Das Wichtigste in Kürze
- Systemzulieferer, kein Flugzeugbauer: Liebherr Aerospace liefert Fahrwerke, Luft- und Klimasysteme, Aktuatoren, Getriebe und Elektronik an Hersteller wie Airbus, Boeing und COMAC.
- Zwei Herzkammern: Lindenberg im Allgäu steht für Fahrwerke und Flugsteuerung, Toulouse für Air Management und Klimasysteme.
- Seit 1960 in der Luftfahrt: Der Weg begann mit Reparaturen von Fahrwerken und Hydraulik für die Bundeswehr.
- Für Spotter sichtbar: Bugfahrwerk der A350, Fahrwerk der A220 und die Klappflügelspitzen der 777-9.
- Teil eines Familienkonzerns: Die Luftfahrtsparte gehört zur Liebherr-Gruppe, die vor allem für Baukrane, Bagger und Kühlschränke bekannt ist.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Steckbrief
- 2.Tätigkeitsfelder
- 3.Struktur & Marken
- 4.Geschichte im Zeitraffer
- 5.Was du als Spotter wissen solltest
- 6.Stärken und Schwächen
- 7.Vom Baukran zum Bugfahrwerk
- 8.Was Liebherr Aerospace baut
- 9.Lindenberg: Fahrwerke aus dem Allgäu
- 10.Klappflügel und Aktuatoren
- 11.Toulouse: Luft für die Kabine
- 12.Toulouse als Spotter-Ziel
- 13.Lindenberg und der Bodensee
- 14.Weltweit unterwegs
- 15.Mehr als Luftfahrt: die Bahn
- 16.Liebherr im Vergleich
- 17.Fazit
- 18.Häufige Fragen
Steckbrief
| Konzern | Liebherr – familiengeführter Konzern, Dachgesellschaft ist die Liebherr-International AG in Bulle (Schweiz) |
|---|---|
| Sparte | Aerospace and Transportation Systems – Luftfahrt- und Bahntechnik unter einem Dach |
| Hauptgesellschaften | Liebherr-Aerospace & Transportation SAS in Toulouse und Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH in Lindenberg im Allgäu |
| Lindenberg im Allgäu | Fahrwerke, Flugsteuerungs- und Betätigungssysteme, Getriebe und Elektronik; laut Wikipedia rund 2.500 Beschäftigte |
| Toulouse | Luft- und Klimasysteme für Flugzeuge (Air Management); laut Wikipedia rund 1.000 Beschäftigte |
| Anfänge | 1960 in Lindenberg mit der Instandsetzung von Fahrwerken und Hydraulik für die Bundeswehr |
| Größe der Sparte | Laut Wikipedia 2019 rund 1,4 Mrd. Euro Umsatz und rund 6.200 Beschäftigte |
| Wichtigster Kunde | Airbus – 2015 laut Wikipedia knapp die Hälfte des Umsatzes |
| Weitere Kunden | Boeing, Airbus Helicopters, Bombardier, Embraer, ATR, COMAC, Leonardo, Rolls-Royce u. a. |
| Rolle in der Branche | Systemzulieferer der ersten Ebene – baut keine eigenen Flugzeuge |
| Offizielle Website | www.liebherr.com |
Tätigkeitsfelder
Struktur & Marken
Geschichte im Zeitraffer
Liebherr Aerospace aus Spotter-Sicht
Deine Checkliste für Liebherr Aerospace
- Das Bugfahrwerk einer Airbus A350 fotografiert – es kommt von Liebherr, das Hauptfahrwerk der -900 dagegen von Safran
- Eine Airbus A220 beim Aufsetzen erwischt – Fahrwerk, Air Management und Pneumatik stammen von Liebherr
- Eine Boeing 777X mit hochgeklappten Flügelspitzen gesehen – die Klappmechanik liefert Liebherr
- Eine COMAC C919 auf einer Messe oder Auslandstour vor die Linse bekommen – Fahrwerk und Air Management von Liebherr
