Das Wichtigste in Kürze
- Hongkongs Flughafen von 1925 bis 1998: Kai Tak lag mitten in Kowloon und trug die Codes HKG und VHHH, die heute der Flughafen Chek Lap Kok nutzt.
- Eine Piste im Hafenbecken: Die Bahn 13/31 wurde ab 1958 ins Wasser gebaut und erreichte 1975 ihre endgültige Länge von 3.390 Metern.
- Der Checkerboard-Anflug: Auf Piste 13 führte ein um rund 47 Grad versetzter Leitstrahl auf ein Schachbrett am Hang zu, die letzte Rechtskurve flogen die Crews tief und nach Sicht.
- Am Limit: Ausgelegt auf 24 Millionen Passagiere, fertigte Kai Tak 1996 rund 29,5 Millionen internationale Fluggäste ab und war die Nummer eins bei internationaler Fracht.
- Umzug über Nacht: In der Nacht zum 6. Juli 1998 wechselte der gesamte Betrieb nach Chek Lap Kok. Heute stehen auf dem Gelände Kreuzfahrtterminal, Parks und Stadion.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Steckbrief
- 2.Tätigkeitsfelder
- 3.Geschichte im Zeitraffer
- 4.Was du als Spotter wissen solltest
- 5.Stärken und Schwächen
- 6.Vom Landgewinnungsprojekt zum Flugfeld
- 7.Eine Piste, ins Wasser gebaut
- 8.Der Checkerboard-Anflug auf Piste 13
- 9.Die Gegenrichtung: Piste 31
- 10.Wer in Kai Tak flog
- 11.Unfälle und Zwischenfälle
- 12.Am Limit: Warum ein neuer Flughafen her musste
- 13.Die letzte Nacht im Juli 1998
- 14.Was heute vom alten Flughafen bleibt
- 15.Spotten in Hongkong heute
- 16.Fazit
- 17.Häufige Fragen
Steckbrief
| IATA-Code | HKG |
|---|---|
| ICAO-Code | VHHH |
| Status | Geschlossen – Flugbetrieb in der Nacht zum 6. Juli 1998 eingestellt, Verkehr seitdem am Flughafen Chek Lap Kok |
| Lage | Am Nordufer des Victoria Harbour in Kowloon, an der Kowloon Bay; im Norden und Nordosten Berge, im Westen die dichte Bebauung von Kowloon City |
| Betreiber (historisch) | Regierung von Hongkong, betrieben vom Civil Aviation Department (gegründet am 1. Mai 1946) |
| Start- und Landebahn (historisch) | Eine Bahn 13/31 auf aufgeschüttetem Land in der Bucht: 1958 mit 2.529 m eröffnet, ab 1975 mit 3.390 m Länge |
| Anflug Piste 13 | Instrument Guidance System (seit 1974), um rund 47 Grad gegen die Pistenachse versetzt; letzte Rechtskurve nach Sicht am Checkerboard Hill |
| Passagierterminal | 1962 eröffnet, in den 1980er- und 1990er-Jahren mehrfach erweitert; Auslegung zuletzt auf 24 Mio. Passagiere pro Jahr |
| Verkehr 1996 | Rund 29,5 Mio. internationale Passagiere und 1,56 Mio. t internationale Fracht – Platz 3 weltweit bei internationalen Passagieren, Platz 1 bei internationaler Fracht |
| Nachtruhe | Nachtflugsperre von 23:30 bis 6:30 Uhr |
| Heimatairlines | Cathay Pacific, Dragonair, Air Hong Kong |
| Nachnutzung | Kai Tak Cruise Terminal (seit 2013) an der Pistenspitze, Kai Tak Sky Garden (seit 2021), Kai Tak Sports Park (seit 2025), MTR-Station Kai Tak |
Tätigkeitsfelder
Geschichte im Zeitraffer
Flughafen Hongkong Kai Tak aus Spotter-Sicht
Deine Checkliste für Flughafen Hongkong Kai Tak
- Ein Großraumjet in Schräglage über Hochhäusern mit Reklametafeln im Vordergrund – das Kai-Tak-Motiv schlechthin, fast immer auf Piste 13
- Das rot-weiße Schachbrett am Hang des Checkerboard Hill im Hintergrund eines Anflugfotos
- Eine Piste, die als schmaler Damm in die Bucht ragt, links und rechts Wasser – typisch für Aufnahmen von der Seite der Kowloon Bay
- Alte Fotos mit HKG/VHHH verschlagwortet und dem Zusatz „Kai Tak“ – sonst landen sie im Archiv beim heutigen Flughafen Chek Lap Kok
