Vickers Vanguard

Vier kräftige Tyne-Turboprops, ein bauchiger Rumpf und später ein riesiges Frachttor: Die Vanguard kam als Passagierflugzeug zu spät, als Frachter Merchantman flog sie dafür bis 1996.

Auch bekannt als: Vickers Vanguard · Vanguard 951 · Vanguard 952 · Vanguard 953 · Vanguard 953C Merchantman · Merchantman · Cargoliner

GroßbritannienVickers-ArmstrongsHistorische Flugzeuge11 Min. Lesezeit

1959

Erstflug

44

gebaute Exemplare

9

Umbauten zum Frachter Merchantman

1996

letzter Flug

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Vanguard ist ein britischer Turboprop-Airliner der frühen 1960er-Jahre: vier Rolls-Royce Tyne, rund 130 Sitze, gebaut für BEA und Trans-Canada Air Lines.
  • Sie kam zu spät: Als sie 1961 in Dienst ging, setzten Airlines bereits auf Jets. Es blieb bei 44 gebauten Exemplaren.
  • Als Frachter Merchantman bekam sie ein zweites Leben: Neun Maschinen erhielten ein großes Frachttor und flogen in Großbritannien bis 1996.
  • Schnellster Erkennungsweg: vier Turboprops plus auffallend bauchiger Rumpf – bei der Merchantman zusätzlich das riesige Frachttor vorn links.
  • Heute ein Museumsflugzeug: Das einzige komplette Exemplar, die Merchantman G-APEP, steht im Brooklands Museum, dazu kommen zwei Bugsektionen.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist die Vickers Vanguard?
  2. 2.Die große Schwester der Viscount
  3. 3.Double Bubble: der bauchige Rumpf
  4. 4.Die Versionen im Überblick
  5. 5.Die Merchantman: zweites Leben als Frachter
  6. 6.Woran du die Vanguard erkennst
  7. 7.Vanguard, Viscount, Electra, Britannia oder Il-18?
  8. 8.Wer die Vanguard flog
  9. 9.Unfälle
  10. 10.Wo du die Vanguard heute siehst
  11. 11.Fototipps für die Museums-Vanguard
  12. 12.Fazit

Steckbrief

HerstellerVickers-Armstrongs, Weybridge (Brooklands)
VersionenType 950 (Prototyp), 951 und 953 für BEA, 952 für TCA, 953C Merchantman (Frachtumbau)
Erstflug20. Januar 1959 (Prototyp G-AOYW, Weybridge nach Wisley)
Indienststellung1961 bei Trans-Canada Air Lines und British European Airways
Triebwerke4 × Rolls-Royce Tyne (Propellerturbinen)
Länge37,45 m
Spannweite35,97 m
Höhe10,64 m
Cockpit-Besatzung3
Sitzplätzeje nach Version rund 127 bis 139
Max. Startgewichtrund 64 t (Type 952)
Reisegeschwindigkeitrund 680 km/h (Type 952)
Produktion44 Flugzeuge inklusive Prototyp, gebaut in Weybridge ab 1959
StatusHistorisch – letzter Flug eines Merchantman 1996, einziges komplettes Exemplar im Brooklands Museum

Erkennungsmerkmale

Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Vier Propellerturbinen vom Typ Rolls-Royce Tyne mit großen Propellern unter einem geraden, ungepfeilten Tiefdecker-Flügel
  • Bauchiger, hoher Rumpf: Der Querschnitt besteht aus zwei übereinanderliegenden Kreisbögen („Double Bubble“), unten liegt ein großer Frachtraum
  • Deutlich größer und massiger als die Viscount – rund 37 Meter lang statt gut 26 Meter bei der Viscount 800
  • Beim Merchantman: großes Frachttor vorn auf der linken Rumpfseite, rund 3,5 × 2,0 m, dazu meist überdeckte Kabinenfenster
  • Kennzeichen der BEA-Maschinen im Block G-APE…, die kanadischen Vanguards trugen CF-TK…

Aktualisiert: Oktober 2026 – Vier Propellerturbinen, ein gerader Flügel und ein Rumpf, der irgendwie bauchiger wirkt als bei anderen Turboprops jener Zeit: Wer im Brooklands Museum vor diesem Flugzeug steht, sieht die Vickers Vanguard, genauer gesagt ihre Frachtversion Merchantman. Die Vanguard sollte die erfolgreiche Viscount ablösen, kam aber genau in dem Moment, als die Airlines auf Jets umstiegen. Gebaut wurden nur 44 Stück. Im Einsatz blieb sie trotzdem rund 35 Jahre lang, zuletzt als Frachter. Hier erfährst du, woher die Vanguard kommt, wie du sie von Viscount, Electra und Britannia unterscheidest und wo du sie heute noch findest.

