Das Wichtigste in Kürze
- Panair do Brasil war eine historische brasilianische Airline, die von 1929 bis 1965 von Rio de Janeiro aus flog.
- Sie entstand als NYRBA do Brasil und wurde 1930 nach der Übernahme durch Pan American in Panair do Brasil umbenannt.
- Ab 1946 flog Panair mit der Constellation nach Europa – Ziele in Deutschland waren Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf.
- Bis 1961 gingen alle Anteile an brasilianische Eigentümer, zuletzt Mário Wallace Simonsen und Celso da Rocha Miranda.
- Am 10. Februar 1965 legte die Militärregierung die Airline still; Varig und Cruzeiro do Sul übernahmen die Strecken. Die Wahrheitskommission wertete das Aus später als politisch motiviert.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Panair do Brasil im Überblick
- 2.Codes, Rufzeichen und Kennzeichen
- 3.Die Geschichte von Panair do Brasil
- 4.Panair in Deutschland
- 5.Die Flotte im Überblick
- 6.Woran du Panair erkennst
- 7.Unglücke in der Geschichte von Panair
- 8.Das Ende: 10. Februar 1965
- 9.Panair und die anderen Brasilianer
- 10.Panair heute: ein Thema für Archiv und Sammlung
- 11.Häufige Verwechslungen
- 12.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | PB |
|---|---|
| ICAO-Code | PAB |
| Rufzeichen | BANDEIRANTE |
| Drehkreuze | GIG, SDU |
| Status | Historisch – Flugbetrieb am 10. Februar 1965 per Regierungsakt eingestellt |
| Geschäftsmodell | Netzwerk-Airline mit Inlandsnetz in Brasilien und Langstrecken nach Europa, Nahost und Südamerika |
| Gründung | 22. Oktober 1929 als NYRBA do Brasil, seit 21. November 1930 Panair do Brasil |
| Sitz | Rio de Janeiro, Verwaltung am Flughafen Santos Dumont |
| Drehkreuze | Rio de Janeiro-Galeão (GIG) und Rio de Janeiro-Santos Dumont (SDU) |
| Eigentümer | Ab 1930 Pan American, ab den 1940er-Jahren schrittweise brasilianische Anteilseigner, ab 1961 Mário Wallace Simonsen und Celso da Rocha Miranda |
| Prägende Typen | Consolidated Commodore, Sikorsky S-43, Lockheed Lodestar, Douglas DC-3, Lockheed Constellation, PBY Catalina, Douglas DC-7C, Douglas DC-8-33, Caravelle VI-R |
| Nachfolge der Strecken | International an Varig, Inland an Cruzeiro do Sul |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Panair do Brasil?
- Brasilianisches Kennzeichen mit PP-, auffällig viele Panair-Maschinen mit PP-P… (z. B. PP-PDT, PP-PDO)
- Flugzeugnamen nach dem Muster „Bandeirante …“, etwa die DC-8 „Bandeirante Brás Cubas“
- Schriftzug „Panair do Brasil“ am Rumpf; als Markenfarben gelten Grün und Gold
- Typisch für die Langstrecke: Lockheed Constellation mit dreifachem Seitenleitwerk, später DC-7C und DC-8-33
- Im Amazonasgebiet: Flugboote und Amphibien wie die PBY Catalina
- Im Inland ab 1962/63 die Caravelle mit Hecktriebwerken und dreieckigen Kabinenfenstern
Eine Constellation mit dem Schriftzug „Panair do Brasil“ auf dem Weg von Rio nach Europa, später eine DC-8 mit dem Namen eines brasilianischen Pioniers am Bug: Panair do Brasil war über drei Jahrzehnte die Airline, mit der Brasilien die Welt erreichte. Sie begann 1929 als Ableger einer US-Gesellschaft, gehörte lange zu Pan Am und endete 1965 abrupt – nicht durch Pleite, sondern per Regierungsakt. Diese Seite zeigt dir die Geschichte, die Flotte, die Verbindungen nach Deutschland und wie du alte Panair-Aufnahmen richtig einordnest.
