Das Wichtigste in Kürze
- Eine gemeinsame Uhr für alle: A-CDM verbindet Flughafen, Airline, Bodenabfertiger, Flugsicherung und den europäischen Network Manager über geteilte Zeitstempel, statt dass jeder mit eigenen Schätzungen plant.
- Der Buchstabe vorn verrät die Qualität: S steht für geplant (Scheduled), E für geschätzt (Estimated), T für Zielzeit (Target) und A für tatsächlich gemessen (Actual).
- TOBT kommt von der Abfertigung: Die Target Off-Block Time ist der Zeitpunkt, an dem die Maschine mit geschlossenen Türen und abgezogener Brücke bereit für Pushback oder Anlassen ist.
- TSAT kommt vom System: Die Target Start-up Approval Time berechnet das Abflugmanagement aus allen TOBTs, Pistenkapazität, Rollzeiten und ATC-Slots – sie sagt der Crew, wann die Freigabe zu erwarten ist.
- TTOT ist die Prognose fürs Abheben: Die Target Take-Off Time ergibt sich vereinfacht aus TOBT oder TSAT plus Rollzeit und wird an Eurocontrol gemeldet.
Inhaltsverzeichnis
- 1.A-CDM in einem Satz
- 2.Die Logik hinter den Kürzeln
- 3.TOBT: die Zusage der Abfertigung
- 4.TSAT: wann die Freigabe kommt
- 5.TTOT und CTOT: der Blick über den Flughafen hinaus
- 6.Die 16 Meilensteine eines Abflugs
- 7.Die sechs Bausteine des Konzepts
- 8.Enteisung: wenn der Winter die Rechnung ändert
- 9.Was A-CDM für dich am Zaun bedeutet
- 10.Wo A-CDM im Einsatz ist
- 11.Worauf du achten solltest
- 12.Fazit
Der Airbus steht seit Minuten mit geschlossenen Türen an der Position, die Brücke ist weg, der Schlepper hängt dran – und nichts passiert. Dann, auf die Minute, kommt die Freigabe, und der Jet rollt zurück. Was am Zaun wie Zufall wirkt, folgt an vielen großen Flughäfen einem festen Zeitplan aus Kürzeln: A-CDM. Dieser Guide übersetzt TOBT, TSAT, TTOT und ihre Verwandten, zeigt dir die 16 Meilensteine eines Abflugs und erklärt, was du als Spotter daraus ablesen kannst.
Abflüge im Blick behalten
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A-CDM in einem Satz
Airport Collaborative Decision Making bedeutet, dass alle, die an einem Abflug beteiligt sind, mit denselben Zeiten arbeiten: Flughafenbetreiber, Airline, Bodenabfertiger, Flugsicherung und der Network Manager von Eurocontrol. Früher plante jeder Partner mit seinen eigenen Annahmen – die Flugsicherung mit dem Flugplan, die Abfertigung mit ihrem Stand am Gate, die Netzplanung mit Durchschnittswerten. A-CDM legt diese Informationen zusammen und macht daraus Zielzeiten, an denen sich alle ausrichten.
Getragen wird das Konzept in Europa gemeinsam von Eurocontrol, dem Flughafenverband ACI Europe, dem Airline-Verband IATA und dem Flugsicherungsverband CANSO. Eurocontrol nennt als Ziele eine effizientere und robustere Abwicklung am Boden, besonders bei Turnaround und Abflugvorbereitung, sowie genauere Startzeiten für die Planung im europäischen Luftraum.
Die Logik hinter den Kürzeln
Bevor du dich in einzelne Zeitstempel stürzt, lohnt ein Blick auf den Aufbau. Fast alle A-CDM-Kürzel bestehen aus vier Buchstaben, und der erste sagt dir, wie belastbar die Zeit ist:
- S – Scheduled: die geplante Zeit aus dem Flugplan der Airline, etwa die SOBT (Scheduled Off-Block Time), die zum Flughafen-Slot gehört.
