Flughafen Berlin-Tegel: Architektur, Geschichte und Schließung

In 90 Tagen für die Luftbrücke gebaut, mit einem Sechseck-Terminal weltberühmt geworden, zum Schluss heillos überlastet: die Geschichte des Flughafens Berlin-Tegel von 1948 bis zum letzten Start im November 2020 – und was heute auf dem Gelände passiert.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202611 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Geboren in der Blockade: Ab dem 5. August 1948 entstand in Tegel binnen rund 90 Tagen ein Flugplatz für die Luftbrücke. Die erste Maschine, eine Douglas C-54, landete am 5. November 1948.
  • Ein Terminal als Programm: Das sechseckige Hauptgebäude von Gerkan, Marg und Partner ging am 1. November 1974 in Betrieb. Vom Auto bis zum Flugzeug waren es oft nur rund 30 Meter.
  • Für 2,5 Millionen geplant, von 24 Millionen genutzt: 2019 zählte Tegel rund 24,2 Millionen Fluggäste – ein Vielfaches dessen, wofür das Terminal einst ausgelegt war.
  • Abschied mit Air France: Den letzten Linienflug flog am 8. November 2020 Air France mit dem Flug AF1235 nach Paris – mit der Airline, die 1960 den zivilen Linienverkehr in Tegel eröffnet hatte.
  • Denkmal mit Zukunft: Das Terminal steht seit 2019 unter Denkmalschutz. Auf dem Gelände entstehen die Urban Tech Republic und das Wohnviertel Schumacher Quartier.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Tegel in Kürze
  2. 2.Vor dem Flughafen: Luftschiffer und Raketen
  3. 3.1948: Ein Flugplatz in 90 Tagen
  4. 4.Vom Militärflugplatz zum Zivilflughafen
  5. 5.Das Sechseck: Architektur von gmp
  6. 6.Nach der Wende: Wachstum ohne Ende
  7. 7.Lärm, Bus und Volksentscheid
  8. 8.Der lange Abschied
  9. 9.Zwischenfälle und Kalter Krieg
  10. 10.Tegel nach dem Flugbetrieb
  11. 11.Was Spotter heute aus Tegel machen
  12. 12.Fazit

Für viele Spotter war Tegel der Flughafen, an dem alles anfing: eine Terrasse auf dem Dach, Flugzeuge, die fast zum Greifen nah an das Sechseck rollten, und ein Bus mit drei Buchstaben, der die halbe Stadt kannte. Über 70 Jahre lang war der Flughafen Berlin-Tegel erst Notlösung im Kalten Krieg, dann Architektur-Ikone und schließlich das Sinnbild eines überlasteten Provisoriums, das viel länger durchhalten musste als geplant. Dieser Artikel erzählt die Geschichte von TXL – vom Bauplatz der Luftbrücke über das Terminal von gmp bis zum letzten Start im November 2020 und zur Nachnutzung heute.

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Tegel in Kürze

Der Flughafen lag im Nordwesten Berlins, im Bezirk Reinickendorf, und trug den IATA-Code TXL sowie den ICAO-Code EDDT. Seit 1988 hieß er offiziell Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ – benannt nach dem Berliner Flugpionier, dem wir einen eigenen Artikel über Otto Lilienthal gewidmet haben. Zwei parallele Pisten in Ost-West-Richtung trugen den Verkehr: die nördliche 08L/26R mit 3.023 Metern und die südliche 08R/26L mit rund 2.428 Metern, die noch aus der Zeit der Luftbrücke stammte.

90 TageBauzeit des ersten Flugplatzes 1948
1974Eröffnung des sechseckigen Terminals
24,2 Mio.Fluggäste im Rekordjahr 2019
8.11.2020letzter Linienflug

Vor dem Flughafen: Luftschiffer und Raketen

Lange bevor dort Linienjets starteten, war das Gelände in der Jungfernheide schon mit der Luftfahrt verbunden. Ein preußisches Luftschiffer-Bataillon nutzte die Fläche im frühen 20. Jahrhundert, 1906 entstand die erste Luftschiffhalle. Ab dem 27. September 1930 testete eine Gruppe um Rudolf Nebel auf dem sogenannten Raketenschießplatz Tegel Flüssigkeitsraketen – ein frühes Kapitel der Raumfahrtgeschichte, das mitten in Berlin spielte. Ein Verkehrsflughafen war Tegel zu dieser Zeit aber nicht; diese Rolle hatte in Berlin der Flughafen Tempelhof.

