Lynx Air

Historische Ultra-Low-Cost-Airline aus Calgary: hervorgegangen aus dem Charterflieger Enerjet, gestartet im April 2022 mit Boeing 737 MAX 8 – und nach knapp zwei Jahren im Februar 2024 am Ende.

Auch bekannt als: Enerjet · New Air & Tours · 1263343 Alberta Inc. · Lynx Air Holdings Corporation · Y9

KanadaKanadaLow-Cost-AirlinesIATA: Y9ICAO: DAT12 Min. Lesezeit

Y9

IATA-Code

DAT

ICAO-Code

9

Boeing 737 MAX 8 zum Schluss

2022–2024

Jahre im Linienbetrieb

Das Wichtigste in Kürze

  • Lynx Air war eine kanadische Ultra-Low-Cost-Airline mit Sitz in Calgary, die von April 2022 bis Februar 2024 flog.
  • Codes: IATA Y9, ICAO DAT, Rufzeichen „DAUNTLESS“ – Kennungen ohne Bezug zum Markennamen.
  • Die Flotte bestand nur aus Boeing 737 MAX 8, zum Schluss neun geleaste Maschinen.
  • Am 22. Februar 2024 beantragte Lynx Air Gläubigerschutz nach dem kanadischen CCAA; nach einem Notbetrieb über vier Tage endete der Flugbetrieb.
  • Gründe: drei Jahre Startverzögerung durch das MAX-Grounding und die Pandemie, stark gestiegene Treibstoffpreise und hohe Kosten, unter anderem für Flughafengebühren.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Lynx Air im Überblick
  2. 2.Codes und Rufzeichen
  3. 3.Von Enerjet zu Lynx Air
  4. 4.Streckennetz: erst Kanada, dann die Sonne
  5. 5.Die Flotte: nur Boeing 737 MAX 8
  6. 6.Woran du Lynx Air erkennst
  7. 7.Das Ende: Gläubigerschutz im Februar 2024
  8. 8.Was aus den Flugzeugen wurde
  9. 9.Lynx Air als Sammlerstück
  10. 10.Häufige Verwechslungen
  11. 11.Fazit

Steckbrief

IATA-CodeY9
ICAO-CodeDAT
RufzeichenDAUNTLESS
DrehkreuzeYYC, YYZ
StatusHistorisch – Gläubigerschutz am 22. Februar 2024, Linienbetrieb eingestellt mit Ablauf des 25. Februar 2024
GeschäftsmodellUltra-Low-Cost-Airline mit Punkt-zu-Punkt-Verkehr in Kanada, in die USA und nach Mexiko
SitzCalgary, Alberta, Kanada
Vorgeschichte2006 als New Air & Tours gegründet, ab 2008 Charterairline Enerjet, im November 2021 in Lynx Air umbenannt
Erster Lynx-Flug7. April 2022, Calgary–Vancouver
BasenCalgary (YYC) und Toronto Pearson (YYZ)
Wichtigster GeldgeberUS-Beteiligungsgesellschaft Indigo Partners, eingestiegen Ende 2018
Flotte zum SchlussNeun geleaste Boeing 737 MAX 8, dazu drei geleaste Ersatztriebwerke CFM LEAP-1B
Allianzkeine
MitarbeitendeRund 500 (Stand Ende 2023)

Woran du die Airline erkennst

Ist das wirklich Lynx Air?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Weißer Rumpf mit großem Schriftzug „Lynx“, dazu ein farbiges Leitwerk – Archivfotos zum Abgleich nutzen
  • Ausschließlich Boeing 737 MAX 8 – erkennbar an den LEAP-Triebwerken mit gezackten Verkleidungshinterkanten
  • Kanadische Kennzeichen mit C- am Heck
  • Flugnummer mit Y9, auf Trackern und im Funk DAT bzw. „DAUNTLESS“
  • Heute nur noch auf Archivfotos: Die Maschinen gingen 2024 an ihre Leasinggeber zurück

Lynx Air gehört zu den Airlines, die schneller wieder verschwunden sind, als viele Spotter sie ins Logbuch eintragen konnten. Im April 2022 hob die erste Maschine in Calgary ab, im Februar 2024 war alles vorbei. Dazwischen lagen knapp zwei Jahre mit einer kleinen, sehr einheitlichen Flotte aus Boeing 737 MAX 8 – und eine Vorgeschichte, die bis 2006 zurückreicht. Diese Seite ordnet die Airline ein, zeigt, woran du ihre Flugzeuge auf alten Fotos erkennst, und erklärt, warum das Modell nicht aufging.

