McDonnell Douglas MD-90

Der Rumpf einer MD-80, aber hinten zwei dicke, runde Triebwerke: Die MD-90 brachte die DC-9-Familie in die Ära der modernen Mantelstromtriebwerke. Hier erfährst du, wie du sie sicher erkennst, wer sie flog und warum sie heute so gut wie verschwunden ist.

Auch bekannt als: MD-90-30 · MD-90-30ER · MD-90-30T · MD-90 Trunkliner · MD-90EFD · Mad Dog

USAMcDonnell DouglasHistorische FlugzeugeICAO-Typcode: MD9012 Min. Lesezeit

1993

Erstflug

116

gebaute Maschinen

V2500

Triebwerk

2020

letzter Linienflug

Das Wichtigste in Kürze

  • Die MD-90 ist eine gestreckte MD-80 mit neuen Triebwerken: Statt der Pratt & Whitney JT8D-200 trägt sie zwei IAE V2500 – als erste Version der DC-9-Familie mit modernen Mantelstromtriebwerken.
  • Schnellster Erkennungsweg: langer MD-80-Rumpf plus große, runde Hecktriebwerke. Kompakter Rumpf mit runden Triebwerken heißt dagegen Boeing 717.
  • Nur 116 Maschinen entstanden zwischen 1993 und 2000 – die A320 und Boeings eigene 737 liefen ihr den Rang ab.
  • Wichtigste Betreiber waren Delta, Saudi Arabian Airlines, Japan Air System und China Northern. Im DACH-Raum flog die Schweizer Charterairline Hello aus Basel MD-90.
  • Seit dem 2. Juni 2020 fliegt keine MD-90 mehr im Airline-Dienst. Ein ehemaliges Delta-Exemplar wurde bei Boeing zum Versuchsträger für das X-66-Programm umgebaut.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist die MD-90?
  2. 2.Entstehung: vom Propfan zum V2500
  3. 3.Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
  4. 4.Die Versionen im Überblick
  5. 5.MD-90, MD-80 oder Boeing 717?
  6. 6.Die Betreiber: Atlanta, Riad, Tokio und Basel
  7. 7.Zweites Leben als Forschungsflugzeug: die X-66
  8. 8.Die Triebwerke: IAE V2500
  9. 9.Was bleibt für Spotter?
  10. 10.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
  11. 11.Fazit

Steckbrief

HerstellerMcDonnell Douglas (Long Beach, Kalifornien), ab 1997 Boeing; zwei Maschinen in Shanghai montiert
FamilieDC-9-Linie: DC-9, MD-80, MD-90, Boeing 717
ICAO-TypcodeMD90
Programmstart14. November 1989 mit einer Bestellung von Delta Air Lines
Erstflug22. Februar 1993
Zulassung16. November 1994
ErstauslieferungFebruar 1995 an Delta Air Lines
Triebwerke2 × IAE V2525-D5 oder V2528-D5 am Rumpfheck, rund 111 bis 125 kN Schub
Längerund 46,5 m
Spannweiterund 32,9 m
Höherund 9,3 bis 9,4 m
Sitzplätzetypisch rund 153 bis 172, je nach Bestuhlung
Max. Startgewichtrund 70,8 t
Reichweiterund 3.800 km mit 153 Passagieren, MD-90-30ER rund 4.500 km
ReisegeschwindigkeitMach 0,76
Produktion116 Maschinen von 1993 bis 2000
StatusHistorisch: letzter Linienflug bei Delta am 2. Juni 2020, seither kein Airline-Einsatz mehr

Erkennungsmerkmale

Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Große, runde Triebwerksgondeln der IAE V2500 seitlich am Heck – deutlich dicker und kürzer im Verhältnis als die schlanken JT8D-Röhren der MD-80
  • Sehr langer, schlanker Rumpf von rund 46,5 m – noch etwas länger als bei MD-81 bis MD-88
  • T-Leitwerk hoch oben auf der Seitenflosse, wie bei der ganzen DC-9-Familie
  • Flügel ohne Winglets, praktisch identisch mit dem MD-80-Flügel
  • Fünf Sitze pro Reihe in der Economy (2+3), ein Gang