1948: Ein Flugplatz in 90 Tagen

Die eigentliche Geburtsstunde schlug in der Berlin-Blockade. Als die Sowjetunion im Juni 1948 die Land- und Wasserwege nach West-Berlin sperrte, versorgten die Westalliierten die Stadt aus der Luft. Tempelhof im amerikanischen und Gatow im britischen Sektor reichten für die enorme Zahl an Flügen nicht aus. Im französischen Sektor begann deshalb am 5. August 1948 der Bau eines dritten Flugplatzes in Tegel.

Geplant waren 90 Tage – und der Zeitplan hielt. Die neue Piste war mit 2.428 Metern damals die längste in Europa. Am 5. November 1948 landete die erste Maschine, eine Douglas C-54 der Luftbrücke. Wie diese Versorgungsoperation insgesamt funktionierte, wie viele Flüge täglich nötig waren und warum sie zum Gründungsmythos West-Berlins wurde, beschreibt unser Artikel über die Berliner Luftbrücke. Die Spuren dieser Zeit kannst du heute noch im Militärhistorischen Museum Flugplatz Berlin-Gatow besichtigen, dem anderen Luftbrücken-Flugplatz der Stadt.

Nach dem Ende der Blockade blieb Tegel zunächst ein Militärflugplatz unter französischer Verwaltung. Ziviler Verkehr spielte anfangs kaum eine Rolle.

Vom Militärflugplatz zum Zivilflughafen

Air France macht den Anfang

Anfang Januar 1960 nahm Air France den Linienverkehr ab Tegel auf und war damit die erste zivile Airline am Platz. Das passte zur Logik der Teilung: Tegel lag im französischen Sektor, und die französische Airline nutzte „ihren“ Flugplatz. Ab April 1968 verlegten auch Charterairlines ihre Flüge von Tempelhof nach Tegel, weil die Pisten in Tempelhof für größere Jets zu kurz und der Innenstadtflughafen eingeengt war.

Alliierte Regeln im Luftraum

Bis 1990 galt für den Berlin-Verkehr ein besonderes Regime: Durch die drei Luftkorridore zwischen West-Berlin und dem Bundesgebiet durften nur Airlines mit Sitz in den USA, Großbritannien oder Frankreich fliegen, und die Cockpitcrews mussten Pässe dieser Länder haben. Lufthansa war damit ausgesperrt. Den innerdeutschen Verkehr von und nach Berlin trugen vor allem Pan Am und British Airways, dazu Charterairlines wie die britische Dan-Air. Wer damals in Tegel stand, sah entsprechend viele Boeing 727 und Kurzstreckenjets in britischen und amerikanischen Farben – und nur auf der anderen Seite der Mauer, in Schönefeld, die Maschinen der Interflug.

Am 1. September 1975 zogen Pan Am und British Airways mit ihrem gesamten Berlin-Betrieb von Tempelhof nach Tegel um. Damit wurde Tegel endgültig zum Hauptflughafen West-Berlins.

Das Sechseck: Architektur von gmp

Ein junges Büro und eine radikale Idee

Für den wachsenden Verkehr brauchte Tegel ein neues Terminal. Den Auftrag bekam das Hamburger Büro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) um Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg – damals noch junge Architekten, für die Tegel zum Durchbruch wurde. Der Komplex Tegel-Süd wurde ab Mitte der 1960er-Jahre geplant, 1970 begann der Bau, 1972 war Richtfest. Am 23. Oktober 1974 wurde das Hauptgebäude feierlich eingeweiht, am 1. November 1974 ging es in Betrieb. Die Kosten lagen bei rund 430 Millionen D-Mark.

