Das Wichtigste in Kürze
- Germania ist historisch: Die Berliner Airline stellte Anfang Februar 2019 nach einem Insolvenzantrag den Flugbetrieb ein.
- Die Wurzeln reichen bis 1978: Germania ging aus der Kölner Charterfirma SAT hervor und trug den Namen ab 1986.
- Codes: IATA ST, ICAO GMI, Rufzeichen „GERMANIA“.
- Zuletzt flog Germania vor allem Airbus A319, dazu A321 und einige Boeing 737-700 – über Jahrzehnte war die Boeing 737 das Rückgrat.
- Typisch war die Präsenz an Regionalflughäfen wie Bremen, Dresden, Erfurt, Münster/Osnabrück oder Friedrichshafen.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| IATA-Code | ST |
|---|---|
| ICAO-Code | GMI |
| Rufzeichen | GERMANIA |
| Drehkreuze | SXF, TXL |
| Status | Historisch – Insolvenzantrag am 4. Februar 2019, Flugbetrieb in der Nacht zum 5. Februar 2019 eingestellt |
| Geschäftsmodell | Ferien- und Charterairline mit Flügen für Reiseveranstalter, Wet-Lease für andere Airlines und eigenen Linienflügen |
| Vorgänger | SAT Flug GmbH – Special Air Transport, 1978 in Köln gegründet, erster Flug im September 1978 mit einer Fokker F27 |
| Name Germania | seit Juni 1986, nach Übernahme der SAT durch den Juristen Hinrich Bischoff |
| Sitz | Berlin; operativer und technischer Sitz ab 1992 am Flughafen Tegel, Heimatflughafen zuletzt Berlin-Schönefeld |
| Stationen bei Einstellung | Unter anderem Berlin-Schönefeld, Berlin-Tegel, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Erfurt-Weimar, Friedrichshafen, Hamburg, München, Münster/Osnabrück, Nürnberg und Rostock-Laage |
| Flotte bei Einstellung | Gut 30 Flugzeuge, überwiegend Airbus A319, dazu A321 und einige Boeing 737-700; 25 A320neo waren bestellt, aber nie ausgeliefert |
| Frühere Typen | Fokker F27, Sud Aviation Caravelle, Boeing 727-100, Boeing 737-300, Fokker 100 |
| Töchter und Marken | Germania Express (gexx), Germania Flug AG in der Schweiz, Bulgarian Eagle, Wartungsbetrieb Germania Technik Brandenburg |
| Allianz | keine |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Germania?
- Schriftzug „Germania“ am Rumpf – auf Fotos bis Februar 2019, heute nur noch Archivmaterial
- Deutsches Kennzeichen mit D-, etwa D-AGEM oder D-AGER bei der 737-700, D-AHIL bei der A319 und D-ASTD bei der A321
- Zuletzt fast immer ein Mitglied der A320-Familie (A319 oder A321) oder eine Boeing 737-700
- Flugnummer mit ST, auf Trackern und in ADS-B-Logs das Rufzeichen GMI bzw. „GERMANIA“ im Funk
- Einzelne Jets in fremder Optik: A321 in den Farben des Veranstalters alltours, eine A319 mit Werbung für den Flughafen Kassel
Wer in den 2000er- und 2010er-Jahren an deutschen Regionalflughäfen gespottet hat, kam an Germania kaum vorbei. Die Berliner Airline war nie so bekannt wie Lufthansa oder Air Berlin, flog aber von Bremen bis Friedrichshafen Urlauber ans Mittelmeer und auf die Kanaren – und war über Jahrzehnte eine Größe im deutschen Ferienflugmarkt. Seit Februar 2019 gibt es sie nicht mehr. Diese Seite zeigt dir, wie Germania entstand, welche Flugzeuge sie flog, woran du ihre Jets auf alten Fotos erkennst und was von der Airline bis heute übrig ist.
