Das Wichtigste in Kürze
- Itavia ist eine historische italienische Airline: 1958 in Rom gegründet, bis 1980 im Inlandsverkehr unterwegs, 1981 insolvent.
- Code: IATA IH – die Flugnummer des Ustica-Flugs lautete IH 870.
- Von Propeller zu T-Leitwerk: Auf Dove, Heron, DC-3 und Herald folgten ab 1969 Fokker F28 und ab 1971 Douglas DC-9.
- Ustica 1980: Die DC-9 I-TIGI stürzte mit 81 Menschen ins Tyrrhenische Meer; die Ursache ist bis heute umstritten, Zivilgerichte gehen von einem Raketentreffer aus.
- Das Wrack ist heute zu sehen: Im Museo per la Memoria di Ustica in Bologna steht die rekonstruierte DC-9.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Itavia im Überblick
- 2.Die Geschichte in Etappen
- 3.Codes und Rufzeichen
- 4.Die Flotte: von der Dove zur DC-9
- 5.Woran du Itavia erkennst
- 6.Flug IH 870: der Absturz bei Ustica
- 7.Das Ende der Airline
- 8.Itavia im Spotter-Alltag heute
- 9.Italiens Regional- und Privatairlines im Vergleich
- 10.Häufige Verwechslungen
- 11.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | IH |
|---|---|
| Rufzeichen | ITAVIA |
| Drehkreuze | CIA |
| Status | Historisch – Flugbetrieb Ende 1980 eingestellt, 1981 Insolvenz und Sonderverwaltung |
| Gegründet | 13. Oktober 1958 in Rom als Società di Navigazione Aerea Itavia, Flugbetrieb ab Juli 1959 |
| Name Aerolinee Itavia | Seit Mai 1962 |
| Basis | Zuerst Rom-Urbe, danach Rom-Ciampino (CIA) |
| Eigentümer | Ab Mitte der 1960er-Jahre unter Kontrolle von Aldo Davanzali, der die Airline bis zum Ende führte |
| Geschäftsmodell | Linienairline mit Schwerpunkt auf italienischen Inlands- und Regionalstrecken |
| Typische Flotte | Anfangs DH.104 Dove und DH.114 Heron, dann DC-3 und Handley Page Herald, ab 1969 Fokker F28, ab 1971 Douglas DC-9 |
| Bekanntestes Ereignis | Absturz von Flug IH 870 (DC-9, I-TIGI) bei Ustica am 27. Juni 1980 mit 81 Toten |
| Nachfolge im Flugbetrieb | Flotte und Cockpitbesatzungen gingen 1981 an Aermediterranea |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Itavia?
- Weißer Rumpf mit roter Fensterlinie und roter Akzentfläche am Leitwerk
- Roter Schriftzug „AEROLINEE ITAVIA“ über den Fenstern; bei späteren F28 „ITAVIA“ unterhalb der Fensterlinie, bei den DC-9-15 eine schmalere, zum Leitwerk hin ansteigende Zierlinie
- Ab 1969 fast immer ein Jet mit T-Leitwerk: Fokker F28 oder Douglas DC-9
- Italienische Kennzeichen mit I-, auffällig oft in der Reihe I-TI.. wie I-TIGI oder I-TIDE
- Flugnummern mit IH, etwa IH 870 von Bologna nach Palermo
- Fotos stammen zwingend aus der Zeit vor 1981
Kaum eine kleine Airline hat einen so langen Schatten geworfen wie Itavia. Über zwei Jahrzehnte war sie eine eher unauffällige Regionalairline aus Rom, die Städte wie Pescara, Ancona oder Bari mit dem Rest Italiens verband. Dann verschwand am 27. Juni 1980 eine ihrer DC-9 bei Ustica vom Radar – und der Name Itavia wurde zum Synonym für eines der großen ungelösten Rätsel der europäischen Luftfahrt. Diese Seite zeigt dir, wie Itavia entstand, welche Flugzeuge sie flog, woran du sie auf alten Fotos erkennst und warum die Geschichte bis heute vor Gericht weitergeht.
