ACARS-Nachrichten mit SDR empfangen: acarsdec und ACARS Hub

Neben ADS-B funken Verkehrsflugzeuge auch kurze Textnachrichten per ACARS. Mit einem SDR-Stick, einer Airband-Antenne, acarsdec und ACARS Hub machst du diesen Datenfunk sichtbar – wenn du die Rechtslage im Blick behältst.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202613 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • ACARS ist Datenfunk, kein Sprechfunk: Flugzeug und Bodenstation tauschen kurze Textnachrichten aus – etwa Abflug- und Landezeiten, Wetter, Wartungsdaten oder Positionsmeldungen.
  • In Europa zwischen etwa 131,5 und 131,9 MHz: Die klassischen ACARS-Kanäle liegen im oberen Flugfunkband, eng beieinander. Ein einzelner RTL-SDR-Stick deckt sie gleichzeitig ab.
  • acarsdec dekodiert, ACARS Hub zeigt an: Der Decoder macht aus dem Funksignal Text, ACARS Hub sammelt die Nachrichten in einer Weboberfläche mit Suche, Alarmen und optionaler Kartenansicht.
  • Die ADS-B-Antenne reicht nicht: ACARS braucht eine Antenne für das VHF-Flugfunkband um 131 MHz, nicht für 1090 MHz.
  • Rechtslage zuerst klären: ACARS richtet sich an Airlines und Flugsicherung, nicht an die Allgemeinheit. In Deutschland greift deshalb wie beim Sprechfunk das Abhör- und Mitteilungsverbot des TDDDG.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.ACARS empfangen: die kurze Antwort
  2. 2.Was in ACARS-Nachrichten steckt
  3. 3.ACARS, VDL Mode 2, HFDL: die Datenfunk-Familie
  4. 4.Die Frequenzen in Europa
  5. 5.Hardware: was du wirklich brauchst
  6. 6.acarsdec: der Decoder
  7. 7.ACARS Hub: Nachrichten sammeln und durchsuchen
  8. 8.Rechtslage: hier wird es ernst
  9. 9.Fehlersuche: wenn nichts ankommt
  10. 10.ACARS, ADS-B und das Spotten
  11. 11.Fazit

Das Flugzeug, das gerade über deinen Spot rollt, funkt nicht nur seine Position per ADS-B. Parallel schickt es kurze Textnachrichten an die Airline: wann es vom Gate weggeschoben wurde, wie viel Treibstoff an Bord ist, ob ein Bauteil eine Fehlermeldung abgesetzt hat. Dieser Datenfunk heißt ACARS. Mit einem günstigen SDR-Stick, der passenden Antenne und zwei Open-Source-Werkzeugen – acarsdec und ACARS Hub – kannst du technisch sehen, was da zwischen Cockpit und Boden hin- und hergeht. Dieser Guide erklärt dir Frequenzen, Hardware, Einrichtung und Auswertung. Und er sagt dir deutlich, wo in Deutschland die rechtlichen Grenzen liegen.

Vom Datenstrom zur eigenen Sichtung

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ACARS empfangen: die kurze Antwort

Du brauchst einen SDR-Stick, eine Antenne für das VHF-Flugfunkband, einen kleinen Linux-Rechner und den Decoder acarsdec. acarsdec stellst du auf die europäischen ACARS-Kanäle zwischen etwa 131,5 und 131,9 MHz ein, und es gibt jede empfangene Nachricht als Text aus. Wer das Ganze komfortabel durchsuchen will, schickt die Ausgabe an ACARS Hub, eine Weboberfläche im Docker-Container. Bevor du loslegst, solltest du allerdings die Rechtslage kennen. Dazu weiter unten mehr.

Was ACARS grundsätzlich ist und wofür Airlines es nutzen, erklärt der Grundlagenartikel ACARS erklärt. Hier geht es um die Praxis am Empfänger.

