Kai Tak in Hongkong: Chronik eines legendären Flughafens

Vom gescheiterten Landgewinnungsprojekt zum verkehrsreichsten Frachtflughafen der Welt: die Geschichte von Kai Tak in Hongkong – mit Piste im Hafenbecken, Checkerboard-Anflug, Terminal am Limit und dem Umzug nach Chek Lap Kok in einer einzigen Nacht.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202613 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Name aus einer Pleite: Kai Tak geht auf die Geschäftsleute Ho Kai und Au Tak zurück, deren Landgewinnungsprojekt in der Kowloon Bay scheiterte. Auf dem aufgeschütteten Land entstand ab 1924/25 ein Flugfeld.
  • Vom Grasplatz zum Großflughafen: 1936 kam der erste Linienflug, im Zweiten Weltkrieg bauten die japanischen Besatzer mit Kriegsgefangenen Betonpisten, 1958 ging die berühmte Bahn 13/31 im Hafenbecken in Betrieb.
  • Der Anflug machte ihn weltberühmt: Ab 1974 führte ein versetzter Leitstrahl die Jets auf Piste 13 zu einem Schachbrett am Hang, die letzte Rechtskurve flogen die Crews tief über Kowloon nach Sicht.
  • Am Ende hoffnungslos überlastet: Ausgelegt auf 24 Millionen Fluggäste, fertigte Kai Tak 1996 rund 29,5 Millionen internationale Passagiere ab und war weltweit die Nummer eins bei internationaler Fracht.
  • Umzug in einer Nacht: Zwischen dem 5. und 6. Juli 1998 wechselte der komplette Betrieb nach Chek Lap Kok. Auf dem alten Gelände stehen heute Kreuzfahrtterminal, Parks und ein Stadion.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Kai Tak auf einen Blick
  2. 2.Ein Name aus einem gescheiterten Bauprojekt
  3. 3.Krieg, Besatzung und Wiederaufbau
  4. 4.1958: die Piste im Hafenbecken
  5. 5.Der legendäre Checkerboard-Anflug
  6. 6.Wachstum bis an die Grenze
  7. 7.Leben mit dem Flughafen in der Stadt
  8. 8.Der Ersatz: Chek Lap Kok und das Airport Core Programme
  9. 9.Die letzte Nacht: 5. auf 6. Juli 1998
  10. 10.Was heute von Kai Tak übrig ist
  11. 11.Spotten in Hongkong heute
  12. 12.Fazit

Ein Flughafen mitten in einer Millionenstadt, eine Piste, die wie ein Finger ins Hafenbecken zeigt, und Jumbos, die tief über die Dächer von Kowloon in eine Kurve gehen: Kai Tak in Hongkong ist für viele Luftfahrtfans der Inbegriff eines Kultflughafens. Hinter dem berühmten Checkerboard-Anflug steckt aber eine Geschichte von über 70 Jahren – vom gescheiterten Immobilienprojekt über Krieg und Besatzung bis zum Drehkreuz, das in den 1990er-Jahren aus allen Nähten platzte. Dieser Artikel erzählt die Chronik des Flughafens: wie er entstand, wie er wuchs, warum er gehen musste und was heute von ihm übrig ist.

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Kai Tak auf einen Blick

Kai Tak war von 1925 bis 1998 der Flughafen Hongkongs. Er lag am Nordufer des Victoria Harbour an der Kowloon Bay, im Westen grenzten die dicht bebauten Viertel von Kowloon City an, im Norden und Nordosten stiegen Berge auf. In seinen letzten vier Jahrzehnten hatte er nur eine einzige Start- und Landebahn, die 13/31, die auf aufgeschüttetem Land in die Bucht hinausragte. Die Codes HKG und VHHH, die Kai Tak trug, nutzt heute sein Nachfolger Chek Lap Kok.

Wie der berühmte Anflug auf Piste 13 im Detail funktionierte, erklärt der Artikel Kai Tak: der Checkerboard-Anflug. Die kompakten Eckdaten mit Zeitleiste findest du im Steckbrief Flughafen Hongkong Kai Tak. Hier geht es um die Geschichte des Flughafens als Ganzes.

