Air Europe

Historische britische Ferien- und Linienairline (1978–1991) aus Gatwick: Air Europe flog für den Reiseveranstalter Intasun mit fabrikneuen Boeing 737 und 757, baute eine europäische Airline-Gruppe auf und stellte im März 1991 schlagartig den Betrieb ein.

Auch bekannt als: Inter European Airways · Air Europe Limited · Airlines of Europe · AE

GroßbritannienGroßbritannienFerienfliegerIATA: AE12 Min. Lesezeit

1979–1991

Flugbetrieb

AE

IATA-Code

1983

Erste Boeing 757

1989

Erster Fokker-100-Linienflug

Das Wichtigste in Kürze

  • Air Europe ist eine historische britische Airline: gegründet 1978, Flugbetrieb vom 4. Mai 1979 bis 8. März 1991.
  • Hausairline von Intasun: Hinter Air Europe stand die International Leisure Group (ILG) von Harry Goodman.
  • Neue Jets ab dem ersten Tag: Air Europe startete nicht mit Gebrauchtmaschinen, sondern mit drei fabrikneuen Boeing 737-200.
  • Vom Charter zur Linie: Ab 1985 kamen Linienflüge dazu, ab 1987 auch auf großen Europastrecken wie München, Paris und Brüssel.
  • Europäische Gruppe: Beteiligungen in Spanien (Air Europa), Deutschland, Italien und Norwegen flogen im gleichen Look.
  • Abruptes Ende: Rezession, Golfkrise und hohe Schulden führten im März 1991 zur Insolvenz der ILG.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Air Europe im Überblick
  2. 2.Codes und Rufzeichen
  3. 3.Die Geschichte in Etappen
  4. 4.Die Flotte: neue Boeings und die Fokker 100
  5. 5.Die Air-Europe-Gruppe
  6. 6.Woran du Air Europe erkennst
  7. 7.Sicherheit
  8. 8.Das Ende im März 1991
  9. 9.Spuren von Air Europe heute
  10. 10.Häufige Verwechslungen
  11. 11.Fazit

Steckbrief

IATA-CodeAE
RufzeichenAIR EUROPE
DrehkreuzeLGW, MAN
StatusHistorisch – Flugbetrieb am 8. März 1991 eingestellt
GeschäftsmodellFerien- und Charterflüge für Intasun, ab 1985 zusätzlich Linienverkehr
Gegründet1978 als Inter European Airways, ab 1979 Air Europe
Erster Flug4. Mai 1979, London-Gatwick–Palma de Mallorca mit einer Boeing 737-200
GründerErrol Cossey und Martin O'Regan, zuvor Manager bei Dan-Air
MuttergesellschaftInternational Leisure Group (ILG) von Harry Goodman, zu der auch Intasun gehörte
BasenLondon-Gatwick (LGW), Manchester (MAN) ab Herbst 1979, Cardiff ab 1982
Prägende TypenBoeing 737-200, 737-300, 737-400, Boeing 757-200, Fokker 100
EndeInsolvenz der ILG und ihrer britischen Töchter Anfang März 1991, rund 4.000 Arbeitsplätze verloren

Woran du die Airline erkennst

Ist das wirklich Air Europe?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Schriftzug „Air Europe“ auf dem weißen Oberrumpf – bei den Schwester-Airlines folgte dahinter die jeweilige Landesflagge
  • Britisches Kennzeichen mit G- bei 737 und 757, die Fokker 100 flogen teils mit niederländischem PH--Kennzeichen
  • Flotte aus fabrikneuen Boeing-Jets statt Gebrauchtmaschinen – ungewöhnlich für eine britische Charterairline jener Zeit
  • Ab Ende 1989 die Fokker 100 als Kurzstreckenjet auf Linien ab Gatwick
  • Heute nur noch auf historischen Fotos, in alten Flugplänen und Sammlungen zu sehen

Wer in den 1980er-Jahren aus Großbritannien in den Pauschalurlaub flog, landete gut möglich in einer Boeing von Air Europe. Die Airline aus Gatwick war der fliegende Arm des Reiseveranstalters Intasun, setzte von Anfang an auf fabrikneue Jets und wollte mehr sein als ein Ferienflieger: eine europäische Linienairline mit Schwestergesellschaften in mehreren Ländern. Im März 1991 war das alles von einem Tag auf den anderen vorbei. Hier erfährst du, was Air Europe ausmachte, welche Typen sie flog und wo du ihre Spuren heute noch findest.