1978Einführung von ACARS durch ARINC
2.400 bit/sDatenrate des klassischen ACARS auf VHF
131,525 / 131,725MHz: zentrale ACARS-Kanäle in Europa

Was in ACARS-Nachrichten steckt

ACARS ist kein Sprechfunk, sondern ein Datenfunk für kurze Telegramme. Ursprünglich wurde das System entwickelt, um die vier Phasen eines Umlaufs automatisch zu melden: Out (vom Gate weg), Off (abgehoben), On (gelandet) und In (am Gate). Sensoren an Türen, Parkbremse und Fahrwerk lösen diese sogenannten OOOI-Meldungen aus, ohne dass die Crew etwas tun muss.

Heute läuft deutlich mehr darüber:

  • Betriebsdaten wie Treibstoffmengen, Abflug- und Ankunftszeiten oder Verspätungsgründe
  • Wetter, etwa angeforderte METAR und TAF für Ziel- und Ausweichflughäfen – wie du solche Wettermeldungen liest, zeigt METAR und TAF lesen
  • Wartungs- und Triebwerksdaten, die automatisch an die Technik der Airline gehen
  • Positionsmeldungen, besonders auf Strecken ohne Radarabdeckung
  • Freitext zwischen Crew und Operations-Zentrale

Jede Nachricht trägt einen festen Kopf. Darin stehen unter anderem das Kennzeichen des Flugzeugs, eine Flugnummer, ein zweistelliges Label, das den Nachrichtentyp kennzeichnet, sowie Block- und Nachrichtennummern. Spannend für Spotter: Das Kennzeichen steht im Klartext da, nicht als Hex-Code wie bei Mode S. Warum Flugnummer und Rufzeichen nicht dasselbe sind, erklärt Callsign und Flugnummer.

Viele Inhalte sind allerdings maschinenlesbar und für Menschen kryptisch: Zahlenkolonnen, Abkürzungen, Airline-interne Formate. ACARS Hub und die zugrunde liegenden Bibliotheken übersetzen einen Teil davon in lesbare Felder, aber längst nicht alles.

ACARS, VDL Mode 2, HFDL: die Datenfunk-Familie

Klassisches ACARS auf VHF ist nur ein Weg, wie diese Nachrichten reisen. Für die Planung deiner Empfangsanlage solltest du die Verwandtschaft kennen:

Verfahren Frequenzbereich Datenrate Typischer Einsatz Decoder
ACARS (VHF, „Plain Old ACARS“) um 131 MHz 2,4 kbit/s ältere und viele aktuelle Flugzeuge, Bodennähe und Reiseflug über Land acarsdec
VDL Mode 2 136,700–136,975 MHz 31,5 kbit/s moderner VHF-Datenfunk, auch für CPDLC in Europa dumpvdl2
HFDL Kurzwelle deutlich geringer Ozeane und Polarregionen dumphfdl
SATCOM L-Band über Satellit variabel weltweit, unabhängig von Bodenstationen satdump, JAERO

Wichtig für Europa: Viel Verkehr, der früher über klassisches ACARS lief, ist auf VDL Mode 2 umgezogen. Der gemeinsame Signalisierungskanal liegt auf 136,975 MHz. Wenn du nach dem Einrichten von acarsdec enttäuscht bist, wie wenig ankommt, liegt das oft nicht an deiner Anlage. Wie du VDL2 zusätzlich mitnimmst, beschreibt VDL Mode 2 empfangen, für die Kurzwelle gibt es den Guide zu HFDL.

Die Frequenzen in Europa

Für ACARS in Europa nennen Frequenzlisten vor allem diese Kanäle:

  • 131,525 MHz
  • 131,725 MHz
  • 131,825 MHz oder 131,850 MHz – hier unterscheiden sich die Quellen, beim Testen lohnt sich ein Blick auf beide

Weltweit gilt 131,550 MHz als Hauptkanal. In Nordamerika kommen weitere Frequenzen hinzu, etwa 129,125, 130,025, 130,450 und 131,125 MHz. Frequenzlisten im Netz unterscheiden sich teils im Detail. Verlass dich deshalb nicht blind auf eine Liste, sondern prüfe im Wasserfalldiagramm einer SDR-Software wie SDR++ oder SDR#, wo es bei dir tatsächlich regelmäßig kurz „aufblitzt“. ACARS-Bursts dauern nur Sekundenbruchteile bis wenige Sekunden und sind als kurze, breite Striche gut zu erkennen.

