Hubschraubertypen erkennen: H135, H145, Bell, NH90 und CH-47 sicher unterscheiden

Fenestron oder offener Heckrotor, zwei oder fünf Blätter, ein Rotor oder zwei: Mit wenigen Merkmalen ordnest du Rettungs-, Polizei- und Militärhubschrauber richtig zu – vom gelben H135 bis zum Tandemrotor-Chinook.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202614 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Zuerst aufs Heck schauen: Ein ummantelter Heckrotor im Leitwerk (Fenestron) deutet fast immer auf einen Airbus-Hubschrauber hin, ein offener Heckrotor auf Bell, Leonardo, Sikorsky oder ältere Muster.
  • Die Rotorblätter zählen: Zwei Blätter heißt Bell 206, UH-1 oder Robinson, vier Blätter H135, NH90 oder Bell 407/412, fünf Blätter beim Fenestron-Typ heißt H145.
  • H135 gegen H145: Beide sind zweimotorig, haben Kufen und Fenestron. Der H145 ist größer, höher und bauchiger, und neuere Exemplare fliegen mit fünf statt vier Blättern.
  • Zwei Rotoren hintereinander: Ein Hubschrauber mit Tandemrotor ist in Europa praktisch immer ein CH-47 Chinook – die Bundeswehr erhält ihre ersten Maschinen nach bisheriger Planung ab 2027.
  • Groß, grau, mit Heckrampe: Das NH90 erkennst du an seinem kantigen, rautenförmigen Rumpf, dem Radfahrwerk und – bei der Heeresversion – der Laderampe im Heck.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Hubschraubertypen erkennen: die kurze Antwort
  2. 2.Die fünf Merkmale, die jeden Hubschrauber verraten
  3. 3.Airbus H135: der Rettungshubschrauber schlechthin
  4. 4.Airbus H145: größer, höher, mit fünf Blättern
  5. 5.Die übrige EC- und H-Familie von Airbus
  6. 6.Bell: Zweiblattrotor und offener Heckrotor
  7. 7.NH90: der kantige Mehrzweckhubschrauber
  8. 8.CH-47 Chinook: zwei Rotoren, kein Heckrotor
  9. 9.Alle wichtigen Typen im Vergleich
  10. 10.Wo du Hubschrauber am besten siehst
  11. 11.Fazit

Ein Knattern über dem Feld, ein gelber Fleck über der Autobahn, ein graues Ungetüm mit zwei Rotoren im Tiefflug: Hubschrauber begegnen dir als Spotter ständig – oft abseits der großen Flughäfen und meist nur für wenige Sekunden. Wer Hubschraubertypen erkennen will, braucht deshalb ein schnelles Raster statt langer Datenblätter. Dieser Guide zeigt dir die fünf Merkmale, mit denen du die wichtigsten Muster in Mitteleuropa bestimmst, und geht dann Typ für Typ durch: von den Airbus-Bestsellern H135 und H145 über die Bell-Klassiker bis zu NH90 und CH-47 Chinook.

Jeden Hubschrauber im Hangar festhalten

Poste deine Hubschrauber-Sichtungen in Planetrack mit Foto, Typ, Kennzeichen und Flughafen und sammle sie in deinem Hangar – mit Wunschliste für die Typen, die dir noch fehlen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Hubschraubertypen erkennen: die kurze Antwort

Du erkennst einen Hubschraubertyp, indem du Heckrotor, Blattzahl, Rotoranordnung, Fahrwerk und Größe nacheinander prüfst. Ein ummantelter Heckrotor im Leitwerk spricht für Airbus Helicopters, ein offener für Bell, Leonardo, Sikorsky oder ältere Muster. Zwei Blätter am Hauptrotor sind typisch für Bell 206, UH-1 und Robinson, fünf Blätter mit Fenestron für den H145. Zwei Rotoren hintereinander heißt Chinook. Kufen oder Räder und die Rumpfgröße trennen dann die verbleibenden Kandidaten.

Anders als beim Verkehrsflugzeug hilft dir der Kontext enorm: Ein gelber Hubschrauber mit Kufen über einer Unfallstelle ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein H135 oder H145 der Luftrettung, ein grauer Hubschrauber mit Radfahrwerk über einem Truppenübungsplatz eher ein NH90 oder CH-53.

