ATR 72-200/210

Hochdecker, T-Leitwerk und nur vier Blätter pro Propeller: Die ATR 72-200 und -210 sind die erste Generation der großen ATR. Viele fliegen heute fensterlos als Frachter. So erkennst du sie und so findest du sie.

Auch bekannt als: ATR 72-201 · ATR 72-202 · ATR 72-211 · ATR 72-212 · ATR 72-200F · ATR 72-210F · ATR 72 Classic

FrankreichATRTurbopropsICAO-Typcode: AT72, AT7311 Min. Lesezeit

AT72/AT73

ICAO-Typcodes

1988

Erstflug

4

Blätter pro Propeller

27,17 m

Länge

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ATR 72-200 und -210 sind die erste Serienversion der ATR 72: Erstflug im Oktober 1988, Liniendienst ab Oktober 1989.
  • Schnellster Erkennungsweg: Langer ATR-Rumpf mit T-Leitwerk, aber nur vier Blätter pro Propeller – das schließt -500 und -600 sofort aus.
  • Die -210 ist die kräftigere Variante mit PW127-Triebwerken für heiße und hoch gelegene Flughäfen. Von außen siehst du den Unterschied nicht, hier helfen AT72 und AT73.
  • Heute vor allem Frachter: Viele frühe ATR 72 fliegen umgebaut für Express- und Postdienste, oft nachts und mit überlackierten Fenstern.
  • Im Passagierdienst in Europa ist sie selten geworden – wer eine sieht, sollte Kennzeichen und Baujahr notieren.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist die ATR 72-200/210?
  2. 2.Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
  3. 3.Die ATR-72-Familie im Überblick
  4. 4.ATR 72-200, Dash 8-300 oder Fokker 50?
  5. 5.Zweites Leben als Frachter
  6. 6.Roselawn und die Folgen
  7. 7.Wo du die ATR 72-200/210 antriffst
  8. 8.Spotting-Praxis: Frachtturboprops in Randzeiten
  9. 9.Fototipps für die erste ATR-72-Generation
  10. 10.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
  11. 11.Fazit

Steckbrief

HerstellerATR (damals Aérospatiale und Aeritalia, heute Airbus und Leonardo), Toulouse
FamilieATR 72 (-200/-210, -500, -600), Schwestermodell ATR 42
Offizielle Bezeichnungen-200: ATR 72-201/-202; -210: ATR 72-211/-212
ICAO-TypcodesAT72 (-200), AT73 (-210)
ProgrammstartJanuar 1986
Erstflug27. Oktober 1988
ZulassungSeptember 1989 (französische Luftfahrtbehörde DGAC)
Liniendienst abOktober 1989 im Finnair-Verbund
Triebwerke-200: 2 × Pratt & Whitney Canada PW124B; -210: 2 × PW127
Propellervierblättrig, von Hamilton Standard
Länge27,17 m
Spannweite27,05 m
Höhe7,65 m
Sitzplätzetypisch rund 70
Reisegeschwindigkeitgut 500 km/h
NachfolgerATR 72-500 (Zulassung 1997), später ATR 72-600

Erkennungsmerkmale

Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Hochdecker mit T-Leitwerk – die typische ATR-Grundform, Triebwerke hängen unter dem Flügel
  • Nur vier Blätter pro Propeller: ATR 72-500 und -600 drehen mit sechs Blättern
  • Hauptfahrwerk klappt in Verkleidungen seitlich am Rumpf ein, der Rumpf liegt tief über dem Boden
  • Langer Rumpf mit vielen Fenstern vor dem Flügel – rund 4,5 m länger als die ATR 42
  • Als Frachter oft ohne Kabinenfenster oder mit überlackierten Fensterreihen, bei Umbauten mit großem Frachttor vorn links
  • Häufig schlichte, weiße oder verblasste Lackierungen von Fracht- und Feeder-Betreibern

Aktualisiert: Oktober 2026 – Kurz nach Mitternacht rollt ein Turboprop über das Frachtvorfeld: Flügel oben, Leitwerk wie ein T, keine einzige Kabinenfensterreihe. Zählst du nach, kommst du auf vier Blätter pro Propeller. Dann hast du sehr wahrscheinlich eine ATR 72-200 oder -210 vor dir – die erste Generation der großen ATR. Hier erfährst du, woran du sie erkennst, wie du sie von den Nachfolgern trennst und warum du sie heute vor allem an Frachtdrehkreuzen triffst.

