Das Wichtigste in Kürze
- Plan B steht schon vor dem Start fest: Für Flüge nach Instrumentenflugregeln wird in aller Regel mindestens ein Ziel-Ausweichflughafen im Flugplan benannt und der Kraftstoff dafür an Bord genommen.
- Drei Arten von Ausweichflughäfen: für den Start, für die Strecke und für das Ziel. Welche ein Flug braucht, hängt von Wetter, Flugzeugmuster und Route ab.
- Die letzte Reserve ist tabu: Bei Strahlflugzeugen ist die Final Reserve auf rund 30 Minuten Warteflug in 1.500 Fuß über dem Flughafen ausgelegt. Droht die Landung darunter, wird es zum Notfall.
- Wetter ist der Klassiker, aber nicht der einzige Grund: Medizinische Notfälle, technische Probleme, gesperrte Pisten und Nachtflugregeln lösen ebenfalls Umleitungen aus.
- Nicht jeder Flughafen passt: Pistenlänge, Feuerwehrkategorie, Anflugverfahren, Betriebszeiten und Abfertigung entscheiden, wohin ein Flug ausweichen kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Diversion: die kurze Antwort
- 2.Drei Arten von Ausweichflughäfen
- 3.Plan B im Tank: so wird Kraftstoff geplant
- 4.Die häufigsten Gründe für eine Diversion
- 5.Wer entscheidet – und wie?
- 6.Was einen guten Ausweichflughafen ausmacht
- 7.Typische Ausweichziele in Deutschland
- 8.Nach der Landung: was am Ausweichflughafen passiert
- 9.Was Spotter daraus mitnehmen
- 10.Fazit
Auf der Ankunftstafel steht plötzlich „umgeleitet“, und auf der Live-Karte dreht ein Langstreckenjet kurz vor dem Ziel ab. Für die Passagiere ist das ärgerlich, für die Crew ein geübter Ablauf – denn jeder Linienflug hebt mit einem Plan B im Tank ab. Dieser Guide erklärt, warum Flüge zu einem Ausweichflughafen umgeleitet werden, wie Airlines Ausweichziele und Reservekraftstoff vor dem Start planen, wer in der Luft entscheidet und welche deutschen Flughäfen typischerweise als Ausweichziel infrage kommen.
Umleitungen am eigenen Flughafen mitbekommen
Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn ein beobachteter Typ, ein Kennzeichen oder eine Airline bei dir im Anflug ist – auch wenn der Flieger eigentlich ganz woanders hinwollte. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Diversion: die kurze Antwort
Eine Diversion ist die Landung an einem anderen Flughafen als dem geplanten Ziel. Sie passiert, wenn eine sichere Landung am Ziel nicht möglich oder nicht ratsam ist – meist wegen Wetter, manchmal wegen einer gesperrten Piste, eines Notfalls an Bord oder abgelaufener Betriebszeiten. Überraschend ist sie fast nie: Für Flüge nach Instrumentenflugregeln benennt die Airline schon bei der Flugplanung mindestens einen Ausweichflughafen und nimmt den Kraftstoff für den Weg dorthin mit. Die Entscheidung in der Luft trifft der Kommandant.
Kehrt ein Flugzeug zum Startflughafen zurück, spricht man vom Turnback. Landet es unterwegs, bevor es überhaupt in die Nähe des Ziels gekommen ist, ist das eine Umleitung auf der Strecke. Und dreht es erst im Zielgebiet ab, etwa nach Warteschleifen oder einem Durchstartmanöver, ist es die klassische Ziel-Diversion.