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Panair do Brasil im Überblick
Panair do Brasil war eine historische brasilianische Netzwerk-Airline mit Sitz in Rio de Janeiro. Ihre Heimat waren die beiden Flughäfen der damaligen Hauptstadt: der innerstädtische Platz Santos Dumont, an dem auch die Verwaltung saß, und der internationale Flughafen Galeão. Von dort aus betrieb die Airline ein dichtes Inlandsnetz bis tief in den Amazonas und ein Langstreckennetz nach Europa, in den Nahen Osten und in die Nachbarländer Südamerikas.
Gegründet wurde das Unternehmen am 22. Oktober 1929 als NYRBA do Brasil, als brasilianische Tochter der US-Gesellschaft NYRBA (New York, Rio and Buenos Aires Line). Schon im April 1930 kaufte Pan American die Muttergesellschaft, im November 1930 bekam die Tochter ihren bekannten Namen. Er geht auf die Telegrafen-Adresse „PANAIR“ der Pan Am zurück.
Mit der Zeit wurde aus der US-Tochter eine brasilianische Airline. Pan Am gab ab den 1940er-Jahren Schritt für Schritt Anteile ab, 1961 lagen sie vollständig bei brasilianischen Eigentümern. Vier Jahre später war alles vorbei: Am 10. Februar 1965 entzog die Militärregierung der Airline die Betriebsgenehmigung.
Codes, Rufzeichen und Kennzeichen
- IATA-Code PB: stand in den Flugnummern der Airline, etwa beim Europa-Flug PB22.
- ICAO-Code PAB: die dreistellige Kennung, wie sie in Nachschlagewerken geführt wird.
- Rufzeichen BANDEIRANTE: Die „Bandeirantes“ waren Entdecker und Landnehmer der Kolonialzeit – ein Name, der zum Selbstverständnis einer Airline passte, die Brasiliens Hinterland erschloss. Mehr zu solchen Funknamen liest du im Artikel Airline-Rufzeichen und ihre Geschichte.
- Kennzeichen PP-: Alle Flugzeuge waren in Brasilien registriert. Bei Panair fällt auf, dass viele Maschinen mit PP-P begannen, zum Beispiel die DC-8 PP-PDT oder die DC-7C PP-PDO.
Wie bei allen historischen Airlines gilt: IATA-Codes werden nach dem Ende einer Gesellschaft neu vergeben. Eine Flugnummer mit PB vor 1965 gehört zu Panair, bei späteren Belegen musst du genauer hinschauen. Wie Kennzeichen grundsätzlich aufgebaut sind, erklärt der Guide Flugzeugkennzeichen verstehen.
Die Geschichte von Panair do Brasil
Flugboote an der Küste: die Anfänge
Am 23. Dezember 1929 startete der erste Flug der jungen Gesellschaft vom Flughafen Calabouço in Rio, dem späteren Santos Dumont, nach Buenos Aires. In jener Zeit gab es entlang der brasilianischen Küste und am Amazonas kaum befestigte Pisten, dafür viel Wasser. Entsprechend bestand die erste Flotte vor allem aus Flugbooten: Consolidated Commodore und Sikorsky S-38, später die größere Sikorsky S-43 „Baby Clipper“. Die Verwandtschaft zu Pan Ams berühmten Flugbooten wie der Boeing 314 Clipper ist kein Zufall – die Muttergesellschaft gab die Richtung vor.
Ab März 1931 bot Panair regelmäßigen Passagierverkehr zwischen Belém und Rio an. Die Airline baute nicht nur Strecken auf, sondern auch Infrastruktur: Sie errichtete mit eigenen Mitteln Flugplätze im Norden und Nordosten des Landes und betrieb über Jahre wichtige Teile der Flugfunk- und Telekommunikationsanlagen Brasiliens.
Landflugzeuge und der Zweite Weltkrieg
In den späten 1930er- und frühen 1940er-Jahren kamen Landflugzeuge hinzu: Lockheed Electra, einige Douglas DC-2 und vor allem 14 Lockheed Lodestar. Gleichzeitig begann der Wandel bei den Eigentümern. 1942 verkaufte Pan Am ein großes Aktienpaket an brasilianische Investoren, Ende 1943 lag ihr Anteil nur noch bei 58 Prozent. Spätestens 1946 befand sich die Mehrheit in brasilianischer Hand; hier nennen die Quellen leicht unterschiedliche Jahre.
