Tupolew Tu-160

Weiß lackiert, Schwenkflügel, vier Nachbrenner und über 54 Meter lang: Die Tu-160 ist der größte Überschallbomber, der je in Serie gebaut wurde. Hier findest du Geschichte, Technik und Erkennungsmerkmale des „Weißen Schwans“.

Auch bekannt als: Tu-160 Blackjack · Blackjack · Weißer Schwan · Bely Lebed · Tu-160M · Tu-160M2 · Produkt 70

RusslandTupolewMilitärflugzeuge13 Min. Lesezeit

1981

Erstflug

54,1 m

Länge

Mach 2

Höchstgeschwindigkeit

20–65°

Flügelpfeilung

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Tu-160 ist der größte und schwerste Überschallbomber, der je in Serie gebaut wurde – größer und schneller als die amerikanische B-1B.
  • Erkennungsweg Nummer eins: weißer Schwenkflügler mit vier Triebwerken in zwei weit auseinanderliegenden Paaren.
  • Einziger Betreiber heute ist Russland, Heimatbasis ist Engels-2 an der Wolga; die Ukraine gab ihre Maschinen 1999 ab oder verschrottete sie.
  • Die Produktion läuft wieder: In Kasan entstehen modernisierte und neu gebaute Tu-160M.
  • Für westliche Spotter ist die Tu-160 praktisch nur im Museum in Poltawa oder auf Fotos von Abfangeinsätzen greifbar.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist die Tu-160?
  2. 2.Entstehung im Kalten Krieg
  3. 3.Nach 1991: Bomber zwischen zwei Staaten
  4. 4.Einsätze und Langstreckenflüge
  5. 5.Technik: was den Weißen Schwan ausmacht
  6. 6.Tu-160M: Modernisierung und Neubau
  7. 7.Woran du die Tu-160 erkennst
  8. 8.Tu-160, B-1B und Tu-144 im Vergleich
  9. 9.Wo du die Tu-160 sehen kannst
  10. 10.Die Tu-160 in der Familie der großen Bomber
  11. 11.Fazit

Steckbrief

HerstellerTupolew (Entwurf), Serienbau im Flugzeugwerk Kasan
RolleStrategischer Langstreckenbomber und Marschflugkörperträger mit Schwenkflügeln
NATO-CodenameBlackjack
Erstflug18. Dezember 1981 (Prototyp 70-01, Testpilot Boris Weremej)
IndienststellungApril 1987 in Pryluky (damals Ukrainische SSR)
Gebautrund 40 Exemplare inklusive Erprobungsträgern bis zum Stopp 1992, seit den 2020er-Jahren Neubau als Tu-160M
Besatzung4 (Pilot, Kopilot, Navigator/Waffensystemoffizier, Bediener der Abwehrsysteme)
Triebwerke4 × Kusnezow NK-32 mit Nachbrenner, je rund 245 kN mit Nachbrenner
Flügelpfeilung20° bis 65°
Längerund 54,1 m
Spannweiterund 55,7 m ausgeschwenkt, rund 35,6 m angelegt
Höherund 13,1 m
Max. Startgewichtrund 275 t
Höchstgeschwindigkeitrund 2.200 km/h (etwa Mach 2) in großer Höhe
Reichweiterund 12.300 km ohne Luftbetankung
Waffenzuladungbis rund 45 t in zwei internen Waffenschächten, keine Bordkanone
BetreiberRussische Luft- und Weltraumkräfte (Fernfliegerkräfte), früher Sowjetunion und Ukraine

Erkennungsmerkmale

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  • Schwenkflügel mit großer, fest stehender Flügelwurzel: Start und Landung mit weit ausgestreckten Flügeln, im Schnellflug eng angelegt
  • Vier Triebwerke in zwei getrennten Paaren, jeweils unter der linken und rechten Flügelwurzel – deutlich weiter außen als bei der B-1B
  • Fast immer weißer Anstrich, daher der Spitzname „Weißer Schwan“; dazu rote Bordnummer und oft ein Eigenname am Rumpf
  • Sehr langer, schlanker Rumpf mit spitzer Nase, Rumpf und Flügelwurzel gehen fließend ineinander über
  • Hohes Seitenleitwerk mit Höhenleitwerk etwa auf halber Höhe, der obere Teil des Seitenleitwerks ist komplett beweglich
  • Zwei Hauptfahrwerksbeine mit je sechs Rädern und ein Bugfahrwerk mit Doppelrad

