Wind Jet

Historische Low-Cost-Airline aus Sizilien: 2003 in Catania gegründet, mit Airbus A319 und A320 und auffällig oranger Nase unterwegs, zeitweise Italiens größter Billigflieger – bis eine geplatzte Übernahme durch Alitalia im August 2012 den Flugbetrieb beendete.

Auch bekannt als: Wind Jet S.p.A. · Windjet · WindJet · IV

ItalienItalienLow-Cost-AirlinesIATA: IVICAO: JET12 Min. Lesezeit

IV

IATA-Code

JET

ICAO-Code

GHIBLI

Rufzeichen im Funk

2012

Ende des Flugbetriebs

Das Wichtigste in Kürze

  • Wind Jet war eine sizilianische Low-Cost-Airline mit Sitz in Catania, die von Juni 2003 bis zum 11. August 2012 flog.
  • Codes: IATA IV, ICAO JET, Rufzeichen „GHIBLI“ – benannt nach dem heißen Wüstenwind.
  • Reine Airbus-Flotte aus A319 und A320 mit einer Klasse, erkennbar an der orangen Nase.
  • Zeitweise Italiens größter Billigflieger: 2008 beförderte Wind Jet mehr als 2,9 Millionen Fluggäste.
  • Das Ende kam abrupt: Nachdem Alitalia die vereinbarte Übernahme absagte, stellte Wind Jet im August 2012 den Betrieb ein – rund 300.000 gebuchte Fluggäste waren betroffen.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Wind Jet im Überblick
  2. 2.Die Geschichte in Etappen
  3. 3.Codes und Rufzeichen
  4. 4.Die Flotte: Airbus und nur Airbus
  5. 5.Woran du Wind Jet erkennst
  6. 6.Das Netz: Sizilien als Mittelpunkt
  7. 7.Der Unfall von Palermo 2010
  8. 8.Die geplatzte Übernahme durch Alitalia
  9. 9.Das Ende im August 2012
  10. 10.Wind Jet im Spotter-Alltag heute
  11. 11.Italiens private Airlines im Vergleich
  12. 12.Häufige Verwechslungen
  13. 13.Fazit

Steckbrief

IATA-CodeIV
ICAO-CodeJET
RufzeichenGHIBLI
DrehkreuzeCTA, PMO
StatusHistorisch – Flugbetrieb am 11. August 2012 eingestellt
GegründetJanuar 2003 in Catania, erster Flug am 18. Juni 2003 nach Rom-Fiumicino
GründerAntonino Pulvirenti, zugleich Präsident des Fußballklubs Calcio Catania
EigentümerFinaria-Gruppe, die Holding der Familie Pulvirenti
GeschäftsmodellLow-Cost-Airline mit Schwerpunkt auf Verbindungen zwischen Sizilien und Festland-Italien, dazu Europa-Strecken
Drehkreuz und BasenCatania-Fontanarossa (CTA) als Heimatbasis, dazu Palermo (PMO); Forlì 2009–2011, danach Rimini
Allianzkeine
FlotteAusschließlich Airbus A319 und A320 in einer Klasse; zum Schluss rund ein Dutzend Maschinen, Angaben schwanken je nach Quelle
LufttaxiWind Jet Platinum Line mit zwei Piaggio P.180 Avanti
MarkenzeichenWeißer Rumpf mit oranger Nase, orangen Triebwerken und orangem Leitwerk

Woran du die Airline erkennst

Ist das wirklich Wind Jet?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Weißer Rumpf mit oranger Nase – auf Fotos schon aus der Ferne auffällig
  • Orange Triebwerksverkleidungen und oranges Leitwerk rahmen den weißen Rumpf ein
  • Immer ein Airbus A319 oder A320 – andere Jets hatte Wind Jet im Linienbetrieb nicht
  • Viele geleaste Maschinen mit irischem EI-Kennzeichen statt italienischem I-
  • Flugnummer mit IV, im Flugplan der Flugsicherung JET bzw. Rufzeichen „GHIBLI“
  • Typischer Aufnahmeort: Catania oder Palermo, oft mit Ätna oder Bergkulisse im Hintergrund

