Thales

Thales baut keine Flugzeuge, steckt aber in sehr vielen: Avionik in Airbus- und ATR-Cockpits, Flugsicherungssysteme, die laut Thales rund 40 Prozent des weltweiten Luftraums überwachen, Radare und Navigationsanlagen an Flughäfen, Bordunterhaltung in der Kabine und Sensoren im Rafale.

Auch bekannt als: Thales Group · Thomson-CSF (bis 2000) · Thales Avionics (heute Thales AVS France) · Sextant Avionique (historisch)

FrankreichFrankreichFlugzeugherstellerseit 2000 (Umbenennung von Thomson-CSF, gegründet 1968)12 Min. Lesezeit

~40 %

des Luftraums weltweit mit Thales-Flugsicherungstechnik (laut Thales)

~1.200

Radare im Einsatz (laut Thales)

~10.000

installierte Navigationsanlagen (laut Thales)

22,1 Mrd. €

Konzernumsatz 2025

Das Wichtigste in Kürze

  • Thales ist ein Systemlieferant, kein Flugzeugbauer: Der französische Elektronikkonzern liefert Avionik, Flugsicherungstechnik, Bordunterhaltung, Raumfahrttechnik und Verteidigungselektronik.
  • Aus Thomson-CSF wurde 2000 Thales. Größte Aktionäre sind der französische Staat und Dassault Aviation mit je gut einem Viertel.
  • Flugsicherung im großen Stil: Laut Thales läuft rund 40 Prozent des Luftraums weltweit über Thales-Systeme; die Kontrollzentralen-Software heißt TopSky.
  • Avionik in Airbus und ATR: Die Tochter Thales AVS France in Mérignac stammt aus Sextant Avionique; die ATR 72-600 fliegt mit einer Thales-Cockpit-Suite.
  • Für Spotter unsichtbar, aber überall: Vom Radar am Flughafen über den Bildschirm im Sitz bis zum Rafale – Thales steckt drin, ohne dass ein Logo es verrät.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Steckbrief
  2. 2.Tätigkeitsfelder
  3. 3.Struktur & Marken
  4. 4.Geschichte im Zeitraffer
  5. 5.Was du als Spotter wissen solltest
  6. 6.Stärken und Schwächen
  7. 7.Von Thomson-CSF zu Thales
  8. 8.Avionik: das Cockpit hinter dem Cockpit
  9. 9.Flugsicherung: Thales am Boden
  10. 10.Bordunterhaltung: Thales in der Kabine
  11. 11.Rafale: wo Thales sichtbar wird
  12. 12.Raumfahrt: Thales Alenia Space
  13. 13.Thales in Deutschland und Europa
  14. 14.Wo du Thales live erlebst
  15. 15.Thales im Vergleich
  16. 16.Fazit
  17. 17.Häufige Fragen

Steckbrief

Rolle im SystemSystemlieferant – Elektronik für Cockpit, Kabine, Flugsicherung, Raumfahrt und Verteidigung; Thales baut selbst keine Flugzeuge
SitzGroßraum Paris, Frankreich; börsennotiert an der Euronext Paris und im Leitindex CAC 40
Wichtigste AktionäreFranzösischer Staat (rund 26,6 %) und Dassault Aviation (rund 26,6 %), Stand Ende 2024
Umsatz 2025Rund 22,1 Mrd. Euro (2024: rund 20,6 Mrd. Euro)
BeschäftigteRund 83.000 (Ende 2024)
VorstandschefPatrice Caine (Chairman und CEO)
GeschäftsbereicheLuft- und Raumfahrt, Verteidigung, Cybersicherheit und digitale Identität
Avionik-TochterThales AVS France mit Sitz in Mérignac bei Bordeaux – hervorgegangen aus Sextant Avionique (1989) und Thales Avionics (2001)
FlugsicherungssystemTopSky, bis 2012 unter dem Namen Eurocat vermarktet
RaumfahrtThales Alenia Space in Cannes, zu 67 % Thales und zu 33 % Leonardo
Offizielle Websitewww.thalesgroup.com

Tätigkeitsfelder

Avionik – Cockpitsysteme, Flugmanagement, Navigation, Anzeigen, Sensoren und Flugsteuerungselektronik für Verkehrsflugzeuge, Hubschrauber und Militärflugzeuge
Flugsicherung (ATM) – Kontrollzentralen-Software TopSky, Primär- und Sekundärradare, Instrumentenlande- und Funknavigationsanlagen
Bordunterhaltung und Konnektivität – Bildschirmsysteme in der Kabine, Live-TV und Internet an Bord
Raumfahrt – über Thales Alenia Space Satelliten, Raumstationsmodule und Bodensegmente, etwa für Galileo
Verteidigung – Radare, Optronik, Selbstschutzsysteme, Zielbehälter, Kommunikation und Simulation, unter anderem für den Rafale
Cybersicherheit und digitale Identität – seit der Übernahme von Gemalto ein eigenes großes Standbein