Aktualisiert: Oktober 2026 – Ein schneeweißer Riese mit schlanker Nase, die Flügel nach hinten angelegt wie ein Pfeil, darunter vier Triebwerke, aus denen die Nachbrenner leuchten: Das ist die Tupolew Tu-160, im Westen als „Blackjack“ bekannt, in Russland als „Weißer Schwan“. Sie ist der größte und schwerste Überschallbomber, der je in Serie gebaut wurde, und ein Symbol der späten Sowjetunion. Auf dieser Seite erfährst du, wie die Tu-160 entstand, was technisch in ihr steckt, wie du sie von der amerikanischen B-1B unterscheidest und wo du als Spotter überhaupt eine Chance hast, sie zu sehen.

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Was ist die Tu-160?

Die Tu-160 ist ein vierstrahliger strategischer Bomber mit Schwenkflügeln, entwickelt vom sowjetischen Konstruktionsbüro Tupolew. Ihre Hauptaufgabe ist es, Marschflugkörper über sehr große Entfernungen zu tragen und abzufeuern. Dafür hat sie zwei interne Waffenschächte, in denen je ein drehbarer Werfer sitzt. Eine Bordkanone oder Abwehrbewaffnung hat sie nicht – sie verlässt sich auf Geschwindigkeit, Reichweite und elektronische Gegenmaßnahmen.

Mit rund 54 Metern Länge, einer ausgeschwenkten Spannweite von knapp 56 Metern und einem maximalen Startgewicht von etwa 275 Tonnen spielt sie in einer eigenen Liga. Sie ist größer, schwerer und schneller als ihr amerikanisches Gegenstück, die Rockwell B-1B Lancer. In großer Höhe erreicht sie rund 2.200 km/h, also etwa Mach 2. Einen Eindruck, wie sie sich gegen andere Giganten der Luftfahrt schlägt, gibt der Beitrag Die größten Flugzeuge der Welt.

Heute gehört die Tu-160 zum Bestand der russischen Fernfliegerkräfte. Gebaut wird sie im Flugzeugwerk Kasan, das zum staatlichen Luftfahrtkonzern United Aircraft Corporation gehört.

Mach 2Höchstgeschwindigkeit in großer Höhe
275 tmaximales Startgewicht – mehr als jeder andere Überschallbomber
12.300 kmReichweite ohne Luftbetankung

Entstehung im Kalten Krieg

Die Geschichte der Tu-160 beginnt in den frühen 1970er-Jahren. Die Sowjetunion suchte einen Bomber, der mit der damals entwickelten amerikanischen B-1 mithalten konnte. In einem Wettbewerb traten die Büros von Mjassischtschew, Suchoi und Tupolew gegeneinander an. Nach der Darstellung in der Literatur schnitt der Mjassischtschew-Entwurf zwar am besten ab, den Auftrag bekam aber Tupolew – das große Büro galt als besser in der Lage, ein derart komplexes Programm tatsächlich umzusetzen. Ideen aus dem Konkurrenzentwurf flossen in die Arbeit ein. Intern lief das Projekt als „Produkt 70“, Chefkonstrukteur war Walentin Blisnjuk.

Den Erstflug absolvierte der Prototyp 70-01 am 18. Dezember 1981 mit Testpilot Boris Weremej am Steuer. Schon wenige Wochen vorher war die Maschine dem Westen aufgefallen: Ein Passagier eines Linienflugs fotografierte im November 1981 den neuen Bomber auf dem Erprobungsgelände bei Moskau. Das Bild gab westlichen Analysten einen ersten Eindruck des Projekts.

