Flugzeugtypen am Klang erkennen: A320-Pfeifen, MD-80-Donner und Turboprop-Surren

Manche Flugzeuge hörst du, bevor du sie siehst: das Pfeifen der A320 im Anflug, das Bellen der Hydraulik am Gate, der raue Donner der MD-80 oder das Surren eines Turboprops. So ordnest du Geräusche einem Typ zu.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202613 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Das A320-Pfeifen kommt nicht vom Triebwerk: Kreisrunde Öffnungen unter den Tragflächen wirken im Anflug wie eine angeblasene Flasche. Neuere oder nachgerüstete Maschinen tragen kleine Wirbelerzeuger davor und sind deutlich leiser.
  • Das Bellen am Boden ist Hydraulik: Die Power Transfer Unit der A320-Familie springt vor allem an, wenn nur ein Triebwerk läuft, und klingt wie ein kurz bellender Hund.
  • Niedriges Nebenstromverhältnis heißt laut und rau: Die MD-80 mit ihren Hecktriebwerken vom Typ JT8D-200 klingt beim Start eher nach Donner als nach Rauschen.
  • Turboprops verraten sich durch ein rhythmisches Surren: Die Blattzahl und die Drehzahl der Propeller bestimmen die Tonhöhe, die Geräuschkulisse ist eine ganz andere als bei Jets.
  • Der Klang gibt den Hinweis, das Auge entscheidet: Gehör ist ein gutes Frühwarnsystem, aber keine sichere Typbestimmung. Bestätigt wird mit Blick, Fernglas oder Tracking-Daten.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Am Klang erkennen: die kurze Antwort
  2. 2.Das A320-Pfeifen: ein Flaschenton unter dem Flügel
  3. 3.Das Bellen am Gate: die Power Transfer Unit
  4. 4.Die Kreissäge beim Start: Buzzsaw-Lärm
  5. 5.Der Donner der MD-80: niedriges Nebenstromverhältnis
  6. 6.Turboprops: Surren statt Rauschen
  7. 7.Warum der Klang täuschen kann
  8. 8.So trainierst du dein Gehör
  9. 9.Worauf du achten solltest
  10. 10.Fazit

Du sitzt am Spot, die Kamera liegt noch in der Tasche, und aus Richtung Anflug kommt ein hohes, fast melodisches Heulen. Erfahrene Spotter sagen dann oft schon „A320“, bevor das Flugzeug überhaupt aus dem Dunst auftaucht. Wer Flugzeugtypen am Klang erkennen kann, hat am Zaun einen echten Vorsprung: Du weißt früher, was kommt, und hast die Kamera rechtzeitig oben. Dieser Guide erklärt dir, woher die typischen Geräusche kommen – vom Pfeifen der A320-Familie über das Bellen der Hydraulik am Gate bis zum Donner der MD-80 und dem Surren der Turboprops – und wo die Grenzen der Bestimmung nach Gehör liegen.

Gehört, gesehen, gepostet

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Am Klang erkennen: die kurze Antwort

Ein Flugzeuggeräusch setzt sich aus wenigen Quellen zusammen: dem Fan vorn im Triebwerk, dem Abgasstrahl hinten, bei Turboprops den Propellern und der Umströmung der Zelle – also Fahrwerk, Klappen, Vorflügel und Öffnungen in der Außenhaut. Je nach Flugphase dominiert eine andere Quelle. Beim Start mit hoher Leistung hörst du vor allem Triebwerk und Strahl. Im Anflug laufen die Triebwerke fast im Leerlauf, dann treten Zellengeräusche in den Vordergrund – und genau dort zeigt sich das berühmteste Typgeräusch überhaupt, das Pfeifen der A320-Familie.

Darum gilt: Ein Klang ist ein Hinweis, keine Bestimmung. Er grenzt die Auswahl ein, bestätigen musst du mit Augen, Fernglas oder Tracking. Wie du Typen optisch sicher zuordnest, zeigt der Guide Flugzeugtypen erkennen für Anfänger.