Von Gerkans Leitgedanke war denkbar einfach: Der Weg vom Eingang bis zum Flugzeug sollte so kurz wie möglich sein. Das Ergebnis war das berühmte Terminal A:

  • Sechseckiger Ring: Das Terminal umschloss einen Innenhof, in dem Autos, Taxis und Busse vorfuhren. Außen am Ring dockten die Flugzeuge an.
  • 14 Fluggastbrücken: Jede Brücke hatte ihren eigenen Check-in-Bereich direkt dahinter. Einchecken, Sicherheitskontrolle und Boarding lagen auf engstem Raum hintereinander.
  • Kurze Wege: Zwischen Vorfahrt und Flugzeug lagen oft nur rund 30 Meter. Für einen Flughafen dieser Größe waren das außergewöhnlich kurze Fußwege.
  • Strenges Raster: Der gesamte Entwurf baute auf Dreiecken und Sechsecken auf. Die Geometrie zog sich von der Grundform bis in Details wie Decken und Leuchten.
  • Dachterrasse: Auf dem Dach des Rings lag eine Besucherterrasse – für Generationen Berliner Spotter der erste Logenplatz am Vorfeld.

Die Kehrseite des Konzepts

Was 1974 genial war, wurde später zum Problem. Weil hinter jedem Gate eine eigene kleine Sicherheitskontrolle lag, gab es keine zusammenhängende Transitzone. Umsteigen ohne Verlassen des Sicherheitsbereichs war praktisch nicht möglich, und für ein Drehkreuz war das Konzept ungeeignet. Die Kapazität war ursprünglich auf rund 2,5 Millionen Fluggäste pro Jahr ausgelegt. Spätere Angaben nennen eine erweiterte Kapazität von etwa 11,5 bis 12 Millionen – auch davon war Tegel am Ende weit entfernt.

Seit April 2019 steht der Flughafenkomplex unter Denkmalschutz. Das Sechseck gilt heute als eines der bedeutendsten Bauwerke der deutschen Nachkriegsmoderne im Verkehrsbau. Gmp hat übrigens Jahrzehnte später auch den Nachfolger geplant: den Flughafen Berlin Brandenburg.

Tegel im Museum und im Archiv

Wenn du alte Tegel-Fotos besitzt, lohnt es sich, sie mit Kennzeichen, Airline und Datum zu erfassen. Gerade Aufnahmen aus der Zeit vor 1990 zeigen Flugzeuge und Lackierungen, die heute kaum noch dokumentiert sind. Viele Berliner Luftfahrtobjekte findest du außerdem im Deutschen Technikmuseum Berlin.

Nach der Wende: Wachstum ohne Ende

Lufthansa kommt nach Berlin

Mit der Wiedervereinigung fielen die alliierten Beschränkungen. Am 28. Oktober 1990 nahm Lufthansa den Linienverkehr nach Berlin auf, zum Start mit zwölf täglichen Flügen. Die französischen Streitkräfte zogen 1994 ab. Der Nordteil des Geländes blieb danach als Regierungs- und Militärflugplatz in Gebrauch, unter anderem für die Hubschrauber der Flugbereitschaft.

Anbauten, Container und Busgates

Die Passagierzahlen wuchsen stetig – von 6,7 Millionen im Jahr 1991 auf über 24 Millionen im Jahr 2019. Um den Verkehr überhaupt abwickeln zu können, wuchs Tegel mit Provisorien:

  • Terminal D entstand 2001 in einem umgebauten Parkhaus.
  • Terminal C eröffnete am 24. Mai 2007 als Leichtbau, mit Erweiterungen 2009 und 2011.
  • Terminal E war ein Bereich im Erdgeschoss mit zusätzlichen Gates.

Das ursprüngliche Prinzip der kurzen Wege galt in den Anbauten nicht mehr. Busgates, enge Wartebereiche und lange Schlangen prägten in den letzten Jahren den Alltag. In einer Studie aus dem Jahr 2018 landete Tegel unter den schlechtesten Flughäfen der Welt.