1968Erstflug des Fenestron-Heckrotors an einem Gazelle-Versuchsmuster
5Rotorblätter: mit Fenestron das sichere Zeichen für einen H145
60CH-47F hat Deutschland als neuen schweren Transporthubschrauber bestellt

Die fünf Merkmale, die jeden Hubschrauber verraten

Bevor es an einzelne Typen geht, lohnt sich ein Blick auf das Grundraster. Diese Merkmale siehst du auch aus größerer Entfernung und bei schlechtem Licht.

1. Heckrotor: ummantelt oder offen

Der Heckrotor gleicht das Drehmoment des Hauptrotors aus und ist das stärkste Herstellermerkmal. Der Fenestron läuft als vielblättriger Rotor in einem Tunnel im Seitenleitwerk. Er wurde am 12. April 1968 erstmals an einem Versuchsmuster der Gazelle geflogen und ist heute ein Erkennungszeichen von Airbus Helicopters. Ein offener Heckrotor mit zwei bis fünf Blättern seitlich am Heckausleger findet sich dagegen bei Bell, Leonardo, Sikorsky, Robinson, dem NH90 und älteren Airbus-Mustern wie der Bo 105 oder dem H125.

2. Blattzahl am Hauptrotor

Zählen geht am besten bei stehendem oder langsam auslaufendem Rotor am Boden. Im Flug hilft ein Foto mit kurzer Verschlusszeit – wie du Rotoren scharf einfrierst oder bewusst verwischst, steht im Guide zu Propellern und Verschlusszeit. Zweiblattrotoren erzeugen außerdem das typische, tief schlagende „Teppichklopfen“, das du auch ohne Sicht erkennst. Mehr dazu im Artikel Flugzeugtypen am Geräusch erkennen.

3. Ein Rotor oder zwei

Fast alle Hubschrauber, die du siehst, haben einen Hauptrotor plus Heckrotor. Die große Ausnahme ist der Tandemrotor des CH-47 Chinook mit zwei gegenläufigen Rotoren vorn und hinten und ohne Heckrotor.

4. Kufen oder Räder

Leichte und mittlere Hubschrauber wie H135, H145, Bell 206 oder Robinson stehen auf Kufen. Größere Muster wie NH90, CH-53, Chinook, Super Puma oder der Leonardo AW139 haben ein Radfahrwerk, oft einziehbar.

5. Größe und Proportionen

Die Kabinenlänge im Verhältnis zum Rotordurchmesser, die Höhe über dem Boden und die Position der Triebwerke runden das Bild ab. Ein schlanker Zweisitzer mit freiliegendem Heckausleger wirkt ganz anders als ein bulliger Transporter mit Heckrampe.

Airbus H135: der Rettungshubschrauber schlechthin

Der Airbus H135, früher EC135, ist der Hubschrauber, den du in Deutschland am häufigsten siehst. Er geht auf das Technologieprojekt Bo 108 von MBB zurück, das die Stärken der Bo 105 in eine moderne, aerodynamisch glattere Zelle übertragen sollte. Der erste Prototyp der EC135 flog im Februar 1994, die europäische Zulassung folgte 1996. Die ersten Maschinen gingen an die Deutsche Rettungsflugwacht, heute DRF Luftrettung, und 2011 übernahm die ADAC Luftrettung das tausendste Exemplar.

So erkennst du ihn:

  • Fenestron im Seitenleitwerk, darüber und darunter kleine Stabilisierungsflächen am Heck
  • vier Rotorblätter an einem lagerlosen Rotorkopf ohne klassische Gelenke
  • Kufen, kompakte und rundliche Kabine mit großer, gewölbter Frontscheibe
  • zwei Triebwerke unter einer gemeinsamen Verkleidung auf dem Kabinendach
  • Heckklapptüren unter dem Leitwerksträger, über die in der Luftrettung die Trage eingeladen wird

Im Einsatz begegnet dir der H135 in Gelb bei der ADAC Luftrettung, in Rot-Weiß bei der DRF, in den Lackierungen mehrerer Landespolizeien und bei der Bundespolizei. Die Bundeswehr nutzt den H135 als Schulhubschrauber für die Grundausbildung in Bückeburg.