≈ 3 sbraucht der Schall für einen Kilometer – du hörst immer ein Stück Vergangenheit
1,7 : 1Nebenstromverhältnis des JT8D-200 der MD-80, ein Grund für ihren Donner
bis 4 dBweniger Lärm im Anflug durch Wirbelerzeuger an der A320-Familie

Das A320-Pfeifen: ein Flaschenton unter dem Flügel

Das hohe, an- und abschwellende Heulen, das viele Anwohner und Spotter mit der Airbus-A320-Familie verbinden, kommt nicht aus den Triebwerken. Seine Quelle sind kreisrunde Öffnungen an der Unterseite der Tragflächen, die zum Überdruckschutz der Treibstofftanks gehören. Strömt im Anflug Luft über diese Öffnungen, gerät die Luft im Hohlraum dahinter in Schwingung – derselbe Effekt wie beim Anblasen einer leeren Flasche. Weil die Triebwerke im Endanflug nur wenig Schub liefern, sticht dieser Ton dann deutlich hervor.

Betroffen sind die klassischen Modelle A319, A320 und A321 – also die Typen, die du an deutschen Flughäfen ohnehin am häufigsten siehst. Die Lösung ist überraschend klein: Ein Wirbelerzeuger vor jeder Öffnung verwirbelt die Strömung so, dass sich kein sauberer Ton mehr ausbilden kann. Airbus liefert Maschinen der Familie seit Februar 2014 mit diesen Bauteilen aus, ältere Flugzeuge lassen sich nachrüsten. Die Lärmminderung im Anflug wird mit bis zu 4 Dezibel angegeben. Auch Lufthansa hat A320 mit Wirbelerzeugern in Dienst gestellt.

Für dich als Spotter heißt das:

  • Pfeifen gehört spricht stark für eine ältere, nicht nachgerüstete Maschine der A320ceo-Familie.
  • Kein Pfeifen schließt eine A320 nicht aus. Eine A320neo oder A321neo ist jünger als die Modifikation, und viele ceo-Flotten sind nachgerüstet.
  • Wie du ceo und neo optisch trennst – über Triebwerksgröße, Sharklets und weitere Details –, erklärt der Artikel A320neo oder ceo?.

Hinsehen lohnt sich

Mit einem guten Teleobjektiv erkennst du die kleinen Wirbelerzeuger vor den Öffnungen an der Flügelunterseite sogar auf Fotos von landenden Maschinen. Schau dir deine Anflugbilder einmal gezielt an – du siehst dann, welche Flugzeuge noch pfeifen dürften und welche nicht.

Das Bellen am Gate: die Power Transfer Unit

Das zweite markante Airbus-Geräusch hörst du nicht in der Luft, sondern am Boden: ein kurzes, rhythmisches Bellen, das oft beim Anlassen oder nach der Landung auf dem Weg zur Parkposition auftaucht. Dahinter steckt die Power Transfer Unit (PTU) der A320-Familie. Sie verbindet zwei Hydrauliksysteme mechanisch, sodass eines dem anderen Druck liefern kann, ohne dass Hydraulikflüssigkeit zwischen ihnen ausgetauscht wird.

Die PTU springt an, wenn zwischen den Systemen ein deutlicher Druckunterschied entsteht. Das passiert typischerweise, wenn nur ein Triebwerk läuft – beim Anlassen des ersten Triebwerks, beim Abstellen oder wenn eine Crew nach der Landung mit einem Triebwerk zum Gate rollt. Das schnelle An- und Auslaufen der Einheit erzeugt das bellende Geräusch. In der Kabine ist es oft besser zu hören als draußen, an Besucherterrassen nah am Vorfeld kommt es aber auch bei dir an.

Bellt es also auf dem Vorfeld, steht mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Jet der A320-Familie in der Nähe. Ein sicheres Typmerkmal im Sinne von A319 gegen A321 ist es natürlich nicht – dafür brauchst du die Rumpflänge und Notausgänge, wie im Guide A318, A319, A320 und A321 unterscheiden beschrieben.

Die Kreissäge beim Start: Buzzsaw-Lärm

Steht ein Jet mit großem Fantriebwerk am Pistenkopf und schiebt die Leistung nach vorn, hörst du von vorn oder schräg seitlich oft ein schnarrendes, sägendes Geräusch. Spotter und Ingenieure nennen es Buzzsaw, also Kreissäge. Es entsteht, wenn die Spitzen der Fanschaufeln bei Startleistung schneller als der Schall drehen. An jeder Schaufelspitze bilden sich Stoßwellen, und weil die Schaufeln nie exakt identisch sind, ergibt sich ein Gemisch aus vielen Einzeltönen, das wie eine Säge klingt.

