Das Wichtigste in Kürze
- Die Kabine ist kein Meereshöhen-Raum: Verkehrsflugzeuge müssen im Normalbetrieb eine Kabinenhöhe von höchstens 8.000 Fuß (rund 2.440 Meter) halten. Der Luftdruck liegt dann bei etwa drei Vierteln des Werts auf Meereshöhe.
- Kabinenhöhe ist ein Druckwert: Sie beschreibt, auf welcher Höhe der Standardatmosphäre derselbe Luftdruck herrscht wie in der Kabine – nicht, wie hoch das Flugzeug fliegt.
- Der Sinkflug ist der kritische Teil: Beim Steigen entweicht Luft aus dem Mittelohr fast von selbst. Beim Sinken muss die Ohrtrompete aktiv geöffnet werden, sonst entsteht Unterdruck hinter dem Trommelfell.
- Schlucken, Gähnen, Kauen helfen: Jede Bewegung, die die Ohrtrompete öffnet, gleicht den Druck aus. Wer im Landeanflug schläft, verpasst diese Momente leicht.
- Neuere Jets fliegen mit niedrigerer Kabinenhöhe: Boeing gibt für die 787 rund 6.000 Fuß an, also 2.000 Fuß weniger als bei vielen älteren Mustern.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Kabinendruck: die kurze Antwort
- 2.Was die Kabinenhöhe eigentlich ist
- 3.Wie die Druckkabine funktioniert
- 4.Der Druckverlauf während eines Flugs
- 5.Warum es auf die Ohren drückt
- 6.Was gegen Druck auf den Ohren hilft
- 7.Kabinendruck und Gesundheit: was sonst noch wichtig ist
- 8.Wenn der Kabinendruck abfällt
- 9.Für Spotter auf Reisen
- 10.Fazit
Der Flieger leitet den Sinkflug ein, und plötzlich fühlt sich ein Ohr an wie in Watte gepackt. Bei manchen bleibt es bei einem leichten Druck, andere sitzen mit stechenden Schmerzen in der Reihe. Hinter dem Phänomen steckt der Kabinendruck – und ein winziger Kanal im Kopf, der mit dem Druckwechsel nicht immer mithält. Dieser Artikel erklärt, was die Kabinenhöhe ist, wie die Druckkabine eines Verkehrsflugzeugs arbeitet, warum gerade die Landung auf die Ohren geht und was du konkret dagegen tun kannst.
Jeder Flug ist auch eine Sichtung
Mit Planetrack hältst du fest, in welchem Flugzeugtyp, mit welchem Kennzeichen und mit welcher Airline du unterwegs warst – samt Foto aus dem Fenster. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Kabinendruck: die kurze Antwort
Ein Verkehrsjet im Reiseflug bewegt sich in Höhen, in denen der Mensch ohne Hilfe nach kurzer Zeit das Bewusstsein verlieren würde. Deshalb wird der Rumpf unter Druck gesetzt – allerdings nicht auf Meereshöhen-Niveau. Die US-Zulassungsvorschrift für große Verkehrsflugzeuge (14 CFR § 25.841) verlangt, dass die Kabine im Normalbetrieb eine Kabinenhöhe von höchstens 8.000 Fuß hält, also rund 2.440 Metern. Warum Jets überhaupt so hoch steigen, erklärt der Artikel Warum Flugzeuge in rund 10.000 Metern fliegen. Die europäische Bauvorschrift für Großflugzeuge ist an dieser Stelle gleich aufgebaut.
Du sitzt im Reiseflug also sinngemäß auf einem Berg. Der Luftdruck liegt dann laut Standardatmosphäre bei rund 750 Hektopascal statt etwa 1.013 auf Meereshöhe. Gesunde Menschen merken davon im Alltag wenig. Die Ohren merken aber sehr wohl, dass dieser Druck beim Steigen sinkt und beim Sinken wieder steigt.
