Das Wichtigste in Kürze
- Blue Air war eine private rumänische Airline und flog von Dezember 2004 bis September 2022 als Low-Cost-Carrier ab Bukarest.
- Codes: IATA 0B (mit Null), ICAO BLA, Rufzeichen „BLUE AIR“.
- Reine 737-Airline: Bis auf eine kurze Saab-Phase flog Blue Air nur Boeing 737 – vom Classic-Modell bis zur 737 MAX 8.
- Viele Basen außerhalb Rumäniens: Turin, Larnaka, Liverpool und Alghero machten Blue Air auch in Italien, Zypern und England sichtbar.
- Abruptes Ende: Nach einer Kontopfändung durch die Behörden stoppte Blue Air am 6. September 2022 alle Flüge und nahm sie nie wieder auf.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| IATA-Code | 0B |
|---|---|
| ICAO-Code | BLA |
| Rufzeichen | BLUE AIR |
| Drehkreuze | OTP |
| Status | Historisch – Flugbetrieb am 6. September 2022 eingestellt, Verstaatlichung im Dezember 2022, Insolvenzantrag im März 2023 |
| Geschäftsmodell | Low-Cost-Airline mit Linienflügen ab Rumänien nach West- und Südeuropa, dazu Inlandsflüge in Rumänien und Italien |
| Gegründet | 2004 von Unternehmer Nelu Iordache, Flugbetrieb ab Dezember 2004 |
| Sitz und Drehkreuz | Bukarest; bis 2012 Flughafen Băneasa, danach Henri Coandă (OTP) in Otopeni |
| Weitere Basen (Auswahl) | Zuletzt Bacău, Cluj-Napoca und Turin; früher unter anderem Iași, Constanța, Larnaka, Liverpool und Alghero |
| Allianz | keine |
| Flotte | Fast ausschließlich Boeing 737: Classic-Serie (-300, -400, -500), Next Generation (-700, -800) und zuletzt 737 MAX 8; kurzzeitig auch Saab-Turboprops |
| Flotte zuletzt (Anfang 2023) | Zwei abgestellte Boeing 737-500, die fünf 737 MAX 8 hatte der Leasinggeber bereits an LOT weitergegeben |
| Fluggäste | Spitzenwert rund 5,2 Millionen im Jahr 2018 |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Blue Air?
- Rumänisches Kennzeichen mit YR-, meist in der Serie YR-B.., etwa YR-BMH
- Immer eine Boeing 737 – von der Classic-Serie (-300, -400, -500) bis zur 737 MAX 8; die frühen Saab-Turboprops waren eine kurze Episode
- Markenname „Blue Air“ am Rumpf, Blautöne in der Bemalung
- Eine 737-800 (YR-BMH) trug ab 2017 eine Sonderbemalung zur Liverpool-Basis, eine 737-300 eine Jubiläumsbemalung zum zehnjährigen Bestehen
- Flugnummern mit 0B (Null-B), auf Trackern der ICAO-Code BLA
- Heute nur noch auf Archivfotos – seit September 2022 fliegt keine Blue Air mehr
Wer zwischen 2005 und 2022 in Köln/Bonn, Stuttgart oder Turin gespottet hat, kennt das Bild: eine Boeing 737 mit rumänischem YR-Kennzeichen, die regelmäßig Richtung Rumänien abhob. Blue Air war eine der wichtigsten Airlines Rumäniens und knapp 18 Jahre lang eine günstige Verbindung zwischen Rumänien und dem Rest Europas. Im September 2022 stand der Betrieb dann von einem Tag auf den anderen still. Hier erfährst du, wie die Airline entstand, welche 737-Versionen sie flog und woran du sie auf alten Fotos erkennst.
Historische Airline
Blue Air hat den Flugbetrieb am 6. September 2022 eingestellt und im März 2023 Insolvenz beantragt. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die historische Airline. Die Codes 0B und BLA stehen hier für Blue Air.
Blue Air im Überblick
Blue Air war eine rumänische Low-Cost-Airline mit Sitz in Bukarest. Gegründet hat sie der Unternehmer Nelu Iordache im Jahr 2004, im Dezember 2004 startete der Flugbetrieb. Die Idee war typisch für die damalige Zeit: Rumänien stand kurz vor dem EU-Beitritt, Hunderttausende Menschen arbeiteten in Italien, Spanien, Deutschland oder Großbritannien, und die Verbindungen in ihre Heimat waren teuer. Blue Air wollte das mit günstigen Tickets und gebrauchten Boeing 737 ändern.