Du hörst ihn an vielen Turbofan-Jets, vom Schmalrumpf wie der Boeing 737-800 bis zum Großraumjet beim Startlauf. Er ist kein reines Typmerkmal, aber ein guter Hinweis auf die Generation: Ältere Jets mit kleinem Fan klingen beim Start eher nach Donner und Brüllen, moderne Großfan-Jets eher nach Säge plus Rauschen. Welche Triebwerke an welchem Muster hängen, findest du im Guide Triebwerke erkennen.

Neuere Triebwerke sind insgesamt leiser. Ein Mittel dazu sind die gezackten Hinterkanten der Gondel, die Chevrons: Sie mischen den Abgasstrahl sanfter mit der Umgebungsluft. Du findest sie zum Beispiel an der Boeing 787-9 und an der Boeing 737 MAX 8. Wenn dir ein großer Zweistrahler beim Start auffällig gedämpft vorkommt, ist das ein Indiz für die neue Generation.

Der Donner der MD-80: niedriges Nebenstromverhältnis

Wer eine MD-80 einmal starten gehört hat, vergisst das Geräusch nicht. Die beiden Hecktriebwerke vom Typ Pratt & Whitney JT8D-200 erzeugen ein tiefes, raues Brüllen, das schon aus großer Entfernung auffällt. Der Grund liegt im Nebenstromverhältnis: Bei der -200-Serie strömt nur rund 1,7-mal so viel Luft am Kerntriebwerk vorbei wie hindurch. Ein großer Teil des Schubs kommt aus einem schnellen, heißen Abgasstrahl – und Strahllärm steigt mit der Austrittsgeschwindigkeit sehr stark an.

Dabei ist die -200-Serie schon die leisere Weiterentwicklung. Das ursprüngliche JT8D mit einem Nebenstromverhältnis von etwa 1 zu 1 trieb die Boeing 727-200, die Boeing 737-200 und die DC-9 an, die noch deutlich lauter waren und vielerorts nur mit Schalldämpfer-Nachrüstungen weiterfliegen durften.

In Europa ist die MD-80-Familie Stand Oktober 2026 aus dem regulären Linienverkehr praktisch verschwunden. Wenn du ihren Klang live erleben willst, bleiben dir vor allem einzelne Betreiber in Amerika und gelegentliche Überführungs- oder Sonderflüge. Besonders lange gehalten hat sich der Typ in Lateinamerika, etwa bei venezolanischen Airlines wie Laser Airlines. Prüf vor jedem Plan, ob die Maschinen tatsächlich noch im Einsatz sind.

Ganz anders klingt ihre Nachfolgerin im Geiste, die Boeing 717-200: Sie hat ebenfalls Hecktriebwerke, aber modernere Mantelstromtriebwerke mit höherem Nebenstromverhältnis – die gleiche Silhouette, aber eine deutlich zivilere Geräuschkulisse.

Geräusch Typische Ursache Wann du es hörst Spricht für
Hohes, an- und abschwellendes Pfeifen Überdruckschutz-Öffnungen unter dem Flügel im Anflug, Triebwerke nahe Leerlauf ältere, nicht nachgerüstete A319/A320/A321
Kurzes, rhythmisches Bellen Power Transfer Unit der Hydraulik am Boden beim Anlassen, Abstellen, Rollen mit einem Triebwerk A320-Familie
Schnarrende Kreissäge Überschall an den Fanschaufelspitzen beim Startlauf, von vorn oder schräg seitlich Turbofans mit großem Fan
Tiefes, raues Brüllen schneller Abgasstrahl, niedriges Nebenstromverhältnis beim Start, oft lange nachhallend MD-80, 727, 737-200, DC-9
Gleichmäßiges Surren oder Brummen Propellerblätter in allen Flugphasen, gut im Anflug Turboprops wie ATR, Dash 8, C-130, A400M
Lautes Rauschen nach dem Aufsetzen Schubumkehr direkt nach der Landung Jets beim Bremsen, nicht typgebunden

Turboprops: Surren statt Rauschen

Turboprops klingen grundsätzlich anders als Jets. Statt eines breitbandigen Rauschens hörst du ein rhythmisches Surren oder Brummen, dessen Grundton von der Zahl der Propellerblätter und ihrer Drehzahl abhängt: Jedes Blatt, das vorbeistreicht, erzeugt einen Druckimpuls. Mehr Blätter bei gleicher Drehzahl heißt also einen höheren Grundton. Im Anflug, wenn die Propeller mit verstellter Blattsteigung arbeiten, ändert sich der Ton oft hörbar – ein Hinweis, auf den du achten kannst.

