Das Wichtigste in Kürze
- PrivatAir war eine Schweizer Premium-Airline aus Genf, die von 1977 bis 2018 bestand – zuerst als Firmenflugbetrieb, später als Wet-Lease-Spezialistin.
- Codes: IATA PV, ICAO PTI, Rufzeichen „PRIVATAIR“; die deutsche Tochter flog als PTG mit dem Rufzeichen „PRIVATJET“.
- Business-only im Auftrag großer Airlines: Für Lufthansa flog PrivatAir ab 2002 Düsseldorf–Newark nur mit Business Class, später folgten Strecken für Swiss, KLM und SAS.
- Boeing Business Jet als Arbeitspferd: Die 737-Ableger mit großer Reichweite trugen die markante rot-weiße Bemalung mit vier Quadraten am Leitwerk.
- Für Spotter ein Archiv-Thema: Nach der Insolvenz Ende 2018 verschwand PrivatAir; Fotos aus Frankfurt, Düsseldorf und Genf sind heute begehrte Dokumente.
Inhaltsverzeichnis
- 1.PrivatAir im Überblick
- 2.Die Geschichte in Etappen
- 3.Codes und Rufzeichen
- 4.Business-only: die Flüge für Lufthansa
- 5.Swiss, KLM, SAS und weitere Auftraggeber
- 6.Die Flotte von PrivatAir
- 7.Woran du PrivatAir erkennst
- 8.Das Ende im Jahr 2018
- 9.PrivatAir im Archiv: Tipps für Spotter
- 10.Häufige Verwechslungen
- 11.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | PV |
|---|---|
| ICAO-Code | PTI |
| Rufzeichen | PRIVATAIR |
| Drehkreuze | GVA |
| Status | Historisch – Flugbetrieb eingestellt, Insolvenz am 5. Dezember 2018 |
| Gegründet | 1977 als Petrolair, Firmenflugbetrieb der Unternehmensgruppe der Familie Latsis |
| Name PrivatAir | Seit 1989 |
| Airline-Lizenz | Seit 1. Juni 1995 als kommerzielle Fluggesellschaft vom Bundesamt für Zivilluftfahrt zugelassen |
| Sitz | Meyrin bei Genf, Heimatbasis am Flughafen Genf |
| Tochtergesellschaft | PrivatAir GmbH mit Sitz in Düsseldorf (ICAO PTG, Rufzeichen „PRIVATJET“) |
| Geschäftsmodell | Business-Aviation, VIP-Charter und Wet-Lease von Business-Class-Jets für große Airlines |
| Wichtige Auftraggeber | Lufthansa, Swiss, KLM, SAS, Saudia und Airbus (Werksshuttle) |
| Mehrheitseigner ab 2016 | SilverArrow Capital mit 51 Prozent |
| Typische Flugzeuge | Boeing Business Jet (737-700 und 737-800), Airbus A319, früher Boeing 737-200, 757-200 und 767-300ER |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich PrivatAir?
- Weißer Rumpf mit rotem Band um die Cockpitnase – fast wie eine Lippe unter den Cockpitfenstern
- Rotes Seitenleitwerk mit vier weißen Quadraten, die zusammen an ein Kreuz erinnern
- Nur ein kleiner „PrivatAir“-Schriftzug an der vorderen Tür, kein großer Titel über den Fenstern
- Auf Fotos von Flügen für Lufthansa ist häufig die eigene PrivatAir-Bemalung zu sehen
- Schweizer HB-Kennzeichen bei der Privatair SA, deutsche D-Kennzeichen bei der Tochter PrivatAir GmbH
- Typisch ist die Boeing 737 mit wenigen Fenstern im Kabinenbereich und Zusatztanks – ein Boeing Business Jet
Wer zwischen 2002 und 2018 in Frankfurt, Düsseldorf oder Genf am Zaun stand, kennt das Bild: eine Boeing 737 oder ein Airbus A319, weiß mit rotem Leitwerk, aber ohne großen Airline-Schriftzug – und trotzdem mit Lufthansa-Flugnummer im Flugplan. Das war PrivatAir. Die Genfer Gesellschaft flog Business-only-Jets für große Airlines und war damit eine der ungewöhnlichsten Airlines Europas. Diese Seite zeigt dir, wie aus einer Firmenflotte eine Premium-Wet-Lease-Airline wurde, welche Flugzeuge sie einsetzte und woran du PrivatAir auf alten Fotos sicher erkennst.
