Das Wichtigste in Kürze
- WDL Aviation war eine Kölner Wet-Lease- und Charter-Airline, die heute als German Airways weiterfliegt.
- Die Wurzeln reichen bis 1955: Die Westdeutsche Luftwerbung erhielt nach Lufthansa als zweite Fluggesellschaft der Bundesrepublik eine Betriebsgenehmigung.
- Die BAe 146 war das Markenzeichen: Ab 2011 war WDL ein reiner BAe-146-Betreiber, Ende 2019 gingen die letzten drei nach Australien.
- Codes: ICAO WDL, 2020 durch GER mit dem Rufzeichen „GERMAN EAGLE“ ersetzt.
- Mit Zeitfracht kam die E190: Seit März 2019 fliegt die Airline Embraer-Jets.
Inhaltsverzeichnis
- 1.WDL Aviation im Überblick
- 2.Von der Luftwerbung im Ruhrgebiet zur Airline
- 3.Die Flotte im Wandel
- 4.Für wen WDL geflogen ist
- 5.Der Edinburgh-Vorfall 2019
- 6.Zeitfracht und der Wechsel zu German Airways
- 7.Codes und Rufzeichen
- 8.Woran du WDL auf Fotos erkennst
- 9.Spuren von WDL heute
- 10.Häufige Verwechslungen
- 11.Fazit
Steckbrief
| ICAO-Code | WDL |
|---|---|
| Drehkreuze | CGN |
| Status | Historischer Name – seit 2019/2020 als German Airways am Markt, Umfirmierung bis 2021 abgeschlossen |
| Geschäftsmodell | Wet-Lease (ACMI), Charter und zeitweise Fracht |
| Sitz und Basis | Köln, Flughafen Köln/Bonn (Charterbetrieb dort seit 1974) |
| Wurzeln | 29. Juli 1955: Westdeutsche Luftwerbung (WDL) von Theodor Wüllenkemper in Essen-Mülheim |
| Ableger | 1974 WDL Flugdienst, ab 1991 WDL Aviation (Köln) GmbH |
| Codes | ICAO WDL (seit 2020 ICAO GER, Rufzeichen „GERMAN EAGLE“ bei German Airways) |
| Prägende Typen | Fokker F27 (bis 2011), BAe 146 (bis Ende 2019), ab März 2019 Embraer E190 |
| Eigentümer ab 2017 | Zeitfracht-Gruppe, Übernahme zum 1. Oktober 2017 |
| Wet-Lease-Kunden (Auswahl) | u. a. Air Berlin, Flybe, Germanwings, KLM, SAS, easyJet und British Airways mit BAe 146; LOT und Braathens Regional mit E190 |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich WDL Aviation?
- Fast immer eine BAe 146: hochgesetzter Flügel, vier Triebwerke und T-Leitwerk
- Meist weiße Grundlackierung, oft mit Aufklebern oder Schriftzug des Wet-Lease-Kunden
- Ab 2018 neues Logo: ein stilisiertes Flugzeug im roten Kreis am Seitenleitwerk
- Deutsches Kennzeichen mit D-A…, etwa D-AMGL
- In Flugdaten mit dem ICAO-Präfix WDL – die Flugnummer stammt dagegen oft vom Kunden
- Ältere Fotos zeigen Fokker F27 als Frachter, auch für Paketdienste
WDL Aviation gehört zu den Airlines, die viele Spotter jahrelang gesehen haben, ohne den Namen bewusst wahrzunehmen. Auf der Anzeigetafel stand Air Berlin, Germanwings, easyJet oder British Airways – geflogen wurde aber von einer vierstrahligen BAe 146 aus Köln. Heute heißt die Firma German Airways und fliegt Embraer E190. Diese Seite erzählt die Geschichte von WDL, zeigt dir, woran du die Flugzeuge auf alten Fotos erkennst, und erklärt, warum die Airline für das Verständnis von Wet-Lease so lehrreich ist.