Airbus H145: größer, höher, mit fünf Blättern

Der Airbus H145 ist der große Bruder des H135 und stammt aus der Familie der BK 117, die MBB gemeinsam mit Kawasaki entwickelt hat. Der direkte Vorgänger EC145 flog 1999 erstmals in Donauwörth. Die modernisierte EC145 T2 mit Fenestron wurde 2014 zugelassen und 2015 in H145 umbenannt. Seit der Zulassung im Juni 2020 gibt es die Fünfblatt-Version, die mit bis zu 3,8 Tonnen Abfluggewicht etwas schwerer sein darf.

So trennst du H145 und H135:

  • Blattzahl: Fünf Blätter mit Fenestron heißt sicher H145. Bei vier Blättern musst du auf die Proportionen achten.
  • Höhe: Der H145 steht deutlich höher auf seinen Kufen, die Kabine wirkt hochbeinig und bauchig.
  • Kabinenlänge: Die Kabine des H145 ist länger, die Schiebetüren sind größer, der Abstand zwischen Cockpit und Heckklappen wirkt gestreckter.
  • Gewicht: Mit 3,7 bis 3,8 Tonnen maximalem Abfluggewicht ist der H145 spürbar schwerer und größer als der H135.

Vorsicht beim Vorgänger: Die ältere EC145 (BK 117 C-2) sieht dem H145 sehr ähnlich, hat aber einen offenen Heckrotor statt des Fenestrons. In Deutschland fliegt der H145 bei ADAC und DRF, bei vielen Landespolizeien und als H145M bei der Bundeswehr. In der Schweiz ist er das Rückgrat der Rega.

Gelb heißt nicht automatisch H135

Die ADAC Luftrettung fliegt sowohl H135 als auch H145 in derselben gelben Lackierung. Achte deshalb nicht auf die Farbe, sondern auf Blattzahl und Bodenfreiheit. Wer sie am Boden sieht, hat es am leichtesten: Der H145 überragt den H135 sichtbar.

Die übrige EC- und H-Familie von Airbus

Mit der Umbenennung von Eurocopter in Airbus Helicopters im Jahr 2014 bekamen die Modelle nach und nach Namen mit H-Präfix. Die Zahl steht grob für die Gewichtsklasse. In Datenbanken und im Spotteralltag laufen alte und neue Namen weiter nebeneinander, deshalb hier die wichtigsten Paare:

Heutiger Name Alter Name Triebwerke Heckrotor Typisches Merkmal
H120 EC120 Colibri 1 Fenestron kleiner Einmot mit Kufen, rundliche Kabine
H125 AS350 Ecureuil / AStar 1 offen Dreiblattrotor, schlanker Heckausleger, Arbeitstier in den Alpen
H130 EC130 1 Fenestron breite Kabine mit großer Panoramaverglasung, beliebt bei Rundflügen
H135 EC135 2 Fenestron kompakt, vier Blätter, Luftrettung und Polizei
H145 EC145 T2 / BK117 D 2 Fenestron höher und größer, vier oder fünf Blätter
H160 – 2 Fenestron, schräg gestellt geschwungene Blattspitzen, moderne glatte Form, Radfahrwerk
H215 AS332 Super Puma 2 offen großer Transporthubschrauber mit Radfahrwerk
H225 EC225 / EC725 Caracal 2 offen Weiterentwicklung der Super Puma, Offshore und Militär

Zwei Hinweise für die Praxis: Der AS365 Dauphin hat ebenfalls einen Fenestron und ein Radfahrwerk und kann aus der Ferne mit dem H160 verwechselt werden – der Dauphin wirkt aber kantiger und älter. Und der Kampfhubschrauber Tiger fällt durch die schmale Silhouette mit zwei hintereinander sitzenden Piloten und die Stummelflügel für Außenlasten aus dem Raster ziviler Muster.

Bell: Zweiblattrotor und offener Heckrotor

Bell aus Texas hat die Hubschrauberwelt über Jahrzehnte geprägt. In Mitteleuropa siehst du Bell-Typen heute seltener als Airbus-Muster, aber sie tauchen bei Charterfirmen, Arbeitsflügen, ausländischen Polizeien und Streitkräften auf.

