ETOPS erklärt: Langstrecke mit zwei Triebwerken und Ausweichflughäfen

ETOPS regelt, wie weit sich ein zweistrahliges Verkehrsflugzeug von einem geeigneten Flughafen entfernen darf. Geschichte, Minutenstufen, Treibstoffregeln und was das für Spotter an Ausweichflughäfen bedeutet.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202613 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • ETOPS ist eine Zeitregel: Die Zahl hinter ETOPS gibt an, wie viele Minuten ein Twinjet mit einem ausgefallenen Triebwerk maximal von einem geeigneten Ausweichflughafen entfernt sein darf.
  • Ohne ETOPS gilt die 60-Minuten-Grenze: Zweistrahlige Verkehrsflugzeuge dürfen sich ohne besondere Zulassung nicht weiter als 60 Minuten Einmotorenflug von einem geeigneten Flughafen entfernen.
  • Drei Ebenen müssen passen: Das Flugzeugmuster braucht eine ETOPS-Musterzulassung, die Airline eine Betriebsgenehmigung, und für jeden einzelnen Flug werden passende Ausweichflughäfen festgelegt.
  • Von 120 auf 370 Minuten: 1985 erlaubte die US-Luftfahrtbehörde FAA erstmals 120 Minuten, der Airbus A350 erhielt 2014 von der EASA eine Zulassung für bis zu 370 Minuten.
  • Spotter profitieren: Ausweichflughäfen wie Keflavik oder Shannon sehen bei Diversions Muster, die dort sonst selten landen.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.ETOPS: die kurze Antwort
  2. 2.Warum es ETOPS überhaupt gibt
  3. 3.Die Geschichte in Etappen
  4. 4.Die Minutenstufen im Überblick
  5. 5.Drei Ebenen: Flugzeug, Airline, Flug
  6. 6.Treibstoff: das kritische Szenario
  7. 7.Ausweichflughäfen: Was sie können müssen
  8. 8.Wie ETOPS die Langstrecke verändert hat
  9. 9.ETOPS und die Route auf der Karte
  10. 10.Was das für Spotter bedeutet
  11. 11.Worauf du achten solltest
  12. 12.Fazit

Ein Airbus A350 auf dem Weg von Europa an die US-Westküste, eine Boeing 787 über dem Pazifik, ein A330 über dem Indischen Ozean: Dass zweistrahlige Jets heute selbstverständlich über Ozeane fliegen, verdanken sie einem Regelwerk namens ETOPS. Es legt fest, wie weit sich ein Twinjet von einem geeigneten Flughafen entfernen darf und welche Voraussetzungen Flugzeug, Airline und Flugplanung dafür erfüllen müssen. Dieser Artikel erklärt dir die Minutenstufen, die Geschichte dahinter, die Treibstoffregeln und warum ETOPS für Spotter an Ausweichflughäfen spannend ist.

Langstrecken-Twins im Blick behalten

Mit Planetrack richtest du Sichtungs-Alarme für Typen wie A350 oder 787 ein und erfährst, wenn ein beobachtetes Kennzeichen in deiner Nähe anfliegt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

ETOPS: die kurze Antwort

ETOPS steht für Extended-range Twin-engine Operations Performance Standards. Gemeint sind Sonderregeln für zweistrahlige Verkehrsflugzeuge, die auf ihrer Route mehr als 60 Minuten Einmotorenflug von einem geeigneten Flughafen entfernt sind. Die Zahl hinter dem Kürzel nennt die maximal erlaubte Ausweichzeit: Ein Flugzeug mit ETOPS-180 darf an keinem Punkt der Strecke weiter als 180 Minuten von einem zugelassenen Ausweichflughafen entfernt sein, gerechnet mit nur einem laufenden Triebwerk in ruhender Luft.

Hinter dieser einfachen Formel steckt ein ganzes System: Das Flugzeugmuster braucht eine passende Musterzulassung, die Airline eine Betriebsgenehmigung ihrer Behörde, und jeder Flug wird mit konkreten Ausweichflughäfen, Wetterprüfungen und zusätzlichem Treibstoff vorbereitet. Die ICAO verwendet für das Konzept inzwischen den Begriff EDTO (Extended Diversion Time Operations), der Flugzeuge mit zwei oder mehr Turbinentriebwerken einschließt. In der Praxis und unter Spottern ist ETOPS aber weiterhin das gängige Wort.