Dein Archiv, sauber sortiert
Mit Planetrack postest du Sichtungen mit Foto, Kennzeichen, Typ, Airline und Flughafen – so findest du auch deine alten PrivatAir-Aufnahmen jederzeit wieder. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
PrivatAir im Überblick
PrivatAir war eine Schweizer Fluggesellschaft mit Sitz in Meyrin bei Genf, die von 1977 bis 2018 bestand. Sie passte in keine klassische Schublade: Einerseits betrieb sie Geschäftsreiseflugzeuge, organisierte VIP-Charter und kümmerte sich um Flugzeuge privater Eigentümer. Andererseits flog sie über viele Jahre planmäßige Linienflüge – allerdings fast nie unter eigenem Namen, sondern im Auftrag großer Netzwerk-Airlines.
Dieses Modell heißt Wet-Lease: Eine Airline mietet ein Flugzeug samt Besatzung, Wartung und Versicherung und verkauft die Plätze unter eigener Flugnummer. Was das genau bedeutet, erklärt der Guide Wet-Lease erklärt. PrivatAir hatte sich auf die Premium-Variante spezialisiert: Jets mit wenigen, großzügigen Sitzen und reiner Business Class.
Heimatbasis war der Flughafen Genf. Die eigentlichen Einsatzorte richteten sich aber nach den Verträgen – für Lufthansa waren das vor allem Düsseldorf und Frankfurt. Neben der Schweizer Gesellschaft gab es in Düsseldorf die Tochter PrivatAir GmbH mit eigenem deutschem Luftverkehrsbetreiberzeugnis und Flugzeugen mit D-Kennzeichen.
Die Geschichte in Etappen
Die Wurzeln von PrivatAir liegen nicht im Airline-Geschäft, sondern in einer Unternehmerfamilie. Die griechische Unternehmerfamilie Latsis, bekannt aus Reederei, Öl- und Bankgeschäft, ließ 1977 für ihre Firmengruppe einen eigenen Flugbetrieb aufbauen: Petrolair. Zwei Jahre später nahm die Gesellschaft mit einer Boeing 737-200 den Flugbetrieb auf – schon damals für Geschäftsreisen.
1977–1979
Gründung als Petrolair, Firmenflugbetrieb der Latsis-Gruppe. 1979 beginnt der Flugbetrieb mit einer Boeing 737-200.
1989
Eine Boeing 757 und eine Gulfstream IV kommen dazu, das Unternehmen heißt ab jetzt PrivatAir.
1995
Am 1. Juni erhält PrivatAir vom Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt die Zulassung als kommerzielle Fluggesellschaft und fliegt nun auch für fremde Kunden.
2002
Im Februar eröffnet PrivatAir ein eigenes Terminal in Genf. Ab Juni fliegt PrivatAir für Lufthansa Business-only von Düsseldorf nach Newark.
2003–2008
PrivatAir fliegt für Airbus den Werksshuttle zwischen Hamburg-Finkenwerder und Toulouse.
2005–2011
Neue Kunden: Swiss zwischen Newark und Zürich, KLM zwischen Amsterdam und Houston – jeweils mit Boeing Business Jets.
2009–2016
Für Lufthansa übernimmt PrivatAir Strecken in den Nahen Osten, nach Afrika und Indien, etwa nach Dammam, Nairobi und Pune.
2016–2017
SilverArrow Capital übernimmt die Mehrheit. PrivatAir fliegt für SAS über den Atlantik sowie für TUIfly und Eurowings.
2018
Zur Jahresmitte endet die Zusammenarbeit mit Lufthansa auf der Pune-Strecke. Im Herbst verliert die deutsche Tochter ihre Lizenz, am 5. Dezember folgt die Insolvenz.
Den Wendepunkt brachte die Airline-Lizenz von 1995. Ab da war PrivatAir nicht mehr nur Hausflieger einer Familie, sondern bot Flugzeuge und Crews auch anderen an. So etablierte sich das Unternehmen als Wet-Lease-Anbieterin im gehobenen Segment – eine kleine Nische zwischen Business-Aviation und Linienverkehr.