- Eine Cathay-Pacific-Boeing 747 oder ein Dreistrahler im Anflug – die Flotten der 1970er- bis 1990er-Jahre
- Heute vor Ort: das restaurierte Schachbrett am Hügel bei der MTR-Station Lok Fu und die frühere Pistenspitze mit dem Kreuzfahrtterminal
Stärken und Schwächen
Das spricht dafür
- Einer der berühmtesten Anflüge der Luftfahrtgeschichte, mit Motiven, die es so nirgends sonst gab
- Enorme Vielfalt an Großraumjets aus Asien, Europa, Nordamerika und Australien
- Der Checkerboard Hill ist restauriert und frei zugänglich – ein greifbares Stück Geschichte
- Das frühere Pistengelände ist als Park und Kreuzfahrtterminal begehbar
- Gut per MTR erreichbar, ideal als Halbtagesausflug bei einem Hongkong-Besuch
Wo es hakt
- Seit Juli 1998 kein Flugbetrieb – aktuelle Flugzeuge siehst du hier nicht mehr
- Die alten Fotostandorte in Kowloon City haben sich durch neue, höhere Bauten stark verändert
- Vom ursprünglichen Terminal und den Flughafenbauten ist kaum etwas übrig
- Weite Teile des Geländes sind Baustelle oder neu bebaut
- Für Bilder aus der aktiven Zeit bist du auf Archive und Bücher angewiesen
Kaum ein Flughafen hat so viele Spotter-Fotos hervorgebracht, die man auf den ersten Blick erkennt. Ein Jumbo in Schräglage, die Flügelspitze scheinbar zwischen Wäscheleinen und Neonreklamen, darunter der Feierabendverkehr von Kowloon City: Das ist Kai Tak, Hongkongs Flughafen von 1925 bis 1998. Eine einzige Piste ragte als Damm in die Kowloon Bay, die Berge im Norden ließen keinen geraden Anflug zu, und so mussten die Crews kurz vor dem Aufsetzen eine scharfe Rechtskurve über der Stadt fliegen. Dieser Steckbrief fasst zusammen, wie der Flughafen gewachsen ist, wie er funktionierte, warum er schließen musste – und was du heute vor Ort noch findest.
Auch alte Sichtungen gehören in den Hangar
Mit Planetrack postest du Sichtungen mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline und Flughafen – auch eingescannte Kai-Tak-Bilder bekommen so ihren festen Platz in deiner Sammlung. Die App startet bald, die Anmeldung zur Warteliste findest du unten auf dieser Seite.
Vom Landgewinnungsprojekt zum Flugfeld
Der Name des Flughafens erinnert an ein gescheitertes Bauvorhaben. 1912 taten sich die Geschäftsleute Ho Kai und Au Tak zusammen, um in der Kowloon Bay Land aufzuschütten und zu bebauen. Das Projekt kam nicht wie gedacht voran, die Regierung übernahm das Gelände – und auf der flachen Fläche am Wasser begann die Fliegerei. 1924 eröffnete Harry Abbott dort eine Flugschule. Den ersten dokumentierten Flug datiert das Civil Aviation Department auf den chinesischen Neujahrstag 1925 – dieses Jahr gilt als Geburtsstunde von Kai Tak.
Die ersten Jahre waren bescheiden. 1928 kam eine Slipanlage für Wasserflugzeuge hinzu, 1935 der erste Kontrollturm und eine Halle. Am 24. März 1936 landete mit der „Dorado“ von Imperial Airways ein Flugzeug aus Penang – laut dem Civil Aviation Department der Startpunkt des öffentlichen Luftverkehrs in Hongkong. Im Zweiten Weltkrieg besetzte Japan die Kolonie, die Besatzer ließen das Flugfeld mit Kriegsgefangenen erweitern und zwei Betonpisten anlegen. Bombenangriffe hinterließen bis Kriegsende schwere Schäden.
Nach 1945 ging es schnell aufwärts. Am 1. Mai 1946 wurde das Civil Aviation Department gegründet, das den Flughafen fortan betrieb, und eine junge Airline namens Cathay Pacific begann mit Douglas DC-3 zu fliegen. Aus diesen Anfängen wurde eine der großen Airlines Asiens – und Kai Tak ihr Heimatflughafen bis zum letzten Tag.