Alte Germania-Fotos im Hangar
Mit Planetrack hältst du Sichtungen mit Foto, Kennzeichen, Typ, Airline und Flughafen fest – auch Archivbilder von Airlines, die es heute nicht mehr gibt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Germania im Überblick
Germania war eine deutsche Ferien- und Charterairline mit Sitz in Berlin. Den Namen trug sie ab Juni 1986, die Wurzeln reichen aber bis 1978 zurück. Ihr Geschäft stand auf mehreren Beinen: Flüge im Auftrag von Reiseveranstaltern, Flugzeuge samt Crew für andere Airlines (Wet-Lease) und ab 2001 auch eigene Linienflüge, die sie direkt an Fluggäste verkaufte.
Zuletzt beförderte Germania rund vier Millionen Fluggäste im Jahr und beschäftigte 2017 knapp 1.400 Menschen. Damit gehörte sie zu den größeren deutschen Airlines – ohne je den Bekanntheitsgrad einer Condor oder TUIfly zu erreichen. Ihre Stärke lag in der Fläche: Germania war an vielen kleineren Flughäfen stationiert, an denen die großen Airlines wenig oder gar nichts anboten.
Anfang Februar 2019 war Schluss. Nach einem Insolvenzantrag blieben die Flugzeuge am Boden, wenige Wochen später scheiterte der Verkauf an Investoren. Germania gehört damit in die Reihe der deutschen Airlines, die zwischen 2017 und 2019 verschwanden – kurz nach Air Berlin. Einen Überblick über diese Welle gibt der Artikel zu den großen Airline-Pleiten in Europa.
Die Geschichte in Etappen
Germania beginnt nicht in Berlin, sondern in Köln. Dort gründeten türkische Unternehmer 1978 die SAT Flug GmbH – Special Air Transport, eine kleine Charterfirma, die im September 1978 mit einer Fokker F27 den Flugbetrieb aufnahm. Der Berliner Jurist Hinrich Bischoff übernahm die SAT später und benannte sie 1986 in Germania um. Bischoff prägte die Airline bis zu seinem Tod im November 2005, danach hielten seine Witwe und sein Sohn die Mehrheit.
1978
Gründung der SAT in Köln, erster Flug im September mit einer Fokker F27. Später kommen drei gebrauchte Caravelle von LTU dazu.
1985/1986
Zwei Boeing 727-100 von Hapag-Lloyd ersetzen die Caravelle. Im Juni 1986 startet die Airline unter dem Namen Germania.
1987
Die erste von insgesamt 13 Boeing 737-300 kommt in die Flotte – die 737 bleibt danach über 30 Jahre ein fester Teil von Germania.
1992
Umzug des operativen und technischen Sitzes an den Flughafen Berlin-Tegel. Im selben Jahr gewinnt Germania den Auftrag für den „Beamten-Shuttle“ zwischen Bonn und Berlin.
1998
Die erste Boeing 737-700 mit dem Kennzeichen D-AGEM wird im März übernommen.
2001–2005
Erster eigener Linienflug zwischen Tegel und Frankfurt im November 2001, 2002 die Übernahme von 19 Fokker 100, ab 2003 die Billigmarke Germania Express.
2010–2016
Rückkehr ins Ferienfluggeschäft mit Flügen für TUI, ab 2011 die ersten A319, ab 2013 die A321, 2016 die Bestellung von 25 A320neo.
2019
Insolvenzantrag am 4. Februar, Ende des Flugbetriebs in der Nacht zum 5. Februar, gescheiterter Verkauf im März und anschließende Abwicklung.
Spannend für Berlin-Fans ist die Zeit um die Wiedervereinigung. Mit dem Umzug nach Tegel wurde Germania eine echte Berliner Airline, und der Shuttle zwischen Bonn und Berlin machte sie zum Transportmittel für Ministerialbeamte, die zwischen alter und neuer Hauptstadt pendelten. Mehr über den Flughafen, an dem Germania so lange zu Hause war, erfährst du in der Geschichte von Berlin-Tegel.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code ST: stand in der Flugnummer, also auf Bordkarten, Anzeigetafeln und in Flugplänen.