Was die Kabinenhöhe eigentlich ist
Der Begriff führt oft in die Irre. Die Kabinenhöhe (englisch cabin altitude oder cabin pressure altitude) ist keine Höhe, die irgendwo gemessen wird, sondern ein umgerechneter Druckwert: Sie gibt an, auf welcher Höhe in der internationalen Standardatmosphäre derselbe Luftdruck herrscht wie gerade in der Kabine.
Ein Beispiel: Der Jet fliegt in 38.000 Fuß. Draußen herrscht ein Luftdruck von nur rund 200 Hektopascal, also etwa einem Fünftel des Meereshöhen-Werts. Drinnen hält die Druckkabine rund 750 Hektopascal. Das entspricht 8.000 Fuß – die Kabinenhöhe beträgt also 8.000 Fuß, während das Flugzeug 30.000 Fuß höher unterwegs ist. Die Differenz zwischen Innen- und Außendruck muss der Rumpf aushalten, bei jedem einzelnen Flug.
| Höhe (Standardatmosphäre) | Höhe in Metern | Luftdruck grob | Anteil am Meereshöhen-Druck |
|---|---|---|---|
| Meereshöhe | 0 m | 1.013 hPa | 100 % |
| 6.000 ft | ≈ 1.830 m | ≈ 812 hPa | ≈ 80 % |
| 8.000 ft | ≈ 2.440 m | ≈ 753 hPa | ≈ 74 % |
| 10.000 ft | ≈ 3.050 m | ≈ 697 hPa | ≈ 69 % |
| 15.000 ft | ≈ 4.570 m | ≈ 572 hPa | ≈ 56 % |
| 38.000 ft (Reiseflug) | ≈ 11.580 m | ≈ 206 hPa | ≈ 20 % |
Die Werte sind mit der Standardatmosphäre gerechnet und gerundet. Das echte Wetter verschiebt den Außendruck um einige Hektopascal, am Prinzip ändert das nichts.
Welcher Luftdruck herrscht bei deiner Kabinenhöhe?
Barometrische Höhenformel der Standardatmosphäre, gültig bis etwa 11.000 Meter. Echte Wetterlagen weichen um einige Hektopascal ab.
Wie die Druckkabine funktioniert
Das Prinzip ist simpler, als man denkt. Der Rumpf ist ein weitgehend dichter Druckbehälter, vorne und hinten von Druckschotten abgeschlossen. In diesen Behälter wird laufend Luft gepumpt. Bei den meisten Verkehrsjets ist das verdichtete Luft aus den Triebwerken, die vor dem Einleiten gekühlt und aufbereitet wird. Wie diese Luft zusammengesetzt ist und gefiltert wird, beschreibt der Artikel Kabinenluft erklärt.
Geregelt wird der Druck nicht über die Zufuhr, sondern über den Abfluss. Am Rumpf sitzt mindestens ein Auslassventil (outflow valve), das die Kabinendruckregelung mehr oder weniger weit öffnet. Ist es weiter offen, entweicht mehr Luft und der Kabinendruck sinkt. Schließt es sich, steigt der Druck. So lässt sich die Kabinenhöhe im Steigflug sanft anheben und im Sinkflug wieder absenken, statt sie abrupt mit der Flughöhe springen zu lassen.
Spotter-Blick: das Auslassventil
Bei vielen Mustern ist das Auslassventil als kleine Klappe am Rumpf von außen zu erkennen, oft im hinteren Bereich – achte beim nächsten Rollbild einmal darauf. Ob und wie weit es offen steht, hängt von der Flugphase ab. Für die Typenbestimmung taugt es kaum, für ein Detailbild aber durchaus.
Warum nicht einfach Meereshöhe?
Weil jeder Druckunterschied den Rumpf belastet. Je höher der Innendruck im Reiseflug, desto größer die Differenz zum dünnen Außendruck und desto stabiler – und schwerer – muss die Struktur gebaut sein. Jeder Flug ist zudem ein vollständiger Lastwechsel: aufpumpen, halten, ablassen. Wie gefährlich das unterschätzt werden kann, zeigte in den 1950er Jahren die De Havilland Comet (Typenporträt: DH.106 Comet), deren Unfälle wesentlich auf Materialermüdung durch die wiederholten Druckzyklen zurückgeführt wurden. Die Kabinenhöhe von bis zu 8.000 Fuß ist ein Kompromiss zwischen Passagierkomfort und Strukturgewicht.
