Das Wichtigste in Kürze
- Crab heißt schräg anfliegen: Im Endanflug zeigt die Flugzeugnase etwas in den Wind, damit die Flugbahn trotzdem genau auf der Pistenmittellinie bleibt.
- Decrab heißt geradeziehen: Kurz vor dem Aufsetzen dreht die Crew den Rumpf mit dem Seitenruder auf die Pistenachse und hält die Flächen mit den Querrudern waagerecht.
- Der Winkel macht den Seitenwind: Die Seitenwindkomponente hängt davon ab, wie schräg der Wind zur Piste steht. Bei 30 Grad wirkt die Hälfte, bei 90 Grad der volle Wind quer.
- Grenzwerte sind gestaffelt: Die Zulassung verlangt einen nachgewiesenen Seitenwindwert, Hersteller und Airlines legen eigene Grenzen fest, die bei nasser oder rutschiger Piste sinken.
- Für Spotter ein Fest: Schräg stehende Rümpfe, wippende Flächen, ein Rad, das zuerst aufsetzt, und gelegentlich ein Durchstarten – kaum eine Wetterlage liefert so viel Dynamik.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Seitenwindlandung: die kurze Antwort
- 2.Warum Seitenwind ein Problem ist
- 3.Crab: der schräge Anflug
- 4.Decrab: geradeziehen im letzten Moment
- 5.Sideslip und Wing-low: die hängende Fläche
- 6.Nach dem Aufsetzen: Die Landung ist noch nicht vorbei
- 7.Die Seitenwindkomponente berechnen
- 8.Grenzwerte: Wer entscheidet, wie viel Seitenwind geht?
- 9.Wenn es nicht passt: Durchstarten, Ausweichpiste, Ausweichflughafen
- 10.Warum Spotter Seitenwind lieben
- 11.Den richtigen Spot für Seitenwind finden
- 12.Worauf du am Spot achten solltest
- 13.Fazit
Der Jet kommt im Endanflug sichtbar schräg auf die Piste zu, die Nase zeigt deutlich neben die Mittellinie, die Flächen wippen. Ein paar Meter über dem Boden dreht sich der Rumpf plötzlich gerade, ein Hauptfahrwerk setzt mit einer kleinen Rauchwolke zuerst auf, dann das zweite. Wer das einmal live gesehen hat, versteht, warum Seitenwindlandungen bei Spottern so beliebt sind. Dieser Artikel erklärt, was dabei im Cockpit passiert: wie Crab, Decrab und Sideslip funktionieren, wie sich die Seitenwindkomponente berechnet, welche Grenzwerte es gibt und woran du einen guten Seitenwindtag schon am Morgen erkennst.
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Seitenwindlandung: die kurze Antwort
Bei einer Seitenwindlandung weht der Wind schräg oder quer zur Piste. Ein Flugzeug bewegt sich immer mit der Luftmasse, in der es fliegt – ohne Gegenmaßnahme würde es also seitlich von der Anfluglinie wegtreiben. Die Crew stellt die Nase deshalb leicht in den Wind (Crab), sodass sich Vorwärtsbewegung und Windversatz aufheben und die Flugbahn genau auf der Mittellinie liegt. Kurz vor dem Aufsetzen richtet sie den Rumpf mit dem Seitenruder auf die Pistenachse aus (Decrab) und hält die Flächen mit den Querrudern waagerecht. So rollen die Räder in Fahrtrichtung über den Asphalt, statt seitlich geschoben zu werden.
Warum Seitenwind ein Problem ist
Ein Flugzeug „spürt“ den Wind nicht wie ein Auto auf der Autobahn. In der Luft bewegt es sich relativ zur umgebenden Luftmasse, und diese Luftmasse wandert als Ganzes mit dem Wind. Weht der Wind von rechts, verschiebt sich die gesamte Luftmasse samt Flugzeug nach links. Am Boden zählt dagegen die Bewegung über Grund: Die Piste liegt fest, und die Räder müssen genau in ihre Richtung rollen.