Struktur & Marken

Thales AVS France – Avionik, Sitz in Mérignac, früher Sextant Avionique und Thales Avionics
Thales Alenia Space – Raumfahrt, Sitz in Cannes, 67 % Thales und 33 % Leonardo
Telespazio – Satellitendienste, Beteiligung von 33 % (Mehrheit bei Leonardo)
Thales Nederland – Radare und Marinesysteme in Hengelo, früher bekannt als Signaal
Thales UK – britische Aktivitäten, aufgebaut auf dem früheren Racal-Konzern
Thales Deutschland – deutsche Landesgesellschaft
Naval Group – französischer Marineschiffbauer, Thales als Minderheitsaktionär (rund 35 %)

Geschichte im Zeitraffer

1893Gründung der Compagnie Française Thomson-Houston, die US-Patente aus der Elektrotechnik in Frankreich verwertet – die älteste Wurzel des heutigen Konzerns.
1968Die Elektroniksparte von Thomson-Brandt und die CSF schließen sich zu Thomson-CSF zusammen.
1982Der französische Staat verstaatlicht das Unternehmen; der Schwerpunkt verschiebt sich auf professionelle und militärische Elektronik.
1989Aus Crouzet, EAS, SFENA und der Luftfahrtsparte von Thomson-CSF bildet sich der Avionik-Spezialist Sextant Avionique, zu zwei Dritteln Thomson-CSF und zu einem Drittel Aérospatiale.
1998Verteidigungsaktivitäten von Alcatel, Dassault Électronique und Thomson-CSF werden gebündelt; Ende der 1990er-Jahre folgt die Privatisierung.
2000Im Juni übernimmt Thomson-CSF den britischen Elektronikkonzern Racal, im Dezember heißt das Unternehmen Thales.
2001Die Avioniktochter firmiert als Thales Avionics. Mit Raytheon gründet Thales das Gemeinschaftsunternehmen ThalesRaytheonSystems.
2007Nach der Übernahme der Raumfahrtsparte von Alcatel formiert sich Thales Alenia Space mit Leonardo als Minderheitspartner.
2008Dassault Aviation kauft Alcatel dessen Thales-Beteiligung ab und wird neben dem Staat zum zweiten Großaktionär.
2009Nach dem Absturz von Air-France-Flug 447 schreibt die EASA vor, bestimmte Thales-Staurohre an A330 und A340 zu ersetzen.
2012Das Flugsicherungssystem Eurocat erhält seinen heutigen Namen TopSky.
2014Thales kauft von JetBlue den Bordunterhaltungsanbieter LiveTV aus Melbourne, Florida.
2018Großauftrag aus Australien: Mit OneSKY führt Thales zivile und militärische Flugsicherung des Landes in einem System zusammen.
2019Die Übernahme des Sicherheitsspezialisten Gemalto wird abgeschlossen.
2024Thales verkauft seine Bahnsignaltechnik an Hitachi Rail und konzentriert sich auf Luftfahrt, Raumfahrt, Verteidigung und Cybersicherheit.

Thales aus Spotter-Sicht

Deine Checkliste für Thales

Hak ab, was du schon gesehen oder erledigt hast.

  • Einen Rafale fotografiert – Radar, Selbstschutzsystem SPECTRA und Zielbehälter stammen von Thales bzw. sind mit Thales entwickelt
  • Einen Rafale mit dem Damocles- oder TALIOS-Zielbehälter unter dem Rumpf erwischt
  • Eine ATR 42-600 oder ATR 72-600 gesehen – deren Cockpit-Suite stammt von Thales
  • Einen Airbus A380 fotografiert – eines der Paradebeispiele für die modulare Avionik, an der Thales beteiligt ist
  • Das Flughafenradar oder die ILS-Antennen am Bahnende bewusst wahrgenommen und den Hersteller recherchiert
  • An Bord einen Sitzbildschirm mit Live-TV oder Moving Map genutzt und nachgeschaut, wer das System gebaut hat
  • Das Staurohr an der Nase eines Airbus-Großraumflugzeugs im Detail fotografiert
  • Einen Thales-Stand auf der Paris Air Show oder der ILA besucht