Archivsichtungen sauber festhalten

Mit Planetrack postest du Sichtungen mit Foto, Kennzeichen, Typ, Airline und Flughafen – auch historische Funde wie eine Lynx-737 landen so geordnet in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Lynx Air im Überblick

Lynx Air war eine kanadische Ultra-Low-Cost-Airline mit Sitz in Calgary. Sie flog vom 7. April 2022 bis Ende Februar 2024 und setzte ausschließlich die Boeing 737 MAX 8 ein. Basen waren Calgary und der Flughafen Toronto Pearson. Das Geschäftsmodell folgte dem Muster der großen Billigflieger in den USA und Europa: niedrige Grundtarife, Zuzahlung für Gepäck und Extras, eine einzige Flugzeugfamilie und Direktverbindungen statt Umsteigeverkehr über ein Drehkreuz.

Juristisch stand hinter der Marke die Gesellschaft 1263343 Alberta Inc., die zu 100 Prozent der Holding Lynx Air Holdings Corporation gehörte. Diese Holding war im Dezember 2018 noch unter dem Namen Enerjet Holdco gegründet worden. Der wichtigste Geldgeber war die US-Beteiligungsgesellschaft Indigo Partners, die international für ihre Beteiligungen an Billigairlines bekannt ist – darunter Wizz Air, Frontier Airlines, Volaris und JetSMART.

Y9IATA-Code in der Flugnummer
DATICAO-Code auf dem Tracker
C-Kennzeichen-Präfix für Kanada

Codes und Rufzeichen

  • IATA-Code Y9: stand in der Flugnummer, also auf Tickets, Anzeigetafeln und in Flugplänen.
  • ICAO-Code DAT: stand im Flugplan der Flugsicherung und auf Flugtrackern.
  • Rufzeichen DAUNTLESS: so meldeten sich die Lynx-Crews im Funk.

Code und Rufzeichen haben nichts mit dem Namen „Lynx“ zu tun – das kommt bei Airlines, die aus einer älteren Gesellschaft hervorgehen oder umbenannt werden, häufiger vor. Wer historische Trackerdaten oder Funkmitschnitte auswertet, muss deshalb wissen, dass „DAUNTLESS“ zu Lynx Air gehört. Wie IATA- und ICAO-Codes grundsätzlich funktionieren, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes; kuriose Rufzeichen sammelt der Beitrag über Airline-Rufzeichen und ihre Geschichte.

Von Enerjet zu Lynx Air

Die Geschichte von Lynx Air beginnt lange vor dem ersten Flug unter diesem Namen. 2006 gründeten neun Personen in Calgary die Gesellschaft New Air & Tours, darunter ein früherer Manager von WestJet. Im Oktober 2008 folgte die Umbenennung in Enerjet, im November 2008 das Luftverkehrsbetreiberzeugnis.

Eigentlich wollte Enerjet schon damals Linienflüge zu Billigpreisen anbieten. In der Praxis wurde daraus vor allem ein Chartergeschäft: Enerjet flog Beschäftigte von Ölkonzernen zu den Abbaugebieten im Norden Albertas und übernahm Ad-hoc-Charter, unter anderem für Air Transat. Dafür setzte die Airline zwischen 2008 und 2017 mehrere Boeing 737-700 ein, zeitweise auch eine geleaste 737-800. Später kamen kurzzeitig zwei Twin Otter dazu.

Der eigentliche Neustart nahm Ende 2018 Fahrt auf, als Investoren wie Indigo Partners einstiegen. Das Ziel war klar: eine kanadische Ultra-Low-Cost-Airline mit fabrikneuen 737 MAX. Dann kam alles anders. Im März 2019 wurde die 737 MAX weltweit gegroundet, ein Jahr später legte die Pandemie den Luftverkehr lahm. Der Erstflug verschob sich um fast drei Jahre – Jahre, in denen Kosten anfielen, aber kein Umsatz.