Alte Sichtungen sauber im Hangar
Mit Planetrack hältst du Sichtungen mit Foto, Kennzeichen, Typ, Airline und Flughafen fest – so bleibt klar, dass die BAe 146 im Kundendesign eigentlich von WDL kam. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
WDL Aviation im Überblick
WDL Aviation war eine Kölner Wet-Lease- und Charter-Airline mit Basis am Flughafen Köln/Bonn. Der Name ist historisch: Seit Herbst 2019 tritt die Firma als German Airways auf, 2020 wechselte der ICAO-Code, und bis Frühjahr 2021 war auch die rechtliche Umfirmierung erledigt. Wer heute die Embraer-Jets von German Airways sieht, schaut also auf die direkte Nachfolgerin – mehr dazu auf der Seite zu German Airways.
Das Geschäftsmodell blieb über Jahrzehnte im Kern gleich. WDL verkaufte kaum eigene Tickets, sondern stellte anderen Airlines Flugzeug, Besatzung, Wartung und Versicherung zur Verfügung. Diese Form der Vermietung heißt ACMI oder Wet-Lease. Der Kunde setzt seine Flugnummer drauf, verkauft die Tickets und übernimmt das Risiko der Auslastung; WDL lieferte den Flugbetrieb. Wie das im Detail funktioniert, erklärt der Artikel Wet-Lease erklärt.
Für Spotter macht genau das WDL so interessant. Ein Flugzeug, viele Kunden, wechselnde Aufkleber – und dahinter ein kleiner Betreiber, den du nur am Kennzeichen oder am Rufzeichen sicher erkennst.
Von der Luftwerbung im Ruhrgebiet zur Airline
Die Geschichte beginnt nicht in Köln, sondern im Ruhrgebiet. Theodor Wüllenkemper, Jahrgang 1925 und als Jugendlicher begeisterter Segelflieger, durfte nach dem Krieg zunächst nicht fliegen. Als die Bundesrepublik 1955 wieder eigene Luftfahrt zuließ, beantragte er eine Genehmigung – und erhielt sie am 29. Juli 1955. So entstand am Flugplatz Essen-Mülheim die Westdeutsche Luftwerbung, kurz WDL. Nach Angaben der heutigen German Airways war sie nach Lufthansa die zweite Fluggesellschaft der Bundesrepublik mit Betriebsgenehmigung.
Der Name verrät den Start: Bannerschlepp und Werbeflüge. Bald kamen Schulungsflüge, Agrar- und Luftbildflüge, Verbindungen zu den Nordseeinseln und Frachttransporte dazu. 1972 kamen Luftschiffe für Werbeflüge hinzu. Diese Sparte lebt bis heute als eigenständige WDL Luftschiffgesellschaft in Mülheim weiter, getrennt von der Airline. Wer sich für die großen Vorbilder interessiert, findet in der Geschichte der Zeppeline den passenden Hintergrund.
1974 entstand als Ableger der WDL Flugdienst, und der Charterbetrieb zog nach Köln/Bonn. Damit begann der Weg zur eigenständigen Airline. 1991 wurde die Muttergesellschaft zur WDL-Gruppe umgebaut, und der Kölner Flugbetrieb erhielt den Namen WDL Aviation; die Luftschiffsparte wurde eine eigene Gruppentochter.
Zwei WDL, eine Wurzel
Fotos eines Luftschiffs mit WDL-Schriftzug gehören nicht zur Kölner Airline, sondern zur Luftschiff-Schwester in Mülheim. Beide gehen auf die Gründung von 1955 zurück, sind aber getrennte Unternehmen. Notiere solche Sichtungen deshalb nicht unter WDL Aviation.
Die Flotte im Wandel
WDL Aviation hat über die Jahrzehnte erstaunlich viele Typen geflogen. Die wichtigsten Stationen im Überblick:
| Typ | Zeitraum | Einsatz | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Fokker F27 Friendship | bis 2011 | Fracht, u. a. für TNT, UPS und Farnair | Hochdecker-Turboprop, ein Klassiker der Nachtfracht |
| Learjet | zeitweise | Ambulanz- und Sonderflüge | Zwei Exemplare für medizinische Transporte |
| Airbus A320-200 | Anfang der 1990er-Jahre | geleast | Kurze Episode, kaum dokumentiert |
| BAe 146 | 1990er-Jahre bis 2019 | Wet-Lease, Charter, Fracht | Insgesamt acht Exemplare |
| Embraer E190 | ab März 2019 | Wet-Lease | Gebrauchtflugzeuge, heute bei German Airways |
Die genauen Einsatzzeiten der frühen Typen sind in den Quellen nur grob belegt. Klar ist: Die Fokker-Ära endete 2011. Danach war WDL ein reiner BAe-146-Betreiber – und damit für einige Jahre eine der letzten Adressen in Deutschland, an der du den Vierstrahler regelmäßig sehen konntest.