Die Serienproduktion in Kasan wurde 1984 genehmigt. Im April 1987 erhielt das 184. Garde-Schwerbomberregiment im ukrainischen Pryluky die ersten Maschinen. Die Tu-160 ist damit ein Flugzeug der letzten Sowjetjahre – nur wenige Jahre später zerfiel der Staat, für den sie gebaut worden war.

Rekorde

1989 und 1990 stellte die Tu-160 eine ganze Serie von Weltrekorden in ihrer Gewichtsklasse auf, insgesamt 44 Geschwindigkeitsrekorde über verschiedene Strecken und mit unterschiedlicher Nutzlast. Später machte sie mit Langstreckenpatrouillen Schlagzeilen: Im Juni 2010 blieben zwei Maschinen rund 23 Stunden in der Luft. Möglich machen solche Flüge Tankflugzeuge vom Typ Il-78, einer Ableitung des Transporters Il-76; die Tu-160 hat dafür eine einfahrbare Betankungssonde an der Nase.

Nach 1991: Bomber zwischen zwei Staaten

Als die Sowjetunion zerfiel, standen die meisten einsatzbereiten Tu-160 plötzlich in einem anderen Land. In Pryluky waren 19 Maschinen stationiert, die nun der Ukraine gehörten. Die Produktion in Kasan wurde 1992 gestoppt. Russland verfügte zunächst nur über eine Handvoll Flugzeuge aus der Restfertigung.

Die Lösung kam Ende der 1990er-Jahre: Russland kaufte der Ukraine acht Tu-160 ab und verrechnete den Preis mit ukrainischen Schulden für Erdgaslieferungen. Ab November 1999 flogen die Bomber zum Stützpunkt Engels-2 an der Wolga. Die übrigen ukrainischen Exemplare wurden mit amerikanischer Unterstützung im Rahmen des Nunn-Lugar-Abrüstungsprogramms verschrottet – bis auf eine Maschine, die als Museumsstück in Poltawa erhalten blieb.

Engels-2 in der Region Saratow ist seither die Heimat der russischen Tu-160. Dort fliegt das 121. Garde-Schwerbomberregiment den Typ. Fast alle Maschinen tragen Namen, meist von Fliegern, Konstrukteuren oder Persönlichkeiten der sowjetischen und russischen Luftfahrt – etwa „Walentin Blisnjuk“ nach dem Chefkonstrukteur oder „Alexander Golowanow“.

Verlust der „Michail Gromow“

Am 18. September 2003 stürzte die Tu-160 „Michail Gromow“ bei einem Testflug nach Triebwerksarbeiten im Landeanflug ab. Alle vier Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Es ist der bekannteste Totalverlust der Baureihe.

Einsätze und Langstreckenflüge

Im August 2007 kündigte Russland an, die regelmäßigen Patrouillenflüge seiner strategischen Bomber wieder aufzunehmen. Seitdem tauchen Tu-160 immer wieder über internationalen Gewässern auf, etwa über dem Nordatlantik oder der Nordsee. NATO-Jäger steigen dann auf und begleiten die Bomber, und die dabei entstehenden Fotos aus dem Cockpit von Abfangjägern gehören zu den bekanntesten Bildern der Tu-160 im Westen.

Für Aufsehen sorgten auch Flüge auf andere Kontinente:

Zeitpunkt Ziel Besonderheit
September 2008 Venezuela Zwei Tu-160 landen erstmals in Südamerika
November 2013 Venezuela/Nicaragua Zwei Maschinen verletzen dabei den kolumbianischen Luftraum und werden von kolumbianischen Kfir-Jägern hinausbegleitet
November 2015 Syrien Kampfdebüt: Start von Engels, Abschuss von Marschflugkörpern vom Typ Kh-101
Dezember 2018 Venezuela Zwei Tu-160 landen am Flughafen Caracas-Maiquetía
Oktober 2019 Südafrika Erster Besuch der Tu-160 auf dem afrikanischen Kontinent

Seit 2022 setzt Russland die Tu-160 im Krieg gegen die Ukraine ein, vor allem als Träger von Marschflugkörpern, die aus großer Entfernung abgefeuert werden. Im Juni 2025 griff die Ukraine mit Drohnen mehrere russische Bomberstützpunkte an. Die ukrainische Seite nannte auch die Tu-160 unter den Zielen. Unabhängige Auswertungen von Satellitenbildern belegten Schäden vor allem an Tu-95, Tu-22M3 und anderen Mustern, Tu-160-Verluste wurden dabei nicht bestätigt. Solche Angaben aus einem laufenden Krieg solltest du generell mit Vorsicht lesen.