Das Drehkreuz lag zunächst am Bukarester Stadtflughafen Băneasa, der damals Heimat der Billigflieger war. Im März 2012 schloss Băneasa für Low-Cost-Airlines, und Blue Air zog an den großen Flughafen Bukarest Henri Coandă in Otopeni um. Dort teilte sie sich den Platz mit der Staatsairline TAROM und mit Wizz Air, dem wichtigsten Konkurrenten im rumänischen Low-Cost-Markt.
Im besten Jahr 2018 beförderte Blue Air nach Angaben der englischsprachigen Wikipedia rund 5,2 Millionen Fluggäste. Damit gehörte sie zu den großen Anbietern im rumänischen Markt.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code 0B: stand vor den Flugnummern, auf Tickets und Anzeigetafeln.
- ICAO-Code BLA: Kennung im Flugplan der Flugsicherung und auf Flugtrackern.
- Rufzeichen BLUE AIR: so meldeten sich die Crews im Funk.
Der IATA-Code sorgt beim Notieren oft für Fehler. Das erste Zeichen ist eine Null, kein großes O. IATA vergibt solche Kombinationen aus Ziffer und Buchstabe, seit die reinen Buchstabenpaare knapp geworden sind. Wenn du alte Flugpläne oder Logbuch-Einträge durchsuchst, findest du Blue Air deshalb unter „0B“ und nicht unter „OB“. Wie IATA- und ICAO-Codes grundsätzlich funktionieren, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes.
Archivfotos im Hangar sortieren
Mit Planetrack hältst du Sichtungen mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen fest – auch deine alten Aufnahmen von Blue Air, TAROM oder anderen verschwundenen Airlines bekommen so ihren Platz in der Sammlung. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Geschichte: von Băneasa bis zum Stillstand
Der Start mit gebrauchten 737 (2004–2012)
Blue Air begann im Dezember 2004 mit wenigen gebrauchten Boeing 737 der Classic-Serie. Neben internationalen Strecken gab es anfangs auch Inlandsflüge in Rumänien. Die gab Blue Air aber bald wieder auf: Die Nachfrage war gering, und auf den kurzen Inlandsstrecken war die Konkurrenz durch TAROM und die Staatsbahn CFR stark. Der Fokus lag danach auf Verbindungen zwischen Rumänien und Westeuropa, erst ab 2015 kamen wieder Inlandsflüge dazu.
Ende 2005 bestand die Flotte aus drei Flugzeugen, 2008 waren es sechs. Im selben Jahr kam die erste Boeing 737-800 dazu. Ein Seitenweg war das Turboprop-Experiment: Von 2009 bis 2013 flogen Saab 340 des rumänischen Betreibers Direct Aero Services für Blue Air, 2009 kurzzeitig auch eine bei Carpatair geleaste Saab 2000. Danach war Blue Air wieder eine reine 737-Airline.
Hintergrund des Umzugs von Băneasa nach Otopeni im März 2012: Die Gebühren am Stadtflughafen wurden so stark angehoben, dass der Platz für Linienairlines praktisch geschlossen war.
Neue Eigentümer und Wachstum (2013–2017)
Im Mai 2013 übernahmen vier rumänische Investoren das Unternehmen und brachten rund 30 Millionen Euro frisches Kapital mit. Eine bestehende Bestellung über fünf neue Boeing 737 stornierte Blue Air im selben Jahr. Ab 2015 ging es steil bergauf: Erstmals reisten mehr als zwei Millionen Fluggäste mit Blue Air, und die Airline erzielte einen Gewinn. Im Dezember 2015 bestand sie das IOSA-Sicherheitsaudit der IATA, im Januar 2016 wurde sie Vollmitglied der IATA.
