Air Berlin: Aufstieg und Insolvenz der zweitgrößten deutschen Airline

Vom Mallorca-Charter aus dem geteilten Berlin zur zweitgrößten Airline Deutschlands – und 2017 in die Insolvenz. Die Geschichte von Air Berlin mit Übernahmen, Flotte, Lackierungen und dem Abschiedsflug nach Tegel.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Amerikanischer Start: Air Berlin wurde 1978 als US-Charterfluggesellschaft gegründet, weil West-Berlin bis 1990 nur von Airlines der Westalliierten angeflogen werden durfte. Der Erstflug ging am 28. April 1979 mit einer Boeing 707 von Tegel nach Palma.
  • Deutscher Neustart 1991: Nach der Wiedervereinigung gründeten Joachim Hunold und Kim Lundgren die deutsche Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG – der Beginn des großen Wachstums.
  • Wachstum durch Zukäufe: Börsengang 2006, Übernahme von dba 2006 und LTU 2007, Beteiligungen an Niki und Belair. Air Berlin stieg zur Nummer zwei hinter Lufthansa auf.
  • Etihad und oneworld: Ende 2011 wurde Etihad mit 29,21 Prozent größter Einzelaktionär, am 20. März 2012 trat Air Berlin der Allianz oneworld bei.
  • Das Ende: Nachdem Etihad die Unterstützung einstellte, beantragte Air Berlin am 15. August 2017 Insolvenz. Der letzte eigene Linienflug AB6210 landete am 27. Oktober 2017 in Berlin-Tegel.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Air Berlin in Kürze
  2. 2.1978 bis 1990: eine US-Airline für West-Berlin
  3. 3.1991 bis 2005: vom Charterflieger zum Mallorca-Shuttle
  4. 4.2006 bis 2008: Börsengang und Übernahmen
  5. 5.Die Flotte im Überblick
  6. 6.2009 bis 2015: Etihad, oneworld und der Wartesaal BER
  7. 7.2016 bis 2017: Schrumpfkur, Wet-Lease und Insolvenz
  8. 8.Der letzte Flug: AB6210
  9. 9.Was die Geschichte für Spotter bedeutet
  10. 10.Zeitleiste auf einen Blick
  11. 11.Fazit

Rote Heckflossen in Tegel, Schokoherzen beim Aussteigen und ein Mallorca-Shuttle, der jeden Sommer halb Deutschland an den Strand brachte: Air Berlin gehörte für fast vier Jahrzehnte zum Alltag am deutschen Himmel. In ihren besten Jahren war sie die zweitgrößte Airline Deutschlands, im Herbst 2017 war sie Geschichte. Dieser Artikel erzählt den Weg von der amerikanischen Charterfirma im geteilten Berlin bis zum Abschiedsflug AB6210 – und zeigt, was die Geschichte für Spotter bis heute interessant macht.

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Air Berlin in Kürze

Air Berlin war eine deutsche Fluggesellschaft mit Hauptsitz in Berlin und den Drehkreuzen Berlin-Tegel und Düsseldorf. Rechtlich war sie zuletzt eine britische Public Limited Company mit Satzungssitz in London und Verwaltungssitz in Berlin. Sie flog Ferienziele rund ums Mittelmeer, ein dichtes innerdeutsches und europäisches Netz und ab Berlin und Düsseldorf Langstrecken, vor allem nach Nordamerika. Seit 2012 war sie Mitglied der Allianz oneworld, der IATA-Code lautete AB, der ICAO-Code BER.

1979Erstflug Berlin-Tegel – Palma mit einer Boeing 707
28,9 Mio.Passagiere im Konzern 2016
132Flugzeuge in der Flotte im August 2017

1978 bis 1990: eine US-Airline für West-Berlin

Die Wurzeln von Air Berlin liegen nicht in Deutschland, sondern in den USA. Bis zur Wiedervereinigung galt für West-Berlin die alliierte Lufthoheit: Flüge in die Stadt und aus ihr heraus durften nur Gesellschaften der drei Westmächte durchführen. Deutsche Airlines wie Lufthansa waren vom Berlin-Verkehr ausgeschlossen. Wer ab Tegel fliegen wollte, brauchte also eine amerikanische, britische oder französische Zulassung.

