Das Wichtigste in Kürze
- Varig ist eine historische brasilianische Airline: gegründet 1927 in Porto Alegre, 2005 im Sanierungsverfahren, 2006 aufgespalten, 2007 an GOL verkauft.
- Codes: IATA RG, ICAO VRG, Rufzeichen „VARIG“.
- Deutsche Wurzeln: Gründer Otto Ernst Meyer war deutscher Auswanderer, das erste Flugzeug kam vom Condor Syndikat, an dem die Luft Hansa beteiligt war.
- Frühes Star-Alliance-Mitglied: Varig trat im Oktober 1997 als sechste Airline bei – fünf Monate nach der Gründung der Allianz, also streng genommen nicht als Gründungsmitglied.
- Breite Flotte von Dornier Wal und Electra über Boeing 707, DC-10 und 747 bis zu MD-11 und 777.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Varig im Überblick
- 2.Deutsche Wurzeln: Otto Ernst Meyer und das Condor Syndikat
- 3.Die Geschichte in Etappen
- 4.Codes und Rufzeichen
- 5.Varig in der Star Alliance
- 6.Die Flotte von Varig
- 7.Woran du Varig erkennst
- 8.Varig in Deutschland
- 9.Das Ende: Sanierung, Aufspaltung und GOL
- 10.Varig im Spotter-Alltag heute
- 11.Häufige Verwechslungen
- 12.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | RG |
|---|---|
| ICAO-Code | VRG |
| Rufzeichen | VARIG |
| Drehkreuze | GIG, GRU |
| Allianz | Star Alliance |
| Status | Historisch – Flugbetrieb der alten Gesellschaft endete 2006, die Nachfolgerin VRG Linhas Aéreas ging 2007 an GOL |
| Gegründet | 7. Mai 1927 in Porto Alegre als Viação Aérea Rio-Grandense |
| Gründer | Otto Ernst Meyer, deutscher Auswanderer und ehemaliger Militärflieger |
| Deutsche Wurzeln | Unterstützung durch das Condor Syndikat, an dem ab 1926 die Deutsche Luft Hansa beteiligt war |
| Erstes Flugzeug | Dornier Wal „Atlântico“, Kennzeichen P-BAAA |
| Drehkreuze | Rio de Janeiro-Galeão (GIG), ab 1988 verstärkt São Paulo-Guarulhos (GRU) |
| Allianz | Star Alliance, Mitglied vom 22. Oktober 1997 bis 31. Januar 2007 |
| Eigentümer | Mehrheitlich die mitarbeitergetragene Stiftung Fundação Ruben Berta |
| Insolvenzverfahren | Antrag auf gerichtliche Sanierung am 17. Juni 2005 |
| Übernahme durch GOL | VRG Linhas Aéreas, abgeschlossen am 9. April 2007, Kaufpreis 320 Millionen US-Dollar |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Varig?
- Die Rosa dos Ventos – eine Windrose als Symbol am Leitwerk, ab 1961 auf der ganzen Flotte
- Ab 1996 dunkelblaues Leitwerk mit gelb-goldener Windrose in einem blauen Kreis
- Schriftzug „VARIG“ am Rumpf, im späten Design ergänzt um „Brasil“
- Brasilianisches Kennzeichen mit PP- am Heck
- Flugnummer mit RG, im Flugplan der Flugsicherung VRG bzw. „VARIG“
- Zur Star-Alliance-Zeit teils mit Allianz-Logo am Rumpf
Wer in den 1980er- und 1990er-Jahren in Frankfurt am Zaun stand, kannte das Bild: ein großes Langstreckenflugzeug mit dem Schriftzug „VARIG“ und einer Windrose am Leitwerk, angekommen aus Rio de Janeiro oder São Paulo. Varig war fast achtzig Jahre lang die Airline Brasiliens schlechthin – mit Wurzeln, die erstaunlich tief nach Deutschland reichen. Heute fliegt kein Flugzeug mehr in ihren Farben. Diese Seite zeigt dir, woher Varig kam, welche Typen sie flog, wie sie unterging und woran du sie auf alten Fotos sicher erkennst.
