Das Wichtigste in Kürze
- Iceland Express ist eine historische isländische Low-Cost-Airline: gegründet 2002, erste Flüge im Februar 2003, im Oktober 2012 von WOW air übernommen.
- Eine virtuelle Airline: Iceland Express besaß keine eigenen Flugzeuge. Alle Flüge liefen im Wet Lease bei anderen Airlines.
- Wechselnde Betreiber: Astraeus, JetX, Hello und zuletzt Holidays Czech Airlines flogen unter der Marke.
- Erster echter Konkurrent für Icelandair ab Keflavík, mit Zielen in ganz Europa und ab 2010 auch in Nordamerika.
- Spotter-Knackpunkt: Das Kennzeichen verrät, welche Airline wirklich flog – G-, HB-, TF- oder später ein A320 aus Tschechien.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Iceland Express im Überblick
- 2.Codes und Rufzeichen: die Airline ohne eigene Kennung
- 3.Die Geschichte in Etappen
- 4.Wer flog für Iceland Express?
- 5.Das Streckennetz: von Europa bis Winnipeg
- 6.Das Ende: erst der Betreiber, dann die Marke
- 7.Woran du Iceland Express erkennst
- 8.Was von Iceland Express bleibt
- 9.Häufige Verwechslungen
- 10.Fazit
Steckbrief
| Drehkreuze | KEF |
|---|---|
| Status | Historisch – im Oktober 2012 von WOW air übernommen, Marke danach verschwunden |
| Geschäftsmodell | Low-Cost-Marke ohne eigenes Luftverkehrsbetreiberzeugnis; alle Flüge im Wet Lease durch andere Airlines |
| Gegründet | 2002, erste Flüge am 27. Februar 2003 (Keflavík–Kopenhagen und Keflavík–London-Stansted) |
| Sitz | Reykjavík, Island; Basis am Flughafen Keflavík (KEF) |
| Eigentümer | Zunächst Northern Travel Holding, ab September 2008 Fons, zuletzt die Schwestergesellschaft Fengur |
| Durchführende Airlines | Astraeus (2003 und 2008–2011), JetX (MD-82), Hello (MD-90), Holidays Czech Airlines (A320, 2011–2012) |
| Eingesetzte Typen | Boeing 737-300, 737-500, 737-700, Boeing 757-200, McDonnell Douglas MD-82 und MD-90, Airbus A320 |
| Codes | Keine eigenen gesicherten Codes – geflogen wurde unter den Codes und Rufzeichen der Betreiber, bei Astraeus etwa AEU/FLYSTAR |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Iceland Express?
- Schriftzug „Iceland Express“ am Rumpf – aber fast nie ein isländisches Kennzeichen
- Britische G-Kennzeichen wie G-STRN oder G-STRX an Boeing 737 und 757: Hier flog Astraeus für Iceland Express
- Schweizer HB-Kennzeichen an einer MD-90: die Jahre mit Hello als Betreiber
- TF-Kennzeichen an einer MD-82: die kurze Phase mit der isländischen JetX
- Ab Ende 2011 Airbus A320 mit 180 Sitzen von Holidays Czech Airlines
- Heute nur noch auf historischen Fotos zu sehen – die Marke existiert seit 2012 nicht mehr
Wer Mitte der 2000er-Jahre von Kopenhagen, London oder Friedrichshafen nach Island flog, hatte plötzlich eine Alternative zu Icelandair: Iceland Express. Die Marke versprach günstige Tickets nach Keflavík und machte Island für viele erstmals erschwinglich. Für Spotter war Iceland Express aber vor allem ein Rätsel auf Rädern. Unter demselben Schriftzug flogen britische Boeing 737, Schweizer MD-90 und tschechische A320, denn eigene Flugzeuge besaß die Airline nie. Hier erfährst du, wie das Modell funktionierte, wer wann für Iceland Express flog und wie du alte Fotos richtig zuordnest.
Historische Airline
Iceland Express flog von Februar 2003 bis Oktober 2012. Danach übernahm WOW air Streckennetz und Marke. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf diesen Zeitraum.