Historische Fotos sauber archivieren
Mit Planetrack postest du Sichtungen mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline und Flughafen – so bleiben auch alte Dias und Scans aus den 1970er-Jahren eindeutig zugeordnet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Itavia im Überblick
Itavia war eine italienische Linienairline, die von 1958 bis 1981 bestand. Gegründet wurde sie am 13. Oktober 1958 in Rom als Società di Navigazione Aerea Itavia. Im Juli 1959 hob der erste Flug ab – mit einer einzigen de Havilland DH.104 Dove auf der Strecke Rom–Rimini. Basis war zunächst der kleine Stadtflugplatz Rom-Urbe, später Rom-Ciampino.
Im Mai 1962 wurde aus der Gesellschaft die Aerolinee Itavia. Mitte der 1960er-Jahre übernahm der Unternehmer Aldo Davanzali die Kontrolle und führte die Airline bis zu ihrem Ende. Unter ihm wuchs Itavia von einem Propellerbetrieb zu einer reinen Jet-Airline mit Fokker F28 und Douglas DC-9.
Itavia war keine Konkurrenz für die große Alitalia auf den internationalen Strecken. Ihre Rolle lag im Inland: Sie bediente Städte, die für die Staatsairline weniger interessant waren, und verband sie mit Rom und dem Norden. Zum Netz gehörten im Lauf der Jahre unter anderem Pescara, Forlì, Crotone, Bari, Foggia, Ancona, Bologna, Mailand-Linate, Turin und Treviso; ab 1972 durfte Itavia auch von Bergamo aus fliegen.
Die Geschichte in Etappen
1958/1959
Gründung in Rom am 13. Oktober 1958, erster Flugbetrieb im Juli 1959 mit einer Dove zwischen Rom und Rimini.
1960
Neue Strecken Rom–Pescara und Siena–Genua. Im Oktober verunglückt eine Heron auf Elba, der Linienbetrieb ruht danach bis 1962.
1962
Umbenennung in Aerolinee Itavia und Umzug der Basis nach Rom-Ciampino.
1963–1965
Handley Page Herald ersetzt die DC-3, Aldo Davanzali übernimmt die Kontrolle.
1969–1972
Einstieg ins Jetzeitalter: erst Fokker F28, ab 1971 Douglas DC-9. 1972 verlegt Itavia den Firmensitz nach Catanzaro.
27. Juni 1980
Die DC-9 I-TIGI stürzt als Flug IH 870 bei Ustica ins Meer, 81 Menschen sterben.
Dezember 1980 – Juli 1981
Ende des Flugbetriebs, Widerruf der Betriebsgenehmigung, Insolvenz im April und Sonderverwaltung ab 31. Juli 1981.
Die frühen Jahre waren hart. Gleich 1960 verlor Itavia eine Heron am Monte Capanne auf Elba, alle elf Insassen starben. 1963 verunglückte eine DC-3 am Monte Serra Alta bei Sora, acht Menschen kamen ums Leben. Trotzdem wuchs das Netz weiter, und mit dem Wechsel auf Jets ab 1969 wurde Itavia zu einer ernst zu nehmenden Größe im italienischen Inlandsverkehr.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code IH: stand in der Flugnummer – etwa bei IH 870, dem Unglücksflug von Bologna nach Palermo.
- Rufzeichen ITAVIA: wird in Nachschlagewerken als Funkrufzeichen der Airline geführt.
- ICAO-Code: Das heutige System mit drei Buchstaben wurde erst nach dem Ende von Itavia eingeführt. Moderne Listen führen für Itavia zwar einen Code, im Flugbetrieb der 1970er-Jahre spielte er aber keine Rolle.
Alte Flugnummern im Logbuch
Wenn du historische Fotos einordnest, notiere neben dem IATA-Code vor allem Kennzeichen, Ort und Datum. Wie IATA- und ICAO-Codes zusammenhängen, erklärt der Beitrag IATA- und ICAO-Codes erklärt.
