Das Wichtigste in Kürze
- Der erste Jet im Liniendienst: Am 2. Mai 1952 startete BOAC mit der Comet G-ALYP von London nach Johannesburg – der erste planmäßige Passagierflug mit einem Strahlverkehrsflugzeug.
- Fünf Totalverluste in 18 Monaten: Zwischen Oktober 1952 und April 1954 gingen fünf Comet 1 verloren, zwei davon durch Zerbrechen der Druckkabine in Reiseflughöhe.
- Ursache Metallermüdung: Das ständige Auf- und Abpumpen der Druckkabine ließ Risse an Ausschnitten im Rumpfdach wachsen, bis der Rumpf aufplatzte.
- Der Wassertank von Farnborough: Ein kompletter Comet-Rumpf wurde im Wasserbecken immer wieder unter Druck gesetzt und platzte nach 3.057 simulierten und echten Flugzyklen.
- Ein Erbe in jedem Jet: Abgerundete Ausschnitte, dickere Rumpfhäute und Ermüdungstests am ganzen Flugzeug gehen direkt auf die Comet-Untersuchung zurück.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Die Comet in Kürze
- 2.Vom Brabazon-Komitee zum Erstflug
- 3.1952: Der Jet-Liniendienst beginnt
- 4.Die Unfallserie 1952 bis 1954
- 5.Die Ermittlung: Wrackteile vom Meeresgrund und ein Wasserbecken
- 6.Was ist Metallermüdung?
- 7.Was die Luftfahrt aus der Comet gelernt hat
- 8.Die Rückkehr: Comet 4 und der Transatlantik-Wettlauf
- 9.Woran du eine Comet erkennst
- 10.Wo du die Comet heute noch siehst
- 11.Fazit
Wer heute in einen Jet steigt, denkt nicht über Rumpfhaut, Nietlöcher und Lastwechsel nach. Dass das so ist, verdankt die Luftfahrt zu einem guten Teil einem Flugzeug, das seiner Zeit voraus war und genau daran scheiterte: der de Havilland Comet. Sie brachte 1952 als erstes Düsenverkehrsflugzeug Passagiere in Reiseflughöhe, verkürzte Flugzeiten drastisch und machte Großbritannien für kurze Zeit zur führenden Nation im zivilen Flugzeugbau. Zwei Jahre später stand die Flotte am Boden, und ein Wasserbecken in Farnborough lieferte die Erklärung: Metallermüdung. Dieser Artikel erzählt die Geschichte der Comet, erklärt die Unfallursache verständlich und zeigt dir, wo du die Pionierin heute noch vor die Linse bekommst.
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Die Comet in Kürze
Die DH.106 Comet war das erste in Serie gebaute Strahlverkehrsflugzeug der Welt. Entwickelt hat sie die britische de Havilland Aircraft Company in Hatfield nördlich von London. Der Prototyp flog am 27. Juli 1949, der erste Linienflug mit zahlenden Passagieren folgte am 2. Mai 1952 bei der staatlichen BOAC. Nach einer Unfallserie verlor die Comet 1 im April 1954 ihre Zulassung. Die Untersuchung deckte auf, dass die Druckkabine durch wiederholte Belastung ermüdet war. Mit der überarbeiteten Comet 4 kehrte der Typ 1958 zurück, doch die amerikanische Konkurrenz hatte inzwischen aufgeholt.
Vom Brabazon-Komitee zum Erstflug
Die Idee entstand noch während des Zweiten Weltkriegs. Ein Regierungsausschuss unter Lord Brabazon sollte festlegen, welche Verkehrsflugzeuge Großbritannien nach dem Krieg braucht. Unter den fünf Konzepten war als „Type IV“ ein Vorschlag von Geoffrey de Havilland: ein Passagierflugzeug mit reinem Strahlantrieb. Das war mutig, denn Strahltriebwerke kannte man bis dahin fast nur aus Militärjets wie der hauseigenen de Havilland Vampire.
Heraus kam ein elegantes Flugzeug mit einem moderat gepfeilten Flügel von rund 20 Grad und vier Triebwerken vom Typ de Havilland Ghost, die nicht unter den Flügeln hingen, sondern in den Flügelwurzeln steckten. Am 27. Juli 1949 hob der Prototyp mit Testpilot John Cunningham in Hatfield ab, kurz darauf trug er das Kennzeichen G-ALVG. Im Linienverkehr flogen zu dieser Zeit ausschließlich Propellerflugzeuge.