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Was ist die ATR 72-200/210?

Die ATR 72-200 ist der erste Serienstand der ATR 72, eines zweimotorigen Regional-Turboprops aus Toulouse. Hinter ATR standen damals die französische Aérospatiale und die italienische Aeritalia; heute sind es deren Nachfolger Airbus und Leonardo. Die Idee war einfach: Die erfolgreiche ATR 42 bekommt einen längeren Rumpf, eine größere Spannweite und mehr Sitzplätze.

ATR kündigte die verlängerte Version im Januar 1986 an. Der Prototyp hob am 27. Oktober 1988 zum Erstflug ab, im September 1989 folgte die Zulassung durch die französische Luftfahrtbehörde DGAC. Den Liniendienst nahm die ATR 72 im Oktober 1989 im Finnair-Verbund auf. Die frühen Maschinen tragen die Werksbezeichnungen ATR 72-101 und -102, die schnell von den schwereren -201 und -202 abgelöst wurden. Diese beiden fasst die Branche als ATR 72-200 zusammen.

Im Dezember 1992 kam die ATR 72-210 hinzu, offiziell -211 und -212. Sie unterscheidet sich vor allem durch die Triebwerke: Statt des Pratt & Whitney Canada PW124B arbeitet das stärkere PW127, das der Maschine mehr Reserven an heißen und hoch gelegenen Flughäfen gibt. Rumpf, Flügel und Propeller blieben gleich. Ab 1997 löste die modernisierte Ausführung mit sechsblättrigen Propellern die erste Generation ab – offiziell ATR 72-212A, vermarktet als ATR 72-500.

AT72ICAO-Typcode der ATR 72-200
AT73ICAO-Typcode der stärkeren -210
4Blätter pro Propeller – das Erkennungszeichen der ersten Generation

Mit 27,17 Metern Länge und 27,05 Metern Spannweite hat die ATR 72 der ersten Generation bereits die Abmessungen, die bis zur heutigen -600 gelten. In der Kabine fanden typischerweise rund 70 Passagiere Platz, je nach Sitzabstand. Das Konzept – wenig Verbrauch, kurze Pisten, einfache Abfertigung ohne Fluggastbrücke – hat sich so bewährt, dass ATR die Grundform über Jahrzehnte kaum verändern musste.

Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen

Für die Bestimmung brauchst du kein Insiderwissen. Drei Beobachtungen reichen, und alle funktionieren auch aus größerer Entfernung.

ATR-Grundform erkennen

Hochdecker mit T-Leitwerk, zwei Turboprops unter dem Flügel, das Hauptfahrwerk in Verkleidungen seitlich am Rumpf. Der Rumpf hängt tief über dem Boden – so steht nur eine ATR auf dem Vorfeld.

Länge abschätzen

Viele Fenster zwischen Cockpit und Flügel und eine schlanke Silhouette sprechen für die ATR 72. Wirkt die Maschine kurz und gedrungen, ist es eine ATR 42.

Propellerblätter zählen

Vier Blätter bedeuten erste Generation, also -200 oder -210. Bei sechs Blättern bist du bei -500 oder -600. Am einfachsten zählst du am Boden, wenn die Propeller stillstehen.

Zwischen -200 und -210 entscheidet die Außenhaut nicht. Hier brauchst du das Kennzeichen oder den Typcode im Tracking-Dienst: AT72 für die -200, AT73 für die -210. Wie du über das Kennzeichen an Baujahr und Geschichte einer Maschine kommst, zeigt der Beitrag Flugzeugalter herausfinden.

Datenbanken nicht blind vertrauen

Bei umgebauten und mehrfach weiterverkauften Maschinen sind Typangaben in Tracking-Diensten nicht immer sauber gepflegt. Wenn dir ein Code merkwürdig vorkommt, prüf die Werksnummer über das Kennzeichen. Wie du gezielt eine einzelne Maschine findest, erklärt Flugzeug nach Kennzeichen verfolgen.

Die ATR-72-Familie im Überblick

Die ATR 72 hat seit 1989 drei große Serien durchlaufen. Von außen unterscheiden sie sich vor allem an den Propellern, im Tracking am ICAO-Code.