Iceland Express im Überblick
Iceland Express war eine isländische Low-Cost-Airline mit Sitz in Reykjavík und Basis am Flughafen Keflavík. Gegründet wurde sie 2002 als direkter Herausforderer von Icelandair, die bis dahin praktisch allein den Linienverkehr zwischen Island und dem Ausland bediente. Im Dezember 2002 erhielt das Unternehmen in Island die Genehmigung als Reiseveranstalter, im Februar 2003 hoben die ersten Flüge ab.
Das Besondere an Iceland Express war ihre Konstruktion: Rechtlich war sie keine Fluggesellschaft im engeren Sinn, sondern ein Anbieter, der Flugkapazität einkaufte und unter eigener Marke verkaufte. Flugzeuge, Cockpitbesatzungen und Wartung kamen von anderen Airlines. Man spricht von einer virtuellen Airline. Für die Passagiere sah das aus wie eine normale Billigairline mit eigenem Namen am Rumpf. Für Spotter steckte hinter jedem Iceland-Express-Jet ein anderer Betreiber.
Das Werbeversprechen auf Isländisch lautete übrigens „Með ánægju!“, frei übersetzt „Mit Vergnügen!“. An der Spitze standen zeitweise unter anderem Matthías Imsland und Skarphéðinn Berg Steinarsson.
Codes und Rufzeichen: die Airline ohne eigene Kennung
Bei den meisten Airlines beginnt ein Steckbrief mit IATA- und ICAO-Code. Bei Iceland Express ist das schwierig. Weil die Marke kein eigenes Luftverkehrsbetreiberzeugnis hatte, liefen die Flüge in der Flugsicherung unter den Codes des Betreibers. Flog Astraeus, meldete sich die Crew mit dem Rufzeichen FLYSTAR, im Flugplan stand der ICAO-Code AEU. Für die Marke selbst nennen Nachschlagewerke unterschiedliche Codes, verlässlich belegt ist keiner davon.
Für dich als Spotter heißt das: Auf alten Funkmitschnitten oder in Archivdaten taucht der Name Iceland Express oft gar nicht auf. Entscheidend sind Rufzeichen und Kennzeichen. Wie die beiden Code-Systeme aufgebaut sind, erklärt der Artikel IATA- und ICAO-Codes erklärt, Hintergründe zu Funknamen liefert Airline-Rufzeichen und ihre Geschichte.
Betreiber und Marke sauber trennen
Mit Planetrack postest du jede Sichtung mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline und Flughafen – praktisch, wenn ein Mietjet unter fremdem Namen auftaucht. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Die Geschichte in Etappen
2002/2003: Start mit Astraeus
Gründung 2002, erster Flug am 27. Februar 2003. Boeing 737-300 der britischen Astraeus fliegen nach Kopenhagen und London-Stansted.
2005/2006: MD-80 und MD-90
Die isländische JetX übernimmt mit MD-82, ab 2006 fliegt die Schweizer Hello mit MD-90. Die Eigentümer kaufen 2005 zudem die dänischen Airlines Sterling und Maersk Air.
2008: Zurück zu Astraeus
Im Herbst 2008 fliegt wieder Astraeus, nun mit zwei Boeing 737-700. Im selben Jahr übernimmt die Holding Fons den Eigentümer Northern Travel Holding vollständig.
2010/2011: Sprung über den Atlantik
Ab Juni 2010 geht es nach Newark und Winnipeg, später saisonal auch nach Orlando. Die Flotte wächst um Boeing 757.
2011/2012: Pleite des Betreibers und Übernahme
Am 21. November 2011 stellt Astraeus den Betrieb ein. Iceland Express fliegt mit A320 von Holidays Czech Airlines weiter, bis WOW air im Oktober 2012 übernimmt.
