Das Wichtigste in Kürze
- Estonian Air war die Nationalairline Estlands mit Drehkreuz Tallinn und flog von 1991 bis zum 8. November 2015.
- Codes: IATA OV, ICAO ELL, Rufzeichen „ESTONIAN“.
- Skandinavische Miteigentümer: Erst Maersk Air, ab 2003 SAS hielten 49 Prozent – danach übernahm der Staat wieder fast alle Anteile.
- Vom Sowjeterbe zum Regionaljet: Tu-134 und Jak-40 wichen der Boeing 737, am Ende flogen CRJ900 und Embraer 170.
- Das Ende kam aus Brüssel: Die EU-Kommission stufte rund 85 Millionen Euro Staatshilfe als rechtswidrig ein und untersagte weitere 40 Millionen.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| IATA-Code | OV |
|---|---|
| ICAO-Code | ELL |
| Rufzeichen | ESTONIAN |
| Drehkreuze | TLL |
| Status | Historisch – Flugbetrieb am 8. November 2015 eingestellt, danach Liquidation |
| Geschäftsmodell | Kleine nationale Netzwerk-Airline mit Linienflügen ab Tallinn nach Skandinavien, West- und Osteuropa |
| Gegründet | 1. Dezember 1991 als staatliche Aktiengesellschaft, kurz nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Estlands |
| Sitz und Drehkreuz | Tallinn, Flughafen Tallinn (TLL) |
| Eigentümer | Bis 1996 Staat Estland; ab 1996 49 Prozent Maersk Air und 17 Prozent Cresco; ab 2003 SAS mit 49 Prozent; nach Kapitalspritzen ab 2010 wieder fast vollständig staatlich |
| Allianz | keine |
| Tochtergesellschaft | Estonian Air Regional (Saab 340, ab 2008, 2013 in die Muttergesellschaft eingegliedert) |
| Flotte zuletzt (2015) | Bombardier CRJ900 und Embraer 170, dazu ein von NextJet betriebener Saab 340 – die Zahlen schwanken je nach Quelle und Stichtag |
| Frühere Typen | Antonov An-2, Jakowlew Jak-40, Tupolew Tu-134A, Fokker 50, Boeing 737-500 und 737-300, Saab 340, ATR 42-500 |
| Nachfolger | Staatliche Neugründung Nordic Aviation Group (Marke Nordica), anfangs mit gemieteten Flugzeugen von Adria Airways und anderen Partnern |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Estonian Air?
- Estnisches Kennzeichen mit ES- am Rumpf
- Schriftzug „Estonian Air“ am Rumpf
- In den ersten Jahren sowjetische Typen wie Tu-134A und Jak-40, ab Mitte der 1990er-Jahre Boeing 737-500
- Zum Schluss fast nur Regionaljets: Bombardier CRJ900 und Embraer 170
- Flugnummern mit OV, auf Trackern und im Funk ELL bzw. das Rufzeichen ESTONIAN
- Heute nur noch auf Archivfotos – seit November 2015 fliegt keine Estonian Air mehr
Wer zwischen den 1990er-Jahren und 2015 an den Flughäfen rund um die Ostsee unterwegs war, ist ihr fast sicher begegnet: Estonian Air, der kleinen Nationalairline Estlands mit dem Kennzeichen ES- am Rumpf. In knapp 24 Jahren erlebte sie fast alles, was eine Airline aus dem ehemaligen Ostblock erleben konnte – das sowjetische Erbe, den Einstieg westlicher Investoren, mehrere Flottenwechsel und am Ende einen Streit mit Brüssel, den sie nicht überlebte. Hier erfährst du, woher Estonian Air kam, welche Flugzeuge sie flog und woran du sie auf alten Fotos erkennst.
Historische Airline
Estonian Air hat den Flugbetrieb am 8. November 2015 eingestellt und wurde anschließend liquidiert. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die historische Airline. Die Codes OV und ELL stehen hier für Estonian Air.
Estonian Air im Überblick
Estonian Air war die nationale Airline Estlands mit Sitz und Drehkreuz am Flughafen Tallinn. Gegründet wurde sie am 1. Dezember 1991 als staatliche Aktiengesellschaft – nur wenige Monate, nachdem Estland seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte. Die erste Flotte bestand aus Flugzeugtypen sowjetischer Bauart.
