Winglets, Sharklets, Split Scimitar und Raked Wingtips: Flügelspitzen als Erkennungsmerkmal

Die Flügelspitze verrät oft mehr als die Lackierung. Wie du Wingtip Fences, Blended Winglets, Sharklets, Split Scimitar, AT-Winglets, Raked Wingtips und Klappflügel auseinanderhältst – und welche Typen du daran erkennst.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202614 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Sieben Grundformen reichen: gerade Spitze, Wingtip Fence, klassisches Winglet, Blended Winglet beziehungsweise Sharklet, Split Scimitar, das zweiteilige AT-Winglet der 737 MAX und die nach hinten gezogene Raked Wingtip.
  • Kleine Zäune heißen Airbus: Wingtip Fences – kurze Flächen, die über und unter die Flügelspitze ragen – trugen die A310, die A320ceo vor den Sharklets und die A380.
  • Sharklets beweisen keine neo: Seit Ende 2012 gibt es Sharklets auch an der A320ceo. Ob neo oder ceo vor dir steht, klären erst die Triebwerke.
  • Zweiteilig ist nicht gleich zweiteilig: Das Split Scimitar ist eine Nachrüstung für die 737NG mit hakenförmig abgeschrägten Spitzen, das AT-Winglet ab Werk ein Merkmal der 737 MAX.
  • Ohne Winglet heißt oft moderner: 787, 747-8, 777-300ER, 777-200LR, 767-400ER und die Embraer E2 tragen schräg nach hinten gezogene Raked Wingtips statt hochgestellter Winglets.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Flügelspitzen erkennen: die kurze Antwort
  2. 2.Warum Flugzeuge überhaupt besondere Flügelspitzen haben
  3. 3.Die sieben Grundformen im Überblick
  4. 4.Wingtip Fences: die kleinen Zäune von Airbus
  5. 5.Klassische Winglets: der harte Knick
  6. 6.Blended Winglets und Sharklets: der weiche Bogen
  7. 7.Split Scimitar: der Säbel unter der 737NG
  8. 8.AT-Winglet: das Federpaar der 737 MAX
  9. 9.Raked Wingtips: der spitze Abschluss ohne Winglet
  10. 10.Zwei Sonderfälle: A350 und 777X
  11. 11.So liest du die Flügelspitze am Zaun
  12. 12.Wo die Flügelspitze dich täuscht
  13. 13.Wo du die Formen am besten vergleichen kannst
  14. 14.Fazit

Der Jet ist noch weit draußen im Anflug, die Lackierung kaum zu erkennen – aber gegen den Himmel zeichnen sich schon die Flügelenden ab. Für erfahrene Spotter reicht das oft, um die Auswahl auf zwei, drei Typen einzugrenzen. Die Form der Flügelspitzen ist eines der schnellsten Erkennungsmerkmale überhaupt, weil sie bei fast jedem Blickwinkel sichtbar ist und sich die Hersteller dabei ganz unterschiedliche Lösungen ausgedacht haben. Dieser Guide zeigt dir die sieben Grundformen, ordnet sie den Typen zu und erklärt, wo die Flügelspitze dich in die Irre führen kann.

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Flügelspitzen erkennen: die kurze Antwort

Schau zuerst, in welche Richtung die Spitze vom Flügel abgeht. Bleibt sie flach und läuft spitz nach hinten aus, ist es eine Raked Wingtip. Ragt eine kleine Fläche gleichzeitig nach oben und unten, ist es ein Wingtip Fence. Geht eine große Fläche nach oben, entscheidet der Übergang: mit hartem Knick ein klassisches Winglet, in weichem Bogen ein Blended Winglet oder Sharklet. Hat das Winglet zusätzlich einen Teil nach unten, bist du bei Split Scimitar oder dem AT-Winglet der 737 MAX. Damit hast du die Familie fast immer eingegrenzt – die genaue Variante klären danach Triebwerke, Rumpflänge und Kennzeichen.