Technik: was den Weißen Schwan ausmacht

Schwenkflügel und Aerodynamik

Das auffälligste Merkmal ist der Schwenkflügel. Die Außenflügel lassen sich zwischen etwa 20 und 65 Grad Pfeilung verstellen. Bei Start und Landung sind sie weit ausgestreckt, damit der Bomber trotz seines Gewichts mit vergleichsweise niedriger Geschwindigkeit fliegen kann. Für den Überschallflug legt der Pilot die Flügel eng an, die Spannweite schrumpft dann von knapp 56 auf rund 36 Meter. Vorflügel über die ganze Spannweite und doppelt geschlitzte Landeklappen verbessern die Langsamflugeigenschaften.

Die feststehende Flügelwurzel ist sehr groß und geht ohne Kante in den Rumpf über. Dadurch trägt auch der Rumpf einen Teil des Auftriebs – ein Prinzip, das die Tu-160 mit der B-1B teilt. Gesteuert wird sie über eine digitale Fly-by-Wire-Steuerung; die Piloten haben einen Steuerknüppel statt des bei großen Flugzeugen sonst üblichen Steuerhorns.

Triebwerke

Vier Kusnezow NK-32 treiben die Tu-160 an, entwickelt in Samara. Jedes Triebwerk leistet mit Nachbrenner rund 245 Kilonewton Schub. Die Triebwerke hängen paarweise in zwei großen Gondeln unter den Flügelwurzeln. Für die modernisierte Tu-160M kommt die überarbeitete Version NK-32-02 zum Einsatz. Wer Triebwerkssound liebt: Ein Start mit vier Nachbrennern gehört zu den lautesten Ereignissen der Militärluftfahrt – Tipps, wie du so etwas sauber aufnimmst, findest du im Beitrag Triebwerkssound aufnehmen.

Fahrwerk, Cockpit und Treibstoff

Das Hauptfahrwerk besteht aus zwei Beinen mit je sechs Rädern, dazu kommt ein doppelt bereiftes Bugfahrwerk. Die vierköpfige Besatzung sitzt in vier Schleudersitzen im vorderen Rumpf. Intern kann die Tu-160 weit über 100 Tonnen Treibstoff mitnehmen; je nach Quelle schwanken die Angaben zwischen etwa 130 und 148 Tonnen.

Praxis-Tipp: Bordnummer und Name lesen

Die Tu-160 tragen meist eine rote, zweistellige Bordnummer am Bug und meist einen Eigennamen in kyrillischer Schrift. Mit beidem lassen sich Fotos einer bestimmten Maschine zuordnen. Hilfreich sind dafür Militär-Datenbanken wie Scramble.

Tu-160M: Modernisierung und Neubau

Lange sah es so aus, als würde die Tu-160 mit den wenigen verbliebenen Maschinen langsam auslaufen. Doch Russland entschied sich für einen doppelten Weg: Bestandsflugzeuge werden modernisiert, zusätzlich werden komplett neue Exemplare gebaut.

  • Erste Modernisierungen: Schon Mitte der 2000er-Jahre erhielten einzelne Maschinen verbesserte Systeme.
  • Tu-160M2-Prototyp: Im Januar 2018 flog die „Pjotr Deinekin“ vor Publikum. Zeitgleich unterschrieb das Verteidigungsministerium einen Vertrag über zehn modernisierte Bomber.
  • Neue Triebwerke: Ab 2020 begann die Flugerprobung der überarbeiteten NK-32-02.
  • Erster Neubau: Am 12. Januar 2022 hob in Kasan die erste komplett neu gebaute Tu-160M ab.
  • Auslieferungen: Im Februar 2024 übergab das Werk mehrere modernisierte Maschinen an die Luftwaffe, weitere folgten danach.

