Open-Skies-Abkommen und der EU-Luftverkehrsbinnenmarkt: Wer darf wo fliegen?

Warum fliegt eine maltesisch registrierte Ryanair von Wien nach Palma, und warum landet ein Delta-Jet seit 2008 in Heathrow? Die Antwort steckt in Luftverkehrsabkommen. So funktionieren Open Skies und der EU-Binnenmarkt – und so erkennst du ihre Spuren am Zaun.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ohne Abkommen kein Linienflug: Seit der Chicagoer Konferenz von 1944 braucht eine Airline für Flüge ins Ausland Verkehrsrechte, die Staaten untereinander vereinbaren – traditionell in eng begrenzten bilateralen Verträgen.
  • Open Skies heißt: keine Deckel. Ein Open-Skies-Abkommen hebt Beschränkungen bei Strecken, Frequenzen, Kapazitäten und Preisen weitgehend auf. Den Anfang machten 1992 die USA und die Niederlande.
  • Die EU ist mehr als Open Skies: Nach drei Liberalisierungspaketen (1987, 1990, 1992) und der vollen Kabotage ab April 1997 darf jede EU-Airline jede Strecke innerhalb der EU fliegen, auch reine Inlandsflüge in einem anderen Mitgliedstaat.
  • EU–USA seit 2008: Das Abkommen von 2007 ersetzte die einzelnen Verträge der Mitgliedstaaten und öffnete unter anderem London-Heathrow für weitere US-Airlines.
  • Am Zaun sichtbar: 9H-, OE- oder EI-Kennzeichen an Basen weit weg von Malta, Österreich oder Irland sind eine direkte Folge des Binnenmarkts – genauso wie die Neuordnung der Airline-Töchter nach dem Brexit.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Open Skies: die kurze Antwort
  2. 2.Warum Fliegen überhaupt Abkommen braucht
  3. 3.Die Idee hinter Open Skies
  4. 4.Der EU-Binnenmarkt: drei Pakete bis zur Kabotage
  5. 5.Wie die EU nach außen verhandelt
  6. 6.Das EU-USA-Abkommen im Detail
  7. 7.Brexit: ein Land verlässt den Binnenmarkt
  8. 8.Was du am Zaun davon siehst
  9. 9.Vor- und Nachteile der Liberalisierung
  10. 10.Worauf du achten solltest
  11. 11.Fazit

Am Spotterhügel in Wien rollt ein Airbus A320 in Ryanair-Farben vorbei, am Rumpf steht ein 9H-Kennzeichen aus Malta. In Heathrow landet ein Delta-Jet aus Atlanta, den es dort vor 2008 so nicht gegeben hätte. Und quer durch Europa starten Maschinen mit irischer Registrierung zu Strecken, die Irland nie berühren. All das hat denselben Hintergrund: Open-Skies-Abkommen und den EU-Luftverkehrsbinnenmarkt. Dieser Artikel erklärt, wie Verkehrsrechte zwischen Staaten funktionieren, was Europa daraus gemacht hat und wie du die Folgen beim Spotten erkennst.

Jede Sichtung dem richtigen Betreiber zuordnen

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Open Skies: die kurze Antwort

Ein Open-Skies-Abkommen ist ein Luftverkehrsvertrag zwischen Staaten, der die üblichen Grenzen bei Strecken, Frequenzen, Kapazitäten und Preisen weitgehend aufhebt. Die Airlines beider Seiten entscheiden selbst, wohin, wie oft und zu welchem Preis sie fliegen. Was meist bleibt: das Verbot von Inlandsflügen im anderen Land und Regeln, wem eine Airline gehören darf.

Der EU-Luftverkehrsbinnenmarkt geht deutlich weiter. Innerhalb der EU gibt es keine nationalen Airlines im rechtlichen Sinn mehr, sondern nur noch EU-Luftfahrtunternehmen. Jedes davon darf jede Strecke zwischen und innerhalb der Mitgliedstaaten fliegen und seine Preise frei festlegen. Dazu gehören, über Abkommen, auch Norwegen, Island und die Schweiz.