Eine Piste, ins Wasser gebaut
Für den Jet-Verkehr reichten die alten Bahnen nicht. Die Lösung lag im Hafen: Auf aufgeschüttetem Land entstand eine neue Piste in Nordwest-Südost-Richtung, die 1958 mit 2.529 Metern Länge in Betrieb ging. Im selben Jahr erhielt der Flughafen den offiziellen Namen Hong Kong International Airport, 1962 kam das neue Passagierterminal dazu. 1970 landete laut Civil Aviation Department die erste Boeing 747 in Kai Tak, und schnell war klar: Die Großraumjets brauchten mehr Bahn.
Bis 1975 wuchs die Piste auf ihre endgültige Länge von 3.390 Metern. Voll nutzbar war sie erst ab dem 31. Dezember 1975, weil am Nordwestende noch der Flughafentunnel gebaut wurde. Damit hatte Kai Tak die Gestalt, die Spotter heute vor Augen haben: ein schmaler Landstreifen, der weit in die Kowloon Bay hineinragt, links und rechts Wasser, am Wurzelende Terminal und Vorfeld, dahinter die Stadt.
| Bahn | Richtung | Anflug kommt von | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| 13 | nach Südosten | Westen, über Kowloon | IGS mit 47-Grad-Versatz, Rechtskurve nach Sicht am Checkerboard Hill |
| 31 | nach Nordwesten | Südosten, über das Wasser | Anflug dicht an der Siedlung Heng Fa Chuen; nach dem Start Linkskurve von rund 65 Grad wegen der Berge |
Welche Richtung galt, entschied wie überall der Wind. Wie Flughäfen ihre Betriebsrichtung festlegen und was das für deinen Standort bedeutet, erklärt der Beitrag Betriebsrichtung am Flughafen verstehen.
Der Checkerboard-Anflug auf Piste 13
Berühmt wurde Kai Tak durch eine Kurve. Nordwestlich der Piste lagen dicht bebaute Viertel und dahinter Berge, die bis rund 600 Meter aufragen. Ein gerader Anflug in Pistenrichtung war damit ausgeschlossen. Seit 1974 führte deshalb ein Instrument Guidance System (IGS) die Maschinen auf Piste 13 – technisch ähnlich einem ILS, nur dass der Leitstrahl um rund 47 Grad gegen die Pistenachse versetzt war. Er zeigte nicht auf die Bahn, sondern auf einen Hügel im Norden Kowloons.
Dieser Hügel trug ein großes Schachbrettmuster aus roten und weißen Feldern und gab dem Anflug seinen Namen. Tauchte der Checkerboard Hill vor der Cockpitscheibe auf, war die Kurve nah. Meist unter etwa 1.000 Fuß und rund zwei Seemeilen vor dem Aufsetzpunkt leiteten die Crews eine Rechtskurve ein und richteten sich erst kurz vor der Schwelle auf die Piste aus – per Hand und nach Sicht. Weil das letzte Stück nicht instrumentengeführt war, waren Landungen auf Piste 13 bei sehr schlechter Sicht nicht möglich.
Die Herausforderung lag in der Kombination: wenig Höhe, wenig Zeit für Korrekturen, Böen von den Bergen und in der Taifun-Saison kräftiger Seitenwind. Airlines bereiteten ihre Besatzungen gezielt auf diesen Anflug vor. Für Gebäude in der Anflugschneise galten strenge Höhenbegrenzungen, die erst nach der Schließung fielen. Die Details des Verfahrens, die drei Phasen des Anflugs und die Erinnerungen der Spotter vertieft der Magazinbeitrag Kai Tak: Der Checkerboard-Anflug.
Fotos richtig verschlagworten
HKG und VHHH sind seit 1998 die Codes von Chek Lap Kok. Wenn du alte Dias oder Abzüge aus Kai Tak digitalisierst, ergänze den Flughafennamen und das Aufnahmejahr. Wie du ein Archiv sauber aufbaust, zeigt der Beitrag Flugzeugfotos archivieren.
Die Gegenrichtung: Piste 31
Weniger bekannt, aber ebenfalls anspruchsvoll war der Betrieb in die andere Richtung. Landungen auf Piste 31 kamen von Südosten über den Hafen herein und waren instrumentengeführt bis zur Bahn. Der Anflugweg führte dabei auf wenige Hundert Meter an der Wohnsiedlung Heng Fa Chuen auf Hong Kong Island vorbei. Wer auf 31 startete, hatte die Berge direkt vor sich und musste kurz nach dem Abheben eine Linkskurve von rund 65 Grad fliegen, um unter anderem dem Beacon Hill auszuweichen.