Der Start: täglich nach Kopenhagen und London
Zum Auftakt setzte Iceland Express auf ein schlankes Programm: Boeing 737-300, gemietet bei der britischen Astraeus, flogen von Keflavík nach Kopenhagen und nach London-Stansted. Die Wahl der Ziele war kein Zufall: Kopenhagen ist für Island traditionell das Tor nach Skandinavien, London der wichtigste Markt in Westeuropa.
Das Konzept war klassisch für eine Billigairline: Tickets vor allem online, einfache Tarife, Punkt-zu-Punkt-Verbindungen statt Umsteigeverkehr. Spotting-Tipps für den dänischen Endpunkt liefert der Guide Planespotting in Kopenhagen-Kastrup. Wie sich Low-Cost-Airlines rechnen und warum sie so oft auf Mietkapazität setzen, erklärt der Artikel Wie Billigflieger funktionieren.
Eigentümer mit großen Plänen
Hinter Iceland Express stand die isländische Beteiligungsgesellschaft Northern Travel Holding. Ihre Eigentümer dachten in den Boomjahren vor der Finanzkrise groß: 2005 kauften sie die dänischen Airlines Sterling und Maersk Air, legten sie zusammen und gaben sie später gegen Aktien an die isländische FL Group ab. Später gehörte Sterling wieder zum Umfeld von Northern Travel Holding.
Im September 2008 übernahm die Investmentgesellschaft Fons Northern Travel Holding vollständig. Kurz darauf wechselte Iceland Express zur Schwestergesellschaft Fengur, die dieselben Haupteigentümer hatte. Zu Fengur gehörte auch Astraeus vollständig. Damit waren Marke und Betreiber über einige Jahre unter einem Dach – ein Grund, warum Astraeus ab 2008 wieder sämtliche Iceland-Express-Flüge übernahm. Nach dem Zusammenbruch der isländischen Banken im Herbst 2008 wurde das wirtschaftliche Umfeld für die Airline deutlich rauer.
Wer flog für Iceland Express?
Die Liste der Betreiber ist das Herzstück dieser Airline. Je nach Jahr steckte hinter dem Namen eine ganz andere Gesellschaft mit eigener Flotte, eigenem Kennzeichen-Präfix und eigenem Rufzeichen.
| Betreiber | Land | Zeitraum (ca.) | Typen für Iceland Express | Typisches Kennzeichen |
|---|---|---|---|---|
| Astraeus | Großbritannien | 2003 bis etwa 2005 | Boeing 737-300 | G- (z. B. G-STRB, G-STRE) |
| JetX | Island | um 2005 | McDonnell Douglas MD-82 | TF- (TF-JXA, TF-JXB) |
| Hello | Schweiz | 2006 bis 2008 | McDonnell Douglas MD-90, zeitweise eine 757-200 | HB- (z. B. HB-JIC, HB-JID, HB-JIF) |
| Astraeus | Großbritannien | Herbst 2008 bis November 2011 | Boeing 737-300, 737-500, 737-700, 757-200 | G- (z. B. G-STRN, G-STRJ, G-STRX) |
| Holidays Czech Airlines | Tschechien | November 2011 bis Oktober 2012 | Airbus A320 mit 180 Sitzen | OK- |
Die genauen Übergänge sind in den Quellen nicht einheitlich datiert, und auch die Zahl der Flugzeuge pro Betreiber wird unterschiedlich angegeben. Zeitweise mietete Iceland Express zusätzlich einzelne Maschinen anderer Airlines, etwa einen A320 der slowenischen Adria Airways.
JetX und Hello: die MD-Jahre
Die MD-82 von JetX (manche Quellen nennen MD-83) stammten aus der Flotte von SAS und trugen isländische TF-Kennzeichen. JetX ging später in Primera Air auf. Größer und länger prägend war die Phase mit der Schweizer Charterairline Hello aus Basel. Sie stellte mehrere MD-90 samt Crew, Wartung und Versicherung, im Rahmen eines Dreijahresvertrags. Die MD-90 mit ihren hinten am Rumpf montierten Triebwerken war ein ungewöhnliches Bild für Low-Cost-Flüge nach Island. Der Vertrag mit Hello wurde 2008 nicht verlängert.