Dass dieser Kompromiss verschiebbar ist, zeigen neuere Muster. Boeing gibt für die Boeing 787-9 und ihre Schwestern eine Kabinenhöhe von rund 6.000 Fuß an – laut Hersteller möglich gemacht durch den Rumpf aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Auch für die Boeing 777-9 hat Boeing die niedrigere Kabinenhöhe – also den höheren Kabinendruck – aus dem Dreamliner-Programm übernommen. Im Businessjet-Segment wird mit der Kabinenhöhe sogar offen geworben: Bombardier nennt für die Challenger 3500 4.850 Fuß bei 41.000 Fuß Flughöhe.
Ein Stück Geschichte
Die Idee ist älter als der Düsenjet. Als erstes Verkehrsflugzeug mit Druckkabine im Liniendienst gilt die Boeing 307 Stratoliner, die Ende 1938 zum Erstflug abhob und 1940 in Dienst ging. Sie konnte über einem Großteil des Wetters fliegen, ihre Kabinenhöhe lag allerdings noch deutlich über den Werten heutiger Jets. Seitdem ist die Druckkabine Standard bei allem, was regelmäßig in große Höhen steigt.
Der Druckverlauf während eines Flugs
Für deine Ohren ist nicht die absolute Kabinenhöhe entscheidend, sondern die Veränderung. Ein typischer Flug läuft in vier Phasen ab:
1. Am Boden
Die Kabine hat den Druck des Abflughafens. Liegt der Flughafen hoch, ist er von Anfang an niedriger als auf Meereshöhe.
2. Steigflug
Mit der Flughöhe steigt auch die Kabinenhöhe – aber langsamer. Der Druck in der Kabine sinkt schrittweise, bis der Reiseflug-Wert erreicht ist.
3. Reiseflug
Die Kabinenhöhe bleibt weitgehend konstant. Für die Ohren ist das die ruhigste Phase des Flugs.
4. Sinkflug und Landung
Die Druckregelung bringt die Kabine Stück für Stück auf den Druck am Zielflughafen. Der Kabinendruck steigt jetzt – und genau hier haben die meisten Menschen Probleme.
Ein schöner Beleg für die Physik dahinter: Eine Plastikflasche, die du im Reiseflug zuschraubst, ist nach der Landung eingedrückt. Sie hat die dünnere Kabinenluft eingeschlossen, und der höhere Druck am Boden presst sie zusammen. Mit Chipstüten passiert umgekehrt dasselbe – zugeklebt am Boden, prall gefüllt im Reiseflug.
Warum es auf die Ohren drückt
Zwischen Trommelfell und Innenohr liegt das Mittelohr, ein kleiner, luftgefüllter Hohlraum. Mit dem Nasen-Rachen-Raum ist es über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) verbunden. Dieser Kanal ist im Ruhezustand geschlossen und öffnet sich kurz, wenn du schluckst oder gähnst. Nur dann kann Luft ein- oder ausströmen und den Druck im Mittelohr an die Umgebung anpassen.
Beim Steigflug sinkt der Kabinendruck. Die Luft im Mittelohr hat nun mehr Druck als die Umgebung, dehnt sich aus und drückt die Ohrtrompete von innen auf. Der Ausgleich passiert meist von selbst, oft mit einem leisen Knacken.
Beim Sinkflug ist es umgekehrt. Der Kabinendruck steigt, im Mittelohr bleibt der niedrigere Druck zurück. Das Trommelfell wird nach innen gezogen, und die Ohrtrompete öffnet sich nicht passiv – sie muss aktiv durch Schlucken oder Gähnen geöffnet werden. Gelingt das nicht, entsteht ein spürbares Druckgefühl, später Schmerz. Medizinisch spricht man bei einer solchen druckbedingten Schädigung vom Barotrauma des Ohrs.
