Transatlantische Joint Ventures: Wie Airlines Strecken und Erlöse teilen

Über den Nordatlantik arbeiten die großen Airlines enger zusammen als in jeder Allianz: Sie stimmen Flugpläne ab, teilen Erlöse und lassen sich das von Kartellbehörden genehmigen. So funktionieren die drei großen Joint Ventures – und was sie für Spotter bedeuten.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Enger als eine Allianz: In einem Joint Venture stimmen Airlines Flugpläne, Preise und Kapazitäten auf bestimmten Märkten gemeinsam ab und teilen die Erlöse – fast so, als wären sie eine einzige Gesellschaft.
  • Drei Blöcke über den Atlantik: United, Air Canada und die Lufthansa Group in der Star Alliance, Delta mit Air France-KLM und Virgin Atlantic im SkyTeam-Umfeld, American mit British Airways, Iberia, Finnair und Aer Lingus im Atlantic Joint Business.
  • Ohne Genehmigung verboten: Preisabsprachen unter Wettbewerbern sind normalerweise Kartellrecht. Die Bündnisse brauchen deshalb eine Freistellung des US-Verkehrsministeriums und werden auch von der EU-Kommission geprüft.
  • Metallneutral heißt: Es ist den Partnern finanziell egal, in wessen Flugzeug („Metall“) ein Passagier sitzt. Genau deshalb tauchen auf einer Strecke oft Jets mehrerer Airlines mit denselben Flugnummern auf.
  • Für dein Logbuch zählt der Betreiber: Ein Joint Venture ändert weder Kennzeichen noch Lackierung. Wer wirklich fliegt, verraten Kennzeichen und ICAO-Callsign, nicht die verkaufte Flugnummer.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Joint Venture: die kurze Antwort
  2. 2.Allianz, Codeshare, Joint Venture: drei Stufen der Nähe
  3. 3.Der Kern: Metallneutralität
  4. 4.Warum das Kartellrecht mitredet
  5. 5.Die drei großen Bündnisse über den Atlantik
  6. 6.Joint Ventures gibt es nicht nur über den Atlantik
  7. 7.Vor- und Nachteile für Reisende und Wettbewerb
  8. 8.Was Joint Ventures für Spotter bedeuten
  9. 9.Worauf du achten solltest
  10. 10.Fazit

Du stehst am Vormittag in Frankfurt am Zaun, und innerhalb einer Stunde landen eine United 787, ein Air-Canada-Langstreckenjet und mehrere Lufthansa-Langstreckenjets aus Nordamerika. In Amsterdam ist es dasselbe Bild mit Delta und KLM, in London mit American und British Airways. Das ist kein Zufall und auch nicht nur Allianzpolitik. Dahinter stehen transatlantische Joint Ventures: Verträge, mit denen konkurrierende Airlines ihren Verkehr über den Nordatlantik fast wie ein einziges Unternehmen planen und die Erlöse teilen. Dieser Artikel erklärt, wie das funktioniert, wer mit wem zusammenarbeitet und was du als Spotter daraus mitnehmen kannst.

Jede Langstrecken-Sichtung sauber zuordnen

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Joint Venture: die kurze Antwort

Ein transatlantisches Joint Venture ist eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit, in der zwei oder mehr Airlines ihre Flüge zwischen Nordamerika und Europa gemeinsam planen, gemeinsam verkaufen und die Erlöse nach einem festen Schlüssel aufteilen. Die Partner bleiben dabei eigenständige Unternehmen mit eigenen Flugzeugen, Crews und Kennzeichen. Auf dem abgedeckten Markt treten sie aber nicht mehr gegeneinander an, sondern optimieren das Gesamtnetz.

Weil solche Absprachen zwischen Wettbewerbern normalerweise verboten wären, brauchen sie eine behördliche Erlaubnis. In den USA heißt sie Antitrust Immunity, eine Freistellung vom Kartellverbot, die das US-Verkehrsministerium erteilt. Ohne sie gäbe es kein Joint Venture in dieser Form.

1993Northwest und KLM erhalten die erste kartellrechtliche Freistellung für ein Transatlantik-Bündnis
3große Joint Ventures teilen sich den Nordatlantik der Netzwerk-Airlines
0Änderungen an Kennzeichen oder Lackierung durch ein Joint Venture

Allianz, Codeshare, Joint Venture: drei Stufen der Nähe

Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, beschreiben aber sehr unterschiedliche Grade der Zusammenarbeit.

