Das Wichtigste in Kürze
- Ein Holding ist ein Parkplatz in der Luft: Das Flugzeug fliegt ein festgelegtes Oval über einem Wartepunkt, bis die Flugsicherung es weiterschickt – mit Rechtskurven als Standard.
- Die Uhr bestimmt die Form: Der Inbound-Schenkel dauert bis 14.000 Fuß eine Minute, darüber anderthalb. Eine Standardrunde kostet damit rund vier beziehungsweise fünf Minuten.
- Drei Wege hinein: Je nach Anflugrichtung fädelt die Crew direkt, parallel oder versetzt (Teardrop) ein. Die Grenze zwischen den Sektoren bildet eine 70-Grad-Linie.
- Jede Holding-Freigabe enthält eine Zeit: Der Lotse nennt, wann mit der weiteren Freigabe zu rechnen ist. Im Flugfunk hörst du so, wie lange der Stau dauert.
- Europa wartet lieber im Reiseflug: Mit erweitertem Arrival Management werden Flugzeuge schon 180 bis 200 nautische Meilen vor dem Ziel verlangsamt – unter anderem für Frankfurt und München vorgeschrieben.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Holding: die kurze Antwort
- 2.Der Aufbau einer Warteschleife
- 3.Die drei Einflugverfahren
- 4.Der Stapel: oben rein, unten raus
- 5.Was im Funk passiert
- 6.Kraftstoff: die eigentliche Grenze
- 7.Warten ohne Kreisen: AMAN, XMAN und Point Merge
- 8.Wo du Warteschleifen in Deutschland siehst
- 9.So beobachtest du Holdings am besten
- 10.Worauf du achten solltest
- 11.Fazit
Im Anflugfunk fällt ein Satz, und auf dem Flugradar verwandelt sich die eben noch gerade Linie eines Jets in ein Oval: Das Flugzeug ist im Holding. Für Passagiere heißt das „wir drehen noch ein paar Runden“, für die Flugsicherung ist es ein präzise definiertes Verfahren mit festen Kurven, Zeiten und Tempolimits. Dieser Guide erklärt dir, wie Warteschleifen funktionieren: vom Aufbau über die drei Einflugverfahren und den Funkverkehr bis zu der Frage, warum Europa Holdings heute möglichst vermeidet. Zum Schluss erfährst du, wo du Warteschleifen über Deutschland am ehesten beobachten kannst.
Dein Wunschflieger dreht noch Runden?
Planetrack benachrichtigt dich, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Typ, eine Airline oder eine Special Livery im Anflug ist oder landet – egal, wie lange er vorher im Holding war. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Holding: die kurze Antwort
Ein Holding ist ein standardisiertes Warte-Oval über einem festen Punkt. Das Flugzeug überfliegt den Wartepunkt, dreht um 180 Grad, fliegt eine Gerade vom Punkt weg, dreht wieder und fliegt die Gerade zurück zum Punkt. Diese Runde wiederholt es, bis die Flugsicherung es weiterschickt. Die Flugsicherung nutzt Holdings, wenn mehr Flugzeuge ankommen, als die Pisten aufnehmen können, wenn Wetter oder eine Sperrung den Anflug bremsen – oder als Endpunkt eines Fehlanflugs, bis klar ist, wie es weitergeht.
Holdings sind kein Improvisieren am Himmel. Lage, Richtung, Mindesthöhe und Drehsinn stehen in den Anflugkarten. Die Grundregeln dafür – Tempo, Kurvenrate, Zeiten und der geschützte Luftraum – legt die ICAO in ihren Verfahrensvorschriften für den Flugbetrieb (PANS-OPS, Doc 8168) fest. Wer die Regeln kennt, kann jede Warteschleife auf der Karte und im Funk einordnen.
Der Aufbau einer Warteschleife
Jedes Holding hat dieselben Bausteine. Wenn du sie kennst, liest du eine Anflugkarte oder eine Flugradar-Spur viel leichter.
- Wartepunkt (Holding Fix): der Anker des Ovals. Früher war das fast immer ein Funkfeuer wie ein VOR oder NDB, heute ist es oft ein reiner Wegpunkt mit fünfbuchstabigem Namen, den das Navigationssystem per Satellit oder Funknavigation berechnet.