Genau dieser Übergang zwischen zwei Bezugssystemen macht Seitenwind anspruchsvoll. In der Luft ist der schräge Anflug völlig normal und stabil. In den letzten Sekunden vor dem Aufsetzen muss die Crew das Flugzeug aber aus dem „Luftmassen-Denken“ ins „Pisten-Denken“ überführen – und das in Bodennähe, wo der Wind durch Gebäude, Bäume oder Geländekanten oft am unruhigsten ist. Kommen Böen dazu, ändert sich der benötigte Vorhaltewinkel ständig, und die Crew arbeitet entsprechend viel mit Steuerhorn oder Sidestick und Seitenruder.
Crab: der schräge Anflug
Die Standardtechnik bei großen Verkehrsflugzeugen ist der Crab-Anflug. Die Flächen bleiben waagerecht, die Nase zeigt ein Stück in den Wind. Wie groß dieser Vorhaltewinkel ist, hängt vom Verhältnis zwischen Seitenwind und Fluggeschwindigkeit ab: Je stärker der Querwind und je langsamer das Flugzeug, desto schräger der Anflug. Bei rund 30 Knoten Seitenwind und üblicher Anfluggeschwindigkeit eines Jets kommen grob zehn bis zwölf Grad zusammen – vom Zaun aus ist das gut zu sehen.
Für die Crew ist der Crab-Anflug angenehm, weil das Flugzeug koordiniert fliegt: kein seitliches Rutschen, keine hängende Fläche, Passagiere merken kaum etwas. Auch der Autopilot fliegt einen gekoppelten Anflug, etwa am ILS, auf diese Weise. Übernimmt die Crew im Endanflug von Hand, muss sie den Vorhaltewinkel beibehalten und darf ihn nicht vorzeitig herausnehmen, sonst beginnt das Flugzeug sofort zu driften.
So erkennst du den Crab am Spot
Schau nicht auf die Flugbahn, sondern auf den Rumpf. Bewegt sich das Flugzeug geradeaus auf die Schwelle zu, während du schräg auf die Seite des Rumpfs oder sogar in die Triebwerkseinläufe der windzugewandten Seite blickst, fliegt es im Crab. Von vorn betrachtet wirkt der Effekt am stärksten.
Decrab: geradeziehen im letzten Moment
Würde ein Flugzeug mit zehn Grad Vorhaltewinkel aufsetzen, liefen die Räder schräg zur Bewegungsrichtung. Das belastet Reifen und Fahrwerk seitlich und kann das Flugzeug in Richtung Pistenrand drehen. Deshalb nimmt die Crew den Vorhaltewinkel kurz vor dem Aufsetzen heraus – im Abfangbogen, also in den letzten Metern über dem Asphalt.
Dafür tritt sie ins Seitenruder auf der windabgewandten Seite, sodass sich die Nase auf die Pistenachse dreht. Durch diese Drehbewegung will das Flugzeug gleichzeitig um die Längsachse rollen, und der Wind drückt von der Seite. Mit den Querrudern hält die Crew deshalb die Flächen waagerecht oder leicht in den Wind geneigt. Das Timing ist entscheidend: Zu früh geradegezogen, beginnt das Flugzeug wieder zu driften. Zu spät, und es setzt schräg auf. Bei kräftigem Wind akzeptieren Hersteller einen kleinen Rest-Vorhaltewinkel beim Aufsetzen; das Fahrwerk ist dafür ausgelegt.
Gerade dieser Moment macht Seitenwindvideos so sehenswert: Innerhalb von ein, zwei Sekunden schwenkt die Nase herum, die Flächen zucken, und die Maschine „steht“ plötzlich gerade auf der Bahn.
Sideslip und Wing-low: die hängende Fläche
Die zweite klassische Technik ist der Sideslip, auch Wing-low-Methode genannt. Hier fliegt das Flugzeug von Beginn an mit der Nase in Pistenrichtung. Damit es trotzdem nicht abdriftet, hängt die Crew die Fläche auf der Windseite etwas nach unten und hält die Richtung mit dem entgegengesetzten Seitenruder. Das Flugzeug rutscht dadurch leicht seitwärts gegen den Wind – genau so viel, wie der Wind es wegschieben will.