- ICAO-Code GMI: stand im Flugplan der Flugsicherung und taucht heute in alten ADS-B-Logs und Flugdatenarchiven auf.
- Rufzeichen GERMANIA: so meldete sich die Besatzung im Funk.
Für die Auswertung alter Daten ist das wichtig: Die Codes waren über viele Jahre stabil, die Flugnummern aber nicht. Germania flog im Auftrag anderer Airlines oft unter deren Flugnummern, zum Beispiel im Wet-Lease für Air Berlin, das im Oktober 2013 endete. Ein Germania-Jet auf einem alten Foto hat deshalb nicht zwingend einen ST-Flug durchgeführt.
Alte Sichtungen sauber nachtragen
Hast du Germania-Fotos ohne Notizen? Das Kennzeichen ist der Schlüssel: Mit ihm findest du in Archiven Typ, Seriennummer und oft auch den Einsatzzeitraum. Wie du deine Bilder dafür ordnest, zeigt der Guide Flugzeugfotos archivieren.
Die Flotte von Germania
Kaum eine deutsche Airline hat so viele Flugzeuggenerationen durchlaufen wie Germania. Der rote Faden war über drei Jahrzehnte die Boeing 737 – bis die Airbus A319 ab 2011 nach und nach die Hauptrolle übernahm.
| Typ | Zeitraum | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|
| Fokker F27 | ab 1978 (als SAT) | Turboprop der Anfangsjahre, nur noch auf sehr alten Fotos |
| Sud Aviation Caravelle | ab 1980 (als SAT) | Drei gebrauchte Exemplare von LTU, die Triebwerke sitzen hinten am Rumpf |
| Boeing 727-100 | ab 1985 | Zwei Maschinen von Hapag-Lloyd, Dreistrahler mit T-Leitwerk |
| Boeing 737-300 | ab 1987 | 13 Exemplare, die erste Generation der Germania-737 |
| Boeing 737-700 | 1998–2019 | Erste Maschine D-AGEM, zuletzt noch eine Handvoll im Einsatz |
| Fokker 100 | 2002–2008 | 19 gebrauchte Jets, ursprünglich von US Airways |
| Airbus A319 | 2011–2019 | Zuletzt der wichtigste Typ der Flotte |
| Airbus A321 | 2013–2019 | Die größten Germania-Jets, teils in alltours-Optik |
| Airbus A320neo | bestellt, nie geflogen | 25 Stück bestellt, Auslieferung ab 2020 vorgesehen |
Bei der Einstellung im Februar 2019 bestand die Flotte aus gut 30 Flugzeugen. Die genaue Zahl hängt davon ab, wie du zählst: Einige A319 flogen bei der Schweizer Germania Flug und bei Bulgarian Eagle, eine A320 war bei Sundair im Einsatz. Im Kern waren es aber rund 20 A319, eine Handvoll A321 und vier bis fünf Boeing 737-700.
Die Boeing 737-700 hat bei Germania eine besondere Geschichte. Schon 1995 bestellte die Airline zwölf Flugzeuge der neuen 737-Generation. Bei der Überführung der ersten Maschine im März 1998 von Everett nach Berlin-Tegel stellte die Crew sogar einen Streckenrekord in der Gewichtsklasse dieses Jets auf. Hersteller der 737-Familie ist Boeing.
Die Fokker 100 blieb dagegen eine Episode. Germania übernahm 2002 insgesamt 19 Exemplare, die zuvor bei US Airways geflogen waren, und setzte sie auch im Auftrag anderer Airlines ein. Im Oktober 2008 verließen die letzten Fokker die Flotte. Wer mehr über den niederländischen Hersteller wissen will, findet es auf der Seite zu Fokker.
Ab 2011 setzte Germania auf Airbus: Im Februar 2011 kam die erste von zunächst acht A319, im November 2013 die erste A321. Die 2016 bestellten 25 A320neo waren als nächste Generation vorgesehen – durch die Insolvenz kam keine einzige zu Germania.