Stärken und Schwächen

Das spricht dafür

  • Hilft dir zu verstehen, wie Cockpit, Flugsicherung und Kabine technisch zusammenhängen
  • Rafale-Sichtungen bekommen eine zusätzliche Ebene, wenn du die Behälter und Sensoren zuordnen kannst
  • Flugsicherungstechnik von Thales arbeitet in sehr vielen Ländern – auch dort, wo du mit dem Scanner zuhörst oder Flugverfolgung nutzt
  • Auf Messen wie Le Bourget zeigt Thales Cockpits und Systeme zum Anfassen

Wo es hakt

  • Thales-Technik siehst du von außen fast nie – ein Logo am Flugzeug gibt es nicht
  • Viele Systeme sind Gemeinschaftsprojekte, die genaue Zuordnung ist oft schwierig
  • Welches Bordunterhaltungssystem eine Airline nutzt, ändert sich mit Kabinennachrüstungen
  • Werke und Entwicklungszentren sind kein Spotting-Ort

Wenn du einen Airbus fotografierst, steht auf dem Seitenleitwerk die Airline, auf den Triebwerken vielleicht CFM oder Rolls-Royce – aber nirgends Thales. Dabei ist der französische Elektronikkonzern an erstaunlich vielen Stellen deines Spotter-Alltags beteiligt: im Cockpit von Airbus- und ATR-Flugzeugen, in der Software, mit der Fluglotsen den Verkehr führen, in den Radaren und Landehilfen rund um den Flughafen, auf den Bildschirmen in der Kabine und in fast jedem System eines Rafale. Thales ist der klassische Hintergrundakteur der Luftfahrt. Diese Seite zeigt dir, wo er steckt und woran du ihn trotzdem erkennst.

Jede Sichtung mit allen Details

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Von Thomson-CSF zu Thales

Die Geschichte reicht weit zurück. 1893 entstand in Frankreich die Compagnie Française Thomson-Houston, die amerikanische Patente aus der Elektrotechnik verwertete. Ihr Gegenstück, die CSF, war ab 1918 in der Funktechnik aktiv und an der frühen Radarentwicklung beteiligt. 1968 schlossen sich die Elektroniksparte von Thomson-Brandt und die CSF zu Thomson-CSF zusammen – dem direkten Vorgänger des heutigen Konzerns.

1982 wurde Thomson-CSF verstaatlicht und konzentrierte sich danach stärker auf professionelle und militärische Elektronik. Ende der 1990er-Jahre folgten Privatisierung und Umbau: Verteidigungsaktivitäten von Alcatel, Dassault Électronique und Thomson-CSF wurden gebündelt. Im Juni 2000 übernahm das Unternehmen den britischen Elektronikkonzern Racal, im Dezember 2000 gab es sich den neuen Namen Thales.

Seitdem hat sich das Portfolio mehrfach verschoben. 2006/2007 kam die Raumfahrtsparte von Alcatel dazu, 2019 der Sicherheitsspezialist Gemalto, 2023 der Cybersicherheitsanbieter Imperva. Die Bahnsignaltechnik ging dagegen 2024 an Hitachi Rail. Heute ruht Thales auf drei Säulen: Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie Cybersicherheit und digitale Identität. 2025 setzte der Konzern rund 22,1 Milliarden Euro um, Ende 2024 arbeiteten rund 83.000 Menschen für ihn.

1968Gründung von Thomson-CSF
2000Umbenennung in Thales
22,1 Mrd. €Umsatz 2025
~83.000Beschäftigte (Ende 2024)

Staat und Dassault als Ankeraktionäre

Thales ist an der Pariser Börse notiert, wird aber von zwei großen Aktionären geprägt: dem französischen Staat und Dassault Aviation, die Ende 2024 jeweils rund 26,6 Prozent hielten. Dassault stieg 2008 ein, als Alcatel seine Beteiligung verkaufte. Die enge Verbindung erklärt, warum Thales und Dassault beim Kampfflugzeug Rafale so eng zusammenarbeiten – dazu weiter unten mehr.

Avionik: das Cockpit hinter dem Cockpit

Das Avionikgeschäft hat eine eigene Geschichte. 1989 legte Thomson-CSF seine Luftfahrtelektronik mit den Firmen Crouzet, EAS und SFENA zu Sextant Avionique zusammen; Thomson-CSF hielt zwei Drittel, Aérospatiale ein Drittel. 1999 übernahm Thomson-CSF das Unternehmen vollständig, 2001 hieß es Thales Avionics, und seit 2018 firmiert es als Thales AVS France mit Sitz in Mérignac bei Bordeaux – nicht weit vom Flughafen Bordeaux-Mérignac.