Am 16. November 2021 präsentierte sich das Unternehmen unter dem neuen Namen Lynx Air. Im März 2022 kam ein Leasingvertrag mit BOC Aviation über weitere 737 MAX 8 hinzu, und am 7. April 2022 startete der erste Linienflug von Calgary nach Vancouver.

2006–2008

Gründung als New Air & Tours in Calgary, Umbenennung in Enerjet und Betreiberzeugnis im November 2008.

2008–2018

Charterflüge mit Boeing 737-700, vor allem für die Ölindustrie und andere Airlines.

2018–2021

Einstieg von Indigo Partners, dann Verzögerung durch MAX-Grounding und Pandemie, im November 2021 Umbenennung in Lynx Air.

2022–2024

Linienbetrieb mit 737 MAX 8 ab April 2022, Gläubigerschutz im Februar 2024, kurz darauf das Ende.

Streckennetz: erst Kanada, dann die Sonne

Lynx Air begann mit Inlandsflügen. In den ersten Wochen kamen zu Calgary und Vancouver rasch Toronto, Kelowna und Winnipeg dazu, im Sommer 2022 folgten unter anderem Edmonton, Halifax, St. John’s und Hamilton. 2023 erweiterte die Airline das Netz nach Montreal und Fredericton.

Den Schritt über die Grenze kündigte Lynx Air im September 2022 an. Ab Anfang 2023 flog die Airline in die USA, unter anderem nach Orlando, Phoenix, Los Angeles und Las Vegas, im Winter 2023/24 auch nach Tampa und Fort Myers in Florida. Das ist das klassische Muster kanadischer Billigflieger: Im Winter zieht es die Kundschaft in die Sonne, im Sommer füllen Inlandsstrecken und Atlantik-Kanada die Flugzeuge. Als letztes neues Ziel kam Mitte Februar 2024 Cancún in Mexiko dazu – nur wenige Tage vor dem Gläubigerschutzantrag.

Für Spotter in Westkanada war Lynx Air damit eine der Airlines, die du am Larry Berg Flight Path Park in Vancouver regelmäßig vor die Linse bekommen konntest – neben Air Canada, WestJet und Flair Airlines.

Die Flotte: nur Boeing 737 MAX 8

Die Flotte war einfach aufgebaut, genau wie es das Ultra-Low-Cost-Modell verlangt. Zum Schluss flog Lynx Air neun geleaste Boeing 737 MAX 8, dazu kamen drei geleaste Ersatztriebwerke vom Typ CFM LEAP-1B. Die Maschinen waren in einer Klasse mit 189 Sitzen bestuhlt.

Typ Zeitraum Anzahl Spotter-Hinweis
Boeing 737 MAX 8 2022–2024 9 im Einsatz (Februar 2024) Einziger Lynx-Typ, alle Maschinen geleast
Boeing 737 MAX (Kaufvertrag) – 40 vereinbart Vertrag über sechs Jahre, beim Aus 29 Maschinen noch nicht ausgeliefert, im April 2024 aufgelöst
Boeing 737-700 2008–2017 mehrere Nur in der Enerjet-Zeit
Boeing 737-800 2011, 2013–2014 eine, geleast Nur in der Enerjet-Zeit

Neben den neun Flugzeugen im Betrieb gab es größere Pläne. Lynx Air hatte einen Vertrag mit Boeing über 40 Flugzeuge der 737-MAX-Familie, außerdem einen Sale-and-Leaseback-Vertrag mit BOC Aviation über acht Maschinen mit geplanter Auslieferung 2024. Laut Nachschlagewerken gehörte zu den Bestellungen auch die besonders dicht bestuhlbare 737-8-200 – geflogen ist Lynx Air sie nie.

Interessant ist ein Detail aus dem Herbst 2023: Im September schloss Lynx Air eine umfassende Vereinbarung zur technischen Flottenunterstützung mit Delta Air Lines. Große Netzwerk-Airlines bieten über ihre Technikabteilungen solche Dienste auch für Dritte an. Wie Billigflieger Kosten auslagern und warum Leasing für junge Airlines so wichtig ist, erklären die Artikel zum Geschäftsmodell der Billigflieger und zum Flugzeugleasing.