Genau diese Lücke nutzte der US-Pilot Kim Lundgren, der zuvor bei Pan Am gearbeitet hatte. Im Juli 1978 gründete er die Air Berlin Inc. als Charterfluggesellschaft mit US-Zulassung. Am 28. April 1979 startete der erste Flug mit einer Boeing 707 von Berlin-Tegel nach Palma de Mallorca – eine Strecke, die Air Berlin danach fast vier Jahrzehnte lang prägte. 1981 ersetzten zwei kleinere Boeing 737 die beiden 707.

In diesen Jahren war Air Berlin ein klassischer Ferienflieger: Reiseveranstalter kauften die Sitze, die Ziele lagen am Mittelmeer und auf den Kanaren. Wer die Geschichte des damaligen Heimatflughafens nachlesen will, findet sie im Artikel über den Flughafen Berlin-Tegel.

1991 bis 2005: vom Charterflieger zum Mallorca-Shuttle

Mit der Wiedervereinigung fiel die alliierte Lufthoheit weg – und damit der Grund für die US-Konstruktion. Am 16. April 1991 gründeten Joachim Hunold und Kim Lundgren die deutsche Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG, die die Air Berlin Inc. übernahm. Hunold führte das Unternehmen bis 2011 und prägte es wie kaum ein anderer.

Die 1990er-Jahre waren geprägt von zwei Ideen. Erstens: Direktverkauf. 1998 bot Air Berlin erstmals rund zehn Prozent der Sitze direkt an Endkunden an statt nur über Veranstalter. Zweitens: der Mallorca-Shuttle. Ab 1998 verband Air Berlin zunächst Berlin, Düsseldorf und Paderborn täglich mit Palma, später kamen weitere deutsche Flughäfen hinzu, wo ein Umsteigeknoten für Weiterflüge aufs spanische Festland entstand. Der Flughafen Palma de Mallorca wurde für Jahre zu einer Art drittem Drehkreuz; wer heute dort spottet, findet im Mallorca-Guide die passenden Standorte. 1999 wurde Air Berlin Mitglied der IATA.

Als Ryanair und andere Billigflieger Anfang der 2000er-Jahre nach Deutschland drängten, antwortete Air Berlin im September 2002 mit dem City-Shuttle: günstige Einzeltickets auf Städteverbindungen, aber mit Sitzplatzreservierung, Bordverpflegung und Gepäck. Diese Mischung aus Low-Cost-Preisen und Service wurde zum Markenzeichen. 2004 beteiligte sich Air Berlin mit 24 Prozent an der österreichischen Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda.

Die Schokoherzen

Ein kleines Detail, an das sich viele Passagiere bis heute erinnern: Beim Verlassen des Flugzeugs gab es ein Schokoladenherz, zunächst von Rausch, später von Lindt. Ein unscheinbares Markenelement, das zum Symbol für den Service-Anspruch der Airline wurde.

2006 bis 2008: Börsengang und Übernahmen

Der Börsengang am 11. Mai 2006 brachte Air Berlin rund 510 Millionen Euro ein – und das Geld für eine Phase rasanter Expansion.

  • dba (2006): Im August 2006 übernahm Air Berlin die Münchner dba, die ehemalige Deutsche BA. Mit ihr kamen Geschäftsreisestrecken, ein starker Standort München und Fokker 100 in die Flotte. Die Marke dba verschwand bereits 2007 vom Markt.
  • LTU (2007): Am 27. März 2007 gab Air Berlin die Übernahme der LTU International bekannt, das Bundeskartellamt genehmigte sie im August 2007 ohne Auflagen. Damit erhielt Air Berlin auf einen Schlag Langstrecke, Airbus A330 und eine starke Position in Düsseldorf. Vollständig integriert war LTU zum 1. April 2011.
  • Belair (2007): Im selben Jahr erwarb Air Berlin 49 Prozent an der Schweizer Charterairline Belair, die volle Kontrolle folgte 2009.
  • Condor (abgesagt): Im September 2007 kündigte Air Berlin an, auch Condor übernehmen zu wollen. Im Juli 2008 wurde das Vorhaben aufgegeben.