Dein Archiv, sauber sortiert
Mit Planetrack postest du Sichtungen mit Foto, Kennzeichen, Typ, Airline und Flughafen – so findest du auch alte Varig-Aufnahmen jederzeit wieder. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Varig im Überblick
Varig war eine brasilianische Fluggesellschaft, die von 1927 bis 2006 flog und über Jahrzehnte als nationale Flag-Carrier Brasiliens galt. Der Name ist eine Abkürzung: Viação Aérea Rio-Grandense, benannt nach dem Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden des Landes. Dort, in Porto Alegre, wurde die Airline am 7. Mai 1927 gegründet – als erste in Brasilien gegründete Fluggesellschaft.
Aus dem kleinen Flugboot-Betrieb wurde durch Wachstum und Übernahmen die führende Airline Südamerikas. Wichtigstes Drehkreuz war lange Rio de Janeiro-Galeão, ab 1988 gewann São Paulo-Guarulhos an Bedeutung. Von dort flog Varig nach Europa, Nordamerika, Afrika und Asien. Ab Oktober 1997 war Varig Mitglied der Star Alliance.
Eine Besonderheit war die Eigentümerstruktur. Ab den 1940er-Jahren ging ein großer Teil der Aktien an eine Stiftung, die nach dem langjährigen Chef Ruben Berta benannt wurde und den Beschäftigten diente. Die Fundação Ruben Berta kontrollierte Varig am Ende mehrheitlich. Im Juni 2005 musste die Airline die gerichtliche Sanierung beantragen, 2006 wurde sie aufgespalten, und 2007 kaufte GOL den lebensfähigen Teil.
Deutsche Wurzeln: Otto Ernst Meyer und das Condor Syndikat
Die Geschichte von Varig beginnt mit einem Deutschen. Otto Ernst Meyer hatte im Ersten Weltkrieg in der deutschen Fliegertruppe gedient und war 1921 nach Brasilien ausgewandert. In Porto Alegre wollte er eine Luftverbindung durch den Süden des Landes aufbauen – und fand dafür Partner in Deutschland.
Der wichtigste Partner war das Condor Syndikat. Die 1924 gegründete deutsche Gesellschaft erkundete Flugrouten an der brasilianischen Küste; 1926 übernahm die Deutsche Luft Hansa einen Anteil daran. Das Syndikat stellte Varig das erste Flugzeug zur Verfügung: ein Flugboot vom Typ Dornier Wal mit Platz für zehn Fluggäste, getauft auf den Namen „Atlântico“ und registriert als P-BAAA. Im Juni 1927 nahm Varig damit den Linienbetrieb von Porto Alegre über Pelotas nach Rio Grande auf. Das Condor Syndikat hielt zudem einen Anteil an der jungen Airline. Hersteller des Flugboots war Dornier.
Aus demselben Umfeld ging übrigens eine zweite brasilianische Airline hervor: das Syndicato Condor, das nach dem Kriegseintritt Brasiliens 1943 in Cruzeiro do Sul umbenannt wurde. Ausgerechnet diese Gesellschaft übernahm Varig Jahrzehnte später – ein Kreis, der sich schließt.
Gleicher Name, andere Airline
Das historische Condor Syndikat hat mit dem heutigen deutschen Ferienflieger Condor nichts zu tun. Wer in alten Quellen „Condor“ liest, prüft besser genau, welche Zeit gemeint ist.
Die Geschichte in Etappen
1927
Gründung am 7. Mai in Porto Alegre. Mit dem Dornier Wal „Atlântico“ startet im Juni der Linienbetrieb in Rio Grande do Sul.
1930er/1940er
Das Ikarus-Logo erscheint auf den Flugzeugen. Unter Ruben Berta wächst Varig über den Süden hinaus, 1945 schlägt er vor, die Hälfte der Aktien einer Mitarbeiterstiftung zu übertragen.
