UAT auf 978 MHz erklärt: das zweite ADS-B-System der USA und wann du es empfangen musst

Neben 1090 MHz gibt es in den USA eine zweite ADS-B-Frequenz: das Universal Access Transceiver auf 978 MHz. Was dahintersteckt, wer darauf sendet, was FIS-B, TIS-B und ADS-R bedeuten und wann du als Spotter oder Feeder einen eigenen UAT-Empfänger brauchst.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Frequenzen, ein Zweck: In den USA dürfen Flugzeuge ADS-B entweder über 1090 MHz Extended Squitter oder über das Universal Access Transceiver (UAT) auf 978 MHz senden – UAT aber nur unterhalb von 18.000 Fuß.
  • UAT ist ein System der allgemeinen Luftfahrt: Die FAA hat sich schon 2002 für zwei Datenlinks entschieden – 1090ES für Airlines und schnelle Flugzeuge, UAT für die allgemeine Luftfahrt.
  • Außerhalb der USA praktisch bedeutungslos: Europa setzt auf 1090 MHz. Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz einen Empfänger betreibt, braucht keinen UAT-Zweig.
  • Airliner siehst du auch ohne UAT: Wer in den Luftraum Klasse A oberhalb von 18.000 Fuß will, muss 1090ES nutzen. Linienjets senden deshalb praktisch immer auf 1090 MHz.
  • Für Kleinflugzeuge in den USA lohnt sich der zweite Empfänger: Cessnas, Pipers und Co. mit UAT erscheinen auf einem reinen 1090-Empfänger nur, wenn eine Bodenstation sie zufällig per ADS-R oder TIS-B umsendet.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.UAT in einem Satz
  2. 2.Warum die USA zwei ADS-B-Frequenzen haben
  3. 3.Wer sendet auf UAT – und wer nicht?
  4. 4.Die Technik: was UAT anders macht
  5. 5.Wie UAT-Flugzeuge auf Flugradar-Karten auftauchen
  6. 6.Wann du UAT empfangen musst – und wann nicht
  7. 7.So sieht ein UAT-Setup aus
  8. 8.Typische Missverständnisse
  9. 9.Fazit

Wer in Europa einen ADS-B-Empfänger aufbaut, kümmert sich um genau eine Frequenz: 1090 MHz. In den USA ist das anders. Dort gibt es ein zweites, vollkommen eigenständiges ADS-B-System, das auf 978 MHz funkt und UAT heißt, Universal Access Transceiver. Viele Kleinflugzeuge senden ausschließlich darauf. Für einen 1090-MHz-Empfänger sind sie damit so gut wie unsichtbar.

In diesem Artikel erfährst du, warum die USA zwei Frequenzen nutzen, wer darauf sendet, welche Zusatzdienste über UAT laufen und wann sich für dich ein zweiter Empfänger lohnt. Die Kurzfassung für Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich vorweg: Hier brauchst du UAT nicht. Spannend wird es, wenn du in den USA spottest oder dort einen Feeder betreibst.

Jede Sichtung festhalten – egal über welche Frequenz

Mit Planetrack postest du deine Sichtungen mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline, Flughafen und Spot und sammelst sie in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

UAT in einem Satz

UAT ist ein ADS-B-Verfahren auf 978 MHz, das die US-Luftfahrtbehörde FAA für die allgemeine Luftfahrt vorgesehen hat und das nur unterhalb von 18.000 Fuß als Alternative zu 1090 MHz zugelassen ist.

Das Prinzip ist dasselbe wie beim bekannten ADS-B: Das Flugzeug bestimmt seine Position per Satellitennavigation und sendet sie zusammen mit Höhe, Geschwindigkeit und Kennung mindestens einmal pro Sekunde aus. Wie das auf 1090 MHz funktioniert, liest du im Grundlagenartikel zur Flugverfolgung mit ADS-B. Der entscheidende Unterschied liegt im Funkweg: UAT nutzt eine eigene Frequenz, ein eigenes Datenformat und eigene Geräte. Ein Empfänger, der auf 1090 MHz lauscht, hört davon nichts.