Im Juni 2007 stellte Air Berlin eine überarbeitete Bemalung vor, Anfang 2008 folgten ein neues Logo und ein neuer Schriftzug. Für Spotter war das eine spannende Zeit, weil ehemalige LTU- und dba-Flugzeuge über Monate in Misch- und Übergangslackierungen unterwegs waren – wie man solche Zwischenstände erkennt, erklärt der Guide zu Hybrid-Lackierungen.

Mit den Zukäufen wuchs aber auch die Komplexität. Air Berlin war gleichzeitig Ferienflieger, Billiganbieter, Geschäftsreise-Airline und Langstreckencarrier – mit Airbus- und Boeing-Flotten, Turboprops und unterschiedlichen Tarifstrukturen. Diese Unschärfe im Geschäftsmodell wird in Rückblicken häufig als eine der Ursachen für die späteren Probleme genannt.

Die Flotte im Überblick

Wer Air Berlin im Hangar sammeln will, hat es mit einer erstaunlich vielfältigen Flotte zu tun. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Typen der späteren Jahre.

Typ Rolle bei Air Berlin Bestand August 2017
Airbus A320 Rückgrat der Kurz- und Mittelstrecke 65
Airbus A319 kleinere Strecken, Mittelstrecke 11
Airbus A321 dichte Ferienstrecken 6
Airbus A330-200 Langstrecke, teils von LTU 17
Boeing 737-800 lange das Arbeitspferd der Ferienflotte 8
Boeing 737-700 Kurz- und Mittelstrecke 5
Dash 8-400 Regionalverkehr durch LGW 20

Zur historischen Flotte gehörten außerdem Boeing 737-400 (1990–2007) und Fokker 100 (2004–2010). Wer die A320-Familie im Feld auseinanderhalten will, findet die Merkmale im Guide A318, A319, A320 und A321 unterscheiden.

Ehemalige Air-Berlin-Jets wiederfinden

Viele frühere Air-Berlin-Flugzeuge fliegen heute bei anderen Airlines. Setz dir in Planetrack einen Sichtungs-Alarm für ein Kennzeichen und erfahre, wenn es bei dir im Anflug ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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2009 bis 2015: Etihad, oneworld und der Wartesaal BER

Ende der 2000er-Jahre schrieb Air Berlin immer wieder Verluste. Die Lösung kam vom Golf: Im Dezember 2011 stockte Etihad Airways ihren Anteil von 2,99 auf 29,21 Prozent auf und wurde damit größter Einzelaktionär. Air Berlin wurde Teil des Beteiligungsnetzes, mit dem Etihad sich Zugang zu Märkten in Europa verschaffte – ein Geschäftsmodell, das der Artikel über Emirates, Qatar Airways und Etihad genauer einordnet.

Fast zeitgleich vollzog Air Berlin den Wechsel von der Ferien- zur Netzwerkairline. Im Juli 2010 wurde der Beitritt zu oneworld angekündigt, am 20. März 2012 war er abgeschlossen. Gemeinsam mit Partnern wie American Airlines, British Airways und Iberia wollte Air Berlin Berlin zu einem Umsteigeknoten ausbauen. Langstrecken nach Los Angeles, Chicago, Miami und weitere Ziele in Nordamerika ergänzten das Netz; wie Allianzen funktionieren, erklärt der Überblick Star Alliance, oneworld und SkyTeam.

Der Plan hatte einen Haken: den neuen Hauptstadtflughafen. Air Berlin wollte das Drehkreuz am Flughafen Berlin Brandenburg aufbauen, dessen Eröffnung zeitweise für Juni 2012 vorgesehen war. Die Verschiebung um Jahre zwang die Airline, ein Umsteigesystem in Tegel zu betreiben – einem Flughafen, der mit seinem kompakten Sechseck-Terminal nie für Transferverkehr dieser Größe ausgelegt war.