- Einen Hubschrauber von Airbus Helicopters gesehen – auch dieser Hersteller zählt zu den Liebherr-Kunden
- Am Bahnhof einen Zug mit Liebherr-Klimaanlage benutzt – die Sparte heißt nicht umsonst Aerospace and Transportation
Stärken und Schwächen
Das spricht dafür
- Steckt in vielen modernen Mustern von A220 über A350 bis 777X – gut, um Typen technisch zu verstehen
- Deutsch-französisches Unternehmen mit Hauptwerk im Allgäu – ein Stück Luftfahrtindustrie direkt vor der Haustür
- Fahrwerke sind eines der besten Erkennungsmerkmale für Spotter – und Liebherr ist einer der großen Fahrwerksbauer
- Familiengeführter Konzern mit langer Kontinuität statt ständiger Fusionen
Wo es hakt
- Kein eigenes Flugzeug – an der Außenhaut trägt kaum ein Bauteil ein sichtbares Logo
- Welches Bauteil auf welchem Typ von Liebherr stammt, wechselt teils sogar zwischen Bug- und Hauptfahrwerk
- Die Werke in Lindenberg und Toulouse sind Industriestandorte, keine Besucherziele
- Viele Systeme wie Klimaanlage oder Zapfluft arbeiten unsichtbar im Rumpf
Beim Namen Liebherr denkst du vermutlich an gelbe Baukrane oder an den Kühlschrank in der Küche. Dass derselbe Familienkonzern seit 1960 Flugzeugtechnik baut, wissen die wenigsten – und doch rollt jede Airbus A350, die du am Zaun fotografierst, auf einem Bugfahrwerk von Liebherr an dir vorbei. Die Luftfahrtsparte hat zwei Herzkammern: das Allgäuer Städtchen Lindenberg für Fahrwerke und Flugsteuerung und Toulouse für Klima- und Luftsysteme. Dieses Porträt zeigt dir, was dort entsteht und wo du die Technik als Spotter wiederfindest.
Mehr als nur ein Foto
In Planetrack hältst du jede Sichtung mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline, Flughafen und Spot fest – so wird aus dem Fotoordner ein echtes Logbuch. Die App startet bald, die Anmeldung zur Warteliste findest du unten auf dieser Seite.
Vom Baukran zum Bugfahrwerk
Die Geschichte beginnt nicht in der Luftfahrt. 1949 gründete Hans Liebherr in Kirchdorf an der Iller sein Unternehmen, und der erste große Erfolg war ein mobiler Turmdrehkran. Daraus wuchs über die Jahrzehnte ein Konzern mit Baumaschinen, Mobil- und Hafenkranen, Bergbaumaschinen, Kühlgeräten, Komponenten und sogar Hotels. Die Dachgesellschaft sitzt heute in Bulle in der Schweiz, geführt wird das Ganze nach wie vor von der Familie Liebherr. 2024 kam die Gruppe laut Wikipedia auf rund 14,6 Milliarden Euro Umsatz und knapp 55.000 Beschäftigte.
Der Schritt in die Luftfahrt folgte 1960 in Lindenberg im Allgäu, einer Kleinstadt im Westallgäu, die bis dahin vor allem für ihre Hutindustrie bekannt war. Am Anfang stand bodenständige Arbeit: die Instandsetzung von Fahrwerken und Hydraulikteilen für die junge Bundeswehr und die Lizenzfertigung von Ersatzteilen. Aus dieser Werkstatt entwickelte sich Schritt für Schritt ein Entwicklungs- und Fertigungsbetrieb für komplette Fahrwerke, Flugsteuerungs- und Betätigungssysteme, Getriebe und Elektronik.