7Grundformen von Flügelspitzen an Verkehrsflugzeugen
1985A310-300 als erstes Verkehrsflugzeug mit Wingtip Fences
3,5 mklappt die 777X an jeder Flügelspitze am Boden hoch

Warum Flugzeuge überhaupt besondere Flügelspitzen haben

Unter dem Flügel herrscht Überdruck, darüber Unterdruck. An der Flügelspitze versucht die Luft, diesen Unterschied auszugleichen, und strömt von unten nach oben um das Flügelende herum. So entsteht ein kräftiger Wirbel, der hinter dem Flugzeug herzieht – an feuchten Tagen siehst du ihn manchmal als Kondensfahne direkt an der Flügelspitze. Dieser Wirbel kostet Energie, der sogenannte induzierte Widerstand steigt, und damit der Treibstoffverbrauch.

Ein längerer Flügel würde helfen, passt aber oft nicht mehr an die Gates und in die Flughafen-Kategorien. Deshalb haben die Hersteller seit den 1970er-Jahren nach anderen Wegen gesucht. Grundlegend war die Forschung des NASA-Aerodynamikers Richard Whitcomb, der nach der Ölkrise 1973 zeigte, dass eine fast senkrechte Fläche an der Flügelspitze mehr bringt als eine flache Verlängerung. Flugtests mit einer KC-135 folgten 1979 und 1980. Das erste Serienflugzeug mit Winglets war der Business-Jet Learjet 28 Ende der 1970er-Jahre, bei den Verkehrsflugzeugen machten die 747-400, die MD-11 und die A330/A340 die Winglets in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren populär.

Für dich am Zaun heißt das: Jede Generation und jeder Hersteller hat eine eigene Antwort auf dieselbe Frage gefunden. Genau deshalb taugt die Flügelspitze so gut als Erkennungsmerkmal.

Die sieben Grundformen im Überblick

Form So sieht sie aus Typische Typen
Gerade Spitze Flügel endet ohne Aufsatz, meist mit kleiner Kappe 737 Classic ohne Nachrüstung, 777-200/-200ER/-300, 747-100 bis -300, DC-10, A300
Wingtip Fence kleine Fläche, die nach oben und nach unten ragt A310, A320ceo ohne Sharklets, A380
Klassisches Winglet nach oben abgeknickt, mit deutlicher Kante am Übergang 747-400, A330ceo, A340, MD-11 (mit Zusatzteil nach unten), CRJ
Blended Winglet / Sharklet fließender Bogen vom Flügel nach oben 737NG, 757, 767-300ER (nachgerüstet), A320-Familie, A330neo, A220
Split Scimitar Blended Winglet plus Element nach unten, Enden hakenförmig abgeschrägt nachgerüstete 737NG, Abwandlung an 757
AT-Winglet zwei schlanke, spitze Teile nach oben und unten Boeing 737 MAX
Raked Wingtip bleibt in der Ebene, stärker nach hinten gepfeilt, spitzer Abschluss 767-400ER, 777-200LR, 777-300ER, 787, 747-8, Embraer E2

Eine Sonderrolle spielen die geschwungene Flügelspitze der A350 und die klappbaren Spitzen der 777X – beide schauen wir uns unten einzeln an.

Wingtip Fences: die kleinen Zäune von Airbus

Ein Wingtip Fence ist das unauffälligste Merkmal in dieser Liste und trotzdem ein sehr zuverlässiges. Die kurze, meist dreieckige Fläche ragt gleichzeitig ein Stück über und ein Stück unter die Flügelspitze. Von vorn sieht das Flügelende aus wie ein kleines, senkrechtes Plättchen.

Die A310-300 war 1985 das erste Verkehrsflugzeug damit, später übernahm Airbus das Prinzip für viele A300-600, die A320 der ersten Generation und die A380. Gerade bei der A320-Familie ist der Fence ein wertvoller Hinweis: Siehst du ihn, steht sicher eine ceo vor dir – und zwar eine ohne Sharklet-Nachrüstung. An der A380 fällt er wegen der riesigen Flügel kaum auf. Achte bei Fotos auf die Spitze von vorn oder schräg unten, dann erkennst du den unteren Teil des Zauns.