  • Bell 206 JetRanger / LongRanger: Einmotoriger Leichthubschrauber mit Zweiblattrotor, Kufen und schlankem Heckausleger mit offenem Heckrotor. Der Bell 206 flog erstmals 1962, rund 7.300 Exemplare wurden bis 2017 gebaut. Die gestreckte LongRanger hat eine längere Kabine mit zusätzlichen Sitzplätzen. ICAO-Code in Flugplänen: B06.
  • Bell 407: Entwickelt aus der LongRanger, aber mit vier Blättern und größeren Kabinenfenstern. Wer eine 206-Silhouette mit Vierblattrotor sieht, hat meist eine 407 vor sich.
  • Bell UH-1 „Huey“: Der Klassiker mit Zweiblattrotor, langer Kabine mit großen Schiebetüren und dem lauten „Teppichklopfer“-Sound. Die Bundeswehr hat ihre UH-1D im Jahr 2021 außer Dienst gestellt – in Deutschland ist sie damit vor allem ein historisches Muster für Museen.
  • Bell 412: Weiterentwicklung der zweimotorigen Bell 212, äußerlich ähnlich wie die Huey, aber mit Vierblattrotor und einem Triebwerksbuckel auf dem Dach. In Europa fliegt sie unter anderem bei italienischen Behörden, oft als Lizenzbau AB412 von Agusta.

Ein Bell-Hubschrauber hat bei allen gängigen Modellen einen offenen Heckrotor. Zweiblatt plus offener Heckrotor plus Kufen grenzt die Auswahl schon stark ein. Verwechslungsgefahr besteht mit dem Robinson R44, der ebenfalls zwei Blätter hat – der Robinson ist aber deutlich kleiner, hat einen Kolbenmotor, eine tropfenförmige Kabine und einen auffällig dünnen, rohrförmigen Heckausleger.

Seltene Hubschrauber nicht verpassen

Mit Sichtungs-Alarmen in Planetrack beobachtest du Typen und Kennzeichen und bekommst eine Nachricht, wenn sie deinen Flughafen anfliegen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

NH90: der kantige Mehrzweckhubschrauber

Das NH90 entstand als Gemeinschaftsprojekt mehrerer NATO-Staaten. Gebaut wird es von NHIndustries, an dem Airbus Helicopters, Leonardo und Fokker beteiligt sind. Der erste Prototyp flog am 18. Dezember 1995. Das NH90 war der erste Serienhubschrauber mit vollständig elektronischer Flugsteuerung (Fly-by-Wire).

So erkennst du es:

  • rautenförmiger, kantiger Rumpfquerschnitt aus Verbundwerkstoff mit deutlich abgeschrägten Seitenwänden
  • Vierblatt-Hauptrotor und offener Heckrotor am Ende eines kräftigen Heckauslegers
  • Radfahrwerk mit seitlichen Fahrwerksverkleidungen
  • Triebwerke oben auf dem Kabinendach, dahinter ein deutlicher Getriebebuckel
  • bei der Transportversion TTH optional eine Laderampe im Heck

In Deutschland fliegt das Heer das NH90 TTH als Transporthubschrauber. Die Marine nutzt die Marineversion NFH als Sea Lion (Suche und Rettung, Transport) und führt mit dem Sea Tiger eine Version für die U-Jagd ein. Die Marineversion hat einen klappbaren Heckausleger und ein verstärktes Fahrwerk für Landungen auf Schiffen. Einige Länder haben ihre NH90 in den vergangenen Jahren vorzeitig ausgemustert oder den Ausstieg beschlossen, darunter Australien und Norwegen; in Deutschland bleibt der Typ aber ein zentrales Muster.

CH-47 Chinook: zwei Rotoren, kein Heckrotor

Der Boeing CH-47 Chinook ist der einzige Hubschrauber, den du schon an der Grundform zweifelsfrei erkennst. Der Prototyp schwebte am 21. September 1961 erstmals, seither hat Boeing weit über tausend Exemplare gebaut.