Aktualisiert: Oktober 2026 – Lang und schlank wie eine MD-80, T-Leitwerk oben auf der Flosse, aber hinten hängen zwei auffallend dicke, runde Triebwerke: Wer so ein Flugzeug auf einem alten Dia oder in einer Fotodatenbank entdeckt, hat sehr wahrscheinlich eine McDonnell Douglas MD-90 vor sich. Sie ist das vorletzte Kapitel der DC-9-Geschichte und der Versuch, das bewährte Hecktriebwerks-Konzept mit moderner Triebwerkstechnik fit für die 1990er-Jahre zu machen. Hier erfährst du, wie die MD-90 entstand, woran du sie sicher erkennst, welche Airlines sie flogen – vom Delta-Drehkreuz Atlanta bis zum EuroAirport Basel – und warum du sie heute praktisch nur noch im Archiv findest.

Eine MD-90 im Archiv? Ab in den Hangar.

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Was ist die MD-90?

Die MD-90 ist ein zweistrahliger Schmalrumpfjet für Kurz- und Mittelstrecken mit einem Gang und fünf Sitzen pro Reihe. Je nach Bestuhlung passen rund 153 bis 172 Passagiere hinein. Technisch ist sie eine Weiterentwicklung der MD-80, die ihrerseits auf die DC-9 aus den 1960er-Jahren zurückgeht. Damit gehört sie zur langlebigsten Flugzeugfamilie, die McDonnell Douglas je gebaut hat.

Der wichtigste Unterschied steckt am Heck: Statt der schlanken, aber lauten und durstigen Pratt-&-Whitney-JT8D-200 der MD-80 trägt die MD-90 zwei IAE V2500. Das sind moderne Mantelstromtriebwerke mit hohem Nebenstromverhältnis – die erste Anwendung dieser Bauart an einem Abkömmling der DC-9. Sie sind leiser und sparsamer, aber auch deutlich größer im Durchmesser. Dazu kommt ein um rund 1,4 Meter verlängerter Rumpf, sodass die MD-90 mit rund 46,5 Metern das längste Mitglied der Familie ist.

Ein kleines technisches Detail verrät, wie viel Aufwand im Umbau steckte: Die Triebwerkspylone haben eigene Klappen, die sich um 30 Grad nach unten stellen können. Sie helfen dem Flugzeug, aus einem Strömungsabriss herauszukommen.

MD90ICAO-Typcode in Flugplänen und Tracking-Diensten
116gebaute Maschinen von 1993 bis 2000
≈ 46,5 mLänge – das längste Mitglied der DC-9-Familie

Entstehung: vom Propfan zum V2500

Ende der 1980er-Jahre suchte McDonnell Douglas nach einem Nachfolger für die MD-80, der deutlich weniger Treibstoff verbrauchen sollte. Zunächst setzte der Hersteller auf eine radikale Idee: Propfan-Triebwerke, also offene Rotoren mit gegenläufigen Schaufeln am Heck. Als Projekt lief das Konzept zuletzt unter dem Namen MD-94X, die Propfans selbst wurden an einer umgebauten MD-81 in der Luft erprobt. Bei den Airlines setzte sich die ungewohnte Technik aber nicht durch.

Mitte 1989 zog McDonnell Douglas die Konsequenz und ersetzte den Propfan durch das konventionelle IAE V2500, das gerade an der Airbus A320 eingeführt worden war. Der Strategiewechsel zahlte sich schnell aus: Am 14. November 1989 bestellte Delta Air Lines 50 Maschinen und sicherte sich Optionen auf 110 weitere. Delta wurde damit Erstkundin.

Der Erstflug fand am 22. Februar 1993 statt, die Zulassung folgte am 16. November 1994. Im Februar 1995 übernahm Delta die erste Serienmaschine. Gebaut wurde – wie bei MD-80 und DC-9 – in Long Beach in Kalifornien. Zusätzlich vereinbarte McDonnell Douglas eine Lizenzfertigung in Shanghai: Ursprünglich sollten dort 40 Exemplare der Version MD-90-30T „Trunkliner“ entstehen, später wurde die Zahl auf 20 reduziert, gebaut wurden am Ende nur zwei. Beide gingen an China Northern.

