Das Wichtigste in Kürze
- Fast alle Einsteiger-Sticks sind RTL-SDRs: RTL-SDR Blog, FlightAware und Nooelec bauen auf dem RTL2832U-Chip mit 8-Bit-Wandler auf. Unterschiede liegen im Tuner, in Vorverstärker, Filter, Bias-Tee und Kühlung.
- Der Pro Stick ist ein Spezialist: Eingebauter Vorverstärker mit 19 dB, beim Pro Stick Plus zusätzlich ein 1090-MHz-Filter. Für ADS-B stark, für andere Frequenzen eher ungeeignet.
- Allround-Sticks brauchen Hilfe von außen: RTL-SDR Blog V4 und Nooelec SMArTee liefern über den Bias-Tee Strom für einen externen Vorverstärker an der Antenne – die flexiblere Lösung.
- Airspy ist die Oberklasse: 12-Bit-Wandler, 20 MSPS und die Software airspy_adsb holen mehr aus schwachen Signalen, verlangen aber deutlich mehr Rechenleistung.
- Die Antenne schlägt den Stick: Ein besserer Antennenplatz bringt meist mehr Reichweite als jedes Stick-Upgrade. Erst den Standort optimieren, dann die Hardware.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Die kurze Antwort
- 2.Was in einem SDR-Stick steckt
- 3.RTL-SDR Blog V4: der Allrounder
- 4.FlightAware Pro Stick und Pro Stick Plus: die Spezialisten
- 5.Nooelec NESDR: viele Varianten, solide Basis
- 6.Airspy Mini und R2: die Oberklasse
- 7.Alle vier im direkten Vergleich
- 8.Verstärkung richtig einstellen
- 9.Worauf du beim Kauf achten solltest
- 10.Fazit
Ein Raspberry Pi ist schnell gekauft, eine Antenne auch – aber beim Empfänger selbst wird es unübersichtlich. Billige DVB-T-Sticks, FlightAware-Sticks mit eingebautem Vorverstärker, Aluminiumgehäuse von Nooelec, dazu der Airspy als Profi-Option: Wer einen SDR-Stick für ADS-B sucht, findet Dutzende Varianten, die auf den ersten Blick alle dasselbe tun. Dieser Vergleich zeigt dir, worin sich RTL-SDR Blog, FlightAware Pro Stick, Nooelec NESDR und Airspy technisch unterscheiden, was die Datenblatt-Werte für den Empfang auf 1090 MHz wirklich bedeuten und welcher Stick zu welchem Standort passt.
Vom Radar-Punkt zum Foto im Hangar
Dein Empfänger zeigt dir, was gerade über dir fliegt – in Planetrack hältst du die Sichtung mit Foto, Kennzeichen, Typ, Airline und Spot fest. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Die kurze Antwort
Für eine reine ADS-B-Station ist ein Stick mit eingebautem Vorverstärker und 1090-MHz-Filter wie der FlightAware Pro Stick Plus die bequemste Wahl: einstecken, Feeder-Image starten, fertig. Willst du den Stick auch für Flugfunk, ACARS oder andere Frequenzen nutzen, ist ein Allrounder wie der RTL-SDR Blog V4 oder ein Nooelec SMArTee die bessere Basis – bei Bedarf ergänzt um einen externen Vorverstärker an der Antenne. Ein Airspy Mini ist die Oberklasse für Feeder, deren Antenne bereits optimal sitzt und die mit mehr Rechenleistung noch mehr Nachrichten herausholen wollen.
Wie ein kompletter Empfänger aufgebaut ist, erklärt der Guide ADS-B-Empfänger selber bauen. Hier geht es nur um das Herzstück: den Stick.
Was in einem SDR-Stick steckt
Fast alle günstigen Sticks gehen auf dieselbe Entdeckung zurück: Bastler fanden heraus, dass sich aus massenhaft produzierten DVB-T-Fernsehsticks mit dem Chip RTL2832U die rohen Funkdaten auslesen lassen. Aus dem TV-Empfänger wurde so ein universelles Software-Defined Radio – das RTL-SDR. Die eigentliche Signalverarbeitung erledigt die Software auf dem Rechner.