1944Chicagoer Konferenz legt die Grundlage für Verkehrsrechte zwischen Staaten
1997volle Kabotage: EU-Airlines dürfen Inlandsflüge in anderen Mitgliedstaaten anbieten
2008das Open-Skies-Abkommen zwischen EU und USA tritt in Kraft

Warum Fliegen überhaupt Abkommen braucht

Jeder Staat hat die Hoheit über seinen Luftraum. Auf der Konferenz von Chicago 1944 rangen die Staaten darum, wie offen der internationale Luftverkehr nach dem Krieg sein sollte. Die USA wollten möglichst freie Märkte, viele andere Länder fürchteten die Übermacht der großen amerikanischen Airlines. Herausgekommen ist ein Kompromiss: Das Transitabkommen regelt die ersten beiden Freiheiten der Luft – Überfliegen und technische Zwischenlandung –, ein zweites Abkommen die ersten fünf. Breite Zustimmung fand aber vor allem das Transitabkommen. Die kommerziellen Rechte, also Passagiere und Fracht von A nach B zu bringen, blieben Verhandlungssache zwischen jeweils zwei Staaten.

Was die einzelnen Freiheiten bedeuten, von der dritten (Flug ins Ausland) bis zur neunten (reine Kabotage), erklärt der Artikel Die Freiheiten der Luft ausführlich. Für diesen Text reicht: Wer welche Freiheit bekommt, steht in einem Luftverkehrsabkommen.

Das Bermuda-Modell: alles genau geregelt

Das bekannteste Beispiel für ein klassisches bilaterales Abkommen ist das Bermuda-Abkommen zwischen Großbritannien und den USA von 1946, abgelöst 1977 von Bermuda II. Solche Verträge legten fest, welche Airlines fliegen dürfen, welche Flughäfen angeflogen werden und teilweise auch, wie viel Kapazität angeboten wird. Zuletzt durften unter Bermuda II nur vier Airlines zwischen London-Heathrow und den USA fliegen: British Airways und Virgin Atlantic auf britischer, United und American auf amerikanischer Seite. Alle anderen mussten auf andere Londoner Flughäfen ausweichen.

Die Idee hinter Open Skies

Open Skies dreht das Prinzip um. Statt jede Verbindung einzeln zu genehmigen, öffnen sich zwei Vertragsseiten gegenseitig ihre Märkte. Typische Bestandteile:

  • Freie Streckenwahl: Jede benannte Airline darf zwischen beliebigen Punkten beider Länder fliegen.
  • Keine Frequenz- und Kapazitätsgrenzen: Wie oft und mit welchem Gerät geflogen wird, entscheidet der Markt.
  • Freie Preisbildung: Tarife müssen nicht mehr von beiden Regierungen genehmigt werden.
  • Weiterflugrechte: Oft sind auch Flüge über das Partnerland hinaus in Drittstaaten erlaubt, die sogenannte fünfte Freiheit.
  • Kooperation erlaubt: Codeshares und weitere Zusammenarbeit der Airlines sind ausdrücklich vorgesehen.

Die USA haben diese Politik Anfang der 1990er-Jahre zum Programm gemacht. Der erste Partner waren 1992 die Niederlande. Für KLM und Northwest Airlines war das die Grundlage für die erste kartellrechtlich freigestellte Transatlantik-Partnerschaft ab 1993. Wie aus solchen Kooperationen später die großen Bündnisse wurden, zeigt der Artikel Transatlantische Joint Ventures.

Was Open Skies meist nicht öffnet

Auch ein sehr liberales Abkommen erlaubt in der Regel keine Kabotage. Eine europäische Airline darf also nicht zwischen New York und Los Angeles fliegen. Und die Eigentumsregeln bleiben national: Eine Airline muss in der Regel mehrheitlich Bürgern oder Unternehmen ihres Heimatlandes oder -raums gehören und von dort aus kontrolliert werden.