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Was ist die Vickers Vanguard?

Die Vanguard ist ein viermotoriger Turboprop-Airliner für Kurz- und Mittelstrecken, gebaut von Vickers-Armstrongs in Weybridge südwestlich von London. Ihre vier Propellerturbinen vom Typ Rolls-Royce Tyne lieferten mehr als doppelt so viel Leistung wie die Dart-Triebwerke der Viscount. Je nach Version fanden zwischen etwa 127 und 139 Passagiere Platz, im Cockpit arbeiteten drei Personen.

Der Prototyp G-AOYW startete am 20. Januar 1959 zu seinem Erstflug, einem kurzen Überführungsflug von Weybridge nach Wisley in Surrey. Bis zum Ende der Produktion entstanden 44 Flugzeuge: der Prototyp, 20 Maschinen für British European Airways und 23 für Trans-Canada Air Lines. Ein weiterer Käufer für neue Flugzeuge fand sich nicht.

Heute ist die Vanguard ein historisches Flugzeug. Bei BEA und British Airways verschwanden die Passagierversionen schon 1974, als Frachter Merchantman hielt sie in Großbritannien bis 1996 durch. Erhalten ist nur ein einziges komplettes Exemplar.

44gebaute Vanguards inklusive Prototyp
37,45 mLänge – gut zehn Meter mehr als die Viscount 800
1996letzter Merchantman-Frachtflug bei Hunting Cargo

Die große Schwester der Viscount

Die Geschichte der Vanguard beginnt 1953. Die Viscount hatte gerade gezeigt, dass Propellerturbinen im Liniendienst funktionieren, und British European Airways (BEA) suchte nach einem größeren Nachfolger. Gefordert waren mehr als 100 Sitze, mehr Reichweite und eine höhere Reisegeschwindigkeit. Vickers spielte mehrere Entwürfe durch, darunter Versionen mit Hochdecker-Flügel. Am Ende setzte sich ein klassischer Tiefdecker durch, was auch dem zweiten Interessenten entgegenkam: Trans-Canada Air Lines (TCA).

Statt eines reinen Strahltriebwerks wählte Vickers die neue Propellerturbine Tyne von Rolls-Royce. Für Strecken von wenigen hundert Kilometern galt der Turboprop damals als wirtschaftlicher. BEA bestellte 1956 zunächst 20 Flugzeuge, TCA folgte Anfang 1957 mit einer Bestellung für 20 Maschinen der Version 952, später kamen drei weitere dazu. Die kanadische Variante war schwerer, stärker motorisiert und dichter bestuhlt. BEA gefiel das so gut, dass sie ihren Auftrag umstellte: sechs Type 951 und 14 Type 953 mit höherer Zuladung.

Die Erprobung lief nicht ganz glatt. Vor allem das Verhalten im Strömungsabriss machte Probleme und erforderte zahlreiche Testflüge, bis Vickers es im Griff hatte. 1961 gingen dann beide Erstkunden in den Liniendienst: TCA nahm den regulären Betrieb am 1. Februar 1961 auf, BEA folgte im selben Frühjahr. Zu den genauen BEA-Daten nennen die Quellen leicht unterschiedliche Angaben, weil es bereits im Dezember 1960 erste Einsätze gab.

1960 ging Vickers-Armstrongs mit anderen britischen Herstellern in der British Aircraft Corporation auf. Über British Aerospace führt diese Linie bis zu BAE Systems. Aus derselben Fabrik in Weybridge stammt auch der Langstreckenjet Vickers VC10.

Double Bubble: der bauchige Rumpf

Das auffälligste Konstruktionsmerkmal der Vanguard sitzt im Rumpfquerschnitt. Statt eines einfachen Kreises besteht er aus zwei übereinandergesetzten Bögen, im Englischen „Double Bubble“ genannt. Der obere, breitere Teil gab der Kabine viel Platz, der untere schuf einen großen Frachtraum unter dem Boden.