73 JahreFlugbetrieb von 1925 bis 1998
3.390 mLänge der Piste 13/31 ab 1975
29,5 Mio.internationale Passagiere im Jahr 1996

Ein Name aus einem gescheiterten Bauprojekt

Am Anfang stand kein Flughafen, sondern ein Immobilienplan. 1912 gründeten die Geschäftsleute Ho Kai und Au Tak ein Unternehmen, das in der Kowloon Bay Land aufschütten und bebauen wollte. Das Vorhaben kam nicht zum Erfolg, die Regierung der britischen Kolonie übernahm das Gelände. Übrig blieben eine flache, freie Fläche am Wasser – ideal für die junge Fliegerei – und ein Name, der aus den Namen der beiden Gründer zusammengesetzt war.

1924 eröffnete Harry Abbott auf dem Gelände eine Flugschule. Laut Civil Aviation Department (CAD) Hongkong fand am chinesischen Neujahrstag 1925 der erste dokumentierte Flug statt, deshalb gilt 1925 als Gründungsjahr von Kai Tak. Der Grasplatz diente in den folgenden Jahren der Royal Air Force und mehreren Fliegerclubs.

Schritt für Schritt kam Infrastruktur hinzu:

  • 1928 wurde eine Slipanlage aus Beton für Wasserflugzeuge in die Bucht gebaut.
  • 1930 setzte die Verwaltung den ersten Flugplatzleiter ein, die Luftfahrt gehörte damals noch zum Hafenamt.
  • 1935 folgten der erste Kontrollturm und eine Flugzeughalle.
  • Am 24. März 1936 landete die Maschine „Dorado“ der britischen Imperial Airways aus Penang. Mit ihr begann der öffentliche Passagierluftverkehr ab Kai Tak.

Wer sich für die Flugzeuge dieser Pionierzeit interessiert, findet im Artikel Oldtimer am Himmel erkennen einen guten Einstieg.

Krieg, Besatzung und Wiederaufbau

Im Dezember 1941 eroberte die japanische Armee Hongkong. Die Besatzer bauten Kai Tak ab 1942 zu einem Militärflugplatz aus und setzten dafür alliierte Kriegsgefangene als Arbeitskräfte ein. Es entstanden zwei Betonpisten, eine in Richtung 13/31 und eine in Richtung 07/25. Für das Baumaterial ließen sie die Mauer der Kowloon Walled City und den historischen Felsen Sung Wong Toi abtragen – ein Eingriff in die Stadtgeschichte, der bis heute erinnert wird. Gegen Kriegsende beschädigten Luftangriffe die Anlage schwer.

Nach 1945 ging es mit dem zivilen Luftverkehr schnell wieder los. Am 1. Mai 1946 wurde das Civil Aviation Department gegründet, das Kai Tak bis zum Schluss betrieb. Im selben Jahr nahm die junge Cathay Pacific mit Maschinen vom Typ Douglas DC-3 den Betrieb auf – der Beginn der Airline, die Kai Tak über Jahrzehnte prägte. Die Geschichte des robusten Zweimots erzählt der Artikel Douglas DC-3. Militärisch blieb der Platz ebenfalls in Gebrauch: Die Royal Navy hatte noch bis 1978 Nutzungsrechte.

Schon Anfang der 1950er-Jahre wurde über einen ganz neuen Flughafen an anderer Stelle nachgedacht. Die Pläne wurden aber aus finanziellen und politischen Gründen verworfen. Stattdessen entschied sich die Regierung, Kai Tak auszubauen – mit einem Masterplan, der 1954 genehmigt wurde.

1958: die Piste im Hafenbecken

Der Kern des Masterplans war eine völlig neue Bahn. Ab 1955 wurde ein Damm in die Kowloon Bay aufgeschüttet, 1958 ging darauf die Piste 13/31 mit 2.529 Metern Länge in Betrieb. Offiziell hieß der Flughafen seit Mitte der 1950er-Jahre Hong Kong International Airport, im Alltag blieb er Kai Tak.

Die Lage im Wasser löste ein Platzproblem, schuf aber genau die Bedingungen, die Kai Tak später berühmt machten. Nach Südosten öffnete sich die Bahn frei zum Hafen. Am Nordwestende dagegen lagen Kowloon City und dahinter die Berge – ein gerader Anflug von dort auf Piste 13 war unmöglich.