Das Profil der Airline war über die Jahre ziemlich konstant. Von Tallinn aus gingen Linienflüge nach Skandinavien, in die Benelux-Staaten, nach Deutschland, Frankreich und Österreich, aber auch nach Russland und in die Ukraine. Mit nur einem kleinen Heimatmarkt war Estonian Air immer auf Umsteiger und auf die Anbindung an größere Netze angewiesen. Lange Zeit kam diese Anbindung über skandinavische Partner: Erst war Maersk Air, später SAS Miteigentümer. Laut Wikipedia nutzten Vielflieger bei Estonian Air das SAS-Programm EuroBonus. Mitglied einer der großen Allianzen war Estonian Air selbst nicht.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code OV: stand vor den Flugnummern, auf Tickets und an den Anzeigetafeln.
- ICAO-Code ELL: die Kennung im Flugplan der Flugsicherung und auf Flugtrackern.
- Rufzeichen ESTONIAN: so meldeten sich die Crews im Funk.
Der ICAO-Code ELL ist ein schönes Beispiel dafür, dass Codes nicht immer intuitiv sind: Er hat nichts mit dem Ländercode EE zu tun, der für Estland steht. Warum IATA- und ICAO-Codes so unterschiedlich aufgebaut sind, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes. Für dein Logbuch heißt das: Wenn du alte Sichtungen nachträgst, notiere OV und ELL getrennt – so findest du die Einträge später zuverlässig wieder.
Baltische Luftfahrtgeschichte im Hangar
Mit Planetrack hältst du Sichtungen mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen fest – auch deine Archivfotos von Estonian Air, Maersk Air oder den frühen airBaltic-Jahren bekommen so ihren Platz in der Sammlung. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Geschichte: von der Unabhängigkeit bis zur Liquidation
Start mit sowjetischem Erbe (1991–1995)
Als Estonian Air Ende 1991 an den Start ging, bestand die Flotte aus dem, was im Land vorhanden war: Tupolew Tu-134A für die längeren Strecken, Jakowlew Jak-40 für kürzere Verbindungen und einige Antonov An-2. Für eine Airline, die sich nach Westen orientieren wollte, war das eine schwierige Ausgangslage: Die sowjetischen Typen waren durstig, laut und im Westen wenig gefragt. Tu-134 und An-2 blieben bis 1996, die Jak-40 bis 1998 im Bestand.
Westliche Flugzeuge und skandinavische Eigentümer (1995–2008)
Ab 1995 kamen die ersten Boeing 737-500 – der Wechsel zu westlicher Technik begann. 1996 folgten zwei Fokker 50, die von Maersk Air geleast waren. Das passte zur neuen Eigentümerstruktur: Im selben Jahr wurde Estonian Air teilprivatisiert. Die dänische Maersk Air übernahm 49 Prozent, die estnische Investmentbank Cresco weitere 17 Prozent. Der Staat behielt den Rest.
2003 verkaufte Maersk Air ihr Paket an SAS. Damit gehörte Estonian Air für mehrere Jahre zum Einflussbereich der skandinavischen Airline. Die Fokker 50 verließen 2003 die Flotte. Im April 2006 kam eine Boeing 737-300 hinzu, die zuvor bei Air New Zealand geflogen war. Wirtschaftlich drehte sich das Blatt jedoch ab 2006: Von da an schrieb Estonian Air nur noch Verluste.
Regionaltochter und erste Staatshilfen (2008–2012)
Im März 2008 nahm die Tochter Estonian Air Regional den Betrieb auf, zunächst mit einem, später mit zwei Saab 340. Sie übernahm kürzere Strecken, etwa nach Kuressaare auf der Insel Saaremaa sowie nach Helsinki, Stockholm und Vilnius; später kamen St. Petersburg und Minsk hinzu.
Um 2010 kippte das Gleichgewicht der Eigentümer. Der Staat schoss neues Kapital nach, der SAS-Anteil schrumpfte, und am Ende übernahm Estland die Airline fast vollständig. Gleichzeitig begann eine weitere Flottenumstellung: Ab 2011 kamen Bombardier CRJ900, ab 2012 Embraer E170. Bis Ende 2012 verließen die letzten Boeing 737 die Flotte. Mit der Umstellung auf Regionaljets wollte die Airline auf ihren eher dünnen Strecken wirtschaftlicher fliegen.
