Flugzeugfriedhöfe und Abstellflughäfen: Wo Jets parken, warten und verschwinden

Nicht jeder Jet im Wüstensand ist Schrott. Wie Boneyards und Abstellflughäfen funktionieren, warum sie meist in trockenen Regionen liegen, welche Standorte Spotter kennen müssen und wo du ausgemusterte Flugzeuge legal siehst.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202611 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Friedhof ist nicht gleich Schrottplatz: Viele Flugzeuge in Boneyards sind nur geparkt und werden konserviert, gewartet und später wieder in Dienst gestellt. Zerlegt wird nur ein Teil davon.
  • Trockenes Klima ist der Standortfaktor: Geringe Luftfeuchte und wenig Regen bremsen die Korrosion, harter Boden erspart oft das Pflastern der Abstellflächen.
  • Der größte Boneyard ist militärisch: Die 309th AMARG auf der Davis-Monthan Air Force Base in Tucson verwaltet auf rund 2.600 Acres mehrere tausend Militärflugzeuge.
  • Europa hat eigene Zentren: Teruel in Spanien, Tarbes und Toulouse-Francazal in Frankreich sowie Twente in den Niederlanden sind bekannte Adressen für Abstellung und Zerlegung.
  • Aufs Gelände kommst du nicht: Abstellflughäfen sind Sicherheitsbereiche. Für Spotter bleiben öffentliche Wege, offizielle Führungen und Museen.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Flugzeugfriedhof: die kurze Antwort
  2. 2.Vier Wege nach der Landung im Boneyard
  3. 3.Warum Boneyards in der Wüste liegen
  4. 4.Die bekanntesten Standorte
  5. 5.2020: Als ganze Flotten am Boden standen
  6. 6.Was beim Zerlegen passiert
  7. 7.Was du als Spotter sehen kannst
  8. 8.Worauf es ankommt
  9. 9.Fazit

Reihe um Reihe stehen sie in der Wüste, die Triebwerke abgedeckt, die Fenster abgeklebt, das Airline-Logo übermalt: Bilder von Flugzeugfriedhöfen gehören zu den eindrucksvollsten Motiven der Luftfahrt. Doch hinter dem melancholischen Bild steckt ein nüchternes Geschäft. Viele dieser Jets warten nur auf ihren nächsten Einsatz, andere liefern Ersatzteile für Schwestermaschinen, und nur ein Teil endet tatsächlich im Recycling. Dieser Guide erklärt dir, wie Boneyards und Abstellflughäfen funktionieren, welche Standorte Spotter kennen müssen und wo du ausgemusterte Flugzeuge legal zu Gesicht bekommst.

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Flugzeugfriedhof: die kurze Antwort

Ein Flugzeugfriedhof – englisch Boneyard – ist ein Gelände, auf dem Flugzeuge außer Dienst abgestellt werden. Dort werden sie geparkt, für längere Zeit konserviert, als Ersatzteilspender genutzt oder am Ende ihres Lebens zerlegt und recycelt. Die meisten großen Anlagen liegen in trockenen Regionen, weil Feuchtigkeit der größte Feind einer stillstehenden Flugzeugzelle ist.

Der Begriff „Friedhof“ ist deshalb nur halb richtig. Präziser ist Abstellflughafen oder Storage-Standort: Für viele Maschinen ist er eine Zwischenstation, kein Endpunkt.