Ein RTL-SDR besteht im Kern aus zwei Bausteinen:
- Tuner: Er setzt das Antennensignal auf eine Zwischenfrequenz um. Verbreitet sind die Tuner der R820T-Familie (R820T2, R860) sowie neuere Varianten wie der R828D. Laut RTL-SDR.com decken R820T-Tuner etwa 24 bis 1766 MHz ab – 1090 MHz liegt bequem darin.
- RTL2832U: Er digitalisiert das Signal mit einem 8-Bit-Wandler und schickt es per USB an den Rechner. Die effektive Auflösung schätzt RTL-SDR.com auf etwa 7 Bit, die maximale Abtastrate auf 3,2 Millionen Samples pro Sekunde, wobei bis 2,56 MS/s keine Samples verloren gehen.
Die 8 Bit sind die Achillesferse: Ein starkes Signal – etwa ein Flugzeug direkt über dir oder ein Mobilfunkmast in der Nähe – und ein sehr schwaches Signal eines weit entfernten Flugzeugs müssen gleichzeitig in diesen kleinen Wertebereich passen. Ist die Verstärkung zu hoch, übersteuert der Stick; ist sie zu niedrig, gehen die fernen Signale im Rauschen unter. Fast alle Unterschiede zwischen den Sticks drehen sich darum, dieses Problem zu entschärfen.
Die Merkmale, auf die es bei ADS-B ankommt
| Merkmal | Was es tut | Bedeutung für ADS-B |
|---|---|---|
| Eingebauter LNA | verstärkt das Signal direkt am Eingang, bevor der Tuner rauscht | hoch, vor allem bei langem Kabel oder schwachem Tuner |
| 1090-MHz-Filter | lässt nur das ADS-B-Band durch | hoch in Städten und nahe Sendern, auf dem Land oft unnötig |
| Bias-Tee | liefert Strom über die Antennenbuchse an einen externen LNA | hoch, wenn du einen Mast-Vorverstärker einsetzt |
| TCXO | stabilisiert die Frequenz gegen Temperaturdrift | gering bis mittel, wichtiger für schmalbandigen Funk |
| Metallgehäuse/Kühlung | leitet Wärme ab, schirmt Störungen ab | mittel, relevant im 24/7-Dauerbetrieb |
| ADC-Auflösung | Dynamikbereich des Wandlers | hoch, der Hauptvorteil der Airspy-Modelle |
RTL-SDR Blog V4: der Allrounder
Die Sticks von RTL-SDR Blog gelten als Referenz unter den Allround-RTL-SDRs. Das aktuelle Hauptmodell, der V4, nutzt laut Hersteller den Tuner R828D, einen TCXO mit 1 ppm und einen Bias-Tee mit 4,5 Volt, der sich per Software ein- und ausschalten lässt und dauerhaft bis zu 180 mA liefert. Das Aluminiumgehäuse kühlt passiv über ein Wärmeleitpad. Gegenüber dem Vorgänger V3 hat der V4 eine verbesserte Eingangsfilterung und ist laut RTL-SDR.com weniger anfällig dafür, von starken Rundfunksendern übersteuert zu werden. Kurzwelle empfängt er über einen eingebauten Aufwärtswandler.
Für ADS-B heißt das: Ohne Zusatzteile ist der V4 ein solider Empfänger, aber kein Spezialist – ihm fehlen Vorverstärker und Bandfilter direkt für 1090 MHz. Seine Stärke liegt in der Flexibilität. Über den Bias-Tee versorgst du einen LNA mit Filter direkt an der Antenne, und schon spielt der Stick in der Liga der ADS-B-Spezialisten mit. Passende LNA-Filter-Kombinationen für 1090 MHz gibt es von mehreren Anbietern, auch aus dem RTL-SDR-Umfeld selbst. Wie du so eine Kette aufbaust, beschreibt der Guide ADS-B-Reichweite steigern mit LNA und Filter.
