Das Ende der Vierstrahler: warum A340, 747 und A380 von Zweistrahlern verdrängt wurden

Jahrzehntelang galten vier Triebwerke auf der Langstrecke als gesetzt. Heute baut weder Airbus noch Boeing noch einen vierstrahligen Großraumjet. Die Gründe reichen von ETOPS über Kerosinpreise bis zur Pandemie.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Keiner läuft mehr vom Band: Die A340-Produktion endete 2011, die letzte A380 ging im Dezember 2021 an Emirates, die letzte Boeing 747 am 31. Januar 2023 an Atlas Air.
  • ETOPS hat die Spielregeln geändert: Seit 1985 dürfen Zweistrahler Schritt für Schritt immer weiter von Ausweichflughäfen entfernt fliegen – heute bis zu mehrere Stunden. Damit fiel der wichtigste Sicherheitsvorteil der Vierstrahler weg.
  • Zwei große Triebwerke sind billiger als vier kleine: weniger Treibstoff, weniger Wartung, weniger Ersatzteile. Bei hohen Kerosinpreisen wurde dieser Unterschied für Airlines existenziell.
  • Der Markt hat sich gedreht: Statt riesiger Jets zwischen wenigen Drehkreuzen fliegen Airlines lieber mittelgroße Jets direkt zwischen mehr Städten.
  • Die Pandemie war der Beschleuniger: 2020 parkten viele Airlines ihre Vierstrahler und holten einen Teil davon nie mehr zurück.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Die kurze Antwort
  2. 2.Warum es überhaupt Vierstrahler gab
  3. 3.ETOPS: die Regel, die alles veränderte
  4. 4.Die Wirtschaftlichkeit: vier Triebwerke kosten doppelt
  5. 5.Drehkreuz gegen Direktflug
  6. 6.Airbus A340: zu spät, zu schwer
  7. 7.Boeing 747: der Jumbo wird zum Frachter
  8. 8.Airbus A380: der Superjumbo ohne Nachfolger
  9. 9.Wer die Vierstrahler ersetzt hat
  10. 10.Vierstrahler spotten, solange es geht
  11. 11.Fazit

Vier Triebwerke unter den Flügeln waren über Jahrzehnte das Erkennungszeichen der Langstrecke. Wer als Kind am Zaun stand und einen Jumbo starten sah, wusste: Der fliegt weit weg. Heute ist von dieser Welt nicht mehr viel übrig. Das Ende der Vierstrahler hat sich über rund dreißig Jahre angekündigt, und seit Januar 2023 liefern weder Airbus noch Boeing einen vierstrahligen Großraumjet aus. Dieser Artikel erklärt, warum ausgerechnet die prestigeträchtigsten Flugzeuge ihrer Zeit von Zweistrahlern verdrängt wurden, welche Rolle Regeln, Ölpreise und Netzstrategien gespielt haben – und wo du A340, 747 und A380 als Spotter noch erwischst.

Kein Vierstrahler-Abschied mehr verpassen

Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn eine 747, ein A380 oder ein bestimmtes Kennzeichen bei deinem Flughafen im Anflug ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Die kurze Antwort

Vierstrahler wurden verdrängt, weil zwei große, zuverlässige Triebwerke dieselbe Arbeit billiger erledigen als vier kleinere. Lange durften Zweistrahler aber gar nicht über Ozeane fliegen, weil sie sich nur begrenzt weit von einem Ausweichflughafen entfernen durften. Mit den ETOPS-Regeln ab 1985 fiel diese Grenze schrittweise. Als dann Typen wie die Boeing 777 kamen, die nicht nur weit, sondern auch viele Passagiere fliegen konnten, verloren A340 und 747 ihr Alleinstellungsmerkmal. Steigende Kerosinpreise, der Trend zu Direktverbindungen und schließlich die Pandemie erledigten den Rest.

1.574gebaute Boeing 747, die letzte 2023 ausgeliefert
377ausgelieferte Airbus A340, Produktionsende 2011
251ausgelieferte Airbus A380, die letzte im Dezember 2021

Warum es überhaupt Vierstrahler gab

In den Anfangsjahren der Strahlverkehrsluftfahrt war ein Triebwerksausfall kein seltenes Ereignis. Die US-Behörden führten deshalb 1953 eine Regel ein, nach der zweimotorige Verkehrsflugzeuge auf ihrer Route nie weiter als 60 Flugminuten mit einem Triebwerk von einem geeigneten Flughafen entfernt sein durften. Über den Nordatlantik oder den Pazifik war das praktisch unmöglich. Wer Ozeane überqueren wollte, brauchte drei oder vier Triebwerke.