~2.600Acres Fläche der 309th AMARG in Tucson
~780 mHöhenlage des Boneyards in Tucson
4Wege, die ein abgestelltes Flugzeug nehmen kann

Vier Wege nach der Landung im Boneyard

Wenn ein Flugzeug auf einem Abstellflughafen ankommt, ist sein Schicksal noch nicht entschieden. Grob lassen sich vier Kategorien unterscheiden:

Status Was passiert Typischer Anlass
Kurzzeitabstellung Flugzeug wird geparkt, regelmäßig bewegt und geprüft, kann schnell zurück Saisonale Überkapazität, Krise, Wartezeit auf neuen Leasingnehmer
Langzeitkonservierung Öffnungen werden verschlossen, Triebwerke und Sensoren abgedeckt, Systeme konserviert Unklare Zukunft, Verkauf oder Neuvermietung in Vorbereitung
Ersatzteilspender Gefragte Komponenten werden nach und nach ausgebaut, die Zelle bleibt stehen Andere Maschinen desselben Typs brauchen Teile
Zerlegung und Recycling Wiederverwendbare Teile raus, Zelle wird demontiert und nach Material getrennt Weiterbetrieb rechnet sich nicht mehr

Wie lange ein Flugzeug in welcher Kategorie bleibt, hängt vor allem an Geld: Leasingverträge, anstehende schwere Wartungsereignisse, der Wert der Triebwerke und die Nachfrage nach dem Typ. Ein älteres Großraumflugzeug kann als Ganzes kaum noch etwas wert sein, während seine Triebwerke und Fahrwerke auf dem Ersatzteilmarkt gefragt sind.

Wichtig ist auch: Je länger ein Flugzeug steht, desto aufwendiger wird die Rückkehr. Es braucht Inspektionen, Tests und oft Wartungsarbeiten, bevor es wieder abheben darf. Ein abgestellter Jet ist also nicht einfach „geparkt wie ein Auto“.

Warum Boneyards in der Wüste liegen

Die meisten großen Abstellflächen liegen in trockenen, eher dünn besiedelten Gegenden. Dafür gibt es handfeste Gründe:

  • Geringe Luftfeuchtigkeit: Korrosion ist bei Aluminiumzellen das Hauptproblem. Trockene Luft bremst sie deutlich.
  • Wenig Niederschlag: Weniger Wasser auf und in der Struktur, weniger Probleme mit Dichtungen und Elektronik.
  • Tragfähiger Boden: In Tucson etwa ist der Boden so hart, dass Flugzeuge auch ohne befestigte Flächen bewegt und abgestellt werden können. Das spart enorme Kosten.
  • Platz: Abstellflächen brauchen sehr viel Raum, und der ist abseits der großen Drehkreuze günstiger.

Beim AMARG in Tucson werden neben dem trockenen Klima und dem alkalischen Boden auch die Höhenlage von rund 780 Metern als Gründe für den Standort genannt.

Die bekanntesten Standorte

USA: AMARG in Tucson

Der Boneyard schlechthin ist die 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) neben der Davis-Monthan Air Force Base in Tucson, Arizona. Flugzeuge werden auf dem Gelände seit Mitte der 1940er-Jahre abgestellt, ursprünglich vor allem Bomber und Transporter aus dem Zweiten Weltkrieg. Heute verwaltet die Einheit auf rund 2.600 Acres mehrere tausend Militärluftfahrzeuge; die genaue Zahl schwankt, Quellen nennen zwischen knapp 4.000 und rund 5.000.

Die AMARG ist kein reiner Schrottplatz. Ihr Auftrag umfasst die Konservierung von Flugzeugen für eine mögliche Reaktivierung, die Versorgung der Truppe mit ausgebauten Teilen und Instandsetzungsarbeiten. Das Gelände ist militärisch und für Besucher ohne Berechtigung gesperrt. Das benachbarte Pima Air & Space Museum zeigt auf einem großen Freigelände Hunderte historische Flugzeuge und hat in der Vergangenheit Bustouren durch den Boneyard angeboten. Ob diese Touren aktuell laufen und welche Voraussetzungen gelten, prüfst du vor einer Reise am besten direkt beim Museum.