Drei Arten von Ausweichflughäfen
Das Regelwerk der ICAO und darauf aufbauend die EU-Vorschriften für den gewerblichen Flugbetrieb unterscheiden drei Rollen. Ein Flughafen kann dabei für denselben Flug mehrere davon übernehmen.
| Art | Wofür | Wann vorgeschrieben | Typisches Beispiel |
|---|---|---|---|
| Start-Ausweichflughafen (Take-off Alternate) | Landung kurz nach dem Start, wenn der Abflughafen nicht nutzbar ist | wenn das Wetter am Abflughafen unter den Landeminima liegt oder eine Rückkehr aus anderen Gründen nicht möglich ist | dichter Nebel am Abflughafen: Start erlaubt, Rückkehrlandung nicht |
| Strecken-Ausweichflughafen (En-route Alternate) | Landemöglichkeit unterwegs, etwa nach Triebwerksausfall | vor allem bei Langstrecken mit zweistrahligen Flugzeugen nach ETOPS bzw. EDTO | Flughäfen am Rand von Atlantik, Polarrouten oder Wüsten |
| Ziel-Ausweichflughafen (Destination Alternate) | Landung, wenn das Ziel nicht angeflogen werden kann | bei Flügen nach Instrumentenflugregeln in aller Regel, mit eng gefassten Ausnahmen | Gewitter über dem Drehkreuz, Ausweichen auf einen Nachbarflughafen |
Für den Start-Ausweichflughafen gibt es eine Entfernungsgrenze: Bei zweistrahligen Flugzeugen muss er innerhalb von einer Flugstunde mit einem ausgefallenen Triebwerk erreichbar sein, bei drei- und vierstrahligen innerhalb von zwei Stunden. Der Strecken-Ausweichflughafen wird bei Langstrecken wichtig, wenn das Flugzeug sich weit von geeigneten Landeplätzen entfernt. Wie das bei Zweistrahlern auf dem Atlantik geregelt ist, erklärt der Artikel ETOPS erklärt.
Auf den Ziel-Ausweichflughafen darf nur unter bestimmten Bedingungen verzichtet werden. Dazu gehört etwa, dass am Ziel zum erwarteten Ankunftszeitpunkt mindestens zwei unabhängig nutzbare Pisten mit Instrumentenanflug zur Verfügung stehen und das Wetter deutlich über den Minima liegt. Ist die Wettervorhersage am Ziel dagegen schlecht oder fehlt sie, verlangen die Regeln sogar zwei Ausweichflughäfen. Sonderfall sind abgelegene Ziele ohne erreichbare Alternative: Dort planen Airlines mehr Kraftstoff und einen Punkt, ab dem es kein Zurück mehr gibt.
Plan B im Tank: so wird Kraftstoff geplant
Damit eine Diversion möglich ist, muss das Flugzeug den Kraftstoff dafür schon an Bord haben. Die Kraftstoffplanung baut sich deshalb aus mehreren Schichten auf. Die genauen Werte legt jede Airline in ihrem Betriebshandbuch fest, das Prinzip ist aber überall ähnlich:
- Taxi Fuel: für Anlassen und Rollen zur Startbahn.
- Trip Fuel: für Start, Steigflug, Reiseflug, Sinkflug und Anflug bis zur Landung am Ziel.
- Contingency Fuel: ein Zuschlag für Unvorhergesehenes wie Gegenwind, Umwege oder eine andere Flughöhe, häufig als Prozentsatz des Trip Fuel berechnet.
- Alternate Fuel: für ein Durchstartmanöver am Ziel, den Flug zum Ausweichflughafen und den Anflug dort.
- Final Reserve: die eiserne Reserve. Bei Strahlflugzeugen ist sie auf rund 30 Minuten Warteflug in 1.500 Fuß (450 Metern) über dem Flughafen ausgelegt.
- Extra Fuel: zusätzliche Mengen, die der Kommandant oder die Planung wegen erwarteter Warteschleifen, Gewitterlagen oder unsicherem Wetter mitnehmen.