1997 ging McDonnell Douglas in Boeing auf. Boeing kündigte noch im selben Jahr das Ende der MD-90 an, baute die offenen Aufträge aber ab. Delta stornierte seine restlichen 19 Bestellungen und wechselte zur Boeing 737-800. Die letzte MD-90 verließ Long Beach im Oktober 2000 in Richtung Saudi Arabian Airlines. Die angedachten Varianten MD-90-10 und MD-90-50 kamen nie zustande. Weiter lebte dafür ein anderer Ableger: Die kürzere MD-95 wurde nach der Fusion zur Boeing 717 – mit ähnlich runden Hecktriebwerken, aber von Rolls-Royce.

Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen

Hecktriebwerke und T-Leitwerk teilt die MD-90 mit der ganzen Verwandtschaft. Drei Blicke reichen trotzdem für eine sichere Bestimmung.

Grundform prüfen

Zwei Triebwerke seitlich am Rumpfende, Höhenleitwerk ganz oben auf der Flosse, unter den Flügeln hängt nichts. Damit bist du in der DC-9-Familie oder bei einem ihrer Zeitgenossen wie der Fokker 100.

Gondeln ansehen

Die V2500-Gondeln sind groß, rund und wirken im Verhältnis zu ihrer Länge kurz und bullig. Die JT8D-Gondeln von MD-80 und DC-9 sind dagegen lange, schmale Röhren. Das ist das wichtigste Einzelmerkmal.

Länge schätzen

Runde Triebwerke an einem sehr langen, zigarrenartigen Rumpf bedeuten MD-90. Runde Triebwerke an einem kompakten Rumpf mit kurzem Abstand zwischen Flügel und Heck bedeuten Boeing 717.

Am Ende bestätigt das Kennzeichen die Bestimmung. Gerade bei der MD-90 lohnt sich der Blick in die Historie, denn viele Maschinen flogen nacheinander bei zwei oder drei Airlines. Wie du Registrierungen liest, erklärt Flugzeug-Kennzeichen verstehen, und mit Flugzeugalter herausfinden verfolgst du den Lebenslauf einer Maschine zurück.

Praxis-Tipp für alte Fotos

Auf Bildern von hinten oder schräg hinten sind die Triebwerkseinläufe nicht zu sehen. Achte dann auf den Durchmesser der Gondel im Verhältnis zur Rumpfhöhe: Bei der MD-90 reicht die Gondel optisch fast an die halbe Rumpfhöhe heran, bei der MD-80 wirkt sie wie ein schmales Rohr.

Die Versionen im Überblick

Gebaut wurde im Kern nur eine Grundversion, die MD-90-30. Die Untervarianten unterscheiden sich in Tankvolumen, Gewicht und Cockpit, von außen sehen sie praktisch gleich aus.

Version Gebaut Besonderheit
MD-90-30 Großteil der Produktion Grundversion mit V2525-D5 oder V2528-D5, EFIS-Cockpit ähnlich der MD-88
MD-90-30ER sehr wenige (Angaben schwanken zwischen eins und zwei) Zusatztank mit rund 2.140 Litern, Reichweite rund 4.500 km
MD-90-30IGW 1 erhöhtes Abfluggewicht
MD-90-30EFD 29 „Enhanced Flight Deck“ für Saudi Arabian Airlines, volles Glascockpit nach Vorbild der MD-11
MD-90-30T „Trunkliner“ 2 in Shanghai montiert, Betreiberin China Northern

Spannend ist vor allem die EFD-Version: Saudi Arabian Airlines – heute Saudia – bekam ihre 29 Maschinen mit einem Cockpit, das sich am Großraumjet MD-11 orientierte. Nach ihrer Ausmusterung wurden die saudischen MD-90 Berichten zufolge bis auf eine Maschine verschrottet.

MD-90, MD-80 oder Boeing 717?

Fast alle Verwechslungen passieren innerhalb der Familie. Der Finder hilft dir beim Eingrenzen.

Schnellbestimmung: Hecktriebwerks-Jet der DC-9-Familie

Drei Fragen, eine Einschätzung. Kennzeichen oder Typcode haben das letzte Wort.

Wahrscheinlich

MD-90

Langer Rumpf und große, runde V2500-Gondeln: Das ist das Bild der MD-90. Prüf das Kennzeichen, um die Untervariante und die Betreiberhistorie zu klären.

