Das Wichtigste in Kürze
- Die Tu-134 war der Standard-Kurzstreckenjet des Ostblocks – Erstflug 1963, Liniendienst bei Aeroflot ab 1967, rund 850 gebaute Exemplare.
- Schnellster Erkennungsweg: zwei Hecktriebwerke plus T-Leitwerk plus Fahrwerksgondeln hinter dem Flügel; die verglaste Nase ist ein Bonus, aber kein Muss.
- Für die DDR war sie der Einstieg ins Jetzeitalter: Interflug flog die Tu-134 ab 1968 und setzte sie bis zum letzten Linienflug am 30. April 1991 ein.
- Im Westen verschwand sie früh: Strengere Lärmvorgaben sperrten sie ab 2002 von den meisten westeuropäischen Flughäfen aus.
- Heute ist sie ein Museumstyp: In Deutschland stehen ehemalige Interflug-Maschinen etwa in Hermeskeil, dazu Exemplare in Sinsheim und Cottbus.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist die Tu-134?
- 2.Die Varianten im Überblick
- 3.Die Merkmale, die zur Bestimmung reichen
- 4.Tu-134, DC-9, One-Eleven oder Tu-154?
- 5.Die Tu-134 bei Interflug
- 6.Export und Abschied
- 7.Wo du die Tu-134 heute siehst
- 8.Fototipps für die Tu-134 im Museum
- 9.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
- 10.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Konstruktionsbüro Tupolew; Serienbau in Charkiw |
|---|---|
| Rolle | Kurz- und Mittelstrecken-Verkehrsflugzeug mit zwei Hecktriebwerken (weitgehend historisch) |
| Basis | Weiterentwicklung der Tu-124, Triebwerke ans Heck verlegt |
| ICAO-Typcode | T134 |
| Erstflug | 29. Juli 1963 |
| Liniendienst | ab 9. September 1967 bei Aeroflot (Moskau–Adler) |
| Gebaute Exemplare | rund 850 |
| Triebwerke | 2 × Solowjow D-30 (Tu-134A: D-30 der 2. Serie mit Umkehrschub) |
| Länge | 34,95 m (Tu-134), 37,05 m (Tu-134A) |
| Spannweite | rund 29,0 m |
| Höhe | rund 9,0 m |
| Sitzplätze | 64–72 (Tu-134), 76–84 (Tu-134A), bis 80 (Tu-134B) |
| Reisegeschwindigkeit | rund 850 km/h |
| Max. Startgewicht | rund 47,6 t (Tu-134A) |
| Reichweite | rund 2.000 bis 3.000 km, je nach Version und Zuladung |
| Betreiber (Auswahl) | Aeroflot, Interflug, LOT, Malév, ČSA, Balkan, Luftstreitkräfte mehrerer Länder (überwiegend historisch) |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Zwei Triebwerke seitlich am Heck, darüber ein hohes T-Leitwerk
- Verglaste Bugspitze mit Navigatorplatz bei der Tu-134 und vielen Tu-134A; die Tu-134B und manche A-Versionen tragen stattdessen eine geschlossene Radarnase
- Längliche Fahrwerksgondeln, die an der Flügelhinterkante nach hinten herausragen – das typische Tupolew-Detail
- Stark gepfeilter, tief angesetzter Flügel mit Grenzschichtzäunen auf der Oberseite
- Schlanker, eher kurzer Rumpf mit rund 35 bis 37 m Länge – deutlich kleiner als die dreistrahlige Tu-154
- Kein Mitteltriebwerk und kein S-Kanal-Einlauf in der Flosse: nur zwei Triebwerke, klar getrennt
Aktualisiert: Oktober 2026 – Zwei Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk, hinter den Flügeln zwei lange Gondeln und vorn oft eine verglaste Nase wie bei einem Bomber: Das ist die Tupolew Tu-134. Über zwei Jahrzehnte war sie das Arbeitspferd auf den Kurzstrecken des Ostblocks, und für die DDR-Airline Interflug war sie der erste Jet überhaupt. Fliegen siehst du sie in Europa seit vielen Jahren nicht mehr, aber in mehreren deutschen Museen stehst du direkt vor ihr. Hier erfährst du, wie die Tu-134 entstand, woran du sie sicher erkennst und wo du sie heute findest.