Genau dieser Frachtraum war ein wichtiges Verkaufsargument. Airlines verdienten damals einen guten Teil ihres Geldes mit Post und Fracht, und die Vanguard konnte neben vollen Passagierkabinen noch erhebliche Mengen Ladung mitnehmen. Für dich als Spotter hat der Rumpf einen praktischen Nebeneffekt: Die Vanguard wirkt im Profil deutlich höher und massiger als andere viermotorige Turboprops ihrer Zeit.

Warum Turboprop und nicht Jet?

Mitte der 1950er-Jahre waren Strahltriebwerke noch durstig und auf kurzen Strecken wenig effizient. Viele Hersteller setzten deshalb auf Propellerturbinen – in den USA etwa Lockheed mit der Electra, in der Sowjetunion Iljuschin mit der Il-18. Wenige Jahre später hatten effizientere Jets diese Rechnung schon verändert.

Die Versionen im Überblick

Version Gebaut Betreiber Besonderheiten
Type 950 1 Vickers Prototyp G-AOYW, Erstflug 1959
Type 951 6 BEA Erste BEA-Version, gemischte Bestuhlung mit rund 127 Sitzen
Type 952 23 TCA / Air Canada Stärkere Tyne-Triebwerke, verstärkte Zelle, bis zu 139 Sitze
Type 953 14 BEA Höheres Startgewicht, meist rund 135 Sitze in einer Klasse
Type 953C Merchantman 9 Umbauten BEA / British Airways Frachter mit großem Tor vorn links

Dazu kommt ein Einzelstück: Air Canada baute 1966 eine Type 952 in einen reinen Frachter um, den sie Cargoliner nannte. Er blieb ein Einzelfall und war 1972 die letzte kanadische Vanguard im Dienst.

Die Merchantman: zweites Leben als Frachter

Als BEA ihre Kurzstrecken mit Jets wie der Trident bediente, waren die Vanguards als Passagierflugzeuge schnell überholt. Ihr großer Rumpf machte sie aber zu guten Frachtern. Ab 1969 ließ BEA deshalb neun Type 953 zur Type 953C Merchantman umbauen. Die ersten beiden Umbauten entwickelte Aviation Traders in Southend, die restlichen erledigte BEA selbst in Heathrow.

Jede Merchantman erhielt ein großes Frachttor vorn auf der linken Rumpfseite, rund 3,5 Meter breit und 2 Meter hoch, sowie einen Kabinenboden für Frachtpaletten. Die Fenster wurden in der Regel verschlossen oder überlackiert. Nach der Fusion von BEA und BOAC übernahm 1974 British Airways die Frachter und flog sie bis Ende 1979.

Danach begann das bekannteste Kapitel für britische Spotter: Air Bridge Carriers kaufte mehrere Merchantman und setzte sie im europäischen Fracht- und Postverkehr ein, auch von East Midlands aus. 1992 wurde Air Bridge zu Hunting Cargo Airlines. Am 30. September 1996 flog dort der letzte kommerzielle Merchantman-Einsatz – rund 37 Jahre nach dem Erstflug des Prototyps.

Wie du moderne Frachter am Himmel erkennst, zeigt dir der Guide Frachtflugzeuge erkennen. Viele Merkmale wie Frachttore und verschlossene Fenster helfen dir auch bei historischen Typen.

Woran du die Vanguard erkennst

Im Museum oder auf alten Fotos ist die Vanguard mit etwas Übung schnell bestimmt. Diese Schritte helfen dir.

Triebwerke zählen

Vier Propellerturbinen unter einem geraden Flügel grenzen auf die großen Turboprops der 1950er- und 1960er-Jahre ein: Viscount, Vanguard, Britannia, Electra und Il-18.

Rumpf von der Seite ansehen

Der Double-Bubble-Rumpf lässt die Vanguard hoch und bauchig wirken, vor allem im Bereich unter der Kabine. Die Viscount ist dagegen schlank und deutlich kleiner.

Fenster prüfen

Auffällig große ovale Fenster sprechen für die Viscount. Bei der Merchantman sind die Kabinenfenster meist ganz verschlossen – ein schneller Hinweis auf den Frachtumbau.