USA: zivile Abstellplätze

Für Verkehrsflugzeuge gibt es im Südwesten der USA mehrere bekannte Standorte, darunter der Mojave Air and Space Port in Kalifornien, der Southern California Logistics Airport in Victorville, der Pinal Airpark in Arizona und das Roswell International Air Center in New Mexico. In Mojave stehen zahlreiche Boeing-, Airbus- und McDonnell-Douglas-Jets; manche werden zerlegt, andere überholt und zurück in den Dienst geschickt. Victorville und Roswell nahmen 2020 Hunderte geparkte Verkehrsflugzeuge auf. Qantas etwa stellte damals seine A380 in Victorville ab.

Spanien: Teruel

Der Flughafen Teruel in Aragonien ist Europas bekanntester Abstellflughafen. Er wurde auf einem ehemaligen Militärgelände aufgebaut und 2013 für den zivilen Betrieb zugelassen. Linienverkehr gibt es dort nicht, stattdessen Abstellung, Wartung und Zerlegung. Hauptnutzer ist Tarmac Aerosave, das dort auf rund 340 Hektar arbeitet. Während der Pandemie standen in Teruel rund 100 Flugzeuge gleichzeitig. Mit seinem trockenen Klima im Hochland ist der Standort das europäische Gegenstück zu den US-Wüstenplätzen.

Frankreich: Tarbes und Toulouse-Francazal

Tarmac Aerosave gehört zu Airbus, Safran Aircraft Engines und Suez und hat seinen historischen Standort am Flughafen Tarbes-Lourdes-Pyrénées. Dort kam 2009 das erste Flugzeug an, 2017 das 500. – im selben Jahr auch der erste Airbus A380. Seit Ende 2017 nutzt das Unternehmen zusätzlich Toulouse-Francazal, vor allem für Schmalrumpf- und Regionalflugzeuge. Das Angebot reicht von Abstellung und Wartung über die Umrüstung für neue Betreiber bis zum Recycling. Als weiterer französischer Standort für Langzeitabstellung wird häufig Châteauroux genannt.

Niederlande: Twente

Für Spotter aus Deutschland am nächsten liegt Enschede Airport Twente. Planmäßige Passagierflüge gibt es dort nicht mehr, dafür hat sich seit 2017 ein Zerlegebetrieb angesiedelt. Das erste dort verschrottete Flugzeug war ein Airbus A340-300 aus der Schweiz, später folgten Maschinen von KLM, Air France und anderen. 2020 kamen sechs Boeing 747-400 von Lufthansa zur Abstellung nach Twente.

Australien: Alice Springs

Im roten Zentrum Australiens betreibt Asia Pacific Aircraft Storage seit 2014 einen Abstellplatz am Flughafen Alice Springs – der erste große Boneyard außerhalb der USA. Auf dem Höhepunkt der Pandemie standen dort 152 Flugzeuge, darunter auch A380. Als letzte Maschine aus der Pandemiezeit kehrte im Juni 2024 ein Flugzeug von Cathay Pacific in den Dienst zurück.

Abstellflughäfen tauchen im Flugplan nicht auf

Teruel oder Twente haben keinen Linienverkehr. Bewegungen dort sind Überführungs-, Wartungs- und Testflüge. Wer sie verfolgen will, schaut auf Live-Karten nach Flügen mit dem Ziel des Abstellflughafens – meist ohne Flugnummer, aber mit Kennzeichen.

2020: Als ganze Flotten am Boden standen

Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell Abstellflächen knapp werden. Im April 2020 standen weltweit weit über zehntausend Verkehrsflugzeuge gleichzeitig am Boden. Spezialstandorte reichten nicht mehr aus, also wurden Drehkreuze selbst zu Parkplätzen: Am Flughafen Frankfurt nutzte Lufthansa gesperrte Pisten und Rollwege als Abstellfläche, ähnlich lief es etwa in Atlanta.

Die Krise beschleunigte auch Ausmusterungen. Lufthansa verabschiedete 2020 vorzeitig Teile ihrer A380-, A340- und 747-Flotte; sechs der früher 14 A380 gingen an Airbus zurück. Später holte die Airline einen Teil der A380 aber wieder aus der Abstellung und brachte sie zurück in den Liniendienst – ein gutes Beispiel dafür, dass „abgestellt“ nicht „verschrottet“ bedeutet. Mehr zur Lufthansa-Flotte findest du im Porträt der Lufthansa Group, zur Geschichte des Jumbos im Artikel Geschichte der Boeing 747.