Der praktische Vorteil: Die europäischen Kanäle liegen nur wenige hundert Kilohertz auseinander. Ein einzelner RTL-SDR-Stick fängt sie problemlos gleichzeitig ein, und acarsdec dekodiert alle parallel. Die Doku des Forks von Airframes gibt als Regel aus, dass alle Frequenzen eines Sticks innerhalb von 2 MHz liegen müssen.

Frequenzlage verstehen

ACARS liegt im selben VHF-Band wie der Flugfunk, nur am oberen Ende. Wie Kanalraster und Frequenzbereiche im Flugfunk aufgebaut sind, erklärt Flugfunk-Frequenzen verstehen.

Hardware: was du wirklich brauchst

Die gute Nachricht: Wenn du schon einen ADS-B-Empfänger selbst gebaut hast, kennst du die meisten Teile bereits. Es gibt aber zwei Unterschiede.

Ein eigener Stick. Ein RTL-SDR kann nur ein Frequenzfenster gleichzeitig empfangen. Läuft dein Stick auf 1090 MHz für ADS-B, brauchst du für ACARS einen zweiten. Welche Sticks sich bewähren, vergleicht SDR-Sticks im Vergleich. Für VHF ist ein Modell mit TCXO, also temperaturstabilem Oszillator, angenehm, weil die Frequenz dann kaum driftet. acarsdec unterstützt neben RTL-SDR auch Airspy, SDRplay und Geräte über SoapySDR – Details zu Airspy findest du unter Airspy für ADS-B.

Eine Airband-Antenne. Eine Antenne für 1090 MHz ist für 131 MHz viel zu kurz. Du brauchst eine Antenne für das VHF-Flugfunkband: einen fertigen Airband-Groundplane, eine Discone oder einen selbst gebauten Viertelwellenstrahler. Ein Viertel der Wellenlänge bei rund 131 MHz sind etwa 57 Zentimeter. Wie beim ADS-B-Empfang gilt: Höhe und freie Sicht schlagen jede Verstärkung. Die Grundsätze aus Den besten Antennenstandort finden gelten auch hier.

Ein Rechner. Ein Raspberry Pi reicht für acarsdec und ACARS Hub. ACARS Hub braucht in der aktuellen Version ein 64-Bit-System (arm64 oder amd64). Wer keinen Pi hat, findet Alternativen unter ADS-B-Empfang ohne Raspberry Pi.

Optional ein UKW-Sperrfilter. Starke UKW-Rundfunksender zwischen 88 und 108 MHz liegen nicht weit vom Flugfunkband entfernt und können einen günstigen Stick übersteuern. Ein Bandsperrfilter für den Rundfunkbereich hilft, wenn das Wasserfalldiagramm voller Störungen ist. Grundsätzliches zu Filtern und Vorverstärkern steht in ADS-B-Reichweite steigern.

Der Flieger aus dem Datenstrom im Anflug?

Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Typ, eine Airline oder eine Special Livery zur Landung ansetzt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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acarsdec: der Decoder

acarsdec stammt ursprünglich von Thierry Leconte und ist freie Software. Es gibt inzwischen mehrere Weiterentwicklungen, unter anderem einen Fork von Airframes, den das ACARS-Hub-Projekt empfiehlt, und eine aktiv gepflegte Variante, deren neuere Versionen eine überarbeitete Kommandozeile mit --output-Optionen haben. Die genaue Syntax hängt also davon ab, welche Version du installierst. Lies im Zweifel die README deiner Variante.