Zwei Dinge solltest du wissen: Der V4 braucht aktualisierte Treiber – mit alten RTL-SDR-Treibern funktioniert er laut Hersteller nicht korrekt. Prüfe also, ob dein Dekoder bzw. dein Feeder-Image eine aktuelle Treiberversion mitbringt. Außerdem führt der Hersteller inzwischen eine Variante V4L mit dem Tuner R828S und einfacherer Eingangsweiche, für die er eine bessere Empfindlichkeit angibt; auch sie benötigt neuere Treiber.
Allrounder für mehr als ADS-B
Wer neben ADS-B auch Flugfunk hören oder ACARS-Nachrichten dekodieren will, fährt mit einem Allround-Stick besser. Einstiege dazu findest du in den Guides Flugfunk mit SDR-Stick empfangen und ACARS-Nachrichten empfangen. Für einen 24/7-Feeder plus Experimente lohnt sich ein zweiter Stick.
FlightAware Pro Stick und Pro Stick Plus: die Spezialisten
FlightAware hat seine Sticks gezielt für die eigenen Feeder-Stationen entwickelt. Beide Modelle nutzen den Tuner R820T2, einen eingebauten Vorverstärker mit 19 dB Verstärkung und 0,4 dB Rauschzahl, einen TCXO mit 0,5 ppm und eine SMA-Buchse. Sie ziehen laut Datenblatt rund 300 mA aus dem USB-Port.
- Pro Stick: Vorverstärker ohne Filter. FlightAware nennt eine Reichweitensteigerung von 20 bis 100 Prozent bei Mode-S-Nachrichten gegenüber herkömmlichen RTL-SDR-Sticks.
- Pro Stick Plus: zusätzlich ein Bandpassfilter für 1075 bis 1105 MHz mit 2,3 dB Durchgangsdämpfung, der Signale außerhalb des Bands um 30 dB unterdrückt. Dort, wo Filterung hilft, gibt FlightAware 10 bis 20 Prozent mehr Mode-S-Nachrichten an.
Der eingebaute Vorverstärker hat eine Kehrseite: Er verstärkt alles, auch Störsignale. FlightAware rät beim Pro Stick ausdrücklich, ein 1090-MHz-Filter einzusetzen und/oder die Verstärkung im Dekoder zu reduzieren. Genau dafür gibt es den Plus. Für ländliche Standorte ohne starke Sender in der Nähe rät FlightAware dagegen in der Regel von einer Filterung ab.
Die Pro Sticks funktionieren nicht nur mit PiAware, sondern mit jeder RTL-SDR-Software – also auch mit readsb oder den Feedern anderer Netzwerke. Weil Filter und LNA auf 1090 MHz zugeschnitten sind, taugt besonders der Plus aber kaum für andere Frequenzen. Auch 978 MHz (UAT) fällt durch das Filter, was in Europa allerdings keine Rolle spielt; warum, erklärt der Artikel UAT auf 978 MHz.
Dafür spricht
- LNA (und beim Plus Filter) ab Werk – keine Zusatzteile nötig
- optimiert und dokumentiert für ADS-B-Feeder
- kompatibel mit gängiger RTL-SDR-Software
- bequemer Einstieg mit Fenster- oder Dachantenne
Dagegen spricht
- kaum für Flugfunk oder andere Bänder nutzbar (vor allem der Plus)
- Pro Stick ohne Filter neigt in der Stadt zur Übersteuerung
- LNA im Stick sitzt hinter dem Kabel – Kabelverluste kompensiert er nicht
- höherer Strombedarf über USB
Der letzte Punkt ist wichtig: Ein Vorverstärker wirkt am besten vor den Kabelverlusten, also direkt an der Antenne. Bei einer Dachantenne mit langem Koaxkabel holt ein externer LNA am Mast deshalb meist mehr heraus als der LNA im Stick.
