Die Berliner Luftbrücke 1948/49: Rosinenbomber, Logistik und Flughäfen

Elf Monate Blockade, drei Luftkorridore, drei Flugplätze in den Westsektoren und am Ende mehr als zwei Millionen Tonnen Fracht: wie die Berliner Luftbrücke funktionierte und welche Spuren sie hinterlassen hat.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202613 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Elf Monate Blockade: Von Juni 1948 bis Mai 1949 sperrte die Sowjetunion alle Land- und Wasserwege nach West-Berlin. Versorgt wurden die Westsektoren nur noch aus der Luft.
  • Kohle statt Rosinen: Rund zwei Drittel der eingeflogenen Fracht war Kohle. Lebensmittel machten den kleineren Teil aus, auch wenn der Spitzname „Rosinenbomber“ etwas anderes nahelegt.
  • Ein System, kein Heldenstück: Feste Einbahn-Korridore, gestaffelte Flughöhen, Landungen im Minutentakt und Radar-Anflüge machten aus einem Notbehelf einen planbaren Verkehrsfluss.
  • Drei Flugplätze in Berlin: Tempelhof im amerikanischen, Gatow im britischen und das in rund drei Monaten neu gebaute Tegel im französischen Sektor.
  • Spuren bis heute: Luftbrückendenkmal in Tempelhof, Museum in Gatow, ein C-47 auf dem Dach des Technikmuseums – die Luftbrücke lässt sich in Berlin noch gut erkunden.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Die Luftbrücke in Kürze
  2. 2.Warum es zur Blockade kam
  3. 3.Die Logistik: ein Fließband in der Luft
  4. 4.Die Flugzeuge der Luftbrücke
  5. 5.Die Flughäfen: drei in Berlin, viele im Westen
  6. 6.Halvorsen und die Rosinenbomber
  7. 7.Der Preis der Luftbrücke
  8. 8.Das Ende und was blieb
  9. 9.Spuren der Luftbrücke heute
  10. 10.Worauf du achten solltest
  11. 11.Fazit

Über West-Berlin brummt es fast ohne Pause. Alle paar Minuten taucht ein silberner Viermot über den Dächern von Neukölln auf, setzt in Tempelhof auf, wird entladen und ist eine halbe Stunde später wieder in der Luft. Was im Sommer 1948 als Notlösung begann, wurde zur größten Versorgungsoperation aus der Luft, die es bis dahin gegeben hatte. Die Berliner Luftbrücke ist ein Stück Weltpolitik – aber vor allem ist sie ein Lehrstück in Luftverkehrslogistik. Dieser Artikel erklärt, wie das System funktionierte, welche Flugzeuge und Flughäfen beteiligt waren und wo du ihre Spuren in Berlin und anderswo heute noch findest.

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Die Luftbrücke in Kürze

Vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 blockierte die Sowjetunion sämtliche Straßen, Bahnstrecken und Wasserwege zwischen den westlichen Besatzungszonen und den Westsektoren Berlins. Rund zwei Millionen Menschen waren damit vom Nachschub abgeschnitten. Die USA und Großbritannien antworteten mit einer Luftbrücke: Über die drei Luftkorridore, die die Siegermächte 1945 vereinbart hatten, flogen sie Kohle, Lebensmittel und alles andere ein, was eine Großstadt braucht. Die ersten Maschinen landeten am 26. Juni 1948, die letzte offizielle Landung folgte am 30. September 1949 – also mehr als vier Monate nach dem Ende der Blockade, weil die Alliierten Vorräte für den Fall einer erneuten Sperre anlegten.

> 2 Mio. teingeflogene Güter, je nach Quelle bis gut 2,3 Millionen Tonnen
≈ 278.000Versorgungsflüge nach West-Berlin
≈ 2/3Anteil der Kohle an der gesamten Fracht

Warum es zur Blockade kam

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland in vier Besatzungszonen geteilt, Berlin als Insel mitten in der sowjetischen Zone in vier Sektoren. Zwischen den Westmächten und der Sowjetunion wuchsen die Spannungen, und der Streit spitzte sich an der Währung zu. Als die Westalliierten im Juni 1948 in ihren Zonen die D-Mark einführten und sie kurz darauf auch in den Westsektoren Berlins gelten sollte, sperrte die sowjetische Seite die Zugangswege.