Typische Beschwerden sind laut der US-Gesundheitsbibliothek MedlinePlus ein Völlegefühl im Ohr, Schmerzen, leicht gedämpftes Hören und manchmal Schwindel. In den allermeisten Fällen ist die Hörminderung vorübergehend und verschwindet von selbst. Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt als seltene ernstere Folgen ein verletztes Trommelfell, anhaltenden Hörverlust oder Ohrgeräusche.
Wer besonders betroffen ist
Alles, was die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum anschwellen lässt, macht den Druckausgleich schwerer: Erkältung, Nasennebenhöhlenentzündung, allergischer Schnupfen. Auch Kinder haben es schwerer, weil ihre Ohrtrompete enger ist und sie den Druckausgleich nicht bewusst steuern können. Und wer im Landeanflug tief schläft, schluckt seltener – MedlinePlus rät deshalb ausdrücklich, während des Sinkflugs nicht zu schlafen.
Was gegen Druck auf den Ohren hilft
Die gute Nachricht: Für die meisten Menschen reichen einfache Mittel. Der wichtigste Trick ist das Timing – fang schon an, wenn das Flugzeug den Sinkflug beginnt, nicht erst, wenn es bereits wehtut. Ein häufiger Hinweis ist die Durchsage der Crew, dass der Landeanflug beginnt, oder das hörbar leiser werdende Triebwerksgeräusch.
Immer gut, wenn …
- du oft schluckst, gähnst, einen Schluck trinkst oder Kaugummi kaust
- du Bonbons lutschst – das regt das Schlucken an
- du während des Sinkflugs wach bleibst
Vorsichtig einsetzen, wenn …
- du den Druck aktiv ausgleichen willst: einatmen, Mund schließen, Nase zuhalten und sanft gegen den Widerstand ausatmen
- du abschwellende Nasensprays nutzen möchtest – Anwendung vorher in der Apotheke oder ärztlich abklären
Lieber nicht, wenn …
- du mit Gewalt pressen müsstest – zu starker Druck kann das Ohr zusätzlich belasten
- du mit akuter Ohren- oder Nebenhöhlenentzündung fliegen würdest und der Flug verschiebbar ist
Das aktive Druckausgleichsmanöver kennen viele vom Tauchen. Wichtig ist das Wort sanft: Es geht darum, die Ohrtrompete kurz aufzudrücken, nicht darum, mit maximaler Kraft Luft ins Ohr zu pressen. Klappt es nicht, hilft oft eine Kombination: schlucken, während du die Nase zuhältst, und danach normal weiteratmen.
Mit Babys und Kindern fliegen
Säuglinge können nicht bewusst schlucken, um den Druck auszugleichen – aber sie tun es beim Trinken. Die CDC empfiehlt, Babys während des Flugs stillen oder an der Flasche trinken zu lassen. Am meisten bringt das im Sinkflug. Ältere Kinder können Kaugummi kauen oder etwas trinken. Bei Medikamenten ist die CDC deutlich: Antihistaminika und abschwellende Mittel sind für Kinder in diesem Zusammenhang nicht als wirksam belegt, und US-Fachgesellschaften raten bei kleinen Kindern ausdrücklich davon ab. Wer mit Kindern auf Spotting-Tour geht, findet weitere Tipps im Artikel Planespotting mit Kindern.
Wann du ärztlichen Rat brauchst
Halten Schmerzen, Druckgefühl oder Hörminderung nach dem Flug länger als ein paar Stunden an, sind sie stark oder kommen Schwindel, Ausfluss oder Blut aus dem Ohr dazu, lass das ärztlich abklären. Das gilt auch, wenn du mit einer akuten Erkältung oder Ohrenentzündung fliegen musst – dann am besten schon vor dem Flug.