Thales liefert Flugzeugherstellern Elektronik für Flugsteuerung, Cockpit, Navigation und Satellitenkommunikation. Ein Kernbegriff ist die integrierte modulare Avionik (IMA): Statt für jede Funktion einen eigenen Rechner einzubauen, teilen sich viele Funktionen standardisierte Module. Thales hat dieses Prinzip für den Airbus A380 mitentwickelt; auch der A350 und der Militärtransporter A400M fliegen mit IMA-Architekturen. Wer genau welches Modul in welchem Muster beisteuert, ist allerdings oft eine Frage einzelner Verträge und lässt sich von außen kaum klären.

Deutlicher ist die Lage bei ATR. Die Turboprops ATR 42-600 und ATR 72-600 fliegen mit der Avionik-Suite TopDeck von Thales, zu der Flugmanagementsystem, Bedienkonsolen, Bildschirme und Sensoren gehören. Wenn du eine ATR der 600er-Serie fotografierst, steckt hinter den großen Cockpitfenstern also sehr wahrscheinlich Thales-Technik. Wie du die Generationen von außen unterscheidest, erklärt der Beitrag ATR 42/72 und Dash 8 unterscheiden.

Bereich Was Thales liefert Wo du es triffst
Cockpit-Suite Flugmanagement, Anzeigen, Bedienkonsolen ATR 42-600 und ATR 72-600 (TopDeck)
Modulare Avionik Standardisierte Rechnermodule für viele Funktionen Airbus A380, Rafale (dort als MDPU)
Sensoren Unter anderem Staurohre und Navigationssensoren Verkehrs- und Militärflugzeuge
Kommunikation Satellitenkommunikation an Bord Langstreckenflugzeuge
Wartung Instandhaltung und Reparatur von Komponenten Hintergrund, nicht sichtbar

Im Wettbewerb trifft Thales vor allem auf US-Konzerne wie Honeywell Aerospace und Collins Aerospace, in Europa zum Teil auch auf Safran. An Safran gab Thales zuletzt sein Geschäft mit elektrischen Flugzeugsystemen ab.

Cockpit statt Rumpf

Avionik verrät sich von außen nicht. Wenn du das Thema vertiefen willst, sind Messen und Museen der beste Ort: Dort stehen Cockpits offen. Ein Foto ins Cockpit eines Linienflugzeugs ist nur mit Erlaubnis der Crew okay – was dabei gilt, steht im Beitrag Fotos im Cockpit.

Air France 447: das Staurohr in den Schlagzeilen

Einmal stand ein kleines Thales-Bauteil im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Am 1. Juni 2009 stürzte ein Airbus A330-200 von Air France auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in den Atlantik. An Bord waren Staurohre von Thales verbaut, mit denen das Flugzeug seine Geschwindigkeit misst. In großer Höhe vereisten sie kurzzeitig, die Geschwindigkeitsanzeigen fielen aus, und die Besatzung verlor in der Folge die Kontrolle über das Flugzeug.

Schon vor dem Unglück hatte Airbus den Austausch eines älteren Thales-Modells empfohlen. Nach dem Absturz ordnete die EASA Ende August 2009 an, die Staurohre an A330 und A340 überwiegend durch Sonden von Goodrich zu ersetzen. Wichtig für die Einordnung: Die Untersuchung sah eine Kette von Ursachen, zu der auch die Reaktionen im Cockpit gehörten – das Bauteil allein erklärt den Unfall nicht.

Flugsicherung: Thales am Boden

Für viele Fachleute ist Thales vor allem ein Name aus der Flugsicherung. Laut eigenen Angaben arbeiten Flugsicherungen in rund 180 Ländern mit Thales-Technik, weltweit sind etwa 1.200 Radare und rund 10.000 Navigationsanlagen des Konzerns installiert, und mehr als 160 Flugsicherungssysteme sind in Betrieb. Rund 40 Prozent des Luftraums weltweit werden nach Unternehmensangaben mit Thales-Lösungen gemanagt.

Das Herzstück ist TopSky, bis 2012 unter dem Namen Eurocat bekannt. Die Software verbindet Kontrollstellen innerhalb eines Fluginformationsgebiets – Tower, Anflugkontrolle und Bezirkskontrolle – zu einem System. Sie verarbeitet Radar- und ADS-B-Daten, verwaltet Flugpläne, unterstützt den Datenfunk zwischen Lotse und Cockpit und warnt vor Konflikten, Mindesthöhen-Unterschreitungen und Notfall-Transpondercodes. Eingesetzt wird TopSky unter anderem in Australien, Österreich (zur dortigen Flugsicherung siehe Austro Control und Skyguide), Belgien, Irland, Großbritannien, Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

In Australien zeigt Thales, wie weit das gehen kann: 2018 erhielt der Konzern den Auftrag für OneSKY, ein System, das zivile und militärische Flugsicherung des Landes zusammenführt. 2017 kaufte Thales außerdem das britische Unternehmen Aveillant, das sogenannte holografische Radare baut, mit denen sich auch kleine Ziele wie Drohnen erfassen lassen.