Modell ICAO-Code Propellerblätter Triebwerke Bemerkung
ATR 72-200 (-201/-202) AT72 4 PW124B Erste Serienversion ab 1989
ATR 72-210 (-211/-212) AT73 4 PW127 Mehr Leistung, ab 1992
ATR 72-500 (-212A) AT75 6 PW127F/M Zulassung 1997
ATR 72-600 AT76 6 PW127M/XT Glascockpit, ab 2011
ATR 42-300/320 AT43 4 PW120/PW121 Kurze Schwester der ersten Generation

Für die Praxis heißt das: Vier Blätter und langer Rumpf grenzen dich sofort auf die erste Generation der ATR 72 ein. Vier Blätter und kurzer Rumpf bedeuten ATR 42-300 oder -320. Sechs Blätter schließen die -200/-210 aus – dann bist du bei der ATR 72-500, der ATR 72-600 oder einer ATR 42-500.

Propeller auf Fotos täuschen

Wenn du Turboprops mit längerer Belichtungszeit fotografierst, verschwimmen die Blätter zu einer Scheibe. Dann lässt sich die Blattzahl auf dem Bild nicht mehr zählen. Notier sie dir deshalb vor Ort oder halte das Kennzeichen fest.

ATR 72-200, Dash 8-300 oder Fokker 50?

Im Turboprop-Bestand der späten 1980er- und 1990er-Jahre gibt es mehrere Muster, die auf den ersten Blick ähnlich wirken. Der Finder hilft dir beim Eingrenzen.

Schnellbestimmung: Turboprop der ersten Generation

Drei Fragen, eine Einschätzung. Das Kennzeichen bleibt die letzte Instanz.

Wahrscheinlich

ATR 72-200/210

T-Leitwerk, Fahrwerk am Rumpf und vier Propellerblätter sind die Kombination der ersten ATR-72-Generation. AT72 oder AT73 im Tracking bestätigt die Variante.

Wahrscheinlich

De Havilland Canada Dash 8-300

Auch ein Hochdecker mit T-Leitwerk, aber das Fahrwerk sitzt in den Triebwerksgondeln, und die Maschine steht deutlich höher über dem Boden.

Wahrscheinlich

Fokker 50

Hochdecker mit konventionellem Leitwerk und Fahrwerk in den Gondeln. Ihre großen, eckigen Fenster sind ein weiteres Erkennungsmerkmal.

Die Dash 8-300 ist die direkteste Konkurrentin aus derselben Ära. Am deutlichsten verrät sie das Fahrwerk in den Triebwerksgondeln, durch das sie spürbar höher steht. Die Fokker 50 trägt ihr Höhenleitwerk tief am Rumpfende. Tiefdecker wie die Saab 340 oder die BAe ATP schließt du schon am Flügel aus. Einen ausführlichen Vergleich der gängigen Muster findest du im Guide Turboprops unterscheiden.

Zweites Leben als Frachter

Viele frühe ATR 72 haben ihren Passagierdienst längst beendet und fliegen weiter – mit Paketen, Post und Expressfracht. Laut Angaben aus dem Jahr 2012 war damals schon mehr als ein Fünftel aller ATR 42 und ATR 72 der ersten Generation zu Frachtern umgebaut. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Maschinen sind robust, kommen mit kurzen Pisten zurecht und verbrauchen auf kurzen Strecken wenig.

Zwei Umbauvarianten haben sich durchgesetzt:

  • Bulk-Frachter: Die Fracht wird lose oder in kleinen Einheiten durch die vorhandenen Türen geladen. Außen bleibt die Maschine fast unverändert, nur die Fenster sind oft verschlossen oder überlackiert.
  • ULD-Frachter: Ein großes Frachttor vorn links nimmt Standardcontainer und Paletten auf. ATR stellte dieses „Large Cargo Door“ für alle ATR 72 auf der Luftfahrtmesse Farnborough 2002 vor. Am breiten Torrahmen hinter dem Cockpit erkennst du diese Umbauten.