Kriterium Allianz Codeshare Joint Venture
Was wird geteilt? Marke, Lounges, Vielfliegervorteile, Umsteigeverbindungen Flugnummern auf einzelnen Flügen Flugplanung, Preise, Vertrieb und Erlöse eines ganzen Marktes
Wer verdient am Ticket? die Airline, die fliegt, plus anteilige Abrechnung bei Umsteigern der Betreiber, der verkaufende Partner bekommt einen Anteil der gemeinsame Topf, aufgeteilt nach Schlüssel
Kartellrechtliche Freistellung nötig? in der Regel nein in der Regel nein ja, für die abgestimmten Bereiche
Konkurrenz zwischen den Partnern bleibt bestehen bleibt weitgehend bestehen auf dem abgedeckten Markt weitgehend aufgehoben
Beispiel Star Alliance, SkyTeam, oneworld Lufthansa-Flugnummer auf einem Air-Canada-Flug Delta, Air France-KLM und Virgin Atlantic über den Atlantik

Wie die drei Allianzen sich unterscheiden, zeigt der Vergleich Star Alliance, oneworld und SkyTeam. Was hinter gemeinsamen Flugnummern steckt, erklärt der Artikel Codeshare-Flüge erklärt. Ein Joint Venture baut auf beidem auf: Die Partner sind fast immer in derselben Allianz und fliegen intensiv im Codeshare, gehen aber einen entscheidenden Schritt weiter.

Der Kern: Metallneutralität

Das wichtigste Prinzip in einem Joint Venture hat einen sperrigen Namen: Metallneutralität. „Metall“ ist Branchenjargon für das Flugzeug. Metallneutral bedeutet, dass es den Partnern finanziell egal ist, in wessen Maschine ein Passagier sitzt.

Ohne diese Regel hätte jede Airline einen Anreiz, Fluggäste auf die eigenen Flüge zu lenken – selbst wenn der Flug des Partners besser passt. Mit einem gemeinsamen Erlöstopf fällt dieser Anreiz weg. Die Partner können dann echte Netzentscheidungen treffen:

  • Abflugzeiten verteilen: Statt dass zwei Airlines zur selben Uhrzeit von New York nach Frankfurt starten, fächern sie die Abflüge über den Tag auf. Reisende bekommen so einen dichteren Fahrplan.
  • Strecken aufteilen: Eine Airline übernimmt eine Verbindung allein, der Partner zieht sich zurück und setzt seine Flugzeuge woanders ein.
  • Drehkreuze verknüpfen: Zubringerflüge auf beiden Seiten des Atlantiks werden auf die Langstreckenwellen der Partner abgestimmt. Wie diese Wellen an den Hubs entstehen, beschreibt der Artikel Hub-Wellen und Banking.
  • Gemeinsam verkaufen: Preise, Tarifbedingungen und Firmenkundenverträge gelten für das gesamte Angebot, unabhängig vom Betreiber.

Was nicht öffentlich ist

Wie genau der Topf aufgeteilt wird, legen die Partner in vertraulichen Verträgen fest. Öffentlich bekannt ist das Prinzip: Die Erlöse der abgedeckten Strecken werden zusammengeführt und nach einem vereinbarten Schlüssel verteilt, der sich typischerweise an den eingebrachten Kapazitäten orientiert. Je nach Vertrag teilen die Partner Umsätze oder das Ergebnis nach Kosten.

Warum das Kartellrecht mitredet

Wenn sich drei Wettbewerber auf Preise und Kapazitäten einigen, ist das im Normalfall ein Kartell. Bei Joint Ventures argumentieren die Airlines, dass Reisende trotzdem profitieren: mehr Umsteigeverbindungen, abgestimmte Fahrpläne, Zugang zu kleineren Städten auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Behörden wägen das gegen den Verlust an Wettbewerb ab.

