Das Wichtigste in Kürze
- Channel Express war eine historische britische Fracht- und Charterairline mit Sitz am Flughafen Bournemouth.
- Codes: IATA LS, ICAO EXS, Rufzeichen „CHANNEX“ – alle drei nutzt heute Jet2.com.
- Blumen als Anfang: Die Wurzeln liegen in Blumenflügen von Guernsey aufs britische Festland ab 1971.
- Turboprop-Paradies: Herald, Electra und F27 prägten die Flotte, ab 1997 kamen A300-Frachter dazu.
- Ursprung von Jet2: Aus Channel Express entstand 2003 der Passagierableger Jet2.com, 2006 wurde die ganze Gesellschaft umbenannt.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Channel Express im Überblick
- 2.Codes und Rufzeichen
- 3.Die Geschichte in Etappen
- 4.Die Flotte: Herald, Electra, F27 und A300
- 5.Was Channel Express transportierte
- 6.Der Weg zu Jet2
- 7.Woran du Channel Express erkennst
- 8.Zwischenfall auf Guernsey
- 9.Channel Express heute: Spurensuche
- 10.Häufige Verwechslungen
- 11.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | LS |
|---|---|
| ICAO-Code | EXS |
| Rufzeichen | CHANNEX |
| Drehkreuze | BOH |
| Status | Historisch – 2006 in Jet2.com Limited umbenannt, der Name Channel Express verschwand |
| Geschäftsmodell | Frachtairline für Post, Zeitungen, Expresspakete und Frischware, ab 2001 auch Passagiercharter |
| Wurzeln | 1971 Blumenflüge von Guernsey, 1975 Express Air Freight, ab 1978 auch Passagiercharter |
| Name Channel Express | ab 1983, nach der Übernahme durch Philip Meeson |
| Sitz und Basis | Flughafen Bournemouth (BOH), Christchurch, Dorset |
| Konzern | Channel Express Group, ab 1991 Dart Group plc (heute Jet2 plc) |
| Prägende Typen | Handley Page Dart Herald, Lockheed L-188 Electra, Fokker F27, Airbus A300B4 als Frachter, Boeing 737-300 QC |
| Ende | 2006: Umbenennung in Jet2.com Limited und Umzug von Bournemouth nach Leeds |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Channel Express?
- Name Channel Express am Rumpf, britisches Kennzeichen mit G-, etwa die F27 G-CHNL
- Typische Muster: Herald und F27 als Hochdecker-Turboprops, die viermotorige Lockheed Electra und der Großraum-Frachter A300
- Viele Maschinen waren Frachtumbauten mit großer Ladetür am Rumpf
- Häufig nachts oder am frühen Morgen unterwegs – Post, Zeitungen und Pakete flogen vor allem in der Nacht
- Heute nur noch auf historischen Fotos; das Erbe zeigt sich im Jet2-Rufzeichen CHANNEX
Wer sich mit britischer Frachtfliegerei der 1980er- und 1990er-Jahre beschäftigt, kommt an Channel Express nicht vorbei. Die Airline aus Bournemouth flog Blumen von den Kanalinseln, nachts Post und Zeitungen quer durch Großbritannien und Expresspakete auf den Kontinent – mit einer Flotte, die heute wie ein Museumskatalog klingt: Handley Page Herald, Lockheed Electra, Fokker F27 und Airbus A300. Spannend ist aber vor allem das Ende: Aus Channel Express wurde Jet2.com, einer der größten Ferienflieger Großbritanniens. Hier erfährst du, wie das zusammenhängt, welche Flugzeuge die Airline prägten und woran du sie auf alten Fotos erkennst.
Historische Airline
Channel Express wurde 2006 in Jet2.com Limited umbenannt. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die historische Fracht- und Charterairline. Die Codes LS, EXS und CHANNEX gehören heute zu Jet2.com.