Wer zwischen 2003 und 2012 in Catania oder Palermo am Zaun stand, kam an ihnen nicht vorbei: weiße Airbus mit knallorangener Nase, orangem Leitwerk und orangen Triebwerken. Das war Wind Jet, Siziliens eigene Low-Cost-Airline. Sie wuchs in wenigen Jahren zu einem der wichtigsten Anbieter zwischen der Insel und dem Festland – und verschwand im August 2012 von einem Tag auf den anderen, mitten in der Hauptsaison. Hier erfährst du, wie Wind Jet entstand, welche Flugzeuge sie flog, woran du sie auf alten Fotos erkennst und warum die Geschichte so abrupt endete.

Alte Fotos, sauber archiviert

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Wind Jet im Überblick

Wind Jet war eine italienische Low-Cost-Airline mit Sitz in Catania, die von Juni 2003 bis August 2012 flog. Hinter ihr stand Antonino Pulvirenti, ein Unternehmer aus Catania, der damals auch den Fußballklub Calcio Catania führte. Die Airline gehörte vollständig zu seiner Holding, der Finaria-Gruppe.

Das Geschäftsmodell war klar auf Sizilien zugeschnitten. Von der Heimatbasis am Flughafen Catania und vom Flughafen Palermo aus flog Wind Jet vor allem nach Rom, Mailand und in andere Städte Nord- und Mittelitaliens. Dazu kamen Ziele im Ausland, etwa Paris, Moskau, Sankt Petersburg, Rumänien, Ägypten und saisonal Israel. Alle Flüge liefen mit Airbus A319 und A320 in einer einzigen Klasse.

Auf dem Höhepunkt war Wind Jet eine echte Größe: 2008 zählte die Airline mehr als 2,9 Millionen Fluggäste und galt damit als größter italienischer Billigflieger. Vier Jahre später war alles vorbei. Am 11. August 2012 stellte Wind Jet den Flugbetrieb ein, nachdem eine Übernahme durch Alitalia geplatzt war.

IVIATA-Code in der Flugnummer
JETICAO-Code der Airline
2,9 Mio.Fluggäste im Jahr 2008

Die Geschichte in Etappen

Die Gründung fiel in eine Zeit, in der in Italien gleich mehrere private Airlines versuchten, sich neben Alitalia zu behaupten. Wind Jet setzte von Anfang an auf ein klares Ziel: die vielen Menschen, die zwischen Sizilien und dem Festland pendeln – zum Studium, zur Arbeit, zu Familienbesuchen. Für diese Strecken war der Zug lang und die Fähre umständlich, das Flugzeug dagegen schnell.

Januar 2003

Gründung der Wind Jet S.p.A. in Catania auf Initiative von Antonino Pulvirenti.

18. Juni 2003

Erster Flug von Catania nach Rom-Fiumicino mit einem Airbus A320 und 142 Fluggästen. Bis Juli sind drei A320 im Einsatz.

2004

Rund ein Jahr nach dem Start hat Wind Jet bereits knapp eine Million Fluggäste befördert.

2006/2007

Ausbau des Netzes nach Pisa, Verona, Moskau, Sankt Petersburg und Rumänien. 2007 kommen gebrauchte Airbus A319 in die Flotte.

2008

Mehr als 2,9 Millionen Fluggäste – Wind Jet ist der größte Billigflieger Italiens.

2009–2011

Neue Basis in Forlì, die 2011 nach Rimini umzieht.

2012

Alitalia will Wind Jet übernehmen, sagt aber am 10. August ab. Am 11. August stellt Wind Jet den Flugbetrieb ein.