Mit der Constellation nach Europa
Das große Kapitel begann 1946. Im März erhielt Panair ihre erste Lockheed Constellation, am 27. April 1946 startete der erste internationale Flug von Rio über Recife, Dakar, Lissabon und Paris nach London. Oft heißt es, Panair sei die erste internationale Airline gewesen, die auf dem damals neuen Flughafen London-Heathrow gelandet ist. Was die Constellation technisch ausmachte, erfährst du im Artikel über die Lockheed Constellation.
In den folgenden Jahren wuchs das Netz rasch:
| Jahr | Neue Ziele |
|---|---|
| 1946 | Recife, Dakar, Lissabon, Paris, London – kurz darauf Madrid und Rom |
| 1947 | Kairo und Istanbul |
| 1948 | Zürich, Frankfurt, Montevideo und Buenos Aires |
| 1950 | Santiago de Chile, Lima und Beirut |
| 1954 | Hamburg und Düsseldorf |
Parallel lief der Inlandsverkehr mit der Douglas DC-3, von der Panair insgesamt 23 Exemplare einsetzte. Im Amazonasgebiet blieb die Airline beim Wasserflug: Ab 1948 flogen acht PBY Catalina zu Orten am Fluss, die anders kaum erreichbar waren. Mehr über das Arbeitspferd der Nachkriegszeit liest du im Artikel zur Geschichte der DC-3.
Die Comet, die nie kam
1953 bestellte Panair vier de Havilland Comet 2 und wäre damit früh ins Jetzeitalter eingestiegen. Nach den Unglücken mit dem britischen Düsenjet und der Entdeckung von Konstruktionsmängeln zog die Airline die Bestellung 1954 zurück. Wie es zu den Problemen der Comet kam, beschreibt der Artikel De Havilland Comet – der erste Düsenjet. Auf der Langstrecke setzte Panair danach zunächst weiter auf Kolbenflugzeuge.
DC-7C, DC-8 und Caravelle
Ab 1957 flog Panair die Douglas DC-7C, die Langstreckenversion der DC-7. Mit ihr bediente die Airline von 1960 bis 1965 gemeinsam mit TAP Air Portugal den „Voo da Amizade“, den Freundschaftsflug zwischen Brasilien und Portugal. Dazu kamen zeitweise vier Douglas DC-6 in der Version DC-6A.
1961 begann mit der Douglas DC-8 das Jetzeitalter: Vier DC-8-33 übernahmen die Europa-Strecken. Ab 1962/63 setzte Panair im Inland außerdem vier Caravelle VI-R auf den Hauptstrecken ein. Damit hatte die Airline Anfang der 1960er-Jahre eine moderne Flotte – kurz bevor ihre Geschichte endete.
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Panair in Deutschland
Für Luftfahrtfans in Deutschland ist Panair mehr als eine exotische Fußnote. 1948 nahm die Airline Frankfurt ins Netz, 1954 kamen Hamburg und Düsseldorf dazu. Damit gehörte Panair zu den frühen Überseeairlines, die die Bundesrepublik nach dem Krieg mit Südamerika verbanden – zu einer Zeit, als Lufthansa ihren Langstreckenbetrieb erst wieder aufbaute.
Die Flüge waren lange Reisen mit mehreren Zwischenlandungen, typischerweise über Westafrika und die Iberische Halbinsel. Wenn du in alten Familienalben, Flugplänen oder Zeitungsarchiven auf eine Constellation oder DC-7C mit Panair-Titeln in Frankfurt oder Hamburg stößt, hast du ein echtes Stück Luftfahrtgeschichte vor dir.
Aufnahmen datieren
Ein Constellation-Foto mit Panair-Titeln stammt aus der Zeit ab 1946, eine DC-8 frühestens aus 1961, eine Caravelle aus den Jahren 1962 bis 1965. Wie du solche Typen sicher unterscheidest, zeigt der Guide Oldtimer am Himmel erkennen.