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Was beim Zerlegen passiert

Kommt ein Flugzeug in die Zerlegung, folgt ein geordneter Ablauf. Ziel ist, möglichst viel Wert zu retten und den Rest sauber zu trennen.

1. Flüssigkeiten und Gefahrstoffe entfernen

Treibstoffreste, Hydraulikflüssigkeit und Öle werden abgelassen, kritische Bauteile wie Notrutschen oder Feuerlöscher fachgerecht ausgebaut.

2. Wertvolle Komponenten ausbauen

Triebwerke, Fahrwerk, APU, Avionik und Steuerflächen kommen zuerst heraus. Mit gültiger Dokumentation gehen sie als gebrauchte Ersatzteile zurück in den Markt.

3. Kabine ausräumen

Sitze, Galleys, Toiletten und Verkleidungen werden entfernt und, wenn möglich, weiterverwendet.

4. Zelle zerlegen und trennen

Rumpf und Flügel werden zerkleinert, die Materialien – vor allem Aluminiumlegierungen, aber auch Titan, Stahl, Kabel und Verbundwerkstoffe – getrennt und verwertet.

Branchenverbände wie die Aircraft Fleet Recycling Association (AFRA) haben dafür Leitfäden für gute Praxis und ein Akkreditierungsprogramm für Recyclingbetriebe entwickelt. Bei modernen Typen mit hohem Anteil an Kohlefaserverbund, etwa dem Airbus A350 oder der Boeing 787, ist die Wiederverwertung der Struktur deutlich anspruchsvoller als bei klassischen Aluminiumzellen.

Was du als Spotter sehen kannst

Ein Flugzeugfriedhof ist kein Spotting-Spot im klassischen Sinn. Die Gelände sind abgesperrte Sicherheitsbereiche, beim AMARG sogar militärisch. Trotzdem gibt es legale Wege, ausgemusterte Flugzeuge zu erleben.

Gute Gelegenheiten

  • Abschiedsflüge und letzte Umläufe am Heimatflughafen
  • Überführungsflüge, die du über Flugverfolgung findest
  • Offizielle Führungen, wo sie angeboten werden
  • Museen mit ausgemusterten Verkehrs- und Militärflugzeugen

Mit Vorsicht

  • Blick von öffentlichen Straßen auf zivile Abstellflächen
  • Fotos aus dem Linienflugzeug beim Start oder bei der Landung
  • Spotter-Reiseberichte als Orientierung, nicht als Erlaubnis

Tabu

  • Zäune übersteigen oder Sperrschilder ignorieren
  • Drohnen über Flughafen- oder Militärgelände
  • Fotos dort, wo militärische Bereiche das untersagen

Was am Zaun grundsätzlich gilt, fasst Ist Planespotting erlaubt? zusammen. Für Militärgelände wie Davis-Monthan lohnt ein Blick in Militärflugplätze fotografieren: die Regeln, und Drohnen sind rund um Flugplätze ohnehin ein eigenes Thema – siehe Drohnen am Flughafen.

Die letzten Flüge abpassen

Die realistischste Chance für Spotter in Deutschland ist der Moment, bevor ein Flugzeug verschwindet. Überführungsflüge zu Abstellplätzen tauchen in Flugverfolgungsdiensten auf, meist erkennbar an ungewöhnlichen Zielen wie Teruel, Tarbes oder Twente. Wie du solche Flüge findest, zeigt der Guide Flugverfolgung mit ADS-B für Spotter. Das Kennzeichen ist dabei dein wichtigster Anker – manche Flugzeuge wechseln nach der Abstellung sogar Land und Registrierung. Wie du Kennzeichen liest, erklärt Flugzeug-Kennzeichen verstehen.