Unterschiede zwischen MD-82 und MD-90 erkennst du vor allem an den Triebwerken: Die MD-90 hat deutlich dickere Triebwerksgondeln, die MD-80-Familie die schlanken, langen Gondeln der älteren Generation. Einen Überblick über die ganze Familie liefert die Seite zur MD-80-Familie.
Astraeus: 737 und 757 mit G-Kennzeichen
Ab Herbst 2008 stellte wieder Astraeus die Flugzeuge, zunächst zwei Boeing 737-700. Mit der Expansion kamen Boeing 737-300, eine 737-500 und ab 2010 mehrere Boeing 757-200 dazu. 2011 umfasste die Iceland-Express-Flotte laut einer Rückschau sieben Maschinen: drei 757-200, zwei 737-700 und zwei 737-300.
Ein Detail für Kenner: Unter den 757, die mit Iceland-Express-Titeln fotografiert wurden, ist auch G-STRX. Genau diese Maschine flog 2011 als „Ed Force One“ für die Band Iron Maiden – Astraeus vermietete ihre 757 eben an ganz unterschiedliche Kunden. Wie du die Generationen der 737 auf Fotos auseinanderhältst, zeigt der Artikel Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX unterscheiden.
Kennzeichen zuerst
Ein Iceland-Express-Foto ohne lesbares Kennzeichen lässt sich kaum einem Betreiber zuordnen. G- steht für Astraeus, HB- für Hello, TF- für JetX, OK- für Holidays Czech. Mehr zum britischen System im Artikel britische G-Kennzeichen. In Planetrack legst du solche Funde mit Kennzeichen und Airline in deinem Hangar ab. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Das Streckennetz: von Europa bis Winnipeg
Neben Kopenhagen und London kamen im Lauf der Jahre zahlreiche europäische Ziele dazu, viele davon nur im Sommer. Der Flugplan 2012, also nach der Pleite von Astraeus, zeigt das verbliebene Netz:
| Ziel | Flughafen | Flüge pro Woche (2012) | Saison |
|---|---|---|---|
| Kopenhagen | CPH | 12 | ganzjährig |
| London | STN | 10 | ganzjährig |
| Alicante | ALC | 3 | Frühjahr bis Herbst |
| Berlin | SXF | 3 | Frühjahr bis Herbst |
| Warschau | WAW | 3 | Frühjahr bis Herbst |
| Frankfurt-Hahn | HHN | 2 | Sommer |
| Billund | BLL | 2 | Sommer |
| Göteborg | GOT | 2 | Sommer |
| Basel | BSL | 1 | Sommer |
| Barcelona, Bologna, Krakau, Paris-CDG | – | je 1 | Sommer bzw. Herbst |
In den Jahren davor war das Netz teils größer, etwa mit den Nordamerika-Strecken. Zeitweise, unter anderem im Sommer 2012, verband Iceland Express Kopenhagen zudem direkt mit Akureyri im Norden und Egilsstaðir im Osten Islands – eine Seltenheit, denn fast alle internationalen Flüge Islands laufen über Keflavík.
Iceland Express in Deutschland
Für Spotter in Deutschland war Iceland Express vor allem an drei Plätzen zu sehen: am Flughafen Friedrichshafen am Bodensee, am Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück und in Berlin-Schönefeld, dem heutigen Standort des BER. Fotos aus Friedrichshafen zeigen Anfang 2010 die Astraeus-737-700 G-STRN in Iceland-Express-Farben, aus den Jahren davor auch MD-90 von Hello. Gleich hinter der Grenze kam der EuroAirport Basel-Mulhouse dazu, die Heimat von Hello.
Wer heute am Hahn spottet, findet Tipps im Guide Planespotting am Flughafen Hahn.