Radar am Flughafen

Primär- und Sekundärradare erfassen den Verkehr in der Umgebung. Viele davon stammen von Herstellern wie Thales.

Anflug mit ILS

Landekurs- und Gleitwegsender führen das Flugzeug bei schlechter Sicht auf die Bahn – Navigationsanlagen gehören zum Kerngeschäft von Thales.

Arbeitsplatz des Lotsen

Systeme wie TopSky bündeln Radarbild, Flugplan und Warnungen auf dem Bildschirm im Kontrollraum.

Transponder an Bord

Mode S und ADS-B liefern die Daten, die du auch in der Flugverfolgung siehst.

Für dich als Spotter ist das mehr als Hintergrundwissen. Die Antennen am Bahnende, die du bei Anflugfotos oft im Bild hast, sind meist Teil eines Instrumentenlandesystems – wie das funktioniert, erklärt ILS-Anflug erklärt. Was die Transponder an Bord senden und warum du Flugzeuge dadurch auf dem Radar siehst, zeigen Transponder Mode A, C und S und Flugverfolgung mit ADS-B. Wer im Kontrollraum wofür zuständig ist, sortiert der Beitrag Delivery, Ground, Tower, Approach, Center. Und wie die Flugsicherung in Deutschland und Europa organisiert ist, erfährst du bei der DFS und bei Eurocontrol; die großen Linien seit den Anfängen fasst die Geschichte der Flugsicherung zusammen.

Wetter, Wind und Pisten im Blick

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Bordunterhaltung: Thales in der Kabine

Der dritte zivile Schwerpunkt liegt dort, wo Passagiere ihn am ehesten bemerken: auf den Bildschirmen in der Rückenlehne. Thales gehört zu den großen Anbietern von Bordunterhaltungssystemen. Lange galt der Markt als Revier weniger Firmen, zu denen neben Thales vor allem Panasonic Avionics und das heutige Collins Aerospace zählten.

2014 baute Thales dieses Geschäft aus und kaufte von JetBlue deren Tochter LiveTV mit Sitz in Melbourne, Florida, für rund 400 Millionen US-Dollar. LiveTV war bekannt für Live-Satellitenfernsehen am Sitz, Filme und Moving-Map-Anzeigen; Kunden waren unter anderem JetBlue, United, WestJet, Azul und Turkish Airlines. Heute geht der Trend weg vom reinen Bildschirm hin zu Konnektivität: Internet und Streaming auf das eigene Gerät gehören auf vielen Langstrecken inzwischen dazu.

Für deine Sichtungen ist das eher Bonuswissen – von außen siehst du höchstens Antennenverkleidungen für Satellitenverbindungen auf dem Rumpfrücken. Ob ein bestimmtes Flugzeug ein Thales-System an Bord hat, hängt von Airline und Kabinenversion ab und kann sich bei jeder Nachrüstung ändern. Warum an Bord trotzdem der Flugmodus gilt, erklärt der Beitrag Warum Flugmodus?.

Rafale: wo Thales sichtbar wird

Beim Militär ist Thales am leichtesten zu fassen, und zwar am Rafale von Dassault. Fast die gesamte Sensorik des französischen Kampfflugzeugs stammt von Thales oder wurde mit Thales entwickelt:

System Funktion Was du davon siehst
RBE2 AA Radar mit elektronischer Strahlschwenkung (AESA) Unter der Nasenspitze verborgen
SPECTRA Selbstschutzsystem, gemeinsam mit MBDA entwickelt Antennen und Sensoren an Rumpf, Leitwerk und Lufteinläufen
OSF Optronik für den vorderen Sektor, sichtbar und infrarot Sensorfenster vor dem Cockpit
Damocles Zielbeleuchtungsbehälter mit Laser Behälter unter dem Rumpf
TALIOS Neuerer Zielbehälter, 2014 vorgestellt Behälter unter dem Rumpf

Gerade die Zielbehälter sind ein schönes Detail für Airshow-Fotos. Ein Rafale mit Damocles oder TALIOS unter dem Rumpf sieht anders aus als einer im reinen Vorführmodus. Gute Chancen auf Rafale-Vorführungen hast du bei großen Shows; einen Überblick bietet der Beitrag Airshows in Europa.

Auch bei Hubschraubern ist Thales Zulieferer – die Avionik-Suite TopDeck gibt es zum Beispiel für den Sikorsky S-76. Bei Mustern von Airbus Helicopters oder Leonardo hängt die Ausrüstung stark von Kunde und Version ab – hier lohnt sich die Recherche zum konkreten Luftfahrzeug.