Die Rolle der USA

In den USA entscheidet das Verkehrsministerium (Department of Transportation, DOT) über die Antitrust Immunity. Lange Zeit war eine Grundbedingung, dass zwischen den USA und dem Heimatland des ausländischen Partners ein Open-Skies-Abkommen besteht, also ein Luftverkehrsabkommen ohne Beschränkungen bei Strecken, Frequenzen und Preisen. Den Anfang machten 1992 die Niederlande als erstes Land mit einem solchen Abkommen mit den USA. Im Gegenzug erhielten Northwest Airlines und KLM im Januar 1993 die erste Freistellung für ein Transatlantik-Bündnis. Mit dem Abkommen zwischen der EU und den USA, das 2008 in Kraft trat, wurde der Nordatlantik insgesamt geöffnet. Hintergründe dazu findest du im Artikel zu Open-Skies-Abkommen.

Die Freistellung ist kein Freibrief. Das DOT kann Auflagen machen, etwa regelmäßige Berichte über die Zusammenarbeit oder eine Überprüfung nach einigen Jahren. Beim Joint Venture von Delta, Air France-KLM und Virgin Atlantic verlangte das Ministerium bei der Genehmigung 2019 unter anderem eine Überprüfung im Fünfjahresrhythmus.

Die Rolle der EU

Auf europäischer Seite prüft die EU-Kommission die Bündnisse nach dem europäischen Wettbewerbsrecht. Eine Immunität im amerikanischen Sinn gibt es dort nicht. Stattdessen hat die Kommission in mehreren Fällen Zusagen verlangt, die Konkurrenten den Markteintritt erleichtern – vor allem die Abgabe von Start- und Landerechten auf Strecken, auf denen die Partner sehr stark sind. Warum Slots an Flughäfen wie London-Heathrow so wertvoll sind, erklärt der Artikel Slots an Flughäfen.

Die drei großen Bündnisse über den Atlantik

Auf dem Nordatlantik haben sich drei Blöcke herausgebildet, jeweils eng verbunden mit einer der großen Allianzen. Die Zusammensetzung kann sich ändern, wenn Airlines Allianzen wechseln oder Behörden neu entscheiden – die folgende Übersicht gibt den Stand Oktober 2026 in groben Zügen wieder.

Bündnis Nordamerika Europa Allianz Wichtige Drehkreuze für Spotter
Joint Venture der Star Alliance United, Air Canada Airlines der Lufthansa Group Star Alliance Frankfurt, München, Zürich, Wien, Newark, Chicago, Toronto
Joint Venture der SkyTeam-Partner Delta Air France, KLM, Virgin Atlantic SkyTeam Amsterdam, Paris-CDG, London-Heathrow, Atlanta, New York-JFK
Atlantic Joint Business American Airlines British Airways, Iberia, Finnair, Aer Lingus oneworld (Aer Lingus ohne Allianz) London-Heathrow, Madrid, Dublin, Philadelphia, New York-JFK

United, Air Canada und die Lufthansa Group

United, Air Canada und Lufthansa gehörten 1997 zu den Gründungsmitgliedern der Star Alliance und arbeiten über den Atlantik in einem gemeinsamen Joint Venture zusammen. Auf europäischer Seite bringt die Lufthansa Group ihre Netzwerk-Airlines ein. Für Spotter heißt das: An den Konzern-Drehkreuzen Frankfurt, München, Zürich und Wien siehst du United und Air Canada besonders häufig, umgekehrt fliegt die Lufthansa Group stark auf die Drehkreuze ihrer nordamerikanischen Partner, etwa Newark, Chicago O’Hare oder Toronto.

Ein spannender Nebenstrang ist ITA Airways: Nach dem Einstieg der Lufthansa Group verließ die italienische Airline Ende April 2025 SkyTeam und ist seit dem 1. April 2026 Mitglied der Star Alliance. Ein Allianzwechsel bedeutet aber nicht automatisch die Aufnahme in ein Joint Venture – dafür sind eigene Verträge und Genehmigungen nötig.

Delta, Air France-KLM und Virgin Atlantic

Dieses Bündnis hat die längste Vorgeschichte, denn es geht auf die Partnerschaft von Northwest Airlines und KLM zurück. Ab 1993 betrieben beide ihren Atlantikverkehr gemeinsam, mit Amsterdam-Schiphol als europäischem Drehkreuz. Nach der Fusion von Northwest mit Delta und dem Zusammenschluss von Air France und KLM wuchs daraus ein größeres Gemeinschaftsunternehmen.