So erkennst du ihn:

  • Tandemrotor: zwei große Dreiblattrotoren, einer über dem Cockpit, einer auf einem hohen Pylon am Heck
  • kein Heckrotor – die beiden gegenläufigen Rotoren heben ihr Drehmoment gegenseitig auf
  • zwei Turbinen außen links und rechts am hinteren Rumpf, unter dem hinteren Rotor
  • langer, kastenförmiger Rumpf mit Heckrampe und vierteiligem Radfahrwerk

In Europa fliegen Chinooks unter anderem bei der britischen Royal Air Force und bei den niederländischen Luftstreitkräften. Deutschland hat 2023 die Beschaffung von 60 CH-47F beschlossen. Sie sollen den betagten CH-53G der Luftwaffe ablösen; die Auslieferung ist nach bisherigem Stand ab 2027 geplant, als Hauptstandort ist Holzdorf vorgesehen. Bis dahin ist ein Chinook in Deutschland vor allem auf Übungen, Airshows wie der ILA Berlin oder bei Besuchen ausländischer Streitkräfte zu sehen.

Der CH-53: der große Bruder mit sechs Blättern

Solange die Chinooks noch nicht da sind, ist der Sikorsky CH-53 der schwere Transporthubschrauber der Bundeswehr. Die erste CH-53G ging 1972 an das Heer, seit 2012 fliegt die Flotte bei der Luftwaffe. Du erkennst ihn am Sechsblatt-Hauptrotor, den Triebwerken seitlich am vorderen Rumpf, dem hohen Heckpylon mit Vierblatt-Heckrotor und der Laderampe unter dem Heckausleger. Mehr zu den großen Transportmustern steht im Guide Militärtransporter erkennen.

Alle wichtigen Typen im Vergleich

Typ Hauptrotor Heckrotor Fahrwerk Triebwerke Wo du ihn siehst
Airbus H135 4 Blätter Fenestron Kufen 2 Luftrettung, Polizei, Schulung
Airbus H145 4 oder 5 Blätter Fenestron Kufen 2 Luftrettung, Polizei, Bundeswehr (H145M)
Airbus H125 3 Blätter offen Kufen 1 Arbeitsflüge, Alpen, Rundflüge
Bell 206 2 Blätter offen Kufen 1 Charter, Schulung, Arbeitsflüge
Bell 412 4 Blätter offen Kufen 2 ausländische Behörden und Streitkräfte
Leonardo AW139 5 Blätter offen Räder, einziehbar 2 Offshore, Rettung, Behörden
NH90 4 Blätter offen Räder 2 Heer, Marine
Sikorsky CH-53G 6 Blätter offen Räder 2 Luftwaffe
Boeing CH-47 2 × 3 Blätter (Tandem) keiner Räder 2 Übungen, Airshows, künftig Luftwaffe

Der Leonardo AW139 ist in der Tabelle, weil er oft mit Airbus-Typen verwechselt wird: mittelgroß, zweimotorig, aber mit offenem Heckrotor, fünf Blättern und einziehbarem Radfahrwerk.

1. Rotoren zählen

Zwei Hauptrotoren hintereinander? Dann ist es ein Chinook. Ein Hauptrotor: weiter mit dem Heck.

2. Heckrotor prüfen

Ummantelt im Leitwerk heißt Airbus (H120, H130, H135, H145, H160, Dauphin). Offen heißt Bell, Leonardo, Sikorsky, Robinson, NH90 oder ältere Airbus-Muster.

3. Blätter zählen

Zwei Blätter: Bell 206, UH-1, Robinson. Drei: H125. Vier: H135, NH90, Bell 407/412. Fünf: H145 (mit Fenestron) oder AW139 (mit offenem Heckrotor).

4. Fahrwerk und Größe einordnen

Kufen sprechen für leichte und mittlere Typen, Räder für größere Muster. Bodenfreiheit und Kabinenlänge trennen H135 von H145.

5. Mit dem Kennzeichen bestätigen

Zivile Kennzeichen wie D-HXXX führst du über Register oder Datenbanken auf den Typ zurück, Bundeswehr-Hubschrauber tragen numerische Kennungen.

Wie du zivile Kennzeichen liest, erklärt der Guide Flugzeugkennzeichen verstehen – in Deutschland steht das „H“ direkt nach dem „D-“ für Hubschrauber, mehr dazu im Artikel Deutsche Luftfahrzeugkennzeichen und Gewichtsklassen. Die numerischen Kennungen der Streitkräfte entschlüsselt der Artikel Kennzeichen von Bundeswehr-Luftfahrzeugen.