- E – Estimated: eine Schätzung, die sich laufend ändern kann, etwa die ELDT (Estimated Landing Time) eines ankommenden Fluges.
- T – Target: eine Zielzeit, auf die sich die Partner verständigen und an der sie ihre Abläufe ausrichten.
- A – Actual: der tatsächlich gemessene Zeitpunkt, zum Beispiel die AOBT (Actual Off-Block Time), wenn das Flugzeug wirklich zurückgeschoben wird.
Der Rest des Kürzels beschreibt das Ereignis: OBT ist Off-Block (die Parkposition verlassen), IBT In-Block (an der Position angekommen), LDT Landing, TOT Take-Off. Wer das einmal verinnerlicht hat, kann auch unbekannte Kürzel meistens selbst entschlüsseln.
| Kürzel | Ausgeschrieben | Was dahintersteckt | Wer liefert sie |
|---|---|---|---|
| SOBT | Scheduled Off-Block Time | geplante Abflugzeit an der Position, passend zum Flughafen-Slot | Airline / Flugplan |
| EOBT | Estimated Off-Block Time | Abflugzeit laut ATC-Flugplan | Airline |
| ELDT | Estimated Landing Time | erwartete Landezeit des ankommenden Fluges | Network Manager, lokale Radardaten |
| EIBT | Estimated In-Block Time | erwartete Ankunft an der Parkposition | A-CDM-System (Landung plus Rollzeit) |
| TOBT | Target Off-Block Time | Zeit, zu der das Flugzeug abflugbereit ist | Airline oder Bodenabfertiger |
| TSAT | Target Start-up Approval Time | erwartete Freigabe für Anlassen / Pushback | Abflugmanagement (DMAN) |
| TTOT | Target Take-Off Time | Zielzeit für den Start | A-CDM-System / DMAN |
| CTOT | Calculated Take-Off Time | ATC-Slot bei Luftraum-Engpässen | Network Manager |
| EXOT / EXIT | Estimated Taxi-Out / Taxi-In Time | geschätzte Rollzeit zur Piste bzw. zur Position | A-CDM-System |
| ASRT / ASAT | Actual Start-up Request / Approval Time | Anfrage und Erteilung der Anlassfreigabe | Flugsicherung |
| AOBT / ATOT | Actual Off-Block / Take-Off Time | tatsächlicher Pushback und Start | Flugsicherung, Sensorik |
TOBT: die Zusage der Abfertigung
Die Target Off-Block Time ist das Herzstück von A-CDM. Sie beschreibt den Moment, in dem die Maschine startklar an der Position steht: alle Türen zu, Fluggastbrücke abgezogen, Pushback-Schlepper bereit. Gepflegt wird sie von der Airline oder dem beauftragten Bodenabfertiger, denn nur die wissen, wie weit Catering, Betankung, Gepäck und Boarding gerade sind. Wie viele Gewerke dabei ineinandergreifen, zeigt der Guide zum Turnaround eines Flugzeugs.
Solange noch niemand eine TOBT von Hand eingetragen hat, rechnet das A-CDM-System selbst: Erwartete Ankunft an der Position plus Mindestbodenzeit (MTTT, Minimum Turn-round Time) ergibt eine automatische TOBT. Liegt sie vor der geplanten Abflugzeit im Flugplan, wird sie auf diese EOBT gesetzt – früher als geplant gilt nicht als Ziel. Sobald der Abfertiger einen eigenen Wert eingibt, überschreibt dieser die Automatik.
Weil an der TOBT die gesamte Abflugreihenfolge hängt, gelten an A-CDM-Flughäfen strenge Spielregeln. Der Flughafen Zürich beschreibt sie in seinen Betriebsinformationen zum Beispiel so:
- Änderungen sind nur in Schritten von mindestens fünf Minuten erlaubt.
- Die letzte Korrektur muss spätestens fünf Minuten vor der aktuellen TOBT erfolgen.