ATR 72 und ATR 42: Die aktuellen Versionen wie die ATR 72-600 und ATR 42-600 fliegen mit Sechsblatt-Propellern, die frühe ATR 72-200 noch mit vier Blättern. Eine Besonderheit hörst du am Boden: Im Hotel-Modus läuft das rechte Triebwerk, während eine Propellerbremse den Propeller festhält. Die Maschine versorgt sich so selbst mit Strom und Klimaluft. Rauscht es also aus einer ATR, deren Propeller stillsteht, ist das kein Geisterklang – und für dich ein Grund, auf dem Vorfeld genau auf Absperrungen zu achten.

Dash 8: Die Dash 8-400 ist schneller und kräftiger motorisiert als die ATR. Ihre PW150A-Triebwerke drehen große Sechsblatt-Propeller, die kleineren Serien 100 bis 300 haben vier Blätter. Wie du die beiden Familien optisch sicher trennst, zeigt der Guide ATR und Dash 8 unterscheiden.

Militärische Turboprops: Die klassische Lockheed C-130 Hercules mit vier Allison-T56-Triebwerken hat ein gleichmäßiges, durchdringendes Dröhnen, das viele Spotter sofort erkennen. Der Airbus A400M trägt acht Blätter pro Propeller, und die beiden Propeller jeder Flügelseite drehen gegeneinander. Sein Klang wirkt tiefer und kräftiger als der der Hercules. Wer beide Muster öfter hört, lernt sie schnell auseinanderzuhalten. Den A400M erlebst du besonders häufig am Fliegerhorst Wunstorf, dem Heimatstützpunkt der deutschen A400M-Flotte – mehr dazu im Artikel Planespotting in Wunstorf.

Was hast du gerade gehört?

Drei Fragen zum Geräusch – am Ende bekommst du einen ersten Tipp, nach welchem Typ du Ausschau halten solltest.

Tipp

Wahrscheinlich eine ältere A320-Familie

Das Pfeifen deutet auf eine A319, A320 oder A321 ohne Wirbelerzeuger hin. Bestätige über Rumpflänge, Triebwerke und Kennzeichen.

Tipp

Ein Turboprop

Zähl die Propellerblätter und schau aufs Leitwerk: T-Leitwerk heißt ATR oder Dash 8, vier Triebwerke sprechen für C-130 oder A400M.

Tipp

Ein Jet mit niedrigem Nebenstromverhältnis

Hecktriebwerke und lautes Brüllen passen zur MD-80-Familie oder zu einem anderen Klassiker. Prüf, ob es nicht doch eine leisere 717 oder ein Businessjet ist.

Tipp

Die PTU einer A320-Familie

Ein Triebwerk läuft, die Hydraulik gleicht Druck aus. Den genauen Typ liest du an Rumpflänge und Notausgängen ab.

Warum der Klang täuschen kann

So nützlich das Gehör ist – es hat Grenzen, die du kennen solltest.

  • Laufzeit des Schalls: Schall braucht rund drei Sekunden für einen Kilometer. Wenn du einem Geräusch mit dem Blick folgst, schaust du hinter das Flugzeug. Such den Himmel ein Stück weiter in Flugrichtung ab.
  • Doppler-Effekt: Ein anfliegendes Flugzeug klingt höher als eines, das sich entfernt. Gerade beim Pfeifen und beim Turboprop-Surren hörst du, wie der Ton beim Überflug abfällt. Das ist Physik, kein Typwechsel.
  • Wind und Wetter: Mit dem Wind trägt Schall weiter, gegen den Wind kommt deutlich weniger bei dir an. Auch Temperaturschichtung, Luftfeuchte und Wolken verändern, wie weit und wie lange du einen Startlauf hörst.
  • Schubstufe und Flugphase: Dasselbe Flugzeug klingt beim Start mit voller Leistung völlig anders als im Anflug mit Leerlaufschub, beim Rollen oder mit laufender Hilfsturbine am Gate.
  • Umgebung: Hallen, Terminals und Lärmschutzwälle werfen Schall zurück oder schirmen ihn ab. An großen Flughäfen überlagern sich zudem oft mehrere Flugzeuge.