Typen, die gerade aus den Flotten verschwinden, sind oft die gefragtesten Motive. Dazu gehören je nach Region ältere Vierstrahler wie die A340-300, die Boeing 747-400 oder Frachter wie die MD-11. Tipps für die Jagd nach Raritäten findest du in Seltene Flugzeuge spotten.

Museen als legale Boneyards

Wer ausgemusterte Flugzeuge in Ruhe aus der Nähe sehen will, ist im Museum am besten aufgehoben. Im deutschsprachigen Raum zeigen unter anderem das Technik Museum Speyer, die Flugausstellung Hermeskeil, die Flugwerft Schleißheim und das Dornier Museum Friedrichshafen historische Verkehrs- und Militärflugzeuge. Viele dieser Exponate hätten sonst selbst den Weg in die Zerlegung genommen.

Worauf es ankommt

  • Status prüfen statt spekulieren. Ein Flugzeug in Teruel ist nicht automatisch verschrottet. Viele kehren mit neuem Betreiber zurück.
  • Führungen vorher bestätigen. Touren wie die in Tucson hängen von Sicherheitslage und Betreiber ab und können ausgesetzt werden.
  • Öffentliche Flächen respektieren. Auch an zivilen Abstellplätzen gelten Zäune, Sperrschilder und Hausrecht.
  • Hitze und Distanz einplanen. In Wüstenregionen bist du lange Strecken unterwegs, Wasser und Sonnenschutz gehören ins Gepäck. Für die Fotoseite helfen lange Brennweiten, siehe Objektiv und Brennweite fürs Planespotting.
  • Dokumentiere deine Sichtungen. Wenn ein Typ verschwindet, wird jedes Foto mit Kennzeichen und Datum wertvoll. Wie du ein Logbuch führst, steht in Sichtungen dokumentieren.

Bereit für die Jagd auf letzte Flüge?

Hak ab, was du schon vorbereitet hast – am Ende siehst du, ob dir der nächste Abschiedsflug entgeht.

  • Ich weiß, welche Typen und Kennzeichen an meinem Flughafen in absehbarer Zeit ausgemustert werden.
  • Ich verfolge Überführungsflüge zu typischen Abstellflughäfen.
  • Ich kenne einen legalen Spot mit Blick auf die passende Piste.
  • Ich habe ein Museum in der Nähe, in dem ausgemusterte Typen stehen.
  • Ich halte meine Sichtungen mit Kennzeichen und Datum fest.

Seltene Flugzeuge finden, erleben und festhalten

Planetrack verbindet Sichtungs-Alarme für Kennzeichen und Typen, die Spot-Karte mit Anreise und bestem Licht und deinen Hangar mit Wunschliste. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Fazit

Flugzeugfriedhöfe sind weniger Friedhof als Lager, Werkstatt und Ersatzteilquelle. Trockenes Klima macht Orte wie Tucson, Teruel oder Alice Springs ideal, in Europa sind dazu Tarbes, Toulouse-Francazal und Twente wichtige Adressen. Für Spotter bleibt das Gelände selbst meist verschlossen. Die besten Chancen liegen bei den letzten Flügen am Heimatflughafen, bei Überführungen und in Museen, wo ausgemusterte Flugzeuge eine zweite Karriere machen.

Kurzfazit

Ein Boneyard ist oft nur eine Zwischenstation: Viele Jets kehren zurück, andere liefern Teile, nur ein Teil wird recycelt. Aufs Gelände kommst du praktisch nie – verfolge stattdessen Überführungsflüge, sei bei Abschiedsflügen am Zaun und besuche Museen, um ausgemusterte Typen legal zu erleben.