So entstand die klassische Langstreckenflotte: erst Propellerflugzeuge mit vier Motoren, dann Jets wie die Boeing 707 und die Douglas DC-8. Ab 1964 waren Dreistrahler von der 60-Minuten-Regel ausgenommen, was Typen wie der DC-10 und der L-1011 TriStar die Tür öffnete. Die Krönung der Vierstrahler-Ära war die Boeing 747: Erstflug am 9. Februar 1969, Liniendebüt bei Pan Am am 22. Januar 1970. Sie machte Fernreisen für viele Menschen bezahlbar, weil sich die Kosten auf Hunderte Sitze verteilten. Wie es dazu kam, erzählt ausführlich die Geschichte der Boeing 747.

Vier Triebwerke waren damals also kein Luxus, sondern Voraussetzung. Genau diese Voraussetzung begann sich ab den späten 1970er-Jahren zu verschieben.

ETOPS: die Regel, die alles veränderte

Moderne Strahltriebwerke wurden über die Jahrzehnte so zuverlässig, dass die starre 60-Minuten-Grenze kaum noch zu begründen war. Der erste Großraum-Zweistrahler, der Airbus A300, erhielt 1977 als erstes Flugzeug eine Freigabe nach Regeln, die später unter dem Namen ETOPS bekannt wurden. Den Durchbruch brachte 1985: Die US-Luftfahrtbehörde FAA erlaubte 120 Minuten. Am 1. Februar 1985 flog TWA mit einer Boeing 767-200 von Boston nach Paris – der erste reguläre ETOPS-120-Flug über den Atlantik.

Danach ging es Schlag auf Schlag:

Jahr Schritt Bedeutung
1953 60-Minuten-Regel in den USA Zweistrahler praktisch von Ozeanrouten ausgeschlossen
1985 ETOPS-120 Nordatlantik mit der 767 wirtschaftlich möglich
1988 ETOPS-180 fast alle Ozeanrouten werden für Zweistrahler erreichbar
1995 Boeing 777 startet mit ETOPS-180 ab Indienststellung kein jahrelanges „Bewähren“ mehr nötig
2014 Boeing 787 erhält ETOPS-330 auch entlegene Pazifik- und Südrouten offen
2014 Airbus A350 vor Indienststellung bis 370 Minuten zugelassen Zweistrahler fliegen fast überall hin

Die 777 war dabei der entscheidende Moment: Sie war das erste Verkehrsflugzeug, das schon bei Indienststellung für 180 Minuten zugelassen war. Airlines mussten nicht mehr jahrelang Erfahrung mit einem neuen Typ sammeln, bevor sie ihn über den Atlantik schicken durften. Ab da gab es auf kaum einer Route noch einen regulatorischen Grund, vier Triebwerke zu bezahlen. Die Details zu Minutenstufen, Ausweichflughäfen und Treibstoffreserven findest du im Artikel ETOPS erklärt.

Ironie der Geschichte

2015 wurde ausgerechnet die Boeing 747-8 als erstes vierstrahliges Flugzeug für ETOPS-330 zugelassen. Seit 2017 fasst die ICAO solche Langstrecken-Vorgaben unter dem Begriff EDTO zusammen und bezieht auch Drei- und Vierstrahler mit ein. Den Sonderstatus „von Ausweichflughäfen unabhängig“ haben Vierstrahler damit auch formal verloren.

Die Wirtschaftlichkeit: vier Triebwerke kosten doppelt

Sobald die Regeln es erlaubten, entschied die Kostenrechnung. Jedes Triebwerk braucht Inspektionen, Überholungen und Ersatzteile, und Triebwerkswartung gehört zu den größten Posten im Betrieb eines Langstreckenjets. Vier Triebwerke bedeuten grob doppelt so viele Wartungsereignisse wie zwei. Dazu kommt der Treibstoff: Zwei große, moderne Triebwerke mit hohem Nebenstromverhältnis arbeiten effizienter als vier kleinere, und ein Zweistrahler trägt weniger Strukturgewicht für Aufhängungen, Leitungen und Systeme mit sich herum.