Ehemalige Germania-Jets wiederfinden
Setz einen Flugzeugtyp oder ein neues Kennzeichen auf deine Wunschliste und lass dich benachrichtigen, wenn die Maschine in deiner Nähe anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du Germania erkennst
Weil es Germania nicht mehr gibt, wirst du ihre Flugzeuge nur noch auf Fotos und in Archiven finden. Beim Sortieren alter Bilder helfen dir einige Merkmale, die zusammen eine sichere Zuordnung ergeben.
Zeigt dein altes Foto wirklich Germania?
- Schriftzug „Germania“ am Rumpf
- Deutsches Kennzeichen mit D- am Heck
- Typ A319, A321 oder Boeing 737 (bei älteren Bildern auch Fokker 100 oder 737-300)
- Aufnahme aus der Zeit vor Februar 2019
- Ort wie Berlin, Bremen, Dresden, Nürnberg, Münster/Osnabrück oder Friedrichshafen
- Ziel am Mittelmeer, auf den Kanaren oder Balearen
Einige Germania-Jets trugen keine eigene Optik. Zwei A321 flogen 2013 bis 2015 in den Farben des Reiseveranstalters alltours (D-ASTD und D-ASTV), die A319 D-AHIL warb 2014/2015 für den Flughafen Kassel. Die 737-700 D-AGER bekam 2016 eine Sonderbemalung zum 30-jährigen Bestehen der Marke Germania. Solche Maschinen sind auf alten Bildern leicht falsch einsortiert – das Kennzeichen hilft dir auch hier.
Zwischen A319 und A321 unterscheidest du am einfachsten über die Rumpflänge und die Zahl der Notausgänge über dem Flügel. Wie das bei der ganzen Familie funktioniert, erklärt der Guide A318, A319, A320 und A321 unterscheiden. Die deutschen Kennzeichen der Flotte folgen dabei der Systematik nach Gewichtsklassen, die der Artikel zu den deutschen Luftfahrzeugkennzeichen erklärt.
Töchter, Marken und Beteiligungen
Germania war mehr als eine einzelne Airline. Über die Jahre wuchs ein kleines Geflecht aus Marken und Gesellschaften – für Spotter wichtig, weil dieselben Flugzeuge unter verschiedenen Namen auftauchen konnten.
| Marke oder Gesellschaft | Zeitraum | Was dahinter steckte |
|---|---|---|
| Germania Express (gexx) | ab 2003 | Billigmarke für Direktflüge, ab 2012 auch mit der übernommenen Marke flynext |
| dba-Beteiligung | 2005 | Germania hielt von Ende März bis Anfang Juli 2005 die Mehrheit an der dba |
| Gambia Bird | 2012–2014 | Gambische Airline, für die Germania zeitweise eine A319 betrieb |
| Germania Technik Brandenburg | ab 2011 | Wartungstochter der Airline |
| Germania Flug AG (Schweiz) | 2014–2019 | Startete 2015 für Hotelplan unter dem Namen HolidayJet, heute Chair Airlines |
| Bulgarian Eagle | 2017–2019 | Bulgarische Tochter für Wet-Lease, im März 2019 ebenfalls insolvent |
Die Schweizer Tochter ist das einzige Stück Germania, das heute noch fliegt. Sie war von der Pleite der deutschen Mutter nicht direkt betroffen, bekam neue Eigentümer und trägt seit Juni 2019 den Namen Chair. Wenn du in Zürich spottest, siehst du also gewissermaßen den letzten Nachfahren von Germania.
Achtung Verwechslung
Germania hat nichts mit der Germanwings zu tun, auch wenn die Namen ähnlich klingen. Germanwings war ein Ableger der Lufthansa-Gruppe, Germania eine unabhängige Airline aus Berlin. Auf alten Fotos trennst du beide über Schriftzug und ICAO-Code.