1961
Übernahme des Konsortiums Real-Aerovias-Nacional – Varig wird zur größten Airline Südamerikas. Die Windrose wird Symbol der ganzen Flotte.
1965
Nach dem Aus von Panair do Brasil übernimmt Varig ab Februar deren internationale Strecken.
1975
Varig erwirbt die Kontrolle über Cruzeiro do Sul, die 1993 vollständig integriert wird.
1997
Beitritt zur Star Alliance am 22. Oktober als sechstes Mitglied.
2005–2007
Antrag auf gerichtliche Sanierung im Juni 2005, Aufspaltung und Versteigerung der „neuen“ Varig im Juli 2006, Austritt aus der Star Alliance Ende Januar 2007, Verkauf an GOL im April 2007.
Besonders prägend war die Übernahme der internationalen Strecken von Panair do Brasil im Jahr 1965. Panair war bis dahin Brasiliens große Langstrecken-Airline gewesen, mit Verbindungen nach Europa. Mit diesen Rechten wurde Varig zur führenden internationalen Airline des Landes. Inländische Konkurrenten blieben trotzdem: VASP und Transbrasil flogen ebenfalls jahrzehntelang und verschwanden wie Varig in den 2000er-Jahren vom Markt.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code RG: stand in der Flugnummer, auf Tickets und Anzeigetafeln.
- ICAO-Code VRG: verwendete die Flugsicherung im Flugplan.
- Rufzeichen VARIG: so meldeten sich die Besatzungen im Funk.
Nach der Aufspaltung wird es knifflig. Die „neue“ Varig flog als VRG Linhas Aéreas weiter, die „alte“ Gesellschaft mit den Schulden wurde später unter anderem Namen geführt. Stößt du in Daten aus den Jahren 2006 bis 2009 auf Varig, lohnt sich ein genauer Blick, welche Gesellschaft gemeint ist. Wie Rufzeichen überhaupt entstehen, erklärt der Beitrag zu Airline-Rufzeichen und ihrer Geschichte.
Alte Fotos richtig beschriften
Notiere bei Varig-Fotos immer Kennzeichen, genauen Typ, Ort und Datum. Viele Flugzeuge flogen nach dem Ende von Varig bei anderen Airlines oder als Frachter weiter. Wie du den Lebenslauf eines Flugzeugs nachverfolgst, zeigt der Guide Wie alt ist dieses Flugzeug?.
Varig in der Star Alliance
Die Star Alliance startete am 14. Mai 1997 mit fünf Airlines: Air Canada, Lufthansa, SAS, Thai Airways und United Airlines. Am 22. Oktober 1997 kam Varig als sechstes Mitglied dazu – als erste Airline aus Lateinamerika. Weil der Beitritt noch im Gründungsjahr erfolgte, wird Varig häufig zu den Gründungs-Airlines gezählt. Streng genommen war sie aber das erste neue Mitglied nach der Gründung.
Für die Allianz war Varig damals ein wichtiger Baustein: Sie brachte Südamerika ins Netz. Für Fluggäste aus Deutschland bedeutete das, mit Lufthansa und Varig auf einem Ticket nach Brasilien und weiter im Land reisen zu können. Damit war die zweite Verbindung zur Lufthansa-Geschichte geknüpft – siebzig Jahre nach dem Condor Syndikat. Wie die drei großen Allianzen heute aufgestellt sind, erklärt der Überblick zu Star Alliance, oneworld und SkyTeam.
Mit der Aufspaltung und dem Verkauf an GOL endete die Mitgliedschaft am 31. Januar 2007. Einige Varig-Flugzeuge trugen in der Allianz-Zeit das Star-Alliance-Logo am Rumpf. Welche Allianz-Motive es gibt und wie du sie erkennst, zeigt der Beitrag zu Allianz-Lackierungen.