2016 und 2017 wuchs Blue Air besonders schnell. Die Flotte stieg auf 29 Flugzeuge zum Jahresende 2017, die Zahl der Fluggäste auf über fünf Millionen. Neue Basen im Ausland machten die Airline auch für Spotter außerhalb Rumäniens sichtbar: Im März 2017 eröffnete Blue Air eine Basis in Liverpool, im selben Jahr folgten Alghero auf Sardinien und Constanța am Schwarzen Meer. Weitere Auslandsbasen bestanden in Turin und Larnaka. Allerdings: Trotz der Rekordzahlen schrieb die Airline 2016 und 2017 jeweils hohe Verluste.
Air Moldova und erste Rückzüge (2018–2019)
2018 wurde Blue Air in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Blue Air Aviation SA. Im selben Jahr gewann ein Gemeinschaftsunternehmen mit Blue-Air-Beteiligung die Privatisierung der moldauischen Staatsairline Air Moldova; laut rumänischsprachiger Wikipedia zog sich Blue Air 2019 wieder zurück. Eine geplante tschechische Tochter unter dem Namen Blue Air Moravia ging nie an den Start.
Gleichzeitig begann der Rückbau. Die Basis in Liverpool schloss im Februar 2019, Alghero im April 2019. Die Flotte schrumpfte von 29 Flugzeugen Ende 2017 auf 23 Ende 2019 – die Expansion war zu teuer geworden.
Corona, Insolvenzschutz und MAX 8 (2020–2021)
Die Corona-Pandemie traf Blue Air hart. 2020 brach der Umsatz stark ein, die Zahl der Fluggäste fiel auf rund 1,6 Millionen. Im Juli 2020 beantragte Blue Air ein Insolvenzschutzverfahren, um sich mit den Gläubigern zu einigen. Ein staatlich gestützter Kredit über rund 65 Millionen Euro sollte die Liquidität sichern. Die Basen in Larnaka und Iași wurden geschlossen.
Ende 2020 kündigte Blue Air an, die alten 737-300 und -500 durch geleaste 737-800 zu ersetzen. 2021 kamen außerdem fünf Boeing 737 MAX 8 in die Flotte – die modernsten Flugzeuge, die Blue Air je betrieb. Die letzten 737-300 verließen die Flotte im selben Jahr.
Das Ende im September 2022
Am 6. September 2022 stellte Blue Air den gesamten Flugbetrieb ein. Auslöser war die Beschlagnahme der Konten durch die rumänischen Behörden. Vorausgegangen war ein öffentlicher Streit mit der Regierung, in dessen Verlauf ein hochrangiger Vertreter davon abgeraten hatte, Blue-Air-Tickets zu kaufen. Die Konten wurden am 7. September wieder freigegeben, doch die Airline konnte Treibstoff und Dienstleistungen nicht mehr bezahlen und verlängerte die Pause. Am 30. September nahm Blue Air das gesamte Streckennetz aus dem Verkauf. Die fünf 737 MAX 8 holte der Leasinggeber zurück und gab sie an LOT Polish Airlines weiter.
Im November 2022 kündigte der rumänische Staat an, 75 Prozent der Anteile zu übernehmen, weil Blue Air den staatlich gestützten Kredit nicht zurückzahlen konnte. Im Dezember 2022 war die Verstaatlichung abgeschlossen; die Betriebsgenehmigung war zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt, aber nicht entzogen. Medienberichte nannten Schulden von bis zu 250 Millionen Euro. Am 21. März 2023 folgte der Insolvenzantrag. Zurück blieben zwei abgestellte 737-500. Wie Blue Air in die Reihe der großen europäischen Pleiten passt, liest du unter Große Airline-Pleiten in Europa.
2004–2012: Start in Băneasa
Gründung durch Nelu Iordache, gebrauchte 737 Classic, Saab-Episode, 2012 Umzug nach Otopeni.
2013–2017: Wachstum
Neue Eigentümer, IATA-Mitglied, neue Basen wie Liverpool und Alghero, über fünf Millionen Fluggäste.
2018–2021: Rückbau und Krise
Air-Moldova-Abenteuer, geschlossene Auslandsbasen, Corona, Insolvenzschutz und 737 MAX 8.
2022–2023: Das Ende
Kontopfändung und Flugstopp im September 2022, Verstaatlichung, Insolvenzantrag im März 2023.
