Das Wichtigste in Kürze
- Die Viscount war das erste Turboprop-Verkehrsflugzeug im Linienverkehr: BEA setzte sie ab dem 18. April 1953 planmäßig ein, Versuchsflüge mit Passagieren gab es schon 1950.
- Vier Rolls-Royce Dart machten sie schneller, leiser und vibrationsärmer als die Kolbenmotor-Airliner ihrer Zeit.
- Mit 445 gebauten Exemplaren wurde sie zu einem der erfolgreichsten britischen Verkehrsflugzeuge überhaupt, mit Kunden in Europa, Nordamerika, Afrika, Asien und Australien.
- Auch im deutschsprachigen Raum flog sie: Lufthansa betrieb fabrikneue Viscount 814, Austrian Airlines startete 1958 mit einer Viscount in den Linienverkehr.
- Heute ist sie ein Museumsflugzeug – unter anderem in Speyer, Sinsheim, Hermeskeil und Duxford.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist die Vickers Viscount?
- 2.Entstehung: Ein Nachkriegsprojekt mit Turbinen
- 3.Die Versionen im Überblick
- 4.Die Viscount bei Airlines in aller Welt
- 5.Das lange Ende im Linienverkehr
- 6.So erkennst du die Viscount
- 7.Viscount, Vanguard, Electra oder Il-18?
- 8.Wo du die Viscount heute siehst
- 9.Fototipps für die Viscount im Museum
- 10.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Vickers-Armstrongs (Endmontage in Weybridge/Brooklands und Hurn bei Bournemouth) |
|---|---|
| ICAO-Typcode | VISC (inzwischen aus der ICAO-Liste gestrichen, da keine lufttüchtigen Exemplare mehr) |
| Erstflug | 16. Juli 1948 (Prototyp Type 630, G-AHRF, ab Wisley) |
| Erster Linienbetrieb | 18. April 1953 bei BEA (Versuchsdienst bereits ab 29. Juli 1950) |
| Stückzahl | 445 inklusive Prototypen |
| Bauzeit | 1948 bis Anfang der 1960er-Jahre, letzte Auslieferungen 1964 nach China |
| Status | historisch – letzte bekannte lufttüchtige Maschine flog um 2009 im Kongo |
| Bauart | Viermotoriger Ganzmetall-Tiefdecker mit Druckkabine und Bugradfahrwerk |
| Triebwerke | 4 × Rolls-Royce Dart (je nach Version Dart 505/506, 510 oder 525) |
| Länge | rund 26,1 m (Serie 800/810); Serie 700 rund 1,2 m kürzer |
| Spannweite | rund 28,6 m |
| Höhe | rund 8,2 m |
| Passagiere | 32 (Prototyp), bis rund 53 (Serie 700), bis 75 (Serie 800/810) |
| Max. Startgewicht | bis rund 30,6 t (Serie 810) |
| Reisegeschwindigkeit | über 500 km/h, je nach Version |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Große ovale Kabinenfenster – das Markenzeichen der Viscount, deutlich größer als bei anderen Airlinern ihrer Zeit
- Vier schlanke Triebwerksgondeln mit Rolls-Royce-Dart-Turbinen und vierblättrigen Propellern an einem geraden Tiefdecker-Flügel
- Höhenleitwerk mit deutlich sichtbarer V-Stellung, also leicht nach oben angewinkelt
- Schlanker, runder Rumpf mit abgerundeter Nase und vielen kleinen Cockpitscheiben
- Hohes, singendes Pfeifen der Dart-Turbinen im Leerlauf und beim Rollen
- Kompakte Größe: deutlich kleiner als Vickers Vanguard oder Bristol Britannia
Aktualisiert: Oktober 2026 – Ein schlanker Rumpf mit Fenstern so groß wie Bullaugen, vier schmale Triebwerksgondeln und ein helles, singendes Pfeifen beim Rollen: Das ist die Vickers Viscount. Sie war 1953 das erste Verkehrsflugzeug mit Propellerturbinen im regulären Linienverkehr und hat den Weg für eine ganze Generation von Turboprops geebnet. Auch Lufthansa und Austrian Airlines flogen sie. Heute begegnest du ihr nur noch im Museum – dafür gleich an mehreren Orten in Deutschland. Hier erfährst du, wie du sie erkennst, was die Versionen unterscheidet und wo du sie findest.