978 MHzFrequenz des Universal Access Transceiver
18.000 ftObergrenze, bis zu der UAT in den USA genügt
2020Seit dem 1. Januar gilt die US-Pflicht zu ADS-B Out

Warum die USA zwei ADS-B-Frequenzen haben

Der Grund liegt in der Geschichte. Als ADS-B um die Jahrtausendwende Gestalt annahm, war 1090 MHz bereits gut belegt: Sekundärradar-Antworten, Mode-S-Signale und Kollisionswarnsysteme teilen sich diese Frequenz. Wie das zusammenhängt, erklärt der Artikel Transponder Mode A, C und S. Parallel wurde mit UAT ein eigener Datenlink entwickelt, der von Anfang an für ADS-B ausgelegt war.

Erprobt wurde UAT unter anderem in Alaska. Dort diente es 2001 bereits als Grundlage für eine Staffelung von 5 nautischen Meilen auf Strecke, und ab 2003 rüstete die Embry-Riddle Aeronautical University ihre Schulflugzeuge damit aus. 2002 traf die FAA dann die Grundsatzentscheidung: zwei Datenlinks. 1090ES für Airlines und leistungsstarke Flugzeuge, UAT für die allgemeine Luftfahrt.

Europa ging einen anderen Weg. Im November 2012 bestätigte die europäische Agentur für Flugsicherheit EASA, dass die EU im Sinne der Kompatibilität auf 1090ES setzt. Damit blieb UAT im Kern ein US-System. Auch Satellitennetze für ADS-B sind auf 1090 MHz ausgelegt, wie der Artikel zu weltraumgestütztem ADS-B zeigt.

Was die US-Vorschrift genau verlangt

Die Regeln stehen in der US-Bundesvorschrift 14 CFR 91.225. Seit dem 1. Januar 2020 ist ADS-B Out in weiten Teilen des kontrollierten Luftraums Pflicht. Die Aufteilung ist klar:

Luftraum Erlaubte ADS-B-Technik Typische Nutzer
Klasse A (ab 18.000 ft) nur 1090 MHz Extended Squitter Airliner, Businessjets, Fracht
Klasse B und C 1090ES oder UAT alle, die große Flughäfen anfliegen
Umkreis von 30 NM um bestimmte große Flughäfen, bis 10.000 ft 1090ES oder UAT auch Kleinflugzeuge im Umland
Klasse E ab 10.000 ft MSL (48 Kernstaaten), außer bis 2.500 ft über Grund 1090ES oder UAT höher fliegende allgemeine Luftfahrt
Klasse E ab 3.000 ft über dem Golf von Mexiko, bis 12 NM vor der Küste 1090ES oder UAT Verkehr über dem Golf, etwa Offshore-Flüge

Flugzeuge ohne motorgetriebenes Bordnetz, etwa Segelflugzeuge und Ballone, sind von Teilen der Pflicht ausgenommen. Außerhalb der genannten Lufträume darf auch ganz ohne ADS-B geflogen werden. Ein Flugzeug, das du auf keiner der beiden Frequenzen siehst, ist in den USA also nicht automatisch illegal unterwegs.

Wer sendet auf UAT – und wer nicht?

Hier liegt der Kern für Spotter. Weil UAT oberhalb von 18.000 Fuß nicht zugelassen ist, nutzt alles, was regelmäßig in Reiseflughöhe unterwegs ist, 1090ES. Das betrifft Linienjets von Delta, United oder American Airlines, Frachter von FedEx und die meisten Businessjets. Auch Flugzeuge, die international unterwegs sind, brauchen 1090ES, weil Länder mit ADS-B-Pflicht außerhalb der USA darauf setzen.

UAT ist dagegen bei Piloten verbreitet, die vorwiegend im Inland und unterhalb von 18.000 Fuß fliegen. Der Pilotenverband AOPA nennt als Vorteil vor allem den kostenlosen Wetterempfang im Cockpit, der nur über UAT funktioniert. Typische Kandidaten sind damit Schul- und Reiseflugzeuge wie die Cessna 172, die Piper PA-28 oder die Cirrus SR22. Welche Technik ein einzelnes Flugzeug nutzt, hängt aber allein von der Ausrüstung ab, die der Halter eingebaut hat. Aus dem Typ kannst du es nicht sicher ableiten.

Faustregel für Spotter

Fotografierst du in den USA an großen Drehkreuzen wie Los Angeles, Atlanta oder Chicago O'Hare vor allem Airliner, reicht 1090 MHz. Interessierst du dich für Kleinflugzeuge an Regionalplätzen, fehlt dir ohne 978 MHz ein guter Teil des Verkehrs.

Die Technik: was UAT anders macht

UAT ist kein umgebauter Transponder, sondern ein eigener Datenlink mit eigener Logik. Drei Eigenschaften sind für dich als Empfänger-Bastler wichtig.