Parallel dazu arbeitete Delta mit Virgin Atlantic in einem eigenen Joint Venture zusammen; Delta hält 49 Prozent an der britischen Airline. 2019 genehmigte das US-Verkehrsministerium, beide Bündnisse zu einem gemeinsamen Joint Venture zusammenzuführen, ohne die damalige Alitalia. Seit 2023 ist Virgin Atlantic auch Vollmitglied von SkyTeam. Zum Konzern Air France-KLM gehören Delta und Virgin trotzdem nicht – es bleiben eigenständige Airlines.

American Airlines und das Atlantic Joint Business

Im Atlantic Joint Business stimmen American Airlines, British Airways, Iberia, Finnair und Aer Lingus ihren Verkehr zwischen Nordamerika und Europa ab. Vier der fünf Partner sind in oneworld, drei gehören zur International Airlines Group. Aer Lingus ist ein Sonderfall: Die Airline gehört zur IAG und ist Teil des Joint Ventures, aber seit 2007 in keiner Allianz.

Für Spotter ist vor allem London-Heathrow der Brennpunkt dieses Bündnisses. Dort treffen sich American und British Airways in großer Zahl. Auf amerikanischer Seite ist Philadelphia der wichtigste Transatlantik-Knoten von American.

Joint Ventures gibt es nicht nur über den Atlantik

Das Modell hat sich vom Nordatlantik aus auf andere Märkte ausgebreitet. American arbeitet mit Japan Airlines im Pazifikverkehr und mit Qantas auf Strecken nach Australien und Neuseeland in Gemeinschaftsunternehmen zusammen, Delta mit Aeroméxico seit 2017 auf Flügen zwischen Mexiko und den USA. Air Canada und Air China schlossen 2018 das erste Joint Venture zwischen einer nordamerikanischen und einer chinesischen Airline. Der Nordatlantik bleibt aber der Markt, auf dem das Modell am weitesten entwickelt ist.

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Vor- und Nachteile für Reisende und Wettbewerb

Ob Joint Ventures dem Markt nützen oder schaden, ist seit Jahrzehnten umstritten. Die Argumente beider Seiten:

Dafür spricht

  • Abgestimmte Fahrpläne mit mehr Abflugzeiten über den Tag verteilt
  • Mehr Umsteigeverbindungen in kleinere Städte auf beiden Seiten
  • Einheitliche Tarife und Vielfliegervorteile im ganzen Netz
  • Strecken, die sich für eine Airline allein nicht lohnen würden, werden möglich

Dagegen spricht

  • Weniger Wettbewerb auf Strecken zwischen den Drehkreuzen der Partner
  • Kritik, dass Preise auf solchen Strecken höher ausfallen können
  • Hohe Hürden für Konkurrenten, vor allem an slotknappen Flughäfen
  • Wenig Transparenz, weil Verträge und Erlösschlüssel vertraulich sind

Konkurrenten haben in Genehmigungsverfahren immer wieder Auflagen gefordert, etwa einen besseren Zugang zu knappen Start- und Landerechten an Flughäfen wie Heathrow oder Schiphol. Die Behörden sind solchen Forderungen nicht immer gefolgt. Gleichzeitig hat sich der Nordatlantik verändert: Mit Schmalrumpfjets wie der A321LR und der A321XLR können Airlines heute auch Strecken mit weniger Nachfrage direkt bedienen, ohne Großraumflugzeug und ohne Umweg über ein Drehkreuz.

Was Joint Ventures für Spotter bedeuten

Für dich am Zaun hat das trockene Vertragsthema handfeste Folgen.

1. Die Partner landen an deinem Hub

Joint-Venture-Partner fliegen bevorzugt die Drehkreuze der jeweils anderen Seite an. Wer in Frankfurt, Amsterdam oder Heathrow nordamerikanische Langstreckenjets sucht, findet dort vor allem die Partner des jeweiligen Bündnisses.

2. Flugnummer ist nicht Betreiber

Ein Flug kann mit Nummern von drei oder vier Airlines verkauft werden. Wer wirklich fliegt, zeigen ICAO-Callsign und Kennzeichen. Den Unterschied erklärt der Artikel Callsign und Flugnummer.