Das Streckennetz
Blue Air war vor allem eine Airline für die rumänische Diaspora. Die meisten Strecken verbanden Bukarest und rumänische Regionalflughäfen mit Städten in Italien, Spanien, Deutschland, Großbritannien und weiteren Ländern Westeuropas. Laut englischsprachiger Wikipedia standen im September 2022 rund 75 Linienziele in 21 Ländern im Plan. Eine Besonderheit waren Strecken ohne Rumänien-Bezug, etwa Inlandsflüge in Italien oder Verbindungen ab den Auslandsbasen wie Turin.
| Region | Ziele (Auswahl) | Hinweis |
|---|---|---|
| Rumänien | Bukarest-Otopeni, Bacău, Cluj-Napoca, Iași, Constanța | Drehkreuz und Regionalbasen |
| Deutschland | Köln/Bonn, Stuttgart, München, Hamburg, Frankfurt, ab Sommer 2022 Düsseldorf | Köln unter anderem ab Iași, Stuttgart unter anderem ab Sibiu |
| Italien | Turin, Alghero, Rom-Fiumicino | Basis in Turin bis zuletzt, Inlandsflug Alghero–Rom ab 2017 |
| Zypern | Larnaka | Basis bis September 2020 |
| Großbritannien | Liverpool | Basis von März 2017 bis Februar 2019 |
Gerade die deutschen Strecken machten Blue Air hierzulande zu einem regelmäßigen Gast. In Köln/Bonn kannst du alte Blue-Air-Aufnahmen gut von der Besucherterrasse am Flughafen Köln/Bonn einordnen, in Stuttgart von der Besucherterrasse am Flughafen Stuttgart. Wie es an den beiden Flughäfen heute aussieht, zeigen die Guides zu Köln/Bonn und Stuttgart.
Die Flotte: 737 in allen Generationen
Blue Air ist ein schönes Beispiel für eine Airline, an der sich die ganze Entwicklung der Boeing 737 ablesen lässt. Der Großteil der Flotte war gebraucht übernommen und geleast, die MAX 8 waren mit Abstand die jüngsten Flugzeuge. Die Flottengröße schwankte stark: von drei Flugzeugen Ende 2005 über 29 Ende 2017 bis zu zwei abgestellten Maschinen Anfang 2023.
| Typ | Im Einsatz | Generation | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Boeing 737-300 | 2004–2021 | Classic | Erstes Arbeitspferd, eine Maschine in Jubiläumsbemalung |
| Boeing 737-400 | 2006–2020 | Classic | Längere Classic-Version mit mehr Sitzen |
| Boeing 737-500 | bis zuletzt | Classic | Kürzeste Classic, zwei Exemplare blieben bis zur Insolvenz |
| Boeing 737-700 | 2015–2022 | Next Generation | Deutlich seltener als die -800 |
| Boeing 737-800 | 2008–2022 | Next Generation | Rückgrat der späten Flotte, Liverpool-Sonderbemalung |
| Boeing 737 MAX 8 | 2021–2022 | MAX | Fünf Exemplare, nach dem Ende an LOT weitergegeben |
| Saab 340 | 2009–2013 | Turboprop | Betrieben von Direct Aero Services |
| Saab 2000 | 2009 | Turboprop | Kurzzeitig von Carpatair geleast |
Hersteller fast aller Blue-Air-Flugzeuge war Boeing. Nach Angaben der rumänischsprachigen Wikipedia bestand die Flotte im April 2021 aus 20 Boeing-Flugzeugen; im Laufe des Jahres folgten die letzten Ausmusterungen der Classic-Serie.
Die Classic-Serie: 737-300, -400 und -500
Mit der 737-300, der 737-400 und der 737-500 flog Blue Air alle drei wichtigen Versionen der Classic-Serie. Sie unterscheiden sich vor allem in der Rumpflänge: Die -500 ist die kürzeste, die -400 die längste. Gemeinsam haben sie die abgeflachten, ovalen Triebwerkseinläufe der CFM56-3 – das typische Merkmal der Classic-Generation.
Next Generation: 737-700 und 737-800
Die 737-800 war in den späten Jahren das wichtigste Flugzeug der Airline. Seltener war die kürzere 737-700, die Blue Air ab 2015 einsetzte. Beide erkennst du an den runderen Triebwerken und am neu gestalteten Flügel; viele Exemplare trugen nach oben gebogene Winglets.