Der Sprung nach Nordamerika
Im Juni 2010 wagte Iceland Express den Schritt über den Atlantik: vier Flüge pro Woche nach Newark bei New York und zwei nach Winnipeg in Kanada, geflogen mit 737 und zwei 757 von Astraeus. Im Winterflugplan blieb Newark ganzjährig im Programm, saisonal kam Orlando dazu. 2011 kündigte die Airline weitere Ziele an, darunter Chicago, Boston, Miami und Belfast. Welche davon tatsächlich bedient wurden, stellen die Quellen unterschiedlich dar; Miami und Belfast kamen nach den meisten Angaben nie zustande.
Die Idee war dieselbe, mit der Icelandair seit Jahrzehnten arbeitet: Island als Zwischenstopp zwischen Europa und Nordamerika. Für eine Airline ohne eigene Flugzeuge, die von einem einzigen Betreiber abhing, war das allerdings ein riskantes Spiel.
Die 757 auf deiner Wunschliste
Richte Sichtungs-Alarme für Typen wie die Boeing 757 oder die 737-300 ein – Planetrack benachrichtigt dich, wenn einer an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Das Ende: erst der Betreiber, dann die Marke
Am 21. November 2011 stellte Astraeus mit sofortiger Wirkung den Flugbetrieb ein. Damit stand Iceland Express auf einen Schlag ohne Flugzeuge da – genau das Risiko eines virtuellen Modells. Kurzfristig sprang Holidays Czech Airlines ein, eine Tochter von Czech Airlines, mit Airbus A320 mit 180 Sitzen. Im Frühjahr 2012 schlossen beide Seiten einen neuen Vertrag, der bis zum Frühjahr 2013 laufen sollte.
Mit nur noch zwei Maschinen ließ sich das bisherige Netz nicht halten. Die Nordamerika-Strecken entfielen, auch in Europa wurde gekürzt. Gleichzeitig wurde die Konkurrenz härter: Neben Icelandair flogen Germanwings und easyJet nach Island, und 2012 startete mit WOW air eine neue isländische Billigairline, deren erster Flug am 31. Mai 2012 nach Paris ging.
Im Sommer 2012 begannen Gespräche zwischen den beiden isländischen Low-Cost-Anbietern. Am 23. Oktober 2012 übernahm WOW air Streckennetz, Marke und Kundenstamm von Iceland Express, bereits verkaufte Tickets blieben gültig. Wenige Tage später kündigte WOW air den Iceland-Express-Beschäftigten, darunter dem Kabinenpersonal, und beendete den Vertrag mit Holidays Czech. Damit war die Marke nach knapp zehn Jahren Geschichte. Einen Überblick über vergleichbare Zusammenbrüche gibt der Artikel Große Airline-Pleiten in Europa.
Stärken des virtuellen Modells
- Kein Kapital in eigenen Flugzeugen gebunden
- Kapazität flexibel nach Saison einkaufen
- Schneller Markteintritt gegen einen etablierten Platzhirsch
Schwächen, die Iceland Express trafen
- Völlige Abhängigkeit vom Betreiber – die Pleite von Astraeus legte das Netz lahm
- Häufige Wechsel von Typen und Crews
- Kaum Spielraum, als neue Konkurrenz auf den Markt drängte
Woran du Iceland Express erkennst
Iceland Express siehst du heute nur noch auf Fotos und in Archiven. Die Zuordnung ist trickreicher als bei einer klassischen Airline, weil Schriftzug und Betreiber auseinanderfallen:
- Schriftzug am Rumpf: „Iceland Express“ in den Farben der Marke – der erste Hinweis, aber nicht der letzte.
- Kennzeichen: Es verrät den Betreiber und damit meist auch den Zeitraum. Grundlagen erklärt der Artikel Flugzeug-Kennzeichen verstehen.
- Typ: MD-82 und MD-90 gehören in die Mitte der 2000er, 737-700 und 757 in die Jahre 2008 bis 2011, A320 in die letzte Phase.
- Ort und Zeit: Keflavík, Kopenhagen und Stansted ganzjährig, deutsche Ziele meist im Sommer.