Die Tu-160M unterscheidet sich äußerlich kaum vom Original. Neu sind vor allem Avionik, Navigation, Funk- und Selbstschutzsysteme sowie die Triebwerke. Für Spotter heißt das: Die Bezeichnung lässt sich am Foto praktisch nicht ablesen, hier helfen nur Bordnummer, Name und gute Quellen.

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Woran du die Tu-160 erkennst

Die Tu-160 ist eigentlich unverwechselbar – sobald du weißt, worauf du achten musst. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit der B-1B, die eine ähnliche Grundform hat.

Farbe prüfen

Die meisten Tu-160 sind weiß oder sehr hellgrau lackiert. Ein Schwenkflügel-Bomber in dieser Farbe ist fast sicher eine Tu-160, die B-1B ist dunkelgrau.

Triebwerke ansehen

Die vier Triebwerke sitzen in zwei getrennten Paaren unter der linken und rechten Flügelwurzel, mit deutlichem Abstand zur Rumpfmitte. Bei der B-1B hängen sie dichter am Rumpf.

Größe und Leitwerk

Die Tu-160 wirkt länger und schlanker, das hohe Leitwerk hat einen komplett beweglichen oberen Teil. Neben anderen Flugzeugen fällt vor allem die schiere Größe auf.

Schnellbestimmung: Welcher Bomber ist das?

Drei Fragen, eine Einschätzung. Bordnummer und Kennung bleiben die letzte Instanz.

Wahrscheinlich

Tupolew Tu-160 Blackjack

Hell lackiert, Schwenkflügel und weit außen liegende Triebwerkspaare: Das ist der Weiße Schwan. Achte auf die rote Bordnummer und den Namen am Rumpf.

Wahrscheinlich

Rockwell B-1B Lancer

Dunkelgrau, kompakter und mit Triebwerken dicht am Rumpf: Das spricht für die B-1B der US Air Force.

Wahrscheinlich

Tupolew Tu-95 Bear

Vier Turboprops mit gegenläufigen Propellern und feste Flügel sind typisch für die Tu-95, den zweiten großen russischen Langstreckenbomber.

Einen breiteren Überblick über Militärmuster am Himmel gibt der Beitrag Kampfjets in Europa erkennen. Wer sich für die zivile Seite der sowjetischen Luftfahrt interessiert, findet im Beitrag Sowjetische Verkehrsflugzeuge die Geschichte von Tu-134, Tu-154 und Co.

Tu-160, B-1B und Tu-144 im Vergleich

Die Tu-160 wird oft mit der B-1B verglichen, gelegentlich auch mit dem Überschall-Verkehrsflugzeug Tu-144, das ebenfalls von Tupolew stammt. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.

Merkmal Tu-160 B-1B Lancer Tu-144
Rolle Strategischer Bomber Strategischer Bomber Überschall-Verkehrsflugzeug (historisch)
Flügel Schwenkflügel 20–65° Schwenkflügel 15–67,5° Doppeldeltaflügel
Triebwerke 4 × NK-32, paarweise unter den Flügelwurzeln 4 × F101, paarweise unter dem Rumpf 4, in Gondeln unter dem Mittelflügel
Länge rund 54 m rund 44,5 m rund 65 m
Höchstgeschwindigkeit rund Mach 2 rund Mach 1,25 rund Mach 2
Typischer Anstrich Weiß Dunkelgrau Aeroflot-Lackierung

Die Geschichte des sowjetischen Überschall-Verkehrsflugzeugs erzählt der Beitrag Tupolew Tu-144, das westliche Gegenstück findest du auf der Seite zur Concorde.

Wo du die Tu-160 sehen kannst

Ehrlich gesagt: Für Spotter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Tu-160 einer der schwierigsten Typen überhaupt. Die aktiven Maschinen sind in Russland stationiert, Auslandsbesuche sind selten und politisch heikel.