Sanierung unter Beobachtung (2012–2015)
Nach schwachen Zahlen für 2012 entließ die Regierung den damaligen Chef Tero Taskila; ab November 2012 führte Jan Palmér das Unternehmen. 2013 wurde Estonian Air Regional aufgelöst und der Betrieb in die Muttergesellschaft eingegliedert; die Saab 340 flogen bis April 2013 unter dem Dach der Mutter. Die Airline schrumpfte ihr Netz und versuchte, Flugzeuge im Auftrag anderer Airlines einzusetzen – unter anderem flog sie 2013 für die litauische Air Lituanica, bis Estonian Air die Verträge im November 2013 wegen offener Rechnungen beendete. 2015 waren zwei Embraer 170 im Wet-Lease an Austrian Airlines vermietet.
Parallel lief in Brüssel ein Verfahren, das über die Zukunft der Airline entschied. Die EU-Kommission prüfte die Kapitalspritzen und das spätere Rettungsdarlehen in einem förmlichen Beihilfeverfahren. 2014 betrug der Umsatz laut Wikipedia knapp 70 Millionen Euro, der Verlust gut 10 Millionen Euro.
1991
Gründung als staatliche Airline mit Tu-134A, Jak-40 und An-2.
1995–1996
Erste Boeing 737-500, Teilprivatisierung mit Maersk Air als Großaktionär.
2003–2012
SAS übernimmt das Maersk-Paket, ab 2010 holt der Staat die Airline zurück; Umstieg auf CRJ900 und E170.
November 2015
EU-Kommission erklärt die Staatshilfen für rechtswidrig, am 8. November endet der Flugbetrieb.
Das Ende: die EU-Beihilfeentscheidung
Das Aus von Estonian Air ist eines der bekanntesten Beispiele dafür, wie das europäische Beihilferecht eine Airline zu Fall bringen kann. Die Kommission untersuchte mehrere Maßnahmen des estnischen Staates und kam Anfang November 2015 zu einem klaren Ergebnis. Laut dem Bericht von Postimees ging es um diese Hilfen:
| Maßnahme | Zeitraum | Betrag | Bewertung der Kommission |
|---|---|---|---|
| Kapitalspritze | November 2010 | 17,9 Mio. Euro | rechtswidrige Beihilfe |
| Kapitalspritze in zwei Tranchen | Dezember 2011 und März 2012 | 30 Mio. Euro | rechtswidrige Beihilfe |
| Rettungsdarlehen in mehreren Tranchen | Dezember 2012 bis November 2014 | 37 Mio. Euro | rechtswidrige Beihilfe |
| Geplante weitere Kapitalerhöhung | noch nicht ausgezahlt | rund 40 Mio. Euro | untersagt |
| Staatliche Beteiligung an einer Kapitalerhöhung | 2009 | 2,48 Mio. Euro | marktkonform, keine Beihilfe |
Den Ausschlag gab ein Grundsatz des EU-Rechts, der oft als „one time, last time“ zusammengefasst wird: Rettungs- und Umstrukturierungsbeihilfen darf ein Unternehmen innerhalb von zehn Jahren nur einmal bekommen. Estland hatte zwischen 2010 und 2014 aber mehrfach geholfen. Dazu kam, dass die Kommission den Sanierungsplan nicht für tragfähig hielt – die Airline wäre nach ihrer Einschätzung auch weiterhin auf staatliches Geld angewiesen gewesen. Außerdem fehlten aus ihrer Sicht ausreichende Ausgleichsmaßnahmen für die Wettbewerber.
Die Folge: Estonian Air hätte rund 85 Millionen Euro plus Zinsen zurückzahlen müssen. Diese Summe konnte die Airline nicht aufbringen. Am Sonntag, dem 8. November 2015, blieben die Flugzeuge am Boden, die Gesellschaft ging in Liquidation. Zu diesem Zeitpunkt hielt der Staat laut Wikipedia rund 97 Prozent der Aktien.
Mehr Airline-Pleiten
Estonian Air ist nicht der einzige Fall, in dem eine Nationalairline an Schulden und Staatshilfen scheiterte. Einen Überblick über die großen Einschnitte gibt der Artikel Große Airline-Pleiten in Europa.