Die Flotte im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Typen zusammen, die in Nachschlagewerken für Panair genannt werden:
| Typ | Anzahl | Einsatzzeit | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Consolidated Commodore | 7 | 1930–1940 | Großes Flugboot der Anfangsjahre |
| Sikorsky S-38 | 6 | 1930–1938 | Amphibium mit Doppelleitwerk |
| Sikorsky S-43 „Baby Clipper“ | 7 | 1936–1947 | Kleinere Schwester der Pan-Am-Clipper |
| Lockheed Lodestar | 14 | 1941–1947 | Zweimotorig, doppeltes Seitenleitwerk |
| Douglas DC-3 | 23 | 1945–1965 | Rückgrat des Inlandsverkehrs |
| Lockheed Constellation (L-049/L-149) | 14 | 1946–1965 | Dreifaches Seitenleitwerk, Delfinrumpf |
| Consolidated PBY Catalina | 8 | 1948–1965 | Amphibium für den Amazonas |
| Douglas DC-7C | 6 | 1957–1965 | Langstrecke, auch Freundschaftsflug mit TAP |
| Douglas DC-6A | 4 | 1959–1961 | Kurzzeitig in der Flotte |
| Douglas DC-8-33 | 4 | 1961–1965 | Erster Düsenjet der Airline |
| Sud Aviation Caravelle VI-R | 4 | 1962–1965 | Hecktriebwerke, Inlands-Hauptstrecken |
Bei der Stilllegung 1965 bestand die Flotte aus 24 Flugzeugen. Vorsicht bei der Constellation: Panair flog die frühen Versionen L-049 und L-149, nicht die gestreckte Super Constellation L-1049, die du von Airlines wie Lufthansa kennst.
Woran du Panair erkennst
Auf historischen Aufnahmen hilft dir zuerst der Schriftzug „Panair do Brasil“ am Rumpf. Als Markenfarben der Airline gelten Grün und Gold – die Farben Brasiliens. Die Bemalung änderte sich über die Jahrzehnte, deshalb lohnt der Blick auf weitere Spuren.
Die zweite Spur ist der Flugzeugname. Viele Panair-Maschinen trugen Namen nach dem Muster „Bandeirante …“, kombiniert mit dem Namen eines historischen Entdeckers. Die DC-8 PP-PDT hieß zum Beispiel „Bandeirante Brás Cubas“. Zusammen mit dem Kennzeichen lässt sich ein Foto so oft einem einzelnen Flugzeug zuordnen.
Schriftzug lesen
„Panair do Brasil“ am Rumpf grenzt die Airline sofort ein.
Typ bestimmen
Flugboot, Constellation, DC-7C, DC-8 oder Caravelle – der Typ verrät den Zeitraum.
Namen suchen
Ein „Bandeirante“-Name am Bug ist ein starkes Indiz für Panair.
Kennzeichen notieren
Das PP-Kennzeichen macht die Aufnahme eindeutig und datierbar.
Unglücke in der Geschichte von Panair
Wie viele Airlines ihrer Epoche erlebte Panair mehrere schwere Unfälle. In den 1940er-Jahren verunglückten mehrere Lodestar, im September 1946 prallte eine DC-3 in Minas Gerais gegen einen Berg. Am 28. Juli 1950 stürzte eine Constellation bei Porto Alegre ab, am 1. November 1961 eine DC-7C bei Recife. Am 20. August 1962 schoss die DC-8 PP-PDT bei einem misslungenen Start in Galeão über das Bahnende hinaus und landete in der Guanabara-Bucht; mehr als ein Dutzend Menschen kamen ums Leben. Im Dezember 1962 verunglückte eine Constellation nahe Manaus, alle 50 Menschen an Bord starben.
Respektvoll mit Unglücksfotos umgehen
Aufnahmen von Maschinen, die später verunglückten, tauchen in Sammlungen immer wieder auf. Beschrifte sie sachlich und mit Bedacht – hinter den Kennzeichen stehen Menschen, die ums Leben kamen.
Das Ende: 10. Februar 1965
Stilllegung über Nacht
Im April 1964 hatte das Militär in Brasilien die Macht übernommen. Am 10. Februar 1965 suspendierte das Luftfahrtministerium unter Eduardo Gomes die Betriebsgenehmigung von Panair. Die internationalen Strecken gingen sofort an Varig, die Inlandsstrecken an Cruzeiro do Sul. Schon in derselben Nacht flog eine Varig-Boeing 707 anstelle der vorgesehenen Panair-DC-8 den Europa-Flug PB22 – kein Passagier blieb am Boden, aber Panair existierte als Airline nicht mehr.