Die 737 MAX 8: kurzer Auftritt
Die fünf 737 MAX 8 flogen nur rund ein Jahr für Blue Air. Fotos dieser Maschinen in Blue-Air-Farben sind deshalb deutlich seltener als Aufnahmen der älteren 737. Wie du die vier Generationen sicher auseinanderhältst, erklärt Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX unterscheiden.
Ex-Blue-Air-Jets auf der Wunschliste
Manche früheren Blue-Air-Maschinen fliegen heute bei anderen Airlines. Leg Sichtungs-Alarme für ihre Kennzeichen an – Planetrack benachrichtigt dich, wenn eines davon an deinem Flughafen anfliegt oder landet, und auf der Wunschliste behältst du im Blick, welche dir noch fehlen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du Blue Air erkennst
Das sicherste Merkmal ist das Kennzeichen. Blue-Air-Flugzeuge waren in Rumänien registriert und trugen das Präfix YR-, häufig in der Serie YR-B.., etwa die 737-800 YR-BMH. Am Rumpf stand der Name der Airline, die Bemalung war von Blautönen geprägt – passend zum Namen. Grundlagen zum Lesen von Registrierungen findest du unter Flugzeug-Kennzeichen verstehen.
Für Sammler gibt es zwei bekannte Sonderbemalungen. Die 737-800 YR-BMH erhielt 2017 zur Eröffnung der Liverpool-Basis eine eigene Bemalung, und eine 737-300 flog in einer Jubiläumsbemalung zum zehnjährigen Bestehen der Airline. Wie du solche Motive sauber dokumentierst, zeigt Sonderlackierungen sammeln und dokumentieren.
Spricht für Blue Air
- YR-Kennzeichen an einer Boeing 737 mit Low-Cost-Bemalung in Blautönen
- Aufnahme aus Bukarest, Köln/Bonn, Stuttgart, Turin oder Larnaka zwischen 2005 und 2022
- Flugnummer mit 0B oder Tracker-Code BLA
- 737 Classic mit YR-Kennzeichen außerhalb der TAROM-Farben
Spricht dagegen
- Schriftzug „TAROM“ – dann ist es die rumänische Staatsairline
- Airbus mit HA-, 9H- oder G-Kennzeichen in Pink und Lila – dann ist es Wizz Air
- Airbus A320-Familie mit YR-Kennzeichen – Blue Air flog nur Boeing
- Aufnahme nach September 2022 – dann trägt die Maschine bereits eine andere Bemalung oder steht abgestellt
Ex-Blue-Air-Maschinen aufspüren
Nach dem Ende wechselten Blue-Air-Flugzeuge zu neuen Betreibern und neuen Kennzeichen. Über die Seriennummer findest du sie wieder. Wie das funktioniert, erklären Umregistrierungen und Flugzeugleasing.
Blue Air im rumänischen Markt
Blue Air war nie allein. Die Staatsairline TAROM flog parallel als Netzwerk-Airline ab Bukarest, und Wizz Air baute in Rumänien mehrere große Basen auf. Gerade dieser Wettbewerb machte Blue Air das Leben schwer: Wizz Air flog mit neueren Airbus-Flugzeugen und niedrigeren Kosten oft dieselben Diaspora-Strecken. Inzwischen sind auch jüngere rumänische Airlines wie HiSky und AnimaWings am Markt. Wie das Low-Cost-Modell grundsätzlich funktioniert und warum es so anfällig für Krisen ist, erklärt Wie Billigflieger funktionieren.
Als Codeshare-Partner tauchten unter anderem Blue Panorama aus Italien und Georgian Airways auf, ab Ende 2018 bestand zudem ein Codeshare mit Cyprus Airways. Eine Allianzmitgliedschaft hatte Blue Air nie.
Gute Chancen auf Blue-Air-Material, wenn …
- du Fotoarchive aus Köln/Bonn, Stuttgart, München oder Hamburg aus den Jahren 2005 bis 2022 durchsuchst
- du in Turin, Larnaka oder Rom gespottet hast
- du nach Ex-Blue-Air-737 suchst, die heute bei anderen Betreibern fliegen
Keine Chance, wenn …
- du Blue Air live am Zaun erwischen willst – der Flugbetrieb endete im September 2022
Häufige Verwechslungen
- 0B als OB notieren – das erste Zeichen des IATA-Codes ist eine Null.