Bemerkenswert ist das Tempo. Innerhalb von fünf Jahren wuchs Wind Jet von drei A320 zu einer Flotte, die zu den wichtigsten auf Sizilien zählte. Die Zahl der Fluggäste stieg Jahr für Jahr: 2006 waren es nach Angaben der Airline rund 2,2 Millionen, 2008 dann über 2,9 Millionen. Auch 2011 lag die Zahl laut Presseberichten noch bei rund 2,8 Millionen – das Problem waren also nicht fehlende Passagiere, sondern die Kosten.

Codes und Rufzeichen

  • IATA-Code IV: stand in der Flugnummer, auf Tickets und auf den Anzeigetafeln.
  • ICAO-Code JET: nutzte die Flugsicherung im Flugplan – ein ungewöhnlich prägnanter Dreibuchstaben-Code.
  • Rufzeichen GHIBLI: so meldeten sich die Besatzungen im Funk.

Das Rufzeichen passt zum Namen. Ghibli ist der libysche Name für einen heißen, trockenen Wüstenwind aus Nordafrika. Für eine Airline, die „Wind“ im Namen trug und vom Süden Italiens aus flog, war das eine naheliegende Wahl.

Codes im Logbuch

Notierst du alte Wind-Jet-Sichtungen, nimm den ICAO-Code JET als Airline-Kennung. Achte darauf, ihn nicht mit allgemeinen Begriffen wie „Jet“ in Suchfeldern zu verwechseln – am eindeutigsten ist die Kombination aus Airline, Kennzeichen und Datum. Wie du Einträge sauber beschriftest, erklärt der Beitrag Fotos richtig beschriften.

Die Flotte: Airbus und nur Airbus

Wind Jet war eine reine Airbus-Airline. Im Linienbetrieb kamen nur zwei Typen zum Einsatz, beide aus der A320-Familie und beide mit einer einzigen Klasse ohne Business-Bereich. Das passte zum Low-Cost-Modell: wenig Typen, gleiche Ausbildung für Crews, einfache Wartung. Wie dieses Modell grundsätzlich funktioniert, erklärt der Beitrag Wie Billigflieger funktionieren.

Typ Zeitraum bei Wind Jet Spotter-Hinweis
Airbus A320 2003–2012 Rückgrat der Flotte, 180 Sitze in einer Klasse
Airbus A319 2007–2012 Kürzere Schwester mit rund 140 Sitzen, die ersten kamen gebraucht von Air France
Piaggio P.180 Avanti bis 2012 Zwei Turboprops für den Lufttaxi-Dienst „Platinum Line“

Die genaue Flottengröße schwankt je nach Quelle und Stichtag. Für Mai 2012 nennen Nachschlagewerke fünf A319 und sieben A320, also zwölf Airbus; italienische Presseberichte aus dem August 2012 sprechen ebenfalls von zwölf Flugzeugen. Andere Aufstellungen, die alle jemals betriebenen Maschinen zusammenzählen, kommen auf höhere Werte. Die Airbus kamen überwiegend aus dem Leasing, viele davon mit irischer Registrierung. Hergestellt wurden sie alle von Airbus.

Wenn du alte Fotos sortierst und dir zwischen A319 und A320 nicht sicher bist, hilft der Guide A318, A319, A320 und A321 sicher auseinanderhalten. Das schnellste Merkmal: Der A320 hat zwei Notausgänge über dem Flügel, der A319 nur einen, und der Rumpf wirkt beim A319 deutlich gedrungener.

Platinum Line: Lufttaxi mit Pusher-Propellern

Ein ungewöhnlicher Nebenzweig war die Wind Jet Platinum Line. Unter diesem Namen bot die Airline Lufttaxi-Flüge mit zwei Piaggio P.180 Avanti an – jenen italienischen Turboprops mit kleinem Entenflügel (Canard) an der Nase und nach hinten gerichteten Druckpropellern. Wer eine dieser Maschinen in Wind-Jet-Zusammenhang fotografiert hat, besitzt ein echtes Sammlerstück.