Wahrscheinlich

MD-80-Familie

Langer Rumpf mit kräftigen, aber schmalen JT8D-200-Gondeln spricht für eine MD-80, etwa eine MD-82, MD-83 oder MD-88.

Wahrscheinlich

Boeing 717

Runde Triebwerke an einem kompakten Rumpf: Das ist die Boeing 717, die als MD-95 begann.

Wahrscheinlich

DC-9

Sehr schlanke Gondeln und meist ein kürzerer Rumpf deuten auf die DC-9, die Urahnin der Familie.

Merkmal MD-82/83 MD-90 Boeing 717
ICAO-Typcode MD82 / MD83 MD90 B712
Triebwerke P&W JT8D-200, lang und schmal IAE V2500, groß und rund Rolls-Royce BR715, groß und rund
Länge rund 45,1 m rund 46,5 m rund 37,8 m
Cockpit analog (MD-88: EFIS) EFIS, EFD-Version Glascockpit Glascockpit

Außerhalb der Familie ist die Verwechslungsgefahr gering. Die Fokker 100 hat ebenfalls Hecktriebwerke und T-Leitwerk, ist aber erheblich kürzer und zeigt am Rumpfende ihre seitlich aufklappenden Bremsklappen. Die zeitgenössischen Konkurrenten A320 und 737 tragen ihre Triebwerke unter den Flügeln. Mehr Grundlagen zur Typbestimmung findest du in Flugzeugtypen erkennen für Anfänger.

Die Betreiber: Atlanta, Riad, Tokio und Basel

Die 116 Neubauten gingen an 13 Airlines. Die größten Abnehmer waren Saudi Arabian Airlines mit 29 Maschinen, Delta und Japan Air System mit je 16 sowie China Northern mit 13. Dazu kamen unter anderem China Eastern, die taiwanische Uni Air, SAS, Reno Air, Air Aruba, EVA Air und Kıbrıs Türk Hava Yolları.

Delta Air Lines: Die Erstkundin blieb der Typ bis zum Schluss treu – und baute die Flotte später mit gebrauchten Maschinen sogar aus. Insgesamt setzte Delta 65 MD-90 ein. Am Flughafen Atlanta, Deltas Heimatdrehkreuz, gehörten MD-88 und MD-90 über Jahrzehnte zum Alltag. Ab 2017 begann die Ausmusterung, die Corona-Pandemie beschleunigte sie. Am 2. Juni 2020 flog Delta die letzten kommerziellen Flüge mit MD-88 und MD-90 – damit endete der Linieneinsatz des Typs weltweit.

Japan: Japan Air System nahm ab 1995 16 MD-90-30 in Betrieb. Nach der Fusion mit Japan Airlines flogen die Maschinen unter JAL-Flagge weiter und wurden 2013 ausgemustert.

Saudi-Arabien und China: Saudi Arabian Airlines war mit den 29 EFD-Maschinen der größte Erstbetreiber. In China flogen China Northern und China Eastern Airlines die MD-90, China Northern auch die beiden in Shanghai montierten Trunkliner.

Südostasien: Gebrauchte MD-90 landeten unter anderem bei Lion Air in Indonesien. Eine davon schoss im März 2009 in Jakarta bei Regen und Wind über die Piste hinaus und musste abgeschrieben werden.

Die MD-90 am EuroAirport Basel

Für Spotter im DACH-Raum ist die Schweizer Charterairline Hello der wichtigste MD-90-Bezug. Das 2004 gegründete Unternehmen mit Sitz in Basel setzte sechs MD-90 ein, teils eigene, teils von SAS gemietete, alle mit Schweizer HB-Kennzeichen. Heimat war der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg, auch ab Zürich wurde geflogen, vor allem zu Urlaubszielen am Mittelmeer und in Ägypten. Zwischen Herbst 2010 und Frühjahr 2011 ersetzte Hello die MD-90 durch A320, im Oktober 2012 stellte die Airline den Betrieb ein.