Auch an der Spitze herrschte Unruhe. Hunold trat 2011 zurück, es folgten in kurzer Folge Hartmut Mehdorn (2011–2013), Wolfgang Prock-Schauer (2013–2014), Stefan Pichler (2015–2017) und zuletzt Thomas Winkelmann. Etihad stützte Air Berlin in dieser Zeit mehrfach, unter anderem durch den Kauf von 70 Prozent am Vielfliegerprogramm Topbonus im Dezember 2012 für 184 Millionen Euro.

2016 bis 2017: Schrumpfkur, Wet-Lease und Insolvenz

Im September 2016 kündigte Air Berlin eine tiefgreifende Restrukturierung an: Die Airline wollte sich als Netzwerkcarrier mit Langstrecke ab Berlin und Düsseldorf neu aufstellen, mit deutlich kleinerer Kernflotte. Der Rest wurde abgegeben:

  • Wet-Lease an die Lufthansa-Gruppe: Ab Februar 2017 flog Air Berlin 38 Jets der A320-Familie samt Crew für Eurowings (33 Flugzeuge) und Austrian Airlines (5). Die ersten Maschinen hoben am 10. Februar 2017 in Eurowings-Farben ab. Was hinter dieser Vertragsform steckt, erklärt der Artikel Wet-Lease erklärt.
  • Niki: Im Dezember 2016 kündigte Air Berlin an, Anteile an der österreichischen Tochter an Etihad zu verkaufen; Niki sollte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit TUIfly eingebracht werden. Umgesetzt wurde der Plan nie.

Am 11. August 2017 erklärte Etihad, Air Berlin nicht weiter zu finanzieren. Vier Tage später, am 15. August 2017, stellte die Airline Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Ein Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro mit Bundesbürgschaft hielt den Flugbetrieb in Gang, während Käufer für die Einzelteile gesucht wurden. Am 15. Oktober 2017 landete der letzte Langstreckenflug aus Miami in Düsseldorf.

15.08.2017Insolvenzantrag in Eigenverwaltung
150 Mio. €Überbrückungskredit mit Bundesbürgschaft
27.10.2017Letzter eigener Flug AB6210

Wer was bekam

Einen Gesamtkäufer gab es nicht. Die Lufthansa-Gruppe einigte sich am 12. Oktober 2017 auf ein Paket mit Niki, der Regionaltochter LGW (Luftfahrtgesellschaft Walter) und weiteren Flugzeugen. Den Niki-Teil zog Lufthansa am 13. Dezember 2017 zurück, nachdem die EU-Kommission Bedenken signalisiert hatte. Niki stellte am 14. Dezember 2017 den Betrieb ein; den Zuschlag für die Reste erhielt im Januar 2018 Laudamotion, die Firma von Niki Lauda. easyJet übernahm für 40 Millionen Euro Teile des Betriebs in Tegel samt 25 geleaster A320. Die Technik-Sparte und die Frachttochter Leisure Cargo gingen an andere Käufer, unter anderem an die Zeitfracht-Gruppe.

Für Air Berlin selbst wurde das Insolvenzverfahren am 1. November 2017 eröffnet. Im Vergleich mit anderen Zusammenbrüchen der Branche, etwa Germania 2019, zählt das Ende von Air Berlin zu den größten Airline-Pleiten Europas – mehr dazu im Überblick Große Airline-Pleiten in Europa.

Der letzte Flug: AB6210

Am Abend des 27. Oktober 2017 startete der Airbus A320 D-ABNW in München zum letzten eigenwirtschaftlichen Flug der Airline: AB6210 nach Berlin-Tegel, im Funk unter dem Rufzeichen BER4EVR. Der Flug startete mit rund einer Stunde Verspätung. Vor der Landung flog die Crew über Berlin eine Schleife in Form eines stilisierten Herzens – ein Bild, das viele Fans live auf Flugradar-Diensten verfolgten. Kurz vor Mitternacht setzte die Maschine in Tegel auf.

Für viele Spotter war dieser Abend ein Pflichttermin. Danach gingen die Flugzeuge nach und nach an Leasinggeber und neue Betreiber.