Codes und Rufzeichen
PrivatAir arbeitete mit mehreren Gesellschaften und deshalb mit mehreren Codes. Für dein Logbuch ist das wichtig:
- IATA-Code PV: gehörte der Schweizer Privatair SA. In Buchungen tauchte er selten auf, weil die meisten Linienflüge unter den Flugnummern der Auftraggeber liefen.
- ICAO-Code PTI, Rufzeichen „PRIVATAIR“: verwendete die Schweizer Gesellschaft gegenüber der Flugsicherung.
- ICAO-Code PTG, Rufzeichen „PRIVATJET“: stand für die deutsche PrivatAir GmbH in Düsseldorf.
Bei Wet-Lease-Flügen gilt: Die Flugnummer zeigt den Verkäufer, der ICAO-Code und das Kennzeichen zeigen, wer wirklich fliegt. Ein LH-Flug ab Frankfurt nach Pune war also in Wahrheit oft ein PrivatAir-Flug – erkennbar am Rufzeichen und an der rot-weißen Maschine am Gate.
Alte Fotos richtig beschriften
Notiere bei PrivatAir-Aufnahmen nicht nur „Lufthansa“ oder „Swiss“, sondern die durchführende Gesellschaft, das Kennzeichen und den genauen Typ. Wie du Flugdaten und Tracker-Angaben richtig liest, zeigt der Guide zur Flugverfolgung für Spotter.
Business-only: die Flüge für Lufthansa
Die bekannteste Episode beginnt im Juni 2002. Im Auftrag von Lufthansa nahm PrivatAir eine Nonstop-Verbindung von Düsseldorf nach Newark bei New York auf. An Bord gab es ausschließlich Business Class. Die Strecke gilt in der Fachpresse als erster Transatlantikflug, der nur mit Business-Class-Kabine startete – Jahre bevor andere Airlines ähnliche Konzepte ausprobierten.
Zum Start setzte PrivatAir einen Boeing Business Jet ein, ab 2003 kamen speziell eingerichtete Airbus A319 mit großer Reichweite und rund 48 Business-Sitzen dazu. Im selben Jahr wuchs das Angebot um weitere Business-only-Verbindungen für Lufthansa in die USA. Die Düsseldorf-Verbindung lief bis Juni 2008.
Danach wanderte der Schwerpunkt nach Frankfurt. Für Lufthansa bediente PrivatAir in den folgenden Jahren eine ganze Reihe von Strecken, auf denen sich ein großer Jet nicht lohnte, Geschäftsreisende aber viel Komfort erwarteten:
| Strecke | Zeitraum (soweit belegt) | Hinweis |
|---|---|---|
| Düsseldorf – Newark | Juni 2002 bis Juni 2008 | Erste Business-only-Verbindung über den Atlantik |
| München – Tel Aviv | um 2009 | Einige Jahre vor 2015 wieder eingestellt |
| Frankfurt – Bahrain/Dammam | ab etwa 2009 | Dammam endete Ende Oktober 2015 |
| Frankfurt – Nairobi | bis 31. August 2016 | Ostafrika mit Business-Jet |
| Frankfurt – Pune | bis Mitte 2018 | Letzter großer Lufthansa-Auftrag |
| Weitere Ziele | zeitweise | u. a. Accra, Libreville, Pointe-Noire und Khartum |
Für Spotter in Frankfurt war das ein Glücksfall. Zwischen den Kranich-Jets der Lufthansa tauchte regelmäßig ein Business Jet in PrivatAir-Optik auf – leicht zu übersehen, wenn man nur nach Flugnummern plant. Wer heute alte Düsseldorfer Aufnahmen einordnen will, findet im Planespotting-Guide Düsseldorf die klassischen Standorte. Der Planespotting-Guide Frankfurt hilft dir, die heutigen Standorte am größten deutschen Drehkreuz zu finden. Wie Lufthansa ihre Töchter und Partner organisiert, zeigt die Seite zur Lufthansa Group.