Wenn du in deinem eigenen Archiv oder in Fotodatenbanken nach den Kennzeichen dieser Maschinen suchst, findest du die Maschinen oft in mehreren Lackierungen – ein schönes Beispiel dafür, wie viel Geschichte in einer einzigen Registrierung stecken kann. Mehr zum Thema Lackierungswechsel liest du in Hybrid- und Mischlackierungen erkennen.

Kein Linienbetrieb mehr

Seit Deltas letzten Flügen im Juni 2020 ist keine MD-90 mehr im aktiven Airline-Dienst. Stand Oktober 2026 kannst du den Typ also nicht mehr im regulären Flugplan finden. Eine Sichtung wäre ein Sonderfall, etwa ein Test- oder Überführungsflug.

Zweites Leben als Forschungsflugzeug: die X-66

Eine überraschende Wendung nahm die Geschichte der MD-90 in den 2020er-Jahren. Für das Forschungsprogramm X-66 mit der NASA wählte Boeing eine ehemalige MD-90, die zuvor bei China Northern und Delta geflogen war. Ziel war es, einen extrem langen, schlanken und durch Streben abgestützten Flügel zu erproben – ein Konzept für sparsamere Verkehrsflugzeuge der Zukunft. Der lange Rumpf der MD-90 bot dafür eine passende Basis.

Im August 2023 wurde die Maschine nach Palmdale in Kalifornien überführt, wo der Umbau beginnen sollte. Zuletzt waren nur noch drei MD-90 registriert, alle im Besitz von Boeing und für das Programm vorgesehen. Am 24. April 2025 gab Boeing allerdings bekannt, das X-66-Programm auf unbestimmte Zeit zu pausieren; die Forschung an dünnen Flügeln geht nach Boeings Angaben in anderer Form weiter. Was mit den Flugzeugzellen passiert, ist nach unserem Stand offen.

Für dich als Spotter heißt das: Die verbliebenen MD-90 sind eher ein Fall für Werksgelände in Kalifornien als für deinen Hausflughafen. Wie Hersteller ihre Erprobungsträger lackieren und kennzeichnen, zeigt der Beitrag Hauslackierungen von Airbus, Boeing und Embraer.

Die Triebwerke: IAE V2500

Das Herz der MD-90 ist das V2500-D5. Es entspricht im Kern dem V2500-A5 der A320-Familie, hat aber eigene Aufhängungen und seitlich statt unten angebrachte Hilfsgeräte, damit es seitlich am Rumpf montiert werden kann. Die V2525-D5 erhielt ihre Zulassung am 29. November 1992. Wie du Triebwerksbauarten generell auseinanderhältst, zeigt der Guide Triebwerke erkennen. Die D5-Versionen leisten rund 25.000 bis 28.000 lbf, also etwa 111 bis 125 Kilonewton.

Gebaut wird das V2500 vom Konsortium International Aero Engines. An der Entwicklung waren Pratt & Whitney mit Brennkammer und Hochdruckturbine, Rolls-Royce mit dem Hochdruckverdichter, die Japanese Aero Engines Corporation mit dem Niederdruckverdichter einschließlich Fan und die Münchner MTU Aero Engines mit der Niederdruckturbine beteiligt. Ein Stück deutsche Ingenieursarbeit flog also in jeder MD-90 mit.

Seltene Typen sicher erwischen

Leg in Planetrack Sichtungs-Alarme für Typen, Kennzeichen oder Airlines an – die App meldet dir, wenn eine passende Maschine an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.

Was bleibt für Spotter?

Ehrlich gesagt: Eine MD-90 live zu fotografieren, ist Stand Oktober 2026 fast unmöglich. Der Typ ist trotzdem spannend, und zwar aus drei Gründen.

Archiv auswerten

Wer in den 1990er- und 2000er-Jahren in Basel, Zürich oder auf Reisen in die USA und nach Asien fotografiert hat, findet die MD-90 vielleicht in den eigenen Bildern. Prüf alte Aufnahmen mit runden Hecktriebwerken gezielt auf die Länge.

Kennzeichen verfolgen

Über Registrierungen wie die HB-Kennzeichen der Hello-Maschinen lässt sich der Lebenslauf einzelner Flugzeuge rekonstruieren – vom Erstbetreiber bis zum Verbleib.