Der Nachfolger stand schon bereit
Die estnische Regierung hatte vorgesorgt. Schon im September 2015 gründete sie die staatliche Nordic Aviation Group, die am 8. November 2015 die ersten Flüge ab Tallinn übernahm – der erste Flug nach Amsterdam wurde laut Wikipedia von bmi regional im Wet-Lease durchgeführt. Den Großteil der Flüge im ersten Jahr flog Adria Airways aus Slowenien. Ab 2016 trat das Unternehmen unter der Marke Nordica auf und nutzte eigene Codes, nicht die von Estonian Air.
Nordica verlegte sich später weitgehend auf das Fliegen im Auftrag anderer Airlines und stellte im November 2024 selbst den Betrieb ein; Anfang 2025 wurde sie für insolvent erklärt. Eine klassische Nationalairline hat Estland seitdem nicht mehr; Tallinn wird vor allem von ausländischen Gesellschaften angeflogen, etwa von airBaltic aus Riga oder Finnair aus Helsinki.
Das Streckennetz
Estonian Air war eine Zubringer- und Verbindungsairline. Kurz vor dem Ende flog sie ab Tallinn nach Amsterdam, Brüssel, Paris, Nizza, Kopenhagen, Oslo, Stockholm, Trondheim, Vilnius, Kiew, Moskau-Domodedowo und St. Petersburg, außerdem nach Wien. Die Liste zeigt die Doppelrolle der Airline gut: Sie verband das kleine Estland mit den Drehkreuzen im Westen und Norden und bediente zugleich Strecken in Richtung Osten.
Deutschland gehörte über die ganze Zeit zum Netz, mit wechselnden Zielen:
- Hamburg: zuletzt ganzjährig angeflogen – das wohl wichtigste deutsche Ziel der Spätphase.
- München: saisonal, unter anderem 2008 im Programm.
- Berlin-Tegel: ab 2009, zuletzt saisonal.
- Frankfurt: bis 2009, dann eingestellt.
- Hannover: ab April 2012 mit sechs Flügen pro Woche, später wieder aufgegeben.
Auch London und Riga standen zeitweise im Flugplan. In Skandinavien war die Airline an Flughäfen wie Kopenhagen und Stockholm-Arlanda regelmäßig zu sehen, im Baltikum in Vilnius und zeitweise in Riga.
Die Flotte
Die Flottengeschichte von Estonian Air ist für Spotter besonders reizvoll, weil sie in wenigen Jahren drei Epochen abdeckt. Die folgende Übersicht stützt sich auf die Flottenlisten der deutsch- und englischsprachigen Wikipedia; die Jahresangaben beziehen sich auf den Einsatz bei Estonian Air.
| Typ | Im Einsatz | Rolle | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Antonov An-2 | 1991–1996 | Kleinflugzeug aus Sowjetbeständen | Rarität, kaum Fotos |
| Jakowlew Jak-40 | 1991–1998 | Kurzstrecke | Dreistrahler mit Heckeinstieg |
| Tupolew Tu-134A | 1991–1996 | Hauptmuster der Anfangsjahre | Verglaste Bugnase, T-Leitwerk |
| Boeing 737-500 | 1995–2012 | Rückgrat für fast zwei Jahrzehnte | Kürzeste 737 Classic |
| Fokker 50 | 1996–2003 | Turboprop, von Maersk Air geleast | Hochdecker mit sechs Propellerblättern |
| Boeing 737-300 | 2006–2012 | Größere Kapazität, ex Air New Zealand | Länger als die -500 |
| Saab 340 | 2008–2013, 2015 | Estonian Air Regional, zuletzt von NextJet betrieben | Kleiner Turboprop mit 33–36 Sitzen |
| Bombardier CRJ900 | 2011–2015 | Regionaljet mit 88 Sitzen | Hecktriebwerke, T-Leitwerk |
| Embraer E170 | 2012–2015 | Regionaljet mit 76 Sitzen | Triebwerke unter dem Flügel |
| ATR 42-500 | 2014–2015 | Kurzzeitig im Einsatz | Hochdecker-Turboprop |
Wie groß die Flotte am Ende genau war, lässt sich nicht ganz sauber sagen. Die deutsche Wikipedia nennt für Juni 2015 drei CRJ900, vier Embraer 170 und einen Saab 340 von NextJet. Die englische Wikipedia listet für die Schließung sechs Flugzeuge, darunter auch CRJ700. Fest steht: Zum Schluss war Estonian Air eine reine Regionaljet-Airline, die die Embraer zugunsten der CRJ abbauen wollte. Die Hersteller dieser Typen findest du unter Bombardier und Embraer.