Wo du Hubschrauber am besten siehst

Hubschrauber sind die Spotter-Motive abseits der Pisten. Gute Chancen hast du an Kliniken mit Luftrettungsstation, an Polizeihubschrauberstaffeln, an kleinen Verkehrslandeplätzen und an Flughäfen mit Hubschrauberbetrieb am Rand des Vorfelds. Wie du dabei vorgehst und welche Orte sich lohnen, beschreibt der Guide Hubschrauber spotten. Rettungs- und Polizeihubschrauber kannst du oft auch live verfolgen – was dabei sichtbar ist und was nicht, steht im Artikel Hubschrauber auf dem Flugradar finden.

Wer viele Typen auf einmal sehen will, fährt ins Hubschraubermuseum Bückeburg. Dort stehen historische Muster wie die Bo 105 oder die UH-1D, die du am Himmel kaum noch erlebst – ideal, um Blattzahl, Rotorköpfe und Heckrotoren aus der Nähe zu studieren.

Militärische Bereiche respektieren

An Kasernen und Militärflugplätzen gelten oft Fotografierverbote und Sperrzonen. Bleib auf öffentlichen Wegen und beachte die Beschilderung. Einen Überblick gibt der Artikel Militärflugplätze fotografieren: die Regeln. An Luftrettungsstationen gilt zusätzlich: Abstand halten und Einsätze nicht behindern.

Kannst du den Hubschrauber bestimmen?

Hak ab, was du bei deiner nächsten Sichtung geprüft hast.

  • Ich habe die Anzahl der Hauptrotoren geprüft.
  • Ich weiß, ob der Heckrotor ummantelt oder offen ist.
  • Ich habe die Rotorblätter gezählt oder auf dem Foto nachgezählt.
  • Ich habe Kufen oder Radfahrwerk erkannt.
  • Ich habe Größe und Proportionen eingeschätzt (kompakt, hochbeinig, Transporter).
  • Ich habe das Kennzeichen notiert, um den Typ zu bestätigen.

Wer Hubschrauber nicht nur bestimmen, sondern selbst fliegen will, findet den Weg dorthin im Guide Hubschrauberpilot werden. Wenn du gerade erst mit der Typbestimmung beginnst, hilft dir zusätzlich der Einstieg Flugzeugtypen erkennen für Anfänger. Viele Grundideen – Merkmale in fester Reihenfolge prüfen, nicht auf die Lackierung verlassen – gelten für Hubschrauber genauso.

Hubschrauber spotten, sammeln, teilen

Halte deine Sichtungen in Planetrack fest, finde Spots auf der Spot-Karte und zeig deine besten Hubschrauberfotos der Community – mit Likes, Kommentaren und Foto der Woche. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Fazit

Hubschrauber wirken auf den ersten Blick ähnlicher als Verkehrsflugzeuge, lassen sich aber mit einem festen Raster gut auseinanderhalten. Heckrotor und Blattzahl erledigen den Großteil der Arbeit: Fenestron plus vier Blätter heißt meist H135, Fenestron plus fünf Blätter H145, zwei Blätter mit offenem Heckrotor Bell oder Robinson. Beim Militär grenzen Rumpfform, Radfahrwerk und Rotoranordnung NH90, CH-53 und Chinook voneinander ab. Die Lackierung hilft beim Einordnen des Betreibers, beim Typ führt sie dich dagegen leicht in die Irre.

Kurzfazit

Prüf zuerst die Zahl der Hauptrotoren, dann den Heckrotor, dann die Blattzahl. Damit bestimmst du H135, H145, Bell-Typen, NH90 und CH-47 in den meisten Fällen schon am Himmel. Fahrwerk und Proportionen räumen letzte Zweifel aus, das Kennzeichen bestätigt das Ergebnis.

Zusammenfassung

  • Die Typbestimmung beim Hubschrauber läuft über wenige, gut sichtbare Merkmale: Heckrotor-Bauart, Blattzahl, Anzahl der Rotoren, Fahrwerk und Rumpfgröße.
  • Im zivilen Alltag in Deutschland dominieren die Airbus-Typen H135 und H145, vor allem bei Luftrettung und Polizei. Bell und Leonardo siehst du seltener, Robinson vor allem an kleinen Flugplätzen.
  • Beim Militär sind NH90, CH-53, Tiger und H145M die wichtigsten Muster; der CH-47F kommt als Nachfolger des CH-53G hinzu.
  • Die alten Eurocopter-Bezeichnungen (EC135, EC145, AS350) leben in Datenbanken und im Funk weiter – sie meinen dieselben Familien wie die heutigen H-Namen.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich einen Hubschraubertyp am schnellsten?