- Inbound-Kurs: die festgelegte Richtung, in der das Flugzeug auf den Wartepunkt zufliegt. Er bestimmt, wie das Oval im Raum liegt.
- Outbound-Schenkel: die Gerade vom Punkt weg. Ihre Dauer korrigiert die Crew bei Wind so, dass der Inbound-Schenkel die vorgegebene Zeit erreicht.
- Kurven: zwei Halbkreise von je etwa einer Minute. Geflogen wird mit rund 25 Grad Querneigung oder mit 3 Grad pro Sekunde, je nachdem, was weniger Schräglage verlangt.
- Mindesthöhe: Jedes Holding hat eine unterste Ebene, unterhalb derer nicht gewartet wird – Hindernisse und benachbarte Verfahren geben sie vor.
Statt in Minuten kann ein Schenkel auch in nautischen Meilen festgelegt sein, gemessen per Entfernungsmessgerät oder satellitengestützter Navigation. Bei langen Wartezeiten kann die Flugsicherung außerdem längere Schenkel anordnen. Auf der Karte wirkt das Oval dann gestreckt.
Tempolimits und geschützter Luftraum
Damit ein Flugzeug im Oval bleibt, darf es nicht beliebig schnell sein. Um jedes Holding ist ein geschützter Luftraum konstruiert, in dem andere Verkehre nicht stören dürfen. Dieser Schutzraum gilt nur, wenn die Crew Tempo, Kurvenrate und Zeiten einhält. Die ICAO-Höchstgeschwindigkeiten im Überblick:
| Höhenband | Höchstgeschwindigkeit (ICAO) | Typischer Schenkel | Rundenzeit bei Windstille |
|---|---|---|---|
| bis 14.000 ft | 230 kt | 1 Minute | ca. 4 Minuten |
| über 14.000 bis 20.000 ft | 240 kt | 1,5 Minuten | ca. 5 Minuten |
| über 20.000 bis 34.000 ft | 265 kt | 1,5 Minuten | ca. 5 Minuten |
| über 34.000 ft | Mach 0,83 | 1,5 Minuten | ca. 5 Minuten |
Für langsamere Flugzeuge der Anflugkategorien A und B, also typischerweise kleine Propellermaschinen, gilt eine Grenze von 170 Knoten. Bei Turbulenz darf schneller geflogen werden; der Schutzraum ist dafür mit Reserve ausgelegt. Die Crew muss die Flugsicherung aber informieren, wenn sie die Standardgeschwindigkeit überschreitet. In den USA gelten übrigens eigene, etwas andere Tabellen – wer amerikanische Flugspuren analysiert, wundert sich sonst über abweichende Ovale.
Die drei Einflugverfahren
Spannend wird es beim Einfädeln. Ein Flugzeug erreicht den Wartepunkt selten genau auf dem Inbound-Kurs. Wie es ins Oval kommt, hängt von seiner Anflugrichtung ab. Gedanklich legt man dafür eine Linie durch den Wartepunkt, die 70 Grad zum Inbound-Kurs auf der Seite des Holdings steht. Zusammen mit dem Inbound-Kurs teilt sie den Kreis um den Punkt in drei Sektoren:
| Sektor | Verfahren | Was die Crew fliegt | So sieht es auf der Karte aus |
|---|---|---|---|
| 1 | Parallel | über den Punkt, dann parallel zum Inbound-Kurs nach außen, zurückdrehen und auf dem Inbound-Kurs zum Punkt | zusätzliche Schleife auf der „falschen“ Seite des Ovals |
| 2 | Versetzt (Teardrop, Offset) | über den Punkt, schräg in den Schutzraum (höchstens 30 Grad zum Gegenkurs), nach der vorgegebenen Zeit zurück auf den Inbound-Kurs | Tropfenform in der ersten Runde |
| 3 | Direkt | über den Punkt und sofort in die erste Kurve des Ovals | sauberes Oval ab der ersten Runde |
An den Sektorgrenzen gibt es eine Toleranz von je 5 Grad, in der die Crew zwischen den benachbarten Verfahren wählen darf. Moderne Flugmanagementsysteme berechnen den Einflug selbst. Trotzdem gehört das Verfahren zur Grundausbildung jedes Instrumentenpiloten, denn bei einem Holding ohne veröffentlichtes Muster muss die Crew den Einflug aus der Freigabe ableiten.