Ex-Estonian-Jets wiederfinden
Viele frühere Estonian-Air-Maschinen fliegen heute bei anderen Airlines. Leg für Kennzeichen oder Typen wie die CRJ900 einen Sichtungs-Alarm an – Planetrack benachrichtigt dich, wenn eine passende Maschine an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du Estonian Air erkennst
Weil die Airline seit 2015 Geschichte ist, begegnet dir Estonian Air heute nur noch auf Archivfotos – in deiner eigenen Sammlung, in Foto-Datenbanken oder in alten Spotter-Alben. Die sichersten Merkmale sind das estnische Kennzeichen mit ES- und der Schriftzug „Estonian Air“ am Rumpf. Wie Kennzeichen grundsätzlich aufgebaut sind, erklärt der Guide Flugzeug-Kennzeichen verstehen.
Darüber hinaus hilft dir der Flugzeugtyp bei der zeitlichen Einordnung. Die Bemalung hat sich über die Jahre verändert, deshalb ist der Typ oft der bessere Anhaltspunkt für die Epoche:
Frühe Jahre (1991 bis Ende der 1990er)
- Sowjetische Typen wie Tu-134A und Jak-40
- Ab 1995 die ersten Boeing 737-500
- Fokker 50 als Turboprop
- Maersk Air als Miteigentümer im Hintergrund
Späte Jahre (ab 2011)
- Bombardier CRJ900 mit Triebwerken am Heck
- Embraer 170 mit Triebwerken unter den Flügeln
- Saab 340, teils von NextJet betrieben
- Keine Boeing 737 mehr ab Ende 2012
CRJ900 und E170 haben ähnlich viele Sitze, lassen sich aber leicht unterscheiden: Beim CRJ sitzen die Triebwerke hinten am Rumpf, beim Embraer unter den Flügeln. Mehr dazu findest du im Artikel Regionaljets erkennen.
Archivfotos richtig beschriften
Notiere bei alten Fotos neben dem Kennzeichen immer auch Datum und Flughafen. Gerade bei Estonian Air, die Flugzeuge im Wet-Lease für andere Airlines einsetzte und selbst Maschinen von Partnern mietete, macht erst diese Kombination die Sichtung eindeutig. Wer gezielt Registrierungen sammelt, findet Tipps im Artikel Registrierungen sammeln.
Estonian Air im baltischen Umfeld
Die drei baltischen Staaten gingen nach 1991 ähnliche Wege, mit sehr unterschiedlichem Ausgang. In Lettland entstand mit airBaltic eine Airline, die bis heute fliegt und Riga zu einem Umsteigeknoten ausgebaut hat. Estland setzte nach 2015 zunächst auf Nordica, die vor allem im Auftrag anderer flog und 2024 aufgab.
Estonian Air in deinem Archiv, wenn …
- du vor November 2015 in Tallinn, Hamburg, Kopenhagen oder Stockholm gespottet hast
- du Fotos von CRJ900 oder E170 mit ES-Kennzeichen hast
- du in den 1990er-Jahren eine Boeing 737-500 oder Tu-134 aus Estland erwischt hast
Keine Estonian Air, wenn …
- das Foto nach dem 8. November 2015 entstanden ist – dann fliegt dort die Nachfolgerin oder ein Wet-Lease-Partner
Heute ist der Flughafen Tallinn ein kompakter Platz mit vielen Gastairlines. Wer dort spottet, sieht viele Typen, die einst auch Estonian Air flog – nur eben in anderen Farben. Einen Überblick über die Szene der kleinen Gesellschaften gibt der Artikel Regionalairlines in Europa.
Häufige Verwechslungen
- Estonian Air und Nordica gleichsetzen – Nordica war eine eigenständige Neugründung mit anderen Codes, nicht die umbenannte Estonian Air.
- ELL für einen Ländercode halten – der Ländercode Estlands lautet EE, ELL ist die ICAO-Kennung der Airline.
- Estonian Air für ein SAS-Unternehmen halten – SAS war Minderheitsaktionär mit 49 Prozent, die Airline blieb eigenständig.
- CRJ900 und E170 verwechseln – Triebwerke am Heck bedeuten CRJ, Triebwerke unter dem Flügel Embraer.
- Wet-Lease-Flüge falsch zuordnen – fliegt ein Estonian-Air-Jet für Austrian oder Air Lituanica, gehören Flugnummer und durchführende Airline getrennt notiert.