Ganze Position in einer Nachricht. Auf 1090 MHz wird die Position in zwei abwechselnden Nachrichten codiert, einer geraden und einer ungeraden. Ein Decoder braucht beide oder eine bekannte Referenzposition, um den Standort zu berechnen. UAT liefert die Position in einer einzigen kurzen Aussendung. Aktualisiert wird bei beiden Verfahren einmal pro Sekunde.

Ein Kanal auch für den Boden. Die Frequenz 978 MHz teilen sich Flugzeuge und Bodenstationen. Die Flugzeuge senden ihre Positionen nach unten, die Bodenstationen schicken Daten nach oben, den sogenannten Uplink. Decoder wie dump978 kennzeichnen beide Richtungen getrennt.

Andere Funkparameter. Die Abtastrate für einen RTL-SDR-Stick liegt bei UAT bei gut 2 MHz, und die Viertelwellen-Antenne ist mit rund 7,7 Zentimetern etwas länger als für 1090 MHz. Wie du die Länge selbst berechnest und eine Antenne baust, zeigt die Anleitung 1090-MHz-Antenne selber bauen. Das Prinzip gilt für 978 MHz genauso.

FIS-B, TIS-B und ADS-R: die Zusatzdienste

Wer sich mit UAT beschäftigt, stolpert schnell über drei Abkürzungen. Sie beschreiben Dienste, die die Bodenstationen der FAA aussenden.

  • FIS-B (Flight Information Service – Broadcast): Wetter- und Luftfahrtinformationen fürs Cockpit, darunter METARs, TAFs, Radarbilder, SIGMETs, AIRMETs, NOTAMs und Höhenwinde. FIS-B läuft in den USA ausschließlich über UAT. Über 1090 MHz gibt es diesen Dienst nicht.
  • TIS-B (Traffic Information Service – Broadcast): Bodenstationen senden Verkehrsinformationen über Flugzeuge, die selbst kein ADS-B haben oder nur auf der jeweils anderen Frequenz senden. Die Daten stammen etwa aus Radar oder Multilateration.
  • ADS-R (ADS-B Rebroadcast): Die Bodenstation empfängt die Position eines UAT-Flugzeugs und sendet sie auf 1090 MHz weiter – und umgekehrt. So sehen sich beide Welten gegenseitig.

Diese Brücke ist für Piloten mit ADS-B-In-Empfänger gedacht und nicht für Hobby-Empfänger am Boden. Die Bodenstationen senden ADS-R und TIS-B gezielt für Flugzeuge in der Nähe, die solche Daten anfordern. Dein 1090-MHz-Empfänger fängt diese Umsendungen deshalb nur auf, wenn gerade so ein Flugzeug in der Gegend ist und du in Reichweite der Bodenstation stehst. Ein verlässliches Bild des UAT-Verkehrs ergibt das nicht.

Die Cessna mit dem Wunschkennzeichen im Blick

Planetrack benachrichtigt dich per Sichtungs-Alarm, wenn ein Kennzeichen, ein Flugzeugtyp, eine Airline oder eine Special Livery auf deiner Liste im Anflug ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Wie UAT-Flugzeuge auf Flugradar-Karten auftauchen

Auf vielen Karten, etwa auf Basis von tar1090, siehst du an der Farbe, aus welcher Quelle eine Position stammt, zum Beispiel ADS-B, MLAT oder TIS-B. Je nach Einspeisung erscheint UAT-Verkehr dort allerdings als gewöhnliches ADS-B. Was die Farben im Einzelnen bedeuten, erklärt der Artikel Symbole und Farben auf Flugradar-Karten.

Für dich heißt das: Taucht in den USA ein Kleinflugzeug mit dem Hinweis TIS-B oder ADS-R auf, hat dein 1090-Empfänger nicht das Flugzeug selbst gehört, sondern die Umsendung einer Bodenstation. Solche Positionen können verzögert sein und verschwinden plötzlich, wenn die Bodenstation aufhört zu senden. Fehlt ein Flugzeug ganz, kann das neben der Frequenz viele andere Gründe haben. Einen Überblick gibt Warum ein Flugzeug nicht auf dem Flugradar erscheint.

