Das Wichtigste in Kürze
- Die Boeing 720 ist eine verkürzte, leichtere 707 für Mittelstrecken und kürzere Pisten – kein eigenständiger Neuentwurf, sondern ein Ableger der 707-120.
- Erstkunde war United Airlines, die den Typ im Juli 1960 in den Liniendienst brachte; die Turbofan-Version 720B startete 1961 bei American Airlines.
- Lufthansa flog acht 720B ab 1961 auf ihrem Langstreckennetz und verkaufte die verbliebenen Maschinen bis 1966 an Pan Am.
- Von der 707-120 trennst du sie über die Rumpflänge, die Zahl der Überflügelausgänge und den verdickten Flügelansatz.
- Die letzte fliegende 720 war das Triebwerks-Testflugzeug C-FETB von Pratt & Whitney Canada; es steht heute in einem Museum in Trenton, Ontario.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist die Boeing 720?
- 2.Was Boeing gegenüber der 707 geändert hat
- 3.720 und 720B: Turbojet gegen Turbofan
- 4.Die Betreiber: von United bis Lufthansa
- 5.Fliegender Prüfstand: die 720 als Testflugzeug
- 6.Die „Starship“ und andere Geschichten
- 7.Boeing 720, 707-120 oder Convair 880?
- 8.Wo du die Boeing 720 heute siehst
- 9.Spotting-Tipps: die 720 gezielt jagen
- 10.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
- 11.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Boeing |
|---|---|
| Familie | 707-Familie; ursprünglich als 707-020 bezeichnet, kurzzeitig auch als 717-020 |
| ICAO-Typcode | B720 |
| Ankündigung | Juli 1957 |
| Erstflug | 23. November 1959 (720), 6. Oktober 1960 (720B) |
| Zulassung (FAA) | 30. Juni 1960 |
| Erster Liniendienst | 5. Juli 1960 bei United Airlines (Los Angeles – Denver – Chicago); 720B ab März 1961 bei American Airlines |
| Triebwerke | 4 × Pratt & Whitney JT3C-7 (Turbojet) bei der 720; 4 × JT3D (Turbofan) bei der 720B |
| Länge | rund 41,5 m – etwa 2,5 m kürzer als die 707-120 |
| Spannweite | 39,88 m (wie 707-120) |
| Höhe | rund 12,6 m |
| Rumpfbreite außen | rund 3,76 m |
| Sitzplätze | rund 131 bis 137 in zwei Klassen, bis 156 in einer Klasse |
| Max. Startgewicht | rund 106 t (720B); bei der 720 je nach Version und Quelle niedriger |
| Produktion | 154 Flugzeuge von 1959 bis 1967: 65 × 720 und 89 × 720B |
| Status | Historisch – letzter Flug eines 720 im Mai 2012, erhaltene Exemplare nur noch in Museen |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Vier Triebwerke einzeln an Pylonen unter einem stark gepfeilten Flügel – das klassische 707-Bild
- Rumpf mit rund 41,5 m sichtbar kürzer als bei der 707-120, mit weniger Fenstern vor dem Flügel
- Pro Seite nur ein Notausgang über dem Flügel; der hintere Überflügelausgang der 707 fehlt
- Verdickte, etwas stärker gepfeilte Flügelvorderkante innen am Rumpf (Flügelwurzel-„Handschuh“)
- Bei der 720 lange, schlanke Turbojet-Gondeln, bei der 720B kürzere, dickere Turbofan-Gondeln mit großem Einlass
- Nach vorn ragende Antennennadel an der Spitze der Seitenflosse, wie bei der ganzen frühen 707-Familie
Aktualisiert: Oktober 2026 – Auf den ersten Blick eine Boeing 707: vier einzeln aufgehängte Triebwerke, stark gepfeilter Flügel, spitze Nase, die Antennennadel oben an der Seitenflosse. Doch der Rumpf wirkt eine Spur gedrungener, über dem Flügel sitzt pro Seite nur ein Notausgang, und der Flügelansatz am Rumpf ist auffällig dick. Das ist die Boeing 720, die Mittelstrecken-Ableitung der 707. United brachte sie 1960 in den Liniendienst, Lufthansa flog sie ab 1961, und als fliegender Prüfstand für Triebwerke hielt sie sich bis 2010 in der Luft. Hier erfährst du, was die 720 ausmacht, wer sie flog und wo du sie heute noch findest.