Panair beantragte ein gerichtliches Vergleichsverfahren, doch ein Richter erklärte die Gesellschaft bereits wenige Tage später für bankrott, ohne dass ein Gläubiger dies beantragt hatte. Offiziell begründete die Regierung den Schritt mit Schulden gegenüber Staat und Lieferanten. Kritiker wiesen dagegen darauf hin, dass Panair im Vergleich mit anderen brasilianischen Airlines damals die geringsten Schulden beim Bund hatte.
Celma: der Motorenbetrieb in Petrópolis
Zum Unternehmen gehörte seit 1957 auch die Celma in Petrópolis, die Flugzeugtriebwerke überholte und zur größten Einrichtung dieser Art auf der Südhalbkugel wurde. Im Januar 1966 enteignete die Regierung den Betrieb per Dekret, danach arbeitete er vor allem für die brasilianische Luftwaffe. 1991 wurde Celma privatisiert, 1996 übernahm General Electric die Mehrheit. Unter dem Namen GE Celma arbeitet der Betrieb bis heute.
Späte Rehabilitierung
Die juristische Aufarbeitung zog sich über Jahrzehnte:
- 1969: Neue Dekrete enteigneten die Flugzeuge von Panair und untersagten Airlines grundsätzlich, ein gerichtliches Vergleichsverfahren zu beantragen.
- 14. Dezember 1984: Der Oberste Gerichtshof Brasiliens stellte fest, dass die Airline regulär gearbeitet hatte, und verpflichtete den Staat zu Entschädigung.
- 1995: Der Konkurs wurde aufgehoben.
- 2009: Die Streckenkonzessionen wurden formal widerrufen.
- Dezember 2014: Der Abschlussbericht der Nationalen Wahrheitskommission wertete die Schließung als politisch und nicht als wirtschaftlich begründet.
- 2020: Ein Bundesgericht erkannte an, dass die Eigentümer von der Diktatur verfolgt worden waren.
Was von Panair blieb
- Die Strecken bei Varig und Cruzeiro do Sul
- Der Motorenbetrieb in Petrópolis, heute GE Celma
- Die „Família Panair“: Ehemalige treffen sich seit 1966 jedes Jahr am 22. Oktober
- Das Lied „Saudade dos Aviões da Panair“ von Milton Nascimento und Fernando Brant
Was mit Panair verschwand
- Der Flugbetrieb unter dem IATA-Code PB
- Die „Bandeirante“-Namen an Linienflugzeugen
- Die moderne Flotte mit DC-8 und Caravelle
- Der Wasserflugbetrieb im Amazonas
Panair und die anderen Brasilianer
Das Aus von Panair veränderte den brasilianischen Luftverkehr grundlegend. Varig wurde mit den übernommenen Langstrecken zur dominierenden internationalen Airline des Landes – bis zu ihrem eigenen Ende Jahrzehnte später. Weitere Kapitel dieser Geschichte findest du bei VASP aus São Paulo und bei Transbrasil. Heute prägt LATAM Airlines Brasil den Langstreckenverkehr ab Brasilien, ihr wichtigstes Drehkreuz ist São Paulo-Guarulhos.
Wer die Wurzeln von Panair verstehen will, kommt an Pan Am nicht vorbei. Die Geschichte der US-Muttergesellschaft erzählt der Artikel Pan Am – Aufstieg und Fall einer Legende.
Sehr wahrscheinlich Panair, wenn …
- „Panair do Brasil“ am Rumpf steht und ein „Bandeirante“-Name am Bug
- eine Constellation, DC-7C oder DC-8 mit PP-Kennzeichen zu sehen ist
- das Foto sicher vor Februar 1965 entstanden ist
Genauer prüfen, wenn …
- ein frühes Flugboot ohne lesbaren Schriftzug abgebildet ist – NYRBA oder Pan Am kommen ebenfalls infrage
- eine DC-3 mit PP-Kennzeichen ohne Titel zu sehen ist
Eher nicht Panair, wenn …
- das Bild nach Februar 1965 aufgenommen wurde
- eine Boeing 707 im Europa-Verkehr ab Rio zu sehen ist – das war dann Varig
Panair heute: ein Thema für Archiv und Sammlung
Eine Panair-Maschine im Flug wirst du nie mehr sehen. Spannend bleibt die Airline für alle, die historische Luftfahrt sammeln: alte Dias aus Frankfurt oder Hamburg, Flugpläne, Bordprogramme und Gepäckanhänger. Im Museu TAM in São Carlos steht eine Constellation in Panair-Farben – prüf vor einem Besuch, ob das Museum geöffnet ist. Die Marke selbst wurde 2020 reaktiviert, einen Flugbetrieb unter dem Namen Panair gibt es aber nicht.