Spotter-Trick: die erste Runde verrät die Richtung
Schau dir bei einem Flugzeug, das gerade ins Holding gegangen ist, die erste Runde auf der Spur an. Ein Tropfen oder eine Schleife außerhalb des Ovals zeigt, dass es aus einer ungünstigen Richtung kam. Ein sofort sauberes Oval deutet auf einen direkten Einflug. Wie du Warteschleifen generell auf der Karte findest, erklärt Warteschleifen auf dem Flugradar erkennen.
Der Stapel: oben rein, unten raus
Warten mehrere Flugzeuge am selben Punkt, entsteht ein Stapel (Stack). Die Ebenen sind mindestens 1.000 Fuß voneinander getrennt. Neue Flugzeuge kommen oben dazu, die Maschine auf der untersten Ebene wird als erste zum Anflug freigegeben. Danach sinken alle darüber eine Ebene tiefer. Oft betreut ein eigener Lotse einen Stapel, große Flughäfen haben mehrere Holdings gleichzeitig in Betrieb.
Das bekannteste Beispiel Europas liegt in London. Für den Flughafen London-Heathrow gibt es vier Stapel, benannt nach Bovingdon, Biggin, Lambourne und Ockham. Der Bovingdon-Stapel nordwestlich von London ist nach dem gleichnamigen Ort mit seinem Funkfeuer benannt.
Für dich als Zuschauer ist die Logik nützlich: Die Höhe eines Flugzeugs im Stapel verrät seinen Platz in der Schlange. Wie lange es ungefähr noch dauert, kannst du grob abschätzen.
Wann ist der Flieger aus dem Stapel?
Faustrechnung für einen einzelnen Stapel. Speist die Flugsicherung mehrere Holdings auf dieselbe Piste ein, verlängert sich die Wartezeit entsprechend. Den Takt liest du ab, indem du auf der Live-Karte mitzählst.
Was im Funk passiert
Holdings bekommt man nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Eine Holding-Freigabe folgt einem festen Muster. Sinngemäß klingt sie so: „Lufthansa 4AB, hold at ROKIL as published, maintain flight level 100, expect further clearance at 35.“ Drei Elemente stecken darin:
- Wo: der Wartepunkt und der Hinweis „as published“, wenn das veröffentlichte Muster gilt. Andernfalls nennt der Lotse Inbound-Kurs, Drehrichtung und gegebenenfalls Schenkellänge.
- Wie hoch: die Ebene, auf der das Flugzeug wartet.
- Wie lange: die Zeit, zu der die Crew mit der nächsten Freigabe rechnen kann („expect further clearance“) oder zu der der Anflug beginnen kann („expect approach clearance“).
Die Zeitangabe ist für die Crew doppelt wichtig. Sie plant damit den Kraftstoff, und sie ist der Fahrplan bei einem Funkausfall: Dann verlässt das Flugzeug das Holding zur genannten Zeit. Ist absehbar, dass ein Flug ins Holding muss, gibt die Flugsicherung die Anweisung möglichst einige Minuten vor Erreichen des Punkts, damit die Crew rechtzeitig verlangsamen kann. Mehr zur Funksprache findest du im Guide Sprechfunk-Phraseologie erklärt, wie die Frequenzen organisiert sind, steht in Flugfunk-Frequenzen verstehen.
Vor dem Mithören: Rechtslage klären
Ob und wie du Flugfunk mithören darfst, regelt in Deutschland das Telekommunikationsrecht – und das ist strenger, als viele denken. Lies vorher Flugfunk hören: was erlaubt ist. Für Flughäfen außerhalb Deutschlands bieten Streams wie in Flugfunk online hören einen Einstieg.