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Was ist die Boeing 720?
Die 720 ist eine verkürzte und leichtere Version der 707-120, gebaut für mittlere Strecken und kürzere Pisten. Boeing stellte das Projekt im Juli 1957 vor, um Airlines einen Jet für Inlandsverbindungen anzubieten, auf denen die volle Reichweite der 707 nicht gebraucht wurde. Technische Grundlage war die 707, die ihrerseits auf den Jet-Prototyp 367-80 zurückgeht, die berühmte „Dash 80“.
Intern lief das Projekt zunächst als 707-020, danach kurzzeitig als 717-020. Erstkunde United Airlines wollte aber einen eigenständigen Namen, und so wurde daraus die Boeing 720. Das passte auch ins Marketing: Wer mit der 720 flog, saß nicht in einer „kleinen 707“, sondern in einem eigenen Modell.
Technisch blieb die Verwandtschaft eng. Rumpfquerschnitt, Cockpit und Triebwerksanordnung entsprechen der 707-120. Gespart hat Boeing vor allem beim Gewicht: leichtere Schmiedeteile, dünnere Rumpfbeplankung, ein niedrigeres maximales Startgewicht. Der erste Flug fand am 23. November 1959 statt, die US-Luftfahrtbehörde FAA erteilte die Zulassung am 30. Juni 1960. Mehr zur Familie liest du auf den Seiten zur Boeing 707-120 und im Beitrag Die Geschichte der Boeing 707; den Hersteller selbst stellt die Seite zu Boeing vor.
Was Boeing gegenüber der 707 geändert hat
Die Unterschiede zur 707-120 sind klein, aber für Spotter entscheidend, denn genau sie trennen die beiden Typen im Bild.
Kürzerer Rumpf
Boeing nahm vier Rumpfspanten vor dem Flügel und einen dahinter heraus. Insgesamt ist die 720 damit 2,54 Meter kürzer als die 707-120 und kommt auf rund 41,5 Meter Länge.
Überarbeiteter Flügel
Die Spannweite blieb gleich. Neu waren Krueger-Klappen auch außerhalb der äußeren Triebwerke und eine verdickte, leicht stärker gepfeilte Vorderkante am inneren Flügel mit einer Verkleidung an der Flügelwurzel. Das verbesserte das Verhalten bei hoher Geschwindigkeit.
Weniger Ausgänge, kein APU
Der hintere Notausgang über dem Flügel entfiel auf jeder Seite. Ein Hilfstriebwerk (APU) hatte die 720 nicht; am Boden war sie auf Strom- und Druckluftversorgung von außen angewiesen.
In der Kabine fanden in zwei Klassen rund 131 bis 137 Passagiere Platz, in reiner Economy-Bestuhlung bis zu 156. Die Reichweite lag bei der ursprünglichen 720 mit 131 Passagieren bei rund 5.200 Kilometern – für amerikanische Inlandsstrecken mehr als genug.
Der Notausgang als Schnelltest
Auf Fotos oder im Museum ist die Zahl der Überflügelausgänge oft das schnellste Unterscheidungsmerkmal: Die 707-120 hat pro Seite zwei, die 720 in der Standardausführung nur einen. Einzelne Maschinen mit Hochdichte-Bestuhlung erhielten allerdings optional einen zweiten. Zähl die kleinen Türen über dem Flügel, bevor du dich auf das Augenmaß bei der Rumpflänge verlässt.