Ostblock-Klassiker im Hangar
Mit Planetrack hältst du jede Sichtung mit Foto, Typ, Kennzeichen und Ort fest und hakst Raritäten wie die Tu-134 in deinem Hangar ab – auch wenn sie im Museum steht. Die App startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Was ist die Tu-134?
Die Tu-134 ist ein zweistrahliges Kurz- und Mittelstrecken-Verkehrsflugzeug des sowjetischen Konstruktionsbüros Tupolew. Sie löste ab Ende der 1960er-Jahre die laute und durstige Tu-104 ab und wurde zum meistgenutzten Kurzstreckenjet in der Sowjetunion und ihren Verbündeten.
Der Anstoß kam aus dem Westen. Die französische Caravelle hatte gezeigt, wie viel leiser die Kabine wird, wenn die Triebwerke nicht am Flügel, sondern am Heck sitzen. Tupolew übertrug dieses Prinzip auf die kleinere Tu-124, die ihrerseits von der Tu-104 abgeleitet war. Weil die Triebwerke am Heck den Schwerpunkt nach hinten verschieben, wanderte das Höhenleitwerk nach oben auf die Flosse – so entstand das T-Leitwerk.
Der erste Prototyp flog am 29. Juli 1963. Bis zum Liniendienst dauerte es aber noch vier Jahre: Am 9. September 1967 startete Aeroflot den ersten planmäßigen Flug von Moskau nach Adler an der Schwarzmeerküste. Gebaut wurde die Tu-134 im Flugzeugwerk Charkiw in der heutigen Ukraine; insgesamt entstanden rund 850 Exemplare. Als erstes sowjetisches Verkehrsflugzeug erhielt sie eine internationale Zulassung nach ICAO-Standards – wichtig für den Export und die Flüge in den Westen.
Die Varianten im Überblick
Die Tu-134 wurde über die Jahre mehrfach weiterentwickelt. Für Spotter zählen vor allem drei Versionen, die sich in Rumpflänge, Sitzzahl und Nase unterscheiden.
| Version | Länge | Sitzplätze | Nase | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Tu-134 | 34,95 m | 64–72 | verglast | Erste Serie, teils mit Bremsschirm statt Umkehrschub |
| Tu-134A | 37,05 m | 76–84 | verglast oder Radarnase | Längerer Rumpf, Triebwerke mit Umkehrschub, Hilfsturbine |
| Tu-134B | 37,05 m | bis 80 | Radarnase | Kein Navigatorplatz mehr, moderneres Cockpit |
| Tu-134UBL | – | – | spitze Bombernase | Trainer für Besatzungen der Tu-160 |
| Tu-134AK | – | – | je nach Ausführung | Salon- und Regierungsversion |
Die Tu-134A ist mit gut zwei Metern Mehrlänge die häufigste Version. Daneben gab es zahlreiche militärische Ableger: Neben der Tu-134UBL für Besatzungen des Überschallbombers Tu-160 trainierten auf der Tu-134BSch Besatzungen der Tu-22M. Weitere Maschinen dienten als fliegende Labore oder Salonflugzeuge für Regierungen.
Die Merkmale, die zur Bestimmung reichen
Die Tu-134 sieht auf den ersten Blick aus wie viele Kurzstreckenjets der 1960er-Jahre. Drei Beobachtungen machen die Bestimmung trotzdem sicher.
Heck prüfen
Zwei Triebwerke sitzen seitlich am Rumpfende, darüber thront das Höhenleitwerk auf der Flosse. Ein drittes Triebwerk oder einen Einlauf in der Flosse gibt es nicht.
Hinter den Flügel schauen
Das Hauptfahrwerk fährt nach hinten in lange, stromlinienförmige Gondeln ein, die über die Flügelhinterkante hinausragen. Westliche Hecktriebwerks-Jets haben das nicht.
Nase ansehen
Eine verglaste Bugspitze unter dem Cockpit macht die Sache eindeutig. Fehlt sie, kann es trotzdem eine Tu-134 sein – dann eine Tu-134B oder eine A-Version mit Radarnase.