Wenn du alte Bilder digitalisierst, halte Typ, Kennzeichen, Flugzeugname, Ort und Datum fest. Wie du ein solches Archiv sinnvoll aufbaust, zeigt der Guide Flugzeugfotos archivieren.
Häufige Verwechslungen
- Panair für eine reine US-Airline halten – sie gehörte nur anfangs vollständig zu Pan Am und war ab den 1940er-Jahren mehrheitlich, ab 1961 komplett brasilianisch.
- Panair do Brasil mit Pan Am gleichsetzen – beide teilten den Namensursprung, flogen aber unter eigenen Codes, Kennzeichen und Flugnummern.
- Den Bankrott für wirtschaftlich begründet halten – Gerichte und die Wahrheitskommission sahen das Ende später als politisch motiviert.
- Constellation mit Super Constellation verwechseln – Panair flog die kürzeren Versionen L-049 und L-149.
- Das Rufzeichen BANDEIRANTE mit dem Embraer-Turboprop verwechseln – der spätere Typ trägt denselben Namen, hat mit Panair aber nichts zu tun.
- Die Comet in der Flotte vermuten – die Bestellung von 1953 wurde 1954 storniert, Panair flog nie eine Comet.
Alte Schätze, neue Sammlung
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Fazit
Panair do Brasil war 35 Jahre lang Brasiliens Tor zur Welt. Aus einer US-Tochter mit Flugbooten wurde eine brasilianische Langstrecken-Airline mit Constellation, DC-7C und DC-8, die Rio mit London, Paris, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf verband. Das Ende kam 1965 über Nacht und gilt heute als politisch motiviert. Für dich als Spotter lebt Panair in alten Fotos, Flugplänen und Erinnerungen weiter – und wer Schriftzug, Typ, Bandeirante-Namen und Kennzeichen zusammen liest, ordnet diese Bilder sicher ein.
Kurzfazit
Panair do Brasil (IATA PB, Rufzeichen BANDEIRANTE) war eine historische brasilianische Airline von 1929 bis 1965. Anfangs Pan-Am-Tochter, später rein brasilianisch, mit Constellation und DC-8 nach Europa – und 1965 von der Militärregierung stillgelegt.
Zusammenfassung
- Panair do Brasil war über Jahrzehnte Brasiliens wichtigste Airline im Langstreckenverkehr und verband Rio mit Europa, dem Nahen Osten und Südamerika.
- Die Flotte spiegelt die Entwicklung der Verkehrsluftfahrt: vom Flugboot über die Constellation bis zum Düsenjet DC-8 und zur Caravelle.
- Das abrupte Ende 1965 gilt heute als Beispiel für politische Eingriffe der Militärdiktatur in die Wirtschaft.
- Für Spotter ist Panair ein Archiv- und Sammlerthema: Kennzeichen mit PP-, Bandeirante-Namen und das Aufnahmedatum helfen beim Zuordnen alter Bilder.
Häufige Fragen
Wann gab es Panair do Brasil?
Die Airline wurde am 22. Oktober 1929 als NYRBA do Brasil gegründet, der erste Flug ging am 23. Dezember 1929 von Rio de Janeiro nach Buenos Aires. Am 21. November 1930 bekam sie den Namen Panair do Brasil. Am 10. Februar 1965 entzog die brasilianische Regierung ihr die Betriebsgenehmigung.
Welche Codes hatte Panair do Brasil?
In Nachschlagewerken werden der IATA-Code PB, der ICAO-Code PAB und das Rufzeichen „BANDEIRANTE“ genannt. Flugnummern mit PB aus den Jahren vor 1965 gehören zur historischen Panair.
Was hatte Panair mit Pan Am zu tun?
Pan American übernahm im April 1930 die US-Gesellschaft NYRBA und damit auch deren brasilianische Tochter, die kurz darauf Panair do Brasil hieß. Der Name leitet sich von der Telegrafen-Adresse „PANAIR“ der Pan Am ab. Ab den 1940er-Jahren verkaufte Pan Am Anteile an brasilianische Investoren, die letzten 1961.