Ex-Wind-Jet-Airbus aufspüren

Leg in Planetrack einen Sichtungs-Alarm für das Kennzeichen an – die App benachrichtigt dich, wenn die Maschine im Anflug auf deinen Flughafen ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.

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Woran du Wind Jet erkennst

Die Bemalung war eine der auffälligsten in Italien. Weißer Rumpf, orange Nase, orange Triebwerke und ein oranges Leitwerk – mehr brauchte es nicht. Gerade die farbige Nase war damals ungewöhnlich und machte Wind-Jet-Maschinen schon aus großer Entfernung erkennbar, etwa im Endanflug über dem Meer oder beim Rollen vor der Kulisse des Ätna.

Ein zweites Merkmal ist das Kennzeichen. Weil viele Airbus geleast waren, trugen sie oft irische EI-Kennzeichen statt eines italienischen I-. Warum Leasingflugzeuge so häufig in Irland registriert werden, erklärt der Beitrag Warum viele Flugzeuge in Irland, Bermuda oder Malta registriert sind.

Zeigt dein altes Foto wirklich Wind Jet?

Hak ab, was auf dem Foto zu sehen ist – ab vier Treffern ist die Zuordnung ziemlich sicher.

  • Weißer Rumpf mit oranger Nase
  • Orange Triebwerke und oranges Leitwerk
  • Airbus A319 oder A320
  • Kennzeichen mit EI- oder I-
  • Aufnahme aus der Zeit zwischen Juni 2003 und August 2012
  • Ort wie Catania, Palermo, Rom-Fiumicino, Mailand, Forlì oder Rimini

Nach dem Aus gingen die Leasingmaschinen an ihre Eigentümer zurück. Siehst du auf einem Foto aus dieser Zeit einen Airbus mit orangen Resten, aber fremdem Schriftzug, hilft der Beitrag zu Hybrid- und Mischlackierungen bei der Einordnung.

Das Netz: Sizilien als Mittelpunkt

Im Zentrum stand Catania-Fontanarossa. Von dort und von Palermo aus bediente Wind Jet die großen Ziele auf dem Festland. Welche Strecken besonders wichtig waren, zeigt ein Blick auf die Prüfung der Wettbewerbsbehörde im Sommer 2012: Dort ging es unter anderem um Catania–Bologna, Catania–Mailand-Linate, Catania–Mailand-Malpensa, Catania–Pisa, Catania–Rom, Catania–Venedig sowie Palermo–Mailand, Palermo–Rom und Palermo–Turin.

  • Rom und Mailand: die wichtigsten Strecken, mit Flügen nach Rom-Fiumicino, Mailand-Linate und Mailand-Malpensa.
  • Nord- und Mittelitalien: Bologna, Pisa, Venedig, Verona und Turin.
  • Adria-Basis: Forlì ab 2009, ab 2011 Rimini – mit Verbindungen unter anderem nach Russland.
  • Ausland: Paris, Moskau, Sankt Petersburg, Rumänien, Ägypten und saisonal Israel.

Für Spotter in Deutschland war Wind Jet deshalb eher selten zu sehen. Wer die orangen Airbus fotografieren wollte, musste meist nach Italien reisen. Gute Standpunkte in der Hauptstadt beschreibt der Guide Planespotting in Rom-Fiumicino.

Der Unfall von Palermo 2010

Am Abend des 24. September 2010 verunglückte ein Wind-Jet-Airbus A319 mit dem Kennzeichen EI-EDM bei der Landung in Palermo. Die Maschine kam als Flug IV 243 aus Rom und setzte bei Gewitter, starkem Regen und Windscherung vor der Landebahn auf. Das Fahrwerk brach zusammen, das Flugzeug wurde abgeschrieben. Mehrere Menschen wurden verletzt, überwiegend leicht; die genauen Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle. Todesopfer gab es nicht.