Die Kombination aus Hecktriebwerken und Fahrwerksgondeln reicht praktisch immer. Ob du eine Tu-134 oder eine Tu-134A vor dir hast, ist schwieriger: Die A-Version ist rund zwei Meter länger und hat entsprechend mehr Fenster. Im Museum hilft das Kennzeichen, oft steht die Version auch auf der Infotafel. Wie du Kennzeichen generell liest, erklärt der Guide Flugzeugkennzeichen verstehen.
Praxis-Tipp im Museum
Stell dich schräg hinter die Flügelwurzel. Von dort hast du Fahrwerksgondel, Hecktriebwerk und T-Leitwerk in einem Bild – die drei Merkmale, die den Typ ausmachen.
Tu-134, DC-9, One-Eleven oder Tu-154?
Auf Archivfotos wird die Tu-134 gern mit westlichen Zeitgenossen oder mit der größeren Schwester verwechselt. Der Finder grenzt mit drei Fragen ein.
Schnellbestimmung: Jet mit Hecktriebwerken
Tupolew Tu-134
Zwei Hecktriebwerke, Fahrwerksgondeln und Glasnase sind das klassische Tu-134-Bild. Ohne Glasnase kann es eine Tu-134B oder eine A-Version mit Radarnase sein.
Tupolew Tu-154
Drei Triebwerke und ein deutlich längerer Rumpf sprechen für die Tu-154. Fahrwerksgondeln und T-Leitwerk teilt sie mit der Tu-134.
Westlicher Twin wie DC-9, One-Eleven oder F28
Ohne Fahrwerksgondeln und ohne Glasnase bist du eher bei der DC-9, der BAC One-Eleven oder der Fokker F28.
Auch bei den sowjetischen Regionaljets lohnt ein zweiter Blick. Die Jak-40 und die Jak-42 haben drei Triebwerke am Heck und keine Fahrwerksgondeln. Die Il-62 trägt gleich vier Hecktriebwerke und ist ein Langstreckenjet. Wie du Oldtimer generell einordnest, steht im Guide Oldtimer am Himmel erkennen.
Die Tu-134 bei Interflug
Für die DDR war die Tu-134 ein Meilenstein. Interflug gehörte 1968 zusammen mit LOT und Malév zu den ersten Exportkunden und stieg mit ihr ins Zeitalter der Strahlflugzeuge ein. Bis dahin hatte die propellergetriebene Il-18 das Netz getragen. Die Flotte startete mit wenigen Maschinen, wuchs in den 1970er-Jahren kräftig und umfasste zeitweise rund 20 Flugzeuge. Neben der Grundversion flog Interflug die längere Tu-134A.
Die Tu-134 bediente vor allem europäische Hauptstädte, dazu Ziele im Nahen Osten und in Nordafrika. Eine besondere Rolle spielten Charterflüge zur Leipziger Messe, die auch aus Westdeutschland kamen. Heimat war der Flughafen Berlin-Schönefeld, dessen Gelände heute zum Flughafen Berlin Brandenburg gehört.
Die Interflug-Maschinen trugen bis 1981 das Präfix DM-, danach DDR-. Innerhalb der Flotte standen die Buchstaben SC.. für die Tu-134, etwa DDR-SCK. Mehr zu diesem System steht im Beitrag zur Geschichte der deutschen Luftfahrzeugkennzeichen.
Nicht jede Tu-134 in Interflug-Farben war Interflug
Das Transportfliegergeschwader 44 der NVA flog ebenfalls Tu-134 und setzte einige davon in Interflug-Optik ein, etwa für Regierungsflüge. Ein DDR-Kennzeichen allein beweist also keinen Linienflug. Wie man Regierungsflugzeuge heute spottet, zeigt der Guide Regierungsflugzeuge spotten.
Zur Geschichte gehören auch dunkle Kapitel. Am 1. September 1975 verunglückte die Tu-134 DM-SCD auf einem Flug aus Stuttgart bei schlechter Sicht kurz vor Leipzig; die Besatzung war unter die Entscheidungshöhe gesunken. 27 Menschen kamen ums Leben. Wie sich der Flughafen seitdem entwickelt hat, zeigt die Seite zum Flughafen Leipzig/Halle.