Daraus folgt eine wichtige Logik: Alles, was über Final Reserve und Alternate Fuel hinausgeht, darf die Crew am Ziel für Warteschleifen oder einen weiteren Anflug verbrauchen. Ist dieser Puffer aufgebraucht, muss sie spätestens zum Ausweichflughafen abdrehen. Wie die Kreise über festen Punkten funktionieren, zeigt der Artikel Holding und Warteschleife. Die Planung selbst erledigen meist Flugdienstberater in der Einsatzzentrale der Airline – was dieser Beruf genau umfasst, steht im Beitrag über Flugdienstberater und Dispatcher.
Wie lange kann ein Flug noch warten?
Reine Beispielrechnung mit selbst gewählten Werten. Der echte Verbrauch hängt von Flugzeugtyp, Gewicht, Höhe und Temperatur ab und steht in den Unterlagen der Airline.
Minimum Fuel und Mayday Fuel
Für den Fall, dass es knapp wird, gibt es zwei festgelegte Meldungen. Mit „Minimum Fuel“ teilt die Crew der Flugsicherung mit, dass jede weitere Verzögerung dazu führen könnte, mit weniger als der Final Reserve zu landen. Das ist eine Vorwarnung, noch kein Notfall. „Mayday Fuel“ folgt, wenn die Berechnung zeigt, dass das Flugzeug selbst am nächsten geeigneten Flughafen nur noch mit weniger als der Final Reserve aufsetzen würde. Dann hat der Flug Vorrang vor allen anderen. Was hinter Notrufen und Transpondercodes steckt, erklären die Artikel Mayday und Pan-Pan und Squawk 7500, 7600 und 7700.
Die häufigsten Gründe für eine Diversion
Umleitungen haben viele Ursachen. Manche sind schon Stunden vorher absehbar, andere entstehen in Sekunden.
- Wetter am Ziel: Gewitterzellen über dem Anflug, dichter Nebel unter den Landeminima, starker Seitenwind, Schneefall oder eine vereiste Piste. Wie Seitenwind die Landung erschwert, erklärt der Beitrag Seitenwindlandungen. Bei Nebel entscheidet oft, ob Flughafen, Crew und Flugzeug für Allwetteranflüge zugelassen sind – Details im Artikel zum ILS-Anflug.
- Gesperrte Piste oder Flughafen: etwa nach einem Zwischenfall, wegen Bauarbeiten, Sicherheitslagen oder eines liegengebliebenen Flugzeugs. Besonders kritisch ist das an Flughäfen mit nur einer Piste.
- Medizinischer Notfall: Erkrankt ein Passagier oder ein Crewmitglied ernsthaft, landet die Crew am nächsten geeigneten Flughafen mit medizinischer Versorgung.
- Technisches Problem: etwa Störungen an Triebwerk, Hydraulik, Elektrik oder Druckkabine. Je nach Schwere wird der nächste geeignete Flughafen gewählt oder ein Platz mit Wartung der eigenen Airline.
- Störende Passagiere oder Sicherheitslagen: Randalierer an Bord, Bombendrohungen oder Ähnliches können eine Zwischenlandung erzwingen.
- Kraftstoff: lange Warteschleifen, wiederholte Durchstartmanöver oder Umwege um Gewitter zehren am Puffer.
- Betriebszeiten: Verspätete Flüge erreichen das Ziel womöglich erst nach Beginn der Nachtruhe und müssen auf einen Flughafen mit Nachtbetrieb ausweichen.
Gerade der letzte Punkt spielt in Deutschland eine große Rolle. Am Flughafen Frankfurt gilt zwischen 23 und 5 Uhr ein Verbot planmäßiger Flüge, verspätete Landungen mit geplanter Ankunft vor 23 Uhr sind bis Mitternacht möglich. Andere Flughäfen arbeiten rund um die Uhr. Den Überblick liefert der Guide Nachtflugverbot an deutschen Flughäfen.
Wetter, Wind und Pisten auf einen Blick
Planetrack zeigt dir Wetter, Wind und Pisten am Flughafen – so siehst du früh, wenn sich am Drehkreuz Gewitter oder Nebel zusammenbrauen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Wer entscheidet – und wie?