60 minGrenze, ab der für Twinjets ETOPS-Regeln greifen
1985erste ETOPS-120-Genehmigungen durch die FAA
370 minmaximale ETOPS-Zulassung des Airbus A350 (EASA, 2014)

Warum es ETOPS überhaupt gibt

Der Gedanke dahinter ist simpel: Fällt bei einem zweistrahligen Flugzeug ein Triebwerk aus, hängt der Rest des Fluges an einem einzigen Antrieb. Ein Vierstrahler wie die Boeing 747 oder ein Dreistrahler wie die DC-10 hat in diesem Fall noch Reserven. Deshalb galten für Twinjets lange strenge Abstandsregeln.

In den USA führte die Luftfahrtbehörde schon 1953 eine 60-Minuten-Regel ein: Zweimotorige Verkehrsflugzeuge durften sich nicht weiter als eine Flugstunde mit einem Triebwerk von einem geeigneten Flughafen entfernen. Die ICAO empfahl damals 90 Minuten, was viele andere Länder übernahmen. Für Atlantik- oder Pazifikflüge waren Twins damit praktisch ausgeschlossen. Wer über den Ozean wollte, brauchte drei oder vier Triebwerke.

Mit modernen Turbofan-Triebwerken änderte sich die Lage. Die Antriebe wurden so zuverlässig, dass ein Ausfall auf Reiseflughöhe sehr selten wurde. Gleichzeitig brachten Muster wie der Airbus A300-600 und die Boeing 767 Reichweiten mit, die für Transatlantikstrecken genügten. Den Airlines fehlte nur die Erlaubnis. ETOPS war die Antwort: kein pauschales Verbot mehr, sondern eine Zulassung unter klar definierten Bedingungen.

Die Geschichte in Etappen

Die Ausweichzeiten wurden nicht auf einen Schlag freigegeben, sondern Schritt für Schritt erweitert – jeweils nachdem sich die vorherige Stufe im Betrieb bewährt hatte.

Jahr Schritt Bedeutung
1953 60-Minuten-Regel in den USA Twins bleiben in Küstennähe, Ozeanstrecken sind Mehrstrahlern vorbehalten
1985 FAA erlaubt 120 Minuten TWA startet am 1. Februar 1985 ETOPS-120-Flüge, der Nordatlantik öffnet sich für Twins
1988 FAA erlaubt 180 Minuten große Teile von Atlantik und Pazifik werden für Twinjets erreichbar
1995 Boeing 777 mit „Early ETOPS“ ein neues Muster startet direkt mit 180-Minuten-Zulassung statt nach Jahren der Bewährung
2007 FAA-Regeln für mehr als 180 Minuten Freigaben bis zur Auslegungsgrenze des Musters; auch Drei- und Vierstrahler fallen jenseits von 180 Minuten unter die Regeln
2009 A330 mit ETOPS-240 erster Typ mit einer 240-Minuten-Zulassung
2011–2014 777 und 787 mit 330 Minuten Boeing erweitert die Musterzulassungen seiner Langstrecken-Twins
2014 A350 mit bis zu 370 Minuten die EASA erteilt die Zulassung bereits vor der Indienststellung

Bei der historischen TWA begann der reguläre Atlantikbetrieb unter ETOPS-120 mit einer Boeing 767-200 zwischen Boston und Paris. Das war der Startschuss für eine Entwicklung, die die Langstrecke grundlegend verändert hat. Mehr zu den Herstellern hinter den Mustern findest du in den Profilen von Airbus und Boeing.

Die Minutenstufen im Überblick

Die Zahl hinter ETOPS ist keine Garantie für eine bestimmte Strecke, sondern eine Obergrenze. Wie weit eine Airline tatsächlich gehen darf, hängt von der niedrigsten der drei Freigaben ab: Musterzulassung, Betriebsgenehmigung und Systemgrenzen des konkreten Flugzeugs.