Nach dem Frachttor suchen

Ein großes Tor vorn auf der linken Seite zeigt dir sofort: Das ist eine Merchantman. In Brooklands steht genau so eine.

Am Ende bestätigt das Kennzeichen den Typ. Die BEA-Vanguards trugen britische Kennzeichen im Block G-APE…, die kanadischen Maschinen Kennzeichen im Bereich CF-TK… Wie das britische System aufgebaut ist und wie du alte Registrierungen nachschlägst, erklärt der Beitrag zu britischen G-Kennzeichen.

Vanguard, Viscount, Electra, Britannia oder Il-18?

Die großen Turboprops der Nachkriegszeit sehen sich auf den ersten Blick ähnlich. Größe, Rumpfform und Herkunft helfen beim Auseinanderhalten.

Merkmal Vanguard Viscount 800 L-188 Electra Britannia Il-18
Hersteller Vickers (GB) Vickers (GB) Lockheed (USA) Bristol (GB) Iljuschin (UdSSR)
Länge ca. 37,5 m ca. 26 m ca. 32 m ca. 38 m (Serie 300) ca. 36 m
Rumpf bauchig, Double Bubble schlank schlank, rund sehr lang, schlank schlank, rund
Typische Kennung hoher Rumpf, Tyne-Triebwerke große ovale Fenster kurzer, gedrungener Rumpf sehr große Spannweite sowjetische Ausrüstung, Kennzeichen CCCP-/RA-

Die Viscount ist die häufigste Verwechslung, schon weil beide aus Weybridge stammen. Der Größenunterschied ist im Museum aber deutlich. Die Lockheed L-188 Electra entstand fast zeitgleich, ist aber kürzer und hat einen runden, schlanken Rumpf. Die Bristol Britannia ist ein Langstrecken-Turboprop mit deutlich größerer Spannweite, die Iljuschin Il-18 das sowjetische Gegenstück mit ähnlicher Größe. Mehr Hilfen zum Bestimmen von Propellerflugzeugen findest du im Beitrag Turboprops unterscheiden.

Es spricht für eine Vanguard, wenn …

  • vier Propellerturbinen unter einem geraden Flügel sitzen
  • der Rumpf auffällig hoch und bauchig wirkt
  • vorn links ein großes Frachttor zu sehen ist (Merchantman)
  • das Kennzeichen mit G-APE beginnt

Sieh genauer hin, wenn …

  • du nur eine Bugsektion vor dir hast – dann hilft dir das Schild am Exponat
  • das Foto aus Kanada oder Indonesien stammt und kein Kennzeichen lesbar ist
  • die Maschine in einer Frachtlackierung ohne Airline-Schriftzug abgebildet ist

Es ist keine Vanguard, wenn …

  • du große ovale Kabinenfenster siehst – das ist eher eine Viscount
  • das Flugzeug zwei Propellerturbinen hat
  • die Triebwerke am Heck sitzen, wie bei der VC10

Wer die Vanguard flog

Hauptbetreiber in Europa war British European Airways. Sie setzte ihre Vanguards vor allem auf dichten Inlands- und Europastrecken ab London Heathrow ein. Mit der Gründung von British Airways 1974 endete der Passagierbetrieb dort schnell: Der letzte BA-Passagierflug mit einer Vanguard fand im Juni 1974 statt, nur die Merchantman-Frachter blieben.

In Kanada flog Trans-Canada Air Lines die Type 952 im Inlandsnetz und auf transkontinentalen Strecken. 1964 benannte sich die Airline in Air Canada um. Die Tyne-Triebwerke galten anfangs als störanfällig. Anfang der 1970er-Jahre verabschiedete Air Canada die Vanguards, 1972 verließen die letzten Maschinen die Flotte.

Die Gebrauchtflugzeuge wanderten danach zu kleineren Airlines. In Großbritannien flogen Vanguards unter anderem bei Invicta International Airlines und Silver City Airways, in Frankreich bei Europe Aéro Service und Inter Cargo Service. Weitere Maschinen gingen an Betreiber in Island, Schweden, Gabun, dem Libanon und Singapur. In Indonesien flog unter anderem Merpati Nusantara den Typ.