Klassische Winglets: der harte Knick

Das klassische Winglet knickt mit klar erkennbarer Kante nach oben ab und ist meist leicht nach außen geneigt. Es gehört zu den Großraumflugzeugen der späten 1980er- und 1990er-Jahre:

  • Boeing 747-400: Die hochgestellten Winglets sind das schnellste Unterscheidungsmerkmal zu den älteren Jumbos und zur 747-8. Ausnahme ist die japanische Kurzstreckenversion 747-400D, die ohne Winglets ausgeliefert wurde. Mehr dazu im Guide Boeing 747-Varianten erkennen.
  • Airbus A330ceo und A340: Beide tragen dieselben abgeknickten Winglets. Die Unterscheidung läuft hier über die Zahl der Triebwerke, siehe A330 oder A340. Bei der A340-600 wirkt das Winglet im Verhältnis zum extrem langen Rumpf fast klein.
  • McDonnell Douglas MD-11: Hier sitzt zusätzlich ein kleines Element unter dem Winglet, das schräg nach unten zeigt. Das ist das einfachste Merkmal, um die MD-11 von ihrer Vorgängerin DC-10 zu trennen, deren Flügel gerade enden.
  • Bombardier CRJ: Die CRJ-100/200 war das erste Regionalflugzeug mit Winglets. Wie du sie von anderen Regionaljets unterscheidest, zeigt Regionaljets erkennen.

Blended Winglets und Sharklets: der weiche Bogen

Bei Blended Winglets geht der Flügel ohne Kante in einem gleichmäßigen Radius nach oben über. Entwickelt hat die Form die Firma Aviation Partners, die 1999 mit Boeing das Gemeinschaftsunternehmen Aviation Partners Boeing gründete.

Boeing 737NG, 757 und 767

An der 737 Next Generation ging das Blended Winglet im Mai 2001 bei Hapag-Lloyd in den Liniendienst. Für 737-700, 737-800 und 737-900ER war es ab Werk erhältlich, außerdem gab es Nachrüstsätze für die 737 Classic (-300 und -500), die 757-200 und die 767-300ER. Die Winglets sind ungefähr 2,4 Meter hoch und schließen oben mit einer gerundeten Kappe ab.

Für dich bedeutet das: An einer 737 Classic oder einer 757 sagt das Winglet nichts über die Variante, sondern nur, dass jemand nachgerüstet hat. Die Generation erkennst du an anderen Merkmalen, die der Guide Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX unterscheiden zusammenfasst.

Sharklets der A320-Familie

Airbus stellte seine eigene Lösung im November 2009 auf der Dubai Airshow vor und nannte sie Sharklet. Die Aufsätze sind rund 2,5 Meter hoch, gehen ebenfalls in weichem Bogen nach oben, laufen aber spitzer zu als das 737-Winglet. Die erste A320 mit Sharklets ging am 21. Dezember 2012 an Indonesia AirAsia. Airbus gibt für längere Strecken eine Treibstoffersparnis von bis zu rund vier Prozent an.

Der wichtigste Merksatz dazu: Sharklet heißt nicht automatisch neo. Viele ceo-Maschinen, die ab 2013 ausgeliefert wurden, tragen sie ebenfalls. An A320neo und A321neo sind sie Standard. Wie du die beiden Generationen trotzdem sicher trennst, erklärt A320neo oder ceo.

A330neo und A220

Auch die A330neo bekam neue, größere Sharklets und lässt sich so von der A330ceo mit ihren abgeknickten Winglets unterscheiden. Die A220-300 trägt ebenfalls nach oben gebogene Winglets – hier ist die Flügelspitze aber kein Unterscheidungsmerkmal innerhalb der Familie, denn A220-100 und -300 haben dieselbe Form.

Blick von vorn statt von der Seite

In der reinen Seitenansicht verschwinden Winglets oft hinter dem Rumpf oder dem Triebwerk. Für das Flügelspitzen-Merkmal sind Anflug-Bilder schräg von vorn oder Rollbilder im Dreiviertelprofil ideal – dann siehst du Knick, Bogen oder Zusatzteil nach unten klar.