Schon im April 1948 hatte es einen Vorgeschmack gegeben: Nach Behinderungen im Landverkehr versorgten die Amerikaner ihre Garnison für kurze Zeit aus der Luft, die sogenannte „kleine Luftbrücke“. Das war eine Garnisonsversorgung. Eine ganze Stadt aus der Luft zu versorgen, hielten im Juni 1948 viele für unmöglich. Der entscheidende Punkt: Die Landwege waren nirgends vertraglich garantiert, die Luftkorridore schon. Wer sie blockierte, hätte auf Flugzeuge schießen müssen.

Die Logistik: ein Fließband in der Luft

Der Bedarf war gewaltig. Vor der Blockade kamen im Sommer im Schnitt gut 10.000 Tonnen Güter pro Tag in die Westsektoren. Als Minimum zum Überleben schätzten die Planer etwa 4.500 Tonnen täglich im Sommer und deutlich mehr im Winter, wenn geheizt werden musste. Im Juli 1948 schaffte die Luftbrücke erst rund 2.000 Tonnen pro Tag. Dass die Zahl am Ende weit höher lag, ist vor allem einer Organisationsleistung zu verdanken.

Drei Korridore als Einbahnstraßen

Die drei Luftkorridore waren jeweils rund 32 Kilometer breit und verbanden Berlin mit Hamburg im Nordwesten, Bückeburg im Westen und Frankfurt am Main im Südwesten. Für die Luftbrücke wurden sie als Einbahnstraßen genutzt: hinein über den Nord- und den Südkorridor, hinaus über den mittleren. So begegneten sich beladene und leere Flugzeuge nie auf derselben Strecke.

Innerhalb der Korridore flogen die Maschinen auf mehreren Höhenbändern, die im Abstand von 500 Fuß gestaffelt waren, und in festen zeitlichen Abständen hintereinander. Am Ende entstand ein Takt, in dem zu Spitzenzeiten alle paar Minuten ein Flugzeug in Berlin landete.

Ein Versuch pro Flug

Den Feinschliff brachte Generalmajor William H. Tunner, der im Zweiten Weltkrieg die Versorgungsflüge über den Himalaya („the Hump“) zwischen Indien und China organisiert hatte. Im Juli 1948 übernahm er die Leitung der amerikanischen Luftbrücke, später die der gemeinsamen amerikanisch-britischen Einsatzführung mit Sitz in Wiesbaden.

Wie nötig das war, zeigte der 13. August 1948, später „Black Friday“ genannt. Bei schlechtem Wetter stauten sich über Tempelhof die Anflüge, auf der Landebahn kam es zu mehreren Unfällen, und Dutzende Maschinen kreisten in Warteschleifen über der Stadt. Tunner zog daraus harte Konsequenzen:

  • Kein Kreisen mehr: Wer seinen Anflug verpasste, landete nicht im zweiten Versuch, sondern flog beladen zurück in den Westen und reihte sich neu ein.
  • Instrumentenflug als Standard: Geflogen wurde nach Instrumentenflugregeln, unabhängig vom Wetter, damit der Takt nicht vom Himmel abhing.
  • Feste Abstände: Die Landungen folgten in festen Intervallen von wenigen Minuten.
  • Schnelle Bodenzeiten: Die Crews blieben beim Flugzeug, Imbisswagen kamen an die Maschine, und die Standzeit am Boden sank laut deutschsprachigen Darstellungen von rund 75 auf etwa 30 Minuten.

Möglich wurde der Allwetterbetrieb durch radargestützte Anflüge (Ground Controlled Approach). Ein Lotse am Boden führte die Piloten per Funk anhand seines Radarbilds bis kurz vor die Schwelle. Für die damalige Zeit war das ein großer Schritt, mehr dazu im Überblick zur Geschichte der Flugsicherung – und ein Grund, warum die Luftbrücke als Geburtsstunde moderner Verkehrsflusssteuerung gilt. Wer heute an einem Drehkreuz die Anflugkette beobachtet, sieht das Prinzip im Großen wieder; im Guide Hub-Wellen an Drehkreuzen verstehen geht es um diese Taktung im modernen Linienverkehr.

Die Osterparade

Wie leistungsfähig das System inzwischen war, demonstrierte Tunner an Ostern 1949. Vom Mittag des 15. bis zum Mittag des 16. April landeten fast 1.400 Flugzeuge mit knapp 13.000 Tonnen Fracht in Berlin – überwiegend Kohle. Die genauen Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle leicht, der Rekord ist unbestritten. Nach der Osterparade lag die tägliche Durchschnittsleistung dauerhaft höher als vorher.