- Blue Air mit Blue Panorama verwechseln – Blue Panorama ist eine italienische Airline und war nur Codeshare-Partner.
- Jede YR-737 für Blue Air halten – auch TAROM flog Boeing 737 mit rumänischem Kennzeichen. Schriftzug und Bemalung entscheiden.
- Blue Air für eine Wizz-Air-Tochter halten – beide waren unabhängige Konkurrenten im rumänischen Markt.
- Classic und Next Generation verwechseln – bei Blue Air flogen beide Generationen gleichzeitig; Triebwerksform und Flügel geben den Ausschlag.
Archivfunde mit der Community teilen
Poste deine Fotos von Blue-Air-Jets mit Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen, tausch dich mit anderen Fans der osteuropäischen Luftfahrt aus und behalte deine Sammlung im Hangar im Blick. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Blue Air steht für eine typische Low-Cost-Geschichte der 2000er- und 2010er-Jahre: ein Start mit gebrauchten Boeing 737, rasantes Wachstum auf den Strecken der rumänischen Diaspora, mutige Auslandsbasen – und dann eine Spirale aus Verlusten, Pandemie und Streit mit dem Staat. Der abrupte Stopp im September 2022 beendete knapp 18 Jahre Flugbetrieb. Für Spotter bleibt eine Airline, an deren Flotte sich die Geschichte der 737 vom Classic bis zur MAX nachvollziehen lässt.
Kurzfazit
Blue Air (IATA 0B, ICAO BLA) war eine historische rumänische Low-Cost-Airline mit Drehkreuz Bukarest. Sie flog von 2004 bis 2022 fast ausschließlich Boeing 737 und stellte am 6. September 2022 den Betrieb ein; 2023 folgte die Insolvenz.
Zusammenfassung
- Blue Air baute ab 2004 mit gebrauchten Boeing 737 ein günstiges Netz ab Rumänien auf, vor allem zu den großen rumänischen Gemeinschaften in Italien, Spanien, Deutschland und Großbritannien.
- Nach starkem Wachstum ab 2015 schrieb die Airline ab 2016 hohe Verluste, rettete sich 2020 in ein Insolvenzschutzverfahren und erhielt einen staatlich gestützten Kredit.
- Im September 2022 eskalierte der Streit mit dem Staat: Konten wurden beschlagnahmt, alle Flüge fielen aus, Ende 2022 übernahm der Staat 75 Prozent der Anteile, im März 2023 folgte der Insolvenzantrag.
- Spotter erkennen Blue Air auf Archivfotos am YR-Kennzeichen, am Namen „Blue Air“ und an der reinen 737-Flotte, die vom Classic bis zur MAX reichte.
Häufige Fragen
Gibt es Blue Air heute noch?
Nein. Blue Air hat den Flugbetrieb am 6. September 2022 eingestellt und danach nicht wieder aufgenommen. Ende 2022 wurde die Airline verstaatlicht, die Betriebsgenehmigung war ausgesetzt. Am 21. März 2023 folgte der Insolvenzantrag.
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Blue Air?
Blue Air flog unter dem IATA-Code 0B – mit einer Null vorn, nicht dem Buchstaben O – und dem ICAO-Code BLA. Im Funk meldeten sich die Crews mit dem Rufzeichen „BLUE AIR“.
Welche Flugzeuge flog Blue Air?
Fast nur Boeing 737. Zur Flotte gehörten über die Jahre 737-300, 737-400 und 737-500 der Classic-Serie, 737-700 und 737-800 der Next Generation sowie ab 2021 fünf 737 MAX 8. Zwischen 2009 und 2013 flogen zusätzlich Saab-340-Turboprops für Blue Air, 2009 kurzzeitig auch eine geleaste Saab 2000.
Warum hat Blue Air den Betrieb eingestellt?
Blue Air schrieb ab 2016 mehrere Jahre hohe Verluste, die Corona-Krise verschärfte die Lage. 2020 ging die Airline in ein Insolvenzschutzverfahren und erhielt einen staatlich gestützten Kredit. Im September 2022 beschlagnahmten die rumänischen Behörden ihre Konten, nachdem es zuvor einen öffentlichen Streit mit der Regierung gegeben hatte. Blue Air stoppte daraufhin alle Flüge und konnte Treibstoff und Dienstleistungen danach nicht mehr bezahlen.