Seltene Gäste nicht verpassen
Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Typ, eine Airline oder eine Special Livery deinen Flughafen anfliegt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Nooelec NESDR: viele Varianten, solide Basis
Der Hersteller Nooelec bietet eine ganze Familie von RTL-SDR-Sticks unter dem Namen NESDR an. Alle basieren auf dem RTL2832U, die Unterschiede liegen in Tuner, Gehäuse, Taktgeber und Bias-Tee. Für ADS-B relevant sind vor allem diese Modelle (Preise laut Nooelec-Shop in US-Dollar, Stand Oktober 2026):
| Modell | Besonderheit | TCXO | Bias-Tee | Preis laut Shop |
|---|---|---|---|---|
| NESDR SMArt v5 | R820T2/R860-Tuner, Alugehäuse, 100 kHz bis 1,75 GHz | 0,5 ppm | nicht angegeben | 54,95 USD |
| NESDR SMArTee v2 | R820T2, Alugehäuse | 0,5 ppm | ja | 44,95 USD |
| NESDR SMArTee XTR | erweiterter Frequenzbereich, Alugehäuse | 0,5 ppm | ja | 54,95 USD |
| NESDR Nano 3 | sehr klein, Alugehäuse mit eigenem Kühlkörper | 0,5 ppm | nicht angegeben | 52,95 USD |
| NESDR Mini | einfacher Basis-Stick mit R820T | nicht angegeben | nicht angegeben | 44,95 USD |
Für eine stationäre ADS-B-Station mit Mast-LNA ist ein SMArTee die naheliegende Wahl, weil er den Vorverstärker über den Bias-Tee versorgen kann. Die Modelle ohne Bias-Tee funktionieren genauso – dann brauchst du entweder keinen externen LNA oder eine separate Stromeinspeisung. Der Nano 3 ist dank seiner Größe beliebt, wenn der Stick direkt am Laptop oder Smartphone steckt; für den mobilen Einsatz am Zaun lohnt ein Blick in den Guide Mobiler ADS-B-Empfang am Spot. Die XTR-Modelle mit erweitertem Frequenzbereich bringen für 1090 MHz keinen Vorteil – sie sind eher für Nutzer interessant, die auch oberhalb von 1,7 GHz hören wollen.
Ohne eingebauten ADS-B-LNA liegen die Nooelec-Sticks in der Grundleistung grob auf dem Niveau anderer guter RTL-SDRs. Ihre Stärken sind solide Verarbeitung, Metallgehäuse und präzise Taktgeber.
Airspy Mini und R2: die Oberklasse
Die Airspy-Empfänger spielen in einer anderen Liga. Statt eines 8-Bit-Wandlers nutzen sie einen 12-Bit-ADC mit 20 MSPS, laut Hersteller mit 10,4 effektiven Bit und 95 dB störungsfreiem Dynamikbereich. Das bedeutet: Starke und schwache Signale passen gleichzeitig deutlich besser in den Wertebereich – genau das Problem, an dem RTL-SDRs bei ADS-B am häufigsten scheitern.
| Airspy Mini | Airspy R2 | |
|---|---|---|
| Frequenzbereich | 24–1700 MHz | 24–1700 MHz |
| Wandler | 12 Bit, 20 MSPS | 12 Bit, 20 MSPS |
| IQ-Ausgaberaten | 10, 6 oder 3 MSPS | 10 MSPS, experimentell 2,5 MSPS |
| Bias-Tee | 4,5 V, per Software | 4,5 V, per Software |
| Takt | 0,5 ppm | 0,5 ppm, externer Takteingang 10–100 MHz |
Für ADS-B nutzt man die Airspys mit dem speziellen Dekoder airspy_adsb, der die Daten an readsb oder dump1090-fa weiterreicht. Die verbreitete Konfiguration aus der Community (airspy-conf von wiedehopf) arbeitet mit 12 oder 20 MSPS. Beim Mini sind 20 MSPS laut dieser Anleitung offiziell nicht unterstützt, verursachen leichter MLAT-Probleme und bringen gegenüber 12 MSPS nur einen kleinen Gewinn – weniger als drei Prozent mehr Positionen bei deutlich höherer CPU-Last. Die Verstärkung stellst du in Stufen von 0 bis 21 ein, jede Stufe entspricht etwa 3 dB.