Ein bekannter Betreiber ist das Zubringernetz von FedEx Express in den USA: Mountain Air Cargo fliegt dort im Dry-Lease ATR 72-200F, die FedEx selbst gehören – laut einer Flottenübersicht von 2025 rund zehn Stück. In Europa führt die spanische Swiftair ATR 72 in den Versionen 200F, mit großem Frachttor und 500F in ihrer Flotte. Wie das Zusammenspiel von Integratoren und Vertragsairlines funktioniert, erklärt der Beitrag Integratoren DHL, FedEx und UPS.

Frachter sind Bestimmungsfallen

Ohne Fenster fehlt ein wichtiger Anhaltspunkt für die Länge, und auch umgebaute -500 sehen ähnlich aus. Zähl die Propellerblätter und prüf das Kennzeichen. Weitere Tipps stehen im Guide Frachtflugzeuge erkennen; den Werksfrachter der neuen Generation stellt die Seite zur ATR 72-600F vor.

Roselawn und die Folgen

Zur Geschichte der ersten Generation gehört ein schwerer Unfall. Am 31. Oktober 1994 stürzte eine ATR 72-212 von American Eagle in der Warteschleife bei Roselawn im US-Bundesstaat Indiana ab; alle 68 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die US-Unfallermittler kamen zu dem Schluss, dass sich Eis hinter den Enteisungsmatten an den Flügelvorderkanten gebildet hatte und die Querruder plötzlich nicht mehr wie erwartet reagierten. Die französische Seite widersprach dieser Bewertung in Teilen.

Die Konsequenzen waren weitreichend: Die US-Luftfahrtbehörde FAA erließ 1996 eine ganze Reihe von Lufttüchtigkeitsanweisungen für Turboprops mit ähnlicher Technik, unter anderem mit strengeren Regeln für den Flug in Vereisung. ATR vergrößerte die Enteisungsmatten an der Flügelvorderkante deutlich – bei der ATR 72 von 7 auf 12,5 Prozent der Profiltiefe. Für dich als Spotter ist das ein kleines Detail mit großer Geschichte: Die schwarzen Gummistreifen an den Flügelvorderkanten, die du auf Nahaufnahmen siehst, sind genau diese Enteisungsmatten.

Wo du die ATR 72-200/210 antriffst

Im Passagierverkehr des deutschsprachigen Raums spielt die erste ATR-72-Generation keine Rolle mehr. Deine besten Chancen liegen bei Fracht- und Expressflügen. Diese Flüge laufen häufig in Randzeiten und über Frachtdrehkreuze, etwa den Flughafen Leipzig/Halle, den Flughafen Köln/Bonn, den belgischen Flughafen Lüttich oder East Midlands in England. Ob dort gerade eine AT72 oder AT73 verkehrt, kannst du nur kurzfristig im Tracking prüfen – feste Einsätze lassen sich für diese Maschinen nicht verlässlich vorhersagen.

Spot Warum er sich lohnt
Besucherterrasse Leipzig/Halle Großes Frachtdrehkreuz mit viel Nachtverkehr
Besucherterrasse Köln/Bonn Starker Fracht- und Expressanteil
Spotterplatz Lüttich Reiner Frachtflughafen mit vielen Exoten
Aeropark East Midlands Britisches Express- und Posthub

Außerhalb Europas fliegen frühe ATR 72 noch bei verschiedenen kleineren Airlines im Passagierdienst, häufig in Regionen mit vielen kurzen Pisten und Inselverbindungen. Wenn du verreist, lohnt sich ein Blick in die Tracking-Filter AT72 und AT73 am Zielort. Wie du solche Raritäten systematisch aufspürst, zeigt der Guide Seltene Flugzeuge spotten.

Keine alte ATR mehr verpassen

Richte einen Sichtungs-Alarm für die Typen AT72 und AT73 oder ein bestimmtes Kennzeichen ein – Planetrack meldet dir, wenn die Maschine an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.

Spotting-Praxis: Frachtturboprops in Randzeiten

Eine alte Fracht-ATR verhält sich anders als ein Ferienjet am Samstagmittag. Drei Punkte helfen dir bei der Planung.

Randzeiten einplanen. Express- und Postflüge liegen oft früh am Morgen, spät am Abend oder in der Nacht. Prüf die Zeiten im Tracking und plane, ob du mit Tageslicht oder mit Langzeitbelichtung arbeitest. Tipps für die Dunkelheit findest du in Flugzeuge nachts fotografieren.