Wo hatte Blue Air ihre Basen?
Das Drehkreuz lag in Bukarest, bis 2012 am Stadtflughafen Băneasa, danach am Flughafen Henri Coandă in Otopeni. Weitere Basen hatte Blue Air unter anderem in Bacău, Cluj-Napoca, Iași und Constanța sowie im Ausland in Turin, Larnaka, Liverpool und Alghero. Mehrere Auslandsbasen wurden schon vor 2022 wieder geschlossen.
Flog Blue Air nach Deutschland?
Ja. Zu den deutschen Zielen gehörten unter anderem Köln/Bonn, Stuttgart, München, Hamburg und Frankfurt, im Sommer 2022 kam Düsseldorf hinzu. Die Strecken verbanden vor allem rumänische Städte mit Deutschland, wo viele Menschen mit rumänischen Wurzeln leben.
Was hatte Blue Air mit Air Moldova zu tun?
Ein Gemeinschaftsunternehmen mit Blue-Air-Beteiligung gewann 2018 die Privatisierung der moldauischen Staatsairline Air Moldova. Laut rumänischsprachiger Wikipedia zog sich Blue Air 2019 aus dem Engagement wieder zurück.
War Blue Air in einer Allianz?
Nein. Blue Air gehörte keiner der drei großen Allianzen an. Die Airline war seit 2016 Vollmitglied der IATA und hatte einzelne Codeshare-Abkommen, unter anderem mit Air Moldova, Blue Panorama und Georgian Airways.
Blue Air im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Boeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypBoeing 737-400
Drei Meter länger als die -300, zwei Notausgänge über dem Flügel und ein Hecksporn unter dem Heck: Die 737-400 war Boeings Antwort auf volle Ferienflieger. Hier liest du, wie sie entstand, wer sie in Europa flog und wo du sie heute als Frachter triffst.
FlugzeugtypBoeing 737-500
Klein, kompakt und mit den typischen platten Triebwerkseinlässen: Die 737-500 war die kürzeste 737 Classic und der moderne Ersatz für die 737-200. Hier liest du, wer sie flog, wo sie heute noch unterwegs ist und wie du sie von -300 und -600 trennst.
FlugzeugtypBoeing 737-700
Kurz, stämmig und seit 1997 in der Luft: Die 737-700 ist die kompakte Next-Generation-737. Sie wird seltener – so erkennst du sie und weißt, wo du sie noch findest.
FlugzeugtypBoeing 737-800
Das Arbeitspferd der Kurz- und Mittelstrecke: Die 737-800 ist die meistgebaute Version der 737 Next Generation und an vielen Flughäfen Europas ein Dauergast.
FlugzeugtypBoeing 737 MAX 8
Große LEAP-Triebwerke mit gezackten Gondelkanten, gegabelte Flügelspitzen und ein neu geformtes Heck: Die 737 MAX 8 ist die vierte Generation von Boeings Bestseller. So trennst du sie sicher von der 737-800.
FlugzeugtypSaab 340
Tiefdecker, zwei Vierblatt-Propeller, ein ganz normales Leitwerk und ein kurzer, rundlicher Rumpf: Der Saab 340 ist der schwedische Klassiker unter den Regional-Turboprops. So erkennst du ihn und weißt, wo er heute noch fliegt.
FlugzeugtypSaab 2000
Tief angesetzte Flügel, sechsblättrige Propeller und ein Rumpf, der für einen Turboprop ungewöhnlich lang wirkt: Der Saab 2000 war Schwedens schneller Regionalflieger. So erkennst du ihn und findest die letzten Exemplare.
Weitere Airlines
TAROM
Rumäniens staatliche Airline mit der Schwalbe am Leitwerk: einst Il-62, Boeing 707 und in Lizenz gebaute One-Eleven, heute eine kleine Flotte aus Boeing 737 und ATR 72 mit Drehkreuz Bukarest.
Low-CostWizz Air
Ungarns Low-Cost-Airline aus Budapest: reine Airbus-Flotte mit Schwerpunkt A321neo, drei Gesellschaften mit HA-, 9H- und G-Kennzeichen und ein Netz, das von Mittel- und Osteuropa bis in den Nahen Osten reicht.