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Was ist die Vickers Viscount?
Die Viscount ist ein viermotoriges Turboprop-Verkehrsflugzeug für die Kurz- und Mittelstrecke, gebaut vom britischen Hersteller Vickers-Armstrongs. Sie hat eine Druckkabine, einen geraden Tiefdecker-Flügel und ein Bugradfahrwerk. Je nach Version fanden zwischen 32 Passagieren im Prototyp und bis zu 75 in den gestreckten Serien Platz.
Angetrieben wird sie von vier Rolls-Royce Dart, einer Propellerturbine, die Rolls-Royce in den 1940er-Jahren entwickelte. Gegenüber den damals üblichen Kolbenmotoren lief die Turbine ruhiger, vibrierte weniger und erlaubte höhere Reisegeschwindigkeiten. Passagiere bemerkten den Unterschied sofort: weniger Lärm, weniger Schütteln, mehr Komfort. Mehr über den Triebwerkshersteller erfährst du auf der Seite zu Rolls-Royce.
Insgesamt entstanden 445 Viscounts einschließlich der Prototypen. Gebaut wurde in Weybridge auf dem Gelände von Brooklands und in Hurn bei Bournemouth. Damit gehört die Viscount zu den erfolgreichsten britischen Verkehrsflugzeugen überhaupt; Kunden gab es auf allen Kontinenten.
Entstehung: Ein Nachkriegsprojekt mit Turbinen
Schon während des Zweiten Weltkriegs plante man in Großbritannien die zivile Luftfahrt der Nachkriegszeit. Ein Regierungskomitee unter Lord Brabazon definierte mehrere Flugzeugklassen, darunter ein Kurzstreckenflugzeug mit Propellerturbinen. Vickers griff die Idee auf. Das Projekt lief zunächst unter dem Namen Viceroy, wurde aber nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 in Viscount umbenannt.
Der Prototyp Type 630 mit dem Kennzeichen G-AHRF hob am 16. Juli 1948 in Wisley zum Erstflug ab. Er bot 32 Sitze und erwies sich als technisch gelungen, war für die Airlines aber zu klein. Vickers vergrößerte daraufhin den Entwurf und schuf mit der Serie 700 ein Flugzeug, das wirtschaftlich überzeugen konnte.
Bevor die Serienmaschinen bereitstanden, nutzte British European Airways den Prototyp für einen Versuchsbetrieb: Am 29. Juli 1950 flog die Viscount mit 14 zahlenden Passagieren von London-Northolt nach Paris – der erste planmäßige Flug eines turbinengetriebenen Verkehrsflugzeugs. Den regulären Liniendienst mit Serienmaschinen nahm BEA am 18. April 1953 auf. Ein Jahr zuvor hatte die De Havilland Comet den Jet-Liniendienst eröffnet; die Viscount bewies, dass auch die Propellerturbine ihren Platz im Linienverkehr hatte. Wie es der Comet erging, liest du im Beitrag De Havilland Comet: der erste Düsenjet.
Fenster als Erkennungszeichen
Die ovalen Kabinenfenster der Viscount messen rund 48 mal 66 Zentimeter. Die Form war statisch günstig für einen Druckrumpf – und sie machte die Viscount bei Passagieren populär. Siehst du auf einem alten Foto auffallend große, ovale Fenster an einem viermotorigen Propellerflugzeug, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einer Viscount.