Ex-Lynx-MAX wiederfinden

Leg einen Sichtungs-Alarm für ein ehemaliges Lynx-Kennzeichen an – Planetrack benachrichtigt dich, wenn die Maschine im Anflug ist oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Woran du Lynx Air erkennst

Die Bemalung war schlicht: weißer Rumpf mit großem Schriftzug „Lynx“ und ein farbig abgesetztes Leitwerk. Weil sich Beschreibungen der Farbtöne unterscheiden, gleichst du eine unsichere Aufnahme am besten mit datierten Archivfotos bekannter Lynx-Kennzeichen ab. Klar abgrenzen lässt sich Lynx Air von Flair, das auf Neongrün und Schwarz setzt.

Weil alle Lynx-Maschinen 737 MAX 8 waren, hilft dir auf alten Fotos auch der Flugzeugtyp beim Sortieren. Die MAX erkennst du an den großen LEAP-Triebwerken mit gezackter Hinterkante der Verkleidung und an den geteilten Winglets mit einer Spitze nach oben und einer nach unten. Wie du die 737-Generationen sauber auseinanderhältst, zeigt der Vergleich Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX.

Das spricht für Lynx Air

  • Großer „Lynx“-Schriftzug auf weißem Rumpf
  • Boeing 737 MAX 8 mit kanadischem C-Kennzeichen
  • Aufnahmedatum zwischen April 2022 und Februar 2024

Das spricht gegen Lynx Air

  • Neongrüne oder schwarze Elemente – das ist Flair
  • Ältere 737-700 im Charterdesign – das ist eher Enerjet
  • Aufnahme nach Februar 2024 mit Lynx-Logo – höchstens ein abgestelltes Flugzeug
  • Airbus-Typ – Lynx Air flog nie eigene Airbus-Flugzeuge

Achtung bei Fotos nach dem Aus

Zurückgegebene Leasingflugzeuge stehen oft noch Wochen oder Monate in der alten Bemalung herum, manchmal mit überklebtem Schriftzug. Solche Übergangszustände sind spannende Motive, gehören aber nicht mehr zum Linienbetrieb. Woran du Mischbemalungen erkennst, erklärt der Artikel zu Hybrid- und Mischlackierungen.

Das Ende: Gläubigerschutz im Februar 2024

Am 22. Februar 2024 beantragten die Lynx-Gesellschaften beim Court of King’s Bench of Alberta Schutz nach dem kanadischen Companies’ Creditors Arrangement Act (CCAA). Das Gericht gewährte ihn noch am selben Tag und setzte die Beratungsgesellschaft FTI Consulting Canada als Monitor ein, der das Verfahren begleitet und regelmäßig berichtet.

Statt den Betrieb sofort einzustellen, plante Lynx Air einen geordneten Ausstieg: vier Tage Notbetrieb bis zum Ende des 25. Februar 2024, damit möglichst viele Fluggäste noch ans Ziel kamen und andere sich Ersatz suchen konnten. Ganz klappte das nicht. Einige Dienstleister verweigerten oder verzögerten nach dem Antrag ihre Leistungen, und bei Airlines lässt sich so etwas nicht über Nacht ersetzen. Nach Angaben des Monitors wurden von 115 geplanten Flügen rund 64 durchgeführt und dabei etwa 10.000 Fluggäste befördert, 51 Flüge fielen aus. Die Flüge in die USA wurden früh komplett gestrichen; auf sie entfiel ein großer Teil der Ausfälle.

Danach ging es schnell. Rund 435 Beschäftigte verloren in den Tagen nach dem Antrag ihren Job, ein kleines Team von etwa 15 Leuten blieb, um die Flugzeuge zu warten, das Betreiberzeugnis zu halten und Erstattungen abzuwickeln.

22.02.2024Gläubigerschutz nach CCAA
64 von 115Flüge im Notbetrieb durchgeführt
ca. 10.000Fluggäste in den letzten Tagen

Warum das Modell nicht aufging

Die Gerichtsunterlagen nennen mehrere Gründe. Ein zentraler Punkt war die lange Anlaufzeit: Durch das MAX-Grounding und die Pandemie startete Lynx Air fast drei Jahre später als geplant. In dieser Zeit stiegen außerdem die Preise für Kerosin deutlich. Die Airline selbst verwies beim Aus zusätzlich auf steigende Kosten und höhere Flughafengebühren.