Am 30. August 1978 sorgte eine andere Tu-134 für Schlagzeilen: Zwei DDR-Bürger entführten eine Maschine der polnischen LOT auf dem Weg nach Schönefeld und zwangen sie zur Landung in West-Berlin auf dem Flughafen Tempelhof. Mehr zur Geschichte des Flughafens liest du im Beitrag Flughafen Tempelhof.
Nach der Wende erhielten einzelne Maschinen westdeutsche D-Kennzeichen. Den letzten Linienflug der Interflug am 30. April 1991 von Wien nach Berlin-Schönefeld flog die Tu-134 D-AOBC – ein passender Schlusspunkt für den Typ, mit dem die Airline 1968 ins Jetzeitalter gestartet war. Die ganze Geschichte der Airline erzählt der Beitrag Interflug.
Deine Museumsbesuche gesammelt
Poste deine Tu-134 mit Foto, Kennzeichen und Museum in Planetrack, setz weitere DDR-Klassiker wie Il-18 und Il-62 auf deine Wunschliste und tausch dich in den Kommentaren mit anderen Spottern aus. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.
Export und Abschied
Neben Interflug flogen auch LOT, Malév, ČSA und Balkan Bulgarian Airlines die Tu-134 auf ihren Europastrecken. Größter Betreiber war mit Abstand Aeroflot; nach dem Zerfall der Sowjetunion verteilten sich die Maschinen auf viele neue Airlines der Nachfolgestaaten, etwa Belavia.
Westeuropa verlor die Tu-134 früh. Die vergleichsweise lauten D-30-Triebwerke erfüllten die strengeren Lärmvorgaben nicht mehr, ab 2002 durfte sie die meisten westeuropäischen Flughäfen nicht mehr anfliegen. Aeroflot kündigte nach einem tödlichen Unfall im März 2007 den Ausstieg an und nahm die letzte Tu-134 zum 1. Januar 2008 aus dem Dienst. Nach dem Absturz einer RusAir-Maschine 2011 drängte die russische Regierung auf eine schnelle Ausmusterung; den letzten zivilen Passagierflug in Russland gab es 2019.
Länger blieben militärische Exemplare im Einsatz, unter anderem als Trainer und Transportflugzeuge. Als letzte zivile Airline mit Tu-134 wird in Übersichten die nordkoreanische Air Koryo geführt. Ob und wie oft dort noch eine Maschine abhebt, lässt sich von außen kaum verlässlich prüfen. Den größeren Zusammenhang erklärt der Überblick zu sowjetischen Verkehrsflugzeugen.
Tu-134 in Russland und Belarus fotografieren
Viele verbliebene Exemplare stehen auf Militärflugplätzen oder in Ländern mit strengen Regeln. Was beim Fotografieren in Russland und Belarus gilt, erklärt der Beitrag zu Fotografierverboten in Russland und Belarus. Prüf vor jeder Reise die aktuellen Reisehinweise.
Wo du die Tu-134 heute siehst
Für Spotter im deutschsprachigen Raum ist die Tu-134 ein Museumstyp – und dafür ist die Auswahl erstaunlich groß. Ausgemusterte Interflug-Maschinen fanden nach 1991 Abnehmer bei Museen, Vereinen und Privatleuten.
| Ort | Exemplar | Hinweis |
|---|---|---|
| Flugausstellung Hermeskeil | Tu-134A DDR-SCK, ex Interflug | Freigelände, gut zugänglich |
| Technik Museum Sinsheim | Tu-134 | 1989 zerlegt aus Manching angeliefert |
| Flugplatzmuseum Cottbus | Tu-134A, ex Aeroflot | Seit 2017 im Museum, Restaurierung geplant |
| Luftfahrtmuseum Finowfurt | DDR-SCH, ex Interflug | Zugänglichkeit vorab prüfen |
| Flugplatz Magdeburg | DDR-SCB, ex Interflug | Zugänglichkeit vorab prüfen |
| Aeropark Budapest (Ungarn) | HA-LBE, ex Malév | Freiluftmuseum direkt am Flughafen |
Die Flugausstellung Hermeskeil zeigt die DDR-SCK, und im selben Museum steht auch eine Il-18 – ein schöner Doppelpack für Fans der DDR-Luftfahrt. Im Technik Museum Sinsheim kombinierst du die Tu-134 mit der Tu-144 auf dem Hallendach. Im Flugplatzmuseum Cottbus ist sie das bislang größte Fluggerät der Sammlung, die sonst vor allem Militärflugzeuge und Hubschrauber der NVA zeigt. Weitere Sammlungen findest du in der Übersicht Luftfahrtmuseen in Deutschland.