Kabinendruck und Gesundheit: was sonst noch wichtig ist
Für gesunde Reisende ist der niedrigere Kabinendruck meist unproblematisch. Laut CDC kann er bei Menschen mit bestimmten Herz-, Lungen- oder Blutkrankheiten Beschwerden verstärken, weil im Blut weniger Sauerstoff ankommt. Wer betroffen ist, klärt die Flugtauglichkeit vor der Reise ärztlich. Benötigt jemand an Bord zusätzlichen Sauerstoff, muss das in der Regel vorab mit der Airline geregelt werden.
Hinzu kommt die trockene Kabinenluft, die die CDC mit etwa 10 bis 20 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit angibt. Trockene Schleimhäute machen auch den Druckausgleich nicht leichter – regelmäßig trinken hilft doppelt. Über lange Strecken spielen außerdem Zeitverschiebung und Schlafrhythmus mit, Tipps dazu stehen im Artikel Jetlag vermeiden.
Tauchen und Fliegen
Wer im Urlaub taucht, muss den Kabinendruck mitdenken. Der Tauchmedizin-Verband Divers Alert Network (DAN) empfiehlt nach einem einzelnen Tauchgang ohne Dekompressionspflicht mindestens 12 Stunden Pause bis zum Flug, nach mehreren Tauchgängen an einem Tag oder mehreren Tauchtagen mindestens 18 Stunden. Nach Dekompressionstauchgängen ist eine noch deutlich längere Pause angeraten. Hintergrund: Der niedrigere Kabinendruck kann im Körper gelösten Stickstoff ausperlen lassen.
Wenn der Kabinendruck abfällt
Ein plötzlicher Druckverlust ist selten, aber genau dafür gibt es die gelben Masken. Die US-Zulassungsvorschrift verlangt, dass die Cockpitcrew gewarnt wird, sobald die Kabinenhöhe 10.000 Fuß überschreitet. Bei Flugzeugen, die oberhalb von 30.000 Fuß fliegen dürfen, müssen die Sauerstoffmasken für die Passagiere automatisch herausfallen, bevor 15.000 Fuß Kabinenhöhe erreicht sind. Die Crew kann in so einem Fall auch einen Notfallcode setzen (mehr dazu unter Squawk-Codes 7500, 7600 und 7700) und leitet einen zügigen Sinkflug in eine Höhe ein, in der wieder ohne Zusatzsauerstoff geatmet werden kann.
Für dich gilt: Maske sofort aufsetzen, erst dann anderen helfen. Die Sicherheitseinweisung vor jedem Flug erklärt das nicht ohne Grund so ausführlich – in großer Höhe bleibt nur wenig Zeit, in der man klar handeln kann. Wer bei solchen Gedanken nervös wird, findet im Artikel Flugangst verstehen und überwinden hilfreiche Einordnung. Auch die Frage, warum es manchmal ruckelt, beantwortet ein eigener Artikel: Turbulenzen erklärt.
Für Spotter auf Reisen
Wer Spotting-Trips mit dem Flugzeug macht, sitzt öfter im Landeanflug als die meisten Passagiere – und will dabei meist aus dem Fenster fotografieren statt mit Ohrenschmerzen zu kämpfen. Ein paar Gewohnheiten helfen:
- Getränk griffbereit halten. Eine Flasche Wasser vor dem Sinkflug in der Sitztasche spart Sucherei, wenn die Kamera schon in der Hand ist.
- Kaugummi statt Pause. Kauen läuft nebenbei, während du durch den Sucher schaust. Den richtigen Platz für Bilder im Anflug findest du mit dem Guide Den besten Fensterplatz für Fotos wählen, Technik-Tipps gibt es unter Aus dem Flugzeugfenster fotografieren.
- Erkältet? Plan B prüfen. Wenn der Trip verschiebbar ist, ist das bei verstopfter Nase oft die bessere Idee – das gilt auch für die Rückreise.
- Neue Muster bewusst buchen. Wer die Wahl hat, merkt den Unterschied zwischen einem älteren Mittelstreckenjet und einem Dreamliner oder Airbus A350-900 auf Langstrecke durchaus – nicht nur an den Ohren, sondern am allgemeinen Befinden nach dem Flug.