Seltene Gäste nicht verpassen
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Swiss, KLM, SAS und weitere Auftraggeber
Lufthansa war der wichtigste, aber nicht der einzige Kunde. Ab Januar 2005 flog PrivatAir für Swiss zwischen Zürich und Newark, unter den Flugnummern LX 18 und LX 19. Eingesetzt wurde ein Boeing Business Jet auf Basis der 737-800 mit reiner Business-Class-Kabine; er ersetzte auf der Strecke einen Airbus A330 der Swiss. Für eine Schweizer Gesellschaft war das ein Heimspiel: Die Verbindung brachte PrivatAir regelmäßig nach Zürich – Spotter-Tipps dafür liefert der Planespotting-Guide Zürich.
Für KLM flog PrivatAir von 2005 bis 2011 zwischen Amsterdam-Schiphol und Houston, ergänzend zum eigenen KLM-Flug. Der eingesetzte Boeing Business Jet hatte 44 Sitze, alle in der Business Class. 2011 übernahm KLM die Strecke wieder ganz mit eigenem Großraumgerät.
Von März 2016 bis Oktober 2017 stellte PrivatAir eine Boeing 737 für SAS auf der Strecke Kopenhagen–Boston. Für eine Schmalrumpf-Maschine ist ein Atlantikflug dieser Länge bemerkenswert – genau dafür waren die Business Jets mit Zusatztanks gebaut. Ab 2017 flog PrivatAir außerdem im Wet-Lease für TUIfly und Eurowings.
Weitere Aufträge kamen aus der Industrie und vom Golf:
- Airbus: Von 2003 bis 2008 pendelte PrivatAir für Mitarbeiter zwischen den Werken in Hamburg-Finkenwerder und Toulouse. Wie du das Werk heute fotografierst, steht im Guide Airbus Finkenwerder spotten.
- Saudia: Für die saudische Staatsairline Saudia flog PrivatAir auf Inlandsstrecken. Zuletzt betrieb die Schweizer Gesellschaft drei A319 für den VIP-Bereich Saudia Private Aviation.
- ECAir: Für die Airline aus der Republik Kongo flog PrivatAir bis Oktober 2016, als ECAir den Betrieb einstellte.
Die Flotte von PrivatAir
Die Flotte wechselte mit den Aufträgen. Die folgende Tabelle fasst die belegten Typen über die gesamte Firmengeschichte zusammen – sie zeigt keinen Stichtag.
| Typ | Bei PrivatAir | Rolle |
|---|---|---|
| Boeing 737-200 | ab 1979 | Erstes Flugzeug der Petrolair |
| Boeing 757-200 | ab 1989 | Mehr Platz und Reichweite für VIP-Charter |
| Boeing 767-300ER | zeitweise, um 2007 | VIP-Charter auf der Langstrecke |
| Airbus A319 | ab 2003 | Airbus-Werksshuttle, Lufthansa-Strecken, zuletzt Saudia |
| Boeing BBJ auf Basis der 737-700 | ab 2002 | Business-only für Lufthansa, KLM und andere |
| BBJ2 bzw. 737-800 | ab den 2000er-Jahren | Längere Kabine, mehr Sitze, u. a. für Swiss |
Dazu kamen Geschäftsreiseflugzeuge wie die Gulfstream IV. Wie du 757 und 767 auf alten Fotos auseinanderhältst, zeigt der Guide Boeing 757 und 767 unterscheiden, für die A319 hilft A318, A319, A320 und A321 sicher auseinanderhalten. 2012 unterschrieb PrivatAir außerdem eine Bestellung für Bombardier CSeries – heute Airbus A220-100. Ausgeliefert wurde an PrivatAir keine Maschine.
Kurz vor dem Ende umfasste die Flotte laut Branchendienst ch-aviation noch drei A319, die für Saudia Private Aviation flogen und gerade auf das Schweizer Betreiberzeugnis übertragen worden waren, sowie zwei 737-700 BBJ, die nach dem Verlust der deutschen Lizenz abgestellt waren.
Boeing Business Jet – was ist das?
Ein BBJ ist eine 737 mit dem verstärkten Flügel und Fahrwerk der größeren Versionen, Zusatztanks im Frachtraum und einer Kabine nach Kundenwunsch. Dadurch fliegt er deutlich weiter als eine normale 737 – genug für Strecken über den Atlantik. Mehr dazu auf der Seite zum Boeing Business Jet.