Für Spotter bedeutete Betriebsrichtung 31 andere Motive: Anflüge über das Wasser mit der Skyline von Hong Kong Island im Hintergrund, abhebende Jets, die schon kurz nach dem Start deutlich in die Kurve gingen. Die ikonischen Bilder über den Dächern entstanden dagegen fast alle bei Landungen auf Piste 13.
Die Jumbos von heute im Blick
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Wer in Kai Tak flog
Heimatairline war Cathay Pacific, die ihr Drehkreuz bis zur Schließung 1998 in Kai Tak hatte. Daneben hatten Dragonair (ab 1985) und die Frachtairline Air Hong Kong (ab 1986) hier ihre Basis. Beide gehörten später zur heutigen Cathay Group; Dragonair flog zuletzt als Cathay Dragon und stellte 2020 den Betrieb ein. Dazu kamen Airlines aus aller Welt, für die Hongkong ein wichtiges Ziel in Asien war – aus Europa, Nordamerika, Australien und natürlich aus der Region, etwa China Airlines aus Taiwan oder Singapore Airlines.
Das Flugzeugbild war von Großraumjets geprägt. Die Boeing 747 in mehreren Generationen war allgegenwärtig – von der 747-200 über die 747-300 mit dem verlängerten Oberdeck bis zur 747-400 der 1990er-Jahre. Dazu kamen Dreistrahler wie die Lockheed TriStar und gegen Ende die ersten großen Langstrecken-Twins. Wie du die Jumbo-Generationen auf alten Fotos auseinanderhältst, erklärt der Beitrag Boeing 747-100 bis 747-8 erkennen.
| Zeitraum | Prägende Nutzer | Typisches Flugzeugbild |
|---|---|---|
| 1925–1941 | Flugschule, Militär, erste Linienflüge | Kleine Propellerflugzeuge, Wasserflugzeuge |
| 1946–1957 | Cathay Pacific, internationale Linien | Douglas DC-3 und andere Kolbenmotor-Muster |
| 1958–1969 | Wachsender internationaler Verkehr | Erste Strahlflugzeuge auf der neuen Piste 13/31 |
| 1970–1998 | Cathay Pacific, Dragonair, Air Hong Kong, Airlines aus aller Welt | Boeing 747 aller Generationen, Dreistrahler, Frachter, später Langstrecken-Twins |
Unfälle und Zwischenfälle
So eingespielt der Betrieb über die Jahrzehnte wurde – die Lage verzieh wenig. Gängigen Zusammenstellungen zufolge kamen zwischen 1947 und 1994 bei Unglücken am Flughafen rund 131 Menschen ums Leben. Das schwerste ereignete sich am 24. August 1965, beim Absturz eines Transportflugzeugs vom Typ KC-130F des US Marine Corps; 59 der 71 Insassen starben.
Der bekannteste Zwischenfall der Jumbo-Ära ging glimpflich aus. Am 4. November 1993 landete China Airlines Flug 605, eine erst wenige Monate alte Boeing 747-409 mit dem Kennzeichen B-165, bei Taifun Ira auf Piste 13. Böen und Scherwinde ließen die Geschwindigkeit stark schwanken, die Maschine setzte zu spät und zu schnell auf und schoss über das Pistenende ins flache Hafenbecken. Alle 296 Menschen an Bord überlebten, 23 wurden verletzt. Die Untersuchung sah den Hauptgrund darin, dass der Kapitän trotz Warnungen nicht durchstartete. Das aus dem Wasser ragende Seitenleitwerk störte die ILS-Signale für Piste 31 und wurde deshalb kurz nach dem Unfall gesprengt.
Am Limit: Warum ein neuer Flughafen her musste
Ab den 1980er-Jahren lief Kai Tak dem Verkehr hinterher. Terminalerweiterungen 1981 und zwischen 1984 und 1988 hoben die Kapazität auf 18 Millionen Passagiere im Jahr, weitere Arbeiten an Fracht und Vorfeldern bis 1994 auf 24 Millionen. Gereicht hat das nie lange. 1996 fertigte der Flughafen laut Civil Aviation Department rund 29,5 Millionen internationale Passagiere und 1,56 Millionen Tonnen internationale Fracht ab – Platz drei weltweit bei den internationalen Fluggästen und Platz eins bei der internationalen Fracht.