Wer ins Ausland fährt, landet am besten im Aeropark am Flughafen Budapest: Dort steht die Ex-Malév-Tu-134 HA-LBE zwischen Tu-154 und Il-18, und je nach Betriebsrichtung ziehen aktuelle Anflüge über das Gelände.
Bereit für deinen Tu-134-Besuch?
- Ich habe Öffnungszeiten und Zugänglichkeit des Exemplars geprüft.
- Ich weiß, ob die Maschine im Freigelände oder in einer Halle steht.
- Ich kenne die drei Merkmale: Hecktriebwerke mit T-Leitwerk, Fahrwerksgondeln, Glas- oder Radarnase.
- Ich habe ein Weitwinkel dabei, falls der Platz um das Flugzeug eng ist.
- Ich notiere Kennzeichen und Version von der Infotafel.
Fototipps für die Tu-134 im Museum
Ein Museumsflugzeug hält still, aber Zäune, Nachbarflugzeuge und Besucher machen das Bild trotzdem nicht leicht. Ein paar Punkte helfen.
Die Glasnase betonen
Hat dein Exemplar den verglasten Bug, ist er das Charakterdetail. Eine Aufnahme leicht von unten mit Cockpit und Navigatorkanzel erzählt die Tupolew-Herkunft auf einen Blick.
Heck im Profil
Triebwerke und T-Leitwerk wirken im Seitenprofil am stärksten. Ein Standpunkt auf Höhe des Rumpfendes zeigt die typische Hecklastigkeit der Konstruktion.
Licht von vorn-seitlich
Die Fahrwerksgondeln liegen oft im Schatten unter dem Flügel. Plane deinen Besuch so, dass die Sonne flach von der Seite kommt.
Wann das Licht in einem Freigelände passt, kannst du vorab berechnen – wie das geht, zeigt der Guide Sonnenstand planen für deinen Fotospot.
Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
Es spricht für die Tu-134, wenn …
- genau zwei Triebwerke am Heck sitzen
- das Höhenleitwerk oben auf der Flosse thront
- lange Fahrwerksgondeln über die Flügelhinterkante ragen
- der Bug unter dem Cockpit verglast ist
Sieh genauer hin, wenn …
- die Nase geschlossen ist – dann Tu-134B, A-Version mit Radarnase oder ein anderer Typ
- du zwischen Tu-134 und Tu-134A unterscheiden willst
- die Maschine militärisch lackiert ist und eine spitze Bombernase trägt – dann vielleicht eine Tu-134UBL
Fazit
Die Tu-134 ist das sowjetische Gegenstück zu DC-9 und One-Eleven: ein kompakter Jet mit Hecktriebwerken, gebaut für viele kurze Strecken und raue Bedingungen. Mit der verglasten Nase und den Fahrwerksgondeln trägt sie aber unverwechselbar die Tupolew-Handschrift. Mit ihr begann Interflug 1968 das Jetzeitalter, und mit ihr endete 1991 der Linienverkehr der Airline. Wer sie heute sehen will, plant einen Museumsbesuch – und hat in Deutschland gleich mehrere Ziele.
Kurzfazit
Zwei Hecktriebwerke, T-Leitwerk, Fahrwerksgondeln hinter dem Flügel und oft eine Glasnase: Das ist die Tu-134. Fliegend ist sie in Europa Geschichte, ehemalige Interflug-Maschinen wie die DDR-SCK in Hermeskeil machen sie für Spotter im DACH-Raum trotzdem leicht erreichbar.