Was die Comet so besonders machte
Für Passagiere war der Unterschied enorm. Die Comet flog in deutlich größerer Höhe als die Propellerflugzeuge, also über einem Großteil des Wetters, und mit einer Reisegeschwindigkeit von rund 740 km/h. Das war deutlich schneller als die Propellerflugzeuge, mit denen BOAC bis dahin flog. Dazu kamen eine ruhige, vibrationsarme Kabine und ein Triebwerksgeräusch, das mit dem Dröhnen der Kolbenmotoren nichts mehr gemein hatte. BOAC bestuhlte die Comet 1 mit 36 Sitzen – eine Kabine für zahlungskräftiges Publikum.
Um in dieser Höhe fliegen zu können, brauchte die Comet eine Druckkabine, die einen viel größeren Druckunterschied zur Außenluft aushielt als bei bisherigen Verkehrsflugzeugen. Was das für Körper und Kabine bedeutet, erklärt unser Artikel zu Kabinendruck und Kabinenhöhe. Genau dieser Druckunterschied wurde später zum Problem.
1952: Der Jet-Liniendienst beginnt
Am 2. Mai 1952 startete die Comet G-ALYP zum ersten planmäßigen Jet-Linienflug von London nach Johannesburg, mit mehreren Zwischenlandungen. Weitere Strecken nach Asien folgten, und ausländische Airlines bestellten: Air France, die französische UAT, Canadian Pacific und andere wollten den neuen Jet. Für die britische Luftfahrtindustrie sah es so aus, als hätte sie den Rest der Welt um Jahre abgehängt. BOAC war die Airline, die das neue Zeitalter eröffnete.
Einordnung für Spotter
Die Comet war kein Prototyp-Kuriosum, sondern ein echtes Linienflugzeug mit Flugplan. Viele Gestaltungsideen späterer Jets – Druckkabine für große Höhen, Strahltriebwerke, gepfeilter Flügel – flogen hier zum ersten Mal im Alltagsbetrieb.
Die Unfallserie 1952 bis 1954
Schon nach wenigen Monaten häuften sich die Probleme. Innerhalb von 18 Monaten gingen fünf Comet 1 verloren. Wichtig ist: Die Unfälle hatten nicht alle dieselbe Ursache.
| Datum | Flugzeug | Ort | Was geschah | Todesopfer |
|---|---|---|---|---|
| 26. Oktober 1952 | G-ALYZ (BOAC) | Rom-Ciampino | kam beim Start nicht in die Luft, Totalschaden | keine |
| 3. März 1953 | CF-CUN (Canadian Pacific) | Karachi | Startunfall bei Nacht | 11 |
| 2. Mai 1953 | G-ALYV (BOAC) | bei Kalkutta | Absturz in schwerem Gewitter kurz nach dem Start | 43 |
| 10. Januar 1954 | G-ALYP (BOAC) | Mittelmeer vor Elba | Zerbrechen im Steigflug nach Start in Rom | 35 |
| 8. April 1954 | G-ALYY (für South African Airways) | Mittelmeer bei Neapel | Zerbrechen im Steigflug nach Start in Rom | 21 |
Die beiden Startunfälle in Rom und Karachi rückten das Startverhalten der Maschine in den Fokus. Der Absturz bei Kalkutta ereignete sich in einem heftigen Unwetter. Wirklich beunruhigend waren aber die letzten beiden Fälle: Zwei Comets brachen jeweils kurz nach dem Start in Rom im Steigflug auseinander und stürzten ins Meer. Ausgerechnet G-ALYP, die Maschine des Eröffnungsflugs, war das Flugzeug von Elba.
Grounding, Rückkehr, zweites Grounding
Nach Elba stellte BOAC die Comets freiwillig ab. Man vermutete unter anderem Brände oder Triebwerksschäden und nahm eine Reihe von Änderungen vor. Am 23. März 1954 flogen die Comets wieder – nur gut zwei Wochen später ging G-ALYY bei Neapel verloren. Danach wurde der Comet 1 die Zulassung entzogen. Für Passagiere ist sie nie wieder geflogen.
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Die Ermittlung: Wrackteile vom Meeresgrund und ein Wasserbecken
Was folgte, gilt bis heute als Meilenstein der Flugunfalluntersuchung. Die Leitung lag beim Royal Aircraft Establishment (RAE) in Farnborough unter Sir Arnold Hall. Zwei Wege liefen parallel.