Channel Express im Überblick
Channel Express war eine britische Fracht- und Charterairline mit Sitz am Flughafen Bournemouth in Dorset. Die Zentrale lag in einem Gebäude auf dem Flughafengelände, von dort aus wurde der gesamte Flugbetrieb gesteuert. Den Namen Channel Express trug die Gesellschaft ab 1983 – die Wurzeln reichen aber deutlich weiter zurück.
Angefangen hat alles 1971 auf Guernsey. Gärtner der Insel und der Unternehmer Art Carpenter gründeten damals einen Betrieb, der frische Schnittblumen und Gemüse per Flugzeug aufs britische Festland brachte und dort verteilte. 1975 wurde daraus Express Air Freight. Die ersten Flugzeuge waren Douglas DC-3, die 1977 durch Handley Page Dart Herald ersetzt wurden. Ab 1978 bot die Firma als Express Air Services zusätzlich Passagiercharter an.
Den entscheidenden Schritt brachte 1983: Philip Meeson kaufte das Unternehmen und gab ihm den Namen Channel Express. Die Firma wurde in eine Luftfahrt- und eine Logistiksparte aufgeteilt. Meeson blieb über Jahrzehnte die prägende Figur – erst bei Channel Express, später bei Jet2.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code LS: stand vor den Flugnummern und in Frachtunterlagen.
- ICAO-Code EXS: diente der Flugsicherung als Kennung – das „EX“ erinnert an Express Air Freight und Express Air Services.
- Rufzeichen CHANNEX: so meldeten sich die Crews im Funk, zusammengezogen aus „Channel Express“.
Das Besondere: Alle drei Kennungen sind bis heute aktiv. Als die Gesellschaft 2006 in Jet2.com umbenannt wurde, behielt sie Codes und Rufzeichen. Wenn du heute einen Jet2-Flug auf dem Tracker siehst, steht dort EXS – und im Funk hörst du CHANNEX. Für Einsteiger ist das verwirrend, für Luftfahrt-Historiker ein schönes Detail. Wie die beiden Code-Systeme funktionieren, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes. Warum Rufzeichen oft ganz anders klingen als der Markenname, liest du unter Airline-Rufzeichen und ihre Geschichte.
Turboprop-Klassiker im eigenen Hangar
Mit Planetrack hältst du Sichtungen von Electra, F27 oder A300-Frachter mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen fest – und baust dir eine Sammlung echter Frachtklassiker auf. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Die Geschichte in Etappen
1971–1977: Blumen von Guernsey
Gründung des Blumen- und Frischwarendienstes, 1975 Umfirmierung in Express Air Freight. Die DC-3 weichen 1977 der ersten Handley Page Dart Herald.
1978–1980: Charter und kurzer Ausflug zu Jersey European
Ab 1978 auch Passagiercharter. 1979 schließt sich die Gruppe mit Intra Airways zusammen und bildet den Kern von Jersey European Airways, 1980 wird sie wieder herausgelöst – die Herald-Flotte geht mit.
1983–1990: Channel Express wächst
Philip Meeson übernimmt, der neue Name Channel Express kommt. Nachtpost, Zeitungen und Pakete lassen die Herald-Flotte wachsen, 1989 trifft die erste Lockheed Electra ein.
1991–2001: Dart Group und Großraum-Frachter
Die Muttergesellschaft heißt ab 1991 Dart Group plc. 1997 kommt der erste A300-Frachter, 1999 endet die Herald-Ära, 2001 starten Passagiercharter mit Boeing 737.
2003–2006: Aus Channel Express wird Jet2
Am 12. Februar 2003 hebt der erste Jet2-Flug in Leeds Bradford ab. 2006 wird die Gesellschaft in Jet2.com Limited umbenannt und zieht nach Leeds.