Die Versionen im Überblick
Die Viscount wurde laufend weiterentwickelt. Für Spotter und Sammler sind vor allem drei Serien wichtig.
| Version | Merkmal | Sitzplätze | Triebwerk |
|---|---|---|---|
| Type 630 | Prototyp, Erstflug 1948 | 32 | Dart 501 |
| Serie 700 | Erste Serienversion, 287 gebaut | bis ca. 48–53 | Dart 505/506 |
| Serie 700D | Serie 700 mit stärkerem Triebwerk | bis ca. 53 | Dart 510 |
| Serie 800 | Rumpf um knapp 1,2 m verlängert, 67 gebaut | bis 75 | Dart 510 |
| Serie 810 | Langer Rumpf, deutlich mehr Leistung, 84 gebaut | bis 75 | Dart 525 |
Die konkrete Typnummer verrät oft den Erstkunden: Viscount 701 waren BEA-Maschinen, die 708 gingen an Air France, die 814 an Lufthansa und die 837 an Austrian Airlines. Wenn du in Datenbanken oder Museumsschildern solche Nummern liest, kannst du die Herkunft also schnell einordnen.
700 oder 800? Fenster zählen hilft
Die gestreckte Serie 800/810 wirkt im Profil länger und hat mehr Fenster vor dem Flügel. Sicher bestimmen lässt sich die Version aber erst über Kennzeichen und Werknummer – beides steht in Museen meist auf der Infotafel.
Die Viscount bei Airlines in aller Welt
Die erste große Kundin war British European Airways, die mit der Viscount ihr europäisches Streckennetz modernisierte. Später flogen die BEA-Viscounts auch unter dem Dach von British Airways weiter, bis Anfang der 1980er-Jahre vor allem in Schottland.
Ein großer Erfolg gelang Vickers in Nordamerika, wo britische Verkehrsflugzeuge damals kaum eine Rolle spielten. Trans-Canada Air Lines, die Vorgängerin von Air Canada, erhielt im Dezember 1954 als erste nordamerikanische Airline eine Viscount und hatte bis 1958 bereits 51 Maschinen im Einsatz. Ab 1955 setzte Capital Airlines den Typ als erste US-Airline ein; nach der Übernahme von Capital kamen die Maschinen 1961 zu United Airlines.
In Europa flogen unter anderem Air France, Air Inter und Aer Lingus die Viscount. Weitere Betreiber waren South African Airways, Cubana, Trans Australia Airlines und Ansett-ANA. Die letzten Neubauten gingen 1964 nach China.
Lufthansa, Condor und Austrian
Für Spotter im deutschsprachigen Raum ist die Viscount ein Stück Heimatgeschichte. Lufthansa betrieb ab Ende der 1950er-Jahre fabrikneue Viscount 814 auf Inlands- und Europastrecken. Vier davon flogen ab 1961 zeitweise für Condor. Bis Anfang der 1970er-Jahre musterte Lufthansa den Typ aus.
Austrian Airlines begann ihren Linienverkehr am 31. März 1958 mit einer geleasten Viscount 779 auf der Strecke Wien–London. Die ersten Maschinen stammten von der norwegischen Fred. Olsen, später kamen eigene Viscount 837 hinzu.
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Das lange Ende im Linienverkehr
Mit dem Aufkommen von Kurzstreckenjets wie der BAC One-Eleven verschwand die Viscount ab den späten 1960er-Jahren aus den Flotten der großen Airlines. Air Canada beendete den Viscount-Betrieb 1974. Robust und vergleichsweise günstig zu betreiben, fand der Typ aber noch lange Abnehmer bei kleineren Gesellschaften, im Charterverkehr und als Frachter.
In Großbritannien flog British World Airlines am 18. April 1996 den letzten Viscount-Passagierflug des Landes – auf den Tag genau 43 Jahre nach dem BEA-Liniendebüt. Einzelne Maschinen blieben in Afrika noch länger aktiv. Als letzte lufttüchtige Viscount gilt eine Maschine in der Demokratischen Republik Kongo, die vermutlich im Januar 2009 zum letzten Mal flog. Inzwischen wurde der ICAO-Typcode VISC aus der offiziellen Liste gestrichen.
Eine ernüchternde Bilanz
Über ihre lange Einsatzzeit gingen zahlreiche Viscounts durch Unfälle verloren, viele davon in den 1950er- und 1960er-Jahren, als Navigationstechnik und Flugsicherung noch weit vom heutigen Stand entfernt waren. Die hohe Zahl spiegelt auch die große Flotte und die jahrzehntelange Nutzung unter teils schwierigen Bedingungen wider.