720 und 720B: Turbojet gegen Turbofan
Wie bei der 707 kam auch bei der 720 rasch der Schritt vom lauten Turbojet zum sparsameren Turbofan. Die ursprüngliche 720 flog mit vier Pratt & Whitney JT3C-7. Die 720B erhielt das JT3D, eines der ersten Turbofan-Triebwerke im Verkehrsflugzeugbau. Sie flog erstmals am 6. Oktober 1960 und ging im März 1961 bei American Airlines in Dienst. Mehr zum Triebwerkshersteller findest du auf der Seite zu Pratt & Whitney.
| Merkmal | Boeing 720 | Boeing 720B |
|---|---|---|
| Triebwerke | 4 × JT3C-7 (Turbojet) | 4 × JT3D (Turbofan) |
| Erstflug | 23. November 1959 | 6. Oktober 1960 |
| Erstbetreiber | United Airlines (Juli 1960) | American Airlines (März 1961) |
| Max. Startgewicht | je nach Version niedriger | rund 106 t |
| Reichweite | rund 5.200 km mit 131 Passagieren | rund 5.900 km mit 156 Passagieren |
| Triebwerksgondeln | lang und schlank | kürzer und dicker, großer Einlass |
| Gebaut | 65 | 89 (plus 10 Umbauten bei American) |
Außen verrät dich die Gondelform am schnellsten: Die schlanken JT3C-Röhren wirken fast wie Zigarren, die JT3D-Gondeln haben einen sichtbar größeren Einlass und einen kurzen äußeren Mantel für den Nebenstrom. Wie du Triebwerksbauarten generell auseinanderhältst, erklärt der Beitrag Triebwerke erkennen.
Die Betreiber: von United bis Lufthansa
Die 720 war kein Massenprodukt. Gegen die Konkurrenz der Convair CV-880, die ein ähnliches Marktsegment ansprach, und kurz darauf gegen die dreistrahlige Boeing 727-100 hatte sie es schwer. Trotzdem flog sie bei einer ganzen Reihe bekannter Airlines.
United Airlines war Erstkunde und übernahm zwischen 1960 und 1962 insgesamt 29 Maschinen. Der erste Linienflug am 5. Juli 1960 führte von Los Angeles über Denver nach Chicago. American Airlines bekam 1960 zehn 720 und 1961 fünfzehn 720B, später ließ sie die älteren Flugzeuge auf B-Standard umrüsten. Eastern Air Lines betrieb fünfzehn 720, Braniff fünf.
Der größte Kunde der Turbofan-Version war Western Airlines: Zwischen 1961 und 1967 übernahm die Airline aus Los Angeles 27 Boeing 720B. Weitere Erstkunden der 720B waren Northwest Airlines mit 13 und Continental Airlines mit acht Maschinen. Pan Am flog von 1963 bis 1974 neun 720B, vor allem in die Karibik und nach Südamerika – mehr zur Airline in Pan Am – Aufstieg und Fall einer Legende.
International kauften unter anderem Aer Lingus, Pakistan International Airlines, Avianca und Ethiopian Airlines neue 720. Für Avianca war die 720B das erste Düsenflugzeug einer kolumbianischen Airline.
Lufthansa und die 720B
Für Spotter aus Deutschland ist die Lufthansa-Episode besonders spannend. Lufthansa bestellte acht 720B, die erste Maschine mit dem Kennzeichen D-ABOG kam am 17. März 1961, die letzte, D-ABOR, im Februar 1962. Die Flugzeuge flogen auf dem gesamten Langstreckennetz, also auf alle fünf Kontinente, oft mit vielen Zwischenlandungen. Zwei Maschinen verlor Lufthansa bei Schulungsflügen. Ab März 1964 nahm die Airline die verbliebenen sechs aus dem Dienst; bis Februar 1966 gingen alle an Pan Am. Heute gehört Lufthansa zur Lufthansa Group, die Ära der 720B ist dort längst Geschichte.