Die Grenzen waren physisch. Es gab nur eine Piste, eine zweite passte nicht in die Bucht. Nachts galt von 23:30 bis 6:30 Uhr eine Betriebsruhe, um die Anwohner zu schützen. Und die Berge, die den Anflug so spektakulär machten, verhinderten zugleich jede Steigerung der Bewegungszahlen. Die Antwort war ein kompletter Neubau: Im Rahmen eines großen Infrastrukturprogramms entstand auf der Insel Chek Lap Kok vor Lantau, auf weitgehend aufgeschüttetem Land, ein neuer Flughafen mit Platz für zwei Pisten und ohne Wohnbebauung in den Anflugschneisen. Den Betrieb übernahm die Airport Authority Hong Kong, das Civil Aviation Department blieb für Flugsicherung und Aufsicht zuständig.
Die letzte Nacht im Juli 1998
Der Umzug geschah in einem Schritt. Am Abend des 5. Juli 1998 setzte um 23:38 Uhr Dragonair-Flug KA841 aus Chongqing als letzte Ankunft auf Piste 13 auf. Kurz nach Mitternacht hob Cathay Pacific CX251 nach London-Heathrow als letzter planmäßiger Abflug ab, gegen 1 Uhr folgte ein Überführungsflug der Cathay hinüber nach Chek Lap Kok. Der damalige Direktor der Zivilluftfahrtbehörde verabschiedete den alten Flughafen mit einem schlichten Dank. In derselben Nacht rollten Fahrzeuge und Ausrüstung in einem großen Konvoi zum neuen Standort, um 6 Uhr morgens nahm Chek Lap Kok den Betrieb auf.
Für Spotter war das ein Einschnitt, wie es ihn selten gibt. Mit einem Schlag verschwanden ein Anflugverfahren und eine ganze Kategorie von Fotomotiven, die sich nirgends nachbauen lassen. Ähnliche Abschiede kennst du aus Europa – etwa vom Flughafen Berlin-Tempelhof 2008 oder vom Flughafen Berlin-Tegel 2020. Wie sich das Hobby über solche Kultorte entwickelt hat, beleuchtet der Beitrag zur Geschichte des Planespotting.
23:38 Uhr, 5. Juli
Dragonair KA841 aus Chongqing landet als letzte Ankunft auf Piste 13.
Kurz nach Mitternacht
Cathay Pacific CX251 startet als letzter Linienflug nach London-Heathrow.
Gegen 1 Uhr
Ein Überführungsflug der Cathay verlässt Kai Tak in Richtung Chek Lap Kok.
6 Uhr, 6. Juli
Der neue Flughafen auf Lantau öffnet, Kai Tak ist Geschichte.
Was heute vom alten Flughafen bleibt
Wer heute nach Kai Tak fährt, findet ein riesiges Stadtentwicklungsgebiet. Die Bauhöhenbeschränkungen in Kowloon sind gefallen, die Skyline hat sich verändert. An der Spitze der früheren Piste steht seit Juni 2013 das Kai Tak Cruise Terminal. Auf Teilen der Bahn und des Vorfelds liegt seit Mai 2021 der Kai Tak Sky Garden, eine öffentliche Grünanlage. Im März 2025 eröffnete der Kai Tak Sports Park mit einem Hauptstadion für rund 50.000 Zuschauer, seit 2020 hält die MTR an einer eigenen Station Kai Tak.
Das stärkste Erinnerungsstück steht aber gar nicht am Wasser. Der Checkerboard Hill in Kowloon Tsai, rund 98 Meter hoch, trägt wieder sein Schachbrett: 2020 und 2021 wurden West- und Südseite in den Originalfarben neu gestrichen, nachdem das Muster jahrelang verblasst und zugewachsen war. Die nächste MTR-Station ist Lok Fu. Wer dort steht, blickt ungefähr aus der Richtung, aus der die Jets einst in die Kurve gingen – mit einer alten Karte der Pistenlage im Kopf lässt sich der Anflug gut nachvollziehen.
Ein Besuch lohnt sich, wenn …
- du Luftfahrtgeschichte vor Ort nachspüren willst
- du den Checkerboard Hill mit eigenen Augen sehen möchtest
- du ohnehin in Hongkong bist und einen halben Tag übrig hast
Kombinier es, wenn …
- du am selben Trip auch am neuen Flughafen spotten willst
- dich Stadtentwicklung und Architektur genauso interessieren
Spar es dir, wenn …
- du nur aktuelle Flugzeuge fotografieren willst – in Kai Tak fliegt nichts mehr
Spotten in Hongkong heute
Der Flugverkehr spielt sich seit 1998 am Flughafen Hongkong Chek Lap Kok ab. Dort prägt nach wie vor Cathay Pacific das Bild, ergänzt durch HK Express, Hong Kong Airlines, viele internationale Gesellschaften und starken Frachtverkehr. Welche Aussichtspunkte rund um Lantau funktionieren und wie du hinkommst, steht im Guide Planespotting in Hongkong. Eine ausführliche Chronik mit Blick auf Terminal und Alltag liefert außerdem der Magazinbeitrag Kai Tak in Hongkong.