Die BAe 146: das Markenzeichen
Die britische BAe 146 war wie gemacht für WDL. Sie kommt mit kurzen Pisten zurecht, ist leise für ihre Zeit und lässt sich als Passagier- wie als Frachtflugzeug einsetzen. WDL nutzte beide Varianten, die genauen Untertypen wechselten über die Jahre. Den Typ selbst stellen die Seiten zur BAe 146-200 und zur BAe 146-300 vor; Hersteller war die heutige BAE Systems.
2018 kaufte WDL unter Zeitfracht sogar zusätzliche BAe-146-Frachter in der leisen QT-Version, um wieder ins Frachtgeschäft einzusteigen. Gleichzeitig waren die Flugzeuge im Schnitt bereits rund 30 Jahre alt, und die Ablösung durch Embraer-Jets war beschlossen. Im November 2019 kündigte Zeitfracht an, die letzten drei BAe 146 bis Jahresende an Pionair Australia abzugeben – einen Charter- und Wet-Lease-Spezialisten. Damit endete die BAe-146-Ära bei WDL. Laut der Firmenchronik hatte WDL insgesamt acht BAe 146 betrieben.
BAe 146 auf der Wunschliste?
Setz den Vierstrahler auf deine Wunschliste und lass dich benachrichtigen, wenn einer der letzten Jumbolinos in deiner Nähe anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Für wen WDL geflogen ist
Wet-Lease bedeutet: Der Betreiber ist unsichtbar, der Kunde steht vorne. Bei WDL war die Kundenliste lang. Mit der BAe 146 flog die Airline unter anderem für Air Berlin, Flybe, Germanwings, KLM und SAS. Unabhängig vom Flugzeugtyp gehörten außerdem Shuttleflüge für Airbus zwischen den Werken in Toulouse, Hamburg-Finkenwerder und Bristol-Filton zum Auftragsbuch.
In den letzten BAe-146-Jahren sind zwei Kunden besonders gut belegt:
- easyJet: Bis zum Ende der Sommersaison 2018 flogen BAe 146 von WDL für die britische Low-Cost-Airline. Danach setzte easyJet nur noch eigene Jets ein.
- British Airways: 2019 flog WDL für BA, unter anderem ab dem Flughafen London City, dessen steiler Anflug der BAe 146 entgegenkam.
Mit den ersten Embraer-Jets kamen neue Kunden. Im Herbst 2019 flog eine E190 für LOT ab Tallinn. Im November 2019 meldete die Airline einen Großauftrag aus Schweden: Braathens Regional wollte ab März 2020 fünf E190 über mehrere Jahre einsetzen. Kurz nach dem geplanten Start brach mit der Pandemie der Luftverkehr in ganz Europa ein.
Alte Fotos richtig zuordnen
Eine BAe 146 mit deutschem Kennzeichen und Air-Berlin-, Germanwings- oder easyJet-Aufklebern ist sehr wahrscheinlich eine WDL-Maschine. Notiere Betreiber und Kunde getrennt, sonst landet das Foto beim falschen Eintrag. Wie Rufzeichen und Flugnummer zusammenhängen, erklärt der Artikel Callsign und Flugnummer.
Der Edinburgh-Vorfall 2019
Ein Ereignis machte WDL im Frühjahr 2019 schlagartig bekannt. Am 25. März sollte die BAe 146 D-AMGL als British-Airways-Flug BA3271 von London nach Düsseldorf fliegen. Die Crew landete stattdessen in Edinburgh. Nach Medienberichten hatte sie offenbar erneut den Flugplan des Vortags erhalten, als die Maschine von London City nach Edinburgh geflogen war. Rund zweieinhalb Stunden später ging es weiter nach Düsseldorf.