Die Flotte von Varig
Kaum eine Airline hat so viele Flugzeuggenerationen erlebt wie Varig. Vom Flugboot der 1920er-Jahre bis zum Langstreckenjet mit zwei Triebwerken spiegelt die Flotte fast die gesamte Geschichte der Verkehrsluftfahrt.
| Ära | Typen (Auswahl) | Einsatz | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Anfänge | Dornier Wal, Junkers-Flugzeuge | Regionalverkehr im Süden | Nur noch auf historischen Fotos |
| Propeller-Zeit | Douglas DC-3, Convair CV-240, Super Constellation | Inland und erste Langstrecken | Klassiker der 1950er-Jahre |
| Turboprop | Lockheed L-188 Electra | Shuttle Rio–São Paulo | Rund 30 Jahre im Einsatz, bis 1992 |
| Erste Jets | Caravelle, Boeing 707, Boeing 727 | Langstrecke und Inland | 707 brachte Varig in die Jet-Ära |
| Großraum | DC-10, Boeing 747, Airbus A300 | Langstrecke | DC-10 ab 1974 im Einsatz |
| Späte Jahre | Boeing 767-300ER, MD-11, Boeing 777-200ER | Langstrecke | 777 von 2001 bis 2006 |
| Kurz- und Mittelstrecke | Boeing 737-300 und weitere 737-Generationen | Inland und Südamerika | Ab 1992 Nachfolger der Electra im Shuttle |
Ein Liebling brasilianischer Luftfahrtfans war die Lockheed Electra. Varig setzte gut ein Dutzend Electras rund drei Jahrzehnte lang auf der „Ponte Aérea“ ein, der Luftbrücke zwischen Rio de Janeiro und São Paulo. Die Turboprops absolvierten dort über eine halbe Million Flüge, bis Varig sie 1992 durch Boeing 737-300 und Fokker 100 ersetzte.
Auf der Langstrecke zeigte Varig über die Jahre fast alles, was Boeing und McDonnell Douglas zu bieten hatten. Die DC-10 flog ab 1974 für die Airline, später folgten die Boeing 747, die Boeing 767 und schließlich MD-11 und 777. Wenn du alte Fotos sortierst, helfen dir die Guides zur Boeing 707 und zu den Generationen der Boeing 737. Hersteller der meisten späteren Jets war Boeing, zu dem auch McDonnell Douglas seit 1997 gehört.
Ex-Varig-Maschinen aufspüren
Richte Sichtungs-Alarme für Kennzeichen ein und lass dich benachrichtigen, wenn eine frühere Varig-Maschine im Anflug auf deinen Flughafen ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du Varig erkennst
Das wichtigste Erkennungszeichen ist die Rosa dos Ventos, die Windrose. Entworfen wurde sie 1954, als Symbol der ganzen Flotte erschien sie ab 1961 am Leitwerk, nach der Übernahme von Real. Davor trugen die Flugzeuge ab den frühen 1930er-Jahren ein Logo mit der Sagenfigur Ikarus.
1996 bekam Varig einen neuen Auftritt. Die Windrose blieb, wurde aber in Gelb und Gold neu gezeichnet und in einen blauen Kreis gesetzt. Der Schriftzug „VARIG“ wurde dunkler blau, dazu kam der Zusatz „Brasil“. Dieses Design trugen die Flugzeuge der letzten Jahre – also auch die MD-11 und 777, die du am ehesten auf Fotos aus Frankfurt findest. Wie Airlines ihr Erscheinungsbild umstellen und warum Mischformen entstehen, erklärt der Beitrag zu Lackierungswechseln und Rebranding. Die Windrose zählt für viele zu den legendären Airline-Lackierungen.
Zeigt dein altes Foto wirklich Varig?