Das Grundprinzip ist bei allen gleich: Du wählst den Stick, setzt Verstärkung und Frequenzkorrektur und gibst die Kanäle an. Bei der aktuellen Variante sieht ein Testlauf auf den europäischen Frequenzen etwa so aus:

acarsdec --output monitor:file -g 34 --rtlsdr 0 131.525 131.725 131.825 131.850

Die wichtigsten Stellschrauben:

  • Verstärkung (-g): Die Automatik ist laut Doku meist auf Maximum und damit selten optimal. Taste dich manuell heran, typischerweise im mittleren bis oberen Bereich, und beobachte, wie viele Nachrichten sauber ankommen.
  • Frequenzkorrektur (-p): Günstige Sticks ohne TCXO weichen um einige ppm ab. Den Wert ermittelst du einmal und trägst ihn fest ein.
  • Bias-Tee (-B): Nur nötig, wenn du einen Vorverstärker am Antennenmast über das Koaxkabel versorgst.
  • Ausgabe: acarsdec gibt Nachrichten als Einzeiler, ausführlich, im Monitor-Modus oder als JSON aus – in eine Datei, per UDP oder per MQTT. Für ACARS Hub ist JSON über das Netzwerk der übliche Weg.

Läuft der Testlauf und tauchen nach einigen Minuten erste Nachrichten mit Kennzeichen auf, funktioniert deine Kette. An großen Flughäfen kommt mehr, im ländlichen Raum mit Überflügen in Reiseflughöhe weniger.

1. Stick und Antenne anschließen

Zweiten SDR-Stick an den Rechner, Airband-Antenne möglichst hoch und frei montieren, Kabel kurz halten.

2. Aktivität im Wasserfall prüfen

Mit einer SDR-Software den Bereich um 131,5 bis 131,9 MHz ansehen und notieren, auf welchen Kanälen kurze Bursts erscheinen.

3. acarsdec testen

Decoder mit den gefundenen Frequenzen im Monitor-Modus starten und Verstärkung sowie Frequenzkorrektur anpassen.

4. Ausgabe auf JSON umstellen

Wenn Nachrichten zuverlässig ankommen, die Ausgabe per Netzwerk an ACARS Hub oder einen Router wie acars_router schicken.

5. Dauerbetrieb einrichten

Alles als Dienst oder Docker-Container starten lassen, damit die Kette nach einem Neustart wieder läuft.

ACARS Hub: Nachrichten sammeln und durchsuchen

Rohe Ausgaben im Terminal sind spannend für zehn Minuten. Danach willst du suchen, filtern und Statistiken sehen. Genau das macht ACARS Hub aus dem Projekt sdr-enthusiasts, das auch die Docker-Images für ADS-B rund um Ultrafeeder pflegt.

ACARS Hub dekodiert selbst keine Funksignale. Es nimmt die Ausgaben externer Decoder entgegen:

  • acarsdec für klassisches ACARS
  • dumpvdl2 für VDL Mode 2 (vdlm2dec funktioniert ebenfalls, wird aber nicht mehr weiterentwickelt)
  • dumphfdl für HFDL
  • satdump oder JAERO für Inmarsat-Satellitendaten, dazu Werkzeuge für Iridium

Die Weboberfläche läuft standardmäßig auf Port 80 (anpassbar) und zeigt Nachrichten in Echtzeit. Alles landet in einer SQLite-Datenbank. Nach Voreinstellung bewahrt ACARS Hub normale Nachrichten sieben Tage auf, Treffer zu Alarmbegriffen 120 Tage. Auf einem Raspberry Pi empfiehlt das Projekt, die Datenbank in den Arbeitsspeicher (tmpfs) zu legen, um die SD-Karte zu schonen. Bei sehr großen Datenbanken kann die Suche auf schwacher Hardware langsam werden.

Decoder anbinden

Am bequemsten lässt du acarsdec ebenfalls als Container laufen. Das Image docker-acarsdec von sdr-enthusiasts erwartet vor allem eine eindeutige FEED_ID, die Liste der FREQUENCIES und die Seriennummer des Sticks in RTL_SERIAL. Die Ausgabe geht standardmäßig an acars_router auf Port 5550. Dieser Router sammelt die Nachrichten aller Decoder, entfernt Duplikate und reicht sie an ACARS Hub weiter. Das Projekt empfiehlt TCP oder ZMQ statt UDP, weil die Übertragung dann zuverlässiger ist.

