Das Wichtigste in Kürze
- Flugzeug mit allem Drum und Dran: Beim Wet-Lease mietet eine Airline nicht nur das Flugzeug, sondern auch Crew, Wartung und Versicherung – deshalb der Branchenbegriff ACMI.
- Das Zertifikat entscheidet: Nach EU-Recht fliegt ein wet-geleastes Flugzeug unter dem Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) des Vermieters, ein dry-geleastes unter dem des Mieters.
- Flugnummer vom Mieter, Flugzeug vom Vermieter: Du buchst bei deiner Airline und fliegst mit deren Flugnummer, das Flugzeug trägt aber Kennzeichen und oft auch Lackierung des Vermieters.
- Kein Freifahrtschein für Exoten: Flugzeuge aus Drittstaaten dürfen EU-Airlines nur mit Genehmigung und aus begründetem Anlass einsetzen – etwa bei Saisonspitzen oder betrieblichen Engpässen.
- Für Spotter ein Geschenk: Wet-Leases bringen fremde Typen, Registrierungen und Lackierungen an Flughäfen, an denen du sie sonst nie sehen würdest.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Wet-Lease: die kurze Antwort
- 2.Wer liefert was? Die Aufgabenteilung im Detail
- 3.Warum Airlines fremde Flugzeuge chartern
- 4.Was das EU-Recht erlaubt
- 5.Wet-Leases, die du in Mitteleuropa siehst
- 6.So erkennst du ein Wet-Lease am Zaun
- 7.Warum Wet-Leases für Spotter so spannend sind
- 8.Typische Stolperfallen
- 9.Fazit
Du stehst auf der Terrasse, auf dem Display deiner Tracking-App läuft ein Flug der SWISS an – und dann setzt ein Airbus A220 mit lettischem Kennzeichen und limettengrünem Seitenleitwerk auf. Kein Fehler in der App, sondern ein Wet-Lease: Eine Airline fliegt mit Flugzeug und Besatzung im Auftrag einer anderen. Für Passagiere ist das manchmal eine Überraschung am Gate, für Spotter oft der beste Moment des Tages. Hier erfährst du, was hinter dem Modell steckt, welche Regeln in der EU gelten, warum Airlines darauf zurückgreifen und wie du solche Einsätze sicher erkennst.
Fremde Flieger nicht verpassen
Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein bestimmter Typ oder eine Airline im Anflug auf deinen Flughafen ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Wet-Lease: die kurze Antwort
Ein Wet-Lease ist ein Mietvertrag zwischen zwei Airlines, bei dem der Vermieter nicht nur das Flugzeug, sondern auch die Besatzung, die Wartung und die Versicherung stellt. Die mietende Airline verkauft die Tickets, vergibt ihre Flugnummer und bezahlt Treibstoff sowie Flughafengebühren. Betrieben wird das Flugzeug aber weiterhin vom Vermieter – unter dessen Betreiberzeugnis, mit dessen Piloten und nach dessen Handbüchern.
Das „nass“ im Namen steht sinnbildlich dafür, dass alles mitgeliefert wird, was ein Flugzeug zum Fliegen braucht – im Gegensatz zum „trockenen“ Dry-Lease, bei dem nur die nackte Maschine den Besitzer wechselt. In der Branche ist für das Wet-Lease auch das Kürzel ACMI üblich: Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance.
Wer liefert was? Die Aufgabenteilung im Detail
Das Entscheidende an einem Wet-Lease ist die Frage, wer die betriebliche Verantwortung trägt. Das EU-Luftfahrtrecht beantwortet sie klar: In den Begriffsbestimmungen der Verordnung (EU) Nr. 965/2012 zum Flugbetrieb ist ein Wet-Lease im gewerblichen Luftverkehr ein Vertrag zwischen Luftfahrtunternehmen, bei dem das Flugzeug unter dem Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) des Vermieters betrieben wird. Beim Dry-Lease ist es umgekehrt: Das Flugzeug fliegt unter dem AOC des Mieters.