Für die Passagiere war das ärgerlich, für Luftfahrtfans ein Lehrstück: Ein Wet-Lease-Betreiber arbeitet mit den Systemen und Plänen des Kunden. Wenn an dieser Schnittstelle etwas schiefgeht, fällt es auf den Kunden zurück, obwohl dessen eigene Crews gar nicht beteiligt sind.
Zeitfracht und der Wechsel zu German Airways
Zum 1. Oktober 2017 übernahm die Berliner Zeitfracht-Gruppe die WDL Aviation. Damit begann ein schneller Umbau:
2018: neues Logo
WDL bekam ein neues Zeichen am Leitwerk: ein stilisiertes Flugzeug im roten Kreis. Das alte Zeitfracht-Emblem hatte dem früheren Logo von Austrian Airlines geähnelt; den Streit legten beide außergerichtlich bei, laut WDL hatte das neue Logo damit aber nichts zu tun.
März 2019: erste E190
Gebrauchte Embraer E190 lösen die alten BAe 146 ab. Insgesamt waren fünf Jets eingeplant.
Herbst 2019: Marke German Airways
WDL und die Schwester LGW flogen fortan unter einer gemeinsamen Marke, blieben aber zunächst getrennte Firmen.
2020/21: neuer Code und Name
Der ICAO-Code wechselte 2020 von WDL zu GER, das Rufzeichen lautet seitdem „GERMAN EAGLE“. Auch der Firmenname wurde in diesem Zeitraum umgestellt.
Die Schwester Luftfahrtgesellschaft Walter hatte Zeitfracht Anfang 2019 von Lufthansa gekauft. Sie flog Dash 8-400 für Eurowings und stellte während der Pandemie den Betrieb ein. Die heutige German Airways ist deshalb klar die frühere WDL – nicht die Ex-LGW. Wie sich die Kölner seitdem entwickelt haben, liest du auf der Seite zu German Airways.
Codes und Rufzeichen
- ICAO-Code WDL: stand bis 2020 im Flugplan der Flugsicherung und in Flugdaten, sofern nicht unter der Flugnummer des Kunden geflogen wurde.
- Seit 2020: ICAO GER und Rufzeichen „GERMAN EAGLE“ bei German Airways.
Gerade bei Wet-Lease-Flügen hängt es vom Vertrag ab, ob das Rufzeichen des Betreibers oder das des Kunden genutzt wird. Ein Überblick über das Code-System steht in IATA- und ICAO-Codes erklärt.
Woran du WDL auf Fotos erkennst
Weil die Airline seit Jahren nicht mehr unter diesem Namen fliegt, geht es heute vor allem um Archivfotos, Logbücher und alte Spotterberichte. Diese Merkmale helfen dir:
Das spricht für WDL
- BAe 146 mit vier Triebwerken und deutschem D-A…-Kennzeichen
- Weiße Grundlackierung mit Kundenschriftzug oder kleinem WDL-Hinweis
- Ab 2018 rotes Kreis-Logo mit Flugzeug am Leitwerk
- ICAO-Präfix WDL in alten Flugdaten
Das spricht für einen anderen Betreiber
- Ein Avro RJ85 oder RJ100 mit modernerem Cockpit – die Nachfolgefamilie der BAe 146
- Ausländisches Kennzeichen wie G- oder EI-
- Embraer E190 in German-Airways-Farben: das ist schon die Nachfolgerin
- Callsign GER – Flug nach 2020
Die Unterscheidung zwischen BAe 146 und Avro RJ ist auf alten Fotos nicht immer leicht. Achte auf die Typbezeichnung im Register: Über das Kennzeichen kannst du jeden Jet eindeutig zuordnen. Wie Registrierungen aufgebaut sind, erklärt Flugzeug-Kennzeichen verstehen; Tipps zu älteren Typen findest du unter historische Flugzeuge erkennen.
Spuren von WDL heute
Die BAe 146 der WDL sind Ende 2019 nach Australien gegangen, die Fokker-Frachter schon 2011 ausgemustert. Was bleibt, ist die Firma in Köln mit ihren Embraer-Jets. Am Flughafen Köln/Bonn startet deshalb die Spurensuche: Von der Besucherterrasse in Köln/Bonn siehst du mit etwas Glück die E190 der Nachfolgerin. Weitere Spot-Tipps rund um den Platz sammelt der Planespotting-Guide für Köln/Bonn.