Anfang der 1970er-Jahre kam ein zweiter Standort hinzu – und zwar nicht irgendwo, sondern in Toulouse, der Stadt, in der wenig später die Endmontage der ersten Airbus-Flugzeuge anlief. Dort konzentrierte sich Liebherr auf Klimasysteme für Flugzeuge. Heute ist die Toulouser Gesellschaft Liebherr-Aerospace & Transportation SAS die Führungsgesellschaft der gesamten Sparte, während Lindenberg mit rund 2.500 Beschäftigten der größere Fertigungsstandort ist.
| Standort | Schwerpunkt | Für Spotter relevant bei |
|---|---|---|
| Lindenberg im Allgäu | Fahrwerke, Flugsteuerung, Aktuatoren, Getriebe, Elektronik | A220, A350 (Bugfahrwerk), C919, 777X-Flügelspitzen |
| Toulouse | Air Management: Klima, Zapfluft, Enteisung, Kabinendruck | A220, C919 |
| Weltweite Servicestandorte | Überholung, Ersatzteile, Reparaturen | Wartungszyklen der Airlines |
| Liebherr-Transportation Systems | Klima- und Betätigungssysteme für Züge | Bahnreisen zum Spot |
Was Liebherr Aerospace baut
Liebherr ist ein sogenannter Tier-1-Zulieferer: Das Unternehmen liefert nicht einzelne Schrauben, sondern ganze Systeme direkt an die Flugzeughersteller. Die Sparte deckt dabei ein breites Spektrum ab – von Verkehrsflugzeugen aller Größen über Geschäftsreisejets und Hubschrauber bis zu Militär- und Trainingsflugzeugen.
Fahrwerke sind das bekannteste Produkt. Dazu gehören nicht nur Federbein und Räder, sondern das gesamte System aus Ein- und Ausfahrmechanik, Verriegelung, Bugradlenkung und Sensorik. Air Management fasst alles zusammen, was mit Luft an Bord zu tun hat: Zapfluft aus den Triebwerken entnehmen und regeln, die Kabine klimatisieren und unter Druck halten, Flügelvorderkanten enteisen. Flugsteuerung und Betätigung meint die Aktuatoren, die Klappen, Vorflügel und andere bewegliche Teile verstellen. Dazu kommen Getriebe für Flugzeuge, Hubschrauber und Triebwerke sowie Bordelektronik, etwa Leistungselektronik und Steuergeräte.
Laut Wikipedia hat die EASA beiden Hauptstandorten eine eigene Entwicklungsbetriebszulassung erteilt – Lindenberg und Toulouse dürfen ihre Systeme also selbst entwickeln und für die Zulassung nachweisen, statt nur nach Bauplan zu fertigen. Zum Geschäft gehört außerdem ein weltweites Servicenetz, das Fahrwerke und Komponenten von Airlines überholt.
Warum Fahrwerke für Spotter zählen
Zahl der Räder, Anordnung der Achsen, Form der Fahrwerksklappen: Das Fahrwerk verrät dir oft auf einen Blick, welcher Typ gerade landet. Wer weiß, wer es gebaut hat, versteht auch, warum zwei ähnliche Flugzeuge unten herum ganz anders aussehen. Einen guten Einstieg bietet der Beitrag zu Fahrwerkskonfigurationen als Erkennungsmerkmal.
Lindenberg: Fahrwerke aus dem Allgäu
Das Werk in Lindenberg ist der industrielle Kern der Sparte. Laut Wikipedia umfasst das Gelände rund 127.000 Quadratmeter, davon rund 82.000 Quadratmeter überdachte Hallen. Hier entstehen Fahrwerke und Fahrwerkssysteme, Aktuatoren für die Flugsteuerung, Getriebe und elektronische Baugruppen.
Das wohl bekannteste Produkt für Langstreckenfans ist das Bugfahrwerk der Airbus A350. Spannend daran: Das Hauptfahrwerk derselben Maschine kommt von einem anderen Hersteller. Bei der A350-900 liefert es Safran, bei der A350-1000 die heutige Collins Aerospace. An einem einzigen Flugzeug stecken also Fahrwerke von zwei verschiedenen Herstellern. 2019 lieferte Liebherr für das A350-Fahrwerk zudem sein erstes 3D-gedrucktes Serienbauteil aus, einen Sensorhalter aus Metall.