Stufe Typischer Einsatz Besonderheit
ETOPS-75 / 90 regionale Überwasserstrecken, etwa in der Karibik oder in Mikronesien geringste Anforderungen an Muster und Betrieb
ETOPS-120 Nordatlantik auf südlicheren Routen, Mittelmeer- und Küstenstrecken klassische Einstiegsstufe der 1980er-Jahre
ETOPS-138 Nordatlantik 120 Minuten plus rund 15 Prozent, wenn ein Ausweichflughafen vorübergehend ausfällt
ETOPS-180 große Teile von Atlantik und Pazifik deckt den Großteil der weltweiten Langstreckenrouten ab
ETOPS-207 Nordpazifik in den US-Regeln als Ausnahme Flug für Flug, wenn innerhalb von 180 Minuten kein Ausweichflughafen verfügbar ist
ETOPS-240 und mehr Südpazifik, Südatlantik, Indischer Ozean, Polargebiete nur mit Erfahrung auf niedrigeren Stufen und für festgelegte Gebiete oder Städtepaare

Wichtig ist der Unterschied zwischen Minuten und Kilometern. Die Ausweichzeit wird mit der Reisegeschwindigkeit bei einem ausgefallenen Triebwerk gerechnet. Ein Flugzeug, das einmotorig schneller fliegt, deckt in 180 Minuten eine größere Strecke ab als ein langsameres. Auf der Karte ergibt sich so um jeden Ausweichflughafen ein Kreis, und die Route muss lückenlos durch diese Kreise verlaufen.

Wie groß ist ein ETOPS-Kreis?

Wähle eine ETOPS-Stufe und eine angenommene Einmotoren-Reisegeschwindigkeit. Das Ergebnis zeigt grob, wie weit ein Ausweichflughafen entfernt liegen darf.

Vereinfachte Rechnung in ruhender Luft. Die tatsächliche Einmotorengeschwindigkeit legt jede Airline je Muster fest; sie ist hier nur ein frei wählbarer Beispielwert.

Drei Ebenen: Flugzeug, Airline, Flug

ETOPS ist kein Etikett, das ein Flugzeug einmal bekommt und dann behält. Die Freigabe setzt sich aus drei Bausteinen zusammen, die zueinander passen müssen.

1. Musterzulassung

Der Hersteller weist nach, dass die Kombination aus Flugzeug und Triebwerk für eine bestimmte Ausweichzeit ausgelegt ist. Dazu gehören Erprobungen mit abgeschaltetem Triebwerk und der Nachweis, dass zeitkritische Systeme wie die Frachtraum-Feuerlöschung lange genug durchhalten.

2. Betriebsgenehmigung der Airline

Die Airline braucht eine eigene Freigabe ihrer Luftfahrtbehörde. Sie muss ETOPS-Wartungsprogramme, geschultes Personal und eine laufende Überwachung der Triebwerkszuverlässigkeit vorweisen. Höhere Stufen setzen Erfahrung auf den niedrigeren voraus.

3. Planung jedes einzelnen Flugs

Für jeden Flug werden Ausweichflughäfen festgelegt, deren Wetter und Verfügbarkeit geprüft und eine zusätzliche Treibstoffreserve für den kritischen Ausweichfall berechnet. Diese Arbeit übernehmen Flugdienstberater gemeinsam mit der Crew.

Wie die Flugplanung im Detail funktioniert und welche Rolle der Dispatcher dabei spielt, liest du im Artikel über Flugdienstberater und Dispatcher.

Triebwerkszuverlässigkeit in Zahlen

Für die Musterzulassung gelten Zielwerte für sogenannte In-Flight Shutdowns, also Triebwerksabschaltungen im Flug. Je höher die ETOPS-Stufe, desto seltener dürfen sie vorkommen: Für 120 Minuten liegt die Messlatte bei weniger als einer Abschaltung pro 20.000 Triebwerksstunden, für 180 Minuten bei weniger als einer pro 50.000 Stunden und jenseits von 180 Minuten bei weniger als einer pro 100.000 Stunden. Airlines müssen ihre Werte laufend erfassen. Verschlechtert sich die Statistik, kann die Behörde die Freigabe herabstufen oder aussetzen.