| Betreiber | Variante | Anzahl (Erstauslieferung) | Zeitraum der Auslieferung |
|---|---|---|---|
| United Airlines | 720 | 29 | 1960–1962 |
| American Airlines | 720 / 720B | 10 + 15 | 1960–1961 |
| Eastern Air Lines | 720 | 15 | 1961–1962 |
| Western Airlines | 720B | 27 | 1961–1967 |
| Northwest Airlines | 720B | 13 | 1961–1964 |
| Continental Airlines | 720B | 8 | 1962–1966 |
| Lufthansa | 720B | 8 | 1961–1962 |
| Aer Lingus | 720 | 3 | 1960–1961 |
Zweite Karriere in Europa
Als die US-Airlines ihre 720 ab den späten 1960er-Jahren gegen neuere Muster tauschten, fanden viele Flugzeuge neue Besitzer. Olympic Airways übernahm 1972 und 1973 sieben 720B, Air Malta flog von 1974 bis 1988 fünf Maschinen. Auch die dänische Maersk Air und die britische Monarch Airlines setzten die 720B im Charterverkehr ein, Maersk Air bis 1987. Bei der libanesischen Middle East Airlines war der Typ ebenfalls im Einsatz.
Gerade die Charterjahre machten die 720 zu einem Gast auf europäischen Ferienflughäfen. Viele Fotos dieser Zeit zeigen sie in den Farben, die heute als Klassiker gelten – Inspiration dazu findest du bei den legendären Airline-Lackierungen.
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Fliegender Prüfstand: die 720 als Testflugzeug
Ihre längste Karriere hatte die 720 nicht im Passagierdienst, sondern als Triebwerks-Testflugzeug. Der kurze, leichte Vierstrahler bot Platz, um ein zusätzliches Triebwerk unter dem Flügel, am Rumpf oder in der Nase zu montieren, während die übrigen Motoren das Flugzeug sicher in der Luft hielten.
Das bekannteste Beispiel ist die C-FETB von Pratt & Whitney Canada. Gebaut wurde sie im Oktober 1960 als 720-023B mit dem Kennzeichen N7538A. Sie flog bis 1971 für American Airlines und danach bis 1985 für Middle East Airlines. Im Dezember 1985 kaufte Pratt & Whitney Canada das Flugzeug und baute es zwischen Oktober 1986 und Januar 1988 aufwendig zum fliegenden Prüfstand um. Je nach Testprogramm konnte die Maschine ein großes Turbofan-Triebwerk anstelle des rechten inneren Triebwerks, ein kleines Turbofan seitlich am vorderen Rumpf oder eine Turboprop-Anlage in einer umgebauten Nase tragen.
Ihren letzten Testflug absolvierte die C-FETB Ende September 2010, ihre Aufgabe übernahm eine Boeing 747SP. Am 9. Mai 2012 flog die 720 ein letztes Mal: von Saint-Hubert bei Montreal zur Militärbasis Trenton in Ontario. Damit endete die Flugkarriere des Typs. Seitdem steht die Maschine als Leihgabe des Canada Aviation and Space Museum im National Air Force Museum of Canada.
Auch Honeywell nutzte eine 720B mit zusätzlicher Triebwerksgondel als Testflugzeug in Phoenix. Sie war die letzte in den USA betriebene 720 und wurde 2008 verschrottet, ersetzt durch eine Boeing 757. Wer sich für Testflugzeuge und ihre auffälligen Anbauten interessiert, wird im Beitrag Hauslackierungen und Testflugzeuge von Airbus, Boeing und Embraer fündig.
Der absichtliche Absturz von 1984
Eine besonders ungewöhnliche Rolle spielte eine 720 im Jahr 1984. Bei der Controlled Impact Demonstration von FAA und NASA ließ man auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien eine ferngesteuerte 720 absichtlich aufschlagen. Untersucht wurden die Belastungen bei einem Aufprall und ein Treibstoffzusatz gegen Brände nach Unfällen. Es gilt als erster vierstrahliger Jet, der erfolgreich ferngesteuert geflogen wurde.