Jersey European: eine kurze Verbindung
Eine Randnotiz mit Folgen: 1979 brachte die Express-Air-Gruppe ihren Flugbetrieb in einen Zusammenschluss mit Intra Airways ein, aus dem Jersey European Airways hervorging. Schon im Oktober 1980 trennten sich die Wege wieder, und die Heralds kehrten zur alten Gruppe zurück. Jersey European entwickelte sich danach eigenständig weiter und wurde später zu Flybe – so liegen die Ursprünge zweier großer britischer Airlines dicht beieinander.
Die Dart Group
Meeson brachte das Unternehmen zunächst an den Unlisted Securities Market, 1991 folgte die Umbenennung in Dart Group plc samt Notierung an der Londoner Börse. Der Name ist eine Verbeugung vor der Dart Herald, dem Flugzeug, mit dem alles begann. 1994 kaufte der Konzern zusätzlich den Kühllogistiker Fowler Welch aus Spalding und wurde so zu einem Mischkonzern aus Luftfracht und Straßenlogistik. 2020 benannte sich die Dart Group in Jet2 plc um.
Die Flotte: Herald, Electra, F27 und A300
Channel Express war über weite Strecken eine Turboprop-Airline. Erst Ende der 1990er-Jahre kamen Jets dazu. Die wichtigsten Muster im Überblick:
| Typ | Zeitraum | Einsatz | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Douglas DC-3 | bis 1977 | Blumenflüge der Anfangszeit | Noch unter dem Vorgängernamen |
| Handley Page Dart Herald | 1977–1999 | Post, Zeitungen, Pakete, Kanalinseln | Hochdecker mit zwei Dart-Turboprops |
| Lockheed L-188 Electra | ab 1989 | Kanalinseln, Royal Mail, UPS | Viermotoriger Tiefdecker |
| Fokker F27 | ab 1990 | Nachtfracht, u. a. nach Brüssel | Hochdecker, ab 1994 eigene Flotte |
| Airbus A300B4 (Frachtumbau) | ab 1997 | Expresspakete für TNT und UPS | Großraum-Zweistrahler mit Ladetür |
| Boeing 737 Quick Change | ab 2001 | Fracht und Passagiercharter | Umbau zwischen Fracht und Sitzen möglich |
Handley Page Dart Herald: das Wappentier
Kein Typ steht so sehr für Channel Express wie die Herald. Der britische Hochdecker mit zwei Rolls-Royce-Dart-Turboprops kam 1977 in die Flotte, Zeitungs- und Postverträge ließen die Zahl bis 1990 auf neun Maschinen wachsen. 1985 startete eine Herald einen nächtlichen Paketdienst von Birmingham nach Nürnberg und Hannover – Channel Express war damit auch an deutschen Flughäfen nachts zu Gast.
Am 9. April 1999 endete die Ära: Die Herald G-BEYF flog ihren letzten Einsatz von Liverpool nach Bournemouth und wurde danach ausgemustert. Sie galt damals als letzte noch im Dienst stehende Herald. Damit verabschiedete sich ein ganzer Flugzeugtyp aus dem kommerziellen Betrieb – bei einer Frachtairline aus Bournemouth.
Lockheed L-188 Electra: Vier Propeller für die Nacht
Im November 1989 kam die erste Lockheed L-188 Electra nach Bournemouth, zunächst für die Strecke zu den Kanalinseln. Bis Herbst 1991 folgten zwei weitere. Der amerikanische Viermotorer aus den späten 1950er-Jahren war als Passagierflugzeug längst abgelöst, als Frachter aber robust und geräumig. Bei Channel Express flog er unter anderem für UPS zwischen Southend und Köln, später auch nach Helsinki, Stockholm und Bergamo. Ab Sommer 1992 kam für die Royal Mail die Nachtpost-Strecke zwischen London-Stansted und Edinburgh hinzu.
Für Spotter waren die Electras von Channel Express ein Highlight: Ein viermotoriges Propellerflugzeug im Nachtbetrieb, das mit seinem markanten Turboprop-Sound schon vor dem Sichtkontakt zu hören war. Der Hersteller ging später in Lockheed Martin auf. Warum solche Flugzeuge heute fast verschwunden sind, beschreibt der Artikel Das Ende der Vierstrahler.