Mit der Ära der Großraumjets wurde die Bahn erneut verlängert. 1974 war die Verlängerung fertig, wegen des Baus des Flughafentunnels am Nordwestende stand die volle Länge von 3.390 Metern aber erst ab dem 31. Dezember 1975 zur Verfügung. Laut CAD diente die längere Bahn dem Langstreckenbedarf der damals 31 Airlines, die Hongkong anflogen.

Jahr Piste und Anflug Einordnung
1942 zwei Betonpisten 13/31 und 07/25 Ausbau unter japanischer Besatzung
1958 neue Bahn 13/31 im Hafenbecken, 2.529 m Grundstein des späteren Kai Tak
1974 Instrument Guidance System für Piste 13 Beginn des Checkerboard-Anflugs in bekannter Form
1975 Piste 3.390 m, ab 31. Dezember voll nutzbar ausgelegt für die Langstrecke mit Großraumjets

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Der legendäre Checkerboard-Anflug

Bis 1974 wurde Piste 13 nach Sicht angeflogen. Dann installierte die Flugsicherung ein Instrument Guidance System (IGS) – technisch einem ILS verwandt, mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Leitstrahl um rund 47 Grad gegen die Pistenachse versetzt war. Damit ließ sich Piste 13 auch bei schlechterer Sicht instrumentengeführt anfliegen, zumindest bis zur Sichtkurve.

Der Ablauf in Kurzform:

1. Auf dem Leitstrahl über Kowloon

Die Maschinen folgten dem IGS im Sinkflug über die Stadt. Der Kurs zeigte nicht auf die Piste, sondern auf einen Hang im Norden Kowloons.

2. Das Schachbrett als Wegweiser

Am Hang prangte ein rot-weißes Schachbrettmuster, der Checkerboard Hill. Kam es ins Blickfeld, stand die Kurve unmittelbar bevor.

3. Rechtskurve nach Sicht

In geringer Höhe drehten die Crews per Hand nach rechts auf die Pistenachse ein und richteten die Maschine erst kurz vor der Schwelle gerade aus.

Genau diese Kurve über den Wohnblocks von Kowloon City lieferte die Bilder, die Kai Tak unter Spottern unsterblich gemacht haben: Großraumjets in Querlage, darunter Leuchtreklamen, Wäscheleinen und Straßenverkehr. Für Piloten galt die Landung als eine der anspruchsvollsten im weltweiten Linienverkehr, zumal böiger Wind von den Bergen und Taifune die letzte Phase zusätzlich erschweren konnten. Was Seitenwindlandungen technisch bedeuten, erklären wir separat. Die Gegenrichtung 31 kam von Südosten über das Wasser und konnte mit ILS geflogen werden.

Den ausführlichen Blick auf Verfahren, Höhen, den Checkerboard Hill von heute und die Spotter-Szene von damals gibt der Artikel Kai Tak: der Checkerboard-Anflug.

Wachstum bis an die Grenze

Ab den 1960er-Jahren wuchs Kai Tak in Etappen mit dem Verkehr. Das Passagierterminal wurde 1962 fertiggestellt, das alte Abfertigungsgebäude 1965 abgerissen. Am 11. April 1970 landete die erste Boeing 747 – ein Muster, das das Bild des Flughafens in den folgenden knapp drei Jahrzehnten bestimmte. 1976 nahm das Hong Kong Air Cargo Terminal den Betrieb auf, im selben Jahr kam das Sekundärradar.

Die weiteren Ausbaustufen laut CAD:

  • 1981: Stufe 4 des Passagierterminals ist fertig.
  • 1984 bis 1988: Stufe 5 hebt die Auslegung auf 18 Millionen Passagiere pro Jahr.
  • 1991: Ein zweites Frachtterminal geht in Betrieb, die Frachtkapazität steigt auf 1,5 Millionen Tonnen jährlich.
  • 1992: Das Ostvorfeld bekommt vier Positionen für die Boeing 747-400 und eine Fläche für die allgemeine Luftfahrt.
  • 1994: Das Südvorfeld wächst um elf 747-Positionen, das Terminal ist nun auf 24 Millionen Passagiere ausgelegt.

Geholfen hat das nur begrenzt. 1996 fertigte Kai Tak rund 29,5 Millionen internationale Passagiere und 1,56 Millionen Tonnen internationale Fracht ab. Damit lag der Flughafen bei internationalen Passagieren auf Platz drei der Welt und bei internationaler Fracht auf Platz eins – mit einer einzigen Piste und einem Terminal, das für deutlich weniger Menschen gebaut war.