Anonyme UAT-Flüge

Eine Besonderheit von UAT betrifft die Zuordnung zum Kennzeichen. Normalerweise sendet jedes Flugzeug eine feste 24-Bit-Adresse, über die Flugradar-Dienste Typ und N-Nummer nachschlagen. UAT-Geräte haben dagegen meist einen Anonymous Mode. Laut 14 CFR 91.227 darf ein Pilot eine selbst erzeugte, temporäre Adresse nutzen und auf die Flugidentifikation verzichten, wenn er keinen Flugplan aufgegeben und keine Verkehrskontrolle angefordert hat. Die AOPA nennt als zusätzliche Bedingung den Transpondercode 1200, den US-Standardcode für Sichtflug, und stellt klar, dass ein VFR-Flugplan dem Anonymous Mode nicht entgegensteht.

Auf deiner Karte erscheint so ein Flugzeug dann mit einer Adresse, die zu keinem Eintrag passt, und ohne Kennzeichen. Für 1090ES gibt es keinen solchen Modus. Dort bietet die FAA stattdessen das Programm PIA an, bei dem Halter eine alternative Adresse mit fremdem Rufzeichen bekommen. Für dein Logbuch bedeutet das: Ein anonymer UAT-Kontakt lässt sich nur per Foto des Kennzeichens sicher zuordnen.

Wann du UAT empfangen musst – und wann nicht

Ob sich ein 978-MHz-Empfänger lohnt, hängt fast nur von deinem Standort und deinen Interessen ab.

Bau einen UAT-Empfänger, wenn …

  • du in den USA wohnst und dauerhaft einen Feeder betreibst
  • in deiner Nähe ein Flugplatz der allgemeinen Luftfahrt oder eine Flugschule liegt
  • du Kleinflugzeuge, Hubschrauber oder Rundflüge loggen willst
  • du FIS-B-Uplinks aus Neugier selbst dekodieren möchtest

Überleg es dir, wenn …

  • du nur auf einer Reise in den USA mobil am Spot empfängst
  • du an großen Drehkreuzen hauptsächlich Airliner fotografierst
  • du nur einen einzigen SDR-Stick und wenig Platz für Antennen hast

Spar dir den Aufwand, wenn …

  • du in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder sonst in Europa empfängst
  • dich nur Verkehrsflugzeuge in Reiseflughöhe interessieren
  • dein Stick einen festen 1090-MHz-Filter eingebaut hat

Ein besonders lohnender Fall ist das jährliche Fly-in in Oshkosh. Dort trifft sich die allgemeine Luftfahrt der USA in großer Zahl – genau die Flugzeugklasse, in der UAT verbreitet ist. Was dich vor Ort erwartet, zeigen die Artikel zur EAA AirVenture Oshkosh und zum Planespotting in Oshkosh.

So sieht ein UAT-Setup aus

Technisch ist ein UAT-Empfänger nah am vertrauten 1090-Aufbau. Der wichtigste Unterschied: Du brauchst einen eigenen Empfangszweig.

Zweiten SDR-Stick besorgen

Ein Stick hört immer nur auf eine Frequenz. Für den Parallelbetrieb mit 1090 MHz brauchst du deshalb einen zweiten. Achte darauf, dass er keinen eingebauten 1090-MHz-Filter hat. Welche Modelle sich eignen, steht im Vergleich der SDR-Sticks für ADS-B.

Sticks per Seriennummer unterscheiden

Viele RTL-SDR-Sticks kommen mit identischer Seriennummer. Vergib eindeutige Nummern, zum Beispiel 1090 und 978, damit die Software den richtigen Stick anspricht. Wie das funktioniert, zeigt die Anleitung zum Feeden mit Ultrafeeder.

Antenne für 978 MHz montieren

Eine auf 1090 MHz abgestimmte Antenne funktioniert auf 978 MHz nur mit Abstrichen. Besser ist eine eigene Antenne oder eine ausdrücklich für beide Bänder ausgelegte Lösung. Für den Standort gelten dieselben Regeln wie bei 1090 MHz: hoch und mit freier Sicht. Tipps findest du unter Antennenstandort und Montage.

Decoder installieren

Der verbreitete Decoder ist dump978-fa von FlightAware. Er demoduliert UAT, gibt die Daten über TCP-Ports aus und bringt mit skyaware978 eine eigene Kartenansicht mit. Wer mit Docker arbeitet, nutzt das Projekt docker-dump978 aus der sdr-enthusiasts-Sammlung.