NetzwerkHiSky
Junge Airline-Gruppe mit Wurzeln in Chișinău und Sitz der EU-Gesellschaft in Bukarest: kleine Airbus-Flotte, Langstrecke nach New York mit einem A330-200 und zwei Gesellschaften mit eigenen Codes.
NetzwerkAnimaWings
Junge rumänische Airline aus Otopeni, die mit Airbus A320 im Charter begann, ab Ende 2024 fabrikneue A220-300 übernahm und im September 2026 Insolvenz beantragte.
NetzwerkLOT Polish Airlines
Polens Netzwerk-Airline mit Drehkreuz Warschau: gegründet 1928, seit 2003 in der Star Alliance, erster Dreamliner-Betreiber Europas – und vor dem Wechsel von Embraer auf Airbus A220.
FerienfliegerBlue Panorama Airlines
Historische italienische Charter- und Ferienairline aus Fiumicino: Boeing 737 auf der Mittelstrecke, Boeing 767-300ER in die Karibik, die Low-Cost-Marke Blu-express – und ein Ende im Oktober 2021.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Bukarest Henri Coandă
Rumäniens größter Flughafen, im Alltag schlicht Otopeni: zwei parallele 3.500-Meter-Pisten, Heimat von TAROM und HiSky, starke Basen von Wizz Air und Ryanair – und nebenan eine Transportfliegerbasis der rumänischen Luftstreitkräfte.
HerstellerBoeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
FlughafenFlughafen Larnaka
Zyperns wichtigstes Tor zur Welt: eine knapp 3.000 Meter lange Bahn zwischen Salzsee und Mittelmeer, rund um die Uhr geöffnet, mit einem bunten Mix aus Low-Cost-Jets, Ferienfliegern, Airlines aus Nahost und der neu gegründeten Cyprus Airways.
FlughafenFlughafen Köln/Bonn
Tagsüber Eurowings und Ferienflieger, abends die Frachter von UPS und FedEx, im Westen die Regierungsjets der Flugbereitschaft: Köln/Bonn ist kein Drehkreuz für Passagiere, aber einer der abwechslungsreichsten Flughäfen Deutschlands – mit Bahnhof unter den Terminals und kostenloser Dachterrasse.
Wo du Blue Air vor die Linse bekommst
Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Besucherterrasse am Flughafen Köln/Bonn
Die Dachterrasse auf Terminal 1 ist der bequemste legale Standpunkt am Flughafen Köln/Bonn: kostenlos, ohne Sicherheitskontrolle, mit dem Zug direkt erreichbar – und mit Blick auf Vorfeld, Hauptpiste und den militärischen Teil des Platzes.
BesucherterrasseBesucherterrasse Flughafen Stuttgart
Kostenlos, mitten im Terminal und mit Blick auf das Vorfeld und das westliche Ende der einzigen Piste: Die Besucherterrasse auf dem Dach von Terminal 3 ist der einfachste Einstieg ins Planespotting auf den Fildern – am besten an Sommerabenden.
AnflugschneiseMackenzie Beach am Flughafen Larnaka
Strandliege, Kaffee und alle paar Minuten ein Jet im Endanflug: Am Mackenzie Beach in Larnaka ziehen die Landungen auf die Piste 22 tief über die Küste. Wo du stehst, wann das Licht passt und was du auf Zyperns größtem Flughafen zu sehen bekommst.
Passende Guides aus dem Blog
- Große Airline-Pleiten in Europa: Von Swissair bis Alitalia
- Wie Billigflieger funktionieren: Kosten, Einheitsflotte und Zusatzerlöse
- Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX sicher unterscheiden
- IATA- und ICAO-Codes erklärt: Flughäfen, Airlines und Flugzeugtypen entschlüsseln
- Flugzeug-Kennzeichen verstehen: So liest du jede Registrierung
- Flugzeugleasing erklärt: Dry Lease, Sale-and-Lease-back und die großen Leasinggesellschaften
- Umregistrierung: Warum Flugzeuge neue Kennzeichen bekommen
- Sonderlackierungen sammeln und dokumentieren: Listen, Varianten und Verbleib
- Planespotting in Köln/Bonn: Frachtverkehr, Nachtflüge und die besten Spots
- Planespotting in Stuttgart: Spots, Licht und Verkehr auf den Fildern