Kohle, nicht Rosinen

Der Spitzname „Rosinenbomber“ führt in die Irre: Rund zwei Drittel aller Fracht war Kohle für Öfen, Kraftwerke und Betriebe. Die Säcke hinterließen überall Kohlenstaub – in den Laderäumen, in den Lungen der Crews und in der Technik der Flugzeuge.

Die Flugzeuge der Luftbrücke

Für Spotter ist die Luftbrücke vor allem eine Typenparade der späten Kolbenmotor-Ära. Deutsche Flugzeuge kamen nicht zum Einsatz, deutsche Mechaniker und Arbeiter allerdings sehr wohl.

Typ Betreiber Rolle bei der Luftbrücke Besonderheit
Douglas C-47 Skytrain / Dakota USA, Großbritannien prägte die ersten Wochen zweimotorig, rund 3 Tonnen Nutzlast, bei den Amerikanern bald durch die C-54 ersetzt
Douglas C-54 Skymaster USA Rückgrat der amerikanischen Luftbrücke viermotorig, rund 9 Tonnen Nutzlast, mehrere Hundert Maschinen im Einsatz
Avro York Großbritannien wichtigster britischer Transporter aus dem Lancaster-Bomber abgeleitet
Handley Page Hastings Großbritannien ab Ende 1948 damals neuer RAF-Transporter
Short Sunderland Großbritannien Flugboot-Einsatz bis zum Winter landete auf der Havel, transportierte unter anderem Salz
gecharterte Zivilmaschinen britische Firmen ergänzende Kapazität breites Spektrum, etwa Lancastrian, Bristol Freighter oder umgebaute Halifax

Die C-54 Skymaster, die militärische Version der zivilen DC-4, ist der eigentliche Rosinenbomber: Sie trug mehr als die C-47, war schneller und ließ sich im Takt gut einsetzen. Alles Wichtige zum Typ steht im Steckbrief der Douglas C-54 Skymaster und der zivilen Douglas DC-4. Die zweimotorige Vorgängerin findest du unter Douglas DC-3 / C-47, ihre Geschichte erzählt der Artikel Douglas DC-3: das Flugzeug, das die Luftfahrt veränderte.

Die Briten hatten weniger große Transporter und setzten deshalb auf Vielfalt. Die Sunderland-Flugboote starteten von der Elbe bei Hamburg-Finkenwerder und wasserten auf der Havel. Ihr Rumpf war gegen Korrosion durch Seewasser geschützt, weshalb sie unter anderem das aggressive Salz transportierten. Als Havel und Wannsee im Winter zufroren, war das Kapitel Flugboot beendet.

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Die Flughäfen: drei in Berlin, viele im Westen

Tempelhof im amerikanischen Sektor

Der Flughafen im Süden der Stadt war das Herz der amerikanischen Luftbrücke und nahm den größten Teil der Fracht auf. Der Anflug führte tief über die umliegenden Wohnblöcke, die Bilder von Kindern auf Trümmerbergen vor landenden Maschinen stammen fast alle von hier. Tempelhof blieb noch lange Verkehrsflughafen und wurde 2008 geschlossen; das Gelände ist heute als Tempelhofer Feld ein öffentlicher Park. Die ganze Geschichte steht im Artikel Flughafen Tempelhof und im Steckbrief Flughafen Berlin-Tempelhof.

Gatow im britischen Sektor

Der Flugplatz im Westen Berlins war die Basis der Royal Air Force und zählte die meisten Flugbewegungen. In der Nähe, auf der Havel, wasserten die Flugboote. Gatow blieb bis 1994 ein britischer Militärflugplatz. Heute beherbergt das Gelände das Militärhistorische Museum Flugplatz Berlin-Gatow, das du über die Spot-Seite Luftwaffenmuseum Flugplatz Gatow gut einplanen kannst.

Tegel im französischen Sektor

Tempelhof und Gatow allein reichten nicht. Deshalb begann am 5. August 1948 im französischen Sektor der Bau eines neuen Flugplatzes am Tegeler Forst. Weil schweres Gerät fehlte, wurde vieles von Hand gebaut, Tausende Berlinerinnen und Berliner arbeiteten auf der Baustelle mit. Am 5. November 1948 landete die erste C-54, Anfang Dezember wurde der Platz offiziell eröffnet. Die Hauptbahn war rund 2,4 Kilometer lang und galt damals als eine der längsten in Europa. Aus diesem Provisorium wurde später der Flughafen Berlin-Tegel, der den Linienbetrieb im November 2020 an den BER abgab – nachzulesen im Artikel Flughafen Tegel.