Was die Geschichte für Spotter bedeutet

Air Berlin ist heute ein Thema für Fotoarchive, Logbücher und Sammler. Ein paar Ansatzpunkte:

  • Sonderlackierungen: Air Berlin hatte zahlreiche Sonderbemalungen, etwa „Air Berlin/Etihad“ auf D-ABDU, die oneworld-Lackierung auf dem A330 D-ABXA, „Discover America“ auf D-ABNB oder „Flying home for Christmas“ auf D-ABNM. Einen Überblick über ähnliche Motive bietet der Artikel Sonderlackierungen deutscher Airlines.
  • Zweitleben der Flugzeuge: Viele Air-Berlin-Jets wechselten zu Eurowings, easyJet und anderen Betreibern. Über das Kennzeichen oder die Seriennummer lässt sich die Geschichte einer Maschine oft gut nachvollziehen – wie das geht, zeigt der Guide Flugzeug per Kennzeichen finden.
  • Orte der Erinnerung: Tegel ist seit November 2020 geschlossen, der Flughafen lebt nur noch in Bildern weiter – siehe den Steckbrief Flughafen Berlin-Tegel. Am Flughafen Düsseldorf, dem zweiten Drehkreuz, war Air Berlin über Jahre die prägende Airline; die Besucherterrasse Düsseldorf war ein klassischer Ort für rot-weiße Bilder – aktuelle Tipps stehen im Guide Planespotting in Düsseldorf.
  • Hybride Übergangszeiten: In den Monaten des Wet-Lease flogen Air-Berlin-Flugzeuge mit Air-Berlin-Crews, teils bereits in Eurowings-Farben. Solche Details machen Fotos aus dieser Zeit für Sammler wertvoll.

Was Air Berlin stark machte

  • Großes Netz zu Ferienzielen und Städten ab vielen deutschen Flughäfen
  • Service wie Sitzplatzreservierung und Bordverpflegung zu günstigen Preisen
  • Starke Marke mit hohem Wiedererkennungswert
  • Drehkreuze in Berlin und Düsseldorf mit Langstrecke und oneworld-Anbindung

Was ihr zum Verhängnis wurde

  • Unklares Geschäftsmodell zwischen Ferien-, Low-Cost- und Netzwerkairline
  • Komplexe Flotte und Struktur nach vielen Übernahmen
  • Drehkreuzpläne, die von der Verzögerung beim BER ausgebremst wurden
  • Abhängigkeit von der Finanzierung durch Etihad

Zeitleiste auf einen Blick

Jahr Ereignis
1978 Gründung der Air Berlin Inc. durch Kim Lundgren in den USA
1979 Erstflug Berlin-Tegel – Palma mit einer Boeing 707 (28. April)
1991 Neugründung als deutsche Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG mit Joachim Hunold
2002 Start des City-Shuttle
2004 Beteiligung an Niki
2006 Börsengang und Übernahme der dba
2007 Übernahme von LTU, Einstieg bei Belair
2011 Etihad wird mit 29,21 Prozent größter Einzelaktionär, Hunold tritt zurück
2012 Beitritt zu oneworld (20. März)
2017 Wet-Lease an Eurowings und Austrian, Insolvenzantrag (15. August), letzter Flug AB6210 (27. Oktober)

Wie gut kennst du Air Berlin?

Hak ab, was du nach dem Lesen sicher weißt.

  • Ich weiß, warum Air Berlin als US-Airline gegründet wurde.
  • Ich kenne den Erstflug von 1979 und seine Strecke.
  • Ich kann dba, LTU und Niki als Teile der Air-Berlin-Gruppe einordnen.
  • Ich weiß, welche Rolle Etihad und oneworld spielten.
  • Ich kenne Datum und Flugnummer des letzten Flugs.

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Fazit

Air Berlin war ein Kind des geteilten Berlin, das nach der Wende zu einer der größten Airlines Europas heranwuchs. Der Erfolg beruhte auf einer cleveren Mischung aus Ferienflug, günstigen Preisen und Service – und genau diese Mischung wurde später zum Problem, als Zukäufe, Langstrecke und Netzwerkambitionen dazukamen. Ohne das Geld von Etihad war das Modell 2017 nicht mehr tragfähig. Geblieben sind Erinnerungen, Fotoarchive und viele Flugzeuge, die heute unter anderem Namen fliegen.