Wer in Kai Tak zu Hause war

Heimatbasis war Kai Tak vor allem für Cathay Pacific, dazu für Dragonair und die Frachtairline Air Hong Kong. Cathay Pacific und Air Hong Kong gehören heute zur Cathay Group, die Marke Dragonair (später Cathay Dragon) gibt es nicht mehr. Dazu kamen Airlines aus ganz Asien, Europa, Nordamerika und Australien. Für Spotter war die Mischung aus Jumbos verschiedener Generationen, Dreistrahlern und frühen Langstrecken-Twins ein Fest. Wie du die 747-Varianten auf alten Fotos auseinanderhältst, zeigt der Guide Boeing 747-100 bis 747-8 erkennen.

Leben mit dem Flughafen in der Stadt

Ein Großflughafen mitten im Wohngebiet hat Folgen, und in Kai Tak waren sie überall spürbar:

  • Nachtflugsperre: Zwischen 23:30 und 6:30 Uhr ruhte der Betrieb. Der gesamte Verkehr drängte sich in die übrigen Stunden – ein Grund für die chronische Überlastung. Wie Nachtflugregeln an deutschen Flughäfen aussehen, steht im Artikel zum Nachtflugverbot.
  • Bauhöhen: Für die Gebäude in Kowloon galten wegen der Hindernisfreiheit strenge Höhenbeschränkungen. Sie fielen erst nach der Schließung, seither hat sich die Skyline der Gegend stark verändert.
  • Lärm und Abgase: Mit der wachsenden Wohnbebauung rund um den Platz wurden Fluglärm und Triebwerksabgase zu einem dauerhaften Konflikt.

Auch Unfälle gehören zur Geschichte. Der schwerste war der Absturz einer KC-130F des US Marine Corps im August 1965 mit 59 Toten. Am bekanntesten ist aber der Zwischenfall vom 4. November 1993: Eine fast neue Boeing 747-400 von China Airlines schoss als Flug 605 bei Taifun Ira über das Ende der Piste 13 hinaus ins Hafenbecken. Alle 296 Menschen an Bord überlebten.

Der Ersatz: Chek Lap Kok und das Airport Core Programme

Spätestens Ende der 1980er-Jahre war klar, dass Kai Tak nicht weiter wachsen konnte. Eine zweite Piste war in der Bucht nicht unterzubringen, Nachtruhe und Bauhöhen ließen sich nicht wegverhandeln. Am 11. Oktober 1989 kündigte Gouverneur David Wilson das Airport Core Programme an: zehn Großprojekte rund um einen neuen Flughafen bei Chek Lap Kok vor der Nordküste der Insel Lantau.

Zum Paket gehörten unter anderem die Tsing-Ma-Brücke als Teil der Straßen- und Bahnverbindung nach Lantau, die Flughafenbahn – heute Airport Express und Tung Chung Line – und eine große Landgewinnung in West-Kowloon. Die Gesamtkosten lagen am Ende bei rund 160 Milliarden Hongkong-Dollar. Betreiber des neuen Flughafens wurde die Airport Authority Hong Kong, das Civil Aviation Department blieb für die Flugsicherung und als Aufsichtsbehörde zuständig.

Ähnliche Geschichten in Deutschland

Ein Stadtflughafen, der an seine Grenzen stößt und nach Jahrzehnten einem Neubau weicht – das kennst du auch aus Berlin. Die Artikel zum Flughafen Tempelhof und zum Flughafen Tegel erzählen, wie es dort lief.

Die letzte Nacht: 5. auf 6. Juli 1998

Der Umzug lief nicht schrittweise, sondern in einer einzigen Nacht. Am Abend des 5. Juli 1998 setzte um 23:38 Uhr Dragonair KA841 aus Chongqing, ein Airbus A320, als letzte Landung auf Piste 13 auf. Kurz nach Mitternacht hob Cathay Pacific CX251 mit einer Boeing 747-400 nach London Heathrow ab – der letzte planmäßige Abflug. Um 1:05 Uhr verließ noch eine Cathay-Maschine vom Typ Airbus A340-300 als Überführungsflug den Platz in Richtung Chek Lap Kok.