Deine Estonian-Air-Fotos in der Community
Poste deine Bilder von Estonian Air mit Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen, tausch dich mit anderen Fans der baltischen Luftfahrt aus und behalte deine Sammlung im Hangar im Blick. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Estonian Air war klein, aber ihre Geschichte erzählt viel über die Luftfahrt im Ostseeraum nach 1991: vom sowjetischen Erbe über skandinavische Investoren bis zur Flotte aus modernen Regionaljets. Am Ende fehlte das Geschäftsmodell, das ohne Staatsgeld trägt – und die EU-Kommission zog im November 2015 die Grenze. Für Spotter bleibt eine Airline mit erstaunlich vielfältiger Flotte, die heute nur noch in Archiven weiterlebt.
Kurzfazit
Estonian Air (IATA OV, ICAO ELL) war von 1991 bis 2015 die Nationalairline Estlands mit Drehkreuz Tallinn. Erkennbar ist sie auf Archivfotos am ES-Kennzeichen und – je nach Epoche – an Tu-134, Boeing 737-500 oder CRJ900. Das Aus kam mit der EU-Beihilfeentscheidung im November 2015.
Zusammenfassung
- Estonian Air verband Tallinn gut zwei Jahrzehnte lang mit Skandinavien, Mittel- und Westeuropa sowie Russland und der Ukraine – lange unter skandinavischem Einfluss durch Maersk Air und SAS.
- Ab 2006 schrieb die Airline Verluste. Der Staat stützte sie ab 2010 mehrfach mit Kapitalspritzen und einem Rettungsdarlehen.
- Die EU-Kommission sah darin einen Verstoß gegen das Beihilferecht: Anfang November 2015 verlangte sie die Rückzahlung von rund 85 Millionen Euro plus Zinsen, am 8. November stellte Estonian Air den Flugbetrieb ein.
- Spotter erkennen Estonian Air auf Archivfotos am ES-Kennzeichen, am Schriftzug „Estonian Air“ und – je nach Epoche – an Tu-134, Boeing 737-500 oder CRJ900.
Häufige Fragen
Gibt es Estonian Air heute noch?
Nein. Estonian Air stellte den Flugbetrieb am 8. November 2015 ein und ging danach in Liquidation. Auslöser war eine Entscheidung der EU-Kommission zu den Staatshilfen. Die Flugverbindungen ab Tallinn übernahm zunächst die staatliche Neugründung Nordic Aviation Group, später unter der Marke Nordica.
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Estonian Air?
Estonian Air flog unter dem IATA-Code OV und dem ICAO-Code ELL. Im Funk meldeten sich die Crews mit dem Rufzeichen „ESTONIAN“.
Warum musste Estonian Air aufgeben?
Die Airline machte seit 2006 Verluste und wurde ab 2010 vom estnischen Staat mehrfach gestützt: mit Kapitalspritzen von 17,9 Millionen Euro (2010) und 30 Millionen Euro (2011/2012) sowie einem Rettungsdarlehen von 37 Millionen Euro. Die EU-Kommission wertete diese rund 85 Millionen Euro als unzulässige Beihilfe, weil die Hilfen wiederholt flossen und der Sanierungsplan die Airline nicht dauerhaft rentabel gemacht hätte. Sie ordnete die Rückforderung an und untersagte eine weitere Kapitalerhöhung von rund 40 Millionen Euro. Diese Summe hätte die Airline nicht zurückzahlen können.
Was hatten SAS und Maersk Air mit Estonian Air zu tun?
Bei der Teilprivatisierung 1996 kaufte die dänische Maersk Air 49 Prozent der Anteile, die estnische Investmentbank Cresco weitere 17 Prozent. 2003 verkaufte Maersk Air ihr Paket an SAS. Nach den staatlichen Kapitalerhöhungen ab 2010 schrumpfte der SAS-Anteil, schließlich übernahm der Staat fast alle Aktien. Zur Schließung hielt Estland rund 97 Prozent.
Welche Flugzeuge flog Estonian Air?
Zum Start 1991 übernahm die Airline sowjetische Typen: Tupolew Tu-134A, Jakowlew Jak-40 und Antonov An-2. Ab 1995 kamen Boeing 737-500, ab 1996 Fokker 50, ab 2006 eine 737-300 hinzu. Die Regionaltochter flog Saab 340. Ab 2011 stellte Estonian Air auf Regionaljets um: Bombardier CRJ900 und Embraer 170, kurzzeitig auch ATR 42-500.