Der EU-Binnenmarkt: drei Pakete bis zur Kabotage

Während die USA bilateral vorgingen, baute Europa einen gemeinsamen Markt. Das geschah schrittweise in drei Liberalisierungspaketen:

Schritt Jahr Was sich änderte
Erstes Paket 1987 erste Lockerungen bei Tarifen und Kapazitätsaufteilung zwischen den Staaten
Zweites Paket 1990 weitere Öffnung bei Preisen und Marktzugang
Drittes Paket 1992 aus nationalen Airlines werden EU-Luftfahrtunternehmen, freier Streckenzugang und freie Preisgestaltung
Volle Kabotage April 1997 EU-Airlines dürfen auch Inlandsstrecken in anderen Mitgliedstaaten bedienen
Neufassung 2008 Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 fasst die Regeln zusammen und ersetzt das dritte Paket

Seitdem gilt: Wer eine Betriebsgenehmigung aus einem EU-Staat hat, ist eine EU-Airline – unabhängig davon, wo ihre Flugzeuge stationiert sind. Strecken innerhalb der EU brauchen keine gesonderte Genehmigung mehr, mit Ausnahme einiger Verbindungen mit gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen, etwa Routen zu abgelegenen Regionen.

Die wichtigsten Regeln der Verordnung 1008/2008

Die Verordnung ist heute das Grundgesetz des europäischen Luftverkehrsmarkts. Für das Verständnis reichen vier Punkte:

  • Betriebsgenehmigung: Eine Airline braucht ein gültiges Luftverkehrsbetreiberzeugnis, solide Finanzen und ausreichende Versicherung. Was hinter dem AOC steckt, erklärt der Artikel AOC und Betriebsgenehmigung.
  • Eigentum und Kontrolle: Mehr als die Hälfte der Airline muss Mitgliedstaaten oder deren Staatsangehörigen gehören, und sie müssen das Unternehmen tatsächlich kontrollieren. Der Hauptsitz liegt in einem Mitgliedstaat.
  • Freie Preise, aber Endpreis: Airlines setzen ihre Tarife selbst fest, müssen aber den Endpreis inklusive aller Steuern und Gebühren anzeigen.
  • Leasing mit Grenzen: Flugzeuge samt Crew aus Nicht-EU-Ländern anzumieten ist nur eingeschränkt möglich. Wie solche Mietmodelle funktionieren, zeigt der Artikel Wet Lease erklärt.

Was der Binnenmarkt ausgelöst hat

Die Öffnung hat den Markt grundlegend verändert. Ryanair hatte schon 1990 auf ein Low-Cost-Modell nach Vorbild von Southwest umgestellt. Mit dem Binnenmarkt und der Kabotage ab 1997 konnte die irische Airline Basen weit außerhalb Irlands eröffnen und Strecken bedienen, die ihre Heimat nie berühren. easyJet startete 1995, Wizz Air folgte 2004. Wie dieses Geschäftsmodell im Detail funktioniert, beschreibt der Artikel Wie Billigflieger funktionieren. Auch die Netzwerk-Airlines profitierten: Konzerne wie die Lufthansa Group oder die International Airlines Group bündeln heute Airlines aus mehreren Mitgliedstaaten.

Wie die EU nach außen verhandelt

Bis Anfang der 2000er-Jahre schloss jeder Mitgliedstaat seine Abkommen mit Drittstaaten selbst. Viele davon enthielten Nationalitätsklauseln: Nur deutsche Airlines durften auf Basis des deutschen Abkommens fliegen, nur niederländische auf Basis des niederländischen. Am 5. November 2002 entschied der Europäische Gerichtshof in einer Reihe von Verfahren gegen mehrere Mitgliedstaaten, dass solche Klauseln mit EU-Recht unvereinbar sind. Diese sogenannten Open-Skies-Urteile gelten als Startpunkt einer gemeinsamen EU-Außenpolitik im Luftverkehr.