Zusammenfassung

  • Ein Boneyard ist ein Abstell- und Zerlegeplatz für Flugzeuge, die vorübergehend oder dauerhaft aus dem Betrieb genommen werden.
  • Je nach Plan wird ein Flugzeug kurzfristig geparkt, langfristig konserviert, für Ersatzteile ausgeschlachtet oder vollständig recycelt.
  • 2020 explodierte der Bedarf an Abstellflächen: Airlines parkten Flotten auf Pisten und Rollwegen, Spezialstandorte wie Teruel, Tarbes oder Alice Springs liefen voll.
  • Für Spotter sind die letzten Flüge zum Boneyard, Reaktivierungen und Museumsexemplare die realistischen Gelegenheiten, ausgemusterte Typen zu erleben.

Häufige Fragen

Was ist ein Flugzeugfriedhof?

Umgangssprachlich ein Gelände, auf dem Flugzeuge außer Dienst abgestellt werden. Im Englischen heißt das Boneyard. Der Begriff täuscht etwas: Ein großer Teil der Maschinen ist nur geparkt oder konserviert und kann zurück in den Dienst gehen. Erst wenn sich Wartung und Weiterbetrieb nicht mehr lohnen, wird ein Flugzeug zerlegt.

Warum liegen Boneyards meist in der Wüste?

Weil trockene Luft und seltener Regen die Korrosion an Rumpf, Fahrwerk und Triebwerken deutlich verlangsamen. Ein harter, tragfähiger Boden erlaubt außerdem, Flugzeuge ohne teure Betonflächen abzustellen. Deshalb liegen viele Standorte im Südwesten der USA, im Inneren Spaniens oder im australischen Outback.

Wo ist der größte Flugzeugfriedhof der Welt?

Die größte Anlage ist die 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) neben der Davis-Monthan Air Force Base in Tucson, Arizona. Sie umfasst rund 2.600 Acres, also gut zehn Quadratkilometer. Die Zahl der abgestellten Flugzeuge schwankt und liegt je nach Quelle zwischen knapp 4.000 und rund 5.000. Es handelt sich um eine militärische Anlage mit kontrolliertem Zugang.

Gibt es Flugzeugfriedhöfe in Deutschland?

Große zivile Boneyards nach amerikanischem Vorbild gibt es in Deutschland nicht. Die nächstgelegenen bekannten Standorte für Abstellung und Zerlegung sind Twente in den Niederlanden, Tarbes und Toulouse-Francazal in Frankreich sowie Teruel in Spanien. Während der Pandemie haben Airlines aber auch an deutschen Drehkreuzen Flugzeuge in großer Zahl geparkt, etwa Lufthansa in Frankfurt.

Kann man einen Boneyard besichtigen?

Das Gelände selbst ist praktisch immer gesperrt. Beim AMARG in Tucson hat das benachbarte Pima Air & Space Museum Bustouren angeboten – ob und zu welchen Bedingungen sie aktuell laufen, prüfst du am besten direkt beim Museum. Bei zivilen Abstellflughäfen bleibt meist nur der Blick von öffentlichen Straßen und Wegen.

Wie erkenne ich, dass ein Flugzeug zum Boneyard fliegt?

Oft an einem Überführungsflug ohne Passagiere zu einem typischen Abstellflughafen wie Teruel, Tarbes, Twente oder Victorville. Auf Flugverfolgungsdiensten tauchen solche Flüge mit dem Kennzeichen auf. Hinweise liefern auch abgeklebte Airline-Logos, abgedeckte Triebwerkseinläufe nach der Landung oder Meldungen in Spotter-Foren.

Was passiert mit einem Flugzeug, das zerlegt wird?

Zuerst werden wertvolle Bauteile ausgebaut: Triebwerke, Fahrwerke, Avionik, APU und viele Kabinenteile. Sie werden geprüft und als gebrauchte Ersatzteile weiterverkauft. Der Rest der Zelle wird zerlegt und nach Materialien wie Aluminium, Titan und Verbundwerkstoffen getrennt. Branchenverbände wie die Aircraft Fleet Recycling Association entwickeln dafür Standards.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

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