Historische Airline

Air Europe hat den Flugbetrieb am 8. März 1991 eingestellt. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die Zeit von 1978 bis 1991. Der Code AE steht hier für die historische britische Airline.

Air Europe im Überblick

Air Europe war eine britische Charter- und Linienairline mit Hauptbasis London-Gatwick. Gegründet wurde sie 1978 unter dem Namen Inter European Airways, im Jahr darauf bekam sie ihren endgültigen Namen. Die Gründer Errol Cossey und Martin O’Regan kamen beide von Dan-Air und kannten das Chartergeschäft genau. Das Geld brachte Harry Goodman mit, der in den 1970er-Jahren den Reiseveranstalter Intasun aufgebaut hatte. Airline und Veranstalter gehörten später zum Dach der International Leisure Group (ILG).

Das Prinzip war einfach: Intasun verkaufte Pauschalreisen, Air Europe flog die Urlauber ans Ziel. Weil der Veranstalter die Sitze füllte, war die Airline vom Start weg gut ausgelastet. Sie gilt als erste neue britische Charterairline, die schon im ersten Jahr Gewinn schrieb.

Später wuchs aus dem Ferienflieger eine Airline mit eigenem Liniennetz, eigener Regionaltochter und Beteiligungen in Spanien, Deutschland, Italien und Norwegen. Ende der 1980er-Jahre war Air Europe die größte in Gatwick beheimatete Airline. Laut Geschäftsbericht für 1989 beförderte die Gruppe rund 5,8 Millionen Fluggäste.

AEIATA-Code ab Oktober 1980
LGWHeimatbasis Gatwick
G-Kennzeichen-Präfix der Boeing-Flotte

Codes und Rufzeichen

  • IATA-Code AE: stand ab Oktober 1980 in Flugnummern, auf Tickets und in Flugplänen.
  • Vorläufiges Kürzel KS: In der Anfangszeit liefen die Flüge unter diesem Code, der erste Flug hieß KS 1004.
  • Rufzeichen AIR EUROPE: So meldeten sich die Besatzungen im Funk.

Den ICAO-Code führen wir hier bewusst nicht auf, weil die Angaben dazu in den Quellen voneinander abweichen. Wenn du alte Tickets, Bordkarten oder Flugpläne auswertest, hilft dir vor allem das Kürzel AE. Wie die beiden Code-Systeme grundsätzlich aufgebaut sind, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes. Wer sich für Funkrufnamen interessiert, findet mehr unter Airline-Rufzeichen und ihre Geschichte.

Britische Klassiker im eigenen Hangar

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Die Geschichte in Etappen

1978–1979: Start mit neuen Jets

Gründung als Inter European Airways, Umbenennung in Air Europe. Am 4. Mai 1979 fliegt die erste Boeing 737-200 von Gatwick nach Palma. Im Herbst kommt Manchester als zweite Basis dazu.

1980–1984: Wachstum im Ferienflug

Zuteilung des IATA-Codes AE, ab 1982 Basis Cardiff. Im April 1983 startet die erste Boeing 757. Air Europe wird 1983 und 1984 als beste Charterairline der Branchenzeitung Travel Trade Gazette ausgezeichnet.

1985–1988: Einstieg in den Linienverkehr

Erste Linie Gatwick–Palma im Mai 1985, danach Gibraltar. Ab Dezember 1987 folgen München, Paris und Brüssel. 1988 übernimmt die ILG die Regionalairline Connectair.

1989–1990: Europäische Gruppe

Fokker 100 im Liniendienst, Großbestellungen bei Boeing, McDonnell Douglas und Airbus, Schwestergesellschaften in mehreren Ländern im gemeinsamen Look.

1991: Das Ende

Rezession, Golfkrise und hohe Schulden: Am 8. März 1991 stellen Air Europe und Air Europe Express den Betrieb ein.