Die Flotte: von der Dove zur DC-9
Itavia durchlief in gut 20 Jahren fast die ganze Entwicklung der europäischen Regionalluftfahrt. Am Anfang standen kleine britische Propellerflugzeuge, am Ende Jets mit T-Leitwerk. Die folgende Übersicht stützt sich auf die Flottenhistorie in gängigen Nachschlagewerken; einzelne Jahreszahlen können je nach Quelle leicht abweichen.
| Typ | Zeitraum bei Itavia | Anzahl | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| de Havilland DH.104 Dove | 1959–1960 | 1 | Erstes Flugzeug, Strecke Rom–Rimini |
| de Havilland DH.114 Heron | 1959–1964 | 7 | Viermotorige Weiterentwicklung der Dove |
| Douglas DC-3 / C-47 | 1961–1963 | 4 | Erweiterte das Netz, ab 1963 durch die Herald ersetzt |
| Handley Page Dart Herald | 1963–1973 | 5 | Schulterdecker mit Rolls-Royce-Dart-Turboprops |
| Fokker F28 Mk 1000 | 1969–1981 | 14 | Erster Jet, ideal für kurze Pisten |
| Douglas DC-9-15 | 1971–1981 | 5 | Kurze Version, darunter die Ustica-Maschine I-TIGI |
| Douglas DC-9-30 | 1972–1981 | 4 | Gestreckte Version für mehr Sitze |
| Sud Aviation Caravelle VI-R | 1975 | 1 | Kurzzeitig geleast |
| DC-9-51 und DC-9-21 | 1976–1977 bzw. 1980 | je 1 | Geleaste Einzelstücke |
| Dassault Falcon 20 | 1977–1978 | 1 | Geschäftsreisejet |
Daneben führte Itavia eine Cessna 402B. In manchen Flottenlisten tauchen F28, DC-9-15 und eine geleaste MD-81 noch über 1981 hinaus auf – das betrifft die Zeit der Sonderverwaltung, als die Gesellschaft auf dem Papier weiterbestand und Flugzeuge bei anderen Betreibern flogen.
Fokker F28: der Jet für die Provinz
Die Fokker F28 Fellowship passte perfekt zu Itavia. Der niederländische Kurzstreckenjet von Fokker kam mit kurzen Pisten und einfacher Infrastruktur zurecht – genau das, was viele Itavia-Ziele boten. Mit 14 Maschinen über die Jahre war die F28 der zahlenmäßig wichtigste Typ der Airline. Sie war aber auch an zwei schweren Ereignissen beteiligt: Am 1. Januar 1974 stürzte die F28 I-TIDE im Anflug auf Turin ab, 38 der 42 Insassen starben. Und am 9. April 1975 schoss eine F28 in Bergamo nach dem Ausfall beider Triebwerke über das Pistenende hinaus.
DC-9: das Arbeitspferd der 1970er
Ab 1971 kamen die ersten Douglas DC-9 hinzu, zunächst die kurze Serie 10 in der Version -15, ab 1972 die gestreckte Serie 30. Die DC-9 war damals in Europa weit verbreitet, auch Alitalia setzte sie ein. Viele Itavia-Maschinen stammten aus zweiter Hand: Die spätere Unglücksmaschine I-TIGI etwa war 1966 gebaut und zuerst als N902H an Hawaiian Airlines ausgeliefert worden. Hersteller war Douglas, nach der Fusion von 1967 McDonnell Douglas.
Klassiker auf der Wunschliste
Setz Typen wie DC-9 oder Fokker auf deine Wunschliste im Hangar und lass dich benachrichtigen, wenn ein Exemplar in deiner Nähe anfliegt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du Itavia erkennst
Die Bemalung war typisch für ihre Zeit und schnell zu erkennen: ein rein weißes Flugzeug mit roter Linie auf Höhe der Fenster und einer roten Fläche am Leitwerk. Über den Fenstern stand in roten Großbuchstaben „AEROLINEE ITAVIA“. Später wurde das Schema leicht verändert: Bei den F28 wanderte der Schriftzug „ITAVIA“ unter die Fensterlinie nahe der Tür, bei den DC-9-15 wurde die Zierlinie schmaler und schwang zum Leitwerk hin nach oben. Wie solche Elemente einer Bemalung heißen, erklärt der Beitrag Livery-Design erklärt.
Zeigt dein altes Foto wirklich Itavia?