Solange Kerosin billig war, ließ sich das verschmerzen. Mit den hohen Ölpreisen der 2000er-Jahre, besonders um 2008, wurde der Verbrauchsunterschied für viele Airlines zur Überlebensfrage. Ein Flugzeug, das pro Sitz spürbar mehr verbrennt, ist in einer Branche mit dünnen Margen schwer zu rechtfertigen – erst recht, wenn die Konkurrenz auf derselben Strecke einen sparsamen Zweistrahler einsetzt. Wie Airlines solche Abwägungen treffen, beschreibt der Artikel Wie Airlines ihre Flotte planen.

Was für Vierstrahler sprach

  • lange Zeit die einzige zugelassene Option über Ozeane
  • sehr hohe Kapazität pro Flug, etwa bei 747 und A380
  • gute Startleistung an heißen, hoch gelegenen Flughäfen
  • Hauptdeck-Frachttür und Bugklappe bei der 747

Was gegen sie spricht

  • höherer Treibstoffverbrauch pro Sitz als moderne Zweistrahler
  • doppelte Zahl an Triebwerken, die gewartet werden müssen
  • große Jets sind schwer gut auszulasten
  • teurere Infrastruktur und weniger flexible Einsatzmöglichkeiten

Drehkreuz gegen Direktflug

Der dritte Faktor ist das Netz. Die 747 und vor allem der A380 passen zu einem Modell, in dem große Airlines Passagiere an wenigen Drehkreuzen bündeln und dann in sehr großen Flugzeugen weitertransportieren. Airbus hat den A380 genau für diesen Markt entwickelt. Boeing setzte mit der 787 dagegen auf mittelgroße, sparsame Jets, die zwei Städte direkt verbinden können, ohne den Umweg über ein Großdrehkreuz.

Die Entwicklung gab eher Boeing recht. Viele Passagiere ziehen einen Direktflug vor, und viele Strecken tragen keine 500 Sitze, aber sehr wohl 250 bis 350. Ein mittelgroßer Zweistrahler kann außerdem mehrmals täglich fliegen, was für Geschäftsreisende attraktiver ist als ein einziger Riesenjet. Nur auf sehr starken Routen zwischen großen Drehkreuzen oder an Flughäfen mit knappen Slots, etwa London Heathrow, behielt das sehr große Flugzeug seinen Sinn. Warum gerade die Golf-Airlines am längsten am A380 festhalten, erklärt der Artikel über das Geschäftsmodell von Emirates, Qatar und Etihad.

Deine Vierstrahler im Hangar sammeln

Halte jede Sichtung mit Foto, Typ, Kennzeichen und Airline in deinem Hangar fest – und setz die letzten 747 und A340 auf deine Wunschliste. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Airbus A340: zu spät, zu schwer

Der A340 ist das deutlichste Beispiel dafür, wie ETOPS einen Flugzeugtyp ausbremsen kann. Er flog am 25. Oktober 1991 zum ersten Mal und ging am 15. März 1993 bei Lufthansa und Air France in Dienst. Airbus entwickelte ihn parallel zum zweistrahligen A330 mit nahezu gleichem Rumpf und Flügel. Die vierstrahlige Version war für die Langstrecke gedacht, auf der Zweistrahler damals noch eingeschränkt waren. Wie du die Geschwister auseinanderhältst, steht im Guide A330 oder A340?.

Das Problem: Nur zwei Jahre nach dem A340 kam die Boeing 777 – mit ETOPS-180 vom ersten Tag an. Die frühen Versionen A340-200 und A340-300 nutzten das CFM56, ein Triebwerk aus der Mittelstrecke, das bei diesem Flugzeug an seine Wachstumsgrenzen kam. Die größeren A340-500 und A340-600 mit Rolls-Royce-Triebwerken traten ab 2002 gegen die 777-300ER an, waren aber schwerer und verbrauchten mehr. Die Auftragsbücher zeigen das deutlich: Im Jahr 2005 bestellten Airlines 155 Boeing 777, aber nur 15 A340. Von der Boeing 777-300ER gingen über die Jahre 838 Bestellungen ein, von der A340-600 gerade 97.

Am 10. November 2011 gab Airbus das Produktionsende bekannt. Insgesamt wurden 377 A340 ausgeliefert. Besonders kurz war das Leben der Ultralangstrecken-Version A340-500: Singapore Airlines nahm sie 2013 von ihrer Nonstop-Route nach New York, und nach Daten vom Mai 2025 fliegt keine A340-500 mehr im regulären Airline-Dienst – nur noch einzelne Maschinen in Regierungs- oder Privatdiensten. Mehr zu solchen Rekordstrecken findest du unter Ultralangstreckenflüge.