Die Zahlen zeigen, wie eng es war. Zum Jahresende 2023 standen nach Angaben des Monitors Verbindlichkeiten von rund 600 Millionen kanadischen Dollar einem Vermögen von etwa 429 Millionen gegenüber. Dazu gehörten Leasingverpflichtungen für Flugzeuge und Triebwerke sowie gesicherte Darlehen von Indigo Partners über rund 93 Millionen kanadische Dollar. Mit neun Flugzeugen war Lynx Air zudem zu klein, um von Größenvorteilen zu profitieren, die das Billigflugmodell eigentlich trägt.

Hinzu kam der Wettbewerb. Kanadas Billigflugmarkt war in diesen Jahren voll wie nie: WestJet betrieb mit Swoop eine eigene Ultra-Low-Cost-Tochter, Flair Airlines wuchs mit der 737 MAX, und Air Canada Rouge bediente die Ferienziele. Swoop ging bereits 2023 wieder in WestJet auf, Lynx Air verschwand Anfang 2024 – zwei deutliche Zeichen dafür, wie schwer es Billigflieger in einem dünn besiedelten Land mit langen Strecken haben.

Kein Einzelfall

Kanada hat eine lange Liste gescheiterter Billig- und Charterairlines. Historische Beispiele sind Canada 3000, die 2001 aufgab, und der Transatlantik-Billigflieger Zoom Airlines. Einen Blick auf ähnliche Fälle in Europa wirft der Artikel über große Airline-Pleiten.

Was aus den Flugzeugen wurde

Nach dem letzten Betriebstag standen alle neun 737 MAX 8 in Calgary. Dort entbrannte sofort ein Streit mit dem Flughafenbetreiber über die Abstellgebühren: Lynx Air wollte die bisher vereinbarten Vorfeldgebühren zahlen, der Flughafen verlangte deutlich mehr. Die Lösung kam von den Leasinggebern: Sie übernahmen die Kosten für Überführung und Abstellung, und die Flotte wurde um den Monatswechsel Februar/März 2024 in die Gegend von Tucson in Arizona geflogen, wo trockenes Wüstenklima das Abstellen von Flugzeugen erleichtert.

Eine Rettung der Airline kam im anschließenden Verkaufsprozess nicht zustande. Die Leasinggeber kündigten an, ihre Flugzeuge nach dem internationalen Kapstadt-Übereinkommen zurückzuholen, und bis Anfang Mai 2024 wurden Aufhebungsverträge für alle Leasingverträge unterschrieben. Damit gingen die Maschinen an ihre Eigentümer zurück und konnten an andere Airlines vermietet werden. Übrig blieben vor allem Verträge und Ausrüstungsteile wie Räder und Bremsen, die im Verfahren verwertet wurden.

Für Spotter heißt das: Die Lynx-Flugzeuge sind nicht verschrottet, sondern fliegen weiter – in anderen Farben, teils mit neuem Kennzeichen. Wenn du ein ehemaliges Lynx-Kennzeichen kennst, kannst du seinen weiteren Weg über die Seriennummer verfolgen. Wie das geht, zeigen die Artikel ein Flugzeug per Kennzeichen verfolgen und Umregistrierungen.

Ist deine Lynx-Archivsichtung vollständig?

Hak ab, was du zu deinem Foto weißt – ab vier Haken ist der Eintrag auch in Jahren noch eindeutig.

  • Kennzeichen lesbar oder sicher ermittelt
  • Typ als Boeing 737 MAX 8 notiert
  • Airline als Lynx Air (Y9/DAT) erfasst, nicht als Enerjet
  • Flughafen und Spot dokumentiert
  • Datum festgehalten – zwischen April 2022 und Februar 2024
  • Seriennummer notiert, um die Maschine bei späteren Betreibern wiederzufinden

Lynx Air als Sammlerstück

Wer Airlines sammelt, hat mit Lynx Air ein schönes, aber kniffliges Stück. Die Airline flog weniger als zwei Jahre, mit nur neun Flugzeugen und ohne nennenswerte Präsenz außerhalb Nordamerikas. In Europa ist sie im Linienverkehr nie aufgetaucht. Eine Lynx-Sichtung stammt also fast immer aus einem Spottingtrip nach Kanada, in die USA oder – ganz selten – nach Cancún. Wie du solche Sichtungen einordnest, erklären die Artikel Wie selten ist meine Sichtung? und Airlines sammeln.