Die Entscheidung über eine Diversion liegt beim Kommandanten. In der Praxis entscheidet die Crew aber selten allein. Ein typischer Ablauf sieht so aus:
1. Lage erkennen
Wetterberichte, Meldungen der Flugsicherung, Warteschleifen oder ein Problem an Bord zeigen, dass der Plan nicht mehr aufgeht.
2. Kraftstoff und Zeit prüfen
Die Crew rechnet, wie lange sie noch warten kann, bevor der Kraftstoff für den Weg zum Ausweichflughafen angegriffen wird.
3. Optionen vergleichen
Wetter, Pistenlänge, Anflugverfahren, Betriebszeiten und Abfertigung am geplanten Ausweichflughafen und an weiteren Kandidaten werden abgewogen – oft gemeinsam mit der Einsatzzentrale der Airline.
4. Entscheiden und melden
Die Crew teilt der Flugsicherung ihre Absicht mit und erhält eine Freigabe zum neuen Ziel. Die Flugsicherung koordiniert mit den betroffenen Kontrollstellen und dem Ausweichflughafen.
5. Landen und weitersehen
Am Boden geht es um Tanken, neue Crew-Dienstzeiten, die Weiterreise der Passagiere und – sobald möglich – den Weiterflug zum eigentlichen Ziel.
Die Flugsicherung unterstützt dabei mit aktuellen Wetterdaten, Informationen zu Pisten und Anflughilfen sowie direkten Routen. Wie die Arbeit der Lotsen in Deutschland organisiert ist, beschreibt der Artikel über die DFS Deutsche Flugsicherung.
Das Gewichtsproblem
Wer kurz nach dem Start umkehren oder nach wenigen Flugstunden landen muss, ist oft noch schwer. Viele Flugzeuge dürfen im Bedarfsfall auch über dem höchstzulässigen Landegewicht aufsetzen; danach steht eine technische Inspektion an. Große Langstreckenjets wie die Boeing 777-300ER oder der Airbus A380 haben häufig eine Vorrichtung, um Kraftstoff in großer Höhe abzulassen. Viele Kurz- und Mittelstreckenjets wie der Airbus A320neo oder die Boeing 737-800 haben das nicht – sie kreisen notfalls eine Weile, um Gewicht zu verbrennen, oder landen schwer.
Was einen guten Ausweichflughafen ausmacht
Nicht jeder Flughafen kann jedes Flugzeug aufnehmen. Bei der Auswahl zählen mehrere Kriterien gleichzeitig:
- Pistenlänge und -breite: Ein schwerer Langstreckenjet braucht deutlich mehr Bahn als ein Regionaljet.
- Anflugverfahren: Bei Nebel nützt nur ein Flughafen, dessen Instrumentenlandesystem und Betriebsverfahren auch bei geringer Sicht Landungen zulassen.
- Feuerwehrkategorie: Sie muss zur Größe des Flugzeugs passen. Was hinter den Kategorien steckt, erklärt der Beitrag zur Flughafenfeuerwehr.
- Betriebszeiten: Nachts kommen nur Flughäfen ohne Sperrzeit oder mit Ausnahmen für Ausweichlandungen infrage.
- Vorfeld und Abfertigung: Es braucht Platz zum Abstellen, Treppen, Tankwagen und Personal – bei mehreren Umleitungen gleichzeitig wird das schnell zum Engpass.
- Wetter: Die Vorhersage am Ausweichflughafen muss bei der Planung klar über den Minima liegen. Großflächige Nebellagen betreffen manchmal mehrere Nachbarflughäfen zugleich.
- Weiterreise: Airlines bevorzugen Flughäfen mit eigener Abfertigung, Technik oder guter Bahnanbindung zum eigentlichen Ziel.