Stationen und Strecken
Germanias Netz war auf Urlaubsziele ausgerichtet: Mittelmeerraum, Kanaren und Balearen, dazu weitere Ziele in Europa. Typisch war, dass die Airline Flugzeuge an vielen deutschen Flughäfen stationierte, nicht nur an einem Drehkreuz. Zum Schluss gehörten unter anderem diese Flughäfen dazu:
- Berlin: Schönefeld als Heimatflughafen und Tegel, wo lange der operative Sitz lag – heute ersetzt durch den BER
- Norddeutschland: Bremen, Hamburg, Rostock-Laage und Münster/Osnabrück
- Mitte und Osten: Dresden, Erfurt-Weimar und Düsseldorf
- Süden: Nürnberg, München und Friedrichshafen
Dazu kamen Stationen im Ausland, etwa Palma de Mallorca und Pristina. Gerade an den kleineren Flughäfen war Germania oft einer der wichtigsten Anbieter im Ferienverkehr. Entsprechend spürbar war die Lücke nach der Pleite. An einigen Flughäfen sprangen andere Airlines ein, so stationierte Sundair 2019 Flugzeuge in Bremen und Dresden und übernahm dort Strecken.
Ab November 2001 verkaufte Germania auch eigene Linienflüge, der erste führte von Tegel nach Frankfurt. Damit bewegte sich die Airline zwischen den Welten: halb Charterflieger für Veranstalter, halb Anbieter von Einzelplätzen. Was diese beiden Modelle unterscheidet, erklärt der Artikel Charterflug und Linienflug.
Das Ende: Insolvenz 2019
Die Probleme wurden Anfang 2019 öffentlich. Anfang Januar meldete Germania einen kurzfristigen Finanzbedarf und suchte nach Geldgebern. Ende Januar erfuhren die Beschäftigten, dass ihre Gehälter nicht pünktlich gezahlt werden konnten. Wenige Tage später war es vorbei.
Anfang Januar 2019
Germania macht einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf öffentlich und prüft verschiedene Optionen bis hin zu einem Verkauf.
31. Januar 2019
Die Belegschaft wird informiert, dass die Gehälter nicht rechtzeitig überwiesen werden können.
4./5. Februar 2019
Germania und Tochtergesellschaften stellen beim Amtsgericht Charlottenburg in Berlin Insolvenzantrag, in der Nacht zum 5. Februar endet der Flugbetrieb.
März 2019
Bulgarian Eagle meldet ebenfalls Insolvenz an. Ende März scheitert die Übernahme durch Investoren, die Abwicklung beginnt.
Für Fluggäste kam das Aus über Nacht: Gebuchte Flüge fanden ab dem 5. Februar 2019 nicht mehr statt. Für Spotter bedeutete das Ende, dass eine vertraute Airline von einem Tag auf den anderen aus den Flugplänen verschwand – und die Flotte in den folgenden Monaten zu anderen Eigentümern und Betreibern wechselte.
Vorsicht bei alten Flugnummern
Der IATA-Code ST wurde nach dem Ende von Germania nicht mehr für sie genutzt. Siehst du in Daten aus späteren Jahren eine ST-Flugnummer, gehört sie nicht zu Germania. Für die eindeutige Zuordnung alter Aufnahmen zählen Kennzeichen, Datum und ICAO-Code GMI.
Germania im Spotter-Alltag heute
Germania kannst du heute nicht mehr live sehen. Die Airline lebt in drei Formen weiter: in alten Fotos, in den Flugzeugen, die heute für andere Airlines fliegen, und in der Schweizer Chair Airlines.
Viele frühere Germania-Maschinen flogen nach 2019 weiter, mit neuem Kennzeichen und neuer Bemalung. Wer ihnen nachspüren will, braucht die Seriennummer (MSN): Sie bleibt bei allen Umregistrierungen gleich, während das Kennzeichen wechselt. So kannst du eine heutige Sichtung mit einem alten Germania-Foto verbinden – ein schöner Eintrag für jede Sammlung. Wie alt ein solches Flugzeug ist, findest du über den Guide Flugzeugalter herausfinden.