Seltene Frachter auf der Wunschliste
Setz Typen wie Electra, F27 oder A300-Frachter auf deine Wunschliste und richte Sichtungs-Alarme ein – Planetrack benachrichtigt dich, wenn einer an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Fokker F27: der Nachfolger der Herald
Ab Januar 1990 bediente eine eigens eingesetzte Fokker F27 die nächtliche Verbindung nach Brüssel. Ab 1994 baute Channel Express eine eigene F27-Flotte auf, die nach und nach die alternden Heralds ersetzte. Beide Typen sehen sich ähnlich – Hochdecker, zwei Dart-Turboprops – und werden auf alten Fotos gern verwechselt. Am sichersten trennst du sie über das Kennzeichen und die Details an Bug und Leitwerk. Mehr zum Hersteller findest du unter Fokker, Tipps zum Unterscheiden von Propellermaschinen im Artikel Turboprops unterscheiden.
Airbus A300: der Sprung zum Großraumfrachter
Im Juli 1997 ging der erste Airbus A300B4 in Dienst, umgebaut zum Frachter mit rund 45 Tonnen Nutzlast. Er flog zunächst werktags zwischen Schweden und Luxemburg. Innerhalb von etwa anderthalb Jahren kamen vier weitere dazu. Drei davon flogen Paketverkehr für TNT, später für UPS – unter anderem auf einer Route von Stansted über Köln nach Dubai. Damit war Channel Express endgültig im Geschäft der großen Express-Integratoren angekommen, das der Artikel über DHL, FedEx und UPS näher beleuchtet. Mehr über den Hersteller liest du unter Airbus.
Boeing 737 Quick Change: die Brücke zu Jet2
2001 holte Channel Express zwei Boeing 737 in Quick-Change-Ausführung per Wet-Lease in die Flotte. Diese Version lässt sich innerhalb kurzer Zeit zwischen Fracht- und Passagierkonfiguration umbauen. Mit rund 17 Tonnen Frachtkapazität taugten sie als Frachter, gleichzeitig zielte Channel Express mit ihnen auf den Passagiercharter, etwa Incentive-Reisen und Unteraufträge für andere Airlines. Rückblickend war das der erste Schritt in Richtung Jet2. Wie umgebaute 737-Frachter aussehen, zeigt die Seite zur 737-300SF und -400SF.
Was Channel Express transportierte
Das Geschäft lässt sich grob in vier Bereiche teilen:
- Frischware von den Kanalinseln: Schnittblumen und andere Frischware aus Guernsey – der Ursprung des Unternehmens.
- Post: Nachtflüge für die Royal Mail und den Expressdienst Datapost, etwa auf der großen Strecke Stansted–Edinburgh.
- Zeitungen: Verträge mit großen Zeitungshäusern brachten die Morgenausgaben rechtzeitig an entlegenere Orte. Gerade diese Aufträge ließen die Herald-Flotte wachsen.
- Expresspakete: Flüge für TNT und UPS innerhalb Europas und darüber hinaus.
Dazu kam ab 2001 der Passagiercharter. Den Unterschied zwischen beiden Geschäftsmodellen erklärt der Artikel Charterflug und Linienflug.
Nachtfracht heute erleben
Die Nachtfracht-Welt, in der Channel Express groß wurde, gibt es weiterhin – nur mit anderen Flugzeugen. In Köln/Bonn, East Midlands oder Lüttich landen nachts Frachter von UPS, DHL Air UK oder ASL Airlines Belgium. Wie du sie im Dunkeln erkennst, zeigt der Artikel Flugzeuge nachts erkennen.
Der Weg zu Jet2
Anfang der 2000er-Jahre sah die Dart Group im wachsenden Low-Cost-Markt eine Chance. Mit den 737 aus dem Charterbetrieb hatte Channel Express bereits Passagiererfahrung gesammelt. Daraus entstand die Marke Jet2.com: Am 12. Februar 2003 startete der erste Flug von Leeds Bradford nach Amsterdam, zweimal täglich mit zwei Boeing 737-300. 2004 folgten Basen in Manchester und Belfast.