Der Haken ist offensichtlich: Ein Airspy kostet ein Vielfaches eines RTL-SDR-Sticks, und airspy_adsb beansprucht den Prozessor spürbar stärker als ein RTL-Dekoder. Auf älteren oder sehr kleinen Einplatinenrechnern wird es eng. Was das konkret bedeutet und wie du die Konfiguration aufsetzt, erklärt der Guide Airspy Mini/R2 für ADS-B. Wenn du über Alternativen zum Raspberry Pi nachdenkst, hilft ADS-B-Empfang ohne Raspberry Pi.
Alle vier im direkten Vergleich
| Kriterium | RTL-SDR Blog V4 | FlightAware Pro Stick Plus | Nooelec SMArTee | Airspy Mini |
|---|---|---|---|---|
| Wandler | 8 Bit | 8 Bit | 8 Bit | 12 Bit, 20 MSPS |
| Basis | RTL2832U + R828D | RTL2832U + R820T2 | RTL2832U + R820T2 | eigene Plattform mit R820T2-Tuner, ohne RTL2832U |
| LNA eingebaut | nein | ja, 19 dB | nein | nein |
| 1090-MHz-Filter | nein | ja | nein | nein |
| Bias-Tee | ja, 4,5 V | nein | ja | ja, 4,5 V |
| TCXO/Takt | 1 ppm | 0,5 ppm | 0,5 ppm | 0,5 ppm |
| Andere Frequenzen | sehr gut | kaum | sehr gut | sehr gut |
| CPU-Bedarf für ADS-B | gering | gering | gering | hoch |
| Stärke | Flexibilität | Plug-and-Play für ADS-B | Verarbeitung, Varianten | Dynamikbereich |
Die Tabelle beschreibt den Stick allein. In der Praxis zählt die Kette: Antenne, Kabel, eventuell LNA und Filter, Stick, Dekoder. Ein RTL-SDR Blog V4 mit Mast-LNA kann einen Pro Stick Plus mit Fensterantenne deutlich übertreffen – und eine schlecht platzierte Antenne bremst auch einen Airspy aus.
Welcher Stick passt zu deiner Station?
FlightAware Pro Stick Plus
LNA und Filter sind eingebaut, die Einrichtung mit einem Feeder-Image ist schnell erledigt. Ideal für eine reine ADS-B-Station mit kurzer Antennenleitung.
RTL-SDR Blog V4 oder Nooelec SMArTee mit Mast-LNA
Der Bias-Tee versorgt einen Vorverstärker mit Filter direkt an der Antenne – das gleicht Kabelverluste aus und lässt dir die Freiheit, andere Frequenzen zu empfangen.
Airspy Mini mit airspy_adsb
Mehr Dynamikbereich für ausgereizte Antennenanlagen. Plane genug CPU-Reserve ein und starte mit 12 MSPS, bevor du höhere Abtastraten ausprobierst.
Verstärkung richtig einstellen
Egal welcher Stick: Die Gain-Einstellung entscheidet mit über das Ergebnis. Zu viel Verstärkung übersteuert den Wandler, nahe Flugzeuge werden verzerrt, und Störsignale fluten den Eingang. Zu wenig Verstärkung kostet Reichweite.
- readsb nutzt bei RTL-SDR-Sticks standardmäßig einen eigenen Autogain-Algorithmus, der laut Projektbeschreibung für ADS-B optimiert ist. Für den Einstieg ist das ein guter Ausgangspunkt; die Installation beschreibt der Guide readsb und tar1090 installieren.