1. Bergung vor Elba
Die Royal Navy suchte zusammen mit Bergungsschiffen den Meeresgrund zwischen Elba und Montecristo ab, unter anderem mit Unterwasser-Fernsehkameras. Viele Wrackteile von G-ALYP kamen so an die Oberfläche.
2. Puzzle in Farnborough
Die Teile wurden auf einem Gestell wieder zu einem Flugzeug zusammengesetzt. So ließ sich verfolgen, in welcher Reihenfolge die Struktur versagt hatte und wo der Bruch begann.
3. Ein Rumpf im Wassertank
Parallel setzten die Ingenieure den Rumpf der BOAC-Comet G-ALYU in ein großes Wasserbecken. Die Kabine wurde mit Wasser immer wieder unter Druck gesetzt, die Flügel per Hydraulik bewegt – Flug für Flug im Zeitraffer.
4. Der Riss
Am 24. Juni 1954 platzte die Kabine im Becken auf. G-ALYU hatte da insgesamt 3.057 Druckzyklen hinter sich: 1.221 echte Flüge im Liniendienst und 1.836 simulierte im Tank.
Warum Wasser? Hätte man den Rumpf mit Luft aufgepumpt, wäre beim Versagen die gespeicherte Energie explosionsartig frei geworden und hätte die Bruchstelle zerstört. Wasser lässt sich kaum zusammendrücken: Der Rumpf reißt, aber die Spuren bleiben lesbar.
Was ist Metallermüdung?
Metallermüdung bedeutet, dass ein Bauteil unter wiederholter Belastung versagt, obwohl jede einzelne Belastung weit unter seiner Bruchgrenze liegt. Du kennst das vom Büroklammer-Biegen: Einmal biegen hält sie aus, beim zwanzigsten Mal bricht sie.
Bei einem Flugzeug passiert das mit jedem Flug. Am Boden ist die Kabine drucklos, in Reiseflughöhe steht sie unter Überdruck gegenüber der dünnen Außenluft, nach der Landung wieder nicht. Die Rumpfhaut dehnt sich also bei jedem Flug ein kleines Stück und entspannt sich danach. Wo die Haut durchbrochen ist – an Fenstern, Türen, Luken, Antennenausschnitten und an jedem Nietloch – konzentriert sich die Spannung. An solchen Stellen können winzige Risse entstehen und mit jedem weiteren Zyklus ein Stück wachsen, bis die verbleibende Struktur der Last nicht mehr standhält.
Wo die Comet riss
Die Untersuchung des Elba-Wracks führte den Bruch auf einen Ausschnitt im Rumpfdach zurück, der für eine Antenne des Funkpeilers (ADF) vorgesehen war. An einem Nietloch nahe der Ecke dieses Ausschnitts hatte sich ein Ermüdungsriss gebildet. Im Tanktest begann das Versagen an der Ecke einer Notausstiegsluke. Beides zeigt dasselbe Muster: Spannungsspitzen an Ecken von Ausschnitten, verstärkt durch Nietlöcher. Spätere Auswertungen nennen außerdem Fertigungsdetails: Die Verstärkungen um die Ausschnitte sollen genietet statt wie ursprünglich vorgesehen verklebt gewesen sein, und beim Stanzen der Nietlöcher konnten feine Anrisse entstehen.
Der Mythos von den eckigen Fenstern
Oft heißt es, die „eckigen Fenster" hätten die Comet zum Absturz gebracht. Tatsächlich waren die Passagierfenster der Comet 1 rechteckig mit abgerundeten Ecken. Ausgangspunkt der Risse waren Antennen- und Lukenausschnitte. Die Lehre betrifft aber alle Öffnungen im Rumpf – deshalb haben heutige Jets durchweg stark gerundete Fenster.
Der Untersuchungsausschuss unter Lord Cohen tagte im Herbst 1954. Er hielt das Grundkonzept der Comet für solide, sah die Ursache der beiden Katastrophen aber im Ermüdungsversagen der Druckkabine.
Was die Luftfahrt aus der Comet gelernt hat
Die Comet-Untersuchung veränderte, wie Flugzeuge konstruiert, geprüft und gewartet werden. Viele Grundsätze sind heute so selbstverständlich, dass man ihren Ursprung vergisst.
- Ermüdungstests am ganzen Flugzeug: Statt nur einzelne Bauteile zu prüfen, durchlaufen neue Typen heute Ermüdungstests an kompletten Zellen, die ein Vielfaches der geplanten Flugzyklen simulieren.
- Gerundete Ausschnitte: Fenster, Türen und Luken haben große Eckradien und verstärkte Rahmen, damit sich die Spannung gleichmäßig verteilt.