Einen Ersatz für den Checkerboard-Anflug gibt es nicht. Wer spektakuläre Tiefflüge sucht, findet sie heute an anderen Orten, etwa am Maho Beach auf Sint Maarten oder am Pistenende von Skiathos. Eine Übersicht bietet der Beitrag über die spektakulärsten Flughäfen der Welt. Unter Anflugschneisen gilt immer: Abstand halten und Absperrungen respektieren – mehr dazu im Artikel Spotten unter der Anflugschneise.
Spots weltweit planen
Die Spot-Karte in Planetrack zeigt dir Anreise, bestes Licht, Bewertungen und Community-Fotos – in Hongkong genauso wie an deinem Heimatflughafen. Planetrack startet bald. Die Warteliste findest du unten auf dieser Seite.
Fazit
Kai Tak verband eine der schwierigsten Lagen, die ein Großflughafen haben kann, mit einem der höchsten Verkehrsaufkommen der Welt. Eine Piste im Hafenbecken, Berge im Rücken und eine Millionenstadt in der Anflugschneise – daraus entstand ein Verfahren, das Piloten forderte und Spottern Bilder schenkte, die es nie wieder geben wird. Seit der Nacht zum 6. Juli 1998 ist das Geschichte.
Geblieben sind die Form der früheren Pistenhalbinsel, ein Kreuzfahrtterminal an ihrer Spitze und ein frisch gestrichenes Schachbrett am Hang. Wer nach Hongkong reist, kann an einem Tag beides erleben: am Vormittag die Spurensuche in Kowloon, am Nachmittag die Jets von heute in Chek Lap Kok.
Kurzfazit
Kai Tak war von 1925 bis 1998 Hongkongs Flughafen und mit dem Checkerboard-Anflug auf Piste 13 einer der legendärsten Spotterorte überhaupt. Flugzeuge siehst du dort nicht mehr – der restaurierte Checkerboard Hill und das umgebaute Pistengelände machen den Ort aber zum Pflichtstopp für Geschichtsfans.
Zusammenfassung
- Kai Tak war über 70 Jahre lang das Tor nach Hongkong – erst ein kleines Flugfeld, ab den 1950er-Jahren ein internationaler Großflughafen auf aufgeschüttetem Land.
- Berge im Norden und die dichte Bebauung von Kowloon zwangen die Planer zu einem Anflug mit Kurve, der Piloten forderte und Spottern legendäre Motive bescherte.
- Ab den 1980er-Jahren platzte der Flughafen aus allen Nähten. Mit Chek Lap Kok entstand ein Ersatz auf Lantau, fernab der Wohngebiete.
- Für Spotter ist Kai Tak heute ein Archiv- und Geschichtsthema – mit dem restaurierten Checkerboard Hill als lohnendem Ziel vor Ort.
Häufige Fragen
Welche Codes hatte der Flughafen Kai Tak?
Kai Tak trug den IATA-Code HKG und den ICAO-Code VHHH. Beide Codes gingen 1998 an den neuen Flughafen Chek Lap Kok über, der sie bis heute nutzt. Wenn du alte Aufnahmen archivierst, lohnt sich deshalb der Zusatz „Kai Tak“, damit sie sich vom heutigen Flughafen unterscheiden lassen.
Was war der Checkerboard-Anflug?
So hieß der Anflug auf Piste 13. Ein Instrument Guidance System führte die Flugzeuge nicht entlang der Piste, sondern um rund 47 Grad versetzt auf einen Hügel in Kowloon zu, der mit einem rot-weißen Schachbrettmuster bemalt war. In geringer Höhe – meist unter etwa 1.000 Fuß und rund zwei Seemeilen vor dem Aufsetzpunkt – drehten die Crews nach Sicht nach rechts auf die Piste ein. Ausführlich erklärt das der Beitrag zum Kai-Tak-Anflug.
Warum wurde Kai Tak geschlossen?
Der Flughafen war an seiner Kapazitätsgrenze angekommen. Ausgelegt war er zuletzt auf 24 Millionen Passagiere pro Jahr, 1996 waren es bereits rund 29,5 Millionen internationale Fluggäste. Mit nur einer Piste, einer nächtlichen Betriebsruhe und Bergen ringsum gab es keinen Platz zum Wachsen. Der neue Flughafen Chek Lap Kok auf Lantau bot dafür Raum für zwei Pisten und lag weit weg von den Wohnvierteln.