Deshalb lohnt der Blick auf die Betriebsrichtung: Wenn du weißt, aus welcher Richtung gelandet wird, kannst du Anfluggeräusche viel besser zuordnen. Hilfreich ist dazu der Guide Flugverfolgung mit ADS-B für Spotter, mit dem du eine Hörvermutung in Sekunden gegen echte Daten prüfst.

Nicht nur hören, sondern wissen, was kommt

Planetrack meldet dir per Sichtungs-Alarm, wenn ein beobachteter Typ, eine Airline, ein Kennzeichen oder eine Special Livery im Anflug ist, und zeigt dir Wind und Pisten am Flughafen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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So trainierst du dein Gehör

Geräusche zu erkennen ist Übungssache. Mit einem einfachen Ablauf lernst du in wenigen Spottertagen mehr als durch jedes Video.

1. Erst hören, dann schauen

Wenn ein Geräusch auftaucht, leg dich innerlich fest: Jet oder Turboprop, Start oder Landung, alt oder neu. Erst danach suchst du das Flugzeug.

2. Mit dem Bild abgleichen

Prüf deine Vermutung an Triebwerken, Leitwerk und Rumpflänge. Lag dein Ohr richtig, merk dir das Geräusch bewusst.

3. Mit Daten bestätigen

Ein Blick auf die Live-Karte zeigt dir Typ und Kennzeichen. So erfährst du auch, ob eine pfeifende A320 ein älteres Baujahr ist.

4. Aufnehmen und vergleichen

Kurze Tonaufnahmen helfen dir, Geräusche später nebeneinanderzulegen. Wie du dabei vorgehst, beschreibt der Guide zum Thema Triebwerkssound aufnehmen.

Für den vierten Schritt findest du alles zu Mikrofon, Windschutz und Pegel im Artikel Triebwerkssound aufnehmen. Gute Orte zum Üben sind Spots mit Blick auf Start und Landung zugleich, etwa der Besucherhügel München oder die Aussichtsplattform Zeppelinheim am Flughafen Frankfurt, wo du viel Verkehr unterschiedlicher Typen in kurzer Zeit hörst.

Worauf du achten solltest

  • Gehörschutz einpacken. Direkt am Pistenkopf oder neben einem Turboprop beim Anlassen wird es sehr laut. Gerade wenn du lange am Zaun stehst, schützen Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz dein wichtigstes Werkzeug für dieses Thema.
  • Nicht vom Klang auf die Airline schließen. Dieselbe A320 pfeift bei einer Airline und bei der nächsten nicht, je nach Nachrüststand. Das Geräusch sagt etwas über die Technik, nicht über den Betreiber.
  • Sich auf markante Geräusche konzentrieren. Pfeifen, Bellen, Donnern und Propellersurren sind gut zu unterscheiden. Feinheiten zwischen zwei modernen Großfan-Jets sind dagegen auch für Erfahrene schwer.
  • Auf dem Vorfeld nie aufs Gehör verlassen. Ein stillstehender Propeller oder eine leise Hilfsturbine heißt nicht, dass kein Triebwerk läuft. Halte dich immer an Absperrungen und Anweisungen.

Bist du bereit für den Hörtest am Zaun?

Hak ab, was du schon sicher weißt – am Ende siehst du, ob du loslegen kannst.

  • Ich weiß, woher das A320-Pfeifen kommt und warum nicht jede A320 pfeift.
  • Ich erkenne das Bellen der PTU am Boden.
  • Ich kann Buzzsaw-Lärm beim Start vom rauen Donner älterer Jets unterscheiden.
  • Ich höre den Unterschied zwischen Turboprop und Jet.
  • Ich rechne mit der Schalllaufzeit und suche vor dem Geräusch.
  • Ich bestätige jede Hörvermutung mit Blick oder Tracking-Daten.

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Fazit

Flugzeuge am Klang zu erkennen ist kein Hexenwerk, sondern angewandte Technik. Das Pfeifen der älteren A320-Familie kommt von Öffnungen unter dem Flügel, das Bellen am Gate von der Hydraulik, die Kreissäge beim Start von Überschall an den Fanschaufeln und der Donner der MD-80 von ihrem schnellen Abgasstrahl. Turboprops verraten sich durch ihr Surren, und mit etwas Übung hörst du sogar Hercules und A400M auseinander. Das Gehör ist dein Frühwarnsystem – bestimmt wird am Ende mit den Augen.