Mehr zur Vorbereitung längerer Touren findest du unter Spotting-Trip planen.
Bist du für den Landeanflug vorbereitet?
- Ich habe etwas zu trinken oder Kaugummi griffbereit.
- Ich bleibe während des Sinkflugs wach.
- Ich fange mit Schlucken und Gähnen an, bevor es drückt.
- Ich kenne das sanfte Druckausgleichsmanöver mit zugehaltener Nase.
- Ich weiß, ob meine Nase frei ist oder ob ich vorher in der Apotheke nachfrage.
- Bei Kindern: Trinken oder Stillen ist für den Sinkflug eingeplant.
Deine Flüge im eigenen Hangar
Sammle mit Planetrack jeden Flugzeugtyp, mit dem du geflogen bist oder den du gespottet hast, im Hangar und setz fehlende Muster auf deine Wunschliste. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Die Kabine eines Verkehrsflugzeugs ist ein kontrollierter Kompromiss: genug Druck, damit du bequem atmen kannst, aber nicht so viel, dass der Rumpf unnötig schwer werden müsste. Bis zu 8.000 Fuß Kabinenhöhe sind zulässig, neuere Muster bleiben darunter. Für deine Ohren zählt vor allem der Sinkflug, weil sich die Ohrtrompete dann nicht von selbst öffnet. Wer rechtzeitig schluckt, gähnt, kaut oder sanft ausgleicht und im Anflug wach bleibt, kommt in den allermeisten Fällen beschwerdefrei am Boden an.
Kurzfazit
Kabinenhöhe ist ein Druckwert, kein Höhenmesser: Im Reiseflug sitzt du sinngemäß auf rund 1.800 bis 2.400 Metern. Ohrendruck entsteht vor allem beim Sinken – fang früh mit Schlucken, Gähnen oder Kauen an, bleib wach und flieg mit verstopfter Nase nur, wenn es sein muss.
Zusammenfassung
- Die Druckkabine pumpt Luft in den Rumpf und lässt sie über ein Auslassventil kontrolliert wieder ab. Über dessen Öffnung regelt das System den Kabinendruck.
- Die Zulassungsvorschriften verlangen eine Kabinenhöhe von höchstens 8.000 Fuß im Normalbetrieb und eine Warnung an die Crew, sobald 10.000 Fuß überschritten werden.
- Ohrendruck entsteht, wenn der Druck im Mittelohr nicht mit der Kabine Schritt hält. Erkältung, Allergien und verstopfte Nase machen den Ausgleich schwerer.
- Halten Schmerzen, Druckgefühl oder Hörminderung nach dem Flug länger als einige Stunden an oder sind sie stark, gehört das ärztlich abgeklärt.
Häufige Fragen
Was bedeutet Kabinenhöhe?
Die Kabinenhöhe gibt an, welcher Höhe in der Standardatmosphäre der Luftdruck in der Kabine entspricht. Fliegt ein Jet in 38.000 Fuß und die Kabinenhöhe beträgt 8.000 Fuß, dann herrscht in der Kabine ein Druck wie auf rund 2.440 Metern über dem Meer – nicht wie draußen in über elf Kilometern Höhe.
Wie hoch ist der Kabinendruck im Flugzeug?
Im Reiseflug liegt die Kabinenhöhe bei Verkehrsflugzeugen typischerweise zwischen 6.000 und 8.000 Fuß. Das entspricht nach Standardatmosphäre etwa 810 bis 750 Hektopascal, verglichen mit rund 1.013 Hektopascal auf Meereshöhe. Die US-Zulassungsvorschrift für große Verkehrsflugzeuge legt 8.000 Fuß als Obergrenze für den Normalbetrieb fest.
Warum tun die Ohren beim Landen mehr weh als beim Start?
Beim Steigen sinkt der Kabinendruck, die Luft im Mittelohr dehnt sich aus und drückt die Ohrtrompete von innen auf – der Ausgleich passiert fast automatisch. Beim Sinken steigt der Druck in der Kabine wieder. Jetzt entsteht im Mittelohr ein Unterdruck, und die Ohrtrompete öffnet sich nicht von selbst. Erst Schlucken, Gähnen oder ein vorsichtiges Druckausgleichsmanöver lassen Luft nachströmen.