Treibstoff: das kritische Szenario

Jeder Linienflug trägt Reserven. Bei ETOPS kommt eine zusätzliche Rechnung dazu: Die Planung geht davon aus, dass am ungünstigsten Punkt der Route etwas schiefgeht, und prüft, ob der Treibstoff dann bis zum Ausweichflughafen reicht. In den US-Regeln werden dafür drei Fälle durchgerechnet, und der aufwendigste bestimmt die Menge:

  • Druckverlust in der Kabine: Das Flugzeug muss auf eine niedrige Höhe sinken, auf der die Passagiere ohne Sauerstoffmasken auskommen. In dichter Luft verbrauchen Triebwerke deutlich mehr Treibstoff – dieser Fall ist oft der teuerste.
  • Druckverlust und Triebwerksausfall gleichzeitig: Die Kombination aus niedriger Höhe und nur einem Triebwerk.
  • Triebwerksausfall allein: Das Flugzeug sinkt auf die Einmotoren-Reiseflughöhe und fliegt mit reduzierter Geschwindigkeit weiter.

Auf das Ergebnis kommen Zuschläge: fünf Prozent mehr Gegenwind als vorhergesagt, Treibstoff für Vereisungsschutz, ein Puffer für gealterte Triebwerke und am Ausweichflughafen 15 Minuten Warteschleife auf 1.500 Fuß über Platzhöhe plus Anflug und Landung. Ist das Hilfstriebwerk (APU) als Stromquelle vorgeschrieben, wird auch sein Verbrauch eingerechnet.

Der Punkt gleicher Flugzeit

Zwischen zwei Ausweichflughäfen gibt es einen Punkt, an dem beide gleich weit entfernt sind – den Equal Time Point. Vor ihm kehrt eine Crew im Ernstfall eher um, danach fliegt sie zum nächsten Flughafen voraus. Für die Treibstoffrechnung ist dieser Punkt oft die kritischste Stelle der Route.

Ausweichflughäfen: Was sie können müssen

Ein ETOPS-Ausweichflughafen ist nicht einfach irgendeine Piste in der Nähe. Er muss für das Muster geeignet sein, in den Unterlagen der Airline als Ausweichziel geführt werden und zur möglichen Ankunftszeit geöffnet sein. Laut ICAO-Vorgaben braucht er mindestens eine Anflughilfe und eine Flughafenfeuerwehr mindestens der Kategorie 4. Vor dem Flug und noch einmal vor dem Eintritt in das ETOPS-Gebiet prüft die Crew, ob das vorhergesagte Wetter dort die Mindestbedingungen erfüllt.

Der Moment, ab dem ein Flug mehr als 60 Minuten von einem geeigneten Flughafen entfernt ist, heißt ETOPS Entry Point. Ab hier gelten die besonderen Regeln. Auf dem Nordatlantik liegen die typischen Ausweichziele an den Rändern des Ozeans und auf den Inseln dazwischen: in Kanada, auf Grönland, auf den Azoren, in Irland und in Island. Der Flughafen Keflavik und der Flughafen Shannon sind Beispiele für Flughäfen, die dank langer Pisten und ihrer Lage am Atlantik für solche Umleitungen in Frage kommen.

Bei Polarrouten kommen weitere Anforderungen hinzu. Die US-Regeln verlangen unter anderem einen Plan, wie gestrandete Passagiere an abgelegenen Ausweichflughäfen versorgt werden, eine Strategie gegen das Einfrieren des Treibstoffs und Kälteschutzanzüge an Bord.

Wetter und Pisten am Ausweichflughafen

Planetrack zeigt dir Wetter, Wind und aktive Pisten am Flughafen – praktisch, wenn du nach einer Umleitung spontan an den Zaun willst. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Wie ETOPS die Langstrecke verändert hat

Bevor Twins über Ozeane durften, prägten Drei- und Vierstrahler die Langstrecke. Mit jeder ETOPS-Erweiterung verschob sich das Gleichgewicht. Zwei Triebwerke bedeuten weniger Treibstoffverbrauch und weniger Wartung als vier. Das machte Twinjets für viele Strecken wirtschaftlicher – zuerst auf dem Nordatlantik, später auch über Pazifik und Südhalbkugel.