Außenpositionen statt Terminal. Frachtturboprops parken auf Frachtvorfeldern, die von Besucherterrassen oft weit weg oder gar nicht einsehbar sind. Bessere Chancen hast du an Start und Landung. Den passenden Standpunkt wählst du nach Betriebsrichtung und Wind.

Kurzer Anlauf. Die ATR braucht wenig Piste und ist beim Start oft früh in der Luft. Plane deinen Standpunkt so, dass du nicht erst am Pistenende auf sie wartest.

Bereit für die Jagd auf eine AT72?

Hak ab, was du schon erledigt hast.

  • Ich habe im Tracking einen Flug mit AT72 oder AT73 gefunden.
  • Ich kenne die voraussichtliche Betriebsrichtung.
  • Ich weiß, ob ich bei Tageslicht oder in der Dämmerung fotografiere.
  • Meine Belichtungszeit ist auf Propeller abgestimmt.
  • Mein Standpunkt ist öffentlich zugänglich und erlaubt.

Fototipps für die erste ATR-72-Generation

Propeller drehen lassen

Mit zu kurzer Belichtungszeit frierst du die Blätter ein, und die ATR wirkt wie ein Segelflugzeug. Wähle eine längere Zeit und zieh sauber mit. Werte und Technik stehen im Guide Propeller fotografieren: die richtige Verschlusszeit.

Ein Bild mit stehenden Propellern

Mach beim Rollen oder am Stand auch ein Foto mit kurzer Belichtungszeit. Darauf lassen sich die vier Blätter später zählen – das ist dein Beweisfoto für die Generation.

Kennzeichen sichern

Bei schlichten Frachtlackierungen ist das Kennzeichen oft das einzige Unterscheidungsmerkmal. Fotografiere es separat, falls es auf dem Hauptbild zu klein wird.

Sonne im Rücken

Der hohe Flügel wirft bei Seitenlicht einen breiten Schatten auf den Rumpf. Wann das Licht an deinem Spot passt, berechnest du vorab mit dem Sonnenstand-Planer in Planetrack.

Wenn du gerade erst mit der Typbestimmung anfängst, bringt dich der Guide Flugzeugtypen erkennen für Anfänger schnell auf Kurs.

Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt

Es spricht für die ATR 72-200/210, wenn …

  • ein Hochdecker mit T-Leitwerk und langem Rumpf vor dir steht
  • jeder Propeller nur vier Blätter hat
  • das Fahrwerk in Verkleidungen am Rumpf sitzt
  • im Tracking AT72 oder AT73 steht

Sieh genauer hin, wenn …

  • der Rumpf auffällig kurz wirkt – dann ist es eine ATR 42
  • die Fenster fehlen – dann prüf, ob es eine umgebaute -500 sein könnte
  • du auf dem Foto die Propellerblätter nicht zählen kannst

Es ist keine ATR 72-200/210, wenn …

  • du sechs Propellerblätter zählst – dann ist es eine -500 oder -600
  • das Fahrwerk in die Triebwerksgondeln einfährt – dann ist es eine Dash 8 oder Fokker 50
  • das Höhenleitwerk unten am Rumpf sitzt
  • der Flügel unten am Rumpf sitzt

Fazit

Die ATR 72-200 und -210 haben die Grundform geprägt, die du bis heute an Regionalflughäfen auf der ganzen Welt siehst. Von den Nachfolgern unterscheidest du sie zuverlässig an den vier Propellerblättern, untereinander nur über Typcode oder Kennzeichen. Im europäischen Passagierdienst sind sie kaum noch unterwegs, als Frachter aber haben viele ein zweites Leben gefunden. Wer eine erwischen will, plant mit Tracking, Randzeiten und einem Frachtdrehkreuz – und freut sich über ein Stück Turboprop-Geschichte im Hangar.

Kurzfazit

Langer ATR-Rumpf, T-Leitwerk, Fahrwerk am Rumpf und nur vier Blätter pro Propeller: Das ist die erste Generation der ATR 72. AT72 steht für die -200, AT73 für die stärkere -210 – und die besten Chancen hast du heute bei Fracht- und Expressflügen.