Die Startplätze im Westen

Die Amerikaner flogen vor allem von Rhein-Main bei Frankfurt und von Wiesbaden-Erbenheim aus durch den Südkorridor. Die Briten nutzten Plätze in ihrer Zone, darunter Faßberg (ein Schwerpunkt für Kohle), Wunstorf, Celle, Lübeck und Schleswig, dazu Hamburg-Finkenwerder für die Flugboote. Viele dieser Plätze sind heute Militärflugplätze oder anders genutzt; in Wunstorf etwa ist die Luftwaffe mit dem A400M stationiert, wie der Guide zum Fliegerhorst Wunstorf zeigt. Wie man heutige Transporter auseinanderhält, erklärt der Artikel Militärtransporter erkennen. Der Rhein-Main-Platz ist Teil der Geschichte des heutigen Flughafens Frankfurt.

Flugplatz Sektor/Zone Hauptrolle
Tempelhof US-Sektor Berlin Zielflughafen mit dem größten Frachtvolumen
Gatow britischer Sektor Berlin Zielflughafen mit den meisten Bewegungen, Flugboote auf der Havel
Tegel französischer Sektor Berlin ab Ende 1948 zusätzlicher Zielflughafen
Rhein-Main / Wiesbaden US-Zone Startbasen für den Südkorridor
Faßberg, Wunstorf, Celle, Lübeck, Schleswig britische Zone Startbasen für den Nordkorridor

Halvorsen und die Rosinenbomber

Die bekannteste Geschichte der Luftbrücke ist eine kleine. Der US-Pilot Gail Halvorsen (1920–2022) sah Kinder am Zaun von Tempelhof und versprach ihnen Süßigkeiten. Damit sie seine Maschine im Strom der Anflüge erkannten, wackelte er beim Anflug mit den Flügeln – was ihm den Spitznamen „Onkel Wackelflügel“ einbrachte. Vor der Landung warf seine Crew Schokolade und Kaugummi an kleinen Fallschirmen ab.

Aus der privaten Aktion wurde eine eigene Operation mit dem Namen „Little Vittles“, angelehnt an „Operation Vittles“, wie die Amerikaner die Luftbrücke nannten. Bis zum Ende sollen dabei rund 23 Tonnen Süßigkeiten abgeworfen worden sein. Halvorsen blieb Berlin verbunden und war in den 1970er-Jahren Kommandant in Tempelhof.

Woher der Begriff „Rosinenbomber“ genau stammt, ist nicht abschließend geklärt. Er wird meist mit Flügen in Verbindung gebracht, die Trockenfrüchte für das Weihnachtsbacken 1948 brachten. Klar ist, dass er aus dem Berliner Volksmund kam und dass aus „Bombern“ wenige Jahre nach Kriegsende Versorgungsflieger geworden waren – genau das machte das Wort so eingängig.

Der Preis der Luftbrücke

Der Dauerbetrieb im Minutentakt, bei jedem Wetter und mit übermüdeten Crews, forderte Opfer. Mindestens 101 Menschen kamen ums Leben, die meisten bei Flugunfällen. Häufig genannt werden 31 Amerikaner und rund 40 Briten, dazu deutsche Zivilisten, etwa Arbeiter auf den Flugplätzen. Die genauen Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle. Gemessen an den Flugstunden lag die Unfallrate trotzdem niedriger, als die Planer befürchtet hatten.

Dazu kamen Störungen durch die sowjetische Seite: Jäger, die nah an Transportern vorbeiflogen, Suchscheinwerfer oder Flakübungen in Korridornähe. Abgeschossen wurde kein Transporter – die Luftbrücke blieb eine logistische, keine militärische Auseinandersetzung.

Das Ende und was blieb

Nachdem sich die Blockade als wirkungslos erwiesen hatte, signalisierte die Sowjetunion im Frühjahr 1949 Gesprächsbereitschaft. Am 12. Mai 1949, kurz nach Mitternacht, rollten wieder Lastwagen und Züge nach West-Berlin. Die Flüge liefen zur Vorratsbildung weiter und wurden schrittweise reduziert, bis am 30. September 1949 offiziell Schluss war.