Möglichkeit Chance Hinweis
Museum in Poltawa (Ukraine) gering, derzeit kaum machbar Einziges Museumsexemplar außerhalb Russlands; wegen des Krieges keine Reiseempfehlung
Abfangeinsätze über der Nordsee nur indirekt Die Bomber fliegen über internationalen Gewässern weit draußen, Fotos stammen fast immer von Militärpiloten
Militärflugplätze in Russland nicht empfehlenswert Strenge Fotografierverbote und hohes persönliches Risiko
Paraden und Flugschauen in Russland historisch Die Tu-160 überflog etwa 2013 die Parade zum Tag des Sieges in Moskau

Das Museum der Fern- und strategischen Fliegerkräfte in Poltawa auf dem früheren Militärflugplatz der Stadt zeigt neben der Tu-160 auch eine Tu-95MS, eine Tu-22M3 und weitere sowjetische Bomber. Vor dem Krieg war es eine der besten Adressen, um sowjetische Großflugzeuge aus der Nähe zu sehen. Ob und wie das Museum aktuell zugänglich ist, solltest du vor jeder Planung aus offiziellen Quellen prüfen – und die Reisewarnungen ernst nehmen.

Sicherheit geht vor

Fotografiere niemals russische Militäranlagen auf eigene Faust – allgemeine Regeln für Militärflugplätze findest du im Beitrag Militärflugplätze fotografieren. In Russland und Belarus drohen schon bei harmlos gemeinten Aufnahmen ernste Konsequenzen. Hintergründe dazu findest du im Beitrag Fotografierverbote in Russland und Belarus.

Bleibt die digitale Spur: Russische Bomber senden in der Regel keine öffentlich sichtbaren Positionsdaten. Indirekt verraten aber oft NATO-Tanker und Abfangjäger, dass etwas los ist. Wie du militärische Flugbewegungen online verfolgst und was dabei erlaubt ist, erklärt der Beitrag Militärflugzeuge online verfolgen.

Die Tu-160 in der Familie der großen Bomber

Weltweit gibt es heute nur eine Handvoll strategischer Bomber. Die USA fliegen die B-52 Stratofortress, die B-1B und den Tarnkappenbomber B-2 Spirit. Russland setzt neben der Tu-160 die Propellermaschine Tu-95 und die Tu-22M ein. Unter all diesen Mustern ist die Tu-160 die schnellste und schwerste.

Gemeinsam mit Überschall-Ikonen wie der Lockheed SR-71 Blackbird gehört sie zu den Flugzeugen, die das Wettrüsten des Kalten Krieges technisch auf die Spitze getrieben haben. Mehr über das Konstruktionsbüro hinter dem Weißen Schwan, von der Tu-104 über die Tu-154 bis zur Tu-204, liest du auf der Seite zu Tupolew.

Es spricht für die Tu-160, wenn …

  • ein sehr großer Schwenkflügel-Bomber weiß lackiert ist
  • vier Triebwerke in zwei getrennten Paaren unter den Flügelwurzeln sitzen
  • eine rote Bordnummer und ein kyrillischer Name am Bug stehen
  • das Foto aus Russland oder von einem NATO-Abfangeinsatz stammt

Sieh genauer hin, wenn …

  • du nur eine Silhouette in großer Höhe siehst
  • der Bomber grau wirkt – das kann am Licht liegen oder eine B-1B sein
  • du wissen willst, ob es eine Tu-160M ist – das verraten nur Bordnummer und Quellen

Es ist keine Tu-160, wenn …

  • die Flügel fest sind und Propeller arbeiten
  • die Triebwerke dicht am Rumpf sitzen und der Bomber dunkelgrau ist
  • kein Rumpf und kein Leitwerk erkennbar sind
  • du acht Triebwerke unter den Flügeln zählst

Fazit

Die Tupolew Tu-160 ist ein Superlativ auf Flügeln: größter Überschallbomber, schnellster strategischer Bomber im Dienst und ein Flugzeug, dessen Geschichte vom Kalten Krieg über den Zerfall der Sowjetunion bis zu den Konflikten der Gegenwart reicht. Mit der Neuproduktion der Tu-160M bleibt sie noch lange im Einsatz. Für Spotter im Westen ist sie dennoch eine der seltensten Begegnungen überhaupt – ein Foto aus dem Museum in Poltawa ist für die meisten das realistischste Ziel, wenn die Lage es wieder zulässt.