- Windrose am Leitwerk, im späten Design gelb-gold im blauen Kreis
- Schriftzug „VARIG“ am Rumpf
- Brasilianisches Kennzeichen mit PP- am Heck
- Typ wie Boeing 707, DC-10, 747, 767, MD-11, 777 oder 737
- Aufnahme aus der Zeit vor 2007
- Ort wie Rio de Janeiro, São Paulo, Frankfurt oder ein anderes Varig-Ziel
Ein Hinweis zu Fotos aus der Übergangszeit: Nach der Übernahme durch GOL bekam die Marke Varig 2007 noch einmal einen neuen Auftritt. Aufnahmen aus diesen Jahren sind seltener und spannend für dein Archiv – prüf hier besonders genau, welche Gesellschaft das Flugzeug betrieb. Mehr zu solchen Übergängen liest du im Beitrag über Hybrid- und Mischlackierungen.
Varig in Deutschland
Für deutsche Spotter war Varig vor allem in Frankfurt präsent. Der Flughafen Frankfurt war eines der wichtigsten Europaziele der Airline. Als Varig im Juli 2006 in der Krise fast alle Auslandsstrecken einstellte, blieben nur Frankfurt und Buenos Aires übrig – Frankfurt war damit für kurze Zeit das einzige verbliebene Ziel in Europa.
Wer damals in Frankfurt fotografiert hat, hat gute Chancen auf MD-11 oder 777 in Varig-Farben auf der Speicherkarte. Viele Spotter standen dafür an Plätzen wie der Aussichtsplattform Zeppelinheim. Wie du den Flughafen heute am besten erkundest, zeigt der Planespotting-Guide für Frankfurt.
Das Ende: Sanierung, Aufspaltung und GOL
Trotz ihrer Größe kam Varig ab den 1990er-Jahren nicht aus den roten Zahlen. Die Schulden wuchsen, die Konkurrenz im Inland wurde härter. Um Geld zu beschaffen, trennte sich Varig von Tochtergesellschaften: Die Wartungssparte VEM ging im November 2005 an ein Konsortium unter Führung von TAP Air Portugal, die Frachttochter VarigLog wenig später an die Investorengruppe Volo do Brasil.
17. Juni 2005
Varig beantragt die gerichtliche Sanierung, wenige Tage später wird sie bewilligt.
Juli 2006
Das Gericht teilt die Airline. Die „neue“ Varig wird an Volo do Brasil versteigert, die Schulden bleiben bei der „alten“ Gesellschaft.
31. Januar 2007
Die Mitgliedschaft in der Star Alliance endet.
9. April 2007
GOL schließt den Kauf von VRG Linhas Aéreas für 320 Millionen US-Dollar ab.
Unter GOL flog die Marke Varig noch einige Zeit weiter, zunächst auch international, etwa nach Frankfurt. Der IATA-Code RG und das Rufzeichen „VARIG“ wurden im Oktober 2008 offiziell abgeschafft, 2009 endete der eigenständige Flugbetrieb, und ab 2010 nutzte GOL den Namen nicht mehr. Geblieben ist das Vielfliegerprogramm Smiles, das von Varig stammt. Den Platz als größte Airline Brasiliens hat heute LATAM Airlines Brasil eingenommen.
Spotten heute: nur noch mit Vorgeschichte
Ein Flugzeug in Varig-Farben im Linienbetrieb wirst du nicht mehr sehen. Was bleibt, sind Fotos aus der Zeit bis 2007 und frühere Varig-Maschinen, die anderswo weiterflogen oder ausgemustert sind. Fotografiere sie wie jedes andere Flugzeug nur von öffentlich zugänglichen Bereichen aus.
Varig im Spotter-Alltag heute
Für dein Logbuch ist Varig ein Archiv-Thema – aber ein lohnendes. Wer alte Dias, Negative oder frühe Digitalfotos durchsieht, findet vielleicht eine DC-10 aus den 1980er-Jahren oder eine MD-11 aus den 2000ern. Typ, Kennzeichen, Ort und Datum machen aus diesen Bildern saubere Einträge. Wie du ältere Typen auseinanderhältst, zeigt der Beitrag Oldtimer am Himmel erkennen.