Split Scimitar: der Säbel unter der 737NG

Das Split Scimitar ist eine Weiterentwicklung des Blended Winglets und nur als Nachrüstung erhältlich. Zwei Änderungen machen es unverwechselbar: Unter der Flügelspitze sitzt ein zusätzliches Element, das schräg nach unten zeigt, und die Enden beider Teile sind nicht mehr gerundet, sondern hakenförmig nach hinten abgeschrägt. Diese Krummsäbel-Form gab dem System seinen Namen.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA ließ das Split Scimitar im Februar 2014 für die 737-800 zu, im August 2014 folgte die 737-900ER und im April 2015 die 737-700. In Europa gehörten Maschinen der TUI-Flotte zu den ersten, die 2014 umgerüstet wurden. Auch für die 757 gibt es eine Scimitar-Variante mit abgeschrägten Winglet-Enden, nachgerüstet unter anderem bei United und Icelandair.

Fürs Spotten wichtig: Ein Split Scimitar sagt dir sicher, dass eine 737NG vor dir steht – also keine MAX. Denn die MAX trägt ab Werk ihr eigenes Winglet.

AT-Winglet: das Federpaar der 737 MAX

Das Advanced Technology Winglet der 737 MAX 8 und ihrer Schwestern sieht auf den ersten Blick ähnlich aus wie das Split Scimitar, weil es ebenfalls einen oberen und einen unteren Teil hat. Bei genauerem Hinsehen ist es aber eine eigene Konstruktion: Beide Elemente sind schlank, laufen spitz zu und stehen auseinander wie zwei gespreizte Federn. Fachlich gilt es als Mischform aus Winglet, Wingtip Fence und Raked Wingtip.

Merkmal Split Scimitar (737NG) AT-Winglet (737 MAX)
Herkunft Nachrüstung ab Werk
Oberer Teil breites Blended Winglet schlankes, spitz zulaufendes Element
Enden hakenförmig nach hinten abgeschrägt spitz, ohne Haken
Unterer Teil kurzes, säbelförmiges Element schmale, spitze „Feder“
Triebwerk CFM56-7B, glatte Gondel-Hinterkante LEAP-1B, gezackte Gondel-Hinterkante

Wenn du dir bei der Flügelspitze unsicher bist, entscheidet das Triebwerk. Die gezackten Ränder der LEAP-Gondeln erkennst du auf fast jedem Foto, mehr dazu im Guide Triebwerke erkennen. Fliegt eine Airline wie Ryanair beide Generationen nebeneinander, ist dieser Doppelcheck besonders nützlich.

Raked Wingtips: der spitze Abschluss ohne Winglet

Raked Wingtips sind das Merkmal der modernen Boeing-Großraumjets. Die Flügelspitze knickt nicht nach oben ab, sondern bleibt in der Flügelebene und ist deutlich stärker nach hinten gepfeilt als der restliche Flügel. Der Flügel läuft dadurch lang und spitz aus. Typen mit Raked Wingtips:

  • Boeing 767-400ER – als einzige 767-Version ab Werk; die anderen 767 enden gerade oder tragen nachgerüstete Winglets.
  • Boeing 777-200LR und 777-300ER – im Gegensatz zu 777-200, -200ER und -300, deren Flügel gerade enden. Das ist eines der wichtigsten Merkmale, um eine 777-300ER von einer frühen 777-300 zu trennen.
  • Alle Boeing 787 – der Flügel biegt sich im Flug zudem sichtbar nach oben, was die spitzen Enden noch eleganter wirken lässt.
  • Boeing 747-8 – statt der Winglets der 747-400.
  • Embraer E2 – die E190-E2 und E195-E2 haben neue, längere Flügel mit Raked Wingtips, während die erste E-Jet-Generation kleine Winglets trägt. Die Details stehen in Embraer E-Jets unterscheiden.

Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel: Zweistrahliger Großraumjet ohne Winglet mit spitz auslaufendem Flügel ist fast immer eine 777 oder 787. Welche von beiden, zeigt Boeing 777 und 787 unterscheiden.