Kurzfazit

Air Berlin begann 1979 als US-Charterflieger in West-Berlin, wurde nach 1991 durch Mallorca-Shuttle, City-Shuttle und Übernahmen zur Nummer zwei in Deutschland und scheiterte 2017 an einem überdehnten Geschäftsmodell, als Etihad die Finanzierung beendete. Für Spotter bleibt sie eine der prägenden Airlines der 2000er-Jahre.

Zusammenfassung

  • Air Berlin begann 1979 als kleine Charterairline im geteilten Berlin und wuchs nach 1991 vom Mallorca-Spezialisten zum Vollsortimenter mit Langstrecke.
  • Zukäufe wie dba und LTU brachten Flugzeuge, Strecken und Marktanteile, aber auch eine komplexe Flotte und ein schwer steuerbares Geschäftsmodell zwischen Ferienflieger, Low-Cost und Netzwerkairline.
  • Etihad stützte Air Berlin ab 2011 über Jahre. Als die Golf-Airline 2017 die Finanzierung beendete, folgte die Insolvenz; Teile gingen an die Lufthansa-Gruppe und an easyJet.
  • Für Spotter bleibt Air Berlin eine der prägenden Airlines der 2000er-Jahre: rot-weiße Jets in Tegel, Düsseldorf und auf Mallorca, zahlreiche Sonderlackierungen und Hybrid-Bemalungen in der Übergangszeit.

Häufige Fragen

Wann wurde Air Berlin gegründet?

Die erste Air Berlin wurde im Juli 1978 vom US-Piloten Kim Lundgren als amerikanische Charterfluggesellschaft gegründet. Der erste Flug fand am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Palma de Mallorca statt. Die deutsche Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG entstand am 16. April 1991.

Warum war Air Berlin anfangs eine amerikanische Airline?

Bis zur Wiedervereinigung 1990 galt für West-Berlin die alliierte Lufthoheit. Flüge von und nach West-Berlin durften nur Fluggesellschaften der Westalliierten durchführen, also aus den USA, Großbritannien und Frankreich. Eine US-Zulassung war deshalb die Voraussetzung, um ab Tegel zu fliegen.

Wann ging Air Berlin insolvent?

Air Berlin stellte am 15. August 2017 einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung, nachdem Großaktionär Etihad die finanzielle Unterstützung eingestellt hatte. Ein Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro mit Bundesbürgschaft sicherte den Flugbetrieb noch einige Wochen. Das Insolvenzverfahren wurde am 1. November 2017 eröffnet.

Was war der letzte Flug von Air Berlin?

Der letzte eigenwirtschaftliche Flug war AB6210 von München nach Berlin-Tegel am 27. Oktober 2017, geflogen mit dem Airbus A320 D-ABNW. Vor der Landung zeichnete die Crew über Berlin die Form eines Herzens in den Himmel, das Rufzeichen lautete BER4EVR.

Wer hat Air Berlin übernommen?

Es gab keinen Gesamtkäufer. Die Lufthansa-Gruppe einigte sich auf die Übernahme der Regionaltochter LGW und weiterer Flugzeuge, easyJet übernahm Teile des Betriebs in Tegel mit 25 A320. Das Angebot der Lufthansa für Niki wurde wegen Bedenken der EU-Kommission zurückgezogen; Niki stellte am 14. Dezember 2017 den Betrieb ein und ging später an Laudamotion.

Welche Flugzeuge flog Air Berlin?

Im August 2017 bestand die Flotte aus 132 Flugzeugen: Airbus A319, A320, A321 und A330-200, Boeing 737-700 und 737-800 sowie De Havilland Dash 8-400 der Tochter LGW. Früher gehörten auch Boeing 737-400 und Fokker 100 zur Flotte.

Was waren die IATA- und ICAO-Codes von Air Berlin?

Der IATA-Code war AB, der ICAO-Code BER, das Rufzeichen im Funk lautete AIR BERLIN.

PT

Planetrack Redaktion

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