Kurzfazit

Achte auf die vier markanten Geräusche: Pfeifen im Anflug (ältere A320-Familie), Bellen am Boden (PTU der A320-Familie), Donner beim Start (Jets mit niedrigem Nebenstromverhältnis wie die MD-80) und Surren (Turboprops). Nutze den Klang, um früh die Kamera hochzunehmen, und bestätige den Typ immer über Optik oder Tracking-Daten.

Zusammenfassung

  • Viele Flugzeuggeräusche haben eine klare Ursache: Fan, Abgasstrahl, Propeller oder die Umströmung von Fahrwerk, Klappen und Öffnungen an der Zelle.
  • Die A320-Familie pfeift im Anflug wegen der Überdruckschutz-Öffnungen unter den Flügeln. Seit 2014 liefert Airbus Maschinen mit Wirbelerzeugern aus, die diesen Ton weitgehend unterdrücken.
  • Ältere Jets mit niedrigem Nebenstromverhältnis wie die MD-80, die 727 oder die 737-200 sind deutlich lauter und rauer als moderne Großfan-Triebwerke.
  • Turboprops wie ATR 72, Dash 8 oder C-130 erkennst du am Propellersurren. Bei der ATR kann am Boden ein Triebwerk laufen, während der Propeller steht.

Häufige Fragen

Warum pfeift der Airbus A320 im Anflug?

Der Ton entsteht an kreisrunden Öffnungen des Tank-Überdruckschutzes an der Flügelunterseite. Die vorbeiströmende Luft regt die Hohlräume dahinter zum Schwingen an – ähnlich wie wenn du über den Hals einer Flasche bläst. Weil die Triebwerke im Anflug wenig Schub geben, ist das Pfeifen dann besonders gut zu hören. Mit kleinen Wirbelerzeugern vor den Öffnungen lässt es sich weitgehend abstellen.

Pfeift jede A320?

Nein. Seit Februar 2014 liefert Airbus Maschinen der A320-Familie mit Wirbelerzeugern aus, und die Bauteile lassen sich auch nachrüsten. Auch Lufthansa hat A320 mit Wirbelerzeugern in Dienst gestellt. Ob eine bestimmte Maschine noch pfeift, hängt also von Baujahr und Nachrüststand ab.

Was ist das Bellen, das man bei Airbus-Jets am Boden hört?

Das ist die Power Transfer Unit (PTU). Sie überträgt hydraulische Leistung zwischen zwei Hydrauliksystemen der A320-Familie, ohne Flüssigkeit auszutauschen. Läuft nur ein Triebwerk, etwa beim Anlassen, beim Abstellen oder beim Rollen mit einem Triebwerk, springt sie immer wieder an und ab. Das ruckartige An- und Auslaufen klingt wie ein kurz bellender Hund.

Warum ist die MD-80 so laut?

Ihre Triebwerke vom Typ Pratt & Whitney JT8D-200 haben ein Nebenstromverhältnis von nur rund 1,7 zu 1. Ein großer Teil des Schubs kommt aus einem schnellen, heißen Abgasstrahl, und Strahllärm steigt mit der Austrittsgeschwindigkeit stark an. Moderne Großfan-Triebwerke beschleunigen viel mehr Luft langsamer und sind deshalb leiser.

Was ist das Kreissägen-Geräusch beim Start?

Das ist der sogenannte Buzzsaw-Lärm. Er entsteht, wenn die Spitzen der Fanschaufeln bei Startleistung schneller als der Schall drehen. Die Stoßwellen an den Schaufelspitzen erzeugen ein schnarrendes, sägendes Geräusch, das vor allem vor und schräg neben dem startenden Flugzeug zu hören ist.

Läuft eine ATR, wenn der Propeller stillsteht?

Unter Umständen ja. Im sogenannten Hotel-Modus läuft das rechte Triebwerk der ATR 72, während eine Propellerbremse den Propeller festhält. So versorgt sich das Flugzeug am Boden selbst mit Strom und Klimaluft. Ein stehender Propeller heißt deshalb nicht, dass die Maschine aus ist.

Kann ich Flugzeugtypen sicher am Geräusch bestimmen?

Selten sicher, oft als Vorentscheidung. Wind, Entfernung, Schubstufe und Bebauung verändern den Klang stark. Sehr markante Geräusche wie das A320-Pfeifen oder das Turboprop-Surren grenzen die Auswahl ein, die eigentliche Bestimmung machst du mit Blick auf Rumpf, Triebwerke und Leitwerk oder mit Tracking-Daten.

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