Lohnt sich, wenn …
- du alte Logbücher und Fotos aufarbeitest und Wet-Lease-Flüge richtig zuordnen willst
- du die Embraer der Nachfolgerin German Airways in Köln/Bonn sammelst
- du dich für die Geschichte der deutschen Charterluftfahrt interessierst
Prüf es vorher, wenn …
- du gezielt eine ehemalige WDL-Maschine suchst – Kennzeichen ändern sich nach dem Verkauf
Eher nicht, wenn …
- du eine BAe 146 mit WDL-Callsign live erwartest – diese Zeit ist vorbei
Sicherheit und Regeln
Fotografiere nur von öffentlich zugänglichen Bereichen aus. Zäune, Absperrungen und Sicherheitsbereiche sind tabu, und Drohnen haben in Flughafennähe nichts verloren. Was rechtlich gilt, erklärt der Artikel Ist Planespotting erlaubt?.
Häufige Verwechslungen
- Kundenname mit Betreiber gleichsetzen – eine BAe 146 mit easyJet- oder Germanwings-Aufschrift konnte von WDL kommen.
- WDL Aviation mit der WDL Luftschiffgesellschaft verwechseln – gleiche Wurzel, aber getrennte Unternehmen.
- German Airways für die Ex-LGW halten – die heutige German Airways ist die frühere WDL.
- BAe 146 und Avro RJ gleichsetzen – die RJ ist die modernisierte Nachfolgefamilie.
- Callsign WDL und GER vermischen – WDL steht für die Zeit bis 2020, GER für die Zeit danach.
Geschichte und Gegenwart verbinden
Poste deine Sichtungen mit Typ, Kennzeichen, Airline und Spot, vergleich alte und neue Fotos mit der Community und lass dich bei Anflug oder Landung der Embraer-Jets aus Köln benachrichtigen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
WDL Aviation war nie eine Airline, deren Name auf Bordkarten stand – und trotzdem hat sie die deutsche Charterluftfahrt über Jahrzehnte mitgeprägt. Von Werbeflügen im Ruhrgebiet über Fokker-Frachter bis zu einer der letzten BAe-146-Flotten des Landes reicht der Bogen. Heute lebt das Unternehmen als German Airways mit Embraer E190 weiter. Wer alte Fotos mit Kennzeichen und Callsign abgleicht, entdeckt WDL an vielen Stellen, an denen sonst nur der Kunde notiert wurde.
Kurzfazit
WDL Aviation (ICAO WDL) war eine historische Kölner Wet-Lease-Airline mit Wurzeln von 1955 und einer prägenden BAe-146-Flotte. Seit 2019/2020 fliegt sie als German Airways mit Embraer E190 weiter.
Zusammenfassung
- WDL Aviation erkennst du auf älteren Fotos an der BAe 146 mit deutschem Kennzeichen und oft weißer Lackierung mit Kundenschriftzug.
- Weil WDL fast nur im Wet-Lease flog, stand auf Ticket und Anzeigetafel der Name des Kunden – Rufzeichen und Kennzeichen verrieten den echten Betreiber.
- Die Geschichte reicht von Werbeflügen und Luftschiffen im Ruhrgebiet über Fokker-Frachter bis zu einer der letzten BAe-146-Flotten Deutschlands.
- Heute lebt die Airline als German Airways mit Embraer E190 weiter – WDL-Sichtungen sind deshalb vor allem Archivschätze.
Häufige Fragen
Gibt es WDL Aviation noch?
Nicht unter diesem Namen. Seit Herbst 2019 tritt die Airline als German Airways auf, 2020 wechselte der ICAO-Code von WDL zu GER, und die formale Umfirmierung war bis Frühjahr 2021 abgeschlossen. Firma, Basis in Köln und ein Teil der Mannschaft sind also geblieben – nur Name, Code und Flotte haben sich geändert.
Welchen ICAO-Code hatte WDL Aviation?
WDL Aviation flog unter dem ICAO-Code WDL. Seit 2020 nutzt die Nachfolgerin German Airways den Code GER mit dem Rufzeichen „GERMAN EAGLE“. Ein WDL-Präfix in alten Flugdaten ist deshalb ein eindeutiger Hinweis auf die Zeit vor 2020.