Komplett von Liebherr stammt dagegen das Fahrwerk der Airbus A220, die Bombardier ursprünglich als CSeries entwickelt hatte – das gilt für die kürzere A220-100 ebenso. Und auch für die COMAC C919 hat Liebherr das Fahrwerk entwickelt. Gefertigt wird es in China in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einer Tochter des staatlichen Luftfahrtkonzerns AVIC – ein Beispiel dafür, wie westliche Zulieferer im chinesischen Flugzeugbau mitwirken. Auch bei Embraer ist Liebherr vertreten: Laut Wikipedia stammen die Fahrwerke der E190 aus dem Konzern.
Deine Wunschtypen im Blick
Setz die A350, die A220 oder die 777-9 auf die Wunschliste deines Hangars und richte Sichtungs-Alarme für diese Typen ein – Planetrack meldet sich, wenn ein passendes Flugzeug anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich unten in die Warteliste ein.
Klappflügel und Aktuatoren
Neben Fahrwerken baut Lindenberg Systeme, die Teile des Flugzeugs bewegen. Das spektakulärste Beispiel für Spotter ist die Boeing 777X: Ihre Tragflächen sind so lang, dass die Spitzen am Boden hochgeklappt werden, damit das Flugzeug an gewöhnliche Gates passt. Das Betätigungssystem dieser Klappflügelspitzen liefert Liebherr.
Wenn du eine 777X nach der Landung über den Rollweg fahren siehst, achte auf den Moment, in dem die Flügelspitzen nach oben schwenken – das ist Liebherr-Technik in Aktion. Die Auslieferung des Typs an Airlines hat sich mehrfach verschoben; ob und wo du ihn aktuell im Linienbetrieb siehst, prüfst du am besten kurz vor dem Spottertag. Wie du die 777X von älteren Varianten und vom Dreamliner unterscheidest, erklärt der Beitrag Boeing 777 und 787 unterscheiden.
Auch die Getriebe gehören zu Lindenberg. Gemeinsam mit Rolls-Royce betreibt Liebherr das Gemeinschaftsunternehmen Aerospace Transmission Technologies, das das Leistungsgetriebe für den UltraFan entwickelt – ein Triebwerkskonzept, bei dem ein Getriebe den großen Fan langsamer drehen lässt als die Turbine. Auch Hubschrauberhersteller wie Airbus Helicopters und Leonardo zählen zu den Kunden.
| Programm | Liebherr-Anteil | Hersteller |
|---|---|---|
| Airbus A220 | Fahrwerk, Air Management, Pneumatik | Airbus (ursprünglich Bombardier) |
| Airbus A350 | Bugfahrwerk | Airbus |
| Airbus A320 und A330 | Cockpit-Wechselrichter (seit 2021) | Airbus |
| Boeing 777X | Betätigung der Klappflügelspitzen | Boeing |
| COMAC C919 | Fahrwerk, Air Management | COMAC |
| Rolls-Royce UltraFan | Leistungsgetriebe (Joint Venture) | Rolls-Royce |
Toulouse: Luft für die Kabine
Der Standort Toulouse kümmert sich um das, was du als Passagier spürst, aber nie siehst: die Luft an Bord. Bei den meisten Verkehrsflugzeugen wird Luft aus dem Verdichter der Triebwerke abgezweigt – die sogenannte Zapfluft oder Bleed Air. Sie ist heiß und steht unter hohem Druck. Ventile, Wärmetauscher und Klimaaggregate bringen sie auf die richtige Temperatur und den richtigen Druck, bevor sie in die Kabine strömt. Ein Teil davon dient außerdem dazu, die Flügelvorderkanten eisfrei zu halten.
Bei der A220 liefert Liebherr das gesamte Air-Management-System samt Pneumatik, bei der C919 ebenfalls das Air Management. Nicht jeder Airbus trägt allerdings Toulouser Klimatechnik: Bei der A350 etwa stammt das Air-Management-System von Honeywell Aerospace. Wie die Luftversorgung an Bord im Detail funktioniert, erklärt der Beitrag zur Kabinenluft.