Heute fliegt ein Großteil der Langstrecken mit Mustern wie dem Airbus A350-900, der Boeing 787-9, der Boeing 777-300ER oder dem Airbus A330-300. Der vierstrahlige Airbus A340-300 war lange gerade deshalb attraktiv, weil er nicht unter die Twin-Regeln fiel. Wie du ihn vom äußerlich ähnlichen A330 unterscheidest, zeigt der Guide A330 oder A340?, und für die beiden modernen Langstrecken-Twins hilft der Vergleich A350 oder Boeing 787?.

Auch Schmalrumpfjets nutzen ETOPS. Die historische Aloha Airlines setzte Boeing 737-700 mit 180-Minuten-Freigabe zwischen Hawaii und dem nordamerikanischen Festland ein. Heute bringen Langstrecken-Narrowbodies wie der Airbus A321XLR Twin-Überwasserflüge auch auf Strecken, für die früher ein Großraumjet nötig war. Wie weit moderne Flugzeuge nonstop kommen, zeigt der Artikel über Ultralangstreckenflüge.

Was ETOPS möglich macht

  • direktere Routen statt Umwegen entlang der Küsten
  • wirtschaftliche Twinjets auf Ozeanstrecken
  • Nonstop-Verbindungen zwischen kleineren Städtepaaren
  • systematische Überwachung von Triebwerken und Systemen

Was ETOPS verlangt

  • aufwendigere Wartung und Dokumentation
  • zusätzliche Treibstoffreserven für den kritischen Fall
  • Wetter- und Verfügbarkeitsprüfung der Ausweichflughäfen
  • Erfahrung auf niedrigeren Stufen vor jeder Erweiterung

ETOPS und die Route auf der Karte

Wenn du einen Atlantikflug auf einer Live-Karte verfolgst, siehst du oft einen Bogen nach Norden. Der Hauptgrund ist die Geometrie: Die kürzeste Verbindung auf der Kugel ist der Großkreis, der auf flachen Karten gekrümmt aussieht. Das erklärt der Artikel Warum Flugzeuge Bögen fliegen. Bei Twinjets kommt eine zweite Bedingung hinzu: Die Route muss innerhalb der ETOPS-Kreise um die Ausweichflughäfen liegen. Mit 180 Minuten und mehr ist das auf den meisten Strecken kein Hindernis. Bei niedrigeren Stufen oder in entlegenen Regionen kann die erlaubte Route aber spürbar von der kürzesten abweichen.

Was das für Spotter bedeutet

Für Spotter ist ETOPS vor allem an einer Stelle sichtbar: bei Umleitungen. Muss ein Langstreckenflug über dem Ozean ausweichen, landet er an einem der vorab festgelegten Ausweichflughäfen. Dort tauchen dann Muster und Airlines auf, die im regulären Flugplan nicht vorkommen. Wie es zu solchen Umleitungen kommt, beschreibt der Artikel Umleitung zum Ausweichflughafen, und wie du sie live erkennst, steht im Guide Diversions und Ausweichlandungen erkennen.

Nicht jede Umleitung hat mit einem Triebwerk zu tun. Häufige Gründe sind medizinische Notfälle an Bord, technische Meldungen anderer Systeme oder das Wetter am Ziel. Ein Notfall-Squawk wie 7700 auf der Flugverfolgung ist ein Hinweis, aber keine Diagnose – was die Codes bedeuten, erklärt der Artikel Squawk-Codes 7500, 7600 und 7700.