Beim Aufsetzen berührt zuerst das Rad auf der Windseite den Boden, danach das andere. In der Sportfliegerei ist die Methode verbreitet. Bei großen Verkehrsflugzeugen hat sie eine klare Grenze: Triebwerksgondeln unter den Flächen und lange Spannweiten lassen nur sehr wenig Querneigung in Bodennähe zu. Schon wenige Grad zu viel können Triebwerk oder Flügelspitze bedrohlich nahe an den Boden bringen. In der Praxis kombinieren viele Crews deshalb die Techniken: Crab im Anflug, im Abfangen Decrab und dabei eine leicht in den Wind geneigte Fläche, um das Driften bis zum Aufsetzen zu verhindern.
| Technik | Was du siehst | Vorteil | Grenze |
|---|---|---|---|
| Crab | Rumpf schräg zur Anfluglinie, Flächen waagerecht | koordinierter, ruhiger Anflug, auch mit Autopilot | Vorhaltewinkel muss vor dem Aufsetzen raus |
| Decrab | Nase schwenkt kurz über der Bahn auf die Achse | Räder rollen in Fahrtrichtung | anspruchsvolles Timing im Abfangbogen |
| Sideslip / Wing-low | Fläche auf der Windseite hängt, ein Rad setzt zuerst auf | kein Umsteuern in letzter Sekunde | bei Jets mit Unterflügel-Triebwerken nur wenig Querneigung möglich |
| Kombination | Crab, dann Decrab mit leicht geneigter Fläche | verbindet ruhigen Anflug und sauberes Aufsetzen | verlangt präzises Zusammenspiel von Quer- und Seitenruder |
Die spektakulärste Landung des Tages teilen
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Nach dem Aufsetzen: Die Landung ist noch nicht vorbei
Sind alle Räder am Boden, wirkt der Wind weiter auf Seitenleitwerk und Rumpf. Das Flugzeug neigt dazu, sich wie eine Wetterfahne in den Wind zu drehen, und die windzugewandte Fläche will sich anheben. Die Crew hält deshalb beim Ausrollen die Querruder in den Wind und steuert mit Seitenruder und Bugradsteuerung auf der Mittellinie. Auf nasser oder glatter Bahn ist das schwieriger, weil die Reifen weniger Seitenführung haben. Auch die Schubumkehr kann bei starkem Seitenwind die seitlichen Kräfte verstärken – ein Grund, warum Seitenwind-Grenzen immer zusammen mit dem Pistenzustand betrachtet werden.
Die Seitenwindkomponente berechnen
Ob ein Tag ein Seitenwindtag wird, kannst du selbst ausrechnen. Du brauchst nur die Pistenrichtung und den Wind. Die Pistennummer mal zehn ergibt grob die Ausrichtung in Grad – Bahn 23 zeigt also auf rund 230 Grad. Wie die Bezeichnungen zustande kommen, steht im Artikel über Pistenbezeichnungen. Den Wind liefert der Wetterbericht des Flughafens; wie du einen METAR liest, erklärt der Guide METAR und TAF für Spotter.
Dann bildest du die Differenz zwischen Windrichtung und Pistenrichtung und multiplizierst die Windstärke mit dem passenden Faktor:
| Winkel zwischen Wind und Piste | Anteil Seitenwind | Anteil Gegen- oder Rückenwind |
|---|---|---|
| 0° | 0 % | 100 % |
| 15° | rund 26 % | rund 97 % |
| 30° | 50 % | rund 87 % |
| 45° | rund 71 % | rund 71 % |
| 60° | rund 87 % | 50 % |
| 90° | 100 % | 0 % |
Ein kleiner Haken: METAR-Windrichtungen beziehen sich auf geografisch Nord, Pistennummern auf magnetisch Nord. In Mitteleuropa liegen beide nur wenige Grad auseinander, für eine Spotter-Abschätzung spielt das keine Rolle.