- Die Crew muss innerhalb von fünf Minuten vor oder nach der TOBT bei der Freigabestelle (Clearance Delivery) bereit melden.
- Wer nicht im Fenster bereit ist, wird nicht weiter abgearbeitet, bis eine neue TOBT eingetragen ist.
Die genauen Toleranzen können sich von Flughafen zu Flughafen unterscheiden. Das Prinzip bleibt gleich: Eine zu optimistische TOBT kostet nicht nur den eigenen Flug Zeit, sondern bringt die Reihenfolge aller anderen durcheinander.
TOBT und EOBT müssen zusammenpassen
Die TOBT lebt im Flughafensystem, die EOBT im ATC-Flugplan beim Network Manager. Liegen beide 15 Minuten oder mehr auseinander, erzeugt das A-CDM-System einen Alarm an Airline oder Abfertiger. Airlines können einen Dienst von Eurocontrol nutzen, der die EOBT in diesem Fall automatisch an die TOBT anpasst.
TSAT: wann die Freigabe kommt
Die Target Start-up Approval Time ist die Antwort des Systems auf alle TOBTs zusammen. Ein Abflugmanagementsystem, kurz DMAN (Departure Manager), sortiert die startbereiten Flüge so, dass die Piste möglichst gleichmäßig ausgelastet ist und sich niemand am Rollhalt stauen muss. In die Rechnung fließen laut Flughafen Zürich unter anderem ein:
- die TOBT des Fluges,
- die verfügbare Pistenkapazität und die zugewiesene Startbahn,
- variable Rollzeiten je nach Position und Piste,
- Flugzeugtyp, Wirbelschleppen-Kategorie und Abflugroute,
- eine eventuell notwendige Enteisung,
- ATC-Slots (CTOT) und besondere Abflugabstände.
Nach der Eurocontrol-Spezifikation wird die TSAT zwischen 40 und 30 Minuten vor der TOBT ausgegeben. Ab dann ist sie für die Crew die maßgebliche Zeit. In Zürich gilt auch hier ein Fenster von plus/minus fünf Minuten, und der Schlepper muss fünf Minuten vor der TSAT angekoppelt und bereit sein, damit der Pushback sofort nach der Freigabe beginnen kann.
Genau deshalb siehst du am Zaun so oft Flugzeuge, die fertig sind und trotzdem warten: Ihre TOBT ist erreicht, ihre TSAT aber noch nicht. Statt mit laufenden Triebwerken in einer Schlange vor der Piste zu stehen, wartet die Maschine an der Position. Das spart Treibstoff, Lärm und Abgase auf dem Vorfeld.
TTOT und CTOT: der Blick über den Flughafen hinaus
Die Target Take-Off Time ist die Zeit, zu der das Flugzeug voraussichtlich abhebt. Die Eurocontrol-Spezifikation beschreibt sie im Kern als einfache Addition: Bereitschaftszeit plus geschätzte Rollzeit, also TOBT plus EXOT. Ist noch keine TOBT vorhanden, wird mit der erwarteten Ankunft plus Mindestbodenzeit gerechnet, bei Flugzeugen ohne Zubringerflug (etwa aus der Wartung) mit der EOBT. Muss enteist werden, kommt die Zeit für die Enteisung hinzu.