In der Praxis teilen sich die Aufgaben meist so auf:
| Bereich | Vermieter (Lessor) | Mieter (Lessee) |
|---|---|---|
| Flugzeug | stellt es, inklusive Registrierung | – |
| Cockpit- und Kabinencrew | stellt sie (beim Damp-Lease nur das Cockpit) | ggf. eigenes Kabinenpersonal beim Damp-Lease |
| Wartung und Lufttüchtigkeit | verantwortlich | – |
| Versicherung | verantwortlich | – |
| Treibstoff | – | bezahlt ihn in der Regel |
| Flughafen- und Flugsicherungsgebühren | – | trägt sie in der Regel |
| Ticketverkauf, Flugnummer, Bodenabfertigung | – | organisiert sie |
Abgerechnet wird bei ACMI-Verträgen typischerweise nach geflogenen Stunden. Der Mieter bekommt so Kapazität, ohne Flugzeuge kaufen, Crews einstellen oder Wartungsstrukturen für einen weiteren Typ aufbauen zu müssen. Der Vermieter wiederum kann seine Flotte auslasten, auch wenn er auf eigenen Strecken gerade nicht genug Nachfrage hat.
Wet, damp, dry: drei Begriffe, drei Modelle
Wet-Lease (ACMI)
- Flugzeug, komplette Crew, Wartung und Versicherung vom Vermieter
- Betrieb unter dem AOC des Vermieters
- Laufzeit typischerweise wenige Monate bis rund zwei Jahre
Damp-Lease
- vor allem in Großbritannien gebräuchlicher Begriff
- Vermieter stellt Flugzeug, Cockpitcrew und Wartung
- Mieter bringt sein eigenes Kabinenpersonal mit
Dry-Lease
- nur das Flugzeug, ohne Crew
- Betrieb unter dem AOC des Mieters, mit dessen Piloten
- Laufzeit meist mehrere Jahre, oft über Leasinggesellschaften
Für dich als Spotter ist der Unterschied wichtig: Ein dry-geleastes Flugzeug ist äußerlich meist nicht von einem gekauften zu unterscheiden. Es trägt die Farben und in der Regel auch das Länderkennzeichen der Airline, die es fliegt. Ein wet-geleastes Flugzeug dagegen bleibt in der Flotte des Vermieters – mit dessen Kennzeichen und oft auch dessen Lackierung.
Warum Airlines fremde Flugzeuge chartern
Kaum eine Airline hat ganzjährig exakt so viele Flugzeuge, wie sie braucht. Wet-Leases sind das Werkzeug, mit dem sich Lücken kurzfristig schließen lassen, ohne die eigene Flotte dauerhaft zu vergrößern. Die häufigsten Anlässe:
- Saisonspitzen: Im Sommer fliegen Ferienstrecken deutlich mehr Passagiere als im Winter. Statt zusätzliche Flugzeuge das ganze Jahr zu halten, mieten Airlines Kapazität für einige Monate an.
- Lieferverzögerungen: Kommen neue Flugzeuge später als vereinbart vom Hersteller, fehlen Sitze im Flugplan. Ein Wet-Lease überbrückt die Zeit, bis die eigenen Maschinen da sind.
- Werft- und Triebwerksprobleme: Große Wartungsereignisse oder Triebwerksinspektionen legen Flugzeuge für Wochen oder Monate still. Gemietete Kapazität hält den Flugplan stabil.
- Kurzfristige Ausfälle: Fällt ein Flugzeug technisch aus, springt manchmal für wenige Tage oder sogar nur einen Umlauf ein ACMI-Flugzeug ein.
- Neue Strecken testen: Eine Airline kann eine Verbindung mit geliehener Kapazität ausprobieren, bevor sie eigene Flugzeuge dafür bindet.
- Kostenstruktur: Kleinere Flugzeuge eines spezialisierten Betreibers können auf dünnen Strecken günstiger sein als das eigene Muster.
Das spricht aus Airline-Sicht dafür
- Kapazität schnell und befristet verfügbar
- keine Investition in Flugzeuge und Personal
- Wartung und Lufttüchtigkeit liegen beim Vermieter
- Flugplan bleibt trotz Ausfällen stabil
Das spricht dagegen
- pro Stunde meist teurer als eigene Flugzeuge bei voller Auslastung
- Kabine, Service und Sitzabstand weichen oft vom eigenen Produkt ab
- weniger Kontrolle über Pünktlichkeit und Abläufe
- Genehmigungen und Abstimmung mit Behörden nötig
Was das EU-Recht erlaubt
In der EU regelt Artikel 13 der Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 über die Durchführung von Luftverkehrsdiensten das Leasing. Die Grundzüge in eigenen Worten:
- EU-Airlines dürfen Flugzeuge per Dry- oder Wet-Lease einsetzen.