Wie viel Seitenwind hat deine Piste?
Faustwert aus Windstärke mal Sinus des Winkels. Die tatsächlichen Bedingungen in Bodennähe können durch Böen und Gelände deutlich abweichen.
Grenzwerte: Wer entscheidet, wie viel Seitenwind geht?
Eine einzige „maximale Seitenwindstärke“ für alle Flugzeuge gibt es nicht. Die Grenzen entstehen in mehreren Stufen.
1. Zulassung
Die Bauvorschriften für große Flugzeuge verlangen, dass für trockene Pisten eine 90-Grad-Seitenwindkomponente nachgewiesen wird, bei der Start und Landung sicher möglich sind: mindestens der größere Wert aus 20 Knoten und 0,2 mal einer bestimmten Referenz-Überziehgeschwindigkeit, wobei mehr als 25 Knoten nicht gefordert sind.
2. Demonstrierter Wert
In der Flugerprobung erfliegt der Hersteller oft höhere Werte, als die Vorschrift verlangt. Der „maximale demonstrierte Seitenwind“ steht dann in den Flugzeugunterlagen. Er beschreibt, was erprobt wurde – je nach Typ und Hersteller ist er nicht automatisch ein hartes Limit.
3. Herstellerempfehlung
Hersteller geben zusätzlich empfohlene Seitenwindwerte für unterschiedliche Pistenzustände an – trocken, nass, mit Schnee, Matsch oder Eis. Je geringer die Reibung, desto niedriger die Grenze.
4. Airline und Crew
Die Fluggesellschaft legt im Betriebshandbuch ihre eigenen Grenzen fest, teils mit niedrigeren Werten für Kopiloten oder für automatische Landungen. Am Ende entscheidet die Crew, ob sie den Anflug fliegt, abbricht oder ausweicht.
Dazu kommen die Böen. Ein gleichmäßiger Wind von 25 Knoten ist für eine erfahrene Crew oft einfacher als 15 Knoten im Mittel mit Spitzen bis 35. Denn bei böigem Wind ändern sich Vorhaltewinkel und Fahrt ständig. Crews schlagen deshalb bei Böen einen Zuschlag auf die Anfluggeschwindigkeit auf, damit ein plötzlicher Windeinbruch das Flugzeug nicht zu langsam werden lässt. Warum die Landung bei solchen Bedingungen manchmal etwas fester ausfällt – und das oft sogar gewollt ist –, erklärt der Artikel Warum manche Landungen hart sind.
Ein Lehrbeispiel aus Hamburg
Am 1. März 2008 berührte ein Lufthansa-A320 beim Landeversuch auf der Bahn 23 in Hamburg bei starkem, böigem Seitenwind mit der linken Flügelspitze den Boden, nachdem das Flugzeug kurz aufgesetzt hatte und wieder abgehoben war. Die Crew startete durch und landete beim zweiten Anflug sicher auf der Bahn 33. Verletzt wurde niemand. Der Vorfall wurde behördlich untersucht und führte in der Branche zu einer breiten Diskussion darüber, wie demonstrierte Seitenwindwerte zu verstehen und in Betriebsvorgaben umzusetzen sind.
Wenn es nicht passt: Durchstarten, Ausweichpiste, Ausweichflughafen
Ist ein Anflug kurz vor dem Aufsetzen nicht mehr stabil, bricht die Crew ab und startet durch. Das ist kein Notfall, sondern ein trainiertes Standardverfahren – mehr dazu im Guide Durchstarten (Go-Around). An Flughäfen mit sich kreuzenden Pisten kann der Tower bei starkem Querwind die günstiger zum Wind liegende Bahn freigeben. Der Flughafen Hamburg mit seinen Pisten 05/23 und 15/33 ist dafür ein bekanntes Beispiel. Wie die Wahl der Landerichtung grundsätzlich funktioniert, erklärt Betriebsrichtung am Flughafen verstehen.