Spricht für Iceland Express
- Iceland-Express-Titel an einer 737 oder 757 mit G-Kennzeichen
- MD-90 mit HB-Kennzeichen und Iceland-Express-Schriftzug
- A320 aus Tschechien in Keflavík zwischen Ende 2011 und Herbst 2012
Genauer prüfen
- Astraeus-Jet ohne Titel in Keflavík – kann für Iceland Express unterwegs gewesen sein
- Mischbemalungen beim Wechsel zwischen Kunden – siehe Hybrid-Liveries erkennen
Spricht dagegen
- Foto nach Oktober 2012
- WOW-air-Bemalung in Violett – das ist der Nachfolger, nicht Iceland Express
Was von Iceland Express bleibt
- Der Wettbewerb in Island: Iceland Express bewies, dass neben Icelandair Platz für eine Billigmarke ist. WOW air und später PLAY setzten diese Idee fort.
- Das Wet-Lease-Prinzip: Mietjets mit fremden Titeln gehören bis heute zum Sommeralltag. Wie das funktioniert, liest du in Wet Lease erklärt. Isländische Spezialisten wie Air Atlanta Icelandic leben genau davon.
- Island als Brücke über den Atlantik: Die Idee reicht zurück bis zu Loftleiðir, die schon in den 1950er- und 1960er-Jahren günstige Atlantikflüge über Island anbot.
Häufige Verwechslungen
- Iceland Express mit Icelandair verwechseln – Icelandair ist die traditionsreiche Netzwerkairline, Iceland Express war ihr Billigkonkurrent.
- Jede Iceland-Express-Maschine für isländisch halten – die meisten trugen britische, Schweizer oder tschechische Kennzeichen.
- Astraeus-Rufzeichen einer eigenen Airline zuordnen – FLYSTAR gehörte zu Astraeus, auch wenn Iceland Express am Rumpf stand.
- Iceland Express für den Vorgänger von PLAY halten – direkter Erbe war WOW air, PLAY entstand erst nach deren Ende.
Luftfahrtgeschichte in deinem Hangar
Poste Fotos von 737, 757 oder MD-90 mit Typ, Kennzeichen, Airline und Spot, tausch dich in der Community mit anderen Fans nordischer Luftfahrt aus und behalte deine Sammlung im Hangar im Blick. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Iceland Express war eine Airline ohne Flugzeuge – und gerade deshalb für Spotter so spannend. Unter einem Namen flogen fast zehn Jahre lang britische Boeing 737 und 757, isländische MD-82, Schweizer MD-90 und tschechische A320. Die Marke brachte günstige Islandflüge nach Kopenhagen, London, Berlin oder an den Bodensee und wagte 2010 sogar den Sprung nach Nordamerika. Als im November 2011 der wichtigste Betreiber zusammenbrach, war das Modell nicht mehr zu halten. Ein Jahr später ging Iceland Express in WOW air auf.
Kurzfazit
Iceland Express war eine historische isländische Low-Cost-Marke mit Basis in Keflavík, aktiv von 2003 bis 2012. Sie besaß keine eigenen Flugzeuge: Geflogen wurde im Wet Lease von Astraeus, JetX, Hello und Holidays Czech. Auf alten Fotos verrät dir das Kennzeichen, wer wirklich flog.
Zusammenfassung
- Iceland Express war eine Low-Cost-Marke aus Reykjavík, die ab 2003 von Keflavík aus nach Europa flog und Icelandair Konkurrenz machte.
- Eigene Flugzeuge gab es nie: Je nach Jahr flogen Astraeus, JetX, Hello oder Holidays Czech Airlines mit Iceland-Express-Titeln.
- Nach der Pleite von Astraeus im November 2011 schrumpfte das Netz stark, im Oktober 2012 übernahm WOW air Marke, Streckennetz und Kundschaft.
- Live spotten kannst du Iceland Express nicht mehr. Auf alten Fotos zeigt das Kennzeichen, wer die Maschine tatsächlich betrieb.
Häufige Fragen
Gibt es Iceland Express heute noch?