Wenn du bereits mehrere ADS-B-Netzwerke über Docker fütterst, wirkt das alles vertraut. Der Aufbau folgt derselben Logik wie in Mehrere Netzwerke feeden mit Ultrafeeder.

Alarmbegriffe

In der Weboberfläche kannst du Begriffe hinterlegen, auf die ACARS Hub anschlägt – zum Beispiel ein bestimmtes Kennzeichen oder eine Flugnummer. Trifft eine Nachricht, wird sie hervorgehoben und länger gespeichert. Für Spotter ist das die interessanteste Funktion: Du siehst, ob eine Maschine, auf die du wartest, in deiner Empfangsreichweite aktiv ist.

Karte mit ADS-B-Daten

Betreibst du parallel einen ADS-B-Empfänger, kann ACARS Hub die aircraft.json von tar1090 oder Ultrafeeder einlesen. Dann erscheinen die Flugzeuge in Reichweite auf einer Karte, und ein Klick zeigt die zugehörigen Nachrichten. Dafür setzt du ENABLE_ADSB und trägst die Adresse der JSON-Datei ein. Wie tar1090 selbst funktioniert, beschreibt Flugverfolgung am PC mit tar1090.

Dafür spricht ACARS Hub

  • Weboberfläche mit Suche, Statistik und Alarmbegriffen
  • Bündelt ACARS, VDL2, HFDL und Satellitendaten an einer Stelle
  • Kartenansicht in Kombination mit ADS-B
  • Läuft auf einem Raspberry Pi mit 64-Bit-System

Dagegen spricht

  • Setzt Docker-Grundkenntnisse voraus
  • Ältere 32-Bit-Systeme werden nicht mehr unterstützt
  • Datenbank wächst und braucht Pflege
  • Speichert Nachrichteninhalte – rechtlich heikler als reines Mitlesen

Rechtslage: hier wird es ernst

So einfach die Technik ist, so klar ist die Rechtslage in Deutschland. ACARS-Nachrichten sind für Airlines, Datenfunk-Dienstleister und Flugsicherung bestimmt. Sie richten sich weder an die Allgemeinheit noch an einen unbestimmten Personenkreis. Damit gilt für sie nach verbreiteter Auffassung dasselbe wie für den Sprechfunk: § 5 TDDDG verbietet das Abhören von Nachrichten, die nicht für dich bestimmt sind, und auch die Weitergabe ihres Inhalts oder schon der Tatsache, dass du sie empfangen hast. Verstöße sind nach § 27 TDDDG strafbar.

Was das konkret heißt, steht ausführlich in Flugfunk hören: Technik und Rechtslage. Den Unterschied zu ADS-B, das als offene Aussendung gilt, erklärt Ist der Empfang von ADS-B-Daten erlaubt?. In Österreich, der Schweiz und anderen Ländern gelten eigene Regeln, die du vor dem Betrieb prüfen solltest.

Keine Inhalte teilen

Screenshots von ACARS Hub, Nachrichteninhalte in Spotter-Gruppen, Videos mit eingeblendeten Telegrammen oder öffentliche Feeds an Sammelportale sind in Deutschland nach verbreiteter Auffassung tabu. Das gilt auch, wenn die Daten anderswo im Netz bereits auftauchen. Kauf und Besitz eines SDR-Sticks bleiben dagegen erlaubt.

Diese Einordnung ist keine Rechtsberatung. Wenn du eine Empfangsanlage dauerhaft betreiben willst, lohnt sich eine fachkundige Auskunft.

Fehlersuche: wenn nichts ankommt

Symptom Mögliche Ursache Was du tun kannst
Gar keine Nachrichten falsche Frequenzen, Stick nicht gefunden Wasserfall prüfen, Seriennummer und Geräteindex kontrollieren
Bursts im Wasserfall, aber keine Dekodierung Frequenzversatz des Sticks ppm-Korrektur ermitteln und eintragen
Viel Rauschen, wenig Nachrichten Übersteuerung durch UKW-Rundfunk Verstärkung senken, UKW-Sperrfilter einsetzen
Nur Nachrichten von Flugzeugen am Boden in der Nähe Antenne zu niedrig oder ungeeignet Airband-Antenne höher und frei montieren
Deutlich weniger Verkehr als erwartet Datenfunk läuft über VDL Mode 2 zweiten Stick mit dumpvdl2 auf 136,975 MHz ergänzen

Ein Hinweis zur Erwartung: ACARS-Verkehr kommt in Wellen. Zu Umlaufzeiten an einem nahen Flughafen kann viel los sein, nachts herrscht oft lange Ruhe. Bewerte deine Anlage deshalb über mehrere Tage, nicht über eine Stunde.