Woran du PrivatAir erkennst
Die Bemalung von PrivatAir war zurückhaltend und doch unverwechselbar. Ein weißer Rumpf, eine rote Partie um die Nase direkt unter den Cockpitfenstern und ein rotes Seitenleitwerk mit vier weißen Quadraten, die zusammen an ein Kreuz erinnern. Der Schriftzug „PrivatAir“ war klein und saß nahe der vorderen Tür – ganz im Stil eines Geschäftsreisejets, nicht einer Linienairline.
Spannend: Fotos zeigen die Jets auch auf Lufthansa-Flügen häufig in dieser eigenen Optik. Ein rotes Leitwerk mit Quadraten am Lufthansa-Gate ist deshalb ein starker Hinweis auf PrivatAir – sicher wird die Zuordnung aber erst mit Kennzeichen und Datum.
Leitwerk prüfen
Rot mit vier weißen Quadraten – das ist das PrivatAir-Logo.
Nase ansehen
Das rote Band unter den Cockpitfenstern ist auf Fotos von vorn das schnellste Merkmal.
Kennzeichen lesen
HB- spricht für die Schweizer Privatair SA, D- für die deutsche PrivatAir GmbH.
Typ bestimmen
Ist es eine 737, prüfe die Fensterreihe: Ein BBJ hat oft auffällig wenige Fenster.
Für die Kennzeichen hilft dir der Guide zu Schweizer HB-Kennzeichen. Und weil BBJ und Linien-737 sich äußerlich stark ähneln, lohnt sich der Blick in Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX unterscheiden: Die Business Jets von PrivatAir basierten auf der Next Generation.
Spricht für einen BBJ
- Weniger oder unregelmäßig verteilte Kabinenfenster
- Business-Jet-Betreiber im Kennzeichenregister
- Lange Strecken, die eine normale 737 kaum schafft
Spricht für eine Linien-737
- Durchgehende, gleichmäßige Fensterreihe
- Airline-Bemalung mit großem Schriftzug
- Kurz- und Mittelstrecke im dichten Umlauf
Das Ende im Jahr 2018
Das Ende kam in mehreren Schritten. Im November 2016 hatte die Investmentgesellschaft SilverArrow Capital die Mehrheit von 51 Prozent übernommen. Neue Kunden wie SAS, TUIfly und Eurowings brachten Arbeit, doch der wichtigste Pfeiler bröckelte: Die Zusammenarbeit mit Lufthansa auf der Strecke Frankfurt–Pune endete Mitte 2018, im Herbst nahm Lufthansa die Verbindung mit eigenem Gerät wieder auf.
Im Oktober 2018 veröffentlichte das Schweizerische Handelsamtsblatt einen Genfer Gerichtsbeschluss, nach dem über PrivatAir der Konkurs eröffnet worden sei. PrivatAir sprach von einem Fehler, und das Gericht hob den Beschluss kurz darauf wieder auf. Doch der Schaden war da: Ende Oktober entzog das Luftfahrt-Bundesamt der deutschen Tochter das Luftverkehrsbetreiberzeugnis.
Am 5. Dezember 2018 meldeten die Schweizer Muttergesellschaft und die deutsche Tochter Insolvenz an. PrivatAir begründete den Schritt mit einer Reihe von Ereignissen, die die Geschäftsaussichten des Unternehmens stark beeinträchtigt hätten. Damit endete nach gut 40 Jahren eine der ungewöhnlichsten Airlines der Schweiz. Wie PrivatAir in die Reihe großer Pleiten passt, zeigt der Überblick Airline-Insolvenzen in Europa.
Achtung bei Flugdaten
Weil PrivatAir fast immer unter fremden Flugnummern flog, findest du in alten Flugplänen oft nur LH, LX oder KL. Erst ICAO-Code, Rufzeichen oder Kennzeichen zeigen, dass PrivatAir geflogen ist.
PrivatAir im Archiv: Tipps für Spotter
Heute kannst du PrivatAir nicht mehr fotografieren. Interessant bleibt die Airline trotzdem – für dein Archiv und für die Spurensuche nach früheren Flugzeugen. Ehemalige PrivatAir-Jets können bei anderen Betreibern weiterfliegen, meist mit neuer Bemalung und oft mit neuem Kennzeichen.