- Sticks mit eingebautem LNA wie der Pro Stick brauchen meist eine niedrigere Software-Verstärkung als einfache Sticks.
- Beim Airspy steigerst du die Verstärkung laut airspy-conf schrittweise vom Minimum aus, bis die stärksten Flugzeuge knapp unter 0 dBFS liegen.
Ob eine Änderung etwas bringt, siehst du nicht am Bauchgefühl, sondern in den Statistiken deiner Station: Nachrichtenrate, Anzahl der Positionen, Reichweitenpolar. Wie du das auswertest, zeigt Empfangsleistung messen mit graphs1090. Ändere immer nur einen Parameter und beobachte mindestens einen Tag mit normalem Verkehr.
Worauf du beim Kauf achten solltest
- Erst die Antenne, dann der Stick. Ein höherer, freierer Antennenplatz bringt fast immer mehr als ein Stick-Upgrade. Tipps dazu gibt es in Den besten Antennenstandort finden und 1090-MHz-Antenne selber bauen.
- Vorsicht bei No-Name-Sticks. Billige DVB-T-Sticks ohne TCXO und Metallgehäuse funktionieren zwar oft, driften aber stärker, werden heiß und sind schlechter abgeschirmt. Für einen 24/7-Feeder lohnt der kleine Aufpreis zu einem Markenmodell.
- Bias-Tee nicht versehentlich einschalten. Liegt Spannung auf der Antennenbuchse, obwohl nur eine passive Antenne oder ein Splitter dranhängt, riskierst du Schäden. Schalte ihn nur ein, wenn ein LNA wirklich darauf angewiesen ist.
- USB-Stromversorgung beachten. Sticks mit eingebautem LNA ziehen spürbar Strom. Ein schwaches Netzteil am Raspberry Pi führt zu Abbrüchen.
- Treiberstand prüfen. Neuere Sticks wie der RTL-SDR Blog V4 brauchen aktuelle Treiber. Ältere Images oder Programme erkennen sie unter Umständen nicht richtig.
- Mehrere Netzwerke, ein Stick. Du brauchst keinen zweiten Stick, um mehrere Flugradar-Dienste zu beliefern. Wie das funktioniert, erklären Feeder-Programme im Vergleich und Mehrere Netzwerke feeden mit Ultrafeeder.
Wer gar nicht basteln will, findet im Artikel ADS-B-Fertigempfänger kaufen Komplettlösungen, bei denen Stick, Rechner und Software schon zusammenpassen. Und weil ein guter Stick auch die Grundlage für MLAT-Berechnungen liefert, lohnt sich ein Blick auf MLAT verständlich erklärt.
Bist du bereit für den Stick-Kauf?
- Ich weiß, ob ich nur ADS-B oder auch andere Frequenzen empfangen will.
- Ich kenne meinen Antennenplatz und die ungefähre Kabellänge.
- Ich weiß, ob in der Nähe starke Sender wie Mobilfunkmasten stehen.
- Ich habe entschieden, ob ich einen externen LNA einsetze.
- Mein Rechner hat genug Leistung und ein ausreichend starkes Netzteil.
- Mein Dekoder oder Feeder-Image unterstützt den gewählten Stick.
Deine Station, deine Sichtungen
Gleiche die Flugzeuge aus deinem Empfänger mit dem ab, was du am Zaun fotografierst: Poste Sichtungen mit Kennzeichen, sammle sie im Hangar und finde auf der Spot-Karte die besten Plätze in deiner Nähe. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Für ADS-B auf 1090 MHz brauchst du keinen teuren Empfänger – fast jeder gute RTL-SDR-Stick dekodiert die Signale zuverlässig. Die Unterschiede liegen im Detail: Der FlightAware Pro Stick Plus bringt Vorverstärker und Filter ab Werk mit und ist damit die einfachste Lösung für eine reine ADS-B-Station. RTL-SDR Blog V4 und Nooelec SMArTee sind flexible Allrounder, die mit einem LNA an der Antenne gleichziehen und nebenbei Flugfunk oder ACARS empfangen. Der Airspy Mini ist die Wahl für Feeder, die ihre Antenne ausgereizt haben und mit mehr Dynamikbereich und Rechenleistung das Maximum herausholen wollen. Welche Daten du mit deiner Station empfangen und weitergeben darfst, klärt der Artikel zur Rechtslage beim ADS-B-Empfang.