ACARS, ADS-B und das Spotten

Für die meisten Spotter ist ACARS ein technisches Nebenprojekt, kein Werkzeug für den Alltag am Zaun. Die nützlichen Informationen – welches Kennzeichen hinter einer Flugnummer steckt, wann eine Maschine landet, wo sie gerade ist – bekommst du legal und bequemer über ADS-B und Flugverfolgung. Wie du ein bestimmtes Flugzeug über sein Kennzeichen findest, zeigt Flugzeug nach Kennzeichen verfolgen. Wie ADS-B und Transponder zusammenhängen, erklärt Mode S und Transponder.

Wer gerne mit Funktechnik experimentiert, lernt beim ACARS-Projekt trotzdem viel: Wie ein SDR mehrere Kanäle gleichzeitig verarbeitet, wie Docker-Container zusammenspielen und wie die Kommunikation zwischen Flugzeug und Airline technisch aufgebaut ist. Verwandte Projekte findest du in Flugfunk mit SDR-Stick empfangen.

Ist dein ACARS-Projekt startklar?

Hak ab, was du schon geklärt hast – am Ende siehst du, ob du loslegen kannst.

  • Ich habe die Rechtslage in meinem Land geprüft.
  • Ich habe einen eigenen SDR-Stick nur für das VHF-Band.
  • Meine Antenne ist für den Flugfunkbereich um 131 MHz ausgelegt.
  • Ich habe im Wasserfall gesehen, welche ACARS-Kanäle bei mir aktiv sind.
  • Mein Rechner läuft mit einem 64-Bit-System und Docker.
  • Ich teile keine Nachrichteninhalte öffentlich oder in Gruppen.

Aus Daten werden Fotos

Finde mit der Spot-Karte den passenden Standort, plane das Licht mit dem Sonnenstand-Planer und sammle deine Sichtungen im Hangar – mit Wunschliste für die Flieger, die noch fehlen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Fazit

ACARS-Empfang ist technisch ein überschaubares Projekt: ein zweiter SDR-Stick, eine Airband-Antenne, acarsdec auf den europäischen Kanälen zwischen etwa 131,5 und 131,9 MHz und auf Wunsch ACARS Hub als Weboberfläche. Wer mehr Datenfunk sehen will, ergänzt VDL Mode 2. Die eigentliche Hürde ist nicht die Technik, sondern das Recht. In Deutschland sind ACARS-Nachrichten nicht für dich bestimmt, und nach verbreiteter Auffassung ist schon die Weitergabe verboten. Kläre das, bevor du die Antenne aufs Dach schraubst.

Kurzfazit

acarsdec macht aus dem VHF-Datenfunk Text, ACARS Hub macht ihn durchsuchbar – beides läuft auf einem Raspberry Pi mit eigenem Stick und Airband-Antenne. Technisch ist das schnell erledigt. Rechtlich gilt in Deutschland nach verbreiteter Auffassung wie beim Sprechfunk das Abhör- und Mitteilungsverbot, deshalb bleiben Inhalte strikt privat.