- Fail-safe-Denken: Strukturen werden so ausgelegt, dass ein Riss erkannt wird, bevor er gefährlich wird, und dass benachbarte Bauteile die Last übernehmen. Rissstopper im Rumpf begrenzen, wie weit ein Riss laufen kann.
- Inspektionen nach Zyklen: Wartungsprogramme zählen nicht nur Flugstunden, sondern auch Starts und Landungen. Wie das in der Praxis läuft, zeigt unser Artikel über Flugzeugwartung vom A- bis C-Check.
Damit hat die Comet indirekt auch die Konkurrenz sicherer gemacht. Die Boeing 707 und die Douglas DC-8 kamen in eine Welt, in der das Ermüdungsproblem verstanden war.
Die Rückkehr: Comet 4 und der Transatlantik-Wettlauf
De Havilland gab nicht auf. Die Comet 2 erhielt ovale Fenster und eine verstärkte Struktur; viele dieser Maschinen gingen an die Royal Air Force. Die Comet 3 blieb ein einzelner Prototyp, der am 19. Juli 1954 flog und als Basis für die Comet 4 diente. Die Comet 4 war länger, kräftiger und mit Rolls-Royce-Avon-Triebwerken ausgerüstet. Sie flog am 27. April 1958 zum ersten Mal und wurde im September 1958 an BOAC übergeben.
Am 4. Oktober 1958 eröffnete BOAC damit den ersten Jet-Liniendienst über den Nordatlantik zwischen London und New York. In Richtung Westen brauchte die Comet 4 noch einen Tankstopp in Gander. Die Gegenrichtung von New York nach London dauerte rund sechs Stunden und zwölf Minuten. Der Vorsprung war allerdings knapp: Noch im selben Monat nahm Pan Am die Boeing 707 auf der Strecke New York–Paris in Betrieb. Die 707 war größer, schneller und hatte mehr Reichweite – und ihre Triebwerke hingen in Gondeln unter dem Flügel, was Wartung und spätere Leistungssteigerungen erleichterte. Wie Pan Am mit der 707 das Jetzeitalter in den USA prägte, liest du in einem eigenen Artikel.
Die Comet-4-Familie umfasste drei Versionen:
| Version | Merkmal | Typische Betreiber |
|---|---|---|
| Comet 4 | Langstreckenversion, Erstflug 1958 | BOAC, Aerolíneas Argentinas, East African Airways |
| Comet 4B | längerer Rumpf, kürzerer Flügel für Europa-Strecken | BEA, Olympic Airways |
| Comet 4C | langer Rumpf mit dem Flügel der Comet 4 | Mexicana, Middle East Airlines, Kuwait Airways, Sudan Airways u. a. |
Die Kurzstreckenversion flog bei British European Airways. Später sammelte die britische Charterairline Dan-Air gebrauchte Comets in großer Zahl und war am Ende die letzte Fluggesellschaft der Welt, die den Typ einsetzte. Im November 1980 stellte sie die letzte Comet ab.
Parallel zur Comet entwickelte die Sowjetunion die Tupolew Tu-104, die ebenfalls Triebwerke in den Flügelwurzeln trug. Mehr zur Entwicklung im Osten erzählt unser Überblick zu sowjetischen Verkehrsflugzeugen.
Nimrod: die Comet bei der RAF
Militärisch lebte die Konstruktion deutlich länger. Aus der Comet 4 entstand bei Hawker Siddeley der Seeaufklärer Nimrod, den du an der Waffenbucht unter dem Rumpf und dem markanten Heckausleger erkennst. Die Seeaufklärer-Version MR2 schied 2010 aus, die letzten Nimrod der Aufklärungsversion R1 flogen bei der Royal Air Force bis 2011. Wer heute eine Nimrod im Museum sieht, erkennt in Cockpitfenstern und Flügelwurzeln sofort die Comet wieder.
Woran du eine Comet erkennst
Im Museum ist die Comet leicht von anderen Klassikern zu unterscheiden, wenn du auf drei Dinge achtest. Ausführlich zum Typ geht es auf der Seite zur De Havilland DH.106 Comet.
- Triebwerke in den Flügelwurzeln: Statt Gondeln unter dem Flügel siehst du auf jeder Seite zwei Lufteinlässe direkt am Übergang zwischen Rumpf und Flügel.
- Schlanker Rumpf, schmale Nase: Die Comet wirkt neben einer Boeing 707-320 zierlich, mit einer Nase, die fast nahtlos in das Cockpit übergeht.