Dass Liebherr gerade in Toulouse sitzt, ist kein Zufall. Die Stadt ist das Zentrum von Airbus, und Airbus ist mit Abstand der wichtigste Kunde: 2015 entfiel laut Wikipedia knapp die Hälfte des Spartenumsatzes auf den europäischen Flugzeugbauer. Kurze Wege zu Entwicklungsabteilungen und Endmontagelinien sind für einen Systemlieferanten Gold wert.
Toulouse als Spotter-Ziel
Die Liebherr-Werke selbst sind Industriestandorte und keine Besucherziele. Die Stadt Toulouse dagegen gehört für Spotter zu den spannendsten Zielen Europas. Am Flughafen Toulouse-Blagnac starten und landen nicht nur Linienflüge, sondern auch Testflugzeuge, Neuauslieferungen und Sonderbesucher wie die Beluga-Transporter. Wer dort Testflugzeuge der A350 fotografiert, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Liebherr-Technik im Bild.
Direkt am Flughafen liegt das Luftfahrtmuseum Aeroscopia, dessen Umfeld sich auch für Fotos vom Flugbetrieb eignet. Was du dort siehst und wie du den Standort am besten nutzt, steht im Spot-Guide Aeroscopia in Toulouse-Blagnac. Einen Überblick über die ganze Stadt aus Spottersicht gibt der Beitrag Planespotting in Toulouse-Blagnac.
Testflüge im Blick behalten
In Toulouse fliegen viele Maschinen mit Testkennzeichen. Flugverfolgungsdienste zeigen dir, wann ein Erstflug oder Abnahmeflug ansteht.
Fahrwerk bewusst fotografieren
Bei Landungen mit langer Brennweite lohnt ein Bild mit ausgefahrenem Fahrwerk – an der A350 siehst du Bug- und Hauptfahrwerk verschiedener Hersteller.
Kennzeichen notieren
Gerade bei Neuauslieferungen wechseln Kennzeichen schnell. Halte das Testkennzeichen und, wenn möglich, die spätere Registrierung fest.
Museum einplanen
Aeroscopia zeigt unter anderem Concorde und Super Guppy – eine gute Ergänzung, wenn am Himmel gerade wenig los ist.
Lindenberg und der Bodensee
Das Allgäuer Werk liegt im Landkreis Lindau, nicht weit vom Bodensee. Planespotting im klassischen Sinn gibt es in Lindenberg nicht, aber die Region hat für Luftfahrtfans einiges zu bieten. Der Flughafen Friedrichshafen am Nordufer des Sees ist einer der nächstgelegenen Verkehrsflughäfen und Gastgeber der AERO Friedrichshafen, der großen Messe für die allgemeine Luftfahrt. Direkt daneben erzählt das Dornier Museum die Geschichte eines anderen süddeutschen Luftfahrtpioniers.
Weiter nordöstlich liegt der Flughafen Memmingen, ein beliebter Low-Cost-Flughafen. Eine Liebherr-Tour durchs Allgäu mit Abstecher an den Bodensee lässt sich also gut mit ein paar Stunden am Zaun verbinden.
Messe statt Werkstor
Wer Liebherr-Fahrwerke und Klimaaggregate aus der Nähe sehen will, hat auf großen Luftfahrtmessen die besten Chancen. Auf der ILA Berlin zeigte Liebherr 2012 unter anderem ein Modell des A350-Bugfahrwerks. Ob das Unternehmen auf einer bestimmten Messe ausstellt, prüfst du vorher im Ausstellerverzeichnis.
Weltweit unterwegs
Neben Lindenberg und Toulouse betreibt die Sparte weitere Standorte, vor allem für Service und Instandhaltung. Laut Wikipedia gehören dazu unter anderem Campsas in Frankreich, Saline im US-Bundesstaat Michigan, Laval in Kanada, Guaratinguetá in Brasilien, Dubai, Bangalore, Singapur und ein Wartungszentrum in Shanghai. Im Sommer 2026 begann Liebherr in Shanghai mit dem Bau eines neuen Standorts für Liebherr-Aerospace Technology – ein Zeichen dafür, wie wichtig der chinesische Markt mit C919 und wachsenden Airline-Flotten geworden ist.