Der Start 1979

Air Europe ging einen anderen Weg als viele britische Charterairlines jener Zeit. Statt gebrauchte Jets günstig zu übernehmen – wie es etwa Dan-Air zur Kunst machte –, startete sie mit drei fabrikneuen Boeing 737-200 Advanced – für eine junge britische Charterairline damals keineswegs selbstverständlich. Die erste Maschine trug das Kennzeichen G-BMHG und den Namen „Adam“ und flog am 4. Mai 1979 mit 130 Sitzen nach Palma de Mallorca.

Der erste Sommer lief bemerkenswert gut. Im August 1979 lag die durchschnittliche Auslastung bei 94 Prozent, im September stieg der 100.000. Fluggast ein. Ab Herbst 1979 flog Air Europe auch ab Manchester, 1982 kam Cardiff dazu.

Vom Ferienflieger zur Linienairline

Ein erster Versuch, eine Linie von Gatwick nach Miami zu bekommen, scheiterte 1980 an der britischen Luftfahrtbehörde. Der Durchbruch kam erst Mitte der 1980er-Jahre: Am 2. Mai 1985 startete die erste Linie Gatwick–Palma, viermal pro Woche. Im November 1985 folgte Gibraltar ab Gatwick, ein Jahr später auch ab Manchester.

Ab Ende 1987 ging Air Europe auf die großen Europastrecken: München im Dezember 1987, Paris-Charles-de-Gaulle im Februar 1988, Brüssel im April 1988. Bis 1989 kamen, teils gemeinsam mit der Regionaltochter, weitere Ziele wie Düsseldorf, Kopenhagen, Rom, Oslo, Stockholm, Genf und Malta dazu, im Oktober 1988 auch eine eigene Business Class. Damit stand Air Europe als private Airline direkt im Wettbewerb mit den großen Staatsairlines. Was einen Linienflug vom Charter unterscheidet, liest du im Artikel Charterflug und Linienflug.

Die Flotte: neue Boeings und die Fokker 100

Air Europe setzte konsequent auf moderne Flugzeuge. Die wichtigsten Muster im Überblick:

Typ Zeitraum bei Air Europe Einsatz Spotter-Hinweis
Boeing 737-200 Advanced 1979–1988 Ferienflüge, erste Flotte Ab Werk geliefert, Erstflug nach Palma
Boeing 757-200 1983–1991 Charter, ab 1989 auch Langstrecken-Charter Erste Maschine G-BKRM „Fiona“
Boeing 737-300 ab 1987 Charter und Linie Classic-Generation mit CFM56
Boeing 737-400 ab 1989 Charter und Linie Verlängerte Classic-Version
Fokker 100 1989–1991 Linienflüge ab Gatwick Teils mit niederländischem PH-Kennzeichen
Boeing 747 1989 Langstrecken-Charter, gemietet Mit Crew von Tower Air gemietet

Boeing 737: vom ersten bis zum letzten Tag

Die Boeing 737-200 war das erste Flugzeug von Air Europe. 1982 bestand der Kern der Flotte aus sieben ab Werk gelieferten Maschinen, dazu kamen drei weitere über ein Tauschabkommen mit einer US-Airline. Bis 1988 flog Air Europe die Serie -200.

Ab 1987 kam die Boeing 737-300 dazu, ab 1989 die längere Boeing 737-400. Beide gehören zur Classic-Generation mit den dickeren CFM56-Triebwerken. Wie du 737-Generationen auf Fotos auseinanderhältst, erklärt der Artikel Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX unterscheiden. Hersteller beider Varianten ist Boeing.

Boeing 757: früh dabei

Air Europe gehörte zu den frühen Betreibern der Boeing 757-200. Die erste Maschine, G-BKRM mit dem Namen „Fiona“, flog ihren ersten Passagierflug am 24. April 1983 von Gatwick nach Faro. Die zweite, G-BPGW, kam im März 1984 auf der Strecke Gatwick–Mailand dazu, eine dritte bestellte Air Europe direkt bei Boeing.