- Weißer Rumpf mit roter Fensterlinie
- Rote Akzentfläche am Leitwerk
- Schriftzug „AEROLINEE ITAVIA“ oder „ITAVIA“
- Fokker F28, DC-9 oder ein älterer Propellertyp
- Italienisches Kennzeichen mit I-
- Aufnahme aus der Zeit vor 1981
Für die Typbestimmung hilft das Heck: F28 und DC-9 haben beide ein T-Leitwerk und Hecktriebwerke. Die F28 ist deutlich kürzer und hat eine markante, nach hinten aufklappbare Luftbremse am Heckkonus; die DC-9 wirkt schlanker und länger. Bei den Propellertypen trennst du die zweimotorige Dove sofort von der viermotorigen Heron. Mehr Tipps zu alten Typen findest du im Guide Oldtimer am Himmel erkennen.
Flug IH 870: der Absturz bei Ustica
Am Abend des 27. Juni 1980 startete die DC-9-15 I-TIGI in Bologna zum Flug nach Palermo – mit knapp zwei Stunden Verspätung. An Bord waren 77 Fluggäste und vier Crewmitglieder. Gegen 21 Uhr Ortszeit brach der Kontakt ab, die Maschine zerbrach und stürzte nördlich der Insel Ustica ins Tyrrhenische Meer. Niemand überlebte.
Was dann folgte, ist eine der längsten Aufarbeitungen der Luftfahrtgeschichte. Im Kern stehen sich zwei Erklärungen gegenüber:
These: Treffer bei einem Militäreinsatz
- Ermittlungsrichter Rosario Priore sah 1999 ein militärisches Szenario am Himmel und stellte fest, dass die Ermittlungen behindert worden waren
- Der damalige Regierungschef Francesco Cossiga machte 2008 französische Militärflugzeuge verantwortlich
- Das Kassationsgericht hielt 2013 in einem Zivilverfahren einen Raketentreffer für hinreichend belegt
These: Bombe an Bord
- Ein technisches Gutachterteam deutete die Wrackteile als Folge einer Explosion in der hinteren Toilette
- Kritiker verweisen darauf, dass Tests 1994 keine Sprengstoffrückstände ergaben
- Strafrechtlich ist bis heute niemand für den Absturz verurteilt
Strafprozesse gegen hohe Offiziere der italienischen Luftwaffe endeten mit Freisprüchen; 2007 bestätigte das Kassationsgericht die letzten davon. In Zivilverfahren dagegen wurde der italienische Staat mehrfach zu Schadensersatz an die Angehörigen verurteilt, weil er die Sicherheit des Luftraums nicht gewährleistet habe. 2023 sorgte der frühere Regierungschef Giuliano Amato erneut für Schlagzeilen, als er Frankreich öffentlich verantwortlich machte. Eine abschließende Klärung, wer die DC-9 traf und warum, gibt es nicht.
Ein Wrack als Mahnmal
Das Wrack lag in rund 3.700 Metern Tiefe. Bei zwei Bergungskampagnen 1987 und 1991 holte das französische Meeresforschungsinstitut Ifremer etwa 96 Prozent der Teile herauf. Die DC-9 wurde auf dem Luftwaffenstützpunkt Pratica di Mare rekonstruiert und 2006 nach Bologna gebracht. Dort öffnete am 27. Juni 2007 das Museo per la Memoria di Ustica; eine Installation von Christian Boltanski mit 81 Lampen erinnert an die 81 Opfer.
Für Luftfahrtfans ist das Museum kein gewöhnliches Ausflugsziel. Es ist ein Gedenkort, an dem du einen Verkehrsjet der 1960er-Jahre in seinem zerstörten Zustand siehst – und der zeigt, wie viel Unfalluntersuchung und Aufarbeitung bedeuten. Wie ein anderes großes Unglück die Regeln der Luftfahrt veränderte, beschreibt der Beitrag zur Flugzeugkatastrophe von Teneriffa 1977.
Das Ende der Airline
Itavia war schon vor dem Absturz finanziell angeschlagen und hoch verschuldet. Nach Ustica brachen die Buchungen ein, und die Diskussion um eine angebliche Bombe – also um mangelnde Sicherheit an Bord – traf das Ansehen der Airline schwer. Im Dezember 1980 endete der Flugbetrieb, die Betriebsgenehmigung wurde vom Verkehrsministerium widerrufen; die Quellen nennen dafür Dezember 1980 beziehungsweise Januar 1981.