Hinfahren lohnt sich, wenn …

  • der Ausweichflughafen in erreichbarer Nähe liegt
  • das Flugzeug voraussichtlich einige Stunden am Boden bleibt
  • es öffentlich zugängliche Spots mit Blick aufs Vorfeld gibt

Abwarten, wenn …

  • unklar ist, ob die Maschine wirklich landet oder weiterfliegt
  • ein schneller Weiterflug nach kurzem Zwischenstopp absehbar ist

Zurückhalten, wenn …

  • Rettungskräfte im Einsatz sind und Zufahrten frei bleiben müssen
  • der Spot nur über gesperrte Bereiche erreichbar wäre
  • du ein Notfallgeschehen statt eines Flugzeugs fotografieren würdest

Worauf du achten solltest

  • Die Zahl ist eine Obergrenze. ETOPS-370 heißt nicht, dass ein A350 regelmäßig sechs Stunden von jedem Flughafen entfernt fliegt. Die meisten Routen kommen mit deutlich kleineren Werten aus.
  • Musterzulassung ist nicht Betriebsgenehmigung. Ein Flugzeugtyp kann für hohe Werte zugelassen sein, während eine bestimmte Airline nur niedrigere Stufen nutzen darf.
  • ETOPS und EDTO meinen dasselbe Prinzip. Wenn du in Fachtexten EDTO liest, geht es um das gleiche Konzept unter dem neueren ICAO-Namen.
  • Umleitungen nicht vorschnell deuten. Ob ein Triebwerk der Grund war, zeigt erst eine offizielle Mitteilung oder ein Untersuchungsbericht – nicht der Kursknick auf der Karte.
  • Der Witz zur Abkürzung. Unter Piloten kursiert die Auflösung „Engines Turn Or Passengers Swim“. Lustig, aber die Statistik der Twinjets spricht seit Jahrzehnten eine andere Sprache.

Hast du ETOPS verstanden?

Hak ab, was du jetzt erklären könntest – am Ende siehst du, ob die Grundlagen sitzen.

  • Ich weiß, was die Zahl hinter ETOPS bedeutet.
  • Ich kenne die 60-Minuten-Grenze für Twinjets ohne ETOPS.
  • Ich kann Musterzulassung und Betriebsgenehmigung unterscheiden.
  • Ich weiß, warum ein Druckverlust oft das teuerste Treibstoffszenario ist.
  • Ich kenne typische Ausweichflughäfen auf dem Nordatlantik.
  • Ich weiß, dass ICAO das Konzept heute EDTO nennt.

Jede Sichtung mit Kennzeichen festhalten

Poste deine Sichtungen mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline und Spot und sammle Langstrecken-Twins in deinem Hangar – samt Wunschliste für die Muster, die dir noch fehlen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Fazit

ETOPS hat aus einem pauschalen Verbot eine kontrollierte Freigabe gemacht. Zweistrahlige Verkehrsflugzeuge dürfen sich weit von Flughäfen entfernen, wenn Muster, Airline und Flugplanung gemeinsam nachweisen, dass der Ausfall eines Triebwerks an jeder Stelle der Route beherrschbar bleibt. Seit den ersten 120-Minuten-Flügen 1985 sind die Grenzen Schritt für Schritt gewachsen – bis zu den 370 Minuten des A350. Für dich als Spotter wird das System vor allem dann sichtbar, wenn ein Langstreckenjet an einem Ausweichflughafen landet, an dem er sonst nie auftaucht.

Kurzfazit

ETOPS gibt an, wie viele Minuten ein Twinjet mit einem Triebwerk von einem geeigneten Ausweichflughafen entfernt sein darf. Musterzulassung, Airline-Genehmigung und die Planung jedes Flugs mit Ausweichflughäfen und kritischer Treibstoffreserve bilden zusammen die Grundlage dafür, dass A350, 787 und Co. heute die Ozeane überqueren.

Zusammenfassung

  • ETOPS steht für Extended-range Twin-engine Operations Performance Standards und ermöglicht Twinjets Routen fernab von Flughäfen, etwa über Ozeane, Wüsten oder Polargebiete.
  • Die ICAO nennt das Konzept heute EDTO (Extended Diversion Time Operations) und wendet es auf Flugzeuge mit zwei oder mehr Turbinentriebwerken an.
  • Für ETOPS-Flüge gelten verschärfte Regeln bei Wartung, Triebwerkszuverlässigkeit, Treibstoffreserven und Wetter an den Ausweichflughäfen.
  • Erst ETOPS hat es möglich gemacht, dass Muster wie Boeing 787, Airbus A350 oder A330 die früher typischen Vierstrahler auf vielen Langstrecken ersetzt haben.