Air Berlin und die Drehkreuz-Jahre

Wichtigster Kunde war lange Air Berlin, die von Tegel aus auch Langstrecken flog – trotz des ungeeigneten Terminalkonzepts für Umsteiger. Mit der Insolvenz und dem Ende des Flugbetriebs im Jahr 2017 verlor der Flughafen seinen größten Nutzer. Die ganze Geschichte der Airline erzählt unser Artikel Air Berlin: Aufstieg und Fall.

Lärm, Bus und Volksentscheid

Tegel lag mitten in der Stadt, und die Anflüge führten über dicht bewohnte Bezirke. Nach Angaben aus Lärmuntersuchungen waren rund 240.000 Menschen tagsüber Pegeln über 55 dB(A) ausgesetzt, dazu zahlreiche Schulen und Krankenhäuser. Mit der Zahl der Flüge stieg auch der Nachtverkehr.

Ein Bahnanschluss fehlte Tegel bis zum Schluss. Pläne für eine U-Bahn-Anbindung gab es zwar, gebaut wurde sie nie. Die Hauptlast trug der Expressbus TXL, dazu weitere BVG-Linien – bei Störungen standen Reisende entsprechend lange im Stau.

Trotz allem hingen viele Berliner an ihrem Flughafen. Im September 2017 stimmte beim Volksentscheid parallel zur Bundestagswahl eine Mehrheit für den Weiterbetrieb neben dem neuen BER. Umgesetzt wurde das Votum nicht: Die Gesellschafter des Flughafens – Bund, Berlin und Brandenburg – hielten an der Schließung fest.

Der lange Abschied

Ursprünglich sollte Tegel im Juni 2012 schließen, sobald der neue Hauptstadtflughafen öffnet. Die Bauprobleme am BER verschoben den Termin immer wieder – um insgesamt mehr als acht Jahre. Tegel musste in dieser Zeit weit über seine Grenzen hinaus arbeiten.

Am 31. Oktober 2020 eröffnete schließlich der BER, mitten in der Corona-Pandemie, und die Airlines zogen innerhalb weniger Tage um. Lufthansa verabschiedete sich mit einem Airbus A350-900 nach München. Den allerletzten Linienflug übernahm am 8. November 2020 die Airline, mit der alles begonnen hatte: Air France AF1235, ein Airbus A320 mit dem Kennzeichen F-GKXP, startete um 15:39 Uhr nach Paris-Charles de Gaulle.

Danach blieb der Flughafen aus rechtlichen und sicherheitstechnischen Gründen noch sechs Monate betriebsbereit. Am 4. Mai 2021 lief die Betriebsgenehmigung aus, anschließend wurde das Gelände als Flughafen entwidmet.

Datum Ereignis
1906 Erste Luftschiffhalle auf dem Gelände
27. September 1930 Start des Raketenschießplatzes Tegel
5. August 1948 Baubeginn des Flugplatzes für die Luftbrücke
5. November 1948 Erste Landung einer Douglas C-54
Januar 1960 Air France nimmt Linienverkehr auf
1. November 1974 Eröffnung des Sechseck-Terminals
1. September 1975 Pan Am und British Airways ziehen von Tempelhof nach Tegel
1988 Benennung nach Otto Lilienthal
28. Oktober 1990 Lufthansa beginnt Linienverkehr nach Berlin
24. Mai 2007 Eröffnung von Terminal C
April 2019 Denkmalschutz für den Flughafenkomplex
2019 Rekordjahr mit rund 24,2 Millionen Fluggästen
8. November 2020 Letzter Linienflug: Air France AF1235 nach Paris
4. Mai 2021 Ende der Betriebsgenehmigung

Zwischenfälle und Kalter Krieg

Auch Unglücke gehören zur Geschichte des Flugplatzes: Im Juli 1949 stürzte kurz nach dem Start eine Handley Page Hastings der Royal Air Force ab, alle fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Im November 1966 verunglückte eine Boeing 727 von Pan Am auf einem Frachtflug im Anflug auf Tegel über DDR-Gebiet bei Dallgow, alle drei Crewmitglieder starben.