Abstellplätze und Museen

Ausgemusterte Jets landen oft auf Abstellflächen in Wüstenregionen. Nicht jede MD-90 wurde sofort verschrottet. Mehr dazu im Beitrag Flugzeugfriedhöfe und Boneyards.

Wie selten deine Sichtung ist und welche anderen Klassiker sich noch finden lassen, erfährst du in Seltene Flugzeuge spotten und Historische Flugzeuge erkennen. Wer stattdessen einen noch aktiven Verwandten sucht, hat bei der Boeing 717 die besseren Chancen; ob und wo sie gerade fliegt, prüfst du am besten aktuell im Tracking.

Falls sich doch einmal die Gelegenheit ergibt – etwa ein Testflug oder eine Überführung –, gelten die üblichen Fotoregeln: Eine saubere Seitenansicht zeigt den langen Rumpf, eine leicht schräge Ansicht von hinten setzt die runden Triebwerke in Szene. Wo die Sonne zu welcher Uhrzeit steht, planst du mit dem Guide Sonnenstand planen für deinen Fotospot.

MD-90 im Archiv bestimmen

Hak ab, was auf deinem Foto zu sehen ist.

  • Zwei Triebwerke sitzen am Heck, das Höhenleitwerk oben auf der Flosse.
  • Die Triebwerksgondeln sind groß und rund, nicht schmal und röhrenförmig.
  • Der Rumpf wirkt sehr lang, deutlich länger als bei einer Boeing 717.
  • Das Kennzeichen lässt sich in einer Datenbank als MD-90 bestätigen.

Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt

Es spricht für die MD-90, wenn …

  • große, runde Triebwerke am Heck eines sehr langen Rumpfs sitzen
  • ein T-Leitwerk und Flügel ohne Winglets zu sehen sind
  • im Tracking oder in der Datenbank MD90 steht
  • das Foto aus den Jahren 1995 bis 2020 stammt

Sieh genauer hin, wenn …

  • du nur das Heck siehst und die Rumpflänge nicht einschätzen kannst
  • die Gondeln im Gegenlicht schwer zu beurteilen sind – dann prüf MD-80 gegen MD-90
  • die Maschine in Delta-Farben fliegt – Delta hatte MD-88 und MD-90 parallel

Es ist keine MD-90, wenn …

  • die Triebwerke lang und schmal sind – dann ist es eine MD-80 oder DC-9
  • runde Triebwerke an einem kompakten Rumpf sitzen – das ist die Boeing 717
  • die Triebwerke unter den Flügeln hängen – dann bist du bei A320 oder 737
  • sich am Heck Bremsklappen seitlich öffnen – dann ist es ein Fokker-Jet

Fazit

Die MD-90 war der Versuch, die DC-9-Idee mit moderner Triebwerkstechnik in die 1990er-Jahre zu retten. Technisch gelang das – die V2500 machten sie leiser und sparsamer als die MD-80. Wirtschaftlich kam sie zu spät: Gegen A320 und 737 und nach der Übernahme durch Boeing blieb es bei 116 Exemplaren. Delta, Saudia, Japan Air System und China Northern prägten ihre Karriere, in der Schweiz flog Hello sie ab Basel. Seit 2020 ist sie aus dem Linienverkehr verschwunden.

Kurzfazit

Langer MD-80-Rumpf, T-Leitwerk und große, runde V2500-Triebwerke am Heck: Das ist die MD-90. Fliegend wirst du sie kaum noch sehen – umso wertvoller ist jedes Foto im eigenen Archiv und jede Kennzeichen-Recherche zu diesem seltenen Familienmitglied.

Zusammenfassung

  • McDonnell Douglas entwickelte die MD-90 Ende der 1980er-Jahre aus der MD-80. Delta startete das Programm 1989, der Erstflug folgte am 22. Februar 1993, die erste Auslieferung im Februar 1995.
  • Gegenüber der MD-80 wuchs der Rumpf um rund 1,4 m, und statt der lauten JT8D kamen leisere, sparsamere IAE-V2500-Triebwerke ans Heck.
  • Nach der Fusion mit Boeing 1997 wurde die Produktion eingestellt, die letzte Maschine ging im Oktober 2000 an Saudi Arabian Airlines. Insgesamt entstanden 116 Exemplare.
  • Stand Oktober 2026 ist die MD-90 aus dem Linienverkehr verschwunden. Für Spotter bleibt sie ein Typ für alte Fotoarchive, Kennzeichen-Recherchen und seltene Testflugzeug-Sichtungen.