Welche Flugzeuge flog Panair do Brasil?
In den Anfangsjahren Flugboote wie Consolidated Commodore, Sikorsky S-38 und S-43, dann Lockheed Electra und Lodestar. Nach dem Krieg prägten Douglas DC-3, Lockheed Constellation und PBY Catalina die Flotte. Später kamen Douglas DC-7C, DC-6A, vier DC-8-33 und vier Caravelle VI-R dazu.
Flog Panair do Brasil nach Deutschland?
Ja. 1948 kam Frankfurt ins Netz, 1954 folgten Hamburg und Düsseldorf. Die Flüge führten von Rio über Zwischenlandungen nach Europa, zunächst mit der Constellation, später mit DC-7C und ab 1961 mit dem Düsenjet DC-8.
Warum wurde Panair do Brasil 1965 geschlossen?
Offiziell begründete die Regierung den Schritt mit Schulden. Kritiker und später die Nationale Wahrheitskommission sahen dagegen politische Motive, die sich gegen die Eigentümer Simonsen und Rocha Miranda richteten. Der Oberste Gerichtshof entschied 1984, dass die Airline regulär gearbeitet hatte; der Konkurs wurde 1995 aufgehoben.
Wer übernahm die Strecken von Panair?
Die internationalen Strecken gingen an Varig, die Inlandsstrecken an Cruzeiro do Sul. Schon in der Nacht der Stilllegung flog eine Varig-Boeing 707 anstelle der vorgesehenen Panair-DC-8, sodass der Europa-Flug nicht ausfiel.
Gibt es Panair do Brasil heute noch?
Als Airline nicht. Das Unternehmen besteht rechtlich weiter, nachdem der Konkurs 1995 aufgehoben wurde, und bemüht sich bis heute um Entschädigung durch den Staat. 2020 reaktivierte es die Marke Panair, Linienflüge unter diesem Namen gibt es aber nicht.
Panair do Brasil im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Douglas DC-3 / C-47
Zwei Sternmotoren, Spornrad, schräg stehender Rumpf am Boden: Die DC-3 und ihre Militärschwester C-47 sind Legenden. So erkennst du sie und so findest du die letzten Flieger in Europa.
FlugzeugtypDouglas DC-7
Nonstop quer durch die USA, ohne Zwischenstopp über den Atlantik und über den Nordpol nach Tokio: Die Douglas DC-7 war der schnellste und letzte Kolbenmotor-Airliner von Douglas – und zugleich der kurzlebigste. Hier erfährst du, wie du DC-7, DC-7B und DC-7C unterscheidest und wo du die seltenen Überlebenden heute noch findest.
FlugzeugtypDouglas DC-8
Mit der DC-8 stieg Douglas ins Jetzeitalter ein: vier Triebwerke, gepfeilter Flügel und später ein Rumpf von über 57 Metern. Hier liest du, wie sich die Serien unterscheiden, warum die Super Sixty so berühmt wurde und wo du eine der letzten DC-8 noch erwischst.
FlugzeugtypSud Aviation Caravelle
Zwei Triebwerke am Heck, dreieckige Kabinenfenster und eine Nase von der Comet: Die Caravelle war Frankreichs erster Jetliner und machte die Hecktriebwerks-Bauweise salonfähig. So erkennst du sie – und hier siehst du sie heute noch.
FlugzeugtypDouglas DC-6
Vier Sternmotoren, Druckkabine, Bugradfahrwerk: Die Douglas DC-6 war nach dem Zweiten Weltkrieg eines der wichtigsten Langstreckenflugzeuge der Welt. Heute fliegt sie noch als Frachter in Alaska – und als blank polierte DC-6B der Flying Bulls aus Salzburg. So erkennst du sie und so bekommst du sie vor die Linse.
FlugzeugtypDouglas DC-2
Ganzmetall, Einziehfahrwerk, zwei Sternmotoren: Die Douglas DC-2 machte 1934 das moderne Verkehrsflugzeug alltagstauglich und flog als KLM-Uiver beim Rennen London–Melbourne aufs Podest. So erkennst du die kleine Schwester der DC-3 – und wo du sie heute noch findest.