Im Kontrollturm verabschiedete sich der Direktor der Zivilluftfahrtbehörde, Richard Siegel, mit den Worten „Goodbye Kai Tak, and thank you“. Danach rollten Fahrzeuge und Ausrüstung in einem großen Konvoi unter Polizeibegleitung zum neuen Standort. Am 6. Juli um 6 Uhr landete Cathay Pacific Flug 889 aus New York als erste Maschine am neuen Flughafen.

Ganz vorbei war es für Kai Tak trotzdem nicht sofort: Weil die IT des neuen Frachtzentrums anfangs streikte, aktivierte die Regierung das alte Frachtterminal vorübergehend noch einmal, mit dem Ersatzcode VHHX.

Deine Spots, deine Geschichten

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Was heute von Kai Tak übrig ist

Das frühere Flughafengelände ist eines der großen Stadtentwicklungsgebiete Hongkongs. Das alte Passagierterminal wurde Mitte der 2000er-Jahre abgerissen. Seitdem ist ein neuer Stadtteil gewachsen:

Seit Was Wo
2013 Kai Tak Cruise Terminal an der Spitze der früheren Piste
2013 erste öffentliche Wohnsiedlungen auf dem ehemaligen Flughafengelände
2020 MTR-Station Kai Tak im neuen Stadtteil
2021 Kai Tak Sky Garden auf Teilen von Piste und Vorfeld
2025 Kai Tak Sports Park mit Stadion für rund 50.000 Zuschauer auf dem früheren Flughafenareal

Die Form der Halbinsel, auf der die Bahn lag, ist bis heute gut zu erkennen. Und am Hang im Norden Kowloons leuchtet wieder das Schachbrett: Der Checkerboard Hill wurde 2020/21 an West- und Südseite in den Originalfarben neu gestrichen.

Ein Besuch lohnt sich, wenn …

  • du Luftfahrtgeschichte an Originalschauplätzen erleben willst
  • du den Checkerboard Hill und die alte Pistenspitze sehen möchtest
  • du in Hongkong ohnehin einen halben Tag Zeit hast

Kombinier es, wenn …

  • du am gleichen Trip auch aktuelle Jets am neuen Flughafen spotten willst
  • dich Stadtentwicklung und Architektur ebenso reizen

Spar es dir, wenn …

  • du nur fliegende Flugzeuge fotografieren willst – in Kai Tak landet seit 1998 nichts mehr

Spotten in Hongkong heute

Der Flugverkehr läuft seit 1998 am Flughafen Hongkong Chek Lap Kok. Cathay Pacific ist dort weiter die prägende Airline, dazu kommen HK Express, Hong Kong Airlines und viele internationale Gesellschaften sowie ein großer Frachtanteil. Welche Aussichtspunkte rund um Lantau funktionieren, beschreibt der Guide Planespotting in Hongkong.

Einen Ersatz für den Anflug über Kowloon gibt es nicht. Wer spektakuläre Tiefflüge sucht, findet Anregungen in der Bucket List der Spotting-Spots weltweit. Und wie Orte wie Kai Tak das Hobby über Jahrzehnte geprägt haben, liest du in der Geschichte des Planespotting.

Bereit für einen Kai-Tak-Tag in Hongkong?

Hak ab, was du vor der Reise geklärt hast.

  • Ich habe mir die alte Lage der Piste 13/31 auf einer Karte angesehen.
  • Ich weiß, wo der Checkerboard Hill liegt und wie ich mit der MTR hinkomme.
  • Ich habe Cruise Terminal und Sky Garden in meine Route eingeplant.
  • Ich habe Zeit für einen Abstecher zum Flughafen Chek Lap Kok reserviert.
  • Ich kenne die örtlichen Regeln für Fotografie am Flughafen.

Fazit

Kai Tak war das Ergebnis vieler Kompromisse: ein gescheitertes Bauprojekt als Startfläche, eine Piste, die mangels Platz ins Meer gebaut wurde, und ein Anflug, den die Berge erzwangen. Gerade diese Kompromisse machten den Flughafen einzigartig. Über Jahrzehnte wuchs er mit Hongkong, bis er 1996 mit einer einzigen Bahn zu den verkehrsreichsten Flughäfen der Welt gehörte – und schließlich in einer Nacht im Juli 1998 Geschichte wurde. Was bleibt, sind Fotos, Erinnerungen, ein neues Stadtviertel und ein bunt gestrichener Hang über Kowloon.