Zusammenfassung
- Die Tu-134 entstand als leiserer, moderner Nachfolger der Tu-104 und übernahm das Prinzip der Hecktriebwerke, das die Caravelle vorgemacht hatte.
- Sie wurde in fast alle Länder des damaligen Ostblocks exportiert und prägte über zwei Jahrzehnte die Europastrecken von Interflug, LOT, Malév, ČSA und Balkan.
- Aeroflot musterte die letzte Tu-134 Anfang 2008 aus, den letzten zivilen Passagierflug in Russland gab es 2019; militärische Exemplare blieben länger.
- Für Spotter im DACH-Raum ist sie heute vor allem ein Museumsziel, mit mehreren Ex-Interflug-Maschinen in Deutschland.
Häufige Fragen
Welchen ICAO-Typcode hat die Tu-134?
Die Tu-134 läuft unter T134. In Tracking-Diensten taucht der Code heute nur noch sehr selten auf, weil kaum noch eine Maschine fliegt – und wenn, dann meist außerhalb Europas oder im militärischen Einsatz.
Warum hat die Tu-134 eine verglaste Nase?
Die sowjetische Luftfahrt setzte lange auf einen eigenen Navigator im Cockpit, der durch den verglasten Bug Sicht nach vorn und unten hatte. Das Konzept stammt von der Tu-104 und deren Bomber-Vorfahr Tu-16. Bei der Tu-134B und manchen A-Versionen wanderte das Wetterradar in eine geschlossene Nase, die Verglasung entfiel.
Wie unterscheide ich Tu-134 und Tu-154?
Zähl die Triebwerke: Die Tu-134 hat zwei am Heck, die Tu-154 drei – das dritte sitzt im Rumpfende, der Einlauf liegt an der Wurzel der Seitenflosse. Außerdem ist die Tu-154 mit rund 48 Metern deutlich länger. Fahrwerksgondeln und T-Leitwerk haben beide.
Seit wann flog Interflug die Tu-134?
Interflug gehörte 1968 zu den ersten Exportkunden. Die Flotte wuchs in den 1970er-Jahren deutlich und umfasste zeitweise rund 20 Maschinen. Den letzten Linienflug der Interflug am 30. April 1991 von Wien nach Berlin-Schönefeld flog die Tu-134 D-AOBC.
Wo sehe ich heute eine Tu-134 in Deutschland?
Im Museum. Die Flugausstellung Hermeskeil zeigt die Tu-134A DDR-SCK der Interflug, das Technik Museum Sinsheim eine Tu-134 und das Flugplatzmuseum Cottbus eine ehemalige Aeroflot-Tu-134A. Weitere Ex-Interflug-Maschinen stehen unter anderem in Finowfurt und am Flugplatz Magdeburg. Prüf vor dem Besuch, ob das Exemplar aktuell zugänglich ist.
Fliegt die Tu-134 heute noch?
Nur noch vereinzelt. Aeroflot nahm die letzte Maschine Anfang 2008 aus dem Dienst, in Russland endete der zivile Passagierverkehr 2019. Einzelne Exemplare nutzen noch Luftstreitkräfte, etwa als Trainer für Bomberbesatzungen. Als letzte zivile Airline mit Tu-134 gilt die nordkoreanische Air Koryo – verlässliche aktuelle Einsatzdaten gibt es dazu kaum.
Welchen NATO-Codenamen hat die Tu-134?
Die NATO nannte sie „Crusty“. Wie bei allen sowjetischen Transport- und Verkehrsflugzeugen beginnt der Name mit C.
Tupolew Tu-134 sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Verwandte Flugzeugtypen
Tupolew Tu-104
Verglaste Bomber-Nase, zwei Triebwerke tief in der Flügelwurzel, Fahrwerksgondeln hinter dem Flügel: Die Tu-104 war 1956 der erste Jetliner der Sowjetunion. Heute triffst du sie nur noch im Museum.
HistorischTupolew Tu-154
Drei Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und lange Gondeln hinter dem Flügel: Die Tu-154 war das Arbeitspferd von Aeroflot und dem Ostblock. Heute ist sie fast nur noch im Museum zu sehen.