Lohnt sich, wenn …
- du alte Fotos aus Frankfurt, Düsseldorf, Genf oder Zürich nachträglich beschriften willst
- du Business Jets und Wet-Lease-Betreiber sammelst
- du die Geschichte einzelner Kennzeichen verfolgst
Prüf es genau, wenn …
- ein Foto nur das Leitwerk zeigt – Datum und Kennzeichen sichern die Zuordnung
- eine Flugnummer LH oder LX lautet, das Flugzeug aber nicht in Airline-Farben fliegt
Keine Chance mehr, wenn …
- du heute live eine PrivatAir-Maschine erwartest – der Flugbetrieb endete im Dezember 2018
Genf bleibt ein guter Ort für Geschäftsreisejets aller Art. Von der Aussichtsterrasse am Flughafen Genf aus siehst du die Business-Aviation-Vorfelder, der Planespotting-Guide Genf zeigt dir weitere Standorte. In Düsseldorf, wo die Business-only-Geschichte begann, bietet die Besucherterrasse am Flughafen Düsseldorf einen guten Überblick. Und wie du heutige VIP- und Firmenjets einordnest, erklärt der Guide Businessjets spotten.
Häufige Verwechslungen
- PrivatAir mit Swiss oder Swissair verwechseln – das Kreuz-Motiv am roten Leitwerk erinnert an die Schweiz, gehört aber zu PrivatAir. Swissair und Swiss hatten eigene, großflächigere Designs.
- Jeden LH-Flug für Lufthansa halten – auf manchen Strecken flog PrivatAir im Auftrag, mit eigenem Flugzeug und eigener Crew.
- BBJ als normale 737-700 notieren – der Business Jet ist eine eigene Ausführung mit größerer Reichweite und anderer Kabine.
- Schweizer und deutsche Gesellschaft gleichsetzen – HB-Kennzeichen und ICAO PTI gehören zur Privatair SA, D-Kennzeichen und PTG zur PrivatAir GmbH.
- Die A220-Bestellung für eine Flotte halten – PrivatAir hat nie eine CSeries bzw. A220 erhalten.
Aus Archivfotos wird ein Logbuch
Poste deine Sichtungen mit Foto, Kennzeichen, Typ, Airline, Flughafen und Spot und sammle sie in deinem Hangar – auch die Raritäten von gestern. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
PrivatAir war eine Airline, die man leicht übersah – und gerade deshalb spannend. Aus dem Firmenflugbetrieb einer Familie wurde eine Spezialistin für Business-only-Flüge, die für Lufthansa, Swiss, KLM und SAS über Atlantik, Nahost und Afrika flog. Mit dem Verlust der großen Aufträge und dem Lizenzentzug in Deutschland endete die Geschichte im Dezember 2018. Was bleibt, sind rot-weiße Jets auf alten Fotos, die du mit Kennzeichen und Datum sauber zuordnen kannst.
Kurzfazit
PrivatAir (IATA PV, ICAO PTI) war eine historische Genfer Premium- und VIP-Airline, die von 1977 bis 2018 bestand. Bekannt wurde sie mit Business-only-Flügen im Auftrag großer Airlines – erkennbar am roten Leitwerk mit vier weißen Quadraten.
Zusammenfassung
- PrivatAir begann 1977 als Petrolair, die Firmenairline der Familie Latsis, und trat ab 1989 unter dem Namen PrivatAir auf.
- Bekannt wurde sie mit Business-only-Flügen, die sie unter fremden Flugnummern flog – am längsten für Lufthansa, dazu für Swiss, KLM und SAS.
- Auf vielen Fotos tragen die Jets auch auf Lufthansa-Strecken die eigene rot-weiße Bemalung und fallen dadurch zwischen den Linienmaschinen auf.
- Nach Eigentümerwechsel, Ende des Pune-Auftrags und dem Entzug der deutschen Lizenz meldete PrivatAir im Dezember 2018 Insolvenz an.
Häufige Fragen
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte PrivatAir?
Die Schweizer Privatair SA hatte den IATA-Code PV und den ICAO-Code PTI, im Funk meldete sie sich mit „PRIVATAIR“. Die deutsche Tochter PrivatAir GmbH hatte den eigenen ICAO-Code PTG und das Rufzeichen „PRIVATJET“. Auf Strecken im Auftrag anderer Airlines standen in der Buchung meist deren Flugnummern, etwa LH für Lufthansa.
Was war das Besondere an PrivatAir?