Diese TTOT ist das wichtigste Geschenk des Flughafens an das europäische Netz. Sie geht in sogenannten DPI-Nachrichten (Departure Planning Information) an den Network Manager:
| Nachricht | Wann sie ungefähr verschickt wird | Was sie mitteilt |
|---|---|---|
| E-DPI | ab etwa drei Stunden vor EOBT | erste Abflugdaten, Flug ist im A-CDM-System bekannt |
| T-DPI-t | ab zwei Stunden vor EOBT und bei relevanten Änderungen | Ziel-Startzeit auf Basis der TOBT |
| T-DPI-s | nach Ausgabe der TSAT | Ziel-Startzeit aus der Abflugreihenfolge |
| A-DPI | beim tatsächlichen Off-Block | Flug ist unterwegs, Startzeit sehr genau bekannt |
| C-DPI | bei Abbruch, etwa gelöschter TOBT | vorherige Angaben sind ungültig |
Der Network Manager nutzt diese Daten, um den Luftraum zu planen. Ist ein Sektor oder ein Zielflughafen überlastet, vergibt er eine CTOT – einen ATC-Slot, also ein enges Zeitfenster für den Start. Nach den Zürcher Betriebsinformationen beträgt die Standardtoleranz dafür fünf Minuten früher bis zehn Minuten später. Die CTOT wiederum fließt in die TSAT ein. Was hinter Flughafen- und ATC-Slots steckt, erklärt der Artikel Slots an Flughäfen.
Du weißt, wann er rollt – sei am richtigen Spot
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Die 16 Meilensteine eines Abflugs
A-CDM verfolgt jeden Flug entlang einer festen Kette von Ereignissen. Jeder Meilenstein stößt Neuberechnungen an und kann Warnungen auslösen, wenn etwas nicht zusammenpasst. Die Liste geht auf das Implementierungshandbuch von Eurocontrol zurück:
1–2: Flugplan aktiv, EOBT minus zwei Stunden
Etwa drei Stunden vor der EOBT wird der ATC-Flugplan aktiviert und der Flug im A-CDM-System angelegt. Zwei Stunden vor EOBT prüft das System, ob Ankunft plus Mindestbodenzeit zum Flugplan passt. Ab hier kann bei Engpässen eine CTOT vergeben werden.
3–6: Der Zubringer kommt
Start am Abflugort, Erfassung durch das lokale Radar, Endanflug und Landung: Mit jedem Schritt wird die erwartete Ankunft genauer, und die automatische TOBT des Folgeflugs wandert mit.
7–8: In-Block und Beginn der Abfertigung
Steht die Maschine an der Position, zählt die tatsächliche Ankunft plus Mindestbodenzeit. Kurz danach beginnt die Bodenabfertigung.
9–10: TOBT bestätigen, TSAT ausgeben
Der Abfertiger bestätigt oder korrigiert die TOBT. Zwischen 40 und 30 Minuten vor TOBT berechnet das Abflugmanagement die TSAT.
11–12: Boarding und Bereitschaft
Das Boarding beginnt, am Ende meldet die Crew das Flugzeug bereit. Kommt bis fünf Minuten nach der TOBT keine Bereitmeldung, wird die zuständige Stelle alarmiert.
13–14: Anlassen angefragt und freigegeben
Die Crew fragt die Anlass- oder Pushback-Freigabe an (ASRT), die Flugsicherung erteilt sie (ASAT). Bleibt die Anfrage bis fünf Minuten nach TSAT aus, gibt es ebenfalls einen Alarm.
15–16: Off-Block und Take-Off
Mit dem Pushback (AOBT) geht eine A-DPI-Nachricht an den Network Manager. Der Start (ATOT) schließt die Kette ab.
Nicht jeder Flughafen erfasst alle Meilensteine gleich, und manche – etwa der Zeitpunkt der lokalen Radarerfassung oder der Boarding-Beginn – werden lokal festgelegt. Die Reihenfolge kann sich auch verschieben: Bei einem Langstreckenzubringer, der schon vor der Zwei-Stunden-Marke gestartet ist, liegt Meilenstein 3 vor Meilenstein 2.
Die sechs Bausteine des Konzepts
Die Zeitstempel sind nur ein Teil von A-CDM. Das Eurocontrol-Handbuch gliedert das Verfahren in sechs Elemente, die aufeinander aufbauen:
- Informationsaustausch: gemeinsame Datenplattform für alle Partner.
- Meilenstein-Ansatz: die oben beschriebene Ereigniskette pro Flug.
- Variable Rollzeiten: realistische Rollzeiten je Position und Piste statt eines Pauschalwerts.