So erkennst du die Viscount
Im Museum steht sie dir direkt gegenüber, auf historischen Fotos musst du genauer hinsehen. Diese Merkmale helfen dir beim Bestimmen.
Fenster zuerst
Große, ovale Kabinenfenster in einer durchgehenden Reihe sind das deutlichste Merkmal. Kein anderer viermotoriger Turboprop dieser Größe hat so markante Fenster.
Triebwerke zählen
Vier schlanke Gondeln mit Dart-Turbinen unter einem geraden Tiefdecker-Flügel. Bei zwei Dart-Triebwerken bist du eher bei Fokker F27 oder HS 748.
Leitwerk prüfen
Das Höhenleitwerk ist leicht nach oben angewinkelt. Zusammen mit der einfachen, recht hohen Seitenflosse ergibt sich eine typische Heckansicht.
Größe einordnen
Mit rund 26 Metern Länge in der langen Version ist die Viscount deutlich kleiner als die Vanguard, die Britannia oder die Il-18.
Für Zeitzeugen war übrigens der Klang ein Erkennungsmerkmal: Die Dart-Turbinen erzeugen ein helles, fast singendes Pfeifen, das sich klar vom Brummen eines Kolbenmotors abhebt. Wie du Flugzeuge am Geräusch auseinanderhältst, erklärt der Beitrag Flugzeugtypen am Geräusch erkennen.
Viscount, Vanguard, Electra oder Il-18?
Ende der 1950er-Jahre gab es gleich mehrere viermotorige Turboprop-Airliner. Auf alten Bildern und in Museen kann das verwirren. Der Finder hilft dir beim Eingrenzen.
Schnellbestimmung: klassischer Vier-Turboprop
Vickers Viscount
Große ovale Fenster, kompakter Rumpf und britische Herkunft passen zur Viscount. Prüf die Typnummer, um die Serie 700, 800 oder 810 zu bestimmen.
Vickers Vanguard
Der große, bauchige Rumpf deutet auf die Vanguard, den größeren Nachfolger der Viscount, der als Frachter Merchantman noch lange flog.
Bristol Britannia
Ein deutlich größeres Flugzeug mit langem Rumpf und weiter Spannweite spricht für die Britannia, den britischen Langstrecken-Turboprop.
Lockheed L-188 Electra
Ein kurzer Flügel, große Triebwerksgondeln und eine amerikanische Herkunft deuten auf die Electra.
Iljuschin Il-18
Sowjetische Herkunft und ein langer, schlanker Flügel passen zur Il-18, dem östlichen Gegenstück zu den westlichen Turboprops.
Ausführlich vorgestellt werden die Verwandten auf den Seiten zur Vickers Vanguard, zur Bristol Britannia, zur Lockheed L-188 Electra und zur Iljuschin Il-18. Das Dart-Triebwerk lebte in zweimotorigen Typen weiter, etwa in der Fokker F27 Friendship und der Hawker Siddeley HS 748. Einen Überblick über heutige Propellerturbinen gibt der Guide Turboprops unterscheiden.
Es spricht für die Viscount, wenn …
- große ovale Kabinenfenster zu sehen sind
- vier schlanke Turboprops am Tiefdecker-Flügel hängen
- das Flugzeug kompakt wirkt und britischer Herkunft ist
- die Typnummer mit 7 oder 8 beginnt, etwa 701, 708, 814 oder 837
Sieh genauer hin, wenn …
- du nur ein unscharfes Foto aus großer Entfernung hast
- der Rumpf auffällig bauchig wirkt – das kann eine Vanguard sein
- die Fenster übermalt sind, etwa bei Frachtumbauten
Es ist keine Viscount, wenn …
- nur zwei Triebwerke am Flügel sitzen
- der Flügel über dem Rumpf angebracht ist, wie bei der F27
- Sternmotoren statt schlanker Turbinengondeln zu sehen sind
- Strahltriebwerke am Heck hängen – dann bist du etwa bei der Vickers VC10
Wo du die Viscount heute siehst
Da keine Viscount mehr fliegt, führt dein Weg ins Museum. Erfreulicherweise sind gleich drei Exemplare in Deutschland ausgestellt, mehrere weitere in Großbritannien.