Ende 1980
Einstellung des Flugbetriebs und Widerruf der Betriebsgenehmigung.
31. März 1981
Itavia verklagt drei Ministerien auf Schadensersatz.
14. April 1981
Die Airline wird für insolvent erklärt.
31. Juli 1981
Sonderverwaltung; Flotte und Cockpitbesatzungen gehen an Aermediterranea.
Die Klage der Airline zog sich über Jahrzehnte. Ein Gericht in Rom sprach Itavia 2003 rund 108 Millionen Euro zu, das Berufungsgericht hob das 2007 auf. Nach weiteren Runden entschied das Kassationsgericht 2018, dass das Verkehrs- und das Verteidigungsministerium die Airline entschädigen müssen. Aldo Davanzali erlebte das nicht mehr, er starb 2005. Die Gesellschaft bestand danach als Abwicklungsfall weiter und wurde 2019 erneut unter Sonderverwaltung gestellt. Einen Überblick über andere Airline-Pleiten gibt der Beitrag Große Airline-Pleiten in Europa.
Respekt bei der Recherche
Hinter Flug IH 870 stehen 81 Menschen und ihre Familien. Wenn du Fotos der I-TIGI oder des Wracks teilst, ordne sie sachlich ein und verzichte auf Spekulationen – die Angehörigen kämpfen bis heute um Aufklärung. Was rechtlich bei Unfallbildern gilt, erklärt der Beitrag Fotos von Flugunfällen und Notlandungen.
Itavia im Spotter-Alltag heute
Im Linienbetrieb siehst du Itavia seit über 45 Jahren nicht mehr. Für dein Logbuch ist die Airline ein reines Archiv-Thema: Dias, Negative und Scans aus den 1960er- und 1970er-Jahren, aufgenommen in Ciampino, Linate, Bologna oder an anderen italienischen Flughäfen. Wer solche Bilder aus einem Nachlass oder vom Flohmarkt hat, kann sie über Kennzeichen, Typ und Bemalung sauber zuordnen. Tipps zur Ablage findest du im Guide Flugzeugfotos archivieren, und den Lebenslauf eines Flugzeugs verfolgst du mit Wie alt ist dieses Flugzeug?.
Gute Chancen auf Itavia, wenn …
- du Archivfotos aus Italien von vor 1981 durchsiehst
- du das Museo per la Memoria di Ustica in Bologna besuchst
Prüf es genau, wenn …
- eine F28 oder DC-9 in Weiß-Rot zu sehen ist – das Schema war damals nicht einzigartig
- ein Foto aus 1981 oder später stammt – dann kann die Maschine schon für Aermediterranea geflogen sein
Keine Chance auf Itavia, wenn …
- du heute im Tracker nach Itavia suchst – die Airline fliegt seit Ende 1980 nicht mehr
Italiens Regional- und Privatairlines im Vergleich
Itavia war eine der ersten privaten Airlines, die sich neben Alitalia im Inland behaupteten. Etwa zur gleichen Zeit entstand auf Sardinien die Alisarda, später Meridiana. Spätere Herausforderer wie Air One, Volare Airlines oder Eurofly kamen erst nach der Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs. Keine dieser Airlines fliegt heute noch unter ihrem alten Namen – bei Itavia ist das Ende allerdings untrennbar mit einem ungeklärten Unglück verbunden.
Häufige Verwechslungen
- Itavia mit Alitalia verwechseln – Itavia war eine eigenständige, private Airline und nie Teil der Alitalia.
- Die Ustica-Maschine als McDonnell Douglas DC-9 der 1970er notieren – I-TIGI wurde 1966 gebaut, also noch von Douglas, und flog zuerst für Hawaiian Airlines.
- F28 und DC-9 gleichsetzen – beide haben T-Leitwerk und Hecktriebwerke, die F28 ist aber kürzer und hat die Luftbremse am Heckkonus.
- Die Absturzursache als geklärt darstellen – Zivilgerichte gehen von einem Raketentreffer aus, strafrechtlich ist der Fall nicht aufgeklärt.