Kurzfazit

Weiß, Schwenkflügel, vier Triebwerke in zwei weit auseinanderliegenden Paaren: Das ist die Tu-160 Blackjack. Von der B-1B trennst du sie über Farbe, Größe und Triebwerksanordnung – sehen wirst du sie als Spotter im Westen aber fast nur im Museum.

Zusammenfassung

  • Die Tu-160 flog erstmals im Dezember 1981 und ging 1987 im ukrainischen Pryluky in Dienst.
  • Nach dem Zerfall der Sowjetunion kaufte Russland acht ukrainische Maschinen zurück, der Rest wurde bis auf ein Museumsexemplar verschrottet.
  • Ihr Kampfdebüt hatte die Tu-160 im November 2015 mit Marschflugkörper-Einsätzen in Syrien, seit 2022 setzt Russland sie im Krieg gegen die Ukraine ein.
  • Weiße Lackierung, Schwenkflügel und die paarweise unter den Flügelwurzeln hängenden Triebwerke trennen sie sicher von der B-1B.

Häufige Fragen

Warum heißt die Tu-160 „Blackjack“?

Blackjack ist der NATO-Codename. Die NATO gab sowjetischen Bombern Namen mit dem Anfangsbuchstaben B, etwa Bear für die Tu-95 oder Backfire für die Tu-22M. Russische Piloten nennen die Tu-160 dagegen „Weißer Schwan“ (Bely Lebed), wegen ihrer hellen Lackierung und der eleganten Form.

Wie schnell ist die Tu-160?

In großer Höhe erreicht sie rund 2.200 km/h, das entspricht etwa Mach 2. Ihre wirtschaftliche Reisegeschwindigkeit liegt im Unterschallbereich bei rund 960 km/h. Damit ist sie deutlich schneller als die B-1B, die in großer Höhe auf etwa Mach 1,25 kommt.

Ist die Tu-160 größer als die B-1B?

Ja. Mit rund 54 Metern Länge und einem maximalen Startgewicht von etwa 275 Tonnen übertrifft sie die B-1B deutlich. Beide haben Schwenkflügel und vier Triebwerke, die Tu-160 ist aber meist weiß und hat ihre Triebwerke in zwei getrennten Paaren weiter außen.

Wie viele Tu-160 gibt es?

Bis zum Produktionsstopp 1992 entstanden rund 40 Maschinen einschließlich Erprobungsträgern. Wie viele aktuell flugfähig sind, ist nicht offiziell bekannt; öffentliche Schätzungen gehen von einer niedrigen zweistelligen Zahl aus, die durch neu gebaute Tu-160M langsam wächst.

Was ist die Tu-160M?

Die modernisierte Version mit neuer Avionik, Elektronik und überarbeiteten NK-32-02-Triebwerken. Es gibt sowohl umgebaute Bestandsflugzeuge als auch komplette Neubauten aus Kasan. Der erste Neubau flog im Januar 2022, im Februar 2024 übergab das Werk mehrere modernisierte Maschinen an die Luftwaffe.

Kann ich eine Tu-160 in Europa sehen?

Im Flugbetrieb kaum. Die Maschinen sind in Russland stationiert und fliegen über Europa höchstens über internationalen Gewässern, wo NATO-Jäger sie begleiten. Die realistische Chance für Spotter ist das Museum der Fern- und strategischen Fliegerkräfte in Poltawa in der Ukraine – ein Besuch ist wegen des Krieges derzeit aber nicht ratsam.

Darf man eine Tu-160 in Russland fotografieren?

Militärflugplätze in Russland sind streng gesichert, das Fotografieren kann dort zu ernsten Problemen führen. Was Spotter dazu wissen sollten, steht im Beitrag Fotografierverbote in Russland und Belarus.

Tupolew Tu-160 sammeln statt nur sehen

Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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