Nein. Im Oktober 2012 übernahm die isländische Low-Cost-Airline WOW air das Streckennetz, die Marke und den Kundenstamm von Iceland Express. Ende Oktober 2012 kündigte WOW air den Beschäftigten von Iceland Express und löste den Vertrag mit dem Betreiber Holidays Czech Airlines. Seitdem fliegt nichts mehr unter dem Namen Iceland Express.
Hatte Iceland Express eigene Flugzeuge?
Nein. Iceland Express war eine sogenannte virtuelle Airline: Sie verkaufte Tickets und plante das Netz, besaß aber keine eigenen Flugzeuge. Die Flüge führten andere Airlines im Wet Lease durch, also mit eigenem Flugzeug, eigener Crew, Wartung und Versicherung.
Welche Airlines flogen für Iceland Express?
Zum Start 2003 flog die britische Astraeus mit Boeing 737-300. Später übernahmen die isländische JetX mit MD-80 und die Schweizer Hello mit MD-90. Ab Herbst 2008 flog wieder Astraeus, nun mit 737-700 und später 757-200. Nach dem Aus von Astraeus im November 2011 sprang Holidays Czech Airlines mit Airbus A320 ein.
Welche IATA- und ICAO-Codes hatte Iceland Express?
Für die Marke selbst sind keine Codes verlässlich belegt. Weil Iceland Express kein eigenes Luftverkehrsbetreiberzeugnis hatte, liefen die Flüge in der Flugsicherung unter den Codes des jeweiligen Betreibers. Bei Astraeus waren das zum Beispiel der ICAO-Code AEU und das Rufzeichen FLYSTAR.
Flog Iceland Express nach Deutschland?
Ja. Zu den deutschen Zielen gehörten Friedrichshafen, Frankfurt-Hahn und Berlin-Schönefeld. Im Flugplan 2012 standen Berlin mit drei und Hahn mit zwei Flügen pro Woche, jeweils als Saisonverbindung. Dazu kam Basel am Dreiländereck.
Flog Iceland Express auch nach Amerika?
Ja, ab Juni 2010: Newark bei New York mit vier und Winnipeg in Kanada mit zwei Flügen pro Woche, geflogen von Astraeus mit 737 und 757. Später kam saisonal Orlando dazu, weitere Ziele wie Chicago und Boston wurden 2011 angekündigt. Nach der Pleite von Astraeus im November 2011 wurden die Nordamerika-Flüge eingestellt; 2012 bot Iceland Express keine Flüge in die USA mehr an.
Was hat Iceland Express mit WOW air zu tun?
WOW air startete 2012 als neue isländische Low-Cost-Airline und wurde damit direkter Konkurrent von Iceland Express. Im Oktober 2012 übernahm WOW air das Netz und die Marke von Iceland Express. Einige Ziele, etwa Berlin und Warschau, flog WOW air anschließend selbst an. WOW air stellte ihrerseits 2019 den Betrieb ein.
Iceland Express im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Boeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypBoeing 737-500
Klein, kompakt und mit den typischen platten Triebwerkseinlässen: Die 737-500 war die kürzeste 737 Classic und der moderne Ersatz für die 737-200. Hier liest du, wer sie flog, wo sie heute noch unterwegs ist und wie du sie von -300 und -600 trennst.
FlugzeugtypBoeing 737-700
Kurz, stämmig und seit 1997 in der Luft: Die 737-700 ist die kompakte Next-Generation-737. Sie wird seltener – so erkennst du sie und weißt, wo du sie noch findest.
FlugzeugtypBoeing 757-200
Lang, schlank, hochbeinig und mit Triebwerken, die fast zu groß wirken: Die 757-200 ist ein Schmalrumpf mit Langstrecken-Genen. Produziert wird sie seit 2004 nicht mehr, Spotter freuen sich deshalb über jede Begegnung.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas MD-82
Mehr als jede andere Version prägte die MD-82 das Bild der MD-80-Familie: Hunderte „Super 80“ bei American Airlines, 90 Maschinen bei Alitalia, Lizenzmontage in Shanghai. So erkennst du sie und so findest du heute noch eine.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas MD-90
Der Rumpf einer MD-80, aber hinten zwei dicke, runde Triebwerke: Die MD-90 brachte die DC-9-Familie in die Ära der modernen Mantelstromtriebwerke. Hier erfährst du, wie du sie sicher erkennst, wer sie flog und warum sie heute so gut wie verschwunden ist.