Die 757 war auch der Schlüssel für längere Strecken. Air Europe rüstete ihre 757 früh für den ETOPS-Betrieb aus, also für Flüge mit zwei Triebwerken über größere Entfernungen von Ausweichflughäfen. Ab 1989 flog sie damit Charter über den Atlantik nach Orlando sowie nach Goa und Malé. Für noch mehr Kapazität mietete Air Europe 1989 einen Jumbo samt Besatzung von Tower Air und flog damit Charter nach Bangkok, Barbados, Orlando und Acapulco. Wie du 757 und die ähnliche 767 auseinanderhältst, zeigt der Artikel Boeing 757 und 767 unterscheiden.

Fokker 100 für die Linie

Für das wachsende Liniennetz bestellte Air Europe im März 1988 elf Fokker 100 mit Option auf elf weitere. Der kleinere Jet sollte auf dünneren Strecken deutlich günstiger fliegen als die 737. Der erste Linienflug mit dem Typ ging am 4. Dezember 1989 von Gatwick nach Brüssel. Die Fokker 100 flogen zumindest teilweise mit niederländischen Kennzeichen, etwa PH-ZCL. Hersteller war Fokker aus den Niederlanden.

Bestellt, aber nie geflogen

Ende der 1980er-Jahre plante Air Europe groß. Sie war Erstkunde für die McDonnell Douglas MD-11 mit Rolls-Royce-Triebwerken: sechs feste Bestellungen, zwölf Optionen, Auslieferung ab 1993. Dazu kamen weitere 757 und 737-400 in Auftrag und im April 1990 eine Absichtserklärung über 40 Airbus A320. Keiner dieser Großaufträge wurde mehr erfüllt – die Airline existierte nicht lange genug.

757 und 737 Classic auf der Wunschliste

Setz Typen wie die Boeing 757 oder die 737-400 auf deine Wunschliste – Planetrack benachrichtigt dich, wenn einer in deiner Nähe anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.

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Die Air-Europe-Gruppe

Harry Goodman hatte eine europäische Idee: Unter dem Dach der Airlines of Europe sollten Gesellschaften in mehreren Ländern im gleichen Look und unter ähnlichem Namen auftreten. Weil die Regeln damals ausländische Mehrheitsbeteiligungen begrenzten, kaufte sich die ILG jeweils mit Minderheitsanteilen ein:

  • Spanien: 25 Prozent an Air España mit Sitz in Palma, die als Air Europa auftrat.
  • Deutschland: 49 Prozent am Nürnberger Flugdienst (NFD), der zeitweise als Air Europe Germany auftrat.
  • Italien: 35 Prozent an einer italienischen Gesellschaft, die ab 1989 als Air Europe Italy flog.
  • Norwegen: 33 Prozent an Norway Airlines.

Dazu kam die Regionaltochter Air Europe Express. Sie entstand aus der 1988 übernommenen Gatwick-Airline Connectair und flog ab Februar 1989 unter neuem Namen, unter anderem nach Antwerpen, Düsseldorf und Rotterdam. 1989 kam die übernommene Guernsey Airlines hinzu.

Spannend für Spotter: Die Schwestern flogen im Air-Europe-Look. Am einfachsten unterschieden sie sich durch die Nationalflagge hinter dem Schriftzug auf dem Oberrumpf – und natürlich durch das Kennzeichen. Nach der Insolvenz behielten einige spanische und italienische Gesellschaften die Bemalung noch eine Weile bei. Solche Übergangslackierungen sind ein eigenes Sammelgebiet; mehr dazu im Artikel über Hybrid- und Mischlackierungen.

Flagge und Kennzeichen prüfen

Siehst du auf einem alten Foto eine 737 oder 757 mit „Air Europe“-Schriftzug, lohnt der Blick auf Flagge und Kennzeichen: G- steht für die britische Mutter, andere Präfixe für eine Schwester. Wie britische Registrierungen aufgebaut sind, erklärt der Artikel zu britischen G-Kennzeichen.

Woran du Air Europe erkennst

Air Europe begegnet dir heute vor allem auf Fotos, Dias und in alten Flugplänen. Diese Merkmale helfen bei der Zuordnung:

  • Schriftzug „Air Europe“ auf dem weißen Oberrumpf.
  • Typ und Zeitraum: Eine 737-200 zwischen 1979 und 1988, eine 757-200 ab 1983 oder eine Fokker 100 ab Ende 1989 passen ins Bild.
  • Ort: Gatwick, Manchester, Cardiff und die klassischen Urlaubsziele rund ums Mittelmeer.
  • Kennzeichen: G- bei der britischen Boeing-Flotte, bei Schwester-Airlines andere Länderpräfixe.