- Den Absturzort bei Palermo vermuten – die DC-9 stürzte nördlich der Insel Ustica ins Meer, noch vor dem Anflug auf Palermo.
- Fotos ab 1981 als Itavia-Betrieb notieren – ab Mitte 1981 flogen die Flugzeuge bei Aermediterranea.
Luftfahrtgeschichte im eigenen Hangar
Sammle deine historischen Aufnahmen im Hangar, poste sie mit Typ, Kennzeichen und Flughafen und tausch dich in der Community mit anderen Spottern über alte Airlines aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Itavia war über 20 Jahre eine solide Regionalairline aus Rom, die mit Dove und Heron begann und mit Fokker F28 und DC-9 die italienische Provinz an das Netz anschloss. Bekannt ist sie heute aber vor allem wegen einer einzigen Nacht: Der Absturz von Flug IH 870 bei Ustica kostete 81 Menschen das Leben, brachte die Airline zu Fall und ist bis heute nicht abschließend aufgeklärt. Für Spotter bleibt eine weiß-rote Airline der 1970er-Jahre, die du auf Archivfotos am Schriftzug und am Kennzeichen erkennst – und ein Wrack in Bologna, das an sie erinnert.
Kurzfazit
Itavia (IATA IH) flog von 1959 bis Ende 1980 im italienischen Inlandsverkehr, zuletzt mit Fokker F28 und Douglas DC-9. Der Ustica-Absturz 1980 mit 81 Toten besiegelte ihr Ende; die rote Fensterlinie und der Schriftzug „ITAVIA“ verraten sie auf alten Fotos.
Zusammenfassung
- Itavia begann 1959 mit einer einzigen DH.104 Dove auf der Strecke Rom–Rimini und baute ein Netz zwischen mittel- und süditalienischen Städten und Norditalien auf.
- Unter Aldo Davanzali wechselte die Airline Ende der 1960er-Jahre auf Jets: Fokker F28 für kleinere Plätze, Douglas DC-9 für die dichteren Strecken.
- Am 27. Juni 1980 verschwand die DC-9 I-TIGI auf dem Weg von Bologna nach Palermo vom Radar. Die Frage, ob eine Bombe oder eine Rakete den Absturz auslöste, beschäftigt Italien seit Jahrzehnten.
- Die ohnehin hoch verschuldete Airline erholte sich nicht mehr: Ende 1980 endete der Flugbetrieb, 1981 folgten Insolvenz und Sonderverwaltung, die Flotte ging an Aermediterranea.
Häufige Fragen
Welchen IATA-Code hatte Itavia?
Itavia flog mit dem IATA-Code IH in der Flugnummer. Der bekannteste Flug ist IH 870 von Bologna nach Palermo. Als Rufzeichen wird in Nachschlagewerken „ITAVIA“ angegeben. Einen ICAO-Dreibuchstabencode im heutigen Sinn nennen wir hier bewusst nicht, weil das heutige System erst nach dem Ende der Airline eingeführt wurde.
Wann gab es Itavia?
Gegründet wurde die Gesellschaft am 13. Oktober 1958 in Rom, der Flugbetrieb begann im Juli 1959. Nach dem Ustica-Absturz im Juni 1980 kam die Airline nicht mehr auf die Beine: Ende 1980 endete der Flugbetrieb, im April 1981 wurde sie für insolvent erklärt und im Juli 1981 unter Sonderverwaltung gestellt.
Welche Flugzeuge flog Itavia?
In den Anfangsjahren Propellerflugzeuge: de Havilland DH.104 Dove, DH.114 Heron, Douglas DC-3 und Handley Page Herald. Ab 1969 kamen Fokker F28 Fellowship hinzu, ab 1971 Douglas DC-9 der Serien 10 und 30. Kurzzeitig geleast waren unter anderem eine Caravelle und eine DC-9-51.
Was geschah beim Ustica-Absturz?
Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte die DC-9-15 I-TIGI auf Flug IH 870 von Bologna nach Palermo nördlich der Insel Ustica ins Tyrrhenische Meer. Alle 81 Menschen an Bord – 77 Fluggäste und vier Crewmitglieder – kamen ums Leben. Diskutiert werden vor allem zwei Ursachen: eine Bombe an Bord oder ein Raketentreffer im Zuge eines Militäreinsatzes.