- Wet-geleaste Flugzeuge, die in der EU registriert sind, dürfen sie grundsätzlich frei nutzen, solange die Sicherheit nicht gefährdet ist.
- Für ein Wet-Lease, bei dem die EU-Airline Mieter ist, braucht es eine vorherige Genehmigung nach den anwendbaren Sicherheitsvorschriften.
- Für Flugzeuge, die außerhalb der EU registriert sind, wird es deutlich strenger: Die Airline muss der Genehmigungsbehörde gleichwertige Sicherheitsstandards nachweisen und einen von drei Gründen anführen.
| Grund für Drittstaaten-Wet-Lease | Bedingung | Dauer der Genehmigung |
|---|---|---|
| Außergewöhnlicher Bedarf | besondere Umstände | bis zu sieben Monate, einmal um bis zu sieben Monate verlängerbar |
| Saisonaler Kapazitätsbedarf | nicht vernünftig mit EU-registrierten Flugzeugen zu decken | verlängerbar |
| Betriebliche Schwierigkeiten | keine geeigneten EU-Flugzeuge vernünftig verfügbar | nur so lange wie unbedingt nötig |
Seit einer Änderung durch die Verordnung (EU) 2019/2 können internationale Abkommen der EU mit einzelnen Drittstaaten von diesen Bedingungen abweichen – ein Beispiel ist das Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und den USA, das offenere Regeln für Wet-Leases vorsieht. Außerdem kann die Behörde eine Genehmigung verweigern, wenn der Registrierungsstaat umgekehrt keine Wet-Leases von EU-Airlines zulässt.
Dahinter steckt ein Interessenausgleich: Airlines wollen flexibel bleiben, gleichzeitig will der Gesetzgeber verhindern, dass Sicherheitsstandards und Arbeitsbedingungen in Europa über billige Crews aus Drittstaaten unterlaufen werden. Darum sind Drittstaaten-Wet-Leases in Europa eher die Ausnahme, während EU-interne ACMI-Verträge zum Alltag gehören.
Fluggastrechte bei Wet-Lease
Bei Verspätung oder Annullierung wendest du dich als Passagier an die Airline, bei der du gebucht hast. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs gilt ein Vermieter, der nur Flugzeug und Crew stellt, aber nicht die betriebliche Verantwortung für den Flug trägt, nicht als ausführendes Luftfahrtunternehmen im Sinne der Fluggastrechte-Verordnung. Im Einzelfall lohnt sich ein Blick in die Buchungsbestätigung oder eine Beratung durch ein Fluggastportal oder die Verbraucherzentrale.
Wet-Leases, die du in Mitteleuropa siehst
Gerade an Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören ACMI-Flugzeuge zum Alltag. Zwei Beispiele, die du mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst erwischst:
airBaltic für die Lufthansa Group: Die lettische airBaltic fliegt ausschließlich den Airbus A220-300 und vermietet einen Teil ihrer Flotte mit Crew an andere Airlines. Seit 2022 fliegt sie unter anderem für SWISS, 2023 kam die Zulassung für langfristiges Wet-Leasing innerhalb der Lufthansa Group hinzu. Anfang 2025 war Berichten zufolge ein großer Teil der airBaltic-Flotte – annähernd die Hälfte – für den Konzern im Einsatz. Am Zaun erkennst du die Maschinen am Kennzeichen mit dem lettischen Präfix YL- und an der airBaltic-Lackierung – auch wenn der Flug eine LX- oder LH-Nummer trägt.
Helvetic Airways für SWISS: Helvetic Airways aus Zürich fliegt seit Jahren im Wet-Lease für SWISS. 2018 vereinbarten beide Airlines einen Ausbau der Zusammenarbeit, ab 2019 waren bis zu acht Flugzeuge vorgesehen. Während der Pandemie wurde die Zahl reduziert. Im Einsatz sind typischerweise Embraer-Jets wie die E190 und die E190-E2. Da Helvetic ebenfalls in der Schweiz registriert ist, tragen die Jets wie die SWISS-Flotte ein HB- Kennzeichen – hier hilft dir nur der Blick auf Lackierung, Typ und Betreiberangabe in der Tracking-App. Von der Zuschauerterrasse B oder dem Butzenbüel am Flughafen Zürich siehst du beide Modelle oft im direkten Wechsel.