Seitdem verfolgt die EU drei Wege:

1. Bestehende Abkommen anpassen

Über sogenannte horizontale Abkommen mit rund 50 Staaten und über Nachverhandlungen einzelner Verträge wurden mehr als tausend bilaterale Abkommen mit über 120 Ländern so angepasst, dass jede EU-Airline aus jedem Mitgliedstaat in den Drittstaat fliegen darf, nicht nur die heimische.

2. Nachbarn einbinden

Mit dem Gemeinsamen Europäischen Luftverkehrsraum (ECAA), unterzeichnet 2006, und Abkommen etwa mit Marokko, Georgien, Moldau, Israel oder Ukraine dehnt die EU ihren Markt schrittweise aus – gekoppelt an die Übernahme europäischer Regeln.

3. Umfassende Abkommen mit großen Partnern

Mit den USA, Kanada und weiteren Partnern wie Katar und dem südostasiatischen Staatenbund ASEAN verhandelt die EU als Block. Das Abkommen mit ASEAN von 2022 gilt als erstes Luftverkehrsabkommen zwischen zwei Staatengruppen.

Das EU-USA-Abkommen im Detail

Das wichtigste dieser Abkommen wurde am 30. April 2007 in Washington unterzeichnet und gilt seit dem 30. März 2008. Es ersetzte die einzelnen Open-Skies-Abkommen der USA mit europäischen Staaten. 2010 folgte das Protokoll zur zweiten Stufe, 2011 traten Norwegen und Island bei.

Was es konkret erlaubt:

  • Jede EU-Airline von jedem EU-Ort in die USA: Lufthansa darf also auch ab Paris in die USA fliegen, Air France ab Frankfurt.
  • Weiterflüge: Airlines beider Seiten dürfen über das Partnergebiet hinaus in Drittländer weiterfliegen.
  • Fracht besonders frei: US-Airlines dürfen reine Frachtflüge zwischen der EU und Drittstaaten durchführen, ohne die USA zu berühren, EU-Airlines umgekehrt reine Frachtflüge zwischen den USA und Drittstaaten.
  • Heathrow offen: Mit dem Ende von Bermuda II für den EU-Verkehr fiel das Privileg der vier Heathrow-Airlines. Delta nahm 2008 Flüge nach Heathrow auf, etwa ab Atlanta und New York-JFK. Wo du die Langstrecke dort am besten fotografierst, zeigt der Heathrow-Spotting-Guide.

Was es nicht erlaubt: Europäische Airlines dürfen weiterhin keine Inlandsflüge in den USA anbieten und keine Mehrheit an einer US-Airline übernehmen. In Europa wird das Abkommen deshalb oft als unausgewogen kritisiert. Weil Slots in Heathrow trotz offener Verkehrsrechte knapp blieben, wurde der Zugang dort vor allem zu einer Frage der Start- und Landerechte. Warum diese so wertvoll sind, liest du im Artikel Slots an Flughäfen.

Die Langstrecke im Anflug nicht verpassen

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Brexit: ein Land verlässt den Binnenmarkt

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU verloren britische Airlines ihren Status als EU-Luftfahrtunternehmen. Sie dürfen seitdem zwischen Großbritannien und der EU fliegen, aber nicht mehr frei zwischen zwei EU-Staaten oder innerhalb eines Mitgliedstaats. Umgekehrt gilt das auch für EU-Airlines in Großbritannien. Für den Verkehr mit den USA schloss das Vereinigte Königreich Ende 2018 ein eigenes Open-Skies-Abkommen, das nach dem Austritt an die Stelle des EU-Abkommens trat.