- Pre-Departure Sequencing: die Abflugreihenfolge, aus der die TSAT entsteht.
- Management bei widrigen Bedingungen: Abläufe für Schnee, Gewitter oder reduzierte Kapazität.
- Gemeinsames Management von Flugupdates: der Datenaustausch mit dem Network Manager über DPI-Nachrichten.
Für kleinere Flughäfen gibt es mit dem sogenannten Advanced ATC Tower eine schlankere Variante, die nur einen Teil der A-CDM-Daten mit dem Netz teilt.
Enteisung: wenn der Winter die Rechnung ändert
Im Winter wird A-CDM besonders interessant. Muss ein Flugzeug enteist werden, rechnet das System zusätzliche Zeiten ein: wann die Enteisung beginnen soll, wie lange sie dauert und wann sie fertig ist. Bei Enteisung an der Parkposition verschiebt sich die Startzeit entsprechend; bei Enteisung auf einer separaten Fläche kann das System die Flüge neu sortieren und neue TSATs ausgeben, wenn mehr Maschinen enteist werden müssen, als die Anlage schafft. Wichtig für das Verständnis: In Zürich muss die Crew auch dann im TOBT-Fenster bereit melden, wenn noch an der Position enteist wird – die Enteisungszeit steckt bereits in der TSAT. Mehr über Flüssigkeiten, Haltezeiten und Abläufe liest du im Artikel Enteisung von Flugzeugen.
Was A-CDM für dich am Zaun bedeutet
Für Spotter ist A-CDM kein Selbstzweck, sondern ein Schlüssel zum Verständnis dessen, was du siehst und hörst.
- Wartende Flieger am Gate: Türen zu, Brücke weg, aber kein Pushback – meist ist die TSAT noch nicht erreicht. Das ist kein Defekt, sondern Absicht.
- Kürzere Schlangen am Rollhalt: Weil die Abflugreihenfolge schon am Gate entsteht, staut es sich an A-CDM-Flughäfen seltener vor der Piste. Für dich heißt das: Rollaufnahmen kommen in einem gleichmäßigeren Takt.
- Flugfunk wird verständlicher: Wenn du auf der Delivery- oder Vorfeldfrequenz mithörst, wo das rechtlich erlaubt ist, hörst du Bereitmeldungen und Freigaben in der Reihenfolge des Abflugmanagements. Welche Frequenzen es gibt, erklärt der Guide Flugfunk-Frequenzen verstehen, die Rechtslage findest du unter Flugfunk hören.
- Verspätungen lesen lernen: Ein Flug mit Verspätung am Gate kann an einer späten TOBT (Abfertigung noch nicht fertig) oder an einer späten TSAT bzw. CTOT (Piste oder Luftraum voll) hängen. Der Artikel Warum Flüge verspätet sind ordnet die häufigsten Ursachen ein.
- Live-Daten richtig deuten: Auf Flugradar-Seiten taucht ein Flug oft erst mit dem Pushback auf. Wer weiß, dass die Abflugreihenfolge schon eine halbe Stunde vorher feststeht, interpretiert die Verkehrslage auf der Karte besser. Hintergründe liefert der Guide Flugverfolgung mit ADS-B für Spotter.
An einigen Flughäfen werden TOBT und TSAT zusätzlich auf dem Andocksystem an der Parkposition angezeigt. In Zürich zum Beispiel erscheint die TOBT dort 30 Minuten vor der geplanten Off-Block-Zeit, ab fünf Minuten vor TOBT wechselt die Anzeige zwischen TOBT, TSAT und TTOT. Gedacht ist das für die Crew – vom Spot aus ist es meist zu weit weg, um mitzulesen. Wer vom Butzenbüel in Zürich aus auf die Starts wartet, profitiert aber trotzdem: Der Takt der Abflüge ist dort das Ergebnis genau dieser Planung.