Daneben gibt es reine ACMI-Spezialisten, die praktisch kein eigenes Liniennetz betreiben. Ein bekanntes Beispiel ist die portugiesische Hi Fly, die Flugzeuge mit Crew an Airlines, Reiseveranstalter und Regierungen vermietet und 2018 sogar einen gebrauchten Airbus A380 übernahm. Wenn so ein Exot unangekündigt an deinem Flughafen auftaucht, steckt fast immer ein kurzfristiger Kapazitätsengpass einer Airline dahinter.
Stand der Dinge
Welche Wet-Leases gerade laufen, ändert sich von Saison zu Saison. Die Beispiele oben beruhen auf öffentlich zugänglichen Angaben und zeigen typische Muster, keinen tagesaktuellen Flugplan. Für aktuelle Einsätze ist die Live-Karte deiner Tracking-App die verlässlichste Quelle – dort siehst du, welches Kennzeichen gerade unter welcher Flugnummer fliegt.
Jede Registrierung in deinem Hangar
Poste deine Sichtung mit Foto, Typ, Kennzeichen und Airline in Planetrack – im Hangar sammelst du deine Wet-Lease-Exoten, und auf der Wunschliste merkst du dir die, die dir noch fehlen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
So erkennst du ein Wet-Lease am Zaun
Ein Wet-Lease verrät sich fast immer durch einen Widerspruch: Flugnummer, Kennzeichen und Lackierung passen nicht zusammen. Mit vier Prüfschritten kommst du jedem Fall auf die Spur.
1. Kennzeichen lesen
Das Länderpräfix verrät den Registrierungsstaat. Ein YL-, LY- oder ES-Kennzeichen auf einem Lufthansa-Flug ist ein klarer Hinweis. Welches Präfix zu welchem Land gehört, steht im Guide zu den Länderkennungen.
2. Lackierung prüfen
Viele ACMI-Flugzeuge fliegen in den Farben des Vermieters oder in neutralem Weiß mit kleinem Schriftzug. Manche tragen zusätzlich einen Hinweis wie „operated by“ oder ein Logo des Auftraggebers neben der Tür.
3. Flugnummer und Callsign abgleichen
Der Flug läuft in der Regel unter der Flugnummer des Mieters. Ob über Funk der Callsign des Mieters oder des Betreibers genutzt wird, hängt von der Vereinbarung ab. Den Unterschied erklärt der Artikel Callsign vs. Flugnummer.
4. Betreiber in der Datenbank nachschlagen
Tracking-Apps und Registerdatenbanken zeigen zum Kennzeichen den eingetragenen Halter und Betreiber. Steht dort ein anderer Name als auf deiner Bordkarte, hast du dein Wet-Lease gefunden.
Gerade Schritt 3 und 4 klappen am besten mit Live-Daten. Wie du über ADS-B Flugzeuge in der Luft identifizierst, liest du im Guide Flugverfolgung mit ADS-B für Spotter, einen Überblick über die gängigen Apps gibt der Flugradar-Apps-Vergleich. Und wie Kennzeichen grundsätzlich aufgebaut sind, steht in Flugzeug-Kennzeichen verstehen.
Typische Muster auf einen Blick
| Was du siehst | Was es meist bedeutet | Wet-Lease? |
|---|---|---|
| Fremdes Länderpräfix, fremde Lackierung, Flugnummer der Airline | Klassisches ACMI mit Vermieter-Crew | sehr wahrscheinlich |
| Eigene Farben, eigenes Länderpräfix, Flugnummer der Airline | Eigenes oder dry-geleastes Flugzeug | nein |
| Gleiches Länderpräfix, andere Lackierung, Flugnummer der Airline | Wet-Lease einer Airline aus demselben Land oder Konzern | gut möglich |
| Neutral weißes Flugzeug mit kleinem Schriftzug | ACMI-Spezialist oder frisch übernommenes Flugzeug | prüfen |
| Airline-Farben, aber fremdes Kennzeichen | Dry-Lease mit ausländischer Registrierung oder Konzernflugzeug | prüfen |
Warum Wet-Leases für Spotter so spannend sind
Wet-Leases bringen Bewegung in den Alltag an deinem Heimatflughafen. Plötzlich landen Typen, die deine Stamm-Airlines gar nicht in der Flotte haben, Registrierungen aus Ländern, die sonst kaum vorbeischauen, und Lackierungen, die du nur aus Fotodatenbanken kennst. Für alle, die Kennzeichen sammeln, ist das ein echter Bonus – viele dieser Flugzeuge tauchen nur eine Saison lang auf und sind danach wieder verschwunden.