Lohnt sich, wenn …
- du alte Fotos aus Berlin, Bremen, Dresden oder Nürnberg nachträglich sortierst
- du gezielt ehemalige Germania-Jets bei ihren neuen Betreibern sammelst
- du in Zürich die Chair-Flotte als Nachfolger der Germania Flug erwischst
Prüf es vorher, wenn …
- ein altes Foto keine lesbare Registrierung zeigt
- die Maschine eine Sonderbemalung trägt oder im Wet-Lease flog
Kein Germania, wenn …
- das Foto nach Februar 2019 entstanden ist oder ein Germanwings-Schriftzug zu sehen ist
Wer die Flughäfen von damals heute besucht, findet an vielen Orten gute Bedingungen. Die Besucherterrasse in Bremen, die Besucherterrasse in Dresden und die Besucherterrasse in Nürnberg liegen an früheren Germania-Stationen. In Berlin bietet sich die Besucherterrasse am BER an, auch wenn Tegel und Schönefeld in ihrer alten Form Geschichte sind.
Häufige Verwechslungen
- Germania mit Germanwings verwechseln – zwei völlig unterschiedliche Airlines mit ähnlichem Namen.
- Germania für eine Tochter von Air Berlin halten – Germania war unabhängig, flog aber zeitweise im Wet-Lease für Air Berlin.
- Germania Flug mit Germania gleichsetzen – die Schweizer Tochter war eine eigene Gesellschaft und fliegt heute als Chair weiter.
- Alle Germania-Jets in Germania-Optik erwarten – einige A321 trugen die Farben von alltours.
- SAT und Germania für zwei Airlines halten – SAT war der Vorgänger, aus dem Germania 1986 hervorging.
- A320neo zur Germania-Flotte zählen – die 25 bestellten neo kamen nie zu Germania.
Dein Archiv, deine Sammlung
Poste deine Germania-Bilder mit Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen und teile sie mit der Community – andere Spotter liken und kommentieren deine Funde aus der Vergangenheit. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Germania war über drei Jahrzehnte ein fester Teil des deutschen Ferienflugs – vom Kölner Charterbetrieb SAT über die Berliner Jahre in Tegel bis zur A319-Flotte, die an vielen Regionalflughäfen stationiert war. Das plötzliche Ende im Februar 2019 machte aus einer alltäglichen Sichtung über Nacht Archivmaterial. Wer heute alte Fotos sortiert, ehemalige Germania-Jets bei neuen Betreibern sucht oder in Zürich Chair Airlines spottet, hält die Geschichte dieser Airline lebendig.
Kurzfazit
Germania (IATA ST, ICAO GMI) war eine Berliner Ferien- und Charterairline, die 1986 aus der Kölner SAT hervorging und zuletzt vor allem Airbus A319 flog. Seit der Insolvenz im Februar 2019 gibt es sie nicht mehr – das Kennzeichen bleibt der Schlüssel für jede alte Sichtung.
Zusammenfassung
- Germania war über drei Jahrzehnte ein Ferien- und Auftragsflieger aus Berlin, der vielen Spottern als „die andere Berliner Airline“ neben Air Berlin in Erinnerung ist.
- Die Flottengeschichte reicht von Caravelle und 727 über die Boeing 737-300 und 737-700 bis zur A319, die zuletzt das Bild prägte.
- Mit Germania Express, der Schweizer Germania Flug und Bulgarian Eagle hatte die Airline mehrere Ableger – nur die Schweizer Tochter fliegt als Chair Airlines bis heute.
- Fotos von Germania-Jets sind heute Archivmaterial: Kennzeichen, Datum und Ort machen sie für Sammlung und Logbuch wertvoll.
Häufige Fragen
Gibt es Germania noch?