Wo A-CDM im Einsatz ist
Laut Eurocontrol ist A-CDM an 35 europäischen Flughäfen vollständig eingeführt. In Deutschland gehören dazu unter anderem der Flughafen Frankfurt, der Flughafen München, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart und Berlin Brandenburg. Im Ausland zählen große Drehkreuze wie Amsterdam-Schiphol, Brüssel, London-Heathrow, Paris-Charles de Gaulle sowie Zürich und Genf dazu. Auch in Asien, Australien und Neuseeland arbeiten Flughäfen nach dem Konzept.
Ob dein Hausflughafen dabei ist, ist für das Spotten selbst nicht entscheidend. Es hilft aber, das Verhalten auf dem Vorfeld einzuordnen. An der Aussichtsplattform Zeppelinheim oder am Besucherhügel München siehst du das Ergebnis von A-CDM jeden Tag: Starts in dichter, gleichmäßiger Folge, ohne dass sich lange Schlangen am Pistenkopf bilden. Wie viele Bewegungen eine Piste überhaupt schafft, erklärt der Artikel zur Flughafenkapazität.
Worauf du achten solltest
- Lokale Regeln unterscheiden sich. Toleranzfenster, Anzeigezeiten und Abläufe sind je Flughafen festgelegt. Die Werte aus Zürich in diesem Artikel sind ein Beispiel, keine europaweite Norm.
- TOBT ist keine Abflugzeit im Ticket. Die Zeit auf deiner Bordkarte ist die geplante Zeit. TOBT und TSAT sind interne Betriebszeiten.
- TSAT ist kein Startzeitpunkt. Sie markiert die erwartete Anlass- bzw. Pushback-Freigabe. Bis zum Abheben kommen noch Rollzeit und gegebenenfalls Enteisung dazu.
- CTOT ist eine harte Vorgabe. Ein ATC-Slot gilt europaweit und kann nicht einfach vom Flughafen verschoben werden. Er kommt vom Network Manager, nicht von der lokalen Flugsicherung wie der DFS.
- Nicht jeder Flughafen nutzt A-CDM. Kleinere Plätze arbeiten oft ohne oder mit der schlankeren Advanced-Tower-Variante.
Sitzen die A-CDM-Kürzel?
- Ich weiß, wofür S, E, T und A am Anfang der Kürzel stehen.
- Ich kann erklären, wer die TOBT setzt und was „bereit“ dabei bedeutet.
- Ich weiß, dass die TSAT vom Abflugmanagement kommt und die erwartete Freigabe markiert.
- Ich kenne den Unterschied zwischen TTOT und CTOT.
- Ich weiß, warum ein fertiges Flugzeug manchmal am Gate wartet.
- Ich kann grob einordnen, wie Enteisung die Startzeiten verschiebt.
Jeden Abflug festhalten
Poste deine Sichtungen mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline und Spot, sammle sie im Hangar und tausch dich mit der Community aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
A-CDM macht aus vielen Einzelschätzungen eine gemeinsame Zeitleiste. Die Abfertigung sagt mit der TOBT, wann das Flugzeug fertig ist, das Abflugmanagement antwortet mit der TSAT, wann es losgehen darf, und die TTOT meldet dem europäischen Netz, wann der Flieger in der Luft sein wird. Sechzehn Meilensteine halten diese Kette zusammen, vom aktivierten Flugplan bis zum Abheben. Wer die Kürzel kennt, sieht am Zaun mehr als nur wartende und rollende Flugzeuge – er erkennt die Planung dahinter.
Kurzfazit
TOBT heißt „wir sind fertig“, TSAT heißt „jetzt darfst du“, TTOT heißt „so ungefähr hebt er ab“. Alles Weitere sind Varianten dieser drei Zeiten, erkennbar am ersten Buchstaben: S geplant, E geschätzt, T Ziel, A tatsächlich.
Zusammenfassung
- A-CDM ist ein von ACI Europe, Eurocontrol, IATA und CANSO getragenes Verfahren, das Bodenabfertigung und Abflugplanung über gemeinsame Daten verzahnt.