Das Servicegeschäft ist für Liebherr ähnlich bedeutend wie die Neufertigung. Fahrwerke müssen nach festen Intervallen überholt werden, und Airlines vergeben diese Arbeiten oft an den Hersteller. Im September 2026 meldete Liebherr etwa eine Vereinbarung mit China Airlines über die Überholung von A350-Bugfahrwerken. Für dich bedeutet das: Wenn eine Maschine für einige Tage aus dem Umlauf verschwindet, kann gerade ihr Fahrwerk in einer Liebherr-Werkstatt liegen.
Mehr als Luftfahrt: die Bahn
Die Sparte heißt nicht ohne Grund Aerospace and Transportation Systems. Das Know-how aus der Flugzeugklimatisierung nutzt Liebherr auch für Schienenfahrzeuge: Die Bahntochter liefert Klimaanlagen sowie Betätigungs- und Hydrauliksysteme für Schienenfahrzeuge. Wenn du mit dem Zug zum Spotterplatz fährst, sitzt du also unter Umständen in einem Wagen, dessen Klimaanlage aus derselben Unternehmensfamilie stammt wie die Kabinenluft der A220.
Liebherr im Vergleich
Im Markt für Flugzeugsysteme konkurriert Liebherr mit einer kleinen Gruppe großer Zulieferer, die sich viele Programme teilen. Bei Fahrwerken sind Safran und Collins Aerospace die wichtigsten Wettbewerber – an der A350-Familie sind sogar alle drei beteiligt. Bei Klima- und Luftsystemen ist Honeywell Aerospace der große Gegenspieler, ebenso Collins mit seiner Hamilton-Sundstrand-Linie.
| Zulieferer | Schwerpunkte | Berührungspunkte mit Liebherr |
|---|---|---|
| Safran | Fahrwerke, Bremsen, Gondeln, Triebwerke | Hauptfahrwerk der A350-900 |
| Collins Aerospace | Avionik, Fahrwerke, Klima, Kabine | Hauptfahrwerk der A350-1000 |
| Honeywell Aerospace | Avionik, Hilfsturbinen, Air Management | Air Management der A350 |
| Rolls-Royce | Triebwerke | Partner beim UltraFan-Getriebe |
Was Liebherr von vielen Wettbewerbern unterscheidet, ist die Eigentümerstruktur. Während Collins aus zahlreichen Fusionen hervorgegangen ist und Safran an der Börse notiert, gehört Liebherr Aerospace zu einem familiengeführten Konzern, der seine Luftfahrtsparte seit über 60 Jahren organisch ausgebaut hat. Für Spotter heißt das vor allem eines: Der Name bleibt stabil, und die Zuordnung der Produkte ist vergleichsweise übersichtlich.
Zuordnung immer prüfen
Im Netz kursieren viele ungenaue Angaben darüber, welches Fahrwerk oder welche Klimaanlage von welchem Zulieferer stammt. Bei der A350 etwa ist nur das Bugfahrwerk von Liebherr. Verlass dich bei Bauteil-Zuordnungen auf Hersteller- und Typangaben, nicht auf Forenposts.
Spotten, sammeln, teilen
Beiträge mit Flugzeugdaten, Spot-Karte mit bestem Licht, Sonnenstand-Planer und eine Community mit Foto der Woche – das ist Planetrack. Planetrack startet bald. Die Warteliste findest du unten auf dieser Seite.
Fazit
Liebherr Aerospace ist einer der Zulieferer, die man nicht sieht, aber ständig vor der Linse hat. Aus einer Reparaturwerkstatt für Bundeswehr-Fahrwerke im Allgäu ist ein Systemlieferant geworden, der Fahrwerke, Klimasysteme, Aktuatoren und Getriebe an Airbus, Boeing, COMAC und andere liefert. Lindenberg und Toulouse teilen sich die Arbeit: hier die Mechanik, dort die Luft.