Echte Lynx-Sichtung, wenn …

  • du die Maschine zwischen April 2022 und Februar 2024 im Liniendienst gesehen hast
  • Lynx-Schriftzug, C-Kennzeichen und 737 MAX 8 zusammenpassen

Genauer prüfen, wenn …

  • das Foto aus den Wochen nach dem 25. Februar 2024 stammt – dann war es eine Überführung oder ein abgestelltes Flugzeug
  • die Bemalung teilweise entfernt oder überklebt ist

Keine Lynx-Sichtung, wenn …

  • eine 737-700 im Charterdesign zu sehen ist – das gehört zu Enerjet
  • eine ehemalige Lynx-MAX schon in neuer Bemalung fliegt – dann zählt der neue Betreiber

Häufige Verwechslungen

  • Lynx Air mit Flair Airlines verwechseln – beide waren kanadische Billigflieger mit 737 MAX 8, aber Flair fliegt in Neongrün und Schwarz, Lynx flog mit weißem Rumpf und großem „Lynx“-Schriftzug.
  • Lynx Air mit SmartLynx verwechseln – SmartLynx ist eine lettische ACMI-Airline und hat mit der kanadischen Lynx Air nichts zu tun.
  • Enerjet und Lynx als zwei Airlines zählen – rechtlich steckt dieselbe Gesellschaft dahinter, nur Name, Modell und Flotte haben gewechselt.
  • DAT oder DAUNTLESS nicht zuordnen können – ICAO-Code und Rufzeichen passen nicht zum Markennamen, gehören aber zu Lynx Air.
  • Lynx Air für eine WestJet-Marke halten – Lynx war unabhängig, die Ultra-Low-Cost-Tochter von WestJet hieß Swoop.

Kanadas Airlines im Hangar

Poste deine Sichtungen von Lynx Air bis WestJet mit Foto, Typ, Kennzeichen und Spot und tausch dich in der Community über seltene Funde aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Fazit

Lynx Air war ein ehrgeiziger Versuch, in Kanada eine Ultra-Low-Cost-Airline nach dem Vorbild von Frontier oder Wizz Air zu etablieren. Die Vorgeschichte als Enerjet reicht bis 2006 zurück, der eigentliche Linienbetrieb dauerte aber nicht einmal zwei Jahre. Drei verlorene Jahre durch MAX-Grounding und Pandemie, teurer Treibstoff, hohe Kosten und ein harter Wettbewerb ließen der kleinen Flotte zu wenig Spielraum. Für Spotter bleibt eine kurze, gut abgegrenzte Epoche – und neun 737 MAX 8, die heute bei anderen Betreibern weiterfliegen.

Kurzfazit

Lynx Air (IATA Y9, ICAO DAT) war eine historische kanadische Ultra-Low-Cost-Airline aus Calgary, die von April 2022 bis Februar 2024 ausschließlich mit Boeing 737 MAX 8 flog. Erkennbar war sie am großen „Lynx“-Schriftzug auf weißem Rumpf – heute ist sie ein Fall für das Archiv.

Zusammenfassung

  • Lynx Air war ein kurzer, aber markanter Versuch, in Kanada eine reine Ultra-Low-Cost-Airline nach US-Vorbild aufzubauen.
  • Für Spotter ist sie heute ein Archivthema: Wer eine Lynx-737 im Logbuch hat, besitzt eine Sichtung aus weniger als zwei Jahren Linienbetrieb.
  • Die neun 737 MAX 8 sind nicht verschwunden, sondern gingen an ihre Leasinggeber zurück. Wer ihre Kennzeichen kennt, kann sie bei neuen Betreibern wiederfinden.
  • Das Ende von Lynx Air zeigt, wie knapp die Rechnung im kanadischen Billigflugmarkt ist – neben Flair, Swoop und den großen Netzwerk-Airlines.

Häufige Fragen

Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Lynx Air?

Lynx Air flog mit dem IATA-Code Y9 und dem ICAO-Code DAT. Im Funk meldeten sich die Besatzungen mit dem Rufzeichen „DAUNTLESS“. ICAO-Code und Rufzeichen haben keinen erkennbaren Bezug zum Namen „Lynx“.