Die Passagiersparte wuchs schnell, und 2006 zog der Konzern die Konsequenz: Channel Express (Air Services) Limited wurde in Jet2.com Limited umbenannt, und der Firmensitz wanderte von Bournemouth nach Leeds. Im selben Jahr verkaufte die Gruppe auch die Channel-Express-Logistikbasis in Portsmouth. Die Frachtwurzeln blieben unter dem Jet2-Dach aber noch eine Weile sichtbar – mehr dazu auf der Seite zu Jet2.com.
Aus der kleinen Blumen-Airline von Guernsey ist so einer der größten Ferienflieger Großbritanniens geworden. Kaum eine britische Airline-Geschichte zeigt so deutlich, wie aus einem Nischen-Frachtbetrieb ein Passagierriese werden kann.
Was von Channel Express blieb
- ICAO-Code EXS und IATA-Code LS bei Jet2.com
- Rufzeichen CHANNEX im Funk
- Die Gesellschaft selbst, nur unter neuem Namen
- Der Konzernname Dart Group bis 2020
Was verschwand
- Die Marke Channel Express
- Die Turboprop-Flotte mit Herald, Electra und F27
- Bournemouth als Firmensitz
- Der Fokus auf reine Fracht
Woran du Channel Express erkennst
Auf alten Fotos hilft dir vor allem die Kombination aus Name, Kennzeichen und Flugzeugtyp:
- Name am Rumpf: Der Schriftzug Channel Express ist das sicherste Merkmal.
- Britisches Kennzeichen: Alle Maschinen trugen ein G-Kennzeichen, etwa die F27 G-CHNL oder die Herald G-BEYF. Wie das britische Register aufgebaut ist, erklärt der Artikel zu britischen G-Kennzeichen.
- Typischer Typenmix: Herald, Electra, F27 und A300 in einer Flotte – diese Kombination war ungewöhnlich.
- Frachtmerkmale: Große Ladetüren und oft verschlossene oder fehlende Fenster verraten Frachtumbauten. Wie du Frachter allgemein erkennst, zeigt der Artikel Frachtflugzeuge erkennen.
- Ort und Zeit: Bournemouth, Guernsey, Jersey, Stansted, Edinburgh oder nächtliche Aufnahmen aus den 1980er- und 1990er-Jahren.
Achtung Verwechslung
Herald und F27 sehen sich auf Fotos aus der Ferne sehr ähnlich. Vergleiche Bug, Leitwerk und Fahrwerk mit Referenzfotos – und notiere immer das Kennzeichen, damit hilft dir das Register weiter. Tipps zum Bestimmen älterer Typen findest du unter Oldtimer am Himmel erkennen.
Zwischenfall auf Guernsey
Am 12. Januar 1999 verunglückte die Fokker F27 G-CHNL auf einem Frachtflug von London-Luton im Anflug auf Guernsey. Nach dem Ausfahren der vollen Landeklappen verlagerte sich die Ladung nach hinten, beim Durchstartversuch geriet das Flugzeug in einen Strömungsabriss und schlug kurz vor der Piste auf, wobei es den Wintergarten eines Hauses streifte. Beide Piloten kamen im anschließenden Feuer ums Leben, am Boden wurde niemand verletzt. Die Untersuchung stellte fest, dass die Maschine nicht entsprechend dem Ladeplan beladen war. Es war der schwerste Unfall in der Geschichte von Channel Express – und er traf ausgerechnet die Insel, auf der die Firma einst angefangen hatte.
Channel Express heute: Spurensuche
Live sehen kannst du Channel Express nicht mehr. Die Spurensuche führt heute vor allem zu Jet2 und zu den Flughäfen von damals.