Kraftstoff: die eigentliche Grenze
Eine gesetzliche Höchstdauer für Warteschleifen gibt es nicht. Die Grenze setzt der Tank. Airlines planen neben dem Kraftstoff für Flug, Anflug und Ausweichflughafen eine Final Reserve ein, die bei Jets auf rund 30 Minuten Warteflug in 1.500 Fuß über dem Flughafen ausgelegt ist. Erwartet eine Crew Holdings – etwa an einem Gewittertag oder bei einem bekannt vollen Drehkreuz –, tankt sie zusätzlich.
Im Holding rechnet die Crew laufend: Wie viele Runden gehen noch, bevor der Weiterflug zum Ausweichziel nicht mehr sicher ist? Wird es eng, meldet sie der Flugsicherung Minimum Fuel. Das ist noch kein Notfall, sagt aber: Weitere Verzögerung geht nicht. Droht eine Landung unterhalb der Final Reserve, wird Mayday Fuel erklärt, und das Flugzeug bekommt Vorrang. Häufiger ist der dritte Weg: Die Crew bricht rechtzeitig ab und fliegt zum Ausweichflughafen. Wie solche Entscheidungen fallen, beschreibt der Artikel Umleitung zum Ausweichflughafen.
Holdings kosten also Geld und Kraftstoff und verursachen zusätzliche Emissionen und Lärm in der Gegend unter dem Wartepunkt. Genau deshalb versucht die europäische Flugsicherung, sie zu vermeiden.
Wetter und Pisten auf einen Blick
Planetrack zeigt dir Wetter, Wind und aktive Pisten direkt am Flughafen – so erkennst du, ob ein Gewitter oder Nebel die Warteschleifen gerade füllt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Warten ohne Kreisen: AMAN, XMAN und Point Merge
Ein Flugzeug, das in 7.000 Fuß Ovale fliegt, verbraucht mehr Kraftstoff als eines, das dieselbe Verzögerung in Reiseflughöhe durch langsameres Fliegen abbaut. Darauf bauen drei Werkzeuge auf, die Holdings an großen Flughäfen heute seltener machen:
- Arrival Manager (AMAN): Ein Planungssystem berechnet für jeden Anflug eine optimale Reihenfolge und Zielzeit. Es zeigt dem Lotsen, wie viele Minuten ein Flugzeug verlieren oder gewinnen muss. Der Lotse setzt das über Geschwindigkeit, Radarführung, Umwege – oder eben ein Holding – um.
- Extended AMAN (XMAN): Die Reihenfolge wird schon 180 bis 200 nautische Meilen vor dem Ziel geplant. Lotsen in vorgelagerten Sektoren, oft in einem anderen Kontrollzentrum oder Land, geben dann Geschwindigkeitsanweisungen im Reiseflug. Den ersten Versuch gab es im April 2014 für Heathrow. EU-Vorgaben, erstmals 2014 im sogenannten Pilot Common Project festgelegt, verlangen diese Funktion seit 2024 an einer Reihe großer Flughäfen, darunter Frankfurt und München.
- Point Merge: Ein von Eurocontrol 2006 entwickeltes Verfahren. Statt im Oval fliegen die Flugzeuge auf bogenförmigen Wartestrecken in gleichem Abstand zu einem Sammelpunkt. Der Lotse schickt sie zum passenden Zeitpunkt „direkt“ zum Punkt. Eingeführt wurde es unter anderem in Oslo (2011) und Dublin (2012); laut Eurocontrol nutzen es inzwischen 61 Flughäfen in 23 Ländern.
Was für das klassische Holding spricht
- einfach, weltweit einheitlich, jede Crew kennt es
- nimmt kurzfristig viele Flugzeuge auf engem Raum auf
- flexibel bei plötzlichen Störungen wie Pistensperrung oder Gewitter
- klarer Fahrplan bei Funkausfall
Was dagegen spricht
- Kraftstoffverbrauch und Emissionen in niedriger Höhe
- Lärm über den Gemeinden unter dem Wartepunkt
- hoher Funk- und Koordinationsaufwand im Stapel
- Verzögerung wird spät statt früh im Flug abgebaut
Ganz verschwinden werden Holdings trotzdem nicht. Wenn ein Gewitter über dem Platz hängt oder eine Piste plötzlich gesperrt ist, hilft keine Planung von vor 200 Meilen. Dann braucht die Flugsicherung einen Ort, an dem sie Flugzeuge sicher parken kann. In Deutschland ist dafür die DFS Deutsche Flugsicherung zuständig, den europäischen Verkehrsfluss koordiniert Eurocontrol.