Der Rafale auf deiner Wunschliste

Setz Typen wie den Rafale oder bestimmte Kennzeichen auf die Wunschliste in deinem Hangar und halte jede Sichtung mit Foto fest. Planetrack startet bald. Die Warteliste findest du unten auf dieser Seite.

Raumfahrt: Thales Alenia Space

Über die Atmosphäre hinaus ist Thales mit Thales Alenia Space aktiv. Das Unternehmen mit Sitz in Cannes entstand 2007, nachdem Thales die Raumfahrtanteile von Alcatel übernommen hatte; Thales hält 67 Prozent, der italienische Leonardo-Konzern 33 Prozent. Zusammen mit dem Satellitendienstleister Telespazio bildet es die sogenannte Space Alliance.

Bekannt ist Thales Alenia Space unter anderem für Beiträge zur Internationalen Raumstation – von der Aussichtskuppel Cupola bis zur Druckstruktur des europäischen Labors Columbus. Dazu kommen Bodensegmente für das europäische Navigationssystem Galileo, Wettersatelliten der Meteosat-Reihe und Kommunikationssatelliten. 2025 kündigten Thales, Airbus und Leonardo an, ihre Raumfahrtaktivitäten einschließlich Telespazio in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen zu bündeln; dafür sind behördliche Genehmigungen nötig.

Thales in Deutschland und Europa

Thales ist ein französischer Konzern, aber mit starken Standbeinen in mehreren Ländern. In Großbritannien bildet der ehemalige Racal-Konzern die Basis, in den Niederlanden baut Thales Nederland in Hengelo Radare – das Unternehmen war früher als Signaal bekannt. Auch in Deutschland ist der Konzern mit einer eigenen Landesgesellschaft vertreten.

Für Luftfahrtfans in Frankreich lohnt sich ein Blick auf zwei Regionen. Rund um Bordeaux und Mérignac sitzt die Avioniksparte, und in Toulouse, der Heimat von Airbus und ATR, arbeiten zahlreiche Zulieferer eng mit den Endmontagelinien zusammen. Am Flughafen Toulouse-Blagnac siehst du Neuflugzeuge von Airbus und ATR, die mit Thales-Technik ausgeliefert werden; das Museum Aeroscopia zeigt Airbus-Geschichte aus der Nähe, Tipps zum Spotten dort liefert Planespotting in Toulouse-Blagnac.

Thales ist für dich spannend, wenn …

  • dich Cockpits, Avionik und Flugsicherung interessieren
  • du Militärflugzeuge wie den Rafale fotografierst
  • du Flugfunk hörst oder Flugverfolgung nutzt und die Technik dahinter verstehen willst

Bedingt relevant, wenn …

  • du vor allem Lackierungen und Airlines sammelst
  • du dich auf Triebwerke und Flugzeugtypen konzentrierst

Eher nebensächlich, wenn …

  • du nur sichtbare Unterschiede zwischen Flugzeugen bestimmen willst
  • dich Kleinflugzeuge und Oldtimer mehr reizen als moderne Systeme

Wo du Thales live erlebst

Weil Thales-Technik selten offen zu sehen ist, sind Messen der beste Ort, um sie aus der Nähe zu erleben. Die Paris Air Show in Le Bourget findet alle zwei Jahre am Flughafen Paris-Le Bourget statt – dort zeigt der Konzern Cockpits, Radare und Kabinensysteme, und am Himmel fliegt meist ein Rafale. Auf dem Gelände liegt außerdem das Musée de l’Air et de l’Espace, dessen Sammlung du auch als Spot am Flughafen Le Bourget nutzen kannst. In Deutschland bietet die ILA Berlin eine ähnliche Bühne.

Im Alltag lohnt sich ein bewussterer Blick. Achte beim nächsten Besuch am Bahnende auf die Antennenfelder des Instrumentenlandesystems, auf den Radarturm am Flughafenrand und darauf, welche Muster vor dir landen. Eine ATR 72-600 von Air France oder einer Regionalairline, ein A380 von Emirates oder ein Rafale bei einer Airshow – überall arbeitet Thales im Verborgenen mit.

Antennen sind kein Fotomotiv für jede Nähe

Radar- und ILS-Anlagen liegen meist im Sicherheitsbereich des Flughafens. Fotografier sie nur von öffentlich zugänglichen Flächen aus und überschreite keine Absperrungen – auch nicht für ein besseres Motiv.