Welche Flugzeuge flog WDL Aviation?
Über die Jahrzehnte unter anderem Fokker F27 als Frachter, zwei Learjets für Ambulanzflüge und Anfang der 1990er-Jahre kurzzeitig einen geleasten Airbus A320. Prägend war ab den 1990er-Jahren die BAe 146 – insgesamt acht Exemplare, als Passagier- und Frachtversion. Ab März 2019 kamen gebrauchte Embraer E190 dazu, die bis heute bei German Airways fliegen.
Für welche Airlines flog WDL im Wet-Lease?
Mit der BAe 146 flog WDL unter anderem für Air Berlin, Flybe, Germanwings, KLM und SAS, bis 2018 auch für easyJet und 2019 für British Airways. Mit den ersten E190 kamen im Herbst 2019 Einsätze für LOT ab Tallinn und ein mehrjähriger Vertrag mit der schwedischen Braathens Regional ab März 2020 hinzu – kurz bevor die Pandemie den Luftverkehr einbrechen ließ.
Was hat WDL mit Luftschiffen zu tun?
Die Westdeutsche Luftwerbung startete 1955 mit Werbeflügen und setzte ab 1972 auch Luftschiffe für Werbeflüge ein. Diese Sparte gehört zur eigenständigen WDL Luftschiffgesellschaft am Flugplatz Essen/Mülheim und hat mit der Kölner Airline heute nichts mehr zu tun – beide stammen aber aus derselben Gründung.
Was war der Vorfall mit dem BA-Flug nach Edinburgh?
Am 25. März 2019 sollte ein BAe 146 von WDL (D-AMGL) als British-Airways-Flug BA3271 von London City nach Düsseldorf fliegen. Die Crew landete stattdessen in Edinburgh, weil offenbar der Flugplan des Vortags übermittelt worden war. Nach rund zweieinhalb Stunden ging es weiter nach Düsseldorf. Der Fall zeigte, wie eng Wet-Lease-Betreiber in die Abläufe des Kunden eingebunden sind.
Wo kann ich heute noch Spuren von WDL Aviation sehen?
Am ehesten bei German Airways in Köln/Bonn, deren erste E190 noch unter WDL in Dienst kamen. Die letzten drei BAe 146 der WDL gingen Ende 2019 an Pionair in Australien. Für die Geschichte lohnt sich außerdem ein Blick in Fotoarchive und alte Spotterberichte – dort ist WDL mit BAe 146 und Fokker F27 gut dokumentiert.
WDL Aviation im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
BAe 146-200
Hoher Flügel, vier kleine Triebwerke, Muschel-Heck: Die BAe 146-200 ist die mittlere und meistgesehene Version des britischen Vierstrahlers. Heute fliegt sie vor allem als Löschflugzeug über Nordamerika.
FlugzeugtypBAe 146-300
Die längste Version der BAe 146 hat rund 100 Sitze, vier Triebwerke und einen hohen Flügel. Als leiser Nachtfrachter „Quiet Trader“ fliegt sie in Australien bis heute.
FlugzeugtypBAe 146-100
Die BAe 146-100 ist die kürzeste und älteste Version des vierstrahligen britischen Regionaljets – Ausgangspunkt der ganzen Jumbolino-Familie und jahrzehntelang das Flugzeug der Royal Family.
FlugzeugtypBAe 146 / Avro RJ85
Hoch angesetzter Flügel, vier kleine Triebwerke, T-Leitwerk und eine Heckklappe als Luftbremse: Der Avro RJ85 ist eines der markantesten Regionalflugzeuge überhaupt – und inzwischen eine echte Rarität.
FlugzeugtypEmbraer E190
Der Regionaljet mit Mittelstrecken-Komfort: Die E190 bringt rund 100 Passagiere in einer 2+2-Kabine ohne Mittelsitz in die Luft – und wird gern mit ihrer Nachfolgerin E190-E2 verwechselt.
FlugzeugtypFokker F27 Friendship
Hoher Flügel, zwei Rolls-Royce-Dart-Turboprops und große ovale Fenster: Die Fokker F27 Friendship war Europas erfolgreichster Turboprop-Airliner ihrer Zeit. Heute ist sie ein echter Sammlerfang.