HistorischJakowlew Jak-40
Ein kleiner Jet mit geraden Flügeln, drei Triebwerken am Heck und einer Treppe, die unter dem Rumpfende herausklappt: Die Jak-40 sollte in der Sowjetunion Propellerflugzeuge auf kurzen Graspisten ablösen – und flog sogar ab Hamburg. So erkennst du den Klassiker.
HistorischJakowlew Jak-42
Drei Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Flügel mit auffällig geringer Pfeilung: Die Jak-42 war der sowjetische Kurz- und Mittelstreckenjet für rund 120 Passagiere. So erkennst du den seltenen Dreistrahler.
HistorischIljuschin Il-62
Vier Triebwerke paarweise am Heck, ein hohes T-Leitwerk und eine ausfahrbare Stütze unter dem Rumpfende: Die Il-62 war der erste sowjetische Langstreckenjet, Flaggschiff der Interflug und Regierungsflieger vieler Staaten. So erkennst du den Klassiker.
HistorischIljuschin Il-18
Vier Propellerturbinen unter einem langen, geraden Flügel, ein schlanker Rumpf und ein tiefes, sonores Brummen: Die Il-18 war der erste große Turboprop-Airliner der Sowjetunion und in den 1960er-Jahren das Rückgrat der Interflug. So erkennst du den Klassiker.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Tupolew
Kein Name steht so sehr für die sowjetische Zivilluftfahrt wie Tupolew: Vom ersten Strahlverkehrsflugzeug Tu-104 über den Dreistrahler Tu-154 bis zum Überschalljet Tu-144 prägte das Moskauer Konstruktionsbüro jahrzehntelang den Himmel über Osteuropa. Hier erfährst du, wie die wichtigsten Muster entstanden, woran du sie erkennst und wo du sie heute noch vor die Linse bekommst – meist im Museum, manchmal noch in der Luft.
MuseumFlugausstellung Hermeskeil
Die Flugausstellung Hermeskeil im Hunsrück ist eine der größten privaten Flugzeugsammlungen Deutschlands. Seit 1973 trägt die Familie Junior hier über hundert zivile und militärische Fluggeräte zusammen – von der Lufthansa-Super-Constellation über Comet und VC10 bis zu MiGs aus NVA-Beständen. Mittendrin: ein begehbarer Concorde-Nachbau, in dem das Museumscafé untergebracht ist.
MuseumTechnik Museum Sinsheim
Nirgendwo sonst stehen die beiden Überschall-Verkehrsflugzeuge der Welt nebeneinander: Im Technik Museum Sinsheim kletterst du auf dem Hallendach in die Air-France-Concorde F-BVFB und in die sowjetische Tupolew Tu-144. Dazu kommen begehbare Klassiker wie Ju 52, DC-3, Il-18 und Viscount – direkt an der A6 zwischen Mannheim und Heilbronn.
MuseumFlugplatzmuseum Cottbus
Auf dem Südteil des ehemaligen Flugplatzes Cottbus-Nord zeigt ein Verein fast 50 Luftfahrzeuge – vor allem aus den Beständen der NVA, ergänzt um NATO-Typen, Fahrzeuge und Flugabwehrtechnik. Der Ort gilt als Wiege der DDR-Luftstreitkräfte und war bis 2003 aktiver Militärflugplatz.
Wo du die Tupolew Tu-134 siehst
Konkrete Standpunkte mit Betriebsrichtung, Lichtzeiten, Koordinaten und einer ehrlichen Einschätzung, ob sich die Anreise lohnt.
Aeropark am Flughafen Budapest
Ein Freiluftmuseum direkt am Flughafen Ferihegy: Im Aeropark stehen Tupolew, Iljuschin und Jakowlew in Malév-Farben, du kletterst in die Kabinen – und je nach Betriebsrichtung ziehen die Anflüge auf die 31L tief über dein Stativ hinweg.
MuseumLetecké muzeum Kbely in Prag
Am Militärflugplatz im Nordosten von Prag steht eine der größten Luftfahrtsammlungen Mitteleuropas: von der MiG-15 bis zur MiG-29, von der Avia S-199 bis zur L-159 und mit einer Tu-104 im Freigelände. So planst du deinen Besuch als Spotter.
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