Wann landete das letzte Flugzeug in Kai Tak?
Am Abend des 5. Juli 1998 setzte Dragonair-Flug KA841 aus Chongqing um 23:38 Uhr als letzte Ankunft auf Piste 13 auf. Kurz nach Mitternacht startete Cathay Pacific CX251 nach London-Heathrow als letzter Linienflug, gefolgt von einem Überführungsflug der Cathay nach Chek Lap Kok gegen 1 Uhr morgens. Um 6 Uhr öffnete der neue Flughafen.
Was war China Airlines Flug 605?
Am 4. November 1993 landete eine nur wenige Monate alte Boeing 747-409 von China Airlines mit dem Kennzeichen B-165 bei Taifun Ira auf Piste 13. Sie setzte zu spät und zu schnell auf und schoss über das Pistenende ins Hafenbecken. Alle 296 Insassen überlebten, 23 wurden verletzt. Weil das Seitenleitwerk die ILS-Signale für Piste 31 störte, wurde es kurz darauf gesprengt.
Gibt es den Checkerboard Hill noch?
Ja. Der rund 98 Meter hohe Hügel liegt in Kowloon Tsai neben dem Kowloon Tsai Park, die nächste MTR-Station ist Lok Fu. In den Jahren 2020 und 2021 wurden West- und Südseite wieder in den Originalfarben gestrichen. Das Schachbrett gilt heute als Erinnerungsort an den alten Flughafen.
Was steht heute auf dem Gelände von Kai Tak?
An der Spitze der früheren Piste steht seit 2013 das Kai Tak Cruise Terminal. Auf Teilen von Bahn und Vorfeld liegt seit 2021 der Kai Tak Sky Garden, seit März 2025 gibt es den Kai Tak Sports Park mit großem Stadion. Dazu kommen Wohn- und Bürobauten, ein Kinderkrankenhaus und eine eigene MTR-Station.
Wo spotte ich heute in Hongkong?
Am Flughafen Hongkong Chek Lap Kok auf Lantau. Die öffentlich erreichbaren Aussichtspunkte und die Anreise beschreibt der Guide Planespotting in Hongkong.
Sichtungen rund um Flughafen Hongkong Kai Tak sammeln
Foto mit Kennzeichen, Typ, Airline und Spot posten, Funde im Hangar sammeln und Likes und Kommentare aus der Community bekommen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Passende Airlines
Die Fluggesellschaften dazu – mit IATA- und ICAO-Code, Rufzeichen und Lackierung.
Cathay Pacific
Die Flag Carrier Hongkongs: Drehkreuz Chek Lap Kok, Gründungsmitglied von oneworld, Langstrecke mit A350 und Boeing 777 – und mit Cathay Cargo eine der großen 747-Frachtflotten der Welt.
LD / AHKAir Hong Kong
Die Frachtairline aus Hongkong gehört zur Cathay Group und fliegt mit Airbus-A330-Frachtern das nächtliche Expressnetz von DHL in Asien – gelegentlich auch bis Leipzig.
CI / CALChina Airlines
Der taiwanische Flag Carrier aus Taoyuan: SkyTeam-Mitglied, A350-Langstrecke nach Europa, eine große Frachtsparte mit 747-400F und 777F – und eine Airline, die gern mit Air China verwechselt wird.
SQ / SIASingapore Airlines
Die Netzwerk-Airline aus Singapur: reines Drehkreuz Changi, größter A350-Betreiber, Erstkunde von A380 und 787-10 – und in Frankfurt und München ein Pflichtmotiv für Langstrecken-Fans.
UO / HKEHK Express
Die Low-Cost-Airline aus Hongkong: seit 2019 Teil der Cathay Group, reine Airbus-A320-Familie mit vielen A320neo und A321neo und ein Netz, das sich auf Japan, Korea, Taiwan und Südostasien konzentriert.
HX / CRKHong Kong Airlines
Die zweite große Netzwerk-Airline Hongkongs neben Cathay Pacific: reine Airbus-Flotte aus A320, A321 und A330-300, eine kurze A350-Ära und ein Firmenlogo, das die Bauhinia-Blüte der Stadt zeigt.
Typische Flugzeuge
Boeing 747-400
Der meistgebaute Jumbo: Woran du die Boeing 747-400 und ihre Frachter erkennst, wie du sie von 747-8 und älteren 747 abgrenzt und wo du sie Stand Oktober 2026 noch erwischst.