Reicht auch das nicht, weichen Flüge auf andere Flughäfen aus. Besonders windanfällige Plätze wie Madeira-Funchal mit Gebirge direkt neben der Bahn sind dafür bekannt, dass bei kräftigem Wind Anflüge abgebrochen oder Flüge umgeleitet werden. Wie du solche Umleitungen live verfolgst, zeigt der Artikel über Ausweichlandungen.
Warum Spotter Seitenwind lieben
An einem ruhigen Tag sehen Landungen fast alle gleich aus: stabiler Anflug, Abfangen, Aufsetzen. Bei Seitenwind wird jede Landung zum Unikat. Ein paar Gründe, warum Spotter bei Sturmwarnungen eher ins Auto steigen als zu Hause zu bleiben:
- Sichtbare Technik: Crab, Decrab und hängende Flächen machen Flugphysik sichtbar, die sonst im Verborgenen bleibt.
- Dynamische Bilder: Schräge Rümpfe, Wasserdampf an den Flächen bei feuchter Luft, Reifenrauch auf nur einer Seite – die Fotos haben Spannung.
- Typvergleich: Ein Airbus A320 reagiert anders auf Böen als eine Boeing 737-800 oder ein großer Langstreckenjet wie die Boeing 777-300ER. Wer länger zuschaut, entwickelt ein Gefühl für die Eigenheiten.
- Seltene Ereignisse: Durchstartmanöver, Pistenwechsel und Ausweichlandungen bringen ungewohnte Verkehrsmuster – manchmal landen Maschinen auf Bahnen, die sonst kaum genutzt werden.
- Videos mit Reichweite: Seitenwindlandungen gehören zu den beliebtesten Spotting-Clips überhaupt. Wie du sie technisch sauber aufnimmst, steht im Guide Seitenwindlandungen und Stürme filmen.
Wichtig dabei: Wackelige Anflüge sehen dramatisch aus, sind aber in aller Regel kontrollierte Manöver gut trainierter Crews. Ein Video mit einer Böe kurz vor dem Aufsetzen ist kein Beleg für einen Fehler im Cockpit.
Den richtigen Spot für Seitenwind finden
Für die besten Beobachtungen brauchst du drei Dinge: eine Piste, die quer zum Wind liegt, einen Flughafen, der nicht einfach ausweichen kann, und einen Spot nahe der Landeschwelle.
Gute Seitenwind-Flughäfen, wenn …
- alle Pisten in ähnliche Richtung zeigen, etwa bei Parallelbahnsystemen
- der Wind deutlich schräg zu dieser Achse steht
- ein öffentlicher Spot den Anflug von vorn-seitlich zeigt
Mit Planung, wenn …
- der Flughafen kreuzende Pisten hat und je nach Wind wechselt
- du flexibel zwischen Spots auf verschiedenen Seiten bist
- du die aktive Bahn live prüfen kannst
Eher enttäuschend, wenn …
- der Wind fast genau in Pistenrichtung weht
- dein Spot nur auf das Pistenende mit Startverkehr blickt
- Gewitter in der Nähe sind – dann gehört der Spot nicht dir, sondern dem Wetter
In Deutschland bietet sich etwa der Affenfelsen in Hamburg an, der auf die Piste 15/33 blickt – interessant, wenn der Tower bei Querwind auf diese Bahn wechselt. Am Parallelbahnsystem 05/23 in Düsseldorf kann der Tower bei Querwind nicht auf eine andere Achse ausweichen; einen Überblick über die Möglichkeiten dort gibt der Düsseldorf-Guide, dazu kommt die Besucherterrasse Düsseldorf. In den Niederlanden liefert der Flughafen Schiphol bei Herbststürmen regelmäßig Material, etwa von der Spotterplaats an der Polderbaan. Und wer es extrem mag, schaut nach Madeira zum Pico do Facho – mehr dazu im Madeira-Guide.
Um den Tag vorherzusehen, helfen Wettermodelle mit Windkarten. Der Artikel Windy und andere Wetterkarten zeigt, wie du Windrichtung und Böen für deinen Flughafen ablesen kannst.
Lohnt sich heute ein Seitenwind-Ausflug?