Häufige Fragen

Welchen ICAO-Typcode hat die MD-90?

Die MD-90 läuft unter MD90. Damit unterscheidet sie sich in Flugplänen und Tracking-Diensten klar von den MD-80-Versionen (MD81 bis MD88) und der Boeing 717 (B712).

Was ist der Unterschied zwischen MD-80 und MD-90?

Die MD-90 ist rund 1,4 m länger und trägt statt der schlanken Pratt-&-Whitney-JT8D-200 zwei IAE-V2500-Triebwerke mit großem, rundem Querschnitt. Die meisten MD-90 haben ein EFIS-Cockpit ähnlich der MD-88. Von außen sind die Triebwerke das schnellste Unterscheidungsmerkmal.

Wie unterscheide ich MD-90 und Boeing 717?

Beide haben große, runde Hecktriebwerke. Die MD-90 ist mit rund 46,5 m aber fast neun Meter länger als die Boeing 717 mit rund 37,8 m. Wirkt der Rumpf lang wie eine Zigarre, ist es die MD-90, wirkt er kompakt, die 717.

Welche Triebwerke hat die MD-90?

Zwei IAE V2500 in den Versionen V2525-D5 oder V2528-D5 mit rund 25.000 bis 28.000 lbf Schub. Das Triebwerk stammt vom Konsortium International Aero Engines, an dem unter anderem Pratt & Whitney, MTU Aero Engines und die Japanese Aero Engines Corporation beteiligt sind. Dieselbe Triebwerksfamilie fliegt auch an der Airbus A320.

Fliegt die MD-90 noch?

Nicht im Linienverkehr. Delta flog die letzten kommerziellen MD-90-Flüge am 2. Juni 2020. Danach blieben nur wenige Maschinen im Besitz von Boeing registriert, die für das X-66-Forschungsprogramm vorgesehen waren. Boeing hat dieses Programm im April 2025 nach eigenen Angaben auf unbestimmte Zeit pausiert.

Flog die MD-90 auch in der Schweiz oder in Deutschland?

Ja. Die Schweizer Charterairline Hello mit Sitz in Basel setzte ab 2004 sechs MD-90 ein, teils eigene, teils von SAS gemietete. Zwischen Herbst 2010 und Frühjahr 2011 ersetzte sie die Maschinen durch A320. Eine deutsche Airline mit MD-90 in der eigenen Flotte gab es nicht.

Warum wurden so wenige MD-90 gebaut?

Die MD-90 kam in den 1990er-Jahren gegen die Airbus A320 und die Boeing 737 auf den Markt. Der A320-Rumpf erlaubt sechs Sitze pro Reihe statt fünf, was viele Airlines wirtschaftlicher fanden. Nach der Übernahme von McDonnell Douglas setzte Boeing auf die eigene 737, und Delta stornierte seine restlichen MD-90-Bestellungen zugunsten der 737-800.

McDonnell Douglas MD-90 sammeln statt nur sehen

Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Verwandte Flugzeugtypen

Historisch

McDonnell Douglas MD-80

Lang wie eine Zigarre, zwei kräftige Triebwerke am Heck: Die MD-80-Familie war von 1980 bis in die 2010er-Jahre ein Standardjet in Europa und den USA. So unterscheidest du MD-81, -82, -83, -87 und -88 und findest heute noch einen „Mad Dog“.

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Schmalrumpf

Boeing 717-200

T-Leitwerk, zwei Triebwerke am Heck, kurzer Rumpf: Die 717 ist der letzte Nachfahre der DC-9 und eigentlich eine McDonnell Douglas. In Europa ist sie verschwunden – so erkennst du sie und weißt, wo sie noch fliegt.

Schmalrumpf

Airbus A320 (ceo)

Der Jet, mit dem Airbus den Kurzstreckenmarkt umgekrempelt hat: Die A320 der ersten Generation ist seit 1988 im Dienst und noch immer an fast jedem Flughafen zu sehen. So erkennst du sie und ihre Varianten.

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Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

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