Ein paar Tipps, damit du die Gelegenheiten nicht verpasst:
- Saisonbeginn im Blick behalten: Viele ACMI-Verträge starten mit dem Sommerflugplan Ende März und enden mit dem Winterflugplan Ende Oktober. Die ersten und letzten Wochen sind die spannendste Zeit.
- Auf Lieferverzögerungen achten: Wenn eine Airline öffentlich über späte Auslieferungen berichtet, ist die Chance auf Ersatzkapazität besonders hoch.
- Kurzfristige Einsätze ernst nehmen: Springt ein ACMI-Flugzeug nur für einen Tag ein, ist es oft nur ein einziger Umlauf. Dann zählt jede Minute.
- Notizen machen: Wer Datum, Flugnummer und Kennzeichen festhält, erkennt mit der Zeit die Muster seines Flughafens. Wie du das sauber organisierst, steht im Artikel Sichtungen dokumentieren: das Spotter-Logbuch.
Mehr Ideen für ungewöhnliche Motive findest du im Guide Seltene Flugzeuge spotten. Und wenn dich interessiert, warum innerhalb von Allianzen so oft Partnerflugzeuge auftauchen, lohnt sich der Überblick zu Star Alliance, oneworld und SkyTeam – Codeshares sind übrigens etwas anderes als Wet-Leases: Dort verkauft eine Airline Sitze auf einem Flug, den eine andere komplett in Eigenregie betreibt.
Typische Stolperfallen
- Wet-Lease ist nicht Codeshare. Beim Codeshare steht nur die Flugnummer einer Partner-Airline auf einem regulären Flug. Beim Wet-Lease kauft eine Airline Kapazität ein und verkauft den Flug als ihren eigenen.
- Nicht jedes fremde Kennzeichen ist ein Wet-Lease. Konzernairlines tauschen Flugzeuge untereinander, und manche Airlines betreiben ausländisch registrierte Flugzeuge im Dry-Lease unter eigenem AOC.
- Die App hat nicht immer recht. Tracking-Dienste ordnen Flüge manchmal automatisch der Airline der Flugnummer zu. Im Zweifel zählt das Kennzeichen am Flugzeug.
- Das Kabinenprodukt kann abweichen. Wenn du selbst mitfliegst: Sitzabstand, Bordservice und Unterhaltungsangebot richten sich oft nach dem Vermieter.
Hast du dein Wet-Lease sicher bestimmt?
- Ich habe das Kennzeichen abgelesen und das Länderpräfix zugeordnet.
- Ich habe Lackierung und Schriftzug mit der Airline der Flugnummer verglichen.
- Ich habe den Betreiber zum Kennzeichen in einer Datenbank oder App nachgeschlagen.
- Ich habe ausgeschlossen, dass es sich um ein Konzernflugzeug im Dry-Lease handelt.
- Ich habe Datum, Flugnummer und Kennzeichen notiert.
Sichtungen, Alarme und Community in einer App
Lass dich per Sichtungs-Alarm über seltene Kennzeichen informieren, finde den besten Spot auf der Spot-Karte und teile deine Wet-Lease-Funde mit der Community. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Ein Wet-Lease ist im Kern ein Kapazitätsgeschäft: Eine Airline mietet ein komplettes Flugzeug samt Crew, Wartung und Versicherung und verkauft die Flüge unter eigener Flugnummer, während der Vermieter den Betrieb unter seinem eigenen Betreiberzeugnis verantwortet. In der EU sind solche Verträge mit EU-registrierten Flugzeugen Alltag, Flugzeuge aus Drittstaaten brauchen dagegen einen guten Grund und eine Genehmigung. Für dich als Spotter heißt das: Wer Kennzeichen, Lackierung und Flugnummer zusammen liest, entdeckt am eigenen Flughafen Flugzeuge, die eigentlich gar nicht dorthin gehören.
Kurzfazit
Wet-Lease bedeutet: Flugzeug und Crew kommen vom Vermieter, Flugnummer und Tickets vom Mieter. Passen Kennzeichen, Lackierung und Flugnummer nicht zusammen, hast du sehr wahrscheinlich ein ACMI-Flugzeug vor der Linse – und oft eine Registrierung, die nur eine Saison lang an deinem Flughafen auftaucht.