Zusammenfassung

  • Die ATR 72-200 ist die gestreckte Weiterentwicklung der ATR 42 und seit 1989 im Einsatz; die -210 brachte ab 1992 stärkere PW127-Triebwerke.
  • Das Kennzeichen der ersten Generation sind die Vierblatt-Propeller; ab der ATR 72-500 (offiziell 72-212A) sind es sechs Blätter.
  • Viele Maschinen wurden zu Frachtern umgebaut – als Bulk-Frachter oder mit großem Frachttor für Container.
  • Spotten lässt sich die alte ATR 72 heute am ehesten an Fracht- und Expressdrehkreuzen und in Randzeiten; der Typcode im Tracking ist dabei dein wichtigstes Werkzeug.

Häufige Fragen

Welchen ICAO-Typcode hat die ATR 72-200?

Die ATR 72-200 (Werksbezeichnungen -201 und -202) läuft unter AT72, die stärkere -210 (-211 und -212) unter AT73. Die spätere -500 hat AT75, die aktuelle -600 AT76. Wie solche Codes aufgebaut sind, erklärt der Beitrag ICAO-Typcodes erklärt.

Was ist der Unterschied zwischen ATR 72-200 und ATR 72-210?

Vor allem die Triebwerke. Die -200 fliegt mit dem Pratt & Whitney Canada PW124B, die -210 mit dem stärkeren PW127, das für bessere Leistungen an heißen und hoch gelegenen Flughäfen sorgt. Zugelassen wurde die -210 im Dezember 1992. Rumpf, Flügel und die vierblättrigen Propeller sind gleich – von außen kannst du beide praktisch nicht unterscheiden.

Wie unterscheide ich die ATR 72-200 von der ATR 72-500 und -600?

Zähl die Propellerblätter. Die erste Generation hat vier Blätter, die ATR 72-500 und die ATR 72-600 haben sechs. Rumpf, Leitwerk und Fahrwerk sehen bei allen Versionen nahezu gleich aus. Achtung: Auf Fotos mit sehr langer Belichtung wird die Propellerscheibe unscharf – dann hilft nur das Kennzeichen.

Wie unterscheide ich ATR 72 und ATR 42 der ersten Generation?

Über die Länge. Die ATR 72 misst gut 27 Meter, die ATR 42-300 rund 22,7 Meter. Die ATR 42 wirkt gedrungen und hat deutlich weniger Fenster zwischen Cockpit und Flügel. Beide haben in der ersten Generation vier Blätter pro Propeller.

Fliegt die ATR 72-200 heute noch mit Passagieren?

Vereinzelt ja, vor allem bei kleineren Airlines außerhalb Westeuropas. Die meisten europäischen Regionalairlines haben ihre frühen ATR 72 aber längst durch -500 oder -600 ersetzt. Einen großen Teil der überlebenden Maschinen haben Betreiber zu Frachtern umgebaut.

Welche Frachtversionen der ATR 72-200 gibt es?

Im Wesentlichen zwei Umbauprogramme: den Bulk-Frachter, bei dem die Fracht lose im Rumpf liegt, und den ULD-Frachter, der Standardcontainer und Paletten durch ein großes Frachttor vorn links aufnimmt. ATR stellte dieses große Frachttor für alle ATR 72 im Jahr 2002 in Farnborough vor. Der Werksfrachter ATR 72-600F kam erst 2020.

Wer fliegt die ATR 72-200 als Frachter?

Ein bekanntes Beispiel ist das Feeder-Netz von FedEx Express in den USA: Mountain Air Cargo betreibt dort ATR 72-200F, die FedEx gehören. In Europa listet Swiftair ATR 72 in den Frachtversionen 200F, mit großem Frachttor und 500F. Flotten ändern sich – prüf aktuelle Einsätze im Tracking.

Was hat der Absturz von Roselawn mit der ATR 72 zu tun?

Am 31. Oktober 1994 stürzte eine ATR 72-212 von American Eagle bei Roselawn im US-Bundesstaat Indiana ab, 68 Menschen starben. Die US-Unfallermittler sahen Eis hinter den Enteisungsmatten als Ursache für den Kontrollverlust. In der Folge verschärfte die FAA die Regeln für den Flug in Vereisung, und ATR vergrößerte die Enteisungsmatten an den Flügelvorderkanten deutlich.

ATR 72-200/210 sammeln statt nur sehen

Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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