseegebiete.
FlughafenFlughafen Toulouse-Blagnac
Linienflughafen und Testgelände in einem: In Blagnac starten easyJet und Air France neben nagelneuen A321neo und A350 mit F-W-Kennzeichen, dazu landet der BelugaXL mit Bauteilen aus ganz Europa. Für Spotter ist Toulouse der Ort, an dem Flugzeuge zum ersten Mal abheben.
FlughafenFlughafen Bordeaux-Mérignac
Ziviler Flughafen, Luftwaffenbasis und Flugzeugwerk in einem: In Mérignac westlich von Bordeaux teilen sich easyJet, Volotea und Air France die Bahnen mit Rafale- und Falcon-Testflügen von Dassault, Transportern der Armée de l’Air und einem Parabelflug-Airbus.
FlughafenFlughafen Nizza Côte d'Azur
Zwei parallele Bahnen auf teils dem Meer abgerungenem Land, Anflüge über die Baie des Anges, ein täglicher A380 und eine der größten Business-Aviation-Szenen Europas: Nizza ist nach den Pariser Flughäfen das wichtigste Tor Frankreichs – und für Spotter ein Ort mit Postkartenkulisse.
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