| Ort | Kennzeichen | Hintergrund |
|---|---|---|
| Technik Museum Speyer | D-ANAF | Ex-Lufthansa 814, ab 1972 Ausbildungsflugzeug, 2013 von Lufthansa-Technik-Azubis in die Lackierung der 1960er-Jahre gebracht |
| Auto & Technik Museum Sinsheim | F-BGNU | Viscount 708, zuletzt bei Air Inter |
| Flugausstellung Hermeskeil | D-ANAM | Ex-Lufthansa 814 |
| Imperial War Museum Duxford | G-ALWF | Viscount 701 in BEA-Farben, eine der ältesten erhaltenen Viscounts |
| Brooklands Museum | G-APIM | Viscount 806, ursprünglich für BEA gebaut, in den Farben von British Air Ferries |
| National Museum of Flight East Fortune | G-AMOG | Ex-BEA Viscount 701 in Schottland; Ausstellungsstatus vorab prüfen |
Besonders lohnend ist der Besuch in Speyer: Die D-ANAF wurde nach ihrer Zeit als Lehrobjekt von Lufthansa-Auszubildenden aufwendig restauriert und in die Lackierung der 1960er-Jahre gebracht. In Duxford steht mit der G-ALWF ein Flugzeug aus der allerersten Serie – wer zusätzlich die dortigen Flugtage besucht, findet Tipps im Beitrag IWM Duxford Airshows. Weitere Exemplare stehen unter anderem im Pima Air & Space Museum in Arizona sowie in Museen in Kanada, Australien und China.
Vor dem Besuch prüfen
Museumsflugzeuge werden umgestellt, restauriert oder eingelagert, und nicht jedes Exemplar ist von innen zugänglich. Informier dich vor deiner Tour auf der Website des Museums über Öffnungszeiten und den aktuellen Standort der Viscount.
Bereit für deine Viscount-Tour?
- Ich habe ein Museum mit Viscount in meiner Nähe ausgewählt.
- Ich habe Öffnungszeiten und Ausstellungsstatus geprüft.
- Ich weiß, ob das Flugzeug drinnen oder draußen steht.
- Ich habe ein Weitwinkelobjektiv für enge Hallen dabei.
- Ich notiere Kennzeichen und Typnummer für meine Sammlung.
Fototipps für die Viscount im Museum
Fenster ins Bild holen
Eine leicht schräge Seitenansicht zeigt die ovalen Fenster und die vier Gondeln gleichzeitig – genau die Merkmale, die die Viscount ausmachen.
Weitwinkel in der Halle
In Hallen ist der Abstand oft knapp. Ein Weitwinkel bringt das ganze Flugzeug aufs Bild; achte darauf, Verzerrungen am Bildrand gering zu halten.
Details sammeln
Propeller, Triebwerkseinläufe, Kennzeichen und historische Lackierung sind eigene Motive. Gerade Lufthansa- und BEA-Farben aus der Zeit sind gefragte Bilder.
Licht im Freigelände
Steht die Maschine draußen, plane deinen Besuch so, dass die Sonne von der Seite kommt, die du fotografieren willst. Mittags dagegen werfen die Flügel harte Schatten.
Welche klassischen Farbschemata Kultstatus haben, zeigt der Beitrag Legendäre Airline-Lackierungen der Geschichte. Für historische Fotos britischer Maschinen hilft dir der Artikel über britische G-Kennzeichen beim Nachschlagen. Und wenn dich Klassiker generell reizen, lies weiter in Oldtimer am Himmel erkennen. Für Propellerfotos an fliegenden Oldtimern findest du die passenden Einstellungen im Guide Propeller fotografieren.