Der Kalte Krieg zeigte sich auch in anderer Form: Zwischen 1969 und 1982 endeten mehrere Entführungen polnischer LOT-Inlandsflüge in Tegel, weil die Entführer in West-Berlin Asyl suchen konnten. Zuständig waren in diesen Fällen die französischen Militärbehörden, die den Flugplatz verwalteten.

Tegel nach dem Flugbetrieb

Statt Jets sieht das Gelände heute Bagger und Baustellen. Unter dem Namen Berlin TXL wird der frühere Flughafen auf rund 500 Hektar umgebaut:

  • Urban Tech Republic: Ein Campus für Forschung, Industrie und Start-ups rund um urbane Technologien. Seit Juli 2026 wird das Terminal A zu einem Campus der Berliner Hochschule für Technik umgebaut; die Hauptbaumaßnahme ist nach aktueller Planung erst in den 2030er-Jahren abgeschlossen.
  • Schumacher Quartier: Ein neues Wohnviertel mit mehr als 5.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen.
  • Tegeler Stadtheide: Eine große Landschaftsfläche, die als Natur- und Landschaftsraum erhalten bleibt.

Bis der Umbau so weit ist, diente das Gelände anderen Zwecken: Im Terminal C lief von Februar 2021 bis Mai 2022 ein Impfzentrum, seit März 2022 werden Teile der früheren Terminals als Ankunftszentrum für Geflüchtete genutzt. Den militärischen Nordteil nutzte die Flugbereitschaft noch lange für Hubschrauber; diese zogen im Oktober 2025 an den BER um. Wie es mit den Flächen im Detail weitergeht, hängt von Planungen ab, die sich immer wieder verschieben – Stand Oktober 2026 ist der Umbau noch längst nicht abgeschlossen.

Was Spotter heute aus Tegel machen

Fliegen kannst du in Tegel nicht mehr, Luftfahrtgeschichte erleben aber sehr wohl. Drei Wege lohnen sich:

1. Archiv aufarbeiten

Alte Dias und Negative aus Tegel sind wertvolle Zeitdokumente. Notiere zu jedem Bild Kennzeichen, Typ, Airline und Jahr, solange die Erinnerung noch frisch ist.

2. Berliner Luftfahrtgeschichte besuchen

Das Luftwaffenmuseum in Gatow und das Technikmuseum in Kreuzberg erzählen die Geschichte der Berliner Flugplätze, inklusive Luftbrücke. Auch das Gelände in Tempelhof ist heute öffentlich zugänglich.

3. Am BER weiterspotten

Der Verkehr von Tegel läuft heute über den BER. Von der Besucherterrasse am BER und weiteren Punkten rund um den Flughafen siehst du die Nachfolger der Tegel-Flotten – Details im Spotting-Guide für den BER.

Wer Tegel noch erlebt hat, erkennt im Rückblick auch, wie sehr sich die Flotten verändert haben: Von der Boeing 727 und der BAC One-Eleven der alliierten Ära über die Boeing 737-300 der Neunziger bis zu den Airbus-Flotten der letzten Jahre spiegelt der Flughafen ein halbes Jahrhundert europäischer Kurzstrecke. Einen Überblick über den Steckbrief des Flughafens findest du auf der Seite zum Flughafen Berlin-Tegel.

Berliner Luftfahrt im Blick behalten

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Fazit

Tegel war ein Flughafen mit drei Leben: als Notbaustelle der Luftbrücke, als Architektur-Meilenstein der 1970er-Jahre und als überlastetes Provisorium, das wegen der BER-Verzögerungen acht Jahre länger durchhalten musste als vorgesehen. Das Sechseck von gmp zeigte, wie elegant ein Terminal sein kann, wenn kurze Wege das Maß aller Dinge sind – und zugleich, wie schnell ein Konzept an seine Grenzen kommt, wenn sich der Verkehr verzehnfacht. Heute steht das Terminal unter Denkmalschutz, und auf dem Gelände wächst ein neuer Stadtteil.