Spannend ist auch die Suche nach dem Verbleib. Ehemalige Varig-Flugzeuge flogen nach 2006 bei anderen Airlines, manche Langstreckenjets wurden zu Frachtern umgebaut. Über das Kennzeichen und die Seriennummer kannst du ihren Weg oft nachverfolgen.
Gute Chancen auf Varig-Spuren, wenn …
- du Fotos aus Frankfurt oder Brasilien aus der Zeit vor 2007 durchsiehst
- du gezielt nach Kennzeichen früherer Varig-Flugzeuge suchst
Prüf es genau, wenn …
- ein Foto aus den Jahren 2006 bis 2009 stammt – dann kann es VRG Linhas Aéreas unter GOL gewesen sein
- ein Flugzeug den Varig-Schriftzug in einem späteren, abweichenden Design trägt
Keine Chance auf Varig, wenn …
- du heute im Flugplan nach RG-Flugnummern suchst – die Marke ist seit Jahren verschwunden
Häufige Verwechslungen
- Varig als Star-Alliance-Gründer bezeichnen – Varig trat im Oktober 1997 bei, fünf Monate nach der Gründung der Allianz.
- Condor Syndikat mit dem Ferienflieger Condor verwechseln – das Syndikat der 1920er-Jahre ist eine ganz andere Gesellschaft.
- Varig und VASP gleichsetzen – VASP war eine eigenständige Konkurrentin aus São Paulo.
- Panair do Brasil für einen Varig-Vorgänger halten – Varig übernahm 1965 nur die Strecken, nicht die Firma.
- Fotos aus 2006–2009 automatisch der alten Varig zuordnen – ab Juli 2006 flog die neue VRG Linhas Aéreas.
- Die Windrose für ein Logo der ersten Stunde halten – davor trug Varig ein Ikarus-Logo.
Geschichte im eigenen Hangar
Sammle deine Varig-Fotos im Hangar, poste sie mit Typ, Kennzeichen und Flughafen und tausch dich in der Community mit anderen Spottern aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Varig ist eine Airline mit erstaunlich deutscher Vorgeschichte: gegründet von einem Auswanderer, gestartet mit einem Dornier-Flugboot des Condor Syndikats und später Star-Alliance-Partner der Lufthansa. Dazwischen liegen fast acht Jahrzehnte, in denen Varig von der Electra bis zur 777 nahezu jede Epoche der Verkehrsluftfahrt mitgeflogen ist. Für Spotter lohnt der Blick zurück – auf die Windrose am Leitwerk, saubere Kennzeichen und die Flugzeuge, die nach 2006 unter anderem Namen weiterflogen.
Kurzfazit
Varig (IATA RG, ICAO VRG) war von 1927 bis 2006 die führende Airline Brasiliens und ab 1997 in der Star Alliance. Die Windrose am Leitwerk verrät die Airline, das Kennzeichen zeigt, welches Flugzeug es genau war.
Zusammenfassung
- Varig begann 1927 mit einem einzigen Flugboot in Südbrasilien und wuchs über Übernahmen wie Real, Panair-Strecken und Cruzeiro do Sul zur führenden Airline Südamerikas.
- Mit der Windrose am Leitwerk war Varig über Jahrzehnte das Gesicht Brasiliens an Flughäfen in Europa, Nordamerika und Asien – auch in Frankfurt.
- Ab 1997 flog Varig in der Star Alliance an der Seite von Lufthansa, United, Air Canada, SAS und Thai.
- Schulden und Verluste führten 2005 ins Sanierungsverfahren; 2006 wurde die Airline aufgespalten, die neue Gesellschaft ging 2007 an GOL. Für Spotter ist Varig heute ein Archiv- und Museumsthema.
Häufige Fragen
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Varig?
Varig flog mit dem IATA-Code RG in der Flugnummer und dem ICAO-Code VRG. Im Funk meldeten sich die Besatzungen mit dem Rufzeichen „VARIG“.
Was bedeutet der Name Varig?