Geh in einer festen Reihenfolge vor: Heckrotor (ummantelt oder offen), Rotorblätter zählen, Anzahl der Hauptrotoren prüfen, dann Fahrwerk (Kufen oder Räder) und Größe einschätzen. Mit diesen fünf Merkmalen grenzt du die meisten Hubschrauber, die du in Mitteleuropa siehst, auf ein oder zwei Typen ein. Das Kennzeichen liefert dann die Bestätigung.

Was ist ein Fenestron?

Ein ummantelter Heckrotor, der in einem Tunnel im Seitenleitwerk läuft. Er wurde 1968 an einem Versuchsmuster der Gazelle erstmals geflogen und ist heute ein Markenzeichen von Airbus Helicopters, unter anderem bei H120, H130, H135, H145 und H160. Er ist leiser und schützt Personen am Boden vor dem drehenden Rotor.

Wie unterscheide ich H135 und H145?

Beide haben Fenestron, Kufen und zwei Triebwerke. Der H135 ist kompakter und wirkt gedrungen, sein Hauptrotor hat vier Blätter. Der H145 ist größer, steht höher auf den Kufen und hat eine längere, bauchigere Kabine. Seit 2020 liefert Airbus ihn mit fünf Rotorblättern aus – fünf Blätter plus Fenestron heißt daher sicher H145.

Ist EC135 dasselbe wie H135?

Ja, im Kern schon. Eurocopter wurde 2014 zu Airbus Helicopters, danach bekamen die Modelle neue Namen mit H-Präfix. Aus der EC135 wurde die H135, aus der EC145 T2 die H145, aus der AS350 die H125. In Datenbanken, auf Typenschildern und in Flugplänen tauchen die alten Namen weiter auf.

Woran erkenne ich einen Bell-Hubschrauber?

Klassische Bell-Muster wie der Bell 206 JetRanger und die UH-1 haben einen Zweiblattrotor mit dem typischen, schlagenden Geräusch und einen offenen Heckrotor. Neuere Typen wie Bell 407 und Bell 412 fliegen mit vier Blättern. Einen Fenestron hat keiner der gängigen Bell-Typen.

Fliegt die Bundeswehr noch die Bell UH-1D?

Nein. Die UH-1D hat 2021 ihren letzten Flug bei der Bundeswehr absolviert, das offizielle Nutzungsende war der 30. Juni 2021. Ihre Aufgaben übernehmen H145-Varianten. Einzelne UH-1D stehen heute in Museen, etwa im Hubschraubermuseum Bückeburg.

Wie erkenne ich einen CH-47 Chinook?

Am unverwechselbaren Tandemrotor: zwei große Dreiblattrotoren, einer über dem Cockpit, einer auf einem hohen Pylon am Heck. Einen Heckrotor gibt es nicht. Die beiden Triebwerke sitzen außen am hinteren Rumpf, unter dem Heck öffnet sich eine Laderampe.

Was ist der Unterschied zwischen NH90 und CH-53?

Der CH-53 ist deutlich größer, hat einen Sechsblatt-Hauptrotor (bei der deutschen CH-53G), einen hohen Heckrotor-Pylon und Triebwerke seitlich am vorderen Rumpf. Das NH90 ist kompakter, hat vier Rotorblätter, einen kantigen, rautenförmigen Rumpf und die Triebwerke oben auf dem Kabinendach.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

Mehr Artikel aus Flugzeugtypen erkennen →

Nachschlagen statt raten

In der Flugzeugtypen-Datenbank findest du zu jedem Flugzeugtyp eine eigene Seite mit Steckbrief, Erkennungsmerkmalen und Spotting-Hinweisen – nach Herstellern sortiert.

Alle Flugzeugtypen

Weiterlesen in Flugzeugtypen erkennen

Flughäfen & Hersteller dazu

Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

Alle Flughäfen & Hersteller →

← Zurück zum Blog