Zwei Sonderfälle: A350 und 777X

Die geschwungene Spitze der A350

Die A350-900 und die A350-1000 haben eine Flügelspitze, die keiner anderen gleicht: Der Flügel biegt sich am Ende in einem langen, weichen Bogen nach oben und gleichzeitig nach hinten, fast wie eine Vogelschwinge. Es gibt keinen Knick und keinen separaten Aufsatz. Neben der dunklen Cockpitfenster-Maske ist das eines der besten Merkmale gegen die 787, deren Flügel flach und spitz ausläuft. Den vollständigen Vergleich findest du unter A350 oder Boeing 787.

Die Klappflügel der 777X

Die Boeing 777-9 hat als erstes Verkehrsflugzeug klappbare Flügelspitzen. In der Luft misst die Spannweite rund 71,8 Meter. Nach der Landung klappen die äußeren rund 3,5 Meter jeder Spitze nach oben, die Spannweite schrumpft auf rund 64,8 Meter. Damit bleibt der Jet unter der Grenze der Flughafen-Kategorie Code E und passt an dieselben Positionen wie die bisherige 777. Für die Technik musste die FAA eigene Sonderbedingungen erlassen. Derzeit fliegt die 777X noch in der Erprobung, die erste Auslieferung an Lufthansa erwartet Boeing für 2027. Fürs Spotten heißt das: Rollt eine 777 mit senkrecht stehenden Flügelenden zum Gate, hast du eine 777X erwischt – ein echtes Highlight.

Nie wieder eine 777X verpassen

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So liest du die Flügelspitze am Zaun

Mit etwas Übung wird die Abfrage zur Routine. Die Reihenfolge hilft dir, auch bei schlechtem Licht oder großer Entfernung schnell ein Ergebnis zu bekommen.

1. Triebwerke zählen

Zwei oder vier Triebwerke, unter dem Flügel oder am Heck? Damit grenzt du die Kandidaten ein, bevor du auf die Flügelspitze schaust.

2. Richtung der Spitze prüfen

Flach und spitz nach hinten heißt Raked Wingtip. Nach oben heißt Winglet oder Sharklet. Nach oben und unten zugleich heißt Fence, Split Scimitar, AT-Winglet oder MD-11.

3. Übergang anschauen

Harter Knick spricht für A330ceo, A340 oder 747-400, weicher Bogen für 737NG, A320-Familie, A330neo oder A350.

4. Enden vergleichen

Gerundet, spitz oder hakenförmig abgeschrägt? Das trennt Blended Winglet, Sharklet, AT-Winglet und Split Scimitar.

5. Zweites Merkmal gegenprüfen

Triebwerksgondeln, Rumpflänge, Cockpitfenster oder Fahrwerk – erst zwei passende Merkmale machen die Bestimmung sicher.

6. Kennzeichen nachschlagen

Bei Nachrüstungen hilft nur die Registrierung. Über das Kennzeichen findest du den genauen Typ und oft auch den ICAO-Typcode.

Für Schritt 5 lohnen sich die Guides zu Nase und Cockpitfenstern und zum Fahrwerk als Erkennungsmerkmal. Wenn du mit dem Kennzeichen arbeitest, erklärt ICAO-Typcodes wie A20N und B38M, wie du den Code liest.

Wo die Flügelspitze dich täuscht

Die Flügelspitze ist schnell, aber nicht unfehlbar. Drei Situationen solltest du kennen:

Verlässlich, wenn …

  • du Raked Wingtips an einem Zweistrahler mit großem Rumpf siehst
  • eine 777 mit hochgeklappten Flügelenden zum Gate rollt
  • du Winglets mit Zusatzteil nach unten an einem Dreistrahler entdeckst – das ist die MD-11

Nur ein Hinweis, wenn …

  • an einer A320 Sharklets sitzen – ceo und neo tragen sie
  • eine 737 Classic, 757 oder 767-300ER Winglets hat – sie können nachgerüstet sein
  • du nur ein Winglet nach oben siehst und das untere Element verdeckt sein könnte