Die „Starship“ und andere Geschichten
Die allererste 720, N7201U, flog nach ihrer Zeit bei United als privater Charterjet für Musiker. Unter dem Namen „The Starship“ wurde sie in den 1970er-Jahren vor allem durch Tourneen von Led Zeppelin bekannt. Statt voller Sitzreihen gab es nur rund 40 Plätze, eine Bar mit eingebauter elektrischer Orgel, Fernseher mit Videoanlage sowie im hinteren Teil eine Lounge und ein Schlafzimmer mit Dusche.
Zur Geschichte gehören auch Unglücke. Insgesamt zählt die Statistik 23 Totalverluste von 720, darunter neun Entführungen und ein Bombenanschlag auf eine Maschine der Middle East Airlines im Jahr 1976. Bekannt wurde unter anderem der Absturz von Northwest-Flug 705 im Februar 1963 über den Everglades in Florida, verursacht durch einen Kontrollverlust in schwerer Turbulenz.
Boeing 720, 707-120 oder Convair 880?
Unter den frühen Vierstrahlern ist die 720 eine der schwierigsten Bestimmungen, denn sie unterscheidet sich von ihren Geschwistern nur in Details.
| Merkmal | Boeing 720 | Boeing 707-120 | Convair CV-880 |
|---|---|---|---|
| ICAO-Typcode | B720 | B701 | siehe Typseite |
| Länge | rund 41,5 m | 44,22 m | kürzer, schlanker Rumpf |
| Überflügelausgänge pro Seite | 1 | 2 | – |
| Antennennadel an der Flosse | ja | ja | nein |
| Rumpfquerschnitt | 707-Rumpf, sechs Sitze pro Reihe | 707-Rumpf, sechs Sitze pro Reihe | schmaler, fünf Sitze pro Reihe |
Die Daten zur Convair findest du ausführlich auf der Seite zur Convair CV-880 und zur verwandten CV-990 Coronado. Wie du solche Merkmale systematisch abfragst, erklärt Flugzeugtypen erkennen für Anfänger.
Schnellbestimmung: früher Vierstrahler mit Pylon-Triebwerken
Boeing 720 oder 720B
Antennennadel, nur ein Überflügelausgang und ein kompakter Rumpf passen zur 720. Die Gondelform verrät dir, ob es eine Turbojet-720 oder eine 720B ist.
Boeing 707-120
Zwei Überflügelausgänge pro Seite und ein etwas längerer Rumpf deuten auf die 707-120. Prüf das Kennzeichen, um auch die verkürzte 707-138 auszuschließen.
Boeing 707-320
Ein langer Rumpf und ein großer Flügel sprechen für die Intercontinental-Version 707-320.
Douglas DC-8
Keine Antennennadel an der Flosse und eine rundere Nase sind typisch für die DC-8.
Convair CV-880 oder CV-990
Der schlankere Rumpf mit fünf Sitzen pro Reihe ist das Merkmal der Convair-Jets. Die CV-990 trägt zusätzlich markante Stoßkörper an der Flügelhinterkante.
Wo du die Boeing 720 heute siehst
Im Flugbetrieb nirgends mehr. Seit dem Überführungsflug der C-FETB im Mai 2012 fliegt keine 720 mehr. Wer den Typ sehen will, plant eine Museumsreise – und die führt weit weg vom deutschsprachigen Raum.