- Fenster: Die Comet 1 hat rechteckige Fenster mit gerundeten Ecken, spätere Versionen ovale. Daran unterscheidest du frühe und späte Exemplare auf einen Blick.
- Bei der Comet 4 und 4C: Tankbehälter an der Vorderkante der Flügel, die wie kleine Gondeln nach vorn ragen.
Wo du die Comet heute noch siehst
Fliegen wirst du keine Comet mehr sehen, aber mehrere Exemplare sind erhalten. Für Spotter mit Sinn für Geschichte lohnt sich eine kleine Comet-Tour.
| Exemplar | Version | Ort |
|---|---|---|
| G-BDIW | Comet 4C (ex Dan-Air) | Flugausstellung Hermeskeil, Deutschland |
| G-APDB | Comet 4 | IWM Duxford, England |
| G-APAS | Comet 1XB, einzige komplette Comet 1 | RAF Museum Cosford, England |
| F-BGNX | Comet 1A, nur Rumpf | de Havilland Aircraft Museum, England |
| G-BDIX | Comet 4C | National Museum of Flight East Fortune, Schottland |
| N888WA | Comet 4C | Museum of Flight, Restaurierungszentrum in Everett, USA |
Für Besucher aus Deutschland ist Hermeskeil im Hunsrück der einfachste Weg zur Comet – dort steht eine ehemalige Dan-Air-Comet 4C. Der Rumpf F-BGNX im de Havilland Aircraft Museum ist besonders spannend: Er wurde 1953 als Comet 1A für Air France gebaut, später als Ersatzrumpf für die Tankversuche nach Farnborough gebracht, dort aber nie getestet. Du kannst hier also genau die Rumpfform mit den frühen Fenstern aus der Nähe sehen, um die sich die ganze Geschichte dreht. Für Duxford hilft dir der Spot-Guide IWM Duxford, für Cosford der Spot-Guide RAF Museum Cosford, für Schottland der Guide zum National Museum of Flight.
Tipp für die Museumsfotografie
Die Comet ist schlank und lang, steht aber oft eng zwischen anderen Exponaten. Ein Weitwinkel oder eine Position schräg vor der Nase bringt das Flugzeug ganz aufs Bild. Notier dir das Kennzeichen gleich vor Ort – Museumsschilder nennen es nicht immer.
Ein Wort zum Stand: Ausstellungsorte und Zugänglichkeit können sich ändern, etwa durch Restaurierungen oder Umbauten. Prüf vor einem Besuch die Informationen des jeweiligen Museums. Wenn dich die Geschichte der britischen Jet-Pioniere fasziniert, ist auch die Concorde-Geschichte ein guter nächster Schritt – sie schließt den Bogen, denn auch dort spielte Großbritannien die Hauptrolle.
Bist du bereit für deine Comet-Tour?
- Ich weiß, welche Comet-Version im Museum steht und woran ich sie erkenne.
- Ich habe Öffnungszeiten und aktuelle Ausstellungsinfos beim Museum geprüft.
- Ich habe ein Weitwinkel oder eine Idee für die Perspektive dabei.
- Ich notiere Kennzeichen und Ort jeder Sichtung direkt vor Ort.
- Ich habe weitere Klassiker im selben Museum auf meiner Liste.
Von der Comet bis zum A350
Sammle Museumsklassiker und moderne Jets im selben Hangar, finde Spots auf der Spot-Karte und lass dich per Sichtungs-Alarm benachrichtigen, wenn ein gesuchter Typ anfliegt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Die de Havilland Comet war eine Pionierin im besten und im bittersten Sinn. Sie zeigte 1952, dass Passagiere mit Strahltriebwerken schnell und hoch reisen können, und bezahlte dafür, dass niemand die Folgen tausender Druckzyklen auf eine Flugzeugkabine richtig verstanden hatte. Die gründliche Untersuchung mit Wrackbergung vor Elba und Wassertank in Farnborough machte aus dieser Katastrophe Wissen, das jedes spätere Verkehrsflugzeug sicherer gemacht hat. Kommerziell holten 707 und DC-8 die Früchte ein – technisch steckt ein Stück Comet in jedem Jet, den du heute am Zaun fotografierst.
Kurzfazit
Die Comet eröffnete 1952 das Jetzeitalter, scheiterte 1954 an Metallermüdung der Druckkabine und lieferte mit der Untersuchung in Farnborough die Grundlage moderner Ermüdungstests. Erhaltene Exemplare stehen unter anderem in Hermeskeil, Duxford, Cosford und London Colney – ein Pflichtbesuch für alle, die Luftfahrtgeschichte sammeln.