Kurzfazit
Reine ADS-B-Station mit kurzer Leitung: Pro Stick Plus. Dachantenne mit langem Kabel oder Lust auf mehr Frequenzen: RTL-SDR Blog V4 oder Nooelec SMArTee plus Mast-LNA. Ausgereizte Anlage mit starker Hardware: Airspy Mini. Und vor jedem Stick-Upgrade zuerst die Antenne höher und freier setzen.
Zusammenfassung
- Für ADS-B auf 1090 MHz reicht im Prinzip jeder RTL-SDR-Stick mit R820T2- oder vergleichbarem Tuner. Entscheidend sind Rauschverhalten, Schutz vor starken Störsignalen und stabile Taktung.
- FlightAware gibt für den Pro Stick 20 bis 100 Prozent mehr Reichweite bei Mode-S-Nachrichten gegenüber herkömmlichen RTL-SDR-Sticks an, für den Pro Stick Plus in störungsreicher Umgebung weitere 10 bis 20 Prozent mehr Nachrichten.
- RTL-SDR Blog V4 und die Nooelec-Modelle sind Allrounder, die neben ADS-B auch Flugfunk, ACARS oder VDL2 empfangen. Mit externem LNA und Filter erreichen sie ADS-B-Leistung auf Spezialisten-Niveau.
- Airspy Mini und R2 sind deutlich teurer und rechenhungriger, liefern mit airspy_adsb aber eine sehr gute Dekodierleistung – vor allem für Stationen mit ausgereizter Antennenanlage.
Häufige Fragen
Welcher SDR-Stick ist der beste für ADS-B?
Den einen besten gibt es nicht. Für eine reine ADS-B-Station ohne weitere Bastelpläne ist der FlightAware Pro Stick Plus eine bequeme Wahl, weil Vorverstärker und 1090-MHz-Filter schon eingebaut sind. Wer den Stick auch für Flugfunk oder andere Frequenzen nutzen will, greift zu einem Allrounder wie dem RTL-SDR Blog V4 oder einem Nooelec SMArTee und ergänzt bei Bedarf einen externen Vorverstärker. Ein Airspy Mini lohnt sich vor allem für ambitionierte Feeder mit guter Antenne und ausreichend Rechenleistung.
Was ist der Unterschied zwischen Pro Stick und Pro Stick Plus?
Beide nutzen laut FlightAware den R820T2-Tuner, einen eingebauten Vorverstärker mit 19 dB Verstärkung und 0,4 dB Rauschzahl sowie einen TCXO mit 0,5 ppm. Der Pro Stick Plus hat zusätzlich ein Bandpassfilter für 1075 bis 1105 MHz, das Signale außerhalb dieses Bereichs um 30 dB dämpft. FlightAware empfiehlt die Filterung vor allem in Städten oder in der Nähe starker Sender wie Mobilfunkmasten, auf dem Land meist nicht.
Brauche ich für ADS-B einen Stick mit Bias-Tee?
Nur, wenn du einen Vorverstärker (LNA) direkt an der Antenne betreiben willst, der über das Antennenkabel mit Strom versorgt wird. Der Bias-Tee legt dazu eine Spannung auf die Antennenbuchse. RTL-SDR Blog V4 und die Airspy-Modelle liefern laut Hersteller 4,5 Volt, auch die Nooelec-SMArTee-Modelle haben einen Bias-Tee. Ohne LNA brauchst du den Bias-Tee nicht – und solltest ihn ausgeschaltet lassen.