Die Airline-Konzerne haben ihre Strukturen darauf ausgerichtet. Die drei bekanntesten Beispiele:

Konzern Lösung Woran du es erkennst
easyJet easyJet Europe mit Sitz in Wien und österreichischer Zulassung OE-Kennzeichen, ICAO-Code EJU
Ryanair Group Ryanair UK für den britischen Markt, daneben Ryanair DAC (Irland), Malta Air, Lauda Europe und Buzz in der EU G-Kennzeichen bei Ryanair UK, EI-, 9H- und SP- bei den EU-Töchtern
IAG British Airways bleibt britisch, Iberia, Vueling und Aer Lingus sind EU-Airlines im selben Konzern Kennzeichen G-, EC- und EI- unter einem Dach

Mehr zu den einzelnen Gesellschaften findest du in den Steckbriefen von easyJet Switzerland, Malta Air, Lauda Europe und Buzz.

Was du am Zaun davon siehst

Der Binnenmarkt ist kein abstraktes Thema. Er erklärt einige der typischen Spotter-Fragen.

Fremde Kennzeichen an deiner Basis

  • 9H- an einer Maschine in Ryanair-Farben: Malta Air (Boeing 737) oder Lauda Europe (Airbus A320)
  • OE- an einer easyJet-A320: easyJet Europe
  • EI- an Basen in ganz Europa: Ryanair DAC

Verkehrsrechte, die man sieht

  • Delta und weitere US-Airlines in Heathrow seit dem Ende von Bermuda II im EU-Verkehr
  • Fünfte-Freiheit-Strecken, auf denen Airlines zwischen zwei fremden Ländern fliegen
  • Inlandsflüge in Deutschland durch Airlines aus anderen EU-Staaten

Was du nicht sehen wirst

  • Europäische Airlines auf US-Inlandsstrecken
  • Britische Airlines auf reinen EU-Inlandsstrecken
  • Nicht-EU-Airlines, die frei zwischen zwei EU-Städten fliegen

Warum gerade Malta, Irland oder Bermuda in Registern so häufig auftauchen, hat neben dem Binnenmarkt auch mit Leasing und Steuern zu tun – das erklärt der Artikel Warum viele Flugzeuge in Irland, Bermuda oder Malta registriert sind. Wie du ein Präfix liest, steht im Guide Flugzeugkennzeichen verstehen, die Systematik der österreichischen Register erklärt der Artikel OE-Kennzeichen.

Ein bekannter Fünfte-Freiheit-Klassiker ist die Verbindung von Emirates über Mailand-Malpensa nach New York. Solche Strecken sind nur möglich, wenn die beteiligten Abkommen das Recht zum Weiterflug ausdrücklich vorsehen. Prüfe den aktuellen Flugplan, bevor du dafür anreist – solche Verbindungen ändern sich mit Flugplanperioden.

Spot-Tipp für Binnenmarkt-Fans

An großen Low-Cost-Basen wie Wien siehst du an einem Vormittag oft mehrere Gesellschaften derselben Gruppe mit unterschiedlichen Kennzeichen. Der Spotterhügel Wien eignet sich dafür gut, in Dublin ist The Mound der Klassiker für die Ryanair-Heimatbasis. Auf der Spot-Karte in Planetrack findest du Anreise, bestes Licht und Community-Fotos zu beiden Spots. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Vor- und Nachteile der Liberalisierung

Ob Open Skies und Binnenmarkt ein Erfolg sind, wird je nach Perspektive unterschiedlich bewertet.