Wo du Warteschleifen in Deutschland siehst
Holdings liegen meist am Rand des Anflugbereichs, dort, wo die Standardanflüge (STAR) von den Luftstraßen hereinführen. Wie diese Routen aufgebaut sind, erklärt SID und STAR verständlich erklärt. Wichtig vorab: Wartepunkte und Verfahren ändern sich mit jeder Überarbeitung der Anflugkarten. Verbindlich ist nur das aktuelle Luftfahrthandbuch.
München: vier Wartepunkte rund um den Platz
Am Flughafen München führen die Anflugrouten zu vier Wartepunkten, die rund um den Flughafen verteilt liegen: ROKIL, LANDU, BETOS und NAPSA. Reicht die Kapazität nicht, wird dort gewartet. Bei Ankunftswellen am Morgen, bei Gewittern im Sommer und bei Schneeräumung im Winter siehst du auf der Live-Karte oft gleich mehrere Ovale. Die Landungen danach erlebst du zum Beispiel am Besucherhügel; weitere Standorte stehen im Planespotting-Guide München.
Frankfurt: dichter Anflug, gezielte Planung
Am Flughafen Frankfurt arbeitet die Flugsicherung ebenfalls mit Wartepunkten am Rand des Anflugbereichs, an denen die Standardanflüge beginnen. Wegen der vielen Ankünfte setzt sie hier stark auf Ankunftsplanung, um Holdings zu vermeiden – Frankfurt gehört zu den Flughäfen, für die erweitertes Arrival Management vorgeschrieben ist. Warteschleifen siehst du deshalb vor allem bei Störungen: Gewitterlagen, Winterbetrieb oder ein Wechsel der Betriebsrichtung. Wie dieser abläuft, steht in Betriebsrichtung am Flughafen verstehen, Spots für die Landungen im Planespotting-Guide Frankfurt.
Südbaden: ein Schweizer Holding über Deutschland
Eine Besonderheit liegt im Südwesten. Für den Flughafen Zürich gibt es mehrere veröffentlichte Holdings, darunter AMIKI im Osten und RILAX im Norden – über süddeutschem Gebiet. Weil Warteschleifen Lärm bringen, gehören die Anflüge über Süddeutschland seit Jahren zum deutsch-schweizerischen Fluglärmstreit. Ein 2012 unterzeichneter Staatsvertrag dazu hat Deutschland nicht ratifiziert. Wer in der Region wohnt, sieht Zürich-Anflüge also manchmal über dem eigenen Haus kreisen. Die Landungen in Zürich fotografierst du zum Beispiel am Butzenbüel.
Kleinere Flughäfen
Auch an kleineren Verkehrsflughäfen gibt es veröffentlichte Holdings – oft am Ende des Fehlanflugverfahrens. Nach einem Durchstarten kann ein Flugzeug dort warten, bis Wetter oder Piste einen neuen Versuch erlauben. Zusätzlich nutzen Ausbildungsflüge solche Verfahren zum Üben. Ein Oval über einem Regionalflughafen ist deshalb nicht selten ein Training und kein Stau.
| Ort | Wartepunkte / Lage | Wann du sie am ehesten siehst | So beobachtest du sie |
|---|---|---|---|
| München | ROKIL, LANDU, BETOS, NAPSA rund um den Flughafen | Ankunftswellen, Sommergewitter, Schneeräumung | Flugradar, danach Landungen am Besucherhügel |
| Frankfurt | Wartepunkte am Rand des Anflugbereichs | Störungen: Gewitter, Winter, Betriebsrichtungswechsel | Flugradar, Flugspur-Portal |
| Südbaden | RILAX (Holding für Zürich) | Spitzenzeiten in Zürich | Flugradar, vom Boden bei klarem Himmel |
| Regionalflughäfen | meist am Fehlanflugpunkt | Schlechtwetter, Durchstarten, Training | Flugradar, Flugfunk wo erlaubt |
So beobachtest du Holdings am besten
Vom Boden aus sind wartende Jets meist hoch und klein. Die ovale Form erkennst du mit bloßem Auge selten – du siehst nur, dass dasselbe Flugzeug mehrmals in ähnlicher Richtung vorbeizieht. Besser klappt es mit Technik:
1. Wartepunkte kennen
Schlag die Wartepunkte deines Hausflughafens nach – in Anflugkarten oder über Kartenwerkzeuge wie SkyVector. So weißt du, wo du auf der Karte suchen musst.