Lufthansa ist bis heute der größte Betreiber des A340. Die A340-600 will sie nach bisherigen Planungen im Herbst 2026 aus dem Liniendienst nehmen und durch den A350-1000 ersetzen, die A340-300 Berichten zufolge noch bis etwa 2028 einsetzen. Weitere Betreiber sind unter anderem Edelweiss Air, Mahan Air und Conviasa.

Boeing 747: der Jumbo wird zum Frachter

Die 747 hatte das längste und erfolgreichste Leben aller Vierstrahler. Mit der 747-400 ab Ende der 1980er-Jahre bekam sie ein Zwei-Mann-Cockpit, größere Reichweite und Winglets – und wurde zur meistgebauten Version. Doch als die 777-300ER Mitte der 2000er-Jahre auf den Markt kam, bot sie für viele Airlines eine Kapazität in ähnlicher Größenordnung bei klar geringeren Kosten. Eine Airline nach der anderen ersetzte ihre Jumbos.

In den USA endete der Passagierbetrieb der großen Airlines Ende 2017 mit dem letzten 747-Flug von Delta. Die letzte Generation, die Boeing 747-8, verkaufte sich als Passagierflugzeug nur schwach; Lufthansa wurde mit 19 Maschinen ihr größter Passagierbetreiber. Als Frachter blieb der Jumbo dagegen gefragt: Die Bugklappe, durch die sich lange Ladung gerade hineinschieben lässt, und das große Hauptdeck sind im Frachtgeschäft schwer zu ersetzen. Boeing nannte 2016 eine zu geringe Nachfrage als Grund, die Produktion herunterzufahren, und bestätigte im Juli 2020 das endgültige Aus.

Die Pandemie beschleunigte den Abschied im Passagierdienst drastisch. British Airways, lange der größte Betreiber der 747-400, kündigte im Juli 2020 die sofortige Ausmusterung ihrer gesamten 747-Flotte an; die letzten Maschinen verließen Heathrow im Oktober 2020. Auch Qantas verabschiedete ihre Jumbos 2020. Am 31. Januar 2023 übergab Boeing die letzte von 1.574 gebauten 747, eine 747-8F mit dem Kennzeichen N863GT, an Atlas Air. Die Unterschiede zwischen den Generationen erklärt der Guide Boeing 747-100 bis 747-8 erkennen.

Airbus A380: der Superjumbo ohne Nachfolger

Der A380 war die größte Wette auf das Vierstrahler-Modell – und die kürzeste. Erstflug war am 27. April 2005, den ersten Liniendienst flog Singapore Airlines am 25. Oktober 2007. Zwei durchgehende Passagierdecks machten den A380-800 zum größten Passagierflugzeug der Welt. Airbus rechnete mit einem großen Markt für sehr große Flugzeuge zwischen den Drehkreuzen der Welt.

Der Markt blieb klein. Viele Airlines konnten 500 und mehr Sitze nicht regelmäßig füllen, Flughäfen mussten Gates, Fluggastbrücken und Rollwege anpassen, und die geplante Frachtversion wurde nie gebaut. Lufthansa beschloss 2019, sechs ihrer 14 A380 abzugeben, weil sie sich nicht rechneten. Im Februar 2019 kam das Aus: Nachdem Emirates eine offene Bestellung über 39 Maschinen zugunsten von A330-900 und A350-900 gestrichen hatte, kündigte Airbus das Produktionsende an. Die letzte A380 ging am 16. Dezember 2021 an Emirates. Insgesamt wurden 251 Flugzeuge an 14 Kunden ausgeliefert, davon 123 an Emirates.

Bemerkenswert: Gerade der A380 hat die Pandemie besser überstanden als lange befürchtet. Mehrere Airlines holten ihre geparkten Superjumbos zurück, weil die Nachfrage schneller anzog als neue Zweistrahler geliefert werden konnten. Lufthansa setzt den Typ seit Juni 2023 wieder ab München ein. Mitte der 2020er-Jahre waren gut zwei Drittel der ausgelieferten A380 wieder oder noch aktiv, mit Emirates als bei Weitem größtem Nutzer. Andere Kunden wie Air France haben den Typ dagegen endgültig ausgemustert. Wie du A380 und 747 aus der Ferne unterscheidest, zeigt der Artikel A380 und Boeing 747 unterscheiden.