Wann hat Lynx Air den Betrieb eingestellt?

Lynx Air erhielt am 22. Februar 2024 vom Court of King’s Bench of Alberta Gläubigerschutz nach dem kanadischen Companies’ Creditors Arrangement Act (CCAA). Danach flog die Airline noch bis zum Ende des 25. Februar 2024 einen Teil ihres Flugplans ab, alle späteren Flüge wurden gestrichen.

Warum ist Lynx Air gescheitert?

Laut den Unterlagen des Insolvenzverfahrens kamen mehrere Faktoren zusammen: Der Start verzögerte sich wegen des 737-MAX-Groundings ab März 2019 und der Corona-Reisebeschränkungen um fast drei Jahre, und der Treibstoff wurde deutlich teurer. Die Airline selbst nannte außerdem steigende Kosten und höhere Flughafengebühren. Ende 2023 standen Verbindlichkeiten von rund 600 Millionen kanadischen Dollar einem Vermögen von nur rund 429 Millionen gegenüber.

Welche Flugzeuge flog Lynx Air?

Ausschließlich die Boeing 737 MAX 8. Zum Schluss waren es neun geleaste Maschinen. Außerdem bestand ein Kaufvertrag mit Boeing über 40 Flugzeuge der 737-MAX-Familie, aus dem beim Aus noch 29 Maschinen offen waren; der Vertrag wurde im April 2024 aufgelöst. Der Vorgänger Enerjet hatte dagegen ältere Boeing 737-700 und zeitweise 737-800 eingesetzt.

Was ist aus den Flugzeugen von Lynx Air geworden?

Nach dem Ende des Flugbetriebs standen die neun 737 MAX 8 zunächst in Calgary. Nach einem Streit über die Abstellgebühren wurden sie um den Monatswechsel Februar/März 2024 in die Gegend von Tucson in Arizona überführt. Bis Anfang Mai 2024 schloss Lynx Air mit den Leasinggebern Aufhebungsverträge, die Flugzeuge gingen an die Eigentümer zurück und wurden weitervermarktet.

War Lynx Air dasselbe wie Enerjet?

Ja, im Kern schon. Hinter Lynx Air stand dieselbe Gesellschaft, die 2006 als New Air & Tours gegründet worden war und ab 2008 als Enerjet Charterflüge anbot, etwa für Beschäftigte der Ölindustrie. Mit dem Einstieg von Indigo Partners Ende 2018 begann der Umbau zur Billigairline, im November 2021 folgte der neue Name Lynx Air.

Wohin flog Lynx Air?

Schwerpunkt war das kanadische Inland zwischen Vancouver, Calgary, Edmonton, Winnipeg, Toronto, Montreal und Atlantik-Kanada. Ab Anfang 2023 kamen Ziele in den USA dazu, darunter Las Vegas, Los Angeles, Phoenix und Orlando. Cancún in Mexiko wurde erst Mitte Februar 2024 aufgenommen – wenige Tage vor dem Aus.

Kann ich Lynx Air heute noch spotten?

Nein, im Linienbetrieb nicht mehr. Lynx Air ist seit Februar 2024 Geschichte. Möglich bleibt die Spurensuche: Ehemalige Lynx-Maschinen fliegen nach der Rückgabe an die Leasinggeber bei anderen Betreibern weiter, teils mit neuem Kennzeichen. Fotos aus der aktiven Zeit sind damit echte Archivstücke.

Lynx Air im Blick behalten

Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Früher Zugang, Vorteile zum Start und Mitsprache bei neuen Features.

Flugzeugtypen in der Flotte

Weitere Airlines

Flughäfen & Hersteller dazu

Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

Alle Flughäfen & Hersteller →

Wo du Lynx Air vor die Linse bekommst

Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.

Alle Spotting-Spots im Überblick →

Passende Guides aus dem Blog

PT

Planetrack Redaktion

Die Airline-Datenbank entsteht aus eigener Beobachtung, Community-Sichtungen und öffentlich zugänglichen Quellen. Flotten, Strecken und Eigentümer ändern sich laufend – gesicherte Angaben stehen im Steckbrief, alles Veränderliche ist als solches gekennzeichnet.

← Alle Airlines aus Kanada