Das Erbe hören und sehen
- Jet2-Flüge melden sich im Funk weiter mit CHANNEX
- Auf Trackern taucht der ICAO-Code EXS auf
- Jet2 fliegt auch an deutsche Ferienflughäfen
Verwandte Typen finden
- Electras und F27 fliegen nur noch vereinzelt weltweit
- A300-Frachter sind seltener geworden, aber noch unterwegs
- Vor einer Tour Flugpläne und Tracker prüfen
Die alten Ziele sind weiterhin interessante Spotting-Orte: London-Stansted als Frachtdrehscheibe, Edinburgh mit seinem Nachtpost-Erbe und Köln/Bonn als großer Paketflughafen. Auch alte Charter-Zeitgenossen wie Britannia Airways und Dan-Air lohnen einen Blick, ebenso die Regionalairline Air UK, die zur selben Zeit britische Flughäfen verband.
Häufige Verwechslungen
- CHANNEX für eine Fracht-Airline von heute halten – das Rufzeichen gehört inzwischen zu Jet2.com, einem Ferienflieger.
- Channel Express und Jet2 für zwei getrennte Firmen halten – es ist dieselbe Gesellschaft mit neuem Namen.
- Herald und F27 verwechseln – beide sind Hochdecker mit Dart-Turboprops, aber unterschiedliche Typen von verschiedenen Herstellern.
- Die Electra für eine Militärmaschine halten – die P-3 Orion basiert zwar auf der Electra, Channel Express flog aber die zivile L-188.
- Channel Express mit Jersey European gleichsetzen – beide hatten 1979/80 kurz gemeinsame Wurzeln, gingen aber getrennte Wege.
Frachtklassiker sauber dokumentiert
Poste deine Frachter-Sichtungen mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline und Spot, tausch dich in der Community mit anderen Fans britischer Luftfahrtgeschichte aus und behalte deine Sammlung im Hangar im Blick. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Channel Express war nie eine glamouröse Airline, sondern ein Arbeitstier der Nacht: Blumen, Post, Zeitungen und Pakete, geflogen mit Herald, Electra, F27 und A300. Gerade das macht sie für Luftfahrtfans so reizvoll – kaum eine britische Airline hatte einen derart bunten Typenmix. Und ihre Geschichte endet nicht mit dem Namen: Als Jet2.com lebt die Gesellschaft weiter, und jedes „CHANNEX“ im Funk erinnert an die kleine Frachtairline aus Bournemouth.
Kurzfazit
Channel Express (IATA LS, ICAO EXS) war eine historische britische Fracht- und Charterairline aus Bournemouth, bekannt für Herald, Electra, F27 und A300-Frachter. 2006 wurde sie in Jet2.com umbenannt – Codes und Rufzeichen CHANNEX nutzt Jet2 bis heute.
Zusammenfassung
- Channel Express begann als kleiner Frachtbetrieb für Blumen von den Kanalinseln und wuchs zu einer bekannten Nachtfracht-Airline mit Basis in Bournemouth.
- Die Flotte war ein Fest für Turboprop-Fans: Handley Page Herald bis 1999, Lockheed Electra ab 1989 und Fokker F27, später ergänzt durch Airbus A300-Frachter und Boeing 737 in Quick-Change-Ausführung.
- Die Dart Group, der Mutterkonzern, verdankt ihren Namen der Dart Herald – und machte aus Channel Express ab 2003 den Ferienflieger Jet2.com.
- Live sehen kannst du Channel Express nicht mehr, aber jedes Mal, wenn im Funk „CHANNEX“ ertönt, hörst du ihr Erbe.
Häufige Fragen
Gibt es Channel Express heute noch?
Nein, nicht unter diesem Namen. Die Gesellschaft Channel Express (Air Services) Limited wurde 2006 in Jet2.com Limited umbenannt und zog von Bournemouth nach Leeds. Rechtlich lebt sie also als Jet2.com weiter, die Marke Channel Express und der reine Frachtauftritt sind aber Geschichte.