- Der Ablauf jedes Fluges wird in 16 Meilensteine gegliedert – von der Aktivierung des Flugplans bis zum Abheben.
- Aus TOBT, Rollzeit, Pistenkapazität und eventuellen ATC-Slots entsteht die Startreihenfolge am Vorfeld, die sich in der TSAT jedes Fluges widerspiegelt.
- Für Spotter erklärt A-CDM, warum Flieger mit geschlossenen Türen am Gate warten, warum am Rollhalt weniger Schlange steht und warum Pushback-Zeiten an großen Flughäfen erstaunlich planbar sind.
Häufige Fragen
Was bedeutet A-CDM?
A-CDM steht für Airport Collaborative Decision Making. Gemeint ist ein Verfahren, bei dem Flughafenbetreiber, Airlines, Bodenabfertiger, Flugsicherung und der europäische Network Manager ihre Daten zu jedem Abflug in Echtzeit teilen. Ziel sind eine bessere Nutzung von Pisten, Positionen und Personal sowie verlässlichere Startzeiten für das europäische Netz.
Was ist die TOBT?
Die Target Off-Block Time ist die Zeit, zu der ein Flugzeug laut Airline oder Abfertiger bereit für Pushback oder Anlassen ist: alle Türen geschlossen, Fluggastbrücke abgezogen, Schlepper bereit. Die TOBT wird von der Airline oder ihrem Handling-Agenten gepflegt und ist die Basis für alle weiteren Berechnungen.
Was ist die TSAT?
Die Target Start-up Approval Time ist die Zeit, zu der eine Crew mit der Anlass- oder Pushback-Freigabe rechnen kann. Sie wird vom Abflugmanagementsystem (DMAN) aus der TOBT berechnet und berücksichtigt unter anderem Pistenkapazität, Rollzeiten, Wirbelschleppen-Abstände, Enteisung und ATC-Slots. Laut Eurocontrol-Spezifikation wird sie zwischen 40 und 30 Minuten vor der TOBT ausgegeben.
Was ist der Unterschied zwischen EOBT und TOBT?
Die EOBT (Estimated Off-Block Time) steht im ATC-Flugplan und wird von der Airline eingereicht. Die TOBT ist die laufend aktualisierte Bereitschaftszeit aus der Abfertigung. Beide sollen zusammenpassen: Weichen sie um 15 Minuten oder mehr voneinander ab, erzeugt das A-CDM-System einen Alarm, damit eine der beiden Zeiten angepasst wird.
Wie hängen TTOT und CTOT zusammen?
Die TTOT ist die vom Flughafen berechnete Zielzeit für den Start, vereinfacht TOBT oder TSAT plus geschätzte Rollzeit. Die CTOT (Calculated Take-Off Time) ist ein ATC-Slot, den der Network Manager bei Engpässen im Luftraum vergibt. Die TTOT fließt in die CTOT-Berechnung ein, und eine bestehende CTOT wird wiederum bei der Berechnung der TSAT berücksichtigt.
Welche Flughäfen nutzen A-CDM?
Laut Eurocontrol ist A-CDM an 35 europäischen Flughäfen vollständig eingeführt. In Deutschland zählen unter anderem Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart und Berlin Brandenburg dazu, in der Schweiz Zürich und Genf. Auch außerhalb Europas, etwa in Asien und Australien, gibt es A-CDM-Flughäfen.
Kann ich als Spotter TOBT und TSAT sehen?
Die Zeiten werden vor allem in den Systemen der Betriebspartner angezeigt. An manchen Flughäfen, etwa Zürich, erscheinen TOBT und TSAT zusätzlich auf dem Andocksystem an der Parkposition – gedacht für die Crew, nicht für Zuschauer. Öffentlich hörbar sind die Folgen im Flugfunk: Freigaben für Anlassen und Pushback kommen in der Reihenfolge, die das Abflugmanagement vorgibt.
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