Nein. Germania stellte am 4. Februar 2019 beim Amtsgericht Charlottenburg in Berlin einen Insolvenzantrag, in der Nacht zum 5. Februar 2019 endete der Flugbetrieb. Ein Verkauf an Investoren kam im März 2019 nicht zustande, danach wurde die Gesellschaft abgewickelt. Germania ist damit eine historische Airline.
Welche Codes hatte Germania?
Germania flog mit dem IATA-Code ST, dem ICAO-Code GMI und dem Rufzeichen „GERMANIA“. Auf alten Bordkarten und Anzeigetafeln steht also ST, in ADS-B-Logs und Flugdatenarchiven GMI. Achtung: IATA-Codes können nach dem Ende einer Airline neu vergeben werden, eine ST-Flugnummer aus späteren Jahren gehört nicht zu Germania.
Seit wann gab es Germania?
Den Namen Germania trug die Airline ab Juni 1986. Die Wurzeln liegen aber in der 1978 in Köln gegründeten SAT Flug GmbH – Special Air Transport, die im September 1978 mit einer Fokker F27 den Flugbetrieb aufnahm. Der Berliner Jurist Hinrich Bischoff übernahm die SAT und machte daraus Germania.
Welche Flugzeuge flog Germania?
Zuletzt vor allem den Airbus A319, dazu den größeren A321 und einige Boeing 737-700, insgesamt gut 30 Jets. Früher setzte Germania Caravelle, Boeing 727-100, Boeing 737-300 und Fokker 100 ein. Bestellt waren außerdem 25 A320neo, die wegen der Insolvenz nie zu Germania kamen.
Was war Germania Express (gexx)?
Germania Express war eine Marke für günstige Direktflüge, die Germania ab Juni 2003 unter dem Kürzel gexx vermarktete. 2011 übernahm Germania zudem die Marke flynext, die ab 2012 ebenfalls unter Germania Express lief. Geflogen wurde jeweils mit Germania-Flugzeugen.
Was hat Chair Airlines mit Germania zu tun?
Chair Airlines ging aus der Schweizer Germania Flug AG hervor, die 2014 gegründet wurde und an der die deutsche Germania beteiligt war. Nach der Insolvenz der deutschen Germania flog die Schweizer Gesellschaft weiter, bekam neue Eigentümer und heißt seit Juni 2019 Chair Airlines.
Was passierte mit den Germania-Flugzeugen?
Viele Flugzeuge wechselten nach dem Ende zu anderen Eigentümern und Betreibern und flogen mit neuen Kennzeichen und Bemalungen weiter. Wenn du ein ehemaliges Germania-Flugzeug suchst, hilft dir die Seriennummer: Sie bleibt über alle Umregistrierungen gleich, das Kennzeichen nicht.
Welche Airlines übernahmen Germania-Strecken?
Nach dem Ende übernahmen verschiedene Airlines einzelne Verbindungen, je nach Flughafen. Ein Beispiel ist Sundair, die 2019 Flugzeuge in Bremen und Dresden stationierte und dort Strecken übernahm. Eine einzige Nachfolge-Airline für das gesamte Netz gab es nicht.
Germania im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Airbus A319
Kurz, kompakt und seit 1996 im Liniendienst: Die A319 ist das gestutzte Mitglied der A320-Familie. So trennst du sie sicher von A318, A320 und A319neo.
FlugzeugtypAirbus A321 (ceo)
Der lange Airbus aus Hamburg: Die A321ceo ist der gestreckte Ableger der A320 und seit 1994 bei Lufthansa im Einsatz. Vier Türpaare und schlanke Proportionen verraten sie – so erkennst du sie sicher.
FlugzeugtypBoeing 737-700
Kurz, stämmig und seit 1997 in der Luft: Die 737-700 ist die kompakte Next-Generation-737. Sie wird seltener – so erkennst du sie und weißt, wo du sie noch findest.
FlugzeugtypBoeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypFokker 100
Zwei Tay-Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Heckkonus, der sich bei der Landung aufklappt: Die Fokker 100 ist der größte Verkehrsjet, den Fokker je gebaut hat – und heute ein seltener Fang.