Dafür spricht

  • Mehr Strecken, auch zwischen kleineren Flughäfen ohne Umweg über ein Drehkreuz
  • Wettbewerb durch neue Anbieter, deutlich günstigere Tickets auf vielen Strecken
  • Airlines können Basen dort eröffnen, wo die Nachfrage ist
  • Einheitliche Regeln für Genehmigung, Preisangaben und Fluggastrechte

Dagegen spricht

  • Starker Druck auf Kosten und Arbeitsbedingungen
  • Ehemalige Staatsairlines verschwanden oder wurden übernommen
  • Ungleiche Rechte gegenüber Partnern wie den USA bei Kabotage und Eigentum
  • An überlasteten Flughäfen begrenzen Slots den Wettbewerb trotz offener Rechte

Zu den einheitlichen Regeln gehören übrigens auch die Entschädigungen bei Verspätung und Annullierung, die für EU-Airlines und für Abflüge aus der EU gelten. Details dazu stehen im Artikel Fluggastrechte nach EU-Verordnung 261/2004.

Worauf du achten solltest

  • Marke ist nicht gleich Betreiber. Eine Lackierung sagt wenig über die Betriebsgenehmigung. Kennzeichen und ICAO-Code zeigen, welche Gesellschaft fliegt.
  • Open Skies ist nicht Binnenmarkt. Zwischen EU und USA gelten weitreichende Freiheiten, aber keine Kabotage. Nur innerhalb der EU sind Airlines völlig gleichgestellt.
  • Verkehrsrecht ist nicht Slot. Ein Abkommen erlaubt den Flug, an vollen Flughäfen braucht die Airline trotzdem freie Start- und Landezeiten.
  • Codeshare ändert nichts am Recht. Wer verkauft, ist egal – entscheidend ist, wer fliegt. Hintergründe im Artikel Codeshare-Flüge erklärt.
  • Stand prüfen. Abkommen werden ergänzt, Gesellschaften gegründet oder aufgelöst. Die Angaben hier geben den Stand Oktober 2026 in groben Zügen wieder.

Durchschaust du die Verkehrsrechte?

Hak ab, was du nach dem Lesen sicher erklären kannst.

  • Ich weiß, warum internationale Linienflüge ein Abkommen zwischen Staaten brauchen.
  • Ich kann Open Skies und den EU-Binnenmarkt voneinander abgrenzen.
  • Ich weiß, was Kabotage ist und seit wann sie in der EU erlaubt ist.
  • Ich kenne die wichtigsten Inhalte des EU-USA-Abkommens.
  • Ich kann ein 9H- oder OE-Kennzeichen an einer Low-Cost-Maschine einordnen.

Gesellschaften sammeln, nicht nur Marken

Halte jede Sichtung mit Kennzeichen im Hangar fest, setz dir fehlende Gesellschaften auf die Wunschliste und tausch dich in der Community über seltene Betreiber aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Fazit

Seit Chicago 1944 hängt jeder internationale Linienflug an Verkehrsrechten, die Staaten untereinander vereinbaren. Open-Skies-Abkommen haben die alten, eng gefassten Verträge seit 1992 weitgehend ersetzt. Europa ist noch weiter gegangen: Mit drei Paketen und der vollen Kabotage ab 1997 entstand ein Binnenmarkt, in dem jede EU-Airline überall fliegen darf. Nach außen verhandelt die EU seit den Urteilen von 2002 gemeinsam, am sichtbarsten mit den USA seit 2008. Am Zaun erkennst du das an Kennzeichen aus Malta, Österreich oder Irland an Basen quer durch Europa und an US-Jets in Heathrow.

Kurzfazit

Open Skies öffnet Märkte zwischen zwei Seiten, der EU-Binnenmarkt macht aus vielen Märkten einen. Für Spotter heißt das: Die Marke am Leitwerk sagt wenig, Kennzeichen und ICAO-Code verraten, welche Gesellschaft mit welcher Betriebsgenehmigung gerade vor dir rollt.