Ist die Ursache des Ustica-Absturzes geklärt?
Strafrechtlich nicht abschließend. Ermittlungsrichter Rosario Priore kam 1999 zu dem Schluss, dass die DC-9 bei einem militärischen Einsatz getroffen wurde und die Ermittlungen behindert worden waren. Das italienische Kassationsgericht sah 2013 in einem Zivilverfahren einen Raketentreffer als hinreichend belegt an. Ein technisches Gutachten hatte dagegen eine Explosion in der hinteren Toilette vertreten. Wer verantwortlich war, ist bis heute nicht gerichtlich festgestellt.
Wo ist das Wrack der Itavia-DC-9 heute?
Im Museo per la Memoria di Ustica in Bologna. Das Wrack wurde 1987 und 1991 aus rund 3.700 Metern Tiefe geborgen, in Pratica di Mare rekonstruiert und 2006 nach Bologna gebracht. Das Museum öffnete am 27. Juni 2007, dem 27. Jahrestag des Absturzes, mit einer Installation des Künstlers Christian Boltanski.
Warum ging Itavia pleite?
Die Airline war schon vor 1980 hoch verschuldet. Nach dem Absturz brachen Vertrauen und Einnahmen ein, und der Staat widerrief die Betriebsgenehmigung. Itavia selbst sah die Verantwortung beim Staat und verklagte 1981 drei Ministerien. Nach langem Verfahren entschied das Kassationsgericht 2018, dass das Verkehrs- und das Verteidigungsministerium die Airline entschädigen müssen.
Gab es weitere Unfälle bei Itavia?
Ja. 1960 verunglückte eine Heron auf Elba (elf Tote), 1963 eine DC-3 bei Sora (acht Tote) und am 1. Januar 1974 eine Fokker F28 im Anflug auf Turin, bei der 38 von 42 Menschen starben. 1975 schoss eine F28 in Bergamo nach einem Ausfall beider Triebwerke über die Piste hinaus; Todesopfer sind dabei nicht verzeichnet.
Itavia im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Douglas DC-9
Die DC-9 war das letzte Verkehrsflugzeug, das noch unter dem alten Namen Douglas entstand – und die Keimzelle einer Familie bis zur Boeing 717. Hier liest du, wie der Kurzstreckenjet entwickelt wurde, was die Serien 10 bis 50 unterscheidet und wie daraus die MD-80 wuchs.
FlugzeugtypFokker F28 Fellowship
Der erste Jet aus Amsterdam: Die Fokker F28 Fellowship flog 1967 zum ersten Mal, brachte Hecktriebwerke und aufklappbaren Heckkonus in die Fokker-Familie und ist heute fast nur noch im Museum zu sehen.
FlugzeugtypDouglas DC-3 / C-47
Zwei Sternmotoren, Spornrad, schräg stehender Rumpf am Boden: Die DC-3 und ihre Militärschwester C-47 sind Legenden. So erkennst du sie und so findest du die letzten Flieger in Europa.
FlugzeugtypDe Havilland DH.104 Dove
Zwei schlanke Kolbenmotoren, ein kompakter Ganzmetallrumpf und eine durchsichtige Kabinendecke über dem Cockpit: Die DH.104 Dove war Großbritanniens erster neuer Zubringer nach dem Krieg. Hier erfährst du, wie du sie erkennst und wo du sie heute findest.
FlugzeugtypSud Aviation Caravelle
Zwei Triebwerke am Heck, dreieckige Kabinenfenster und eine Nase von der Comet: Die Caravelle war Frankreichs erster Jetliner und machte die Hecktriebwerks-Bauweise salonfähig. So erkennst du sie – und hier siehst du sie heute noch.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas MD-81
Mit ihr fing der „Mad Dog“ an: Die MD-81 war die erste Serienversion der MD-80-Familie und startete 1980 bei Swissair und Austrian in den Liniendienst. Hier erfährst du, wie du sie erkennst, wer sie flog und warum sie heute eine echte Rarität ist.