Was war Estonian Air Regional?
Eine hundertprozentige Tochter, die ab März 2008 mit Saab-340-Turboprops kürzere Strecken flog, etwa nach Kuressaare auf der Insel Saaremaa, nach Helsinki, Stockholm und Vilnius. 2013 wurde die Tochter aufgelöst und der Betrieb in die Muttergesellschaft eingegliedert.
Flog Estonian Air nach Deutschland?
Ja. Zuletzt gehörte Hamburg zum ganzjährigen Netz, dazu kamen saisonale Flüge nach München und Berlin-Tegel. Früher flog die Airline auch nach Frankfurt (bis 2009) und ab April 2012 nach Hannover; beide Strecken wurden wieder eingestellt.
Was wurde aus dem Nachfolger Nordica?
Die Nordic Aviation Group, die ab 2016 als Nordica auftrat, übernahm am 8. November 2015, dem Tag, an dem Estonian Air den Flugbetrieb einstellte, die ersten Flüge – zunächst mit gemieteten Flugzeugen. Später verlegte sie sich weitgehend auf das Fliegen im Auftrag anderer Airlines. Im November 2024 stellte Nordica den Betrieb ein, Anfang 2025 folgte die Insolvenz.
Estonian Air im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Bombardier CRJ900
Schlanker Rumpf, Triebwerke am Heck, T-Leitwerk obendrauf: Der CRJ900 war jahrelang das Arbeitspferd im Lufthansa-Zubringerverkehr. Seit dem Aus der CityLine ist er in Deutschland selten geworden – so erkennst du ihn trotzdem sicher.
FlugzeugtypBombardier CRJ700
Der CRJ700 ist der Ur-Typ der gestreckten CRJ-Familie: rund 32 Meter lang, um die 70 Sitze, Triebwerke am Heck. Bei Lufthansa CityLine ist er seit 2015 Geschichte, in den USA fliegt er weiter. So trennst du ihn sicher vom längeren CRJ900.
FlugzeugtypEmbraer E170
Der kleinste E-Jet der ersten Generation: Die E170 brachte 2004 bei LOT die ganze Familie in den Liniendienst, wird nicht mehr gebaut und ist in Europa ein Auslaufmodell. So trennst du sie von der fast identischen E175.
FlugzeugtypBoeing 737-500
Klein, kompakt und mit den typischen platten Triebwerkseinlässen: Die 737-500 war die kürzeste 737 Classic und der moderne Ersatz für die 737-200. Hier liest du, wer sie flog, wo sie heute noch unterwegs ist und wie du sie von -300 und -600 trennst.
FlugzeugtypBoeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypTupolew Tu-134
Verglaste Nase, zwei Triebwerke am Heck, hohes T-Leitwerk und Fahrwerksgondeln hinter dem Flügel: Die Tu-134 war der Kurzstreckenjet des Ostblocks und bei der Interflug der erste Jet. Heute begegnest du ihr fast nur noch im Museum.
FlugzeugtypJakowlew Jak-40
Ein kleiner Jet mit geraden Flügeln, drei Triebwerken am Heck und einer Treppe, die unter dem Rumpfende herausklappt: Die Jak-40 sollte in der Sowjetunion Propellerflugzeuge auf kurzen Graspisten ablösen – und flog sogar ab Hamburg. So erkennst du den Klassiker.
FlugzeugtypAntonov An-2
Zwei Flügel übereinander, ein brummender Sternmotor und Platz für zwölf Passagiere: Die An-2 ist der größte einmotorige Doppeldecker, der noch fliegt. So erkennst du die „Anna“ und hier erlebst du sie heute noch.
FlugzeugtypFokker 50
Hoher Flügel, sechsblättrige Propeller und eine lange Reihe kleiner Fenster: Die Fokker 50 war der letzte Turboprop aus den Niederlanden. Heute fliegt sie nur noch bei wenigen Betreibern – so findest und erkennst du sie.
FlugzeugtypSaab 340
Tiefdecker, zwei Vierblatt-Propeller, ein ganz normales Leitwerk und ein kurzer, rundlicher Rumpf: Der Saab 340 ist der schwedische Klassiker unter den Regional-Turboprops. So erkennst du ihn und weißt, wo er heute noch fliegt.