Kurzfazit

Kai Tak war von 1925 bis 1998 Hongkongs Flughafen: 1936 erster Linienflug, 1958 die Piste in der Bucht, ab 1974 der Checkerboard-Anflug, 1996 knapp 30 Millionen internationale Passagiere bei einer Auslegung auf 24 Millionen. In der Nacht zum 6. Juli 1998 zog der Betrieb nach Chek Lap Kok um. Heute stehen auf dem Gelände Kreuzfahrtterminal, Parks und Stadion, der Checkerboard Hill ist restauriert.

Zusammenfassung

  • Kai Tak war von 1925 bis 1998 der Flughafen Hongkongs und lag mitten in Kowloon, eingezwängt zwischen Hafen, Wohnvierteln und Bergen.
  • Die einzige Piste der späten Jahrzehnte ragte als Damm in die Kowloon Bay und wuchs von 2.529 Metern (1958) auf 3.390 Meter (ab 1975).
  • Terminal, Frachtanlagen und Vorfelder wurden mehrfach erweitert, doch die Lage setzte enge Grenzen: Nachtflugsperre, Bauhöhenbeschränkungen und Lärm prägten den Alltag.
  • Mit dem Airport Core Programme entstand ab den 1990er-Jahren der Ersatz auf Chek Lap Kok. Kai Tak selbst wurde zum Stadtentwicklungsgebiet.

Häufige Fragen

Wann war Kai Tak in Betrieb?

Von 1925 bis 1998. Laut Civil Aviation Department Hongkong fand der erste dokumentierte Flug am chinesischen Neujahrstag 1925 statt. In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli 1998 endete der Flugbetrieb, am Morgen des 6. Juli öffnete der neue Flughafen Chek Lap Kok.

Woher hat Kai Tak seinen Namen?

Von Ho Kai und Au Tak. Die beiden Geschäftsleute gründeten 1912 ein Unternehmen, das Land in der Kowloon Bay aufschütten und bebauen wollte. Das Vorhaben scheiterte, die Regierung übernahm das Gelände und machte daraus ein Flugfeld. Die Namen der beiden Gründer blieben.

Was war der Checkerboard-Anflug?

Der Anflug auf Piste 13. Ein Instrument Guidance System führte die Maschinen ab 1974 auf einem um rund 47 Grad versetzten Kurs auf einen rot-weiß karierten Hang in Kowloon zu. Kurz davor drehten die Crews tief und nach Sicht nach rechts auf die Piste ein. Alle Details stehen in unserem Artikel zum Kai-Tak-Anflug.

Warum wurde Kai Tak geschlossen?

Der Flughafen war an seiner Kapazitätsgrenze. Ausgelegt war das Terminal zuletzt auf 24 Millionen Passagiere pro Jahr, 1996 kamen rund 29,5 Millionen internationale Fluggäste. Eine zweite Piste ließ die Lage in der Bucht nicht zu, dazu kamen Nachtflugsperre, Lärm und Bauhöhenbeschränkungen in der Stadt. Der Ersatz entstand auf aufgeschüttetem Land bei Chek Lap Kok vor Lantau.

Welcher Flug war der letzte in Kai Tak?

Als letzte Landung gilt Dragonair KA841 aus Chongqing, ein Airbus A320, kurz vor Mitternacht am 5. Juli 1998. Der letzte planmäßige Abflug war Cathay Pacific CX251 nach London Heathrow mit einer Boeing 747-400, kurz nach Mitternacht. Danach folgten nur noch Überführungsflüge zum neuen Flughafen.

Gab es in Kai Tak eine Nachtflugsperre?

Ja. Wegen der dichten Wohnbebauung rund um den Flughafen galt eine Nachtruhe von 23:30 bis 6:30 Uhr. Das verschärfte die Kapazitätsprobleme zusätzlich, weil sich der gesamte Verkehr auf den Tag konzentrieren musste.

Was steht heute auf dem Gelände von Kai Tak?

Ein neuer Stadtteil. An der Spitze der früheren Piste liegt seit 2013 das Kai Tak Cruise Terminal, seit 2021 gibt es auf Teilen von Piste und Vorfeld den Kai Tak Sky Garden. Im März 2025 eröffnete der Kai Tak Sports Park mit einem Stadion für rund 50.000 Zuschauer. Seit 2020 hält dort die MTR an der Station Kai Tak.

PT

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