Was hilft gegen Druck auf den Ohren im Flugzeug?
Alles, was die Ohrtrompete öffnet: schlucken, gähnen, Kaugummi kauen, Bonbons lutschen oder einen Schluck trinken. Zusätzlich hilft ein sanftes Ausatmen gegen geschlossenen Mund und zugehaltene Nase. Wichtig ist, damit schon zu Beginn des Sinkflugs anzufangen und während des Landeanflugs wach zu bleiben.
Was hilft Babys und Kleinkindern beim Druckausgleich?
Säuglinge gleichen den Druck am besten beim Trinken aus, also beim Stillen oder mit der Flasche, am wirkungsvollsten während des Sinkflugs. Ältere Kinder können Kaugummi kauen oder trinken. Abschwellende Mittel und Antihistaminika sind bei kleinen Kindern laut US-Gesundheitsbehörde CDC nicht als hilfreich belegt und für bestimmte Altersgruppen ausdrücklich nicht empfohlen – frag im Zweifel die Kinderärztin oder den Kinderarzt.
Darf ich mit Erkältung fliegen?
Mit verstopfter Nase, Nebenhöhlen- oder Ohrenentzündung ist der Druckausgleich deutlich schwerer, das Risiko für ein schmerzhaftes Barotrauma steigt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt es in solchen Fällen als Option, den Flug zu verschieben. Ob abschwellende Nasensprays vor dem Flug sinnvoll sind, klärst du am besten in der Apotheke oder ärztlich.
Wann fallen die Sauerstoffmasken herunter?
Bei Flugzeugen, die über 30.000 Fuß zugelassen sind, müssen die Masken nach US-Zulassungsvorschrift automatisch herausfallen, bevor die Kabinenhöhe 15.000 Fuß überschreitet. Die Cockpitcrew wird schon ab 10.000 Fuß Kabinenhöhe gewarnt.
Weiterlesen in Reisen & Fliegen
- Aus dem Flugzeugfenster fotografieren: Spiegelungen, Einstellungen und Motive
- Fensterblenden, Sitzlehnen, Kabinenlicht: Warum bei Start und Landung strenge Regeln gelten
- Den besten Fensterplatz für Fotos wählen: Tragfläche, Sonnenseite und Sitzplanung
- Flugangst verstehen und überwinden: Technik, Seminare und Strategien
- Fluggastrechte nach EU 261: Entschädigung bei Verspätung und Annullierung
- Flugzeugtyp vor der Buchung herausfinden: Equipment-Codes und Flugplandaten lesen
Das könnte dich auch interessieren
Kabinenluft erklärt: Zapfluft, HEPA-Filter und Luftfeuchtigkeit im Flugzeug
Die Luft in der Kabine stammt bei fast allen Jets aus den Triebwerken, wird gekühlt, zur Hälfte mit gefilterter Umluft gemischt und mehrmals pro Stunde komplett getauscht. Warum sie trotzdem so trocken ist und was die Boeing 787 anders macht.
Reisen & FliegenTurbulenzen erklärt: Ursachen, Clear Air Turbulence und warum Flugzeuge das aushalten
Ruckeln im Reiseflug ist für Spotter auf Reisen Alltag. Der Guide erklärt die vier Turbulenzarten, die Physik hinter Clear Air Turbulence, die Lastvielfachen der Zulassung und was die Unfallstatistik wirklich zeigt.
Reisen & FliegenJetlag vermeiden: Was die Forschung wirklich empfiehlt
Jetlag ist kein Müdigkeitsproblem, sondern ein verstellter Taktgeber. Warum der Flug nach Osten schwerer fällt, wie du Licht gezielt einsetzt, was die Studienlage zu Melatonin sagt und wie du deine ersten Spotting-Tage am Ziel planst.