Typische Ausweichziele in Deutschland
Welcher Flughafen im Einzelfall gewählt wird, entscheiden Airline und Crew nach der aktuellen Lage – eine feste Liste gibt es nicht. Bestimmte Flughäfen bringen aber Eigenschaften mit, die sie als Ausweichziel besonders geeignet machen. Die folgende Übersicht beruht auf den Daten unserer Flughafen-Steckbriefe.
| Flughafen | Längste Piste | Nachtbetrieb | Was ihn als Ausweichziel interessant macht |
|---|---|---|---|
| Köln/Bonn | 13L/31R mit 3.815 m | kein generelles Nachtflugverbot | lange Hauptpiste, Fernbahnhof an der Schnellfahrstrecke Richtung Rhein-Main, Betrieb rund um die Uhr |
| Leipzig/Halle | zwei Bahnen mit je 3.600 m | Fracht nachts erlaubt | zwei parallele lange Pisten, nächtlicher Frachtbetrieb, Bahnhof im Terminal |
| Frankfurt-Hahn | 03/21 mit 3.800 m | rund um die Uhr genehmigt | sehr lange Bahn, ILS der Kategorie III auf der 21, knapp 100 km Luftlinie von Frankfurt |
| Nürnberg | 10/28 mit 2.700 m | kein Nachtflugverbot, Lärmschutzzonen | ILS der Kategorie III auf der 28, Lage zwischen München und Frankfurt |
| Hannover | Nordbahn 09L/27R | keine generelle Nachtsperre | ILS der Kategorie IIIb auf der Nordbahn, S-Bahn unter dem Terminal |
| Stuttgart | 07/25 mit 3.345 m | Nachtruhe mit Ausnahmen, unter anderem für Ausweichlandungen | lange Einzelpiste im Südwesten |
Dazu kommen die großen Drehkreuze selbst. Fällt etwa am Flughafen München eine Piste aus, kann Frankfurt ein sinnvolles Ausweichziel sein und umgekehrt – vorausgesetzt, dort herrscht nicht dasselbe Wetter und die Kapazität reicht. Auch Flughäfen in den Nachbarländern spielen eine Rolle, etwa Salzburg im Süden oder der EuroAirport Basel-Mulhouse im Südwesten.
Hahn als Frankfurter Reserve
Der Flughafen im Hunsrück war früher eine US-Luftwaffenbasis und hat eine 3.800 Meter lange Bahn. Zusammen mit der Genehmigung für Betrieb rund um die Uhr macht ihn das auch für schwere Langstreckenjets interessant, wenn sie Frankfurt nicht mehr anfliegen können. Mehr dazu steht im Steckbrief zum Flughafen Hahn.
Nach der Landung: was am Ausweichflughafen passiert
Mit dem Aufsetzen ist die Diversion nicht vorbei. Je nach Grund gibt es unterschiedliche Szenarien:
Schneller Weiterflug, wenn …
- sich das Wetter am Ziel rasch bessert
- nur nachgetankt werden muss
- die Dienstzeit der Crew noch ausreicht
Längerer Aufenthalt, wenn …
- ein Passagier medizinisch versorgt werden muss
- die Crew eine neue Ruhezeit braucht
- die Nachtruhe am Ziel inzwischen begonnen hat
Kein Weiterflug, wenn …
- ein technischer Defekt erst repariert werden muss
- nach einer Landung über dem Höchstgewicht eine Inspektion ansteht
- die Passagiere per Bus oder Bahn weitergeschickt werden
Für Passagiere kann eine Umleitung Ansprüche nach der EU-Fluggastrechteverordnung auslösen, je nach Ursache aber auch nicht – Wetter gilt in der Regel als außergewöhnlicher Umstand. Landet ein Flug an einem anderen Flughafen derselben Region, muss die Airline nach Artikel 8 Absatz 3 der Verordnung in der Regel den Transfer zum gebuchten Ziel übernehmen. Die Details stehen im Beitrag zu den Fluggastrechten nach EU 261.