PrivatAir verband Geschäftsreise-Luftfahrt mit Linienverkehr. Sie flog Jets mit reiner Business-Class-Kabine für große Netzwerk-Airlines im sogenannten Wet-Lease, also mit eigenem Flugzeug und eigener Besatzung. Für Lufthansa gilt die Verbindung Düsseldorf–Newark ab 2002 als erster Transatlantikflug, der ausschließlich mit Business Class abhob.
Welche Flugzeuge flog PrivatAir?
Am Anfang stand 1979 eine Boeing 737-200, 1989 kamen eine Boeing 757 und eine Gulfstream IV dazu. Später prägten Boeing Business Jets auf Basis der 737-700 und 737-800 sowie Airbus A319 die Flotte, zeitweise auch eine Boeing 767-300ER in VIP-Ausstattung. Kurz vor dem Ende waren laut Branchendienst ch-aviation noch drei A319 für Saudia Private Aviation und zwei 737-700 BBJ übrig, die BBJ nach dem Lizenzentzug abgestellt.
Für welche Airlines flog PrivatAir?
Wichtigster Kunde war Lufthansa, für die PrivatAir unter anderem Düsseldorf–Newark und ab Frankfurt nach Pune, Nairobi und Dammam flog. Dazu kamen Swiss zwischen Zürich und Newark, KLM zwischen Amsterdam und Houston, SAS zwischen Kopenhagen und Boston sowie Saudia im Inland von Saudi-Arabien. Für Airbus pendelte PrivatAir einige Jahre zwischen den Werken in Hamburg und Toulouse.
Warum ging PrivatAir pleite?
Mitte 2018 endete mit der Strecke nach Pune der letzte große Lufthansa-Auftrag. Im Herbst sorgte ein Genfer Konkursbeschluss für Aufsehen, der zwar wieder aufgehoben wurde, kurz darauf entzog das Luftfahrt-Bundesamt aber der deutschen Tochter die Betriebsgenehmigung. Am 5. Dezember 2018 meldeten Schweizer Mutter und deutsche Tochter Insolvenz an.
Kann ich PrivatAir heute noch spotten?
Nein, PrivatAir fliegt seit Dezember 2018 nicht mehr. Einzelne frühere Flugzeuge können bei anderen Betreibern weiterfliegen, dann aber mit neuer Bemalung und oft mit neuem Kennzeichen. Für Spotter ist PrivatAir deshalb vor allem ein Thema für das Fotoarchiv.
PrivatAir im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Boeing Business Jet (BBJ, BBJ2, BBJ3)
Außen eine 737, innen Salon, Schlafzimmer und Konferenzraum: Der Boeing Business Jet ist seit 1998 der VIP-Ableger der 737 Next Generation. So erkennst du BBJ, BBJ2 und BBJ3 und so erwischst du sie an Business-Aviation-Terminals.
FlugzeugtypBoeing 737-700
Kurz, stämmig und seit 1997 in der Luft: Die 737-700 ist die kompakte Next-Generation-737. Sie wird seltener – so erkennst du sie und weißt, wo du sie noch findest.
FlugzeugtypBoeing 737-800
Das Arbeitspferd der Kurz- und Mittelstrecke: Die 737-800 ist die meistgebaute Version der 737 Next Generation und an vielen Flughäfen Europas ein Dauergast.
FlugzeugtypAirbus A319
Kurz, kompakt und seit 1996 im Liniendienst: Die A319 ist das gestutzte Mitglied der A320-Familie. So trennst du sie sicher von A318, A320 und A319neo.
FlugzeugtypBoeing 757-200
Lang, schlank, hochbeinig und mit Triebwerken, die fast zu groß wirken: Die 757-200 ist ein Schmalrumpf mit Langstrecken-Genen. Produziert wird sie seit 2004 nicht mehr, Spotter freuen sich deshalb über jede Begegnung.
FlugzeugtypBoeing 767-300ER
Schlanker Rumpf, zwei große Triebwerke, oft hochgezogene Winglets: Die 767-300ER war jahrzehntelang das Arbeitspferd über den Atlantik. Heute wird sie selten – so erkennst und findest du sie.
FlugzeugtypBoeing 737-200
Schlanke Zigarren-Triebwerke unter dem Flügel, eine Kufe am Bugrad und Luftdüsen vor dem Einlauf: Die 737-200 ist der Jet, der auf Schotter landet. Hier erfährst du, wie die -200 und die -200 Advanced entstanden, woran du sie erkennst und wo sie heute noch fliegt.