3. Gerätewechsel ist normal

Weil die Partner das Netz gemeinsam planen, tauschen sie Strecken und Flugzeuge zwischen den Saisons. Eine Verbindung, die im Winter ein Partner fliegt, kann im Sommer mit einem anderen Typ der anderen Airline kommen.

4. Ankunftswellen am Vormittag

Die meisten Flüge aus Nordamerika landen nach einem Nachtflug am Morgen und Vormittag in Europa. Die Partner stimmen diese Wellen auf ihre Zubringer ab. Mehr dazu im Artikel Wann Langstreckenflüge in Europa landen.

In Frankfurt ist die Aussichtsplattform Zeppelinheim ein guter Ort, um die Ankünfte von United, Air Canada und Lufthansa am Vormittag zu sehen. In Amsterdam bekommst du an der Spotterplaats Polderbaan Delta und KLM vor die Linse, in London an der Myrtle Avenue die Anflüge von American, British Airways, Delta und Virgin Atlantic auf Heathrow.

Bündnis-Tour planen

Wenn du die Partner eines Joint Ventures gezielt sammeln willst, wähle das Drehkreuz der europäischen Seite und einen Vormittag mit passender Betriebsrichtung. In wenigen Stunden hast du dann oft mehrere Langstreckentypen beider Seiten im Kasten. Mit Planetrack findest du die Spots mit Anreise, bestem Licht und Community-Fotos auf der Spot-Karte. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Worauf du achten solltest

  • Codeshare-Nummern nicht doppelt zählen. Eine Sichtung ist ein Flugzeug mit einem Kennzeichen, egal unter wie vielen Flugnummern der Flug verkauft wurde.
  • Allianz und Joint Venture auseinanderhalten. Nicht jede Allianz-Airline ist im Joint Venture, und Aer Lingus zeigt, dass es auch umgekehrt geht.
  • Konzern ist nicht gleich Bündnis. Air France-KLM oder die IAG sind echte Konzerne mit Eigentum. Ein Joint Venture ist ein Vertrag zwischen eigenständigen Unternehmen. Wie die Drehkreuz-Netze dahinter funktionieren, erklärt der Artikel Hub-and-Spoke und Point-to-Point.
  • Stand prüfen. Mitglieder, Strecken und Genehmigungen ändern sich. Was heute gilt, kann in der nächsten Flugplanperiode anders aussehen.

Kennst du dich mit Joint Ventures aus?

Hak ab, was du nach dem Lesen sicher erklären kannst.

  • Ich kann Allianz, Codeshare und Joint Venture voneinander abgrenzen.
  • Ich weiß, was metallneutral bedeutet.
  • Ich kenne die drei großen Bündnisse über den Atlantik und ihre Partner.
  • Ich weiß, warum Kartellbehörden solche Bündnisse genehmigen müssen.
  • Ich ordne eine Sichtung nach Betreiber und Kennzeichen zu, nicht nach Flugnummer.

Netzwerke verstehen, Sichtungen sammeln

Halte jede Langstrecken-Sichtung mit Kennzeichen im Hangar fest, setz dir fehlende Airlines auf die Wunschliste und tausch dich mit der Community über die neuesten Ankünfte aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Fazit

Transatlantische Joint Ventures sind die engste Form der Zusammenarbeit zwischen Airlines, die nicht fusionieren. Die Partner planen den Nordatlantik gemeinsam, teilen die Erlöse und machen sich damit metallneutral. Möglich ist das nur mit Open Skies und einer kartellrechtlichen Freistellung. Seit dem Start von Northwest und KLM 1993 haben sich drei große Blöcke gebildet, die eng mit Star Alliance, SkyTeam und oneworld verbunden sind. Am Zaun erkennst du sie daran, welche nordamerikanischen Jets an welchem europäischen Drehkreuz landen.

Kurzfazit

Ein Joint Venture ist mehr als Codeshare und mehr als Allianz: gemeinsame Planung, gemeinsamer Topf, behördlich genehmigt. Für Spotter zählt am Ende trotzdem das Flugzeug selbst – Betreiber, Kennzeichen und Typ, nicht die Flugnummer, unter der der Flug verkauft wird.