Kurzfazit

1948 in 90 Tagen für die Luftbrücke gebaut, 1974 mit dem Sechseck-Terminal zur Ikone geworden, 2020 mit einem Air-France-Flug nach Paris verabschiedet: Tegel war über Jahrzehnte das Tor West-Berlins zur Welt. Für Spotter bleibt der Flughafen ein Stück Geschichte im Archiv, im Museum und in der Erinnerung – den aktuellen Berliner Verkehr erlebst du am BER.

Zusammenfassung

  • Tegel war über Jahrzehnte das Tor West-Berlins zur Welt: zuerst Militärflugplatz der französischen Schutzmacht, dann ziviler Hauptflughafen der Stadt und zuletzt größter Flughafen Berlins.
  • Das Terminal A von gmp gilt als Ikone der Flughafenarchitektur der 1970er-Jahre: ein sechseckiger Ring mit Vorfahrt in der Mitte und extrem kurzen Wegen.
  • Weil die Eröffnung des BER sich um Jahre verzögerte, musste Tegel weit über seine Kapazität hinaus arbeiten – mit Containerterminals, Busgates und langen Schlangen.
  • Seit dem 8. November 2020 ist Tegel ohne Linienverkehr, im Mai 2021 erlosch die Betriebsgenehmigung. Heute wird das Gelände zu einem Forschungs-, Gewerbe- und Wohnstandort umgebaut.

Häufige Fragen

Wann wurde der Flughafen Tegel gebaut?

Der Flugplatz selbst entstand 1948 während der Berlin-Blockade. Die Arbeiten begannen am 5. August 1948, nach rund 90 Tagen landete am 5. November die erste Maschine. Das bekannte sechseckige Terminal wurde erst später gebaut: Baustart war 1970, eröffnet wurde es am 1. November 1974.

Wer hat das Terminal in Tegel entworfen?

Das Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) aus Hamburg, gegründet von Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg. Für die beiden jungen Architekten war Tegel einer der ersten großen Aufträge. Leitidee war ein Terminal mit möglichst kurzen Wegen zwischen Vorfahrt und Flugzeug.

Warum war das Terminal sechseckig?

Die Sechseckform erlaubte einen geschlossenen Ring, an dessen Außenseite die Flugzeuge an den Fluggastbrücken standen, während innen Autos, Taxis und Busse vorfuhren. Dadurch lag jedes Gate nah an der Straße. Der ganze Entwurf basierte auf einem Raster aus Dreiecken und Sechsecken, das sich bis ins Detail durchzog.

Wann war der letzte Flug in Tegel?

Der letzte Linienflug startete am 8. November 2020: Air France AF1235, ein Airbus A320 mit dem Kennzeichen F-GKXP, hob um 15:39 Uhr nach Paris-Charles de Gaulle ab. Die Betriebsgenehmigung lief am 4. Mai 2021 aus, danach wurde das Flughafengelände entwidmet.

Warum durfte Lufthansa früher nicht nach Tegel fliegen?

Bis zur Wiedervereinigung galt in West-Berlin alliiertes Recht. Durch die Luftkorridore durften nur Airlines mit Sitz in den USA, Großbritannien oder Frankreich fliegen, die Cockpitbesatzungen brauchten entsprechende Pässe. Lufthansa nahm erst am 28. Oktober 1990 den Linienverkehr nach Berlin auf.

Was passiert heute mit dem Flughafen Tegel?

Auf dem rund 500 Hektar großen Gelände entstehen die Urban Tech Republic, ein Campus für Forschung, Industrie und Start-ups, sowie das Wohnquartier Schumacher Quartier mit mehr als 5.000 Wohnungen. Das denkmalgeschützte Terminal A wird seit Sommer 2026 zu einem Campus der Berliner Hochschule für Technik umgebaut. Große Teile der Flächen sind noch Baustelle.

Kann man in Tegel noch Flugzeuge spotten?

Linienverkehr gibt es keinen mehr. Auch die Regierungshubschrauber, die lange noch im militärischen Nordteil stationiert waren, sind im Oktober 2025 an den BER umgezogen. Wer Berliner Luftfahrt live erleben will, fährt heute zum Flughafen BER oder zu den Luftfahrtmuseen in Gatow und im Deutschen Technikmuseum.

PT

Planetrack Redaktion

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