FlugzeugtypATR 42-500
Mit der ATR 42-500 bekam der kleine ATR-Turboprop Mitte der Neunziger Sechsblatt-Propeller, stärkere Triebwerke und eine neue Kabine. So erkennst du sie und trennst sie von älteren und jüngeren ATR 42.
Weitere Airlines
SAS Scandinavian Airlines
Die skandinavische Netzwerk-Airline mit dem blauen Leitwerk: 1946 von Dänemark, Norwegen und Schweden gegründet, drei Drehkreuze, seit 2024 bei SkyTeam statt in der Star Alliance – und eine Flotte mit Kennzeichen aus vier Ländern.
NetzwerkMaersk Air
Historische dänische Airline der Reederei A. P. Møller-Mærsk: Maersk Air flog von 1969 bis 2005 ab Kopenhagen und Billund, vor allem mit Boeing 737 und Fokker-Turboprops, und ging 2005 in Sterling auf.
NetzwerkAdria Airways
Historische Nationalairline Sloweniens aus Ljubljana: 1961 im damaligen Jugoslawien gegründet, als Inex-Adria groß geworden im Ferienflug, ab 2004 in der Star Alliance und zuletzt mit CRJ, A319 und Saab 2000 unterwegs – bis zum Konkurs im Herbst 2019.
NetzwerkairBaltic
Die lettische Airline mit dem hellgrünen Leitwerk: Drehkreuz Riga, eine Flotte nur aus Airbus A220-300 und viele Einsätze im Wet-Lease für die Lufthansa Group – dazu ein Umbau, der 2026 die Flotte deutlich verkleinert.
NetzwerkFinnair
Die finnische Netzwerk-Airline mit dem schlichten Weiß-Blau: 1923 als Aero gegründet, Drehkreuz Helsinki, oneworld-Mitglied und 2015 erste A350-Betreiberin Europas – mit einer Flotte, die du an der Kennzeichen-Reihe fast schon auswendig lernen kannst.
NetzwerkLOT Polish Airlines
Polens Netzwerk-Airline mit Drehkreuz Warschau: gegründet 1928, seit 2003 in der Star Alliance, erster Dreamliner-Betreiber Europas – und vor dem Wechsel von Embraer auf Airbus A220.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Tallinn
Estlands Hauptstadtflughafen liegt nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum am Ufer des Ülemiste-Sees: eine einzige lange Bahn, ein kompaktes Terminal, rund 3,5 Millionen Passagiere im Jahr – und Spotterpunkte, die du mit Straßenbahn und Bus erreichst.
FlughafenFlughafen Riga
Größter Flughafen des Baltikums und Heimat von airBaltic: eine einzige Bahn in Nord-Süd-Richtung, rund 7,1 Millionen Passagiere im Jahr, eine reine A220-Flotte als Hauptdarsteller – und Spotterpunkte, für die du in Riga ein wenig Planung brauchst.
FlughafenFlughafen Vilnius
Litauens größter Flughafen liegt nur rund sechs Kilometer südlich der Altstadt: eine einzige Bahn, ein Terminal mit Sowjet-Fassade und neuem Abflugbau, über fünf Millionen Passagiere im Jahr – und ein Wartungscluster, der immer wieder überraschende Gäste an den Zaun bringt.
FlughafenFlughafen Helsinki-Vantaa
Finnlands Tor zur Welt liegt 17 Kilometer nördlich der Hauptstadt in Vantaa: drei Pisten, ein zusammengewachsenes Terminal, Finnair mit A350-Flotte als Hausherr – und rund um den Zaun eine Reihe von Spotterpunkten, die du je nach Betriebsrichtung wechselst.
Wo du Estonian Air vor die Linse bekommst
Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Affenfelsen am Flughafen Hamburg
Der bekannteste Spotterpunkt am Hamburger Flughafen: Vom Affenfelsen an der Holtkoppel schaust du ohne Leiter über den Zaun auf die Piste 15/33 – mit Kiosk-Café direkt nebenan und der Sonne am Vormittag im Rücken.
SpotterpunktFlyvergrillen am Flughafen Kopenhagen
Der Klassiker unter den Spots in Kopenhagen: Seit 1972 steht an der Amager Landevej ein Grill direkt am Flughafenzaun. Von hier schaust du auf die Piste 04L/22R und den Rollweg davor – mit Burger, Toilette und der Sonne am Nachmittag im Rücken.
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