Weitere Airlines
Alitalia
Historische Nationalairline Italiens: 1946 gegründet, Drehkreuz Rom-Fiumicino, ab 1960 mit DC-8 und Caravelle im Jetzeitalter, später SkyTeam – nach mehreren Pleiten endete der Flugbetrieb am 14. Oktober 2021.
NetzwerkMeridiana
Historische Airline aus Sardinien: 1963 als Alisarda vom Aga Khan in Olbia gegründet, ab 1991 Meridiana, jahrzehntelang mit MD-82 unterwegs – am 1. März 2018 wurde daraus Air Italy.
NetzwerkAir One
Historische italienische Airline von Carlo Toto: aus der Aliadriatica in Pescara entstanden, ab 1995 Herausforderin der Alitalia mit Boeing 737, eng mit Lufthansa verbunden, ab 2009 Teil von Alitalia und bis 2014 als „Smart Carrier“ unterwegs.
NetzwerkHawaiian Airlines
Die Airline aus Honolulu mit der Blumenfrau am Leitwerk: gegründet 1929, seit 2024 Teil der Alaska Air Group, seit 2026 mit AS-Flugnummern und Mitglied von oneworld.
Low-CostVolare Airlines
Historische italienische Airline aus Thiene bei Vicenza: 1998 als Charterflieger mit Airbus A320 gestartet, ab 2003 als Volareweb.com eine der ersten Low-Cost-Marken Italiens, 2004 pleite, ab 2006 bei Alitalia und im Januar 2009 zum letzten Mal unterwegs.
FerienfliegerEurofly
Historische italienische Ferienairline: 1989 mit Alitalia und Olivetti gegründet, Heimat Mailand-Malpensa, erst MD-80, dann A320 und A330 – am 28. Februar 2010 wurde daraus Meridiana fly.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Rom-Ciampino
Roms zweiter Flughafen ist älter als fast jeder andere in Europa: 1916 als Luftschiffbasis gegründet, bis 1960 das Tor zur Hauptstadt, heute Ryanair-Basis, Heimat der italienischen Regierungsflotte und der Löschflugzeuge der Feuerwehr – alles auf einer einzigen Bahn.
FlughafenFlughafen Bologna Guglielmo Marconi
Eine Bahn, ein Terminal und über elf Millionen Passagiere im Jahr: Der Marconi-Flughafen am Stadtrand von Bologna ist das Tor zur Emilia-Romagna, eine der größten Ryanair-Basen Italiens und ein wichtiger Frachtstandort mit eigenem DHL-Hub. Gespottet wird an den beiden Enden der Bahn 12/30 – mit Auto, Leiter und Blick auf den Nebel.
FlughafenFlughafen Palermo
Siziliens zweitgrößter Flughafen liegt auf einem schmalen Küstenstreifen bei Cinisi, eingeklemmt zwischen Tyrrhenischem Meer und steilen Bergen. Benannt nach den Richtern Falcone und Borsellino, geprägt von Low-Cost-Basen, Schirokko-Wind und einer zweiten Bahn für starken Seitenwind.
FlughafenFlughafen Mailand-Bergamo
Eine Hauptbahn, ein Terminal und Boeing 737 im Minutentakt: Bergamo-Orio al Serio ist Italiens drittgrößter Flughafen nach Passagieren und eine der wichtigsten Ryanair-Basen Europas. Bis 2022 flog hier außerdem DHL sein Italien-Drehkreuz an – heute ist es das kompakteste Spotterziel rund um Mailand.
Passende Guides aus dem Blog
- Große Airline-Pleiten in Europa: Von Swissair bis Alitalia
- Oldtimer am Himmel erkennen: Ju 52, DC-3, Constellation und Warbirds
- Flugzeugfotos archivieren: Ordnerstruktur und Dateinamen nach Kennzeichen, Typ und Datum
- Livery-Design erklärt: Cheatline, Eurowhite, Leitwerk, Schriftzug und Bauch
- Teneriffa 1977: Die Katastrophe von Los Rodeos und was sie im Cockpit veränderte
- Wie alt ist dieses Flugzeug? Das Alter per Kennzeichen herausfinden
- Fotos von Flugunfällen und Notlandungen: § 201a StGB, Gaffer-Verbot und Ethik