Fazit
Die Vickers Viscount steht am Anfang einer Entwicklung, die bis heute anhält: Propellerturbinen dominieren den Regionalverkehr, von der ATR bis zur Dash 8. Als erster Turboprop im Linienverkehr bewies sie ab 1953, dass Turbinenantrieb sicher, komfortabel und wirtschaftlich sein kann. Mit 445 Exemplaren, Kunden in aller Welt und einer Einsatzzeit von mehr als fünf Jahrzehnten ist sie eine der wichtigsten Figuren der britischen Luftfahrtgeschichte. Für dich als Spotter ist sie ein Museumsstück mit Bezug zur Heimat – dank Lufthansa- und Austrian-Vergangenheit.
Kurzfazit
Große ovale Fenster, vier schlanke Dart-Turboprops, kompakter Rumpf: Das ist die Viscount. Fliegend gibt es sie nicht mehr, aber in Speyer, Sinsheim, Hermeskeil und Duxford kannst du sie aus nächster Nähe für deine Sammlung festhalten.
Zusammenfassung
- Die Viscount flog erstmals 1948 und ging 1953 bei British European Airways als weltweit erster Turboprop-Airliner in den regulären Liniendienst.
- Die Serien 700, 800 und 810 unterscheiden sich vor allem in Rumpflänge, Sitzzahl und Triebwerksleistung.
- Große Erfolge feierte sie in Nordamerika bei Trans-Canada Air Lines und Capital Airlines sowie in Europa bei BEA, Air France, Aer Lingus, Lufthansa und Austrian.
- Fliegend siehst du heute keine mehr; wer sie erleben will, besucht ein Museum in Deutschland oder Großbritannien.
Häufige Fragen
Warum gilt die Viscount als erster Turboprop-Airliner?
Am 29. Juli 1950 flog BEA mit dem Prototyp einer Viscount zahlende Passagiere von London-Northolt nach Paris – der erste planmäßige Flug eines turbinengetriebenen Verkehrsflugzeugs. Den dauerhaften Linienbetrieb mit Serienmaschinen nahm BEA am 18. April 1953 auf. Andere Turboprop-Airliner wie die Lockheed Electra oder die Il-18 kamen erst Ende der 1950er-Jahre.
Welche Triebwerke hat die Viscount?
Vier Rolls-Royce Dart. Der Prototyp flog mit dem Dart 501, die Serie 700 mit Dart 505/506, die 700D und die 800 mit dem stärkeren Dart 510, die Serie 810 mit dem Dart 525. Das Dart-Triebwerk trieb später auch die Fokker F27 und die HS 748 an.
Was unterscheidet Viscount 700, 800 und 810?
Die 700 ist die erste Serienversion mit bis zu rund 53 Sitzen. Die 800 hat einen um gut einen Meter verlängerten Rumpf und bis zu 75 Plätze. Die 810 nutzt denselben langen Rumpf, aber stärkere Dart-525-Triebwerke und ist dadurch schneller. Das Suffix „D“ bei der 700 steht für den Dart 510.
Hatte Lufthansa die Viscount?
Ja. Lufthansa betrieb ab Ende der 1950er-Jahre fabrikneue Viscount 814 auf Inlands- und Europastrecken, vier Maschinen flogen ab 1961 zeitweise für Condor. Eine davon, die D-ANAF, diente ab 1972 als Ausbildungsflugzeug und steht heute im Technik Museum Speyer.
Gibt es noch fliegende Viscounts?
Nach heutigem Kenntnisstand nicht. Die letzte bekannte lufttüchtige Maschine flog um 2009 in der Demokratischen Republik Kongo. Der ICAO-Code VISC wurde aus der offiziellen Typenliste gestrichen, weil keine lufttüchtigen Exemplare mehr existieren.
Warum hat die Viscount so große ovale Fenster?
Die ovale Form verteilt die Lasten in einem Druckrumpf günstig und kam mit vergleichsweise wenig Verstärkung aus. Die Fenster messen rund 48 mal 66 Zentimeter und boten Passagieren eine für die frühen 1950er-Jahre außergewöhnliche Aussicht.
Wo kann ich eine Viscount in Deutschland sehen?
Im Technik Museum Speyer (Ex-Lufthansa D-ANAF), im Auto & Technik Museum Sinsheim (Ex-Air-Inter F-BGNU) und in der Flugausstellung Hermeskeil (Ex-Lufthansa D-ANAM). Prüf vor dem Besuch die aktuellen Öffnungszeiten und ob das Flugzeug zugänglich ist.