Spricht für Air Europe (UK)

  • Schriftzug „Air Europe“ ohne fremde Landesflagge dahinter
  • G-Kennzeichen an 737 oder 757
  • Aufnahme aus Gatwick, Manchester oder Cardiff
  • Foto aus der Zeit zwischen 1979 und März 1991

Spricht dagegen

  • Spanische, italienische oder norwegische Flagge hinter dem Namen
  • Schriftzug „Air Europa“ – das ist die spanische Schwester
  • Foto nach März 1991

Wenn dich alte Bemalungen generell reizen, schau in die legendären Airline-Lackierungen und die Tipps unter Oldtimer am Himmel erkennen.

Sicherheit

Air Europe hatte in ihrer Geschichte keinen tödlichen Unfall mit eigenen Flugzeugen. Der bekannteste Zwischenfall betraf die Fokker 100 PH-ZCL: Am 17. Dezember 1989 brach auf dem Flug von Kopenhagen nach Gatwick ein Feuer im Cockpit aus. Die Crew kehrte nach Kopenhagen zurück, alle 88 Menschen an Bord blieben unverletzt.

Das Ende im März 1991

Schon ab 1989 hatte die ILG Mühe, ihre Flugzeugbestellungen zu finanzieren. Viele Flugzeuge gehörten der Airline gar nicht selbst, sondern waren verkauft und zurückgemietet. Dann kam einiges zusammen: Die Rezession in Großbritannien ließ die Nachfrage einbrechen, die Golfkrise ab Sommer 1990 schreckte Urlauber ab und trieb die Kerosinpreise hoch. Die Beteiligungen in ganz Europa hatten zusätzliches Geld gebunden.

Als Geldgeber absprangen, gingen die ILG und ihre britischen Töchter Anfang März 1991 in die Insolvenz. Am 8. März 1991 stellten Air Europe und Air Europe Express den Betrieb ein. Rund 4.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Einen Überblick über ähnliche Zusammenbrüche gibt der Artikel Große Airline-Pleiten in Europa.

Was danach kam

  • Air Europa in Spanien machte unter neuen Eigentümern weiter und ist heute eine große spanische Airline.
  • Der Nürnberger Flugdienst wurde gerettet: Hans Rudolf Wöhrl kaufte den ILG-Anteil vom Insolvenzverwalter zurück.
  • Norway Airlines konnte sich dagegen nicht dauerhaft halten.
  • Air Europe Express wurde vom früheren Connectair-Management zurückgekauft und als Euroworld neu gestartet. Daraus wurde CityFlyer Express, die 1999 zu British Airways kam – eine Linie, die bis zu BA CityFlyer reicht.
  • Dan-Air übernahm einige Strecken der verschwundenen Konkurrenz, ging aber selbst 1992 an British Airways.

Im Ferienflug gilt Airtours International vielen als geistiger Nachfolger von Intasun und Air Europe. Auch andere britische Namen jener Ära wie Britannia Airways, Monarch Airlines und British Caledonian, gegen die die ILG 1986 und 1987 erfolglose Übernahmeangebote abgab, sind inzwischen Geschichte.

Spuren von Air Europe heute

Live spotten kannst du Air Europe nicht mehr. Ihre Typen und Flughäfen kannst du aber weiter erleben:

Gatwick als Heimatbasis

Air Europa auf Mallorca

Die Typen im Alltag

  • Boeing 757 und 737 Classic sind heute selten geworden, fliegen aber teils noch als Frachter oder bei kleineren Betreibern
  • Die Fokker 100 ist in Europa kaum noch im Linienbetrieb zu finden

Auch Manchester und Gibraltar gehören zu den Orten, an denen Air Europe regelmäßig zu sehen war und die für Spotter bis heute reizvoll sind.