FlugzeugtypBoeing 747-200
Mehr Schub, mehr Startgewicht, mehr Reichweite: Die Boeing 747-200 machte den Jumbo ab 1971 zum Langstrecken-Arbeitstier – als Passagierjet, Combi und Frachter. So erkennst du sie und hier begegnet sie dir heute noch.
FlugzeugtypBoeing 747-300
Die erste 747 mit verlängertem Oberdeck: Wie die Boeing 747-300 entstand, wer sie flog, wie du sie von 747-200 und 747-400 unterscheidest und wo der seltene Jumbo heute noch steht.
FlugzeugtypLockheed L-1011 TriStar
Drei Rolls-Royce-Triebwerke, eines davon tief im Heck versteckt: Die Lockheed TriStar war der elegante, technisch ambitionierte Gegenspieler der DC-10 – und in Düsseldorf jahrzehntelang das Gesicht der LTU.
FlugzeugtypBoeing 747-100
Mit ihr begann das Zeitalter der Großraumjets: Die Boeing 747-100 flog 1969 zum ersten Mal und ging 1970 bei Pan Am in Dienst. So erkennst du den Ur-Jumbo und hier findest du die erhaltenen Exemplare.
FlugzeugtypDouglas DC-3 / C-47
Zwei Sternmotoren, Spornrad, schräg stehender Rumpf am Boden: Die DC-3 und ihre Militärschwester C-47 sind Legenden. So erkennst du sie und so findest du die letzten Flieger in Europa.
Spotting-Spots rund um Flughafen Hongkong Kai Tak
Spots, an denen du die passenden Flugzeuge regelmäßig vor die Linse bekommst – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Maho Beach am Princess Juliana International Airport
Der wohl berühmteste Spotting-Spot der Welt: Am Maho Beach ziehen landende Flugzeuge in weniger als 30 Metern Höhe über den Badestrand auf die Piste 10 des Princess Juliana Airport. Was dich dort wirklich erwartet, wann sich die Jets zeigen und warum du dich nie hinter ein startendes Flugzeug stellst.
AnflugschneisePistenende am Flughafen Skiathos
Am Südende der kurzen Piste von Skiathos ziehen Ferienjets so tief über die Uferstraße, dass der Spot oft mit Maho Beach verglichen wird. Spektakulär, aber saisonal, wetterabhängig und mit echter Jetblast-Gefahr – hier erfährst du, wie du den Spot sicher und mit gutem Ergebnis nutzt.
Weitere Einträge
Flughafen Hongkong Chek Lap Kok
Auf einer künstlichen Insel vor Lantau gebaut, 1998 als Nachfolger von Kai Tak eröffnet: Chek Lap Kok ist die Heimat von Cathay Pacific, seit Jahren in der Weltspitze bei der Luftfracht und seit 2024 ein Flughafen mit drei Pisten.
Airline-GruppeCathay Group
Grüne Brushwing, violetter Low-Cost-Jet, Jumbo-Frachter in der Nacht: Hinter allen dreien steht die Cathay Group aus Hongkong. Wer am Chek Lap Kok oder in Frankfurt spottet, sollte Cathay Pacific, HK Express, Cathay Cargo und Air Hong Kong auseinanderhalten können.
FlughafenFlughafen Berlin-Tempelhof
Historischer Stadtflughafen mitten in Berlin: 1923 eröffnet, Heimat der Deutschen Luft Hansa, Schauplatz der Luftbrücke 1948/49 und mit dem riesigen Bogenbau von Ernst Sagebiel ein Architekturdenkmal – geschlossen am 30. Oktober 2008, heute Tempelhofer Feld.
FlughafenFlughafen Berlin-Tegel
Historischer Flughafen im Norden Berlins: 1948 während der Luftbrücke gebaut, ab 1974 mit dem berühmten Sechseck-Terminal, jahrzehntelang Tor der Alliierten nach West-Berlin und Heimat von Air Berlin – bis zum letzten Linienflug am 8. November 2020.
Passende Guides aus dem Blog
- Kai Tak: Der Checkerboard-Anflug über Hongkong und seine Spotter-Geschichte
- Kai Tak in Hongkong: Chronik eines legendären Flughafens
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- Boeing 747-100 bis 747-8: Jumbo-Varianten sicher erkennen
- Geschichte des Planespotting: vom Beobachtungsposten im Krieg zum Digital-Hobby
- Flugzeugfotos archivieren: Ordnerstruktur und Dateinamen nach Kennzeichen, Typ und Datum