- Ich kenne die Pistenrichtungen meines Flughafens.
- Ich habe Windrichtung, Mittelwind und Böen aus METAR oder Vorhersage abgelesen.
- Die Seitenwindkomponente liegt deutlich über 15 Knoten.
- Ich weiß, welche Piste voraussichtlich für Landungen genutzt wird.
- Ich habe einen Spot nahe der Landeschwelle mit Blick auf den Anflug.
- Es sind keine Gewitter angesagt, und mein Spot liegt nicht unter Bäumen.
Worauf du am Spot achten solltest
- Front schlägt Seite: Den Vorhaltewinkel siehst du am besten schräg von vorn. Reine Seitenaufnahmen zeigen den Crab kaum.
- Ganze Sequenz beobachten: Das Spannende passiert in den letzten Sekunden. Halte die Kamera ab dem kurzen Endanflug bis zum Ausrollen auf das Flugzeug.
- Funk im Ohr behalten: Tower-Durchsagen zu Wind und Böen verraten, was die Crew gleich erwartet. Rechtliche Hinweise zum Hören und Veröffentlichen findest du im Artikel Flugfunk in Videos.
- Eigene Sicherheit zuerst: Sturm bringt herabfallende Äste, umherfliegende Teile und Kälte. Bleib auf öffentlichen Flächen und brich ab, wenn es ungemütlich wird. Zur Lage direkt unter dem Anflug lohnt der Artikel Spotten unter der Anflugschneise.
- Kein Urteil per Clip: Kommentiere fremde Landungen fair. Was von außen holprig aussieht, ist oft eine saubere Reaktion auf eine Böe.
Kein Sturm-Highlight mehr verpassen
Setz dir Sichtungs-Alarme für Typen, Airlines, Kennzeichen oder Special Liveries und lass dich bei Anflug und Landung benachrichtigen – während du am Spot die Böen im Blick behältst. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Eine Seitenwindlandung folgt einem klaren Muster: schräg anfliegen, um nicht abzudriften, kurz vor dem Aufsetzen geradeziehen, damit die Räder in Fahrtrichtung rollen, und beim Ausrollen weiter gegen den Wind arbeiten. Wie viel Seitenwind zulässig ist, ergibt sich aus Zulassungsnachweis, Herstellerempfehlung, Airline-Vorgaben und Pistenzustand – und Böen machen die Sache oft schwieriger als die reine Windstärke. Für Spotter ist das ein Glücksfall: Mit Pistenrichtung, METAR und einer einfachen Faustformel erkennst du gute Tage schon morgens und stehst dann am richtigen Ende der Bahn.
Kurzfazit
Crab im Anflug, Decrab im Abfangen, Querruder in den Wind beim Ausrollen – das ist das Grundrezept jeder Seitenwindlandung. Vergleich Pistenrichtung und Wind, rechne die Seitenwindkomponente aus und stell dich nahe der Landeschwelle schräg vor den Anflug: Dann siehst du die Technik so deutlich wie sonst nie.
Zusammenfassung
- Bei Seitenwind treibt die Luftmasse das Flugzeug quer zur Piste. Die Crew gleicht das mit einem Vorhaltewinkel aus und richtet den Rumpf erst kurz vor dem Aufsetzen auf die Achse aus.
- Neben Crab und Decrab gibt es die Sideslip- oder Wing-low-Technik mit hängender Fläche. Bei großen Jets mit Triebwerken unter den Flächen ist die mögliche Querneigung am Boden aber eng begrenzt.
- Wie viel Seitenwind zulässig ist, ergibt sich aus Zulassungsnachweis, Herstellerempfehlung, Airline-Vorgaben und dem Pistenzustand. Böen machen Anflüge oft schwieriger als ein gleichmäßig starker Wind.
- Spotter erkennen eine Seitenwindlage schon am Wetterbericht: Pistenrichtung und Windrichtung vergleichen, Windstärke und Böen ablesen und den Spot mit Blick auf die Landeschwelle wählen.
Häufige Fragen
Was ist eine Seitenwindlandung?