An die Feeder anbinden

PiAware holt sich die UAT-Daten standardmäßig über Port 30978, sobald du den UAT-Empfänger in der Konfiguration aktiviert hast. Details stehen in der Anleitung zu PiAware. Auch der Feeder von RadarBox lässt sich mit UAT-Daten versorgen. Welche weiteren Netzwerke UAT annehmen, unterscheidet sich; ein Überblick über die Feeder steht im Vergleich der Feeder-Programme.

Eine praktische Brücke liefert die Software selbst. Das Werkzeug uat2esnt, das heute in readsb steckt, wandelt UAT-Positionen in das 1090-Format um. So landen beide Quellen auf derselben tar1090-Karte. Wie du readsb und tar1090 aufsetzt, steht unter readsb und tar1090 installieren.

Achtung beim Kombinieren

FlightAware beschreibt in seiner Konfigurationsanleitung für den UAT-Betrieb, den 1090-Empfänger auf „none“ zu stellen. Willst du beide Frequenzen parallel mit PiAware betreiben, prüf die aktuelle Dokumentation genau oder setz auf einen Docker-Aufbau, der beide Sticks getrennt anspricht.

UAT unterwegs empfangen

Für Piloten gibt es eigene Empfänger, die beide Frequenzen abdecken. Das Open-Source-Projekt Stratux etwa baut auf einem Raspberry Pi auf, empfängt 1090 MHz und 978 MHz und reicht Verkehrs- und Wetterdaten per WLAN an Cockpit-Apps wie ForeFlight weiter. Für einen Spottertag am Zaun ist das mehr als nötig. Es zeigt aber, dass ein mobiler Dualband-Empfang gut machbar ist. Wie du generell mit Smartphone, SDR-Stick und Powerbank am Spot empfängst, erklärt Mobiler ADS-B-Empfang am Spot.

Typische Missverständnisse

„UAT ist eine ältere Version von ADS-B.“ Nein. UAT ist ein paralleles Verfahren mit eigener Norm. Für 1090ES gilt in den USA der Standard DO-260B, für UAT DO-282B.

„Mein 1090-Empfänger sieht doch Kleinflugzeuge.“ Das stimmt, wenn diese 1090ES nutzen oder gerade per ADS-R oder TIS-B umgesendet werden. Alle anderen UAT-Flugzeuge bleiben unsichtbar.

„MLAT findet die UAT-Flugzeuge.“ Multilateration im Hobbybereich arbeitet mit Mode-S-Signalen auf 1090 MHz. Ein Flugzeug, das nur auf 978 MHz sendet, liefert dafür nichts. Mehr zum Verfahren steht unter MLAT erklärt.

„UAT gibt es überall in Amerika.“ UAT ist auf die Ausrüstungsregeln der USA zugeschnitten. FlightAware weist ausdrücklich darauf hin, dass UAT-Tracking nur in den USA verfügbar ist und die Abdeckung je nach Region dünn sein kann.

Lohnt sich UAT für dich?

Hak ab, was auf dich zutrifft. Ab vier Haken spricht viel für einen zweiten Empfänger auf 978 MHz.

  • Mein Empfänger steht in den USA.
  • In der Nähe liegt ein Flugplatz der allgemeinen Luftfahrt.
  • Kleinflugzeuge und Hubschrauber interessieren mich.
  • Ich habe Platz für einen zweiten SDR-Stick und eine zweite Antenne.
  • Ich feede an FlightAware oder ein anderes Netzwerk mit UAT-Unterstützung.
  • Ich will FIS-B-Uplinks selbst ansehen.

Vom Signal zum Foto

Finde auf der Spot-Karte von Planetrack Orte mit Anreise, bestem Licht und Community-Fotos, prüf Wetter, Wind und Pisten am Flughafen und poste deine Sichtung samt Kennzeichen direkt in die Community. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Fazit

UAT auf 978 MHz ist die US-amerikanische Antwort auf eine Frage, die Europa anders beantwortet hat: Wie bringt man ADS-B in die allgemeine Luftfahrt? Die USA haben dafür einen zweiten Datenlink geschaffen, der unterhalb von 18.000 Fuß zugelassen ist und Piloten nebenbei kostenloses Cockpit-Wetter liefert. Airliner bleiben bei 1090 MHz, viele Kleinflugzeuge wechseln auf 978 MHz. Planst du eine Spotting-Reise, findest du weitere Hinweise unter Planespotting-Reise in die USA und Planespotting in den USA: die Regeln.

Kurzfazit

In Europa kannst du UAT getrost ignorieren, 1090 MHz deckt hier alles ab. In den USA ergänzt ein zweiter Empfänger mit eigenem Stick, eigener Antenne und dump978 genau den Verkehr, der dir sonst fehlt: Kleinflugzeuge der allgemeinen Luftfahrt unterhalb von 18.000 Fuß.