Weitere Airlines
German Airways
Wet-Lease-Spezialist aus Köln mit Wurzeln bis 1955: German Airways fliegt ausschließlich Embraer E190 – meist für KLM Cityhopper, seit 2026 auch für Condor – und trägt Schwarz-Rot-Gold am Leitwerk.
RegionalLuftfahrtgesellschaft Walter
Historische Regionalairline aus Dortmund: 1980 aus einer Flugschule entstanden, später Turboprop-Partner von Air Berlin, Wet-Lease-Betreiber für Eurowings und 2020 nach dem Corona-Einbruch insolvent.
NetzwerkAir Berlin
Historische Airline aus Berlin: 1978 als US-Charterfirma für Mallorca-Flüge ab Tegel gegründet, später zweitgrößte Airline Deutschlands mit oneworld-Mitgliedschaft – und 2017 insolvent.
Low-CostGermanwings
Historische Low-Cost-Airline aus Köln: 2002 als Ableger von Eurowings gestartet, ab 2009 Teil der Lufthansa-Gruppe, ab 2015 Flugbetrieb für Eurowings – und 2020 eingestellt.
RegionalFlybe
Historische britische Regionalairline aus Exeter: Aus Jersey European wurde Flybe, zeitweise Europas größte Regionalairline und weltweit größter Betreiber der Dash 8 Q400. Nach der Pleite im März 2020 folgte 2022 ein Neustart aus Birmingham, der im Januar 2023 endete.
NetzwerkKLM Royal Dutch Airlines
Die niederländische Netzwerk-Airline mit dem hellblauen Rumpf: 1919 gegründet, Drehkreuz Amsterdam-Schiphol, Teil von Air France-KLM und Mitglied von SkyTeam – mitten im Umbau von Boeing zu Airbus.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Zeitfracht-Gruppe
Ein Speditionsunternehmen mit Wurzeln in Stendal, das 2017 in die Luftfahrt einstieg: Die Zeitfracht-Gruppe kaufte WDL Aviation und LGW und formte daraus German Airways – den Kölner E190-Betreiber, den du oft unter fremder Flugnummer siehst.
FlughafenFlughafen Köln/Bonn
Tagsüber Eurowings und Ferienflieger, abends die Frachter von UPS und FedEx, im Westen die Regierungsjets der Flugbereitschaft: Köln/Bonn ist kein Drehkreuz für Passagiere, aber einer der abwechslungsreichsten Flughäfen Deutschlands – mit Bahnhof unter den Terminals und kostenloser Dachterrasse.
HerstellerBAE Systems
BAE Systems ist der größte Luftfahrt- und Rüstungskonzern Großbritanniens. Für Spotter steckt dahinter ein ganzes Stück Luftfahrtgeschichte: der vierstrahlige Jumbolino BAe 146/Avro RJ, der Trainer Hawk der Red Arrows und die britische Seite von Tornado, Eurofighter und F-35.
HerstellerEmbraer
Vom Zubringer-Turboprop Bandeirante zum E195-E2 mit 146 Sitzen: Embraer aus São José dos Campos gilt nach Airbus und Boeing als dritte große Kraft im Verkehrsflugzeugbau – und baut nebenbei Businessjets, den Militärtransporter C-390 und den Super Tucano. Hier erfährst du, wie du die Familien auseinanderhältst und wo du sie in Europa vor die Linse bekommst.
Wo du WDL Aviation vor die Linse bekommst
Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Besucherterrasse am Flughafen Köln/Bonn
Die Dachterrasse auf Terminal 1 ist der bequemste legale Standpunkt am Flughafen Köln/Bonn: kostenlos, ohne Sicherheitskontrolle, mit dem Zug direkt erreichbar – und mit Blick auf Vorfeld, Hauptpiste und den militärischen Teil des Platzes.
BesucherterrasseBesucherterrasse Flughafen Düsseldorf
Der bequemste Einstieg ins Planespotting an Rhein und Ruhr: Von der Besucherterrasse blickst du über das Vorfeld auf die beiden parallelen Pisten des größten Flughafens in Nordrhein-Westfalen.
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