Zusammenfassung

  • Ein transatlantisches Joint Venture ist ein Vertrag, mit dem zwei oder mehr Airlines ihre Flüge zwischen Nordamerika und Europa wie ein gemeinsames Netz betreiben und die Erlöse nach einem vereinbarten Schlüssel aufteilen.
  • Grundlage sind Open-Skies-Abkommen und eine kartellrechtliche Freistellung in den USA. Das erste Bündnis dieser Art bildeten Northwest und KLM ab 1993.
  • Heute bündeln drei große Joint Ventures einen großen Teil des Nordatlantikverkehrs der Netzwerk-Airlines, jeweils eng mit den Allianzen Star Alliance, SkyTeam und oneworld verbunden.
  • Für Spotter erklärt das Modell, warum an den Drehkreuzen der Partner so viele Langstreckenjets der jeweils anderen Seite landen – und warum Flugnummer und Betreiber oft auseinanderfallen.

Häufige Fragen

Was ist ein Joint Venture in der Luftfahrt?

Ein Joint Venture ist eine vertraglich vereinbarte, sehr enge Zusammenarbeit zwischen Airlines auf einem bestimmten Markt, etwa dem Nordatlantik. Die Partner planen Flugpläne und Kapazitäten gemeinsam, stimmen Preise ab und teilen Erlöse oder Gewinne nach einem festen Schlüssel. Anders als bei einer Fusion bleiben die Airlines rechtlich eigenständig und behalten eigene Flugzeuge, Kennzeichen und Lackierungen.

Was ist der Unterschied zwischen Allianz, Codeshare und Joint Venture?

Eine Allianz wie die Star Alliance verbindet viele Airlines über Lounges, Vielfliegerprogramme und Umsteigeverbindungen. Ein Codeshare bedeutet, dass eine Airline Plätze auf dem Flug einer anderen unter eigener Flugnummer verkauft. Ein Joint Venture geht weiter: Die Partner planen das Angebot gemeinsam und teilen das finanzielle Ergebnis, sodass sie auf diesem Markt nicht mehr gegeneinander konkurrieren.

Welche transatlantischen Joint Ventures gibt es?

Die drei großen sind das Bündnis von United, Air Canada und der Lufthansa Group, das Joint Venture von Delta mit Air France-KLM und Virgin Atlantic sowie das Atlantic Joint Business von American Airlines mit British Airways, Iberia, Finnair und Aer Lingus. Daneben gibt es kleinere Kooperationen einzelner Airlines, die aber nicht dieselbe Tiefe erreichen.

Warum dürfen Airlines in einem Joint Venture Preise absprechen?

Weil Behörden es ausdrücklich erlauben. In den USA erteilt das Verkehrsministerium (DOT) eine sogenannte Antitrust Immunity, also eine Freistellung vom Kartellverbot. Voraussetzung war historisch ein Open-Skies-Abkommen mit dem Heimatland des ausländischen Partners. Die EU-Kommission prüft solche Bündnisse ebenfalls und hat in einigen Fällen Zusagen verlangt, etwa die Abgabe von Slots an Wettbewerber.

Was bedeutet metallneutral?

„Metall“ ist Branchenjargon für das Flugzeug. Metallneutral heißt, dass es für die Partner finanziell keinen Unterschied macht, ob ein Passagier im Flugzeug der einen oder der anderen Airline sitzt. Erst dadurch lohnt es sich, Flugpläne wirklich gemeinsam zu optimieren, statt jeweils die eigenen Maschinen vollzumachen.

Ändert ein Joint Venture etwas an Kennzeichen oder Lackierung?

Nein. Jedes Flugzeug bleibt im Register seines Landes eingetragen, fliegt mit dem ICAO-Code seines Betreibers und trägt dessen Bemalung. Ein Delta-Jet auf einem gemeinsam vermarkteten Flug nach Amsterdam ist und bleibt ein Delta-Jet – für deine Sammlung zählt also immer der tatsächliche Betreiber.

Wie werden die Erlöse in einem Joint Venture aufgeteilt?

Die genauen Formeln sind Geschäftsgeheimnis. Grundsätzlich fließen die Einnahmen aus den abgedeckten Strecken in einen gemeinsamen Topf und werden nach einem vereinbarten Schlüssel verteilt, der sich typischerweise an den eingebrachten Kapazitäten orientiert. Je nach Vertrag teilen die Partner Umsätze oder das Ergebnis nach Kosten.

PT

Planetrack Redaktion

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