Zusammenfassung

  • Luftverkehrsrechte werden zwischen Staaten vereinbart. Die klassischen bilateralen Abkommen legten genau fest, welche Airlines wie oft auf welchen Strecken fliegen durften.
  • Open-Skies-Abkommen beseitigen diese Grenzen weitgehend, lassen aber meist Eigentumsregeln und Kabotageverbote bestehen. Die USA verfolgen diese Politik seit 1992.
  • Der EU-Luftverkehrsbinnenmarkt geht weiter: Airlines mit EU-Betriebsgenehmigung sind gleichgestellt, setzen ihre Preise frei fest und dürfen seit 1997 auch Inlandsstrecken in anderen Mitgliedstaaten bedienen. Grundlage ist heute die Verordnung (EG) Nr. 1008/2008.
  • Nach außen verhandelt seit den Urteilen des Europäischen Gerichtshofs vom November 2002 die EU mit, etwa beim Abkommen mit den USA, das seit März 2008 gilt.

Häufige Fragen

Was ist ein Open-Skies-Abkommen?

Ein Open-Skies-Abkommen ist ein Luftverkehrsabkommen zwischen Staaten, das die üblichen Beschränkungen weitgehend aufhebt. Die Airlines beider Seiten dürfen dann frei entscheiden, welche Städte sie verbinden, wie oft sie fliegen, mit welchen Flugzeugen und zu welchen Preisen. Ausgenommen bleiben meist reine Inlandsflüge im anderen Land und die Regeln, wem eine Airline gehören darf.

Was ist der Unterschied zwischen Open Skies und dem EU-Binnenmarkt?

Open Skies regelt Flüge zwischen zwei Vertragsseiten. Der EU-Binnenmarkt ist ein gemeinsamer Markt: Jede Airline mit einer Betriebsgenehmigung aus einem EU-Staat gilt als EU-Airline und darf jede Strecke innerhalb der EU bedienen, auch Inlandsflüge in anderen Mitgliedstaaten. Das ist Kabotage, die ein klassisches Open-Skies-Abkommen nicht erlaubt.

Was bedeutet Kabotage in der Luftfahrt?

Kabotage heißt, dass eine ausländische Airline Fluggäste oder Fracht zwischen zwei Orten innerhalb eines anderen Landes befördert, etwa eine irische Airline von Berlin nach München. In den meisten Ländern ist das verboten. Innerhalb der EU ist es seit April 1997 für EU-Airlines erlaubt.

Seit wann gilt das Open-Skies-Abkommen zwischen EU und USA?

Das Abkommen wurde am 30. April 2007 in Washington unterzeichnet und gilt seit dem 30. März 2008. Im Juni 2010 folgte ein Protokoll für die zweite Stufe, 2011 traten Norwegen und Island bei. Es ersetzte die vorherigen Einzelabkommen der USA mit europäischen Staaten.

Darf eine EU-Airline innerhalb der USA fliegen?

Nein. Das EU-USA-Abkommen erlaubt keine Inlandsflüge europäischer Airlines in den USA, und europäische Investoren dürfen keine Kontrolle über eine US-Airline übernehmen. Diese Asymmetrie ist einer der Hauptkritikpunkte aus europäischer Sicht.

Was hat sich durch den Brexit geändert?

Britische Airlines sind seit dem Austritt keine EU-Airlines mehr und dürfen nicht mehr frei innerhalb der EU fliegen. Mehrere Konzerne haben deshalb Gesellschaften mit EU-Betriebsgenehmigung gegründet oder ausgebaut, etwa easyJet Europe in Österreich. Für die Strecken zwischen Großbritannien und den USA hat das Vereinigte Königreich ein eigenes Abkommen mit den USA geschlossen.

Warum haben so viele Ryanair-Flugzeuge maltesische Kennzeichen?

Weil die Ryanair Group mehrere Airlines betreibt, darunter Malta Air und Lauda Europe mit Sitz auf Malta. Malta Air fliegt Boeing 737, Lauda Europe Airbus A320. Durch den Binnenmarkt darf eine maltesische Airline von Basen in ganz Europa aus fliegen. Deshalb siehst du 9H-Kennzeichen auch in Deutschland, Italien oder Österreich.

PT

Planetrack Redaktion

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