2. Flugradar mit Spur nutzen
Lass dir bei verdächtigen Flugzeugen die Spur anzeigen. Ovale über einem Punkt, konstante Höhe und reduziertes Tempo sind das Muster. Die Bedienung erklärt die Flightradar24-Anleitung.
3. Flugspur-Portale prüfen
Viele Flughäfen veröffentlichen Flugspuren für die Lärmüberwachung. Dort siehst du Holdings auch im Nachhinein – mehr in Fluglärm- und Flugspurportale als Spotter-Werkzeug.
4. Ursache checken
Wetter am Ziel prüfen: Gewitter, Nebel oder Schnee erklären lange Holdings. Wie du die Meldungen liest, steht in METAR und TAF für Spotter.
5. Ende abpassen
Wenn die unterste Ebene abfließt, kommen die Landungen im Pulk. Jetzt ist der Moment, am Spot bereit zu sein.
Worauf du achten solltest
- Holding heißt nicht Notfall. Flugzeuge in echter Not werden bevorzugt behandelt. Ein Transpondercode verrät mehr als ein Oval – siehe Squawk-Codes 7500, 7600, 7700.
- Nicht jedes Oval ist ein Holding. Vermessungsflüge, Polizeihubschrauber und Trainingsflüge kreisen ebenfalls. Typ, Höhe und Callsign geben Hinweise.
- Namen veralten. Wegpunkte werden umbenannt oder verlegt. Prüf vor einem Vergleich immer den aktuellen Stand.
- Ankunftszeiten sind Schätzungen. Prognosen auf Flugradar-Diensten bilden Holdings nicht immer sauber ab. Die Hintergründe zu Verspätungen erklärt Warum Flüge verspätet sind.
- Lärm ist ein echtes Thema. Wer unter einem Wartepunkt wohnt, sieht Holdings anders als ein Spotter. Respektiere das, wenn du in Foren oder sozialen Netzwerken darüber schreibst.
Verstehst du Warteschleifen?
- Ich kenne Wartepunkt, Inbound-Kurs und die Schenkelzeiten von einer und anderthalb Minuten.
- Ich kann direkten, parallelen und versetzten Einflug unterscheiden.
- Ich weiß, dass im Stapel unten zuerst freigegeben wird.
- Ich verstehe, was „expect further clearance“ im Funk bedeutet.
- Ich weiß, warum Kraftstoff die eigentliche Grenze im Holding ist.
- Ich kenne die Wartepunkte meines Hausflughafens.
Wenn der Stapel abfließt, bist du bereit
Finde auf der Spot-Karte den passenden Standort mit bestem Licht, poste deine Sichtung mit Foto, Kennzeichen, Typ und Airline und sammle sie in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Eine Warteschleife ist ein streng geregeltes Oval: Wartepunkt, Inbound-Kurs, Rechtskurven, Schenkel von einer oder anderthalb Minuten und feste Tempolimits halten jedes Flugzeug in seinem geschützten Luftraum. Wie es hineinkommt, entscheidet die Anflugrichtung. Wie lange es bleibt, sagt der Lotse mit der „expect further clearance“-Zeit, und wie lange es bleiben kann, sagt der Tank. Europa verlagert das Warten zunehmend in den Reiseflug, doch bei Gewitter, Schnee oder Pistensperrung bleibt das Holding unverzichtbar. Über Deutschland siehst du es am ehesten rund um München und Frankfurt – und über Südbaden, wo Zürich-Anflüge bei RILAX kreisen.
Kurzfazit
Holding = Oval über einem Wartepunkt, Rechtskurven, vier bis fünf Minuten pro Runde, unten raus zuerst. Lerne die Wartepunkte deines Hausflughafens, verfolge die Ovale auf der Live-Karte und sei am Spot, wenn sich der Stapel auflöst – dann kommen die Landungen Schlag auf Schlag.