Unbrauchbar, wenn …

  • das Flugzeug genau von der Seite fotografiert ist und die Spitze hinter dem Rumpf verschwindet
  • Hitzeflimmern über der Piste die Konturen auflöst
  • du Varianten innerhalb einer Familie trennen willst, etwa A220-100 und -300

Ein Klassiker unter den Verwechslungen: Eine 737-800 mit Split Scimitar wird aus der Ferne gern für eine 737 MAX gehalten. Ebenso häufig wird eine junge A320ceo mit Sharklets als neo verbucht. In beiden Fällen klärt der Blick auf die Triebwerke die Sache in Sekunden.

Wo du die Formen am besten vergleichen kannst

Am meisten lernst du an großen Drehkreuzen, an denen viele Typen nebeneinander starten und landen. Am Flughafen Frankfurt siehst du an einem Nachmittag oft 747-8, 787, A350, A330 und 737 in Folge – von der Aussichtsplattform Zeppelinheim hast du die Anflüge schräg von vorn im Blick, also genau die Perspektive, in der Flügelspitzen gut zur Geltung kommen. Am Besucherhügel München ist die Mischung aus A320-Familie mit und ohne Sharklets ideal zum Üben. In Hamburg kommen am Affenfelsen viele Schmalrumpfjets vorbei, und mit etwas Glück siehst du dort Maschinen aus dem nahen Airbus-Werk.

Erkennst du jede Flügelspitze?

Hak ab, was du sicher kannst – am Ende siehst du, ob du fit für den nächsten Spottertag bist.

  • Ich unterscheide einen Wingtip Fence von einem Winglet.
  • Ich erkenne den Unterschied zwischen hartem Knick und weichem Bogen.
  • Ich weiß, dass Sharklets auch an der A320ceo vorkommen.
  • Ich trenne Split Scimitar und AT-Winglet und prüfe im Zweifel das Triebwerk.
  • Ich kenne die Typen mit Raked Wingtips.
  • Ich erkenne die 777X an ihren klappbaren Flügelspitzen.

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Fazit

Die Flügelspitze ist eines der schnellsten Erkennungsmerkmale, weil sie aus fast jedem Winkel sichtbar ist und jeder Hersteller seine eigene Lösung gegen den Randwirbel gefunden hat. Kleine Zäune stehen für ältere Airbus-Typen und die A380, abgeknickte Winglets für 747-400, A330ceo und A340, weiche Bögen für 737NG, A320-Familie und A330neo. Zweiteilige Spitzen trennen Split Scimitar an der 737NG vom AT-Winglet der 737 MAX, und flach auslaufende Raked Wingtips verraten die modernen Boeing-Großraumjets und die Embraer E2. Weil vieles nachgerüstet wurde, bleibt die Flügelspitze aber ein starker Hinweis – kein Beweis. Wenn du für die Grundlagen noch einen Schritt zurückgehen willst, hilft dir Flugzeugtypen erkennen für Anfänger.

Kurzfazit

Frag zuerst, wohin die Spitze zeigt: flach nach hinten, nach oben oder nach oben und unten. Danach entscheiden Knick oder Bogen und die Form der Enden. So grenzt du die Familie in Sekunden ein – die genaue Variante bestätigst du mit Triebwerk, Rumpflänge oder Kennzeichen.

Zusammenfassung

  • Alle Flügelspitzen-Formen bekämpfen dasselbe Problem: den Wirbel, der an der Flügelspitze entsteht und Widerstand kostet. Die Hersteller haben dafür unterschiedliche Lösungen gefunden – und genau das macht sie zu Erkennungsmerkmalen.
  • Bei Airbus führt die Linie vom Wingtip Fence der A310 und A320ceo über die Sharklets der A320-Familie und der A330neo bis zur geschwungenen Flügelspitze der A350. A330 und A340 der ersten Generation tragen klassische, abgeknickte Winglets.
  • Bei Boeing gibt es drei Welten: Blended Winglets und Split Scimitar an 737NG, 757 und 767-300ER, das AT-Winglet der 737 MAX sowie Raked Wingtips an 767-400ER, 777-200LR, 777-300ER, 787 und 747-8. Die 777X klappt ihre Spitzen am Boden hoch.
  • Weil Winglets oft nachgerüstet wurden, sagt die Flügelspitze manchmal nur etwas über die Generation, nicht über die genaue Variante. Den Rest klären Rumpflänge, Triebwerke und Kennzeichen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Winglet und Sharklet?