VARIG ist eine Abkürzung für Viação Aérea Rio-Grandense, sinngemäß „Luftverkehr von Rio Grande“. Der Name verweist auf den südbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul, in dessen Hauptstadt Porto Alegre die Airline 1927 gegründet wurde.
Was hat Varig mit Lufthansa zu tun?
Gleich zweimal etwas. Am Anfang stand das deutsche Condor Syndikat, an dem ab 1926 die Deutsche Luft Hansa beteiligt war: Es lieferte das erste Flugzeug und half beim Aufbau. Siebzig Jahre später waren Varig und Lufthansa Partner in der Star Alliance – Varig trat im Oktober 1997 bei, Lufthansa gehörte zu den Gründern.
War Varig Gründungsmitglied der Star Alliance?
Nicht ganz. Die Star Alliance wurde am 14. Mai 1997 von Air Canada, Lufthansa, SAS, Thai Airways und United Airlines gegründet. Varig kam am 22. Oktober 1997 als sechstes Mitglied dazu. Weil das noch im Gründungsjahr war, wird Varig oft zu den Gründungs-Airlines gezählt. Die Mitgliedschaft endete am 31. Januar 2007.
Welche Flugzeuge flog Varig?
Die Liste ist lang: vom Flugboot Dornier Wal über DC-3, Convair und Super Constellation bis zu Caravelle, Boeing 707 und 727. Auf der Langstrecke folgten DC-10, Boeing 747, Airbus A300, Boeing 767, MD-11 und zuletzt Boeing 777-200ER. Im Inlandsverkehr prägten die Lockheed Electra und mehrere Generationen der Boeing 737 das Bild.
Flog Varig nach Deutschland?
Ja. Frankfurt war eines der wichtigsten Europaziele von Varig. Als die Airline 2006 in der Krise ihr Netz stark zusammenstrich, blieb Frankfurt zeitweise das einzige verbliebene Ziel in Europa.
Warum ging Varig pleite?
Varig hatte über Jahre hohe Schulden angehäuft und schrieb Verluste. Im Juni 2005 beantragte die Airline die gerichtliche Sanierung. 2006 teilte das Gericht das Unternehmen: Die „neue“ Varig (VRG Linhas Aéreas) wurde versteigert, die „alte“ Gesellschaft mit den Schulden blieb zurück. 2007 kaufte GOL die neue Varig.
Gibt es die Marke Varig heute noch?
Im Passagierverkehr nicht mehr. GOL setzte den Namen nach der Übernahme noch eine Weile ein, verzichtete aber ab 2010 darauf. Das Vielfliegerprogramm Smiles, das von Varig stammt, lebt dagegen unter GOL weiter.
Varig im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Lockheed L-188 Electra
Vier Allison-Turboprops, ein auffällig kurzer Flügel und eine bewegte Geschichte: Die Lockheed L-188 Electra war Amerikas erster großer Turboprop-Airliner, wurde schnell von Jets verdrängt und machte danach Karriere als Frachter und Löschflugzeug. So erkennst du sie und so findest du die letzten Exemplare.
FlugzeugtypBoeing 707-320 Intercontinental
Vier Triebwerke unter gepfeilten Flügeln, ein spitzer Antennendorn auf der Seitenflosse und Platz für den Nordatlantik: Die 707-320 Intercontinental war die erste echte Langstrecken-707. Als Airliner ist sie Geschichte – als AWACS, Tanker und Museumsstück lebt sie weiter.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas DC-10
Zwei Triebwerke unter den Flügeln, das dritte mitten im Seitenleitwerk: Die DC-10 war einer der ersten Großraumjets und flog auch für Lufthansa und Condor. Heute ist sie eine Rarität – so erkennst du sie.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas MD-11
Drei Triebwerke, Winglets und ein Triebwerk mitten im Seitenleitwerk: Die MD-11 war der letzte große Trijet und fliegt heute fast nur noch als Frachter. So erkennst du sie, so grenzt du sie von der DC-10 ab und so stehen deine Chancen nach dem Grounding 2025.