Wer die Vierstrahler ersetzt hat

Die Nachfolger stammen fast alle von den beiden großen Herstellern Airbus und Boeing. Auf vielen Strecken der 747-400 fliegt heute die 777-300ER, der A340 wurde häufig durch den A330 oder den Airbus A350-900 abgelöst, und für die größeren Vierstrahler kommen A350-1000 und die Boeing 777-9 ins Spiel. Für mittelgroße Direktverbindungen ist die Boeing 787-9 typisch.

Vierstrahler Produktion Typische Nachfolger Wo er noch fliegt (Tendenz)
Airbus A340 1993–2011 A330, A350-900, 777-300ER wenige Airlines, Lufthansa als größter Betreiber
Boeing 747 (Passagier) 1970–2023 (alle Versionen) 777-300ER, 777-9, A350-1000 vor allem Lufthansa, einzelne weitere Airlines
Boeing 747 (Fracht) bis 2023 777F, 777-8F weltweit noch weit verbreitet
Airbus A380 2007–2021 A350-1000, 777-9 Emirates und eine Handvoll weiterer Airlines

Die Tabelle zeigt Tendenzen. Flottenentscheidungen ändern sich schnell, deshalb lohnt vor jedem Spottingtag ein Blick in den aktuellen Flugplan.

Abschiede kommen oft kurzfristig

Viele Ausmusterungen wurden in den letzten Jahren mehrfach verschoben, vorgezogen oder über Nacht entschieden – die Pandemie 2020 ist das extremste Beispiel. Wenn du einen bestimmten Vierstrahler unbedingt noch fotografieren willst, warte nicht auf die offizielle Abschiedstour.

Vierstrahler spotten, solange es geht

Für Spotter in Deutschland ist die Lage Stand Oktober 2026 noch vergleichsweise gut. Am Flughafen Frankfurt fliegt Lufthansa 747-8 und 747-400; die Aussichtsplattform Zeppelinheim ist dafür ein bewährter Platz. Den A380 von Lufthansa erwischst du am Flughafen München, etwa vom Besucherhügel aus. Dazu kommen Emirates-A380 an mehreren deutschen Flughäfen und 747-Frachter an den großen Cargo-Standorten.

Ein paar Tipps für die letzten Jahre der Vierstrahler:

  • Kennzeichen statt Typ beobachten: Gerade bei Abschiedsflügen und Sonderlackierungen zählt die einzelne Maschine. Wie du solche Termine findest, steht im Artikel Abschieds- und Erstflüge spotten.
  • Triebwerke genau anschauen: Ob CFM56, Trent oder GEnx – die Triebwerke verraten oft die Version. Hilfe gibt der Guide Triebwerke erkennen.
  • Nicht nur auf Passagierjets schauen: Die 747 lebt als Frachter am längsten weiter. Frachtflüge landen oft nachts oder zu Randzeiten, deshalb lohnt der Blick in Tracking-Daten.
  • Den Sound mitnehmen: Vier Triebwerke klingen beim Start anders als zwei. Wenn dich das reizt, nimm neben Fotos auch Ton auf.

Bist du bereit für deinen nächsten Vierstrahler?

Hak ab, was du schon erledigt hast – am Ende siehst du, ob du gut vorbereitet bist.

  • Ich weiß, welche Airline den Typ an meinem Flughafen noch einsetzt.
  • Ich habe den aktuellen Flugplan oder eine Tracking-App geprüft.
  • Ich kenne die voraussichtliche Betriebsrichtung für den Tag.
  • Ich habe einen Spot mit passendem Licht zur Ankunftszeit.
  • Ich habe mir das Kennzeichen notiert, das ich sehen will.

Spots, Licht und Sichtungen in einer App

Finde auf der Spot-Karte die besten Plätze für Langstreckenjets, plane mit dem Sonnenstand-Planer und teil deine Vierstrahler-Fotos mit der Community. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Fazit

Das Ende der Vierstrahler ist keine Geschichte von schlechten Flugzeugen. Die 747 hat die Fernreise demokratisiert, der A380 ist bis heute bei vielen Passagieren beliebt, und der A340 fliegt seit über dreißig Jahren zuverlässig. Verloren haben sie gegen eine Kombination aus Technik und Wirtschaft: zuverlässigere Triebwerke, ETOPS-Regeln, die Zweistrahlern die Ozeane öffneten, hohe Kerosinpreise und ein Markt, der lieber direkt als über Drehkreuze fliegt. Die Pandemie hat diesen Wandel nur beschleunigt. Für Spotter heißt das: Die letzten Jahre der vierstrahligen Passagierjets laufen – und jede Sichtung wird ein Stück seltener.