Weitere Airlines
Air Berlin
Historische Airline aus Berlin: 1978 als US-Charterfirma für Mallorca-Flüge ab Tegel gegründet, später zweitgrößte Airline Deutschlands mit oneworld-Mitgliedschaft – und 2017 insolvent.
FerienfliegerChair Airlines
Der kleine Schweizer Ferien- und Balkanflieger aus Glattbrugg: 2014 als Germania Flug gegründet, seit 2019 unter dem Namen Chair unterwegs und mit einer Handvoll Airbus A319 und A320 in Zürich und Basel zu Hause.
FerienfliegerSundair
Kleiner deutscher Ferienflieger mit Sitz in Stralsund und Schwerpunkt Berlin: eine Handvoll Airbus A320 und A319, Charterflüge ans Mittelmeer und eine kroatische Schwester, die unter Sundair-Flugnummern fliegt.
Netzwerkdba
Historische Airline aus München: aus Delta Air wurde 1992 die Deutsche BA mit British-Airways-Beteiligung, Anfang der 2000er die dba – und 2008 ging sie endgültig in Air Berlin auf.
FerienfliegerHapag-Lloyd Flug
Historischer Ferienflieger aus Hannover (1972–2007): gegründet von der Reederei Hapag-Lloyd, bekannt für Orange und Blau, Airbus A300/A310 und als weltweiter Erstkunde der Boeing 737-800 – 2007 in TUIfly aufgegangen.
FerienfliegerCondor
Einer der bekanntesten deutschen Ferienflieger: Condor fliegt ab Frankfurt und weiteren deutschen Flughäfen zu Urlaubszielen auf Kurz-, Mittel- und Langstrecke.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Berlin-Tegel
Historischer Flughafen im Norden Berlins: 1948 während der Luftbrücke gebaut, ab 1974 mit dem berühmten Sechseck-Terminal, jahrzehntelang Tor der Alliierten nach West-Berlin und Heimat von Air Berlin – bis zum letzten Linienflug am 8. November 2020.
FlughafenFlughafen Berlin Brandenburg
Der Hauptstadtflughafen mit der langen Vorgeschichte: zwei parallele Pisten am Südrand Berlins, viel Europaverkehr mit Low-Cost- und Netzwerkairlines, eine Handvoll Langstrecken, die Flugbereitschaft der Bundesregierung – und eine Besucherterrasse direkt über dem Vorfeld.
HerstellerAirbus
Europäisches Luft- und Raumfahrtunternehmen und einer der beiden großen Hersteller von Verkehrsflugzeugen – mit Flugzeugfamilien vom A220 bis zum A350.
HerstellerBoeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
Wo du Germania vor die Linse bekommst
Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Besucherterrasse am Flughafen Bremen
Auf dem Dach von Terminal 1 schaust du über das Bremer Vorfeld bis zur Piste 08/26: unkompliziert, mit der Straßenbahn direkt erreichbar und mit realistischen Chancen auf die Airbus Beluga XL, die das benachbarte Airbus-Werk anfliegt.
BesucherterrasseBesucherterrasse am Flughafen Dresden
Am Flughafen Dresden gibt es keine Freiluftterrasse, sondern eine verglaste Aussichtsplattform auf der Galerieebene des Terminals. Sie kostet nichts, hat den S-Bahnhof im eigenen Gebäude und zeigt dir Vorfeld und Piste 04/22 – mit allen Vor- und Nachteilen der Panoramascheibe.
BesucherterrasseBesucherterrasse Flughafen Nürnberg
Der entspannteste Einstieg ins Planespotting in Franken: Von der kostenlosen Besucherterrasse am Albrecht Dürer Airport schaust du nach Norden über das Vorfeld auf die einzige Piste 10/28 – mit der Sonne fast den ganzen Tag im Rücken und der U-Bahn direkt unter dem Terminal.
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