Politisch hatte die Luftbrücke große Wirkung: Aus Besatzern wurden in der Wahrnehmung vieler Berliner Schutzmächte, und die Erfahrung prägte das Verhältnis zwischen der späteren Bundesrepublik und den Westmächten. Luftfahrttechnisch zeigte sie, was mit Takt, Standardisierung und Radarführung möglich ist – Ideen, die im Linienverkehr der folgenden Jahrzehnte selbstverständlich wurden. Die Luftkorridore selbst blieben bis 1990 der Weg in die Stadt, und West-Berlin durften im Linienverkehr nur Fluggesellschaften der drei Westmächte anfliegen, was die besondere Verkehrsgeschichte der Stadt bis zum Ende des Kalten Kriegs bestimmte. Wie es mit Tegel und den Berliner Airlines weiterging, zeigen die Artikel zu Air Berlin und – auf der anderen Seite der Mauer – zur Interflug.

Spuren der Luftbrücke heute

Wer sich für die Luftbrücke interessiert, kann in Berlin einen ganzen Tag damit verbringen.

1. Luftbrückendenkmal am Platz der Luftbrücke

Das Denkmal vor dem früheren Flughafen Tempelhof steht seit 1951 und erinnert mit drei nach Westen weisenden Bögen an die drei Luftkorridore und an die Toten der Luftbrücke. Kleinere Gegenstücke stehen am Frankfurter Flughafen und in Celle.

2. Tempelhofer Feld

Auf den ehemaligen Rollwegen und Pisten kannst du heute spazieren oder Rad fahren. Das monumentale Flughafengebäude ist als Ganzes erhalten und gelegentlich bei Führungen zugänglich.

3. Deutsches Technikmuseum

Auf dem Dach des Deutschen Technikmuseums Berlin thront eine C-47 als „Rosinenbomber“ – ein beliebtes Fotomotiv, schon von der Straße aus.

4. Flugplatz Gatow

Das Museum auf dem ehemaligen RAF-Flugplatz zeigt Militärluftfahrt in Deutschland und erinnert an die Zeit, als hier im Minutentakt britische Transporter landeten.

Bevor du die Exponate fotografierst, lohnt ein Blick in den Guide Oldtimer am Himmel erkennen. Er hilft dir, C-47, DC-4 und andere Kolbenmotor-Klassiker an Details wie Triebwerksgondeln, Leitwerk und Fahrwerk auseinanderzuhalten. Und wer zwischen Museum und Denkmal noch aktuelle Jets sehen will, findet im Planespotting-Guide für den BER und an der Besucherterrasse am BER den passenden Abschluss.

Bereit für deine Luftbrücken-Tour durch Berlin?

Hak ab, was du schon geplant hast – am Ende siehst du, ob die Tour steht.

  • Ich weiß, wo das Luftbrückendenkmal steht und wie ich hinkomme.
  • Ich habe Öffnungszeiten und Eintritt der Museen vorher auf deren Websites geprüft.
  • Ich kenne die Typen C-47 und C-54 und kann sie auseinanderhalten.
  • Ich habe einen Abschluss-Spot für aktuellen Verkehr am BER im Kopf.
  • Ich habe Zeit für einen Spaziergang über das Tempelhofer Feld eingeplant.

Worauf du achten solltest

  • Zahlen vorsichtig lesen. Tonnagen, Flugzahlen und Opferzahlen unterscheiden sich je nach Quelle und Zählweise, etwa ob Hin- und Rückflüge getrennt gezählt werden. Wer genaue Werte braucht, sollte die Quelle angeben.
  • Militär ist nicht gleich zivil. C-54 und DC-4 sind eng verwandt, aber nicht identisch. Bei historischen Maschinen lohnt der Blick auf Seriennummern; wie US-Militärkennzeichen aufgebaut sind, erklärt der Artikel US-Militärkennzeichen.
  • Flugfähige Oldtimer sind selten. Nur noch wenige Maschinen aus der Luftbrücken-Zeit fliegen. Wenn eine bei einem Flugtag auftaucht, ist das ein Highlight – plane die Sichtung lieber frühzeitig.
  • Gedenkorte respektieren. Das Luftbrückendenkmal ist auch ein Ort für die Toten der Operation. Fotos sind dort selbstverständlich, Klettern auf dem Sockel nicht.

Geschichte und Gegenwart in einer App

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Fazit

Die Berliner Luftbrücke war elf Monate lang die Lebensader einer Großstadt. Ihr Erfolg beruhte weniger auf einzelnen Heldentaten als auf einem durchorganisierten System: Einbahn-Korridore, gestaffelte Flughöhen, feste Landeintervalle, Radaranflüge und kurze Bodenzeiten. Die C-54 Skymaster wurde zu ihrem Symbol, Tempelhof, Gatow und Tegel zu ihren Bühnen, und der Spitzname „Rosinenbomber“ überdeckt bis heute, dass vor allem Kohle geflogen wurde. In Berlin kannst du ihre Spuren an einem Tag abgehen – vom Denkmal über das Tempelhofer Feld bis zum Flugplatz Gatow.