Die Untersuchung führte die italienische Unfalluntersuchungsbehörde ANSV. Nachschlagewerke nennen als Hauptursache, dass die Besatzung den Anflug fortsetzte, obwohl sie die Landebahn bei Erreichen der Entscheidungshöhe nicht in Sicht hatte. Wie schwierig Anflüge bei böigem Wetter sind, erklärt der Beitrag Seitenwindlandungen.

Respekt bei Unfallfotos

Fotos von verunglückten Flugzeugen sind ein sensibles Thema. Was du rechtlich beachten musst, wenn Menschen zu sehen sind, erklärt der Beitrag Fotos von Flugunfällen und Notlandungen.

Die geplatzte Übernahme durch Alitalia

Anfang 2012 war Wind Jet in ernsten Schwierigkeiten. Steigende Treibstoffpreise und die Wirtschaftskrise belasteten die Bilanz. Im Januar 2012 kündigte Alitalia an, Wind Jet und den Ferienflieger Blue Panorama übernehmen zu wollen. Im April unterschrieb Alitalia einen Vertrag über die Übernahme von Wind Jet, während die Airline Ende April für alle rund 500 Beschäftigten Kurzarbeit (Cassa integrazione) einleitete.

Dann kam die Wettbewerbsprüfung. Alitalia und Wind Jet waren auf mehreren Sizilien-Strecken direkte Konkurrenten. Die italienische Kartellbehörde gab Ende Juli 2012 grünes Licht, verlangte aber, dass Alitalia Slots in Mailand-Linate abgibt und so Verbindungen nach Catania und Palermo reduziert. Alitalia rechnete daraufhin mit Verlusten aus dem Geschäft und sagte die Übernahme am 10. August 2012 ab.

Was Wind Jet stark machte

  • Klare Ausrichtung auf den Sizilien-Verkehr
  • Einheitliche Airbus-Flotte mit einer Klasse
  • Starke Stellung in Catania und Palermo
  • Millionen Fluggäste pro Jahr

Was am Ende fehlte

  • Finanzielle Reserven gegen steigende Treibstoffkosten
  • Ein starker Partner nach dem Rückzug von Alitalia
  • Schutz vor wachsender Konkurrenz durch andere Billigflieger
  • Solide Unternehmensführung – das bezweifelten später auch die Ermittler

Das Ende im August 2012

Mit der Absage von Alitalia war das Schicksal besiegelt. Die Luftfahrtbehörde ENAC hatte Wind Jet bereits zuvor aufgefordert, finanzielle Garantien für einen geordneten Flugbetrieb vorzulegen. Der Ticketverkauf wurde gestoppt, und am 11. August 2012 stellte Wind Jet alle Flüge ein. Mitten in der Ferienzeit saßen rund 300.000 Menschen mit gültigen Buchungen fest. Andere Airlines, darunter Alitalia, halfen bei der Rückbeförderung.

Welche Rechte Fluggäste bei Annullierungen grundsätzlich haben, erklärt der Beitrag Fluggastrechte nach EU-Verordnung 261/2004. Im Fall einer Airline-Pleite stoßen diese Rechte allerdings schnell an praktische Grenzen.

Die juristische Aufarbeitung zog sich noch Jahre hin. Im Oktober 2013 stimmte eine große Mehrheit der Gläubiger einem Vergleich zu, der nur einen Teil der Forderungen bediente. 2015 ermittelte die Staatsanwaltschaft Catania wegen betrügerischen Bankrotts, Anfang 2016 wurden der Gründer und der frühere Geschäftsführer festgenommen. Wie das Verfahren im Einzelnen ausging, ist hier nicht abschließend belegt. Einordnung in die Reihe europäischer Airline-Zusammenbrüche bietet der Beitrag Große Airline-Pleiten in Europa.

Was nach Wind Jet kam

Die Lücke auf Sizilien blieb nicht lange offen. Alitalia eröffnete mit ihrer Low-Cost-Marke Air One „Smart Carrier“ im Oktober 2012 eine Basis in Catania, und auch große Billigflieger wie Ryanair und easyJet bedienen Sizilien.