Häufige Fragen

Was bedeutet ETOPS?

ETOPS ist die Abkürzung für Extended-range Twin-engine Operations Performance Standards. Gemeint sind Sonderregeln, unter denen zweistrahlige Verkehrsflugzeuge Strecken fliegen dürfen, auf denen sie mehr als 60 Minuten Einmotorenflug von einem geeigneten Flughafen entfernt sind. Die Zahl dahinter, etwa ETOPS-180, nennt die maximal erlaubte Ausweichzeit in Minuten.

Was ist der Unterschied zwischen ETOPS und EDTO?

Inhaltlich beschreiben beide dasselbe Prinzip. ETOPS ist der historisch gewachsene Begriff, der sich ursprünglich nur auf Twinjets bezog. Die ICAO verwendet heute den Begriff EDTO (Extended Diversion Time Operations), der Flugzeuge mit zwei oder mehr Turbinentriebwerken einschließt. Im Sprachgebrauch von Airlines und Spottern ist ETOPS weiterhin der gängige Ausdruck.

Wie wird die ETOPS-Zeit berechnet?

Die Ausweichzeit wird in ruhender Luft bei der Reisegeschwindigkeit mit einem ausgefallenen Triebwerk gerechnet. Aus Minuten wird so ein Radius um jeden zugelassenen Ausweichflughafen. Die Route muss vollständig innerhalb dieser Kreise liegen. Weil die Einmotorengeschwindigkeit je Muster unterschiedlich ist, ergibt dieselbe Minutenzahl bei verschiedenen Flugzeugtypen unterschiedlich große Kreise.

Brauchen auch vierstrahlige Flugzeuge ETOPS?

In den USA fallen seit einer Regeländerung von 2007 auch Passagierflugzeuge mit mehr als zwei Triebwerken unter ETOPS-Regeln, allerdings erst jenseits von 180 Minuten Entfernung zu einem geeigneten Flughafen. Für Twinjets beginnt das ETOPS-Gebiet dagegen schon jenseits von 60 Minuten. Die ICAO bezieht Flugzeuge mit zwei oder mehr Triebwerken in das EDTO-Konzept ein.

Was passiert, wenn auf einem ETOPS-Flug ein Triebwerk ausfällt?

Die Crew fliegt mit dem verbleibenden Triebwerk zum geeignetsten Ausweichflughafen, in der Regel zum nächstgelegenen, der Wetter, Piste und Ausstattung passend bietet. Die Treibstoffplanung jedes ETOPS-Flugs ist darauf ausgelegt, dass dieses Szenario an der ungünstigsten Stelle der Route sicher beherrschbar ist.

Warum gibt es ETOPS-138 und ETOPS-207?

Beide Stufen sind Zuschläge von rund 15 Prozent auf eine Grundstufe. ETOPS-138 erweitert die 120 Minuten, was vor allem auf dem Nordatlantik hilft, wenn ein Ausweichflughafen vorübergehend nicht nutzbar ist. ETOPS-207 erweitert die 180 Minuten und ist in den US-Regeln für den Nordpazifik vorgesehen, wenn innerhalb von 180 Minuten kein Ausweichflughafen verfügbar ist.

Kann ich als Spotter ETOPS-Diversions mitbekommen?

Ja, vor allem an Flughäfen, die als Ausweichziel für Ozeanrouten dienen. Über Flugverfolgungsdienste siehst du, wenn ein Langstreckenflug den Kurs ändert, und oft auch einen Notfall-Squawk. Ob eine Umleitung tatsächlich mit einem Triebwerksproblem zusammenhängt, erfährst du aber meist erst aus offiziellen Mitteilungen oder Untersuchungsberichten.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

Mehr Artikel aus Flughafenbetrieb →

Weiterlesen in Flughafenbetrieb

Flughäfen & Hersteller dazu

Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

Alle Flughäfen & Hersteller →

← Zurück zum Blog