Zusammenfassung

  • ACARS (Aircraft Communications Addressing and Reporting System) wurde Ende der 1970er-Jahre von ARINC eingeführt und überträgt auf VHF mit 2.400 Bit pro Sekunde kurze Datentelegramme.
  • Für den Empfang brauchst du einen SDR-Stick, eine Airband-Antenne und einen Rechner wie einen Raspberry Pi. acarsdec dekodiert mehrere Kanäle gleichzeitig aus einem Empfangsfenster.
  • ACARS Hub läuft als Docker-Container, nimmt Nachrichten von acarsdec und weiteren Decodern wie dumpvdl2 entgegen und speichert sie in einer lokalen Datenbank.
  • Viel Datenverkehr ist in Europa auf VDL Mode 2 gewandert. Wer mehr sehen will, ergänzt einen zweiten Stick für 136,975 MHz und weitere Kanäle.
  • Inhalte von ACARS-Nachrichten gehören nicht in Videos, Chats oder öffentliche Posts – in Deutschland gilt nach verbreiteter Auffassung schon die Weitergabe als verboten.

Häufige Fragen

Was ist ACARS?

ACARS steht für Aircraft Communications Addressing and Reporting System. Es ist ein digitaler Datenfunk zwischen Flugzeug und Bodenstationen, über den Airlines und Crews kurze Textnachrichten austauschen: Out-, Off-, On- und In-Zeiten, Wetterinformationen, Wartungs- und Triebwerksdaten, Positionsmeldungen oder Anfragen der Crew. Eingeführt hat das System ARINC im Jahr 1978.

Auf welchen Frequenzen läuft ACARS in Europa?

Als europäische ACARS-Kanäle gelten vor allem 131,525 und 131,725 MHz, dazu kommt ein weiterer Kanal, den Frequenzlisten je nach Quelle mit 131,825 oder 131,850 MHz angeben. Weltweit gilt 131,550 MHz als Hauptkanal, in Nordamerika kommen weitere Frequenzen wie 130,025 oder 130,450 MHz hinzu. Welche Kanäle an deinem Standort aktiv sind, zeigt dir am schnellsten ein Blick in das Wasserfalldiagramm deiner SDR-Software.

Brauche ich für ACARS einen eigenen SDR-Stick?

Wenn dein Stick bereits ADS-B auf 1090 MHz empfängt, ja. Ein RTL-SDR kann immer nur ein Frequenzfenster gleichzeitig abdecken. Für ACARS brauchst du einen zweiten Stick, der auf das VHF-Band um 131 MHz eingestellt ist – und für VDL Mode 2 idealerweise einen dritten.

Was ist der Unterschied zwischen acarsdec und ACARS Hub?

acarsdec ist der Decoder: Er liest die Daten vom SDR-Stick und wandelt das Funksignal in Text um, etwa als JSON. ACARS Hub dekodiert selbst nichts, sondern empfängt die Ausgaben von acarsdec und anderen Decodern, speichert sie in einer Datenbank und zeigt sie in einer Weboberfläche mit Suche, Statistik und Alarmbegriffen an.

Ist es in Deutschland erlaubt, ACARS zu empfangen?

ACARS-Nachrichten richten sich an Airlines, Dienstleister und Flugsicherung, nicht an die Allgemeinheit. Damit fallen sie nach verbreiteter Auffassung unter das Abhörverbot in § 5 TDDDG, das auch die Weitergabe von Inhalten und sogar der Tatsache des Empfangs verbietet. Kauf und Besitz eines SDR-Sticks sind dagegen erlaubt. Kläre die Lage vor dem Betrieb und hol dir im Zweifel rechtlichen Rat.

Warum sehe ich nur wenige ACARS-Nachrichten?

Häufige Ursachen sind eine ungeeignete Antenne, ein zu niedriger Standort, falsch eingestellte Verstärkung oder ein starker UKW-Rundfunksender in der Nähe. Dazu kommt, dass in Europa viel Datenverkehr inzwischen über VDL Mode 2 läuft. Wer nur die klassischen ACARS-Kanäle hört, sieht deshalb nur einen Teil des Datenfunks.

Kann ACARS Hub ACARS-Nachrichten auf einer Karte zeigen?

Ja, wenn du zusätzlich einen ADS-B-Empfänger betreibst. ACARS Hub kann die aircraft.json von tar1090 oder Ultrafeeder einlesen und zeigt dann Flugzeuge in Reichweite auf einer Karte. Ein Klick auf ein Flugzeug listet die zugehörigen Nachrichten.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

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