Thales im Vergleich

Unter den Systemlieferanten der Luftfahrt gehört Thales zu den breitesten. Safran ist ebenfalls französisch, hat seinen Schwerpunkt aber bei Triebwerken, Fahrwerken und Kabinenausstattung. Honeywell Aerospace und Collins Aerospace konkurrieren mit Thales direkt bei Avionik und Kabinensystemen. In Deutschland ist Diehl Aviation ein Partner und Wettbewerber in Avionik und Kabine. Was Thales von allen abhebt, ist die Kombination aus Cockpit, Flugsicherung, Kabine, Raumfahrt und Verteidigung unter einem Dach.

Dein Hangar, deine Community

Beiträge mit Flugzeugdaten, Hangar mit Wunschliste, Spot-Karte mit bestem Licht und eine Community mit Likes, Kommentaren und Foto der Woche – das ist Planetrack. Planetrack startet bald. Die Warteliste findest du unten auf dieser Seite.

Fazit

Thales ist kein Name, den du auf einem Seitenleitwerk liest – und trotzdem einer der wichtigsten Akteure der Luftfahrt. Aus Thomson-CSF hervorgegangen, liefert der Konzern Avionik für Airbus und ATR, Flugsicherungssysteme für einen großen Teil des weltweiten Luftraums, Bordunterhaltung für Airlines und fast die gesamte Sensorik des Rafale. Dazu kommen Raumfahrt und Verteidigung.

Für dich als Spotter ist Thales vor allem ein Schlüssel zum Verständnis: Warum ein Flugzeug bei Nebel sicher landet, wie der Lotse dein Motiv auf dem Bildschirm sieht und was hinter den Cockpitfenstern einer ATR arbeitet. Wer das weiß, schaut beim nächsten Anflug ein bisschen genauer hin.

Kurzfazit

Thales baut keine Flugzeuge, sondern die Elektronik darin und darum herum. Avionik, Flugsicherung und Bordunterhaltung sind die zivilen Säulen, beim Rafale wird Thales sogar sichtbar – an Radar, Selbstschutz und Zielbehältern.

Zusammenfassung

  • Thales ist einer der großen europäischen Elektronikkonzerne und entstand 2000 aus Thomson-CSF; die Wurzeln reichen bis 1893 zurück.
  • In der Zivilluftfahrt ist Thales in drei Feldern präsent: Avionik im Cockpit, Flugsicherung am Boden und Bordunterhaltung in der Kabine.
  • Im Militärbereich prägt Thales vor allem den Rafale von Dassault mit Radar, Selbstschutzsystem und Zielbehältern.
  • Für dich als Spotter ist Thales ein Hintergrundakteur – wer die Systeme kennt, versteht aber besser, was an Bord und im Tower passiert.

Häufige Fragen

Baut Thales Flugzeuge?

Nein. Thales ist ein Elektronik- und Systemkonzern. Er liefert Bauteile und Systeme an Flugzeughersteller wie Airbus, ATR und Dassault Aviation, an Airlines und an Flugsicherungen. Ein eigenes Flugzeug mit Thales-Namen gibt es nicht.

Was hat Thales mit der Flugsicherung zu tun?

Thales baut Software für Kontrollzentralen (TopSky, früher Eurocat), Radare und Navigationsanlagen wie Instrumentenlandesysteme. Laut Thales sind weltweit rund 1.200 Radare und etwa 10.000 Navigationsanlagen des Unternehmens installiert, und rund 40 Prozent des Luftraums werden mit Thales-Lösungen gemanagt. Wie die Flugsicherung in Deutschland organisiert ist, erklärt der Beitrag zur DFS.

Wer sind die Eigentümer von Thales?

Thales ist börsennotiert. Die beiden größten Aktionäre sind der französische Staat mit rund 26,6 Prozent und Dassault Aviation mit ebenfalls rund 26,6 Prozent (Stand Ende 2024). Ein kleiner Teil liegt bei den Beschäftigten, der Rest ist Streubesitz.

Woher kommt der Name Thales?

Bis Dezember 2000 hieß das Unternehmen Thomson-CSF. Nach der Übernahme der britischen Racal und dem Umbau des Konzerns gab es sich einen neuen, international einsetzbaren Namen: Thales.

Welche Rolle spielte Thales beim Absturz von Air-France-Flug 447?

Der Airbus A330-200 stürzte am 1. Juni 2009 über dem Atlantik ab. An Bord waren Staurohre von Thales verbaut, die bei Vereisung unzuverlässige Geschwindigkeitswerte liefern konnten. Ende August 2009 ordnete die EASA an, die betroffenen Thales-Sonden an A330 und A340 überwiegend durch Modelle von Goodrich zu ersetzen. Die Unfallursache war eine Kette aus vereisten Sonden und Reaktionen im Cockpit, nicht allein das Bauteil.