Vickers Viscount sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Verwandte Flugzeugtypen
Vickers Vanguard
Vier kräftige Tyne-Turboprops, ein bauchiger Rumpf und später ein riesiges Frachttor: Die Vanguard kam als Passagierflugzeug zu spät, als Frachter Merchantman flog sie dafür bis 1996.
HistorischVickers VC10
Vier Triebwerke paarweise am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Flügel wie aus dem Lehrbuch: Die Vickers VC10 war Großbritanniens Antwort auf Boeing 707 und DC-8. Sie flog für BOAC um die Welt und fast fünf Jahrzehnte als Transporter und Tanker für die Royal Air Force. Hier erfährst du, wie du sie erkennst und wo du sie heute findest.
HistorischBristol Britannia
Vier Proteus-Turboprops, ein langer, schlanker Rumpf und ein leiser Auftritt, der ihr den Spitznamen Whispering Giant einbrachte: Die Britannia war Großbritanniens Langstrecken-Turboprop – und kam einige Jahre zu spät.
HistorischLockheed L-188 Electra
Vier Allison-Turboprops, ein auffällig kurzer Flügel und eine bewegte Geschichte: Die Lockheed L-188 Electra war Amerikas erster großer Turboprop-Airliner, wurde schnell von Jets verdrängt und machte danach Karriere als Frachter und Löschflugzeug. So erkennst du sie und so findest du die letzten Exemplare.
HistorischIljuschin Il-18
Vier Propellerturbinen unter einem langen, geraden Flügel, ein schlanker Rumpf und ein tiefes, sonores Brummen: Die Il-18 war der erste große Turboprop-Airliner der Sowjetunion und in den 1960er-Jahren das Rückgrat der Interflug. So erkennst du den Klassiker.
TurbopropFokker F27 Friendship
Hoher Flügel, zwei Rolls-Royce-Dart-Turboprops und große ovale Fenster: Die Fokker F27 Friendship war Europas erfolgreichster Turboprop-Airliner ihrer Zeit. Heute ist sie ein echter Sammlerfang.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Rolls-Royce
Britischer Triebwerkshersteller mit über hundert Jahren Luftfahrtgeschichte: Die Trent-Familie treibt A330, A350, A380 und Boeing 787 an, die Business-Jet-Triebwerke kommen aus Dahlewitz bei Berlin. Für Spotter ist Rolls-Royce die Frage hinter der Frage – welcher Antrieb hängt eigentlich unter dem Flügel?
MuseumTechnik Museum Speyer
Das Technik Museum Speyer ist eines der großen Ziele für Luftfahrtfans in Deutschland: Hier kletterst du in einen ehemaligen Lufthansa-Jumbo, der rund 20 Meter über dem Boden aufgebockt ist, stehst unter der riesigen Antonov An-22 und schaust in der Raumfahrthalle ins Innere des Buran-Prototyps OK-GLI. Dazu kommt die Liller Halle von 1913, in der einst die Pfalz-Flugzeugwerke arbeiteten.
MuseumTechnik Museum Sinsheim
Nirgendwo sonst stehen die beiden Überschall-Verkehrsflugzeuge der Welt nebeneinander: Im Technik Museum Sinsheim kletterst du auf dem Hallendach in die Air-France-Concorde F-BVFB und in die sowjetische Tupolew Tu-144. Dazu kommen begehbare Klassiker wie Ju 52, DC-3, Il-18 und Viscount – direkt an der A6 zwischen Mannheim und Heilbronn.
MuseumFlugausstellung Hermeskeil
Die Flugausstellung Hermeskeil im Hunsrück ist eine der größten privaten Flugzeugsammlungen Deutschlands. Seit 1973 trägt die Familie Junior hier über hundert zivile und militärische Fluggeräte zusammen – von der Lufthansa-Super-Constellation über Comet und VC10 bis zu MiGs aus NVA-Beständen. Mittendrin: ein begehbarer Concorde-Nachbau, in dem das Museumscafé untergebracht ist.
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