Kurzfazit

Vierstrahler wurden nicht abgeschafft, sondern überholt: Sobald ETOPS Zweistrahlern lange Ozeanflüge erlaubte, waren zwei sparsame Triebwerke wirtschaftlicher als vier. A340, 747 und A380 werden nicht mehr gebaut, fliegen Stand Oktober 2026 aber noch – fotografier sie, solange du kannst.

Zusammenfassung

  • Vierstrahler dominierten die Langstrecke, weil Zweistrahler lange nur in begrenztem Abstand zu einem Ausweichflughafen fliegen durften.
  • Mit ETOPS-120 (1985), ETOPS-180 (1988) und später noch längeren Zulassungen konnten 767, A330, 777, 787 und A350 fast jede Route übernehmen.
  • A340 und A380 verkauften sich schwächer als erhofft, die 747 lebte am Ende vor allem als Frachter weiter.
  • Stand Oktober 2026 fliegen alle drei Typen noch – aber bei immer weniger Airlines. Für Spotter lohnt es sich, Abschiede nicht aufzuschieben.

Häufige Fragen

Warum werden keine vierstrahligen Passagierflugzeuge mehr gebaut?

Weil moderne Zweistrahler dieselben Strecken mit deutlich weniger Treibstoff und geringeren Wartungskosten fliegen. Möglich wurde das durch die ETOPS-Regeln, die Zweistrahlern Flüge weit abseits von Ausweichflughäfen erlauben. Dazu kommt, dass Airlines heute lieber mittelgroße Jets auf Direktverbindungen einsetzen als sehr große Jets zwischen wenigen Drehkreuzen.

Wann wurde die letzte Boeing 747 ausgeliefert?

Am 31. Januar 2023 übergab Boeing die letzte von insgesamt 1.574 gebauten 747 an Atlas Air. Es war ein Frachter vom Typ 747-8F mit dem Kennzeichen N863GT.

Wann endete die Produktion des Airbus A380?

Airbus gab das Produktionsende im Februar 2019 bekannt, nachdem Emirates eine offene Bestellung verkleinert hatte. Die letzte Maschine ging am 16. Dezember 2021 an Emirates. Ausgeliefert wurden insgesamt 251 Flugzeuge an 14 Kunden.

Warum hat sich der A340 schlecht verkauft?

Der A340 war schwerer und durstiger als die zweistrahlige Boeing 777, die ab Mitte der 1990er dank ETOPS dieselben Routen fliegen durfte. Als die Kerosinpreise stiegen, wurde der Nachteil immer größer. Airbus stellte die Produktion 2011 nach 377 Auslieferungen ein.

Was bedeutet ETOPS?

ETOPS steht für Extended-range Twin-engine Operations. Die Regeln legen fest, wie viele Flugminuten ein zweistrahliges Verkehrsflugzeug mit einem ausgefallenen Triebwerk bis zum nächsten geeigneten Flughafen brauchen darf. Die Grenze stieg von 60 Minuten auf 120, 180 und bei heutigen Typen auf über 300 Minuten. Mehr dazu im Artikel ETOPS erklärt.

Wo kann ich in Deutschland noch Vierstrahler sehen?

Am verlässlichsten an den Lufthansa-Drehkreuzen: In Frankfurt fliegt Lufthansa die 747-8 und die 747-400, in München setzt sie seit Juni 2023 wieder den A380 ein. Dazu kommen A380-Umläufe von Emirates an mehreren deutschen Flughäfen und 747-Frachter. Welche Maschinen aktuell kommen, zeigt dir der Flugplan oder eine Tracking-App.

Sind Vierstrahler sicherer als Zweistrahler?

Nach heutigem Stand nicht in einem Maß, das die Zulassungsbehörden zu Sonderregeln veranlasst. Moderne Triebwerke fallen so selten aus, dass Zweistrahler unter ETOPS-Bedingungen über Ozeane und Polarregionen fliegen dürfen. Vierstrahler unterliegen seit einigen Jahren ebenfalls internationalen Langstrecken-Vorgaben für entlegene Gebiete.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

Mehr Artikel aus Luftfahrtgeschichte →

Weiterlesen in Luftfahrtgeschichte

Flughäfen & Hersteller dazu

Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

Alle Flughäfen & Hersteller →

Passende Spotting-Spots

Konkrete Standpunkte mit Betriebsrichtung, Lichtzeiten, Koordinaten und einer ehrlichen Einschätzung, ob sich die Anreise lohnt.

Alle Spotting-Spots im Überblick →

← Zurück zum Blog