Zusammenfassung

  • UAT ist ein eigenständiges ADS-B-Verfahren auf 978 MHz, das die FAA für die allgemeine Luftfahrt in den USA vorgesehen hat. Es ist nicht kompatibel mit 1090-MHz-Empfängern.
  • Seit dem 1. Januar 2020 gilt in großen Teilen des US-Luftraums ADS-B-Out-Pflicht. Unterhalb von 18.000 Fuß reicht UAT, oberhalb ist 1090ES vorgeschrieben.
  • Über UAT senden die Bodenstationen zusätzlich Wetter und Luftfahrtinformationen (FIS-B). ADS-R und TIS-B schlagen eine Brücke zwischen beiden Frequenzen, decken aber nicht alles ab.
  • Für Spotter in Europa ist UAT ohne praktischen Nutzen. In den USA lohnt sich ein zweiter Empfänger mit eigenem SDR-Stick und 978-MHz-Antenne vor allem in der Nähe kleiner Flugplätze.

Häufige Fragen

Was ist UAT?

UAT steht für Universal Access Transceiver. Es ist ein ADS-B-Verfahren, das auf 978 MHz sendet und in den USA neben dem weltweit üblichen 1090 MHz Extended Squitter zugelassen ist. Genutzt wird es vor allem von Flugzeugen der allgemeinen Luftfahrt, die unterhalb von 18.000 Fuß fliegen.

Brauche ich in Deutschland einen UAT-Empfänger?

Nein. In Europa ist 1090 MHz die maßgebliche ADS-B-Frequenz, und die EU hat sich bewusst für 1090ES entschieden. Ein Empfänger für 978 MHz bleibt hier so gut wie stumm. Auch FlightAware weist darauf hin, dass UAT-Tracking nur in den USA verfügbar ist.

Warum gibt es in den USA zwei ADS-B-Frequenzen?

Die FAA hat 2002 einen Zwei-Link-Ansatz gewählt: 1090ES für die Verkehrsluftfahrt und leistungsstarke Flugzeuge, UAT für die allgemeine Luftfahrt. UAT bietet zusätzlich einen Rückkanal von den Bodenstationen, über den Piloten kostenlos Wetter- und Luftfahrtinformationen empfangen können.

Darf ein Airliner auf UAT senden?

Für den Luftraum Klasse A, also ab 18.000 Fuß, schreibt die US-Vorschrift 14 CFR 91.225 ausdrücklich 1090 MHz Extended Squitter vor. Da Linienjets dort ihren Reiseflug verbringen, nutzen sie 1090ES. UAT ist nur unterhalb von 18.000 Fuß als Alternative zugelassen.

Kann mein 1090-MHz-Empfänger UAT-Flugzeuge sehen?

Nur indirekt. Bodenstationen der FAA können UAT-Positionen per ADS-R auf 1090 MHz umsenden, und per TIS-B geben sie Verkehrsinformationen weiter. Das geschieht aber nicht flächendeckend und nicht für jedes Flugzeug. Wer UAT-Verkehr zuverlässig sehen will, braucht einen eigenen Empfänger für 978 MHz.

Kann ich 1090 und 978 MHz mit einem SDR-Stick empfangen?

Gleichzeitig nicht sinnvoll, denn ein Stick ist immer auf eine Frequenz eingestellt. Übliche Setups nutzen deshalb zwei Sticks, die sich über unterschiedliche Seriennummern auseinanderhalten lassen, und zwei passende Antennen oder eine Dualband-Lösung. Sticks mit eingebautem 1090-MHz-Filter eignen sich für 978 MHz nicht.

Was ist der Anonymous Mode bei UAT?

Flugzeuge mit UAT dürfen unter bestimmten Bedingungen eine selbst erzeugte, temporäre 24-Bit-Adresse senden und auf die Flugidentifikation verzichten – nämlich wenn kein Flugplan aufgegeben und kein Flugverkehrskontrolldienst angefordert wurde. Laut AOPA gehört dazu auch der Transpondercode 1200. Auf deiner Karte erscheint so ein Flugzeug dann ohne zuordenbares Kennzeichen.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

Mehr Artikel aus ADS-B, MLAT & Empfänger →

Weiterlesen in ADS-B, MLAT & Empfänger

← Zurück zum Blog