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Channel Express?
Channel Express flog mit dem IATA-Code LS, dem ICAO-Code EXS und dem Rufzeichen „CHANNEX“. Alle drei hat Jet2.com übernommen. Wenn du heute im Flugfunk „CHANNEX“ hörst, ist also ein Jet2-Flugzeug gemeint.
Welche Flugzeuge flog Channel Express?
Die wichtigsten Typen waren die Handley Page Dart Herald (ab 1977, bis 1999), die Lockheed L-188 Electra (ab 1989), die Fokker F27 (ab 1990, Flottenaufbau ab 1994) und ab 1997 zu Frachtern umgebaute Airbus A300B4. 2001 kamen zwei Boeing 737 in Quick-Change-Ausführung dazu, die sowohl Fracht als auch Passagiere befördern konnten.
Was hat Channel Express mit Jet2 zu tun?
Jet2.com ist direkt aus Channel Express hervorgegangen. Der Mutterkonzern Dart Group startete Anfang der 2000er-Jahre die Billigmarke Jet2.com, deren erster Flug am 12. Februar 2003 von Leeds Bradford nach Amsterdam ging. 2006 wurde die gesamte Airline in Jet2.com Limited umbenannt. Deshalb nutzt Jet2 bis heute den ICAO-Code EXS und das Rufzeichen CHANNEX.
Woher hat die Dart Group ihren Namen?
Von der Handley Page Dart Herald, dem ersten prägenden Flugzeugtyp der Firma. 1991 wurde die Channel Express Group in Dart Group plc umbenannt und an die Londoner Börse gebracht. 2020 benannte sich der Konzern in Jet2 plc um.
Was transportierte Channel Express?
Anfangs vor allem Schnittblumen und Frischware von Guernsey aufs britische Festland. Später kamen Post für die Royal Mail, Zeitungen und Expresspakete für Integratoren wie TNT und UPS dazu. Ein großer Teil der Flüge lief nachts, damit die Ware am Morgen am Ziel war.
Flog Channel Express auch nach Deutschland?
Ja. Schon 1985 startete eine Herald einen nächtlichen Paketdienst von Birmingham nach Nürnberg und Hannover. Später gehörte Köln/Bonn zu den Zielen, unter anderem auf Paketstrecken für UPS. Genaue Flugpläne aus dieser Zeit sind heute schwer zu rekonstruieren.
Gab es Unfälle bei Channel Express?
Ja. Am 12. Januar 1999 stürzte die Fokker F27 G-CHNL auf einem Frachtflug von London-Luton im Anflug auf Guernsey kurz vor der Piste ab, nachdem sie in einen Strömungsabriss geraten war. Beide Piloten kamen ums Leben. Laut Untersuchung war die Fracht nicht entsprechend dem Ladeplan verteilt.
Channel Express im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Lockheed L-188 Electra
Vier Allison-Turboprops, ein auffällig kurzer Flügel und eine bewegte Geschichte: Die Lockheed L-188 Electra war Amerikas erster großer Turboprop-Airliner, wurde schnell von Jets verdrängt und machte danach Karriere als Frachter und Löschflugzeug. So erkennst du sie und so findest du die letzten Exemplare.
FlugzeugtypFokker F27 Friendship
Hoher Flügel, zwei Rolls-Royce-Dart-Turboprops und große ovale Fenster: Die Fokker F27 Friendship war Europas erfolgreichster Turboprop-Airliner ihrer Zeit. Heute ist sie ein echter Sammlerfang.
FlugzeugtypAirbus A300B4
Die A300B4 war die Version, mit der Airbus wirklich ins Geschäft kam: mehr Treibstoff, mehr Reichweite, und 1978 der Durchbruch in den USA. Heute ist sie eine Rarität, die fast nur noch als Frachter unterwegs ist.
FlugzeugtypBoeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypBoeing 737-300SF/-400SF
Keine Fenster, ein großes Tor links vorn und die platt gedrückten Triebwerkseinlässe der Classic-Generation: Die umgebauten 737-300 und -400 tragen nachts Pakete und Post durch Europa. Hier erfährst du, wie der Umbau funktioniert, wer die Frachter fliegt und wo du sie noch erwischst.
FlugzeugtypDouglas DC-3 / C-47
Zwei Sternmotoren, Spornrad, schräg stehender Rumpf am Boden: Die DC-3 und ihre Militärschwester C-47 sind Legenden. So erkennst du sie und so findest du die letzten Flieger in Europa.
Weitere Airlines
Jet2.com
Britischer Ferienflieger aus Leeds: Boeing 737 und Airbus A321neo, 14 Basen im Vereinigten Königreich, enge Verzahnung mit dem Reiseveranstalter Jet2holidays – und ein Rufzeichen, das an die Frachtvergangenheit erinnert.
RegionalAir UK
Historische britische Regionalairline (1980–1998), entstanden aus Air Anglia, British Island Airways und zwei kleineren Gesellschaften. Air UK flog Fokker-Turboprops und BAe 146 ab Norwich und Stansted, geriet schrittweise unter KLM-Kontrolle und hieß ab 1998 KLM uk.
FerienfliegerBritannia Airways
Historische britische Charterairline mit Sitz in Luton (Flugbetrieb 1962–2005): Aus Euravia wurde 1964 Britannia Airways, die Hausairline des Reiseveranstalters Thomson. Sie flog früh die Boeing 737-200, brachte die Boeing 767 nach Europa und ging 2005 in Thomsonfly auf – der Vorläuferin der heutigen TUI Airways.
CharterDan-Air
Historische britische Charter- und Linienairline (1953–1992) mit Basis London-Gatwick: Dan-Air betrieb die größte Comet-Flotte der Welt, brachte die BAe 146 in den Liniendienst und flog jahrzehntelang ab Berlin-Tegel. 1992 ging sie für ein symbolisches Pfund an British Airways.
RegionalFlybe
Historische britische Regionalairline aus Exeter: Aus Jersey European wurde Flybe, zeitweise Europas größte Regionalairline und weltweit größter Betreiber der Dash 8 Q400. Nach der Pleite im März 2020 folgte 2022 ein Neustart aus Birmingham, der im Januar 2023 endete.
FrachtDHL Air UK
Die britische Frachtairline der DHL Group hat ihre Basis am East Midlands Airport und fliegt Boeing 757F, 767F und 777F in DHL-Gelb – nachts quer durch Europa und auf Langstrecken.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Lockheed Martin
Lockheed Martin baut heute fast nur Militärflugzeuge, doch das Erbe reicht von der dreifach geleitwerkten Constellation über den Großraumjet TriStar bis zur Hercules und zur F-35. Wer die Formen kennt, erkennt Lockheed-Typen am Zaun eines Fliegerhorsts genauso sicher wie im Museum.
HerstellerFokker
Fokker war über Jahrzehnte der große Name der niederländischen Luftfahrt: erst Jagdflugzeuge im Ersten Weltkrieg, dann die F.VII, später F27, F28, Fokker 50, 70 und 100. 1996 ging der Hersteller pleite. Hier erfährst du, wie es dazu kam, was vom Unternehmen geblieben ist und wo du Fokker-Typen heute noch vor die Linse bekommst.
HerstellerAirbus
Europäisches Luft- und Raumfahrtunternehmen und einer der beiden großen Hersteller von Verkehrsflugzeugen – mit Flugzeugfamilien vom A220 bis zum A350.
FlughafenFlughafen London-Stansted
Londons drittgrößter Flughafen ist das Reich von Ryanair: eine einzige Bahn, über 30 Millionen Passagiere im Jahr, nachts und morgens Großraumfrachter – und ein Terminal von Norman Foster, das die Flughafenarchitektur weltweit geprägt hat.
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