Wind Jet im Spotter-Alltag heute

Für dein Logbuch ist Wind Jet ein reines Archiv-Thema. Wer zwischen 2003 und 2012 in Italien fotografiert hat, findet vielleicht einen orangenasigen Airbus auf einer alten Speicherkarte. Mit Typ, Kennzeichen, Ort und Datum werden daraus saubere Einträge – und weil die Airline nur neun Jahre flog, sind solche Bilder in Sammlungen eher selten.

Spannend ist die Spurensuche nach den Flugzeugen. Die geleasten Airbus flogen nach 2012 bei anderen Betreibern weiter, oft unter neuem Kennzeichen. Wie du den Lebenslauf eines Flugzeugs über Kennzeichen und Seriennummer verfolgst, erklärt der Guide Wie alt ist dieses Flugzeug?.

Gute Chancen auf Wind-Jet-Spuren, wenn …

  • du dein Fotoarchiv aus Italien-Reisen zwischen 2003 und 2012 durchsiehst
  • du gezielt nach Seriennummern früherer Wind-Jet-Airbus suchst

Prüf es genau, wenn …

  • ein Foto aus dem Spätsommer 2012 stammt – dann kann die Maschine schon stillgelegt oder zurückgegeben worden sein
  • du nur orange Akzente siehst – andere Airlines nutzen ebenfalls Orange

Keine Chance auf Wind Jet, wenn …

  • du heute im Tracker nach JET oder „GHIBLI“ suchst – die Airline fliegt seit August 2012 nicht mehr

Italiens private Airlines im Vergleich

Wind Jet war Teil einer ganzen Generation privater italienischer Airlines, die neben Alitalia ihr Glück suchten. Air One forderte die Staatsairline auf der Strecke Rom–Mailand heraus und ging 2009 in ihr auf. Volare Airlines versuchte sich ebenfalls im Low-Cost-Segment und scheiterte. Meridiana aus Sardinien wurde 2018 zu Air Italy, die 2020 aufgab. Heute prägt ITA Airways als Nachfolgerin der Alitalia den italienischen Markt. Wind Jet unterschied sich von den anderen vor allem durch den klaren Fokus auf Sizilien.

Häufige Verwechslungen

  • Wind Jet mit anderen orangen Billigfliegern verwechseln – entscheidend ist die Kombination aus oranger Nase, orangem Leitwerk und weißem Rumpf.
  • Wind Jet als Alitalia-Tochter notieren – die Übernahme war vereinbart, wurde aber nie vollzogen.
  • Den ICAO-Code JET für einen Platzhalter halten – er gehörte tatsächlich Wind Jet.
  • Ein EI-Kennzeichen für eine irische Airline halten – viele Wind-Jet-Airbus waren in Irland registrierte Leasingflugzeuge.
  • Die Air-One-A320 in Catania ab Oktober 2012 Wind Jet zuordnen – das war bereits Alitalias Low-Cost-Marke.

Geschichte im eigenen Hangar

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Fazit

Wind Jet war Siziliens eigene Low-Cost-Airline: 2003 in Catania gegründet, mit Airbus A319 und A320 unterwegs und zeitweise der größte Billigflieger Italiens. Die orange Nase machte die Flotte unverwechselbar, die Ausrichtung auf den Verkehr zwischen Insel und Festland gab ihr eine klare Rolle. Am Ende fehlten Geld und ein Partner – nach dem Rückzug von Alitalia endete der Flugbetrieb im August 2012 abrupt. Für Spotter bleibt eine kurze, aber farbenfrohe Episode, die nur noch im Fotoarchiv weiterlebt.

Kurzfazit

Wind Jet (IATA IV, ICAO JET, Rufzeichen „GHIBLI“) flog von Juni 2003 bis zum 11. August 2012 ab Catania und Palermo. Die orange Nase auf weißem Airbus ist das sicherste Erkennungsmerkmal, das Datum trennt sie von späteren Betreibern derselben Flugzeuge.