Kurzfazit

Von Juni 1948 bis September 1949 brachten amerikanische und britische Crews in rund 278.000 Flügen mehr als zwei Millionen Tonnen Güter nach West-Berlin, zum größten Teil Kohle. Die Luftbrücke zeigte erstmals im großen Maßstab, was Takt und Radarführung im Luftverkehr leisten – und ihre Orte lassen sich in Berlin bis heute besuchen.

Zusammenfassung

  • Auslöser der Blockade war der Streit um die Währungsreform. Ab dem 24. Juni 1948 waren alle Straßen, Schienen und Wasserwege nach West-Berlin gesperrt, offen blieben nur die drei vertraglich vereinbarten Luftkorridore.
  • Die USA und Großbritannien flogen in rund 278.000 Flügen mehr als zwei Millionen Tonnen Güter ein, vor allem mit der Douglas C-54 Skymaster. Die Briten setzten ein breites Typenspektrum bis hin zu Flugbooten ein.
  • Am 12. Mai 1949 hob die Sowjetunion die Blockade auf. Die Flüge liefen zur Vorratsbildung weiter und endeten offiziell am 30. September 1949.
  • Mindestens 101 Menschen kamen bei der Luftbrücke ums Leben, vor allem bei Flugunfällen. An sie erinnern das Luftbrückendenkmal in Tempelhof und seine Gegenstücke in Frankfurt und Celle.

Häufige Fragen

Wie lange dauerte die Berliner Luftbrücke?

Die Blockade begann am 24. Juni 1948 und endete am 12. Mai 1949. Die ersten Versorgungsflüge starteten am 26. Juni 1948. Weil die Alliierten Vorräte anlegen wollten, flogen sie nach dem Ende der Blockade weiter, offiziell bis zum 30. September 1949.

Warum heißen die Flugzeuge Rosinenbomber?

Der Spitzname entstand im Berliner Volksmund. Er wird meist mit Flügen in Verbindung gebracht, die Trockenfrüchte für das Weihnachtsbacken brachten, und mit den Süßigkeiten, die der US-Pilot Gail Halvorsen und andere Crews an kleinen Fallschirmen für Kinder abwarfen. Tatsächlich bestand die Fracht zum größten Teil aus Kohle.

Welche Flugzeuge flogen bei der Luftbrücke?

Das Rückgrat der Amerikaner war die viermotorige Douglas C-54 Skymaster, anfangs flogen auch viele zweimotorige C-47. Die Briten nutzten unter anderem Avro York, Handley Page Hastings, Avro Lancastrian, Bristol Freighter und Short-Sunderland-Flugboote, die auf der Havel landeten, dazu gecharterte zivile Maschinen.

Wie viel wurde nach West-Berlin geflogen?

Die Angaben schwanken je nach Quelle und Zählweise, liegen aber durchweg bei mehr als zwei Millionen Tonnen in rund 278.000 Flügen. Etwa zwei Drittel davon war Kohle für Heizung, Kraftwerke und Industrie.

Welche Flughäfen wurden genutzt?

In Berlin waren es Tempelhof, Gatow und ab Ende 1948 das neu gebaute Tegel, dazu die Havel für Flugboote. In Westdeutschland starteten die Maschinen unter anderem von Rhein-Main bei Frankfurt, Wiesbaden-Erbenheim, Faßberg, Wunstorf, Celle, Lübeck und Schleswig.

Was war der Osterparade-Tag?

An Ostern 1949, vom Mittag des 15. bis zum Mittag des 16. April, wollte General William Tunner zeigen, was das System leisten kann. Innerhalb von 24 Stunden landeten fast 1.400 Flugzeuge mit knapp 13.000 Tonnen Fracht in Berlin – ein Rekord der gesamten Luftbrücke.

Wo kann ich heute Spuren der Luftbrücke sehen?

Das Luftbrückendenkmal steht am Platz der Luftbrücke vor dem früheren Flughafen Tempelhof, kleinere Gegenstücke am Frankfurter Flughafen und in Celle. Das Militärhistorische Museum auf dem Flugplatz Gatow und das Deutsche Technikmuseum Berlin zeigen die Zeit ebenfalls. Das Tempelhofer Feld selbst ist heute ein öffentlicher Park.

PT

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