FlugzeugtypAirbus A320 (ceo)
Der Jet, mit dem Airbus den Kurzstreckenmarkt umgekrempelt hat: Die A320 der ersten Generation ist seit 1988 im Dienst und noch immer an fast jedem Flughafen zu sehen. So erkennst du sie und ihre Varianten.
Weitere Airlines
WOW air
Historische Low-Cost-Airline aus Island: 2011 von Skúli Mogensen gegründet, mit knallig lila Airbus-Jets über Keflavík zwischen Europa und Nordamerika unterwegs – und am 28. März 2019 am Ende.
NetzwerkIcelandair
Islands Netzwerk-Airline verbindet über Keflavík Europa und Nordamerika. Die Flotte steckt mitten im Umbruch: Die Boeing 757 verschwindet, 737 MAX und Airbus A321LR übernehmen.
CharterAstraeus Airlines
Historische britische Charter- und Wet-Lease-Airline aus Gatwick (2002–2011): Astraeus flog Boeing 737 und 757 für Reiseveranstalter, Iceland Express und andere Airlines – und stellte Iron Maiden die 757 „Ed Force One“, oft mit Sänger Bruce Dickinson im Cockpit.
Low-CostPLAY
Historische Low-Cost-Airline aus Island: 2019 von früheren WOW-air-Managern gegründet, ab 2021 mit roten Airbus-Jets zwischen Europa und Nordamerika unterwegs – und am 29. September 2025 eingestellt.
Low-CostSterling Airlines
Historische dänische Airline: Sterling Airways flog ab 1962 Urlauber in den Süden, ging 1993 pleite, kehrte als Sterling European zurück und wurde ab 2001 ein Low-Cost-Carrier – bis zum Konkurs im Oktober 2008.
NetzwerkMaersk Air
Historische dänische Airline der Reederei A. P. Møller-Mærsk: Maersk Air flog von 1969 bis 2005 ab Kopenhagen und Billund, vor allem mit Boeing 737 und Fokker-Turboprops, und ging 2005 in Sterling auf.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Keflavík
Islands Tor zur Welt liegt auf einem windigen Lavafeld am Rand der Reykjanes-Halbinsel: zwei gekreuzte Pisten aus der Zeit der US-Militärbasis, ein Terminal, Icelandair als Hausherr – und Umsteigewellen zwischen Europa und Nordamerika, die den Tag im Takt halten.
FlughafenFlughafen Kopenhagen-Kastrup
Der größte Flughafen der nordischen Länder liegt auf Amager, acht Kilometer vom Rathausplatz entfernt: drei Pisten, ein Terminalkomplex mit Metro- und Zuganschluss, SAS als Hausherr – und mit dem Flyvergrillen ein Spotterplatz, der in Dänemark Kultstatus hat.
FlughafenFlughafen London-Stansted
Londons drittgrößter Flughafen ist das Reich von Ryanair: eine einzige Bahn, über 30 Millionen Passagiere im Jahr, nachts und morgens Großraumfrachter – und ein Terminal von Norman Foster, das die Flughafenarchitektur weltweit geprägt hat.
FlughafenFlughafen Friedrichshafen
Deutschlands südlichster Verkehrsflughafen ist klein, aber geschichtsträchtig: Hier begann der Platz als Luftschiffhafen der Zeppelin-Zeit, hier baute Dornier, und jeden April verwandelt die AERO den Bodensee-Airport in einen Treffpunkt der allgemeinen Luftfahrt. Dazu Ferienflieger, Dash 8 nach Berlin und Hamburg und ein Zeppelin NT vor der Tür.
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