Zusammenfassung

  • Wind Jet entstand 2003 auf Initiative des Unternehmers Antonino Pulvirenti und machte Catania zur Heimatbasis einer eigenen Low-Cost-Airline.
  • Mit Airbus A319 und A320 verband Wind Jet Sizilien vor allem mit Rom, Mailand und Norditalien, flog aber auch nach Paris, Russland, Rumänien und Ägypten.
  • Anfang 2012 wollte Alitalia Wind Jet übernehmen; die Wettbewerbsbehörde verlangte Auflagen, Alitalia sprang im August ab.
  • Am 11. August 2012 stellte Wind Jet den Flugbetrieb ein. Für Spotter bleibt eine kurze, farbenfrohe Episode in der italienischen Luftfahrt – heute nur noch im Fotoarchiv zu finden.

Häufige Fragen

Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Wind Jet?

Wind Jet flog mit dem IATA-Code IV in der Flugnummer und dem ICAO-Code JET. Im Funk meldeten sich die Besatzungen mit dem Rufzeichen „GHIBLI“, dem Namen eines heißen Wüstenwinds aus Nordafrika – passend zum Airline-Namen.

Wer stand hinter Wind Jet?

Gegründet wurde Wind Jet von Antonino Pulvirenti, einem Unternehmer aus Catania, der zugleich den Fußballklub Calcio Catania führte. Die Airline gehörte vollständig zur Finaria-Gruppe, seiner Holding.

Welche Flugzeuge flog Wind Jet?

Im Linienbetrieb ausschließlich Airbus A319 und A320, alle mit einer Klasse. Die A320 hatten 180 Sitze, die A319 rund 140. Zum Schluss standen laut Presseberichten zwölf Airbus in der Flotte; je nach Quelle und Stichtag schwanken die Zahlen. Für Lufttaxi-Flüge gab es außerdem zwei Piaggio P.180 Avanti.

Warum hat Wind Jet den Flugbetrieb eingestellt?

Wind Jet steckte 2012 in einer schweren finanziellen Krise. Alitalia wollte die Airline übernehmen, die italienische Wettbewerbsbehörde verlangte dafür aber die Abgabe von Slots auf wichtigen Inlandsstrecken. Am 10. August 2012 sagte Alitalia die Übernahme ab. Die Luftfahrtbehörde ENAC hatte finanzielle Garantien verlangt, der Ticketverkauf wurde gestoppt, und am 11. August 2012 stellte Wind Jet den Flugbetrieb ein.

Wie viele Fluggäste waren vom Aus betroffen?

Berichten zufolge hatten rund 300.000 Menschen bereits Tickets für Wind-Jet-Flüge gebucht, als der Betrieb mitten in der Hauptsaison endete. Ein Teil von ihnen wurde von anderen Airlines, darunter Alitalia, nach Hause gebracht.

Gehörte Wind Jet zu einer Allianz?

Nein. Wind Jet war wie die meisten Low-Cost-Airlines in keiner der drei großen Allianzen Mitglied und verkaufte vor allem Direktflüge auf eigener Rechnung.

Was hat Wind Jet mit Air One zu tun?

Direkt nichts – beide waren eigenständige Airlines. Nach dem Aus von Wind Jet übernahm aber Alitalia mit ihrer Low-Cost-Marke Air One „Smart Carrier“ ab Oktober 2012 eine Basis in Catania und füllte damit einen Teil der Lücke, die Wind Jet auf Sizilien hinterlassen hatte.

Fliegen ehemalige Wind-Jet-Flugzeuge noch?

Viele Wind-Jet-Airbus waren geleast und gingen nach 2012 an andere Betreiber zurück. Ob ein bestimmtes Flugzeug heute noch fliegt, findest du am sichersten über Kennzeichen und Seriennummer heraus.

Wind Jet im Blick behalten

Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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