Winglet ist der Oberbegriff für jede hochgestellte Fläche an der Flügelspitze. Sharklet ist der Markenname von Airbus für die großen, sanft gebogenen Winglets der A320-Familie, die Airbus im November 2009 vorstellte. Sie gehen ohne Knick aus dem Flügel nach oben über, ähnlich wie die Blended Winglets der Boeing 737NG, sind aber höher und laufen oben spitzer zu.

Woran erkenne ich ein Split-Scimitar-Winglet?

Am zusätzlichen Element, das schräg nach unten aus der Flügelspitze ragt. Dazu sind die Enden des oberen Winglets und des unteren Teils hakenförmig nach hinten abgeschrägt – die Form erinnert an einen Krummsäbel, auf Englisch scimitar. Das System ist eine Nachrüstung für Boeing 737NG und wurde 2014 für die 737-800 zugelassen.

Wie unterscheide ich Split Scimitar von den Winglets der 737 MAX?

Beide haben einen oberen und einen unteren Teil. Beim Split Scimitar sitzt oben ein großes Blended Winglet mit abgeschrägtem Hakenende. Beim AT-Winglet der 737 MAX sind beide Teile schlanker, spitz zulaufend und wirken wie zwei gespreizte Federn. Sicherer ist der Blick auf die Triebwerke: Die LEAP-1B der MAX haben gezackte Hinterkanten an der Gondel, die CFM56 der 737NG nicht.

Haben Sharklets nur A320neo?

Nein. Airbus liefert Sharklets seit Dezember 2012 auch für die A320ceo aus, die erste ging an Indonesia AirAsia. Viele jüngere ceo-Maschinen tragen sie deshalb. An der neo sind sie Standard. Neo und ceo unterscheidest du verlässlich an den deutlich größeren Triebwerken der neo.

Was sind Raked Wingtips?

Raked Wingtips sind Flügelspitzen, die nicht nach oben abknicken, sondern in der Fläche bleiben und dabei stärker nach hinten gepfeilt sind als der restliche Flügel. Der Flügel wird dadurch länger und läuft spitz aus. Du findest sie an der Boeing 767-400ER, 777-200LR, 777-300ER, 787, 747-8 sowie an der Embraer-E2-Generation.

Was ist ein Wingtip Fence?

Ein Wingtip Fence ist eine kleine, meist dreieckige Fläche, die an der Flügelspitze gleichzeitig nach oben und nach unten ragt. Sie wirkt wie ein kleiner Zaun am Flügelende. Typisch ist sie für Airbus: Die A310 war das erste Verkehrsflugzeug damit, später folgten die A320ceo ohne Sharklets und die A380.

Warum hat die Boeing 777X klappbare Flügelspitzen?

Damit sie trotz ihres sehr langen Flügels an dieselben Gates passt wie die bisherige 777. Ausgefahren misst die Spannweite rund 71,8 Meter, am Boden klappen die äußeren rund 3,5 Meter pro Seite hoch, und die Spannweite schrumpft auf rund 64,8 Meter – knapp unter der Grenze der Flughafen-Kategorie Code E.

Kann ich den Flugzeugtyp allein an der Flügelspitze bestimmen?

Manchmal ja, oft nur die Generation. Raked Wingtips plus zwei Triebwerke deuten auf 777 oder 787, Winglets an einem Vierstrahler auf 747-400 oder A340. Weil aber viele Flugzeuge Winglets nachgerüstet bekommen haben, solltest du immer ein zweites Merkmal prüfen – Triebwerke, Rumpflänge, Fahrwerk oder das Kennzeichen.

PT

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