Liefert Thales Bordunterhaltung?

Ja. Thales baut Bildschirm- und Unterhaltungssysteme für Flugzeugkabinen und hat 2014 von JetBlue den Live-TV-Anbieter LiveTV übernommen. Welches System in einem bestimmten Flugzeug steckt, hängt von der Airline und der Kabinenversion ab – Kabinen werden regelmäßig nachgerüstet.

Was hat Thales mit dem Rafale zu tun?

Sehr viel. Dassault Aviation ist nicht nur Großaktionär von Thales, Thales ist umgekehrt auch der wichtigste Elektroniklieferant des Rafale: Das Radar RBE2 mit elektronischer Strahlschwenkung, das gemeinsam mit MBDA entwickelte Selbstschutzsystem SPECTRA, das Frontsektor-Optronik-System OSF sowie die Zielbehälter Damocles und TALIOS stammen von Thales.

Hat Thales auch mit Raumfahrt zu tun?

Ja, über Thales Alenia Space in Cannes, an dem Thales 67 Prozent und Leonardo 33 Prozent hält. Das Unternehmen und seine Vorgänger haben unter anderem Strukturen und Module für die Internationale Raumstation gebaut, etwa die Aussichtskuppel Cupola. Ein Zusammenschluss mit den Raumfahrtsparten von Airbus sowie mit Telespazio ist angekündigt, braucht dafür aber die Freigabe der Behörden.

Sichtungen rund um Thales sammeln

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Passende Airlines

Die Fluggesellschaften dazu – mit IATA- und ICAO-Code, Rufzeichen und Lackierung.

Typische Flugzeuge

Flugzeugtyp

Airbus A380-800

Zwei durchgehende Passagierdecks, vier Triebwerke, fast 80 Meter Spannweite: Der A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Die Produktion ist beendet, sehen kannst du ihn trotzdem noch regelmäßig.

Flugzeugtyp

Airbus A350-900

Schwarze Cockpit-Maske, elegant hochgebogene Flügelspitzen, zwei mächtige Trent-XWB-Triebwerke: Die A350-900 ist Airbus’ moderner Langstrecken-Twin. So erkennst du sie sicher.

Flugzeugtyp

Airbus A330-200

Kürzer als die A330-300, mit auffällig hohem Seitenleitwerk und großer Reichweite: Die A330-200 ist ein Langstrecken-Klassiker, der langsam aus Europas Flotten verschwindet. So erkennst du sie sicher.

Flugzeugtyp

Airbus A320 (ceo)

Der Jet, mit dem Airbus den Kurzstreckenmarkt umgekrempelt hat: Die A320 der ersten Generation ist seit 1988 im Dienst und noch immer an fast jedem Flughafen zu sehen. So erkennst du sie und ihre Varianten.

Flugzeugtyp

Airbus A400M Atlas

Vier Turboprops mit sichelförmigen Achtblatt-Propellern, hoch angesetzter Flügel, T-Leitwerk und eine große Heckrampe: Der A400M ist Europas Militärtransporter. So erkennst du ihn sicher und weißt, wo du ihn siehst.

Flugzeugtyp

ATR 72-600

Hochdecker, T-Leitwerk, zwei sechsblättrige Propeller und ein Rumpf, der fast auf dem Vorfeld aufsitzt: Die ATR 72-600 gehört zu den erfolgreichsten Regional-Turboprops unserer Zeit. So erkennst du sie und so findest du sie.

Flugzeugtyp

ATR 42-600

Hochdecker, T-Leitwerk, zwei Sechsblatt-Propeller und ein kurzer, kompakter Rumpf: Die ATR 42-600 ist der kleinste Turboprop von ATR. So erkennst du sie und trennst sie von der größeren ATR 72.

Flugzeugtyp

Dassault Rafale

Canards dicht vor dem Deltaflügel, zwei seitliche Lufteinlässe, ein fest eingebauter Tankstutzen neben dem Cockpit: Die Rafale ist Frankreichs Allzweck-Kampfjet. So erkennst du sie und ihre Versionen B, C und M.

Spotting-Spots rund um Thales

Spots, an denen du die passenden Flugzeuge regelmäßig vor die Linse bekommst – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.

Alle Spotting-Spots im Überblick →

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Planetrack Redaktion

Diese Datenbank beschreibt Flughäfen, Flugzeughersteller, Airline-Gruppen, Allianzen und Luftfahrtmuseen. Eigentümer, Beteiligungen und Mitgliedschaften ändern sich laufend – gesicherte Angaben stehen im Steckbrief, alles Veränderliche ist als solches gekennzeichnet. Die einzelnen Fluggesellschaften findest du in der Airline-Datenbank.

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