Zusammenfassung
- Ein Holding besteht aus Wartepunkt, Inbound-Kurs, zwei Kurven und zwei geraden Schenkeln. Geschwindigkeit, Kurvenrate und Zeiten sind international festgelegt, damit jedes Flugzeug im geschützten Luftraum bleibt.
- Der Einflug hängt von der Richtung ab, aus der das Flugzeug den Wartepunkt erreicht: direkt, parallel oder versetzt.
- Im Stapel kommen neue Flugzeuge oben dazu, unten wird zuerst zum Anflug freigegeben. Die Ebenen liegen mindestens 1.000 Fuß auseinander.
- In Deutschland siehst du Holdings vor allem über München, rund um Frankfurt und – als Besonderheit – über Südbaden, wo der Zürcher Wartepunkt RILAX liegt. Am besten verfolgst du sie per Flugradar oder Flugspur-Portal und hörst parallel den Anflugfunk, wo das erlaubt ist.
Häufige Fragen
Was ist ein Holding in der Luftfahrt?
Ein Holding, deutsch Warteschleife oder Warteverfahren, ist ein festgelegtes Flugmuster über einem Wartepunkt. Das Flugzeug fliegt dabei ein Oval aus zwei Kurven und zwei Geraden, bis die Flugsicherung es weiter Richtung Landebahn schickt. So kann der Verkehr verzögert werden, ohne dass Flugzeuge ungeordnet kreisen.
Warum fliegen Warteschleifen rechts herum?
Rechtskurven sind nach ICAO der Standard, damit jede Crew weltweit dasselbe Muster erwartet. Holdings mit Linkskurven gibt es trotzdem, wenn Luftraum, Gelände oder benachbarte Verfahren es verlangen – sie sind dann ausdrücklich so veröffentlicht oder werden vom Lotsen angewiesen.
Wie schnell fliegt ein Flugzeug im Holding?
Nach ICAO höchstens 230 Knoten bis 14.000 Fuß, 240 Knoten bis 20.000 Fuß, 265 Knoten bis 34.000 Fuß und darüber Mach 0,83. Einzelne Verfahren können niedrigere Werte vorschreiben. Braucht eine Crew mehr Tempo, etwa wegen Turbulenz, meldet sie das der Flugsicherung.
Was bedeutet „expect further clearance“?
Mit dieser Zeitangabe sagt der Lotse, wann die Crew voraussichtlich die nächste Freigabe bekommt. Sie hilft beim Kraftstoffplanen und ist zugleich der Fahrplan für den Fall eines Funkausfalls. Für Zuhörer am Scanner ist sie die beste Schätzung, wie lange der Stau noch dauert.
Wie lange darf ein Flugzeug in der Warteschleife bleiben?
Eine feste Höchstdauer gibt es nicht – die Grenze setzt der Kraftstoff. Die Crew rechnet laufend nach. Bei Jets ist die Final Reserve auf rund 30 Minuten Warteflug in 1.500 Fuß über dem Flughafen ausgelegt. Wird die Lage knapp, meldet sie Minimum Fuel oder entscheidet sich rechtzeitig für einen Ausweichflughafen.
Wo kann ich in Deutschland Warteschleifen sehen?
Am häufigsten über den großen Drehkreuzen: an den vier Wartepunkten rund um München und im Anflugbereich von Frankfurt, vor allem bei Ankunftswellen, Gewittern oder im Winterbetrieb. Eine Besonderheit ist RILAX, ein Holding für Zürich über süddeutschem Gebiet. Vom Boden aus siehst du die Flugzeuge meist nur hoch und klein – die Ovale erkennst du am besten auf einer Flugradar-Karte.
Ist ein Holding ein Zeichen für einen Notfall?
Nein. Warteschleifen sind ein alltägliches Werkzeug der Flugsicherung. Ein Flugzeug in einer echten Notlage wird im Gegenteil bevorzugt und muss in der Regel nicht warten – dafür kreisen andere dann vielleicht ein paar Runden länger.
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