Für dich als Spotter lohnt der Blick nach unten. Das Bugfahrwerk der A350, das komplette Fahrwerk der A220 und die hochklappenden Flügelspitzen der 777X sind Liebherr-Technik, die du mit einem guten Teleobjektiv tatsächlich ins Bild bekommst. Und spätestens beim nächsten Baukran am Straßenrand weißt du, dass derselbe Name auch in der Luftfahrt eine Rolle spielt.
Kurzfazit
Liebherr Aerospace ist die Luftfahrtsparte des Familienkonzerns Liebherr mit Fahrwerken und Flugsteuerung aus Lindenberg und Klimasystemen aus Toulouse. Sichtbar wird das Unternehmen vor allem an A220, A350-Bugfahrwerk und 777X – ein guter Grund, beim nächsten Landungsfoto auf das Fahrwerk zu achten.
Zusammenfassung
- Liebherr Aerospace ist die Luftfahrtsparte des Familienkonzerns Liebherr und einer der großen europäischen Systemzulieferer.
- Aus Lindenberg im Allgäu kommen Fahrwerke, Aktuatoren, Getriebe und Elektronik, aus Toulouse Klima- und Zapfluftsysteme.
- Wichtigster Kunde ist Airbus; dazu kommen Boeing, COMAC, Embraer, Bombardier, Hubschrauberhersteller und Rolls-Royce.
- Für Spotter lohnt der Blick auf die Fahrwerke: Bei A220, A350 und C919 hat Liebherr seine Finger im Spiel.
Häufige Fragen
Ist Liebherr Aerospace dieselbe Firma wie der Kranhersteller Liebherr?
Ja, im Sinne des Konzerns. Liebherr Aerospace ist die Luftfahrtsparte der familiengeführten Liebherr-Gruppe, die Hans Liebherr 1949 gegründet hat und die vor allem für Turmdrehkrane, Mobilkrane, Erdbewegungsmaschinen und Kühlgeräte bekannt ist. Die Luftfahrt läuft als eigene Sparte zusammen mit der Bahntechnik unter dem Namen Aerospace and Transportation Systems.
Was wird in Lindenberg und was in Toulouse gebaut?
Lindenberg im Allgäu ist der Standort für Fahrwerke, Flugsteuerungs- und Betätigungssysteme, Getriebe und Elektronik. Toulouse ist auf Luft- und Klimasysteme spezialisiert, also alles, was Luft aus den Triebwerken entnimmt, aufbereitet und in die Kabine bringt. Beide Standorte haben eine eigene Entwicklungszulassung der EASA für ihre Systeme.
Baut Liebherr das Fahrwerk der Airbus A350?
Zum Teil. Das Bugfahrwerk der A350 kommt von Liebherr. Das Hauptfahrwerk der A350-900 liefert dagegen Safran, das der A350-1000 die heutige Collins Aerospace. Ein schönes Beispiel dafür, dass an einem einzigen Flugzeug mehrere Fahrwerksbauer beteiligt sein können.
Was hat Liebherr mit der Boeing 777X zu tun?
Liebherr liefert das Betätigungssystem für die klappbaren Flügelspitzen der 777X. Die Flügelspitzen werden nach der Landung hochgeklappt, damit das Flugzeug mit seiner großen Spannweite an normale Gates passt. Mehr zum Typ steht auf der Seite zur Boeing 777-9.
Liefert Liebherr auch an chinesische Hersteller?
Ja. Für die COMAC C919 liefert Liebherr Fahrwerk und Air-Management-System. Das Fahrwerk entsteht in China in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einer Tochter des Luftfahrtkonzerns AVIC. 2026 hat Liebherr zudem den Bau eines neuen Standorts in Shanghai begonnen.
Kann man die Liebherr-Werke besichtigen?
Öffentliche Werksführungen sind uns nicht bekannt – Lindenberg und Toulouse sind Industriestandorte. Wenn du Liebherr-Technik live sehen willst, sind Luftfahrtmessen wie die ILA Berlin oder die Paris Air Show die bessere Adresse; dort zeigt Liebherr häufig Exponate. Prüf vorher, ob Liebherr auf der jeweiligen Messe vertreten ist.