Zusammenfassung
- Ein Wet-Lease ist ein Mietvertrag zwischen zwei Airlines, bei dem der Vermieter Flugzeug, Besatzung, Wartung und Versicherung stellt und das Flugzeug unter seinem eigenen Betreiberzeugnis fliegt.
- Airlines nutzen Wet-Leases, um Kapazitätslücken zu schließen: bei Saisonspitzen, Lieferverzögerungen, Werftaufenthalten, technischen Problemen oder zum Testen neuer Strecken.
- Die EU-Verordnung 1008/2008 erlaubt Wet-Leases von in der EU registrierten Flugzeugen grundsätzlich frei, für Flugzeuge aus Drittstaaten gelten enge Bedingungen und eine Genehmigungspflicht.
- Am Zaun erkennst du Wet-Leases an fremden Kennzeichen, abweichender Lackierung und Flugnummern, die nicht zum Betreiber passen – Live-Tracking und Kennzeichen-Datenbanken bringen Klarheit.
Häufige Fragen
Was ist ein Wet-Lease?
Ein Wet-Lease ist ein Vertrag, bei dem eine Airline ein Flugzeug samt Besatzung, Wartung und Versicherung von einer anderen Airline mietet. Das Flugzeug fliegt unter dem Luftverkehrsbetreiberzeugnis des Vermieters, aber im Auftrag und meist unter der Flugnummer des Mieters. Abgerechnet wird typischerweise nach Blockstunden.
Was bedeutet ACMI?
ACMI steht für Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance – also Flugzeug, Besatzung, Wartung und Versicherung. Genau diese vier Bausteine liefert der Vermieter bei einem Wet-Lease. Der Mieter übernimmt in der Regel Treibstoff, Flughafen- und Fluggebühren sowie Vertrieb und Ticketverkauf.
Was ist der Unterschied zwischen Wet-Lease und Dry-Lease?
Beim Dry-Lease mietet eine Airline nur das Flugzeug, ohne Crew. Sie trägt es in ihr eigenes Betreiberzeugnis ein, stellt Piloten und Kabinenpersonal und kümmert sich selbst um den Betrieb. Dry-Leases laufen meist über mehrere Jahre. Beim Wet-Lease bleibt das Flugzeug im Betrieb des Vermieters, inklusive Crew – die Verträge laufen typischerweise einige Monate bis wenige Jahre.
Was ist ein Damp-Lease?
Der Begriff wird vor allem in Großbritannien verwendet. Gemeint ist eine Mischform: Der Vermieter stellt Flugzeug, Cockpitbesatzung und Wartung, der Mieter bringt sein eigenes Kabinenpersonal mit. So sehen die Passagiere an Bord die vertrauten Uniformen der gebuchten Airline.
Darf jede Airline einfach Flugzeuge mit Crew anmieten?
Nein. Nach der EU-Verordnung 1008/2008 brauchen EU-Airlines für ein Wet-Lease als Mieter eine vorherige Genehmigung nach den geltenden Sicherheitsvorschriften. Für Flugzeuge, die außerhalb der EU registriert sind, gelten zusätzliche Bedingungen: gleichwertige Sicherheitsstandards und ein anerkannter Grund wie außergewöhnlicher Bedarf, saisonale Spitzen oder betriebliche Schwierigkeiten – jeweils zeitlich begrenzt.
Woran erkenne ich als Spotter ein Wet-Lease?
Typisch sind ein Kennzeichen, das nicht zum Heimatland der Airline passt, eine fremde oder neutrale Lackierung und eine Flugnummer der Airline, die auf dem Flugzeug nicht steht. Mit einer Live-Tracking-App gleichst du Flugnummer, Callsign und Kennzeichen ab und siehst, wer das Flugzeug tatsächlich betreibt.
Ist ein Wet-Lease-Flug unsicherer?
Nein, nicht grundsätzlich. Der Vermieter ist selbst eine zugelassene Airline mit eigenem Betreiberzeugnis und unterliegt der Aufsicht seiner Behörde. Bei Flugzeugen aus Drittstaaten muss die Mieter-Airline der Genehmigungsbehörde zusätzlich nachweisen, dass gleichwertige Sicherheitsstandards eingehalten werden.
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