FlugzeugtypBoeing 767-300ER
Schlanker Rumpf, zwei große Triebwerke, oft hochgezogene Winglets: Die 767-300ER war jahrzehntelang das Arbeitspferd über den Atlantik. Heute wird sie selten – so erkennst und findest du sie.
FlugzeugtypBoeing 777-200ER
Die 777-200ER ist die Langstrecken-777 der ersten Generation: kürzer als die 300ER, ohne schräge Flügelspitzen und mit drei möglichen Triebwerken. So erkennst du sie sicher – auch in Wien.
FlugzeugtypBoeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypFokker 100
Zwei Tay-Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Heckkonus, der sich bei der Landung aufklappt: Die Fokker 100 ist der größte Verkehrsjet, den Fokker je gebaut hat – und heute ein seltener Fang.
Weitere Airlines
GOL Linhas Aéreas
Brasiliens große Low-Cost-Airline aus Rio de Janeiro: ein Vierteljahrhundert lang reine Boeing-737-Flotte, Chapter-11-Verfahren 2024/25, Teil der Abra Group mit Avianca – und seit 2026 erstmals Airbus A330 für die Langstrecke nach Europa.
NetzwerkPanair do Brasil
Historische Airline aus Rio de Janeiro: Panair do Brasil begann 1929 als Ableger der NYRBA, gehörte lange zu Pan Am, flog mit Constellation und DC-8 nach Europa und wurde 1965 von der Militärregierung stillgelegt.
NetzwerkTransbrasil
Historische brasilianische Airline (1955–2001): Aus der Fluglinie des Lebensmittelkonzerns Sadia wurde Transbrasil – mit Sitz in Brasília, Regenbogen am Leitwerk, einer reinen Boeing-Jetflotte und einem jähen Ende im Dezember 2001.
NetzwerkVASP
Historische Airline aus São Paulo: 1933 gegründet, jahrzehntelang im Besitz des Bundesstaats, Großbetreiber der Boeing 737-200, nach der Privatisierung 1990 kurz mit MD-11 auf Langstrecke – und 2005 am Boden.
NetzwerkLATAM Airlines Brasil
Brasiliens größte Airline, hervorgegangen aus TAM: Airbus-A320-Familie im Inland, Boeing 777-300ER und 787 auf der Langstrecke nach Frankfurt, Lissabon, Mailand und weiteren Zielen in Europa.
NetzwerkLufthansa
Deutschlands größte Airline und Kern der Lufthansa Group: Netzwerk-Airline mit den Drehkreuzen Frankfurt und München, Gründungsmitglied der Star Alliance.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Star Alliance
Die 1997 gegründete Luftfahrtallianz rund um Lufthansa, United und Air Canada – mit Sitz in Frankfurt am Main und eigener Allianz-Sonderlackierung.
FlughafenFlughafen São Paulo-Guarulhos
Der verkehrsreichste Flughafen Lateinamerikas: zwei parallele Pisten im Norden von São Paulo, Heimat der LATAM-Langstrecke, Drehkreuz von GOL und Tor für Airlines aus Europa, Nahost und Afrika – mit einer Spotterszene, die rund um den Flughafen ihre eigenen Plätze gefunden hat.
FlughafenFlughafen Frankfurt
Deutschlands größter Flughafen und Heimatdrehkreuz der Lufthansa: vier Start- und Landebahnen, zwei Passagierterminals und ein Verkehrsmix vom Regionaljet bis zum Großraumfrachter.
Airline-GruppeLufthansa Group
Die Lufthansa Group ist keine Airline, sondern ein Konzern mit einem Dutzend Flugbetrieben – von Lufthansa über SWISS und Austrian bis Eurowings und ITA Airways. Wer am Zaun nur den Kranich sucht, übersieht die halbe Gruppe.
Wo du Varig vor die Linse bekommst
Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
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