Zusammenfassung
- Die DH.106 Comet flog am 27. Juli 1949 in Hatfield erstmals und brachte 1952 den Düsenantrieb in den Passagierverkehr. Sie war deutlich schneller als die Propellerflugzeuge ihrer Zeit.
- Nach den Abstürzen vor Elba und bei Neapel 1954 wurde der Comet 1 die Zulassung entzogen. Die Royal Navy barg Wrackteile vom Meeresgrund, das Royal Aircraft Establishment testete einen ganzen Rumpf im Wassertank.
- Die verstärkte Comet 4 eröffnete am 4. Oktober 1958 den ersten Transatlantik-Liniendienst mit Jets, kam aber wirtschaftlich nicht mehr gegen Boeing 707 und Douglas DC-8 an.
- Insgesamt entstanden 114 Comets. Die letzte Passagierfluggesellschaft war Dan-Air bis 1980, als Nimrod lebte die Konstruktion bei der RAF bis 2011 weiter.
Häufige Fragen
War die Comet wirklich das erste Düsenverkehrsflugzeug?
Ja. Die de Havilland DH.106 Comet war das erste Strahlverkehrsflugzeug, das in Serie gebaut wurde und im planmäßigen Liniendienst Passagiere beförderte. Der Prototyp flog am 27. Juli 1949, der erste Linienflug mit zahlenden Fluggästen startete am 2. Mai 1952 bei BOAC von London nach Johannesburg.
Warum stürzten die Comets ab?
Die Abstürze vor Elba im Januar 1954 und bei Neapel im April 1954 gingen auf Metallermüdung der Druckkabine zurück. Durch das wiederholte Unterdrucksetzen bei jedem Flug wuchsen Risse an den Ecken von Ausschnitten im Rumpf, bis die Kabine in Reiseflughöhe aufriss. Zwei frühere Unfälle in Rom und Karachi ereigneten sich dagegen beim Start, ein weiterer bei Kalkutta in einem schweren Gewitter.
Lag es an den eckigen Fenstern?
Nicht ganz. Die Comet-1-Fenster waren rechteckig mit abgerundeten Ecken, nicht wirklich eckig. Der Riss beim Elba-Unglück begann laut Untersuchung an einem Ausschnitt für eine Funkpeil-Antenne im Rumpfdach, beim Tanktest in Farnborough an der Ecke einer Notausstiegsluke. Das Grundproblem war bei allen Ausschnitten dasselbe: zu hohe Spannungsspitzen an Ecken und Nietlöchern.
Was war der Wassertank-Test von Farnborough?
Das Royal Aircraft Establishment setzte den kompletten Rumpf der BOAC-Comet G-ALYU in ein Wasserbecken und pumpte die Kabine immer wieder auf, während die Flügel bewegt wurden. Wasser statt Luft verhinderte, dass der Rumpf beim Versagen explodiert. Am 24. Juni 1954 riss die Kabine nach insgesamt 3.057 Flugzyklen auf, davon 1.221 echte Flüge und 1.836 im Becken simulierte.
Flog die Comet nach den Unfällen weiter?
Die Comet 1 kehrte nicht in den Passagierdienst zurück. Die stark überarbeitete und größere Comet 4 flog ab 1958 für BOAC und zahlreiche andere Airlines. Die britische Dan-Air setzte die letzten Comets im November 1980 außer Dienst. Militärisch blieb die Comet bei der RAF im Einsatz, ihr Ableger Nimrod flog bis 2011.
Wo kann ich heute eine Comet sehen?
In Deutschland steht die Comet 4C G-BDIW in der Flugausstellung Hermeskeil. In England zeigen das IWM Duxford die Comet 4 G-APDB, das RAF Museum Cosford die einzige komplette Comet 1 (G-APAS) und das de Havilland Aircraft Museum den Rumpf der Comet 1A F-BGNX. Weitere Exemplare gibt es unter anderem beim National Museum of Flight in Schottland und im Restaurierungszentrum des Museum of Flight in Everett (USA).
Wie viele Comets wurden gebaut?
Insgesamt entstanden 114 Comets einschließlich der Prototypen. Sie verteilen sich auf die frühen Versionen Comet 1 und 1A, die Comet 2, den einzelnen Prototyp der Comet 3 und die Comet-4-Familie mit den Varianten 4, 4B und 4C.
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