Was Spotter daraus mitnehmen
Für Spotter sind Diversions oft die spannendsten Momente des Jahres: Plötzlich steht ein Großraumjet an einem Flughafen, an dem er sonst nie zu sehen ist. Wer die Planungslogik kennt, kann besser einschätzen, wann sich das Warten lohnt.
- Gewitter- und Nebellagen am Drehkreuz beobachten: Ziehen über Frankfurt oder München Gewitter auf, lohnt sich der Blick auf die Live-Karte. Wie du Wettermeldungen liest, erklärt der Guide METAR und TAF lesen.
- Späte Abende im Auge behalten: Verspätete Flüge knapp vor der Nachtruhe sind Kandidaten für Ausweichlandungen an Flughäfen mit Nachtbetrieb.
- Warteschleifen deuten: Stapeln sich Flugzeuge im Holding, rückt der Moment näher, an dem die ersten abdrehen. Hilfreich ist der Artikel Warteschleifen auf dem Flugradar erkennen.
- Live-Taktik: Wie du eine Umleitung in Echtzeit erkennst und dann fair fotografierst, beschreibt der Praxis-Guide Diversion live erkennen.
Bleib bei allem auf öffentlichen Flächen und denk daran, dass hinter manchen Umleitungen ein echter Notfall steckt. Wie du dich als Spotter dann verhältst, steht im Beitrag Notlandung oder Zwischenfall beobachtet.
Verstehst du, was bei einer Umleitung passiert?
- Ich kenne die drei Arten von Ausweichflughäfen.
- Ich weiß, aus welchen Bausteinen sich der Kraftstoff an Bord zusammensetzt.
- Ich kann Minimum Fuel und Mayday Fuel unterscheiden.
- Ich weiß, wer über eine Diversion entscheidet.
- Ich kenne Kriterien, die einen Flughafen als Ausweichziel geeignet machen.
- Ich weiß, warum Nachtflugregeln Umleitungen auslösen können.
Den seltenen Gast festhalten
Wenn ein umgeleiteter Jet bei dir landet, postest du ihn in Planetrack mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline, Flughafen und Spot und legst ihn in deinem Hangar ab. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Eine Diversion ist kein Improvisationstheater, sondern ein eingeplanter Ausweg. Schon vor dem Start legen Airline und Crew fest, wohin ein Flug ausweichen kann, und tanken den Kraftstoff dafür samt eiserner Reserve. In der Luft wägt der Kommandant Wetter, Kraftstoff, Flugzeuggröße und Betriebszeiten ab und entscheidet zusammen mit Flugsicherung und Einsatzzentrale. In Deutschland profitieren dabei Flughäfen mit langen Pisten, präzisen Anflughilfen und Nachtbetrieb – und für Spotter wird aus dem Plan B einer Airline nicht selten der Glücksfall des Tages.
Kurzfazit
Jeder Linienflug hat einen Ausweichflughafen und den Kraftstoff dafür an Bord. Umgeleitet wird vor allem wegen Wetter, Notfällen, gesperrter Pisten und Nachtflugregeln. Wohin es geht, entscheiden Pistenlänge, Anflughilfen, Feuerwehr, Betriebszeiten und Abfertigung – in Deutschland oft zugunsten von Flughäfen wie Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Hahn oder Nürnberg.
Zusammenfassung
- Eine Diversion ist die Landung an einem anderen als dem geplanten Zielflughafen. Den Ausweichflughafen und den Kraftstoff dafür plant die Airline schon vor dem Abflug ein.
- Der Kraftstoff an Bord setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen: Rollen, Flug zum Ziel, Mehrverbrauch, Flug zum Ausweichflughafen, Final Reserve und gegebenenfalls Zusatzmengen.
- Die Entscheidung trifft der Kommandant, meist in Abstimmung mit der Flugsicherung und der Einsatzzentrale der Airline.
- In Deutschland eignen sich vor allem Flughäfen mit langen Pisten, guten Anflughilfen und Nachtbetrieb als Ausweichziel, etwa Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Hahn, Nürnberg oder Hannover.