| Ort | Was du siehst | Hinweis |
|---|---|---|
| National Air Force Museum of Canada, Trenton (Ontario) | 720-023B C-FETB, letztes fliegendes Exemplar | RCAF Memorial Airpark, Leihgabe des Canada Aviation and Space Museum |
| Pima Air & Space Museum, Tucson | Cockpitsektion der 720-047B N110DS, früher Western Airlines | als Kinder-Flugsimulator umgebaut |
| Kangshan, Taiwan | 720-051B „Chung Mei“, frühere VIP-Maschine der Luftwaffe | ausgestellt |
| PIA Planetarium, Lahore und Karachi | je eine 720-047B (AP-AXL und AP-AXM) | Teil von Planetarien |
| Kindermuseum Bogotá | 720-030B HK-749, erster Jet einer kolumbianischen Airline | ausgestellt |
Das Pima Air & Space Museum in Tucson lohnt sich ohnehin für jeden Fan alter Verkehrsflugzeuge; das Cockpit der Western-720 ist dort ein Detail unter vielen. Vor Ort hilft dir die Seite Oldtimer am Himmel erkennen, Klassiker auch in Ausstellungen schnell einzuordnen.
Ausstellungen ändern sich
Museumsflugzeuge werden restauriert, umgestellt oder eingelagert, und Exemplare an Flughäfen oder in Planetarien sind nicht immer frei zugänglich. Prüf vor deiner Reise direkt beim Museum, ob das gesuchte Flugzeug gerade zu sehen ist.
Spotting-Tipps: die 720 gezielt jagen
Eine 720 am Zaun ist ausgeschlossen. Umso mehr lohnt die Planung, wenn du den Typ in deine Sammlung holen willst.
Bereit für die 720-Tour?
- Ich weiß, welches Museum das gesuchte Exemplar zeigt und ob es zugänglich ist.
- Ich kenne Kennzeichen und Variante (720 oder 720B) für mein Logbuch.
- Ich habe geprüft, ob Fotografieren erlaubt ist und ob das Flugzeug drinnen oder draußen steht.
- Für Außenexponate kenne ich den Sonnenstand zur Besuchszeit.
- Ich habe ein Weitwinkel für enge Hallen und Cockpitsektionen dabei.
Für Außenexponate wie die C-FETB in Trenton hilft dir der Guide Sonnenstand planen für deinen Fotospot, welche Brennweite wofür passt, steht in Objektiv und Brennweite fürs Planespotting. Weitere Ideen für die Jagd nach Raritäten sammelt Seltene Flugzeuge spotten.
Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
Es spricht für eine Boeing 720, wenn …
- vier Triebwerke einzeln an Pylonen unter einem stark gepfeilten Flügel hängen
- du pro Seite nur einen Notausgang über dem Flügel zählst
- der Flügelansatz am Rumpf vorn auffällig verdickt ist
- Kennzeichen oder Typtafel eine Bezeichnung wie 720-023B oder 720-047B nennen
Sieh genauer hin, wenn …
- der Rumpf kurz wirkt, die Flügelwurzel aber unauffällig – dann kann es auch eine verkürzte 707-138 sein
- das Flugzeug zusätzliche Triebwerke an Rumpf oder Nase trägt – dann ist es ein Testflugzeug, etwa die C-FETB
- nur ein Cockpit oder eine Rumpfsektion ausgestellt ist – dann hilft nur die Beschilderung
Fazit
Die Boeing 720 ist die oft übersehene kleine Schwester der 707: kürzer, leichter, mit überarbeitetem Flügel und für Mittelstrecken optimiert. Mit nur 154 gebauten Exemplaren war sie nie ein Bestseller, doch sie flog bei United, Western, American, Eastern und Lufthansa und erlebte danach eine lange zweite Karriere bei Charterairlines und als fliegender Prüfstand. Mit dem letzten Flug der C-FETB im Jahr 2012 endete diese Geschichte. Für Spotter bleibt die 720 ein Typ für die Reiseplanung und für den geschulten Blick auf Details.
Kurzfazit
707-Silhouette, aber kürzerer Rumpf, nur ein Überflügelausgang pro Seite und ein verdickter Flügelansatz: Das ist die Boeing 720. Sehen kannst du sie nur noch im Museum – am eindrucksvollsten mit der letzten fliegenden 720 in Trenton, Kanada.