FlugzeugtypAirbus A220-100
Kurz, bullig, mit überraschend großen Triebwerken: Die A220-100 begann als Bombardier CS100 und wird seltener. So erkennst du die kleine Schwester der A220-Familie sicher.
Weitere Airlines
Lufthansa
Deutschlands größte Airline und Kern der Lufthansa Group: Netzwerk-Airline mit den Drehkreuzen Frankfurt und München, Gründungsmitglied der Star Alliance.
NetzwerkSwiss International Air Lines
Die Schweizer Netzwerk-Airline mit dem roten Leitwerk: 2002 aus Crossair und dem Erbe der Swissair entstanden, heute Teil der Lufthansa Group und Mitglied der Star Alliance.
NetzwerkKLM Royal Dutch Airlines
Die niederländische Netzwerk-Airline mit dem hellblauen Rumpf: 1919 gegründet, Drehkreuz Amsterdam-Schiphol, Teil von Air France-KLM und Mitglied von SkyTeam – mitten im Umbau von Boeing zu Airbus.
NetzwerkSAS Scandinavian Airlines
Die skandinavische Netzwerk-Airline mit dem blauen Leitwerk: 1946 von Dänemark, Norwegen und Schweden gegründet, drei Drehkreuze, seit 2024 bei SkyTeam statt in der Star Alliance – und eine Flotte mit Kennzeichen aus vier Ländern.
NetzwerkSaudia
Die nationale Airline Saudi-Arabiens aus Dschidda: SkyTeam-Mitglied seit 2012, Langstrecke mit Boeing 777-300ER, 787 und Airbus A330, Kurz- und Mittelstrecke mit der A320-Familie – und regelmäßig zu Gast in Frankfurt, München und Wien.
RegionalCrossair
Historische Regionalairline aus Basel: 1975 von Moritz Suter als Taxiflug-Firma gegründet, Erstkundin von Saab 340 und Saab 2000 und 2002 das Fundament von Swiss International Air Lines.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Genf
Zweitgrößter Flughafen der Schweiz mit nur einer Piste – dafür der längsten des Landes. Genf lebt von easyJet, SWISS und einer der stärksten Business-Aviation-Szenen Europas. Mit der kostenlosen Terrasse Panorama und dem Bahnhof direkt am Terminal ist er außerdem eines der bequemsten Spotting-Ziele der Schweiz.
FlughafenFlughafen Düsseldorf
Größter Flughafen Nordrhein-Westfalens und Heimat der Eurowings: zwei dicht nebeneinander liegende Bahnen im Norden der Stadt, drei Terminals unter einem Dach, strenge Kapazitätsregeln – und für Spotter eine Lage, die sich seit der Pandemie spürbar verändert hat.
FlughafenFlughafen Frankfurt
Deutschlands größter Flughafen und Heimatdrehkreuz der Lufthansa: vier Start- und Landebahnen, zwei Passagierterminals und ein Verkehrsmix vom Regionaljet bis zum Großraumfrachter.
FlughafenFlughafen Newark Liberty
Der älteste Großflughafen der Region New York und das Ostküsten-Drehkreuz von United Airlines: drei Bahnen am Ufer der Newark Bay, ein Terminal nur für United, ein neues Terminal A seit 2023 – und die Skyline von Manhattan im Hintergrund.
Wo du PrivatAir vor die Linse bekommst
Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Aussichtsterrasse Flughafen Genf
Im vierten Stock von Terminal 1 schaust du über das Vorfeld auf die längste Piste der Schweiz und die Jurakette dahinter. Die Terrasse Panorama kostet nichts, du kommst ohne Sicherheitskontrolle hinein – und dank Business-Aviation, easyJet-Basis und Langstreckengästen wird es selten langweilig. Einziger Haken: Sie ist nur von Mitte März bis Ende Oktober offen.
BesucherterrasseBesucherterrasse Flughafen Düsseldorf
Der bequemste Einstieg ins Planespotting an Rhein und Ruhr: Von der Besucherterrasse blickst du über das Vorfeld auf die beiden parallelen Pisten des größten Flughafens in Nordrhein-Westfalen.
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