Häufige Verwechslungen

  • Air Europe mit Air Europa verwechseln – die britische Airline endete 1991, die spanische Air Europa fliegt bis heute.
  • Jede „Air Europe“ für britisch halten – Schwestergesellschaften in Italien und Norwegen trugen ähnliche Namen und denselben Look.
  • Air Europe für eine Gebrauchtflugzeug-Airline halten – im Gegenteil, sie startete mit fabrikneuen 737.
  • Den Code AE einer heutigen Airline zuordnen – in historischen Unterlagen bis 1991 steht AE für Air Europe.

Deine Sichtungen sauber sortiert

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Fazit

Air Europe war in vielem ihrer Zeit voraus: fabrikneue Jets für Pauschalurlauber, frühe 757-Einsätze über den Atlantik, ein privates Liniennetz auf den großen Europastrecken und die Idee einer Airline-Familie über Ländergrenzen hinweg. Genau dieser Ehrgeiz wurde ihr zum Verhängnis, als Rezession, Golfkrise und Schulden zusammenkamen. Heute lebt die Geschichte in alten Fotos, in der spanischen Air Europa und in den Flughäfen weiter, an denen alles begann.

Kurzfazit

Air Europe (IATA AE) war eine historische britische Ferien- und Linienairline von 1978 bis 1991 mit Basis Gatwick und Tochter des Intasun-Konzerns ILG. Bekannt ist sie für ihre fabrikneue Boeing-Flotte, die frühe 757 und ihre europäische Airline-Gruppe. Am 8. März 1991 stellte sie den Betrieb ein.

Zusammenfassung

  • Air Europe war die Fluggesellschaft hinter dem Reiseveranstalter Intasun und wuchs in den 1980er-Jahren zu einer der größten Charterairlines Großbritanniens.
  • Typisch war die moderne Flotte aus Boeing 737 und 757 – und der Anspruch, sich vom reinen Ferienflieger zur europäischen Linienairline zu entwickeln.
  • Die ehrgeizige Expansion mit Großbestellungen und Beteiligungen in mehreren Ländern endete 1991 in der Insolvenz.
  • Live spotten kannst du Air Europe nicht mehr. Ihre Typen, ihre Flughäfen und die überlebende Schwester Air Europa machen die Geschichte aber greifbar.

Häufige Fragen

Gibt es Air Europe heute noch?

Nein. Die britische Air Europe stellte am 8. März 1991 den Flugbetrieb ein, als die Muttergesellschaft International Leisure Group und ihre britischen Töchter in die Insolvenz gingen. Es gibt keine aktive britische Airline unter diesem Namen. Nicht verwechseln solltest du sie mit der spanischen Air Europa, die bis heute fliegt.

Welchen IATA-Code hatte Air Europe?

Air Europe nutzte den IATA-Code AE, der der Airline im Oktober 1980 zugeteilt wurde. Davor liefen die Flüge unter dem Kürzel KS – der allererste Flug am 4. Mai 1979 trug die Nummer KS 1004. Im Funk meldeten sich die Crews mit dem Rufzeichen „AIR EUROPE“.

Was hat Air Europe mit Air Europa zu tun?

Die spanische Air Europa ging aus Air España hervor, an der die ILG 25 Prozent hielt – mehr ausländische Beteiligung war damals nicht erlaubt. Air España trat als Air Europa auf und flog im Look der britischen Schwester. Nach der ILG-Insolvenz 1991 machte Air Europa eigenständig weiter.

Wer stand hinter Air Europe?

Gegründet wurde die Airline von Errol Cossey und Martin O'Regan, zwei früheren Managern von Dan-Air. Wichtigster Geldgeber war Harry Goodman, Gründer des Reiseveranstalters Intasun und Chef der International Leisure Group, zu der Air Europe gehörte.

Welche Flugzeuge flog Air Europe?

Den Anfang machten drei fabrikneue Boeing 737-200. Ab 1983 kam die Boeing 757-200 dazu, später die 737-300 und 737-400. Ende 1989 folgte die Fokker 100 für Linienflüge. Bei der Einstellung 1991 bestand die Flotte laut verbreiteten Angaben aus 737-300, 737-400, 757-200 und Fokker 100.

Warum ging Air Europe pleite?