FlugzeugtypDe Havilland DH.106 Comet
Vier Triebwerke versteckt in den Flügelwurzeln, eine schlanke Nase und ein Kapitel Luftfahrtgeschichte, das Triumph und Tragödie vereint: Die De Havilland Comet eröffnete 1952 das Jetzeitalter im Linienverkehr. Hier erfährst du, wie du sie erkennst und wo sie heute steht.
Weitere Airlines
Pan American World Airways
Historische US-Weltairline: Pan Am flog von 1927 bis 1991, brachte 707 und 747 in den Liniendienst, verband West-Berlin mit Westdeutschland und ging nach Lockerbie und Golfkrieg unter.
NetzwerkVarig
Historische Flag-Carrier Brasiliens: 1927 von einem deutschen Auswanderer in Porto Alegre gegründet, jahrzehntelang größte Airline Südamerikas, ab 1997 in der Star Alliance – und 2006 im Insolvenzverfahren zerschlagen.
NetzwerkTAP Air Portugal
Portugals Netzwerk-Airline mit Drehkreuz Lissabon: 1945 gegründet, Star-Alliance-Mitglied seit 2005, Erstbetreiber des Airbus A330neo und stark auf Brasilien, Afrika und Nordamerika ausgerichtet.
NetzwerkVASP
Historische Airline aus São Paulo: 1933 gegründet, jahrzehntelang im Besitz des Bundesstaats, Großbetreiber der Boeing 737-200, nach der Privatisierung 1990 kurz mit MD-11 auf Langstrecke – und 2005 am Boden.
NetzwerkTransbrasil
Historische brasilianische Airline (1955–2001): Aus der Fluglinie des Lebensmittelkonzerns Sadia wurde Transbrasil – mit Sitz in Brasília, Regenbogen am Leitwerk, einer reinen Boeing-Jetflotte und einem jähen Ende im Dezember 2001.
NetzwerkLATAM Airlines Brasil
Brasiliens größte Airline, hervorgegangen aus TAM: Airbus-A320-Familie im Inland, Boeing 777-300ER und 787 auf der Langstrecke nach Frankfurt, Lissabon, Mailand und weiteren Zielen in Europa.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen London Heathrow
Europas verkehrsreichster Flughafen kommt mit nur zwei Bahnen aus – und genau das macht ihn für Spotter so spannend: Großraumflugzeuge im Minutentakt, ein fester Runway-Wechsel um 15 Uhr und mit der Myrtle Avenue einer der bekanntesten Anflugspots der Welt.
FlughafenFlughafen Frankfurt
Deutschlands größter Flughafen und Heimatdrehkreuz der Lufthansa: vier Start- und Landebahnen, zwei Passagierterminals und ein Verkehrsmix vom Regionaljet bis zum Großraumfrachter.
FlughafenFlughafen Hamburg
Mitten in der Stadt, seit 1911 am selben Ort und mit zwei Pisten, die sich kreuzen: Hamburg ist kein Drehkreuz, aber ein Flughafen mit viel Europaverkehr, Emirates-Langstrecke, Lufthansa Technik nebenan – und dem Affenfelsen als bekanntestem Spotterpunkt.
FlughafenFlughafen Düsseldorf
Größter Flughafen Nordrhein-Westfalens und Heimat der Eurowings: zwei dicht nebeneinander liegende Bahnen im Norden der Stadt, drei Terminals unter einem Dach, strenge Kapazitätsregeln – und für Spotter eine Lage, die sich seit der Pandemie spürbar verändert hat.
Passende Guides aus dem Blog
- Lockheed Constellation: der elegante Propeller-Airliner und wo du ihn heute noch siehst
- Douglas DC-3: das Flugzeug, das die Luftfahrt veränderte
- Oldtimer am Himmel erkennen: Ju 52, DC-3, Constellation und Warbirds
- De Havilland Comet: das erste Düsenverkehrsflugzeug und die Lektion der Metallermüdung
- Pan Am: Aufstieg und Fall einer Luftfahrtlegende
- Airline-Rufzeichen und ihre Geschichte: Speedbird, Shamrock, Dynasty und Co.
- Flugzeugfotos archivieren: Ordnerstruktur und Dateinamen nach Kennzeichen, Typ und Datum