Unfälle

Zur Geschichte der Vanguard gehören auch mehrere schwere Unfälle. Am 27. Oktober 1965 verunglückte die BEA-Maschine G-APEE bei schlechter Sicht während eines Durchstartmanövers in Heathrow, alle 36 Menschen an Bord starben. Am 2. Oktober 1971 stürzte BEA-Flug 706 (G-APEC) auf dem Weg nach Salzburg in Belgien ab, nachdem das hintere Druckschott versagt und das Höhenleitwerk zerstört hatte. Alle 63 Insassen kamen ums Leben.

Der folgenschwerste Unfall traf am 10. April 1973 den Invicta-Flug 435: Die G-AXOP stürzte im Anflug auf den EuroAirport Basel-Mulhouse in der Schweiz ab. 108 Menschen starben, die meisten von ihnen Passagiere auf einem Tagesausflug aus Südwestengland. Das Unglück gehört zu den schwersten Flugunfällen in der Schweiz.

Wo du die Vanguard heute siehst

Fliegend gibt es die Vanguard seit 1996 nicht mehr. Stand Oktober 2026 sind diese Exponate bekannt:

Ort Exponat Hinweis
Brooklands Museum, Weybridge Merchantman G-APEP „Superb“ Einziges komplettes Exemplar, 1996 von Hunting gespendet
Brooklands Museum, Weybridge Bugsektion G-APEJ „Ajax“ Teil der Sammlung
East Midlands Aeropark Bugsektion G-APES „Swiftsure“ Ehemalige Air-Bridge- und Hunting-Maschine

Das Brooklands Museum ist der passende Ort für die Vanguard: Auf dem Gelände in Weybridge wurde sie gebaut, und am 17. Oktober 1996 kehrte die G-APEP mit ihrem letzten Flug an ihren Geburtsort zurück. In der Sammlung steht sie zusammen mit weiteren Vickers-Typen.

Im East Midlands Aeropark verbindest du den Blick auf die Bugsektion mit aktuellem Flugbetrieb: Der Aeropark liegt direkt am Flughafen East Midlands, von dem aus die Merchantman früher Fracht flogen. Heute landen dort unter anderem viele Frachter der großen Expressdienste.

Vor dem Besuch prüfen

Museumsexponate werden restauriert, umgestellt oder zeitweise gesperrt. Schau vor deiner Reise auf der Website des Museums nach, ob die Vanguard zugänglich ist und ob Kabinen- oder Cockpitbesichtigungen angeboten werden.

Fototipps für die Museums-Vanguard

Eine Vanguard im Museum zu fotografieren ist entspannter als jeder Landeanflug. Die Herausforderung sind Absperrungen, enge Abstände und das Licht.

Rumpfprofil zeigen

Der bauchige Double-Bubble-Rumpf ist das Charakteristikum. Ein Bild seitlich und leicht von unten macht die Rumpfform am besten sichtbar.

Frachttor einfangen

Bei der G-APEP gehört das große Tor links vorn ins Bild. Eine Dreiviertelansicht von vorn links zeigt Nase, Tor und zwei Triebwerke gleichzeitig.

Licht planen

Draußen stehende Exponate fotografierst du am besten mit der Sonne im Rücken. Wann das an deinem Standort der Fall ist, prüfst du vorab mit dem Sonnenstand-Planer.

Details sammeln

Propeller, Triebwerksgondeln, Cockpitfenster und Kennzeichen: Detailbilder erzählen die Geschichte des Flugzeugs besser als ein einzelnes Übersichtsfoto.

Weitere Tipps, wie du ältere Typen in Sammlungen und auf Fotos bestimmst, findest du im Guide Oldtimer am Himmel erkennen. Wie besonders ein solcher Fund im Vergleich zu anderen Sichtungen ist, kannst du mit Wie selten ist meine Sichtung? einordnen. Und wenn du ohnehin in der Gegend bist: Von Weybridge ist es nicht weit nach Heathrow – der Heathrow-Guide zeigt dir die besten Spots für den aktuellen Betrieb.

Klassiker sammeln

In Planetrack setzt du seltene Typen auf deine Wunschliste, postest deine Museumsfotos mit Kennzeichen und Standort und tauschst dich mit anderen Klassiker-Fans in der Community aus. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.