Zusammenfassung
- Boeing kündigte die 720 im Juli 1957 an, der Erstflug folgte am 23. November 1959, die Zulassung am 30. Juni 1960.
- Gebaut wurden 154 Maschinen: 65 Turbojet-720 und 89 Turbofan-720B. Größter 720B-Kunde war Western Airlines mit 27 Flugzeugen.
- Nach dem Ausscheiden bei den großen Airlines flogen viele 720B bei Charter- und kleineren Fluggesellschaften weiter, einige als Testflugzeuge für Triebwerkshersteller.
- Heute existieren nur noch wenige Exemplare und Rumpfteile in Museen, unter anderem in Kanada, Taiwan, Pakistan, Kolumbien und den USA.
Häufige Fragen
Welchen ICAO-Typcode hat die Boeing 720?
Die 720 und die 720B laufen unter B720. Die frühe 707-120 ist als B701 erfasst, die größere 707-320 als B703. Eine aktive B720 findest du in Tracking-Diensten nicht mehr, denn der letzte Flug eines 720 fand im Mai 2012 statt.
Warum heißt die 720 nicht 707-020?
Boeing führte das Projekt zunächst als 707-020, dann kurz als 717-020. Auf Wunsch von United Airlines, dem Erstkunden, erhielt das Flugzeug schließlich die eigene Bezeichnung 720. Die Nummer 717 tauchte Jahrzehnte später wieder auf, als Boeing die frühere MD-95 als Boeing 717 vermarktete.
Was ist der Unterschied zwischen 720 und 720B?
Die ursprüngliche 720 hatte JT3C-Turbojets. Die 720B, Erstflug am 6. Oktober 1960, bekam JT3D-Turbofans mit mehr Schub und geringerem Verbrauch, dazu ein höheres maximales Startgewicht von rund 106 Tonnen. Außen erkennst du die B-Version an den kürzeren, dickeren Triebwerksgondeln. American Airlines ließ ihre zehn ursprünglichen 720 später auf den B-Standard umbauen.
Wie unterscheide ich die 720 von der 707-120?
Die 720 ist rund 2,5 Meter kürzer, weil Boeing vier Rumpfspanten vor und einen hinter dem Flügel herausnahm. Außerdem fehlt ihr der hintere Notausgang über dem Flügel, und der innere Flügelteil hat eine verdickte, stärker gepfeilte Vorderkante. Die Spannweite ist dagegen gleich. Sicher klärt es am Ende nur das Kennzeichen oder die Typtafel.
Hat Lufthansa die Boeing 720 geflogen?
Ja, die Variante 720B. Lufthansa übernahm ab März 1961 insgesamt acht 720B und setzte sie auf Strecken zu allen fünf Kontinenten ein. Zwei Maschinen gingen bei Schulungsflügen verloren. Ab 1964 musterte Lufthansa die übrigen sechs aus und verkaufte sie bis Februar 1966 an Pan Am.
Wo kann ich heute noch eine Boeing 720 sehen?
Am ehesten in Kanada: Die 720B C-FETB, das frühere Testflugzeug von Pratt & Whitney Canada, steht im National Air Force Museum of Canada in Trenton, Ontario. Weitere Exemplare oder Teile gibt es unter anderem in Taiwan, in Pakistan, in Bogotá und im Pima Air & Space Museum in Tucson. Zugang und Ausstellungsort prüfst du vor einem Besuch direkt beim Museum.
Was hat die Boeing 720 mit Led Zeppelin zu tun?
Die allererste 720, N7201U, wurde nach ihrer Zeit bei United zu einem privaten Charterjet für Rockbands umgebaut und unter dem Namen „The Starship“ bekannt. Led Zeppelin war in den 1970er-Jahren ihr bekanntester Nutzer. Die Kabine erhielt unter anderem eine Bar mit eingebauter elektrischer Orgel, eine Lounge und ein Schlafzimmer mit Dusche.
Boeing 720 sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
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