Wie groß ist Liebherr Aerospace?
Laut Wikipedia setzte die Sparte 2019 rund 1,4 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 6.200 Menschen. Für die beiden Hauptstandorte nennt Wikipedia etwa 2.500 Beschäftigte in Lindenberg und rund 1.000 in Toulouse. Neuere Spartenzahlen veröffentlicht der Konzern nicht in dieser Form – nimm die Angaben als Größenordnung.
Sichtungen rund um Liebherr Aerospace sammeln
Foto mit Kennzeichen, Typ, Airline und Spot posten, Funde im Hangar sammeln und Likes und Kommentare aus der Community bekommen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Typische Flugzeuge
Airbus A350-900
Schwarze Cockpit-Maske, elegant hochgebogene Flügelspitzen, zwei mächtige Trent-XWB-Triebwerke: Die A350-900 ist Airbus’ moderner Langstrecken-Twin. So erkennst du sie sicher.
FlugzeugtypAirbus A220-300
Schlanker Rumpf, riesige Getriebefan-Triebwerke, große Fenster: Die A220-300 begann als Bombardier CS300 und ist heute bei Swiss, airBaltic und Air France Alltag. So erkennst du sie.
FlugzeugtypBoeing 777-9 (777X)
Klappbare Flügelspitzen, das größte Triebwerk der Welt und der längste Passagierjet überhaupt: Die 777-9 ist Boeings neuer Langstrecken-Riese. So erkennst du sie – und so stehen Zulassung und Erstauslieferung.
FlugzeugtypComac C919
Zwei LEAP-Triebwerke, A320-Format, Kennzeichen mit B-: Die Comac C919 ist Chinas erster großer Schmalrumpfjet. Hier erfährst du, wie du sie erkennst und warum sie in Europa ein echter Seltenheitsfund ist.
FlugzeugtypAirbus A350-1000
Schwarze Cockpit-Maske, gebogene Flügelspitzen und ein Rumpf von fast 74 Metern auf sechsrädrigen Fahrwerken: Die A350-1000 ist die große A350. So erkennst du sie und trennst sie sicher von A350-900 und Boeing 777.
FlugzeugtypAirbus A220-100
Kurz, bullig, mit überraschend großen Triebwerken: Die A220-100 begann als Bombardier CS100 und wird seltener. So erkennst du die kleine Schwester der A220-Familie sicher.
FlugzeugtypBoeing 777-8 (777X)
Kürzer als die 777-9, dafür mit der größten Reichweite der ganzen 777-Familie: Die 777-8 ist Boeings Ultralangstrecken-Variante der 777X. Hier liest du, was sie kann, warum sie auf sich warten lässt und wer sie bestellt hat.
Spotting-Spots rund um Liebherr Aerospace
Spots, an denen du die passenden Flugzeuge regelmäßig vor die Linse bekommst – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Weitere Einträge
Airbus
Europäisches Luft- und Raumfahrtunternehmen und einer der beiden großen Hersteller von Verkehrsflugzeugen – mit Flugzeugfamilien vom A220 bis zum A350.
HerstellerBoeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
HerstellerCOMAC
Von Shanghai aus will COMAC das Duopol von Airbus und Boeing aufbrechen: Der Regionaljet ARJ21, seit 2024 als C909 vermarktet, fliegt in großer Zahl in China, die C919 tritt gegen A320neo und 737 MAX an, und mit der C929 ist ein Großraumjet in Arbeit. Hier erfährst du, wie der staatliche Hersteller entstanden ist, wie du seine Muster erkennst und wo du sie realistisch vor die Linse bekommst.
HerstellerCollins Aerospace
Kein eigenes Flugzeug, aber in fast jedem steckt etwas von ihm: Collins Aerospace liefert Avionik, Head-up-Displays, Fahrwerke, Sitze, Bordküchen und Datenfunk – und gehört über die Tochter FlightAware sogar zu den Werkzeugen, mit denen Spotter Flüge verfolgen.
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