Lohnt sich ein Airspy für ADS-B?
Für Einsteiger meist nicht. Ein Airspy Mini kostet ein Vielfaches eines RTL-SDR-Sticks und braucht für airspy_adsb spürbar mehr CPU-Leistung. Der Mehrwert zeigt sich vor allem bei Stationen, deren Antenne schon gut platziert ist und die das letzte Quäntchen Reichweite und Nachrichtenrate herausholen wollen.
Was bringt ein TCXO bei ADS-B?
Ein temperaturkompensierter Quarzoszillator hält die Frequenz des Sticks stabil, auch wenn er warm wird. Für die reine ADS-B-Dekodierung ist das weniger kritisch als für schmalbandige Signale wie Flugfunk, bei denen eine Frequenzdrift sofort hörbar ist. Die meisten hier verglichenen Markenmodelle haben laut Hersteller einen TCXO bzw. Takt mit 0,5 bis 1 ppm.
Kann ich mit dem gleichen Stick auch 978 MHz (UAT) empfangen?
Grundsätzlich ja, die Allround-Sticks decken 978 MHz ab. Der Pro Stick Plus ist mit seinem eingebauten 1090-MHz-Filter dafür jedoch ungeeignet, weil 978 MHz außerhalb des Durchlassbereichs liegt. UAT wird ohnehin nur in den USA genutzt; in Europa ist 1090 MHz der relevante Kanal.
Wird ein SDR-Stick im Dauerbetrieb heiß?
Ja, RTL-SDR-Sticks werden im 24/7-Betrieb spürbar warm. Deshalb setzen die besseren Modelle auf Aluminiumgehäuse; der RTL-SDR Blog V4 leitet die Wärme zusätzlich über ein Wärmeleitpad ans Gehäuse ab, der Nooelec Nano 3 hat einen eigenen Kühlkörper. Sorge im Gehäuse oder Schaltschrank für etwas Luft um den Stick.
Weiterlesen in ADS-B, MLAT & Empfänger
- ACARS-Nachrichten mit SDR empfangen: acarsdec und ACARS Hub
- 1090-MHz-Antenne selber bauen: Spider, Collinear und Groundplane
- Den besten Antennenstandort finden: Höhe, Sichtlinie, Kabel und Dämpfung
- ADS-B-Daten empfangen und teilen: Was ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz erlaubt?
- ADS-B-Empfänger im Freien betreiben: Gehäuse, Kühlung, Blitzschutz und Strom
- Was Feeder als Gegenleistung bekommen: Gratis-Abos von FR24, FlightAware, AirNav Radar und Plane Finder
Das könnte dich auch interessieren
ADS-B-Empfänger selber bauen: Raspberry Pi, Stick und Antenne
Raspberry Pi, SDR-Stick, Antenne – mehr braucht ein eigener ADS-B-Empfänger nicht. Welche Teile sich bewährt haben, wo die Antenne hingehört, welche Software es gibt und worauf du rechtlich und technisch achten solltest.
ADS-B, MLAT & EmpfängerADS-B-Reichweite steigern: LNA, 1090-MHz-Filter, Gain und Kabelwahl
Deine Station läuft, aber da geht noch mehr? So holst du mit sauber eingestelltem Gain, dem passenden 1090-MHz-Filter, einem Vorverstärker an der richtigen Stelle und dem richtigen Kabel die letzten Kilometer heraus – und vermeidest typische Fehlkäufe.
ADS-B, MLAT & EmpfängerAirspy Mini und R2 mit airspy_adsb: maximaler ADS-B-Empfang
Wann sich ein Airspy statt eines RTL-SDR-Sticks lohnt, wie airspy_adsb mit readsb oder dump1090-fa zusammenarbeitet und welche Einstellungen bei Samplerate, Gain und CPU-Last wirklich zählen.