Fazit

Die Vanguard ist ein Lehrstück dafür, wie wichtig der richtige Zeitpunkt ist. Technisch war sie solide, mit starken Triebwerken und einem großzügigen Frachtraum. Doch als sie 1961 in Dienst ging, gehörte die Zukunft bereits den Jets. Ihre eigentliche Stärke zeigte sie erst als Frachter Merchantman, der in Großbritannien bis 1996 Post und Fracht transportierte. Wer sie sehen will, fährt nach Brooklands – dorthin, wo alles begann.

Kurzfazit

Vier Tyne-Turboprops, gerader Flügel, auffällig bauchiger Rumpf und bei der Merchantman ein großes Frachttor vorn links: Das ist die Vickers Vanguard. Das einzige komplette Exemplar, G-APEP, steht im Brooklands Museum in Weybridge.

Zusammenfassung

  • Vickers entwickelte die Vanguard als größere Nachfolgerin der Viscount, vor allem für British European Airways und Trans-Canada Air Lines.
  • Der Doppelblasen-Rumpf mit großem Unterflur-Frachtraum und die starken Tyne-Triebwerke machten sie leistungsfähig, doch die neuen Jets ließen sie schnell altmodisch wirken.
  • BEA ließ ab 1969 neun Maschinen zum Frachter Merchantman umbauen; über British Airways kamen sie zu Air Bridge Carriers und Hunting Cargo, wo die letzte im September 1996 ausflog.
  • Wer die Vanguard sehen will, fährt ins Brooklands Museum nach Weybridge oder zum Aeropark am Flughafen East Midlands.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Vanguard und Merchantman?

Die Merchantman ist eine Frachtversion der Vanguard. BEA ließ neun Passagiermaschinen der Version 953 zum Typ 953C umbauen. Sie bekamen ein großes Frachttor vorn auf der linken Seite und einen verstärkten Kabinenboden für Paletten. Von außen erkennst du die Merchantman am Tor und an den meist verschlossenen Fenstern.

Wie viele Vickers Vanguard wurden gebaut?

Insgesamt 44 Flugzeuge: der Prototyp, 20 Maschinen für BEA (sechs Type 951 und 14 Type 953) sowie 23 Type 952 für Trans-Canada Air Lines. Manche Quellen zählen 43, weil sie den Prototyp nicht mitrechnen.

Warum verkaufte sich die Vanguard so schlecht?

Sie war ein gut durchdachter Turboprop, kam aber genau in dem Moment auf den Markt, als die Airlines auf Düsenflugzeuge umstiegen. Jets wie die Caravelle, die Boeing 727 oder die britische Trident waren schneller und bei den Passagieren beliebter. Außer BEA und TCA bestellte deshalb keine Airline neue Vanguards.

Wie unterscheide ich die Vanguard von der Viscount?

Beide haben vier Propellerturbinen und stammen von Vickers. Die Vanguard ist aber deutlich größer, hat einen höheren und bauchigeren Rumpf und kräftigere Tyne-Triebwerke mit größeren Propellern. Die Viscount erkennst du an ihren auffällig großen, ovalen Kabinenfenstern und dem schlankeren Rumpf.

Wann flog die letzte Vanguard?

Die letzten Einsätze flog Hunting Cargo Airlines, die Nachfolgerin von Air Bridge Carriers. Ihr letzter Merchantman-Frachtflug fand am 30. September 1996 statt. Am 17. Oktober 1996 flog die G-APEP noch ein letztes Mal nach Brooklands, wo sie seitdem im Museum steht.

Wo kann ich eine Vanguard besichtigen?

Die einzige komplette Maschine, die Merchantman G-APEP „Superb“, steht im Brooklands Museum in Weybridge, genau dort, wo die Vanguard gebaut wurde. Eine Bugsektion (G-APEJ „Ajax“) gehört ebenfalls zur Sammlung in Brooklands, eine weitere (G-APES „Swiftsure“) steht im Aeropark am Flughafen East Midlands.

Hat die Vanguard einen ICAO-Typcode?

Für die Spotterpraxis spielt der Code keine Rolle mehr, weil keine Vanguard mehr fliegt. Einen verlässlich belegten aktuellen ICAO-Code nennen wir daher hier nicht. Zur Bestimmung im Museum reichen Kennzeichen und Bauform.

Vickers Vanguard sammeln statt nur sehen

Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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TT

Planetrack Redaktion

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