Häufige Fragen
Was ist eine Diversion?
Eine Diversion ist die Umleitung eines Flugs zu einem anderen als dem geplanten Zielflughafen. Gründe sind etwa schlechtes Wetter am Ziel, eine gesperrte Piste, ein medizinischer Notfall an Bord, ein technisches Problem oder Betriebszeiten, die eine Landung nicht mehr zulassen. Kehrt ein Flug zum Abflughafen zurück, spricht man von einem Turnback oder Rückkehr.
Wer entscheidet über eine Umleitung?
Der verantwortliche Luftfahrzeugführer, also der Kommandant. Er holt dafür in der Regel Informationen der Flugsicherung und der Einsatzzentrale seiner Airline ein, etwa zum Wetter an möglichen Ausweichflughäfen oder zur Abfertigung dort. Die Flugsicherung kann Wetterdaten, Freigaben und Navigationshilfe liefern, schreibt aber in normalen Fällen kein Ziel vor.
Wie viel Reservekraftstoff hat ein Verkehrsflugzeug an Bord?
Das hängt vom Flug ab. Geplant werden mehrere Bausteine: der Kraftstoff für den Flug zum Ziel, ein Zuschlag für Unvorhergesehenes, der Kraftstoff für Anflug, Durchstarten und Weiterflug zum Ausweichflughafen und die Final Reserve. Bei Strahlflugzeugen entspricht diese Endreserve nach ICAO-Vorgaben etwa 30 Minuten Warteflug in 450 Metern (1.500 Fuß) über dem Flughafen. Dazu kann der Kommandant zusätzlichen Kraftstoff tanken lassen.
Was bedeuten Minimum Fuel und Mayday Fuel?
Mit Minimum Fuel meldet die Crew der Flugsicherung, dass jede weitere Verzögerung dazu führen könnte, mit weniger als der Final Reserve zu landen. Das ist noch kein Notfall. Mayday Fuel wird erklärt, wenn die Berechnung zeigt, dass das Flugzeug am nächsten geeigneten Flughafen mit weniger als der Final Reserve aufsetzen würde. Dann bekommt der Flug Vorrang.
Warum landen umgeleitete Flüge oft nicht am nächstgelegenen Flughafen?
Weil der nächste Flughafen nicht immer geeignet ist. Die Piste kann zu kurz sein, die Feuerwehrkategorie zu niedrig oder das Wetter ebenso schlecht wie am Ziel. Nachts kommen Nachtflugbeschränkungen hinzu. Außerdem bevorzugen Airlines Flughäfen, an denen sie Abfertigung, Technik oder eine Möglichkeit zum Weitertransport der Passagiere haben – außer bei einem akuten Notfall, wo der schnellste sichere Landeplatz zählt.
Muss ein Flugzeug vor einer Ausweichlandung Kerosin ablassen?
Nicht zwingend. Viele Flugzeuge dürfen bei Bedarf auch über dem höchstzulässigen Landegewicht landen, wenn die Situation es erfordert; danach steht eine technische Inspektion an. Große Langstreckenjets haben oft eine Ablassvorrichtung und können überschüssigen Kraftstoff in großer Höhe ablassen. Viele Kurz- und Mittelstreckenjets haben eine solche Anlage nicht und kreisen notfalls, um Gewicht zu verbrennen.
Welche deutschen Flughäfen dienen häufig als Ausweichziel?
Gefragt sind Flughäfen mit langen Pisten, präzisen Anflugverfahren und Betrieb auch in der Nacht. Dazu zählen etwa Köln/Bonn mit Rund-um-die-Uhr-Betrieb und 3,8 Kilometer langer Hauptpiste, Leipzig/Halle mit zwei 3.600-Meter-Bahnen, Hahn im Hunsrück mit 3.800 Metern, Nürnberg und Hannover. Welcher Flughafen es im Einzelfall wird, hängt aber von Wetter, Flugzeug, Airline und Uhrzeit ab.
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