Eine Landung, bei der der Wind nicht genau von vorn, sondern schräg oder quer zur Piste weht. Ohne Korrektur würde das Flugzeug seitlich von der Mittellinie abdriften. Die Crew fliegt deshalb mit einem Vorhaltewinkel an und richtet das Flugzeug kurz vor dem Aufsetzen auf die Pistenachse aus.
Was bedeuten Crab und Decrab?
Crab (englisch für Krebs) beschreibt den schrägen Anflug: Die Nase zeigt in den Wind, das Flugzeug bewegt sich aber geradeaus entlang der Anfluglinie – ähnlich wie ein Krebs, der seitwärts läuft. Decrab ist das Ausrichten des Rumpfs auf die Pistenachse mit dem Seitenruder kurz vor dem Aufsetzen, damit das Fahrwerk nicht schräg über den Asphalt geschoben wird.
Was ist die Sideslip- oder Wing-low-Technik?
Dabei hängt die Crew die Fläche auf der Windseite leicht nach unten und hält die Nase mit dem Seitenruder in Pistenrichtung. Das Flugzeug fliegt dadurch leicht seitwärts gegen den Wind und bleibt auf der Achse. Das Rad auf der Windseite setzt zuerst auf. Bei Verkehrsflugzeugen mit Triebwerken unter den Flächen ist diese Technik nur mit sehr geringer Querneigung möglich, weil sonst Triebwerksgondel oder Flügelspitze dem Boden zu nahe kommen.
Wie berechne ich die Seitenwindkomponente?
Du multiplizierst die Windgeschwindigkeit mit dem Sinus des Winkels zwischen Wind und Piste. Als Faustregel reicht: bei 15 Grad etwa ein Viertel, bei 30 Grad die Hälfte, bei 45 Grad rund 70 Prozent, bei 60 Grad knapp 90 Prozent und bei 90 Grad der volle Wind. Wind aus 260 Grad mit 30 Knoten ergibt auf Bahn 23 also rund 15 Knoten Seitenwind.
Wie viel Seitenwind darf ein Verkehrsflugzeug haben?
Eine einzelne feste Zahl gibt es nicht. Die Zulassungsvorschriften verlangen, dass für trockene Pisten ein sicher nachgewiesener Seitenwindwert festgestellt wird – mindestens 20 Knoten oder 0,2 mal eine bestimmte Referenz-Überziehgeschwindigkeit, je nachdem, welcher Wert größer ist, wobei mehr als 25 Knoten nicht nachgewiesen werden müssen. Die tatsächlichen Werte der Typen liegen oft höher. Hersteller und Airlines legen darauf aufbauend eigene Grenzen fest, die bei nasser, verschneiter oder vereister Piste deutlich niedriger sind.
Ist der maximale demonstrierte Seitenwind ein hartes Limit?
Nicht automatisch. Der Wert beschreibt, was bei der Zulassung erflogen und als sicher gezeigt wurde. Ob er im Betrieb als feste Grenze gilt, regeln Herstellerunterlagen und Betriebshandbuch der Airline. Viele Fluggesellschaften arbeiten mit eigenen, teils niedrigeren Grenzwerten, etwa für Kopiloten oder bestimmte Pistenzustände.
Warum starten Flugzeuge bei Seitenwind manchmal durch?
Weil die Crew einen Anflug abbricht, sobald er nicht mehr stabil ist – etwa wenn eine Böe das Flugzeug kurz vor dem Aufsetzen versetzt oder die Querneigung zu groß wird. Ein Durchstarten ist ein Standardmanöver und kein Notfall. Danach folgt meist ein zweiter Anflug oder eine andere Piste.
Wo sehe ich Seitenwindlandungen am besten?
An Flughäfen, deren Pisten alle in eine ähnliche Richtung zeigen, sodass der Tower bei Querwind nicht ausweichen kann. Ideal ist ein Spot nahe der Landeschwelle mit Blick schräg von vorn auf den Anflug – dort siehst du den Vorhaltewinkel und das Geradeziehen am deutlichsten.
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