Mehrere Faktoren kamen zusammen: Die Rezession in Großbritannien drückte die Nachfrage, die Golfkrise ab Sommer 1990 belastete den Tourismus und trieb die Kerosinpreise nach oben. Gleichzeitig war die ILG durch Expansion, Flugzeugbestellungen und Beteiligungen hoch verschuldet. Als Geldgeber absprangen, folgte Anfang März 1991 die Insolvenz.

Was wurde aus Air Europe Express?

Die Regionaltochter Air Europe Express, hervorgegangen aus der 1988 übernommenen Connectair, stellte am 8. März 1991 ebenfalls den Betrieb ein. Das frühere Connectair-Management kaufte sie aus der Insolvenz zurück und startete sie als Euroworld neu. Daraus wurde später CityFlyer Express, die 1999 zu British Airways kam.

Air Europe im Blick behalten

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Flugzeugtypen in der Flotte

Flugzeugtyp

Boeing 737-200

Schlanke Zigarren-Triebwerke unter dem Flügel, eine Kufe am Bugrad und Luftdüsen vor dem Einlauf: Die 737-200 ist der Jet, der auf Schotter landet. Hier erfährst du, wie die -200 und die -200 Advanced entstanden, woran du sie erkennst und wo sie heute noch fliegt.

Flugzeugtyp

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Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.

Flugzeugtyp

Boeing 737-400

Drei Meter länger als die -300, zwei Notausgänge über dem Flügel und ein Hecksporn unter dem Heck: Die 737-400 war Boeings Antwort auf volle Ferienflieger. Hier liest du, wie sie entstand, wer sie in Europa flog und wo du sie heute als Frachter triffst.

Flugzeugtyp

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Lang, schlank, hochbeinig und mit Triebwerken, die fast zu groß wirken: Die 757-200 ist ein Schmalrumpf mit Langstrecken-Genen. Produziert wird sie seit 2004 nicht mehr, Spotter freuen sich deshalb über jede Begegnung.

Flugzeugtyp

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Zwei Tay-Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Heckkonus, der sich bei der Landung aufklappt: Die Fokker 100 ist der größte Verkehrsjet, den Fokker je gebaut hat – und heute ein seltener Fang.

Flugzeugtyp

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Weitere Airlines

Charter

Dan-Air

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Netzwerk

Air Europa

Spaniens private Netzwerk-Airline von Mallorca: Drehkreuz Madrid-Barajas, SkyTeam-Mitglied, reine Boeing-Flotte aus 737 und 787 Dreamliner und ein starker Fokus auf Lateinamerika.

Netzwerk

British Caledonian

Historische britische Airline mit Basis Gatwick: BCal flog von 1970 bis 1988 mit One-Eleven, DC-10 und Boeing 747 nach Afrika, Amerika und Asien, bevor British Airways sie übernahm.

Ferienflieger

Britannia Airways

Historische britische Charterairline mit Sitz in Luton (Flugbetrieb 1962–2005): Aus Euravia wurde 1964 Britannia Airways, die Hausairline des Reiseveranstalters Thomson. Sie flog früh die Boeing 737-200, brachte die Boeing 767 nach Europa und ging 2005 in Thomsonfly auf – der Vorläuferin der heutigen TUI Airways.

Ferienflieger

Airtours International

Historischer britischer Ferienflieger (1990–2008) aus Manchester: Airtours International flog für den gleichnamigen Reisekonzern mit MD-83, Airbus A320/A321, Boeing 757, 767 und DC-10, hieß ab 2002 MyTravel Airways und ging 2008 in Thomas Cook Airlines auf.

Ferienflieger

Monarch Airlines

Historische britische Ferienairline (1968–2017) aus London-Luton: Monarch flog fast 50 Jahre lang Urlauber in den Süden, von der Bristol Britannia über Boeing 720 und 757 bis zur Airbus-A321-Flotte. Ihr Zusammenbruch am 2. Oktober 2017 löste die bis dahin größte britische Rückholaktion in Friedenszeiten aus.

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Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

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Planetrack Redaktion

Die Airline-Datenbank entsteht aus eigener Beobachtung, Community-Sichtungen und öffentlich zugänglichen Quellen. Flotten, Strecken und Eigentümer ändern sich laufend – gesicherte Angaben stehen im Steckbrief, alles Veränderliche ist als solches gekennzeichnet.

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