Warum Flüge verspätet sind: Verspätungscodes, Umläufe und Flusssteuerung

Fast die Hälfte aller Verspätungsminuten in Europa ist nur weitergereicht. Wie Umläufe, Verspätungscodes und ATFM-Slots zusammenhängen und was das für deine Planung am Zaun bedeutet.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Verspätungen sind geerbt: In Europa entfielen 2024 laut Eurocontrol 46 Prozent aller Verspätungsminuten auf Folgeverspätungen – das Flugzeug kam schlicht zu spät vom Vorflug.
  • Jede Verspätung bekommt einen Code: Airlines ordnen Abflugverspätungen zweistelligen IATA-Codes zu. Die erste Ziffer verrät die Ursachengruppe, etwa 4x für Technik, 7x für Wetter, 8x für Flugsicherung und Flughafen, 9x für Folgeverspätungen.
  • Der Umlauf ist die Kette: Ein Kurzstreckenjet fliegt oft mehrere Strecken am Tag. Reicht die Bodenzeit nicht, um eine Verspätung aufzufangen, wandert sie bis zum Abend mit.
  • Slots halten Flugzeuge am Boden: Ist ein Luftraum oder ein Zielflughafen überlastet, vergibt der Network Manager von Eurocontrol eine berechnete Startzeit (CTOT). Das Flugzeug wartet dann am Gate statt in der Warteschleife.
  • Für Spotter planbar: Wer Umlauf, Tageszeit und Slot-Lage kennt, kann abschätzen, ob ein Wunschflieger heute früher, später oder gar nicht am Spot auftaucht.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Warum Flüge verspätet sind: die kurze Antwort
  2. 2.Der Umlauf: warum eine Verspätung den ganzen Tag mitläuft
  3. 3.Die IATA-Verspätungscodes im Überblick
  4. 4.Primärursachen: was am Boden und in der Luft bremst
  5. 5.ATFM-Slot und CTOT: warten am Boden statt in der Luft
  6. 6.Pünktlich oder verspätet: wo die Grenze liegt
  7. 7.Was das für deine Planung am Spot bedeutet
  8. 8.Worauf du achten solltest
  9. 9.Fazit

Der Ankunftsmonitor springt auf „verspätet“, der Langstreckenjet, für den du extra früh am Zaun stehst, kommt eine Stunde später – und keiner sagt dir, warum. Dabei folgen Flugverspätungen einer recht klaren Logik. Hinter fast jeder Verspätung steckt eine von wenigen Ursachengruppen, die Airlines mit Verspätungscodes dokumentieren, und ein großer Teil davon ist schlicht vom Vorflug geerbt. Dieser Guide erklärt dir, wie Umläufe, Codes und Flusssteuerung zusammenhängen – und wie du daraus am Spot einen echten Planungsvorteil machst.

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Warum Flüge verspätet sind: die kurze Antwort

Ein Flug ist verspätet, weil an irgendeiner Stelle der Kette aus Flugzeug, Crew, Passagieren, Abfertigung, Luftraum und Flughafen etwas länger dauert als geplant – und weil sich diese Verzögerung über den Umlauf des Flugzeugs auf spätere Flüge überträgt. Die Branche unterscheidet deshalb zwischen der Primärverspätung, die an einem Flughafen neu entsteht, und der Folgeverspätung (englisch reactionary delay), die ein Flug nur weiterreicht.

Wie groß der zweite Anteil ist, zeigen die Zahlen der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol: Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Verspätung pro Flug in Europa bei 17,5 Minuten. Davon gingen 8,0 Minuten auf das Konto von Folgeverspätungen – 46 Prozent aller Verspätungsminuten. Auf Platz zwei folgten Ursachen bei den Airlines selbst mit 4,3 Minuten pro Flug, dahinter Flusssteuerung im Streckenluftraum mit 2,3 Minuten und Einschränkungen an Flughäfen mit 1,7 Minuten.

17,5 mindurchschnittliche Verspätung pro Flug in Europa 2024
46 %der Verspätungsminuten waren Folgeverspätungen
72,4 %der Flüge kamen innerhalb von 15 Minuten an

Quelle der Zahlen ist der Jahresbericht des Eurocontrol-Verspätungsdienstes CODA für 2024. Die Werte schwanken von Jahr zu Jahr und von Monat zu Monat deutlich; im Juli 2024 etwa erreichte die Verspätung durch Flusssteuerung im Streckenluftraum mit 5,7 Minuten pro Flug einen Rekordwert.

Der Umlauf: warum eine Verspätung den ganzen Tag mitläuft

Um Folgeverspätungen zu verstehen, musst du in Umläufen denken. Ein Kurzstreckenjet wie die Boeing 737-800 oder der Airbus A321neo fliegt an einem Tag oft vier, sechs oder mehr Strecken nacheinander. Zwischen zwei Flügen liegt die geplante Bodenzeit, in der ausgestiegen, entladen, gereinigt, betankt, beladen und wieder eingestiegen wird – der Turnaround.

Jede Airline plant für jeden Flugzeugtyp und Flughafen eine Mindestbodenzeit, also die kürzeste Zeit, in der ein Turnaround zuverlässig gelingt. Liegt die geplante Bodenzeit darüber, steckt Puffer im Umlauf. Dieser Puffer ist das Einzige, was eine ankommende Verspätung schrumpfen lassen kann. Ist er aufgebraucht, startet das Flugzeug genauso verspätet weiter, wie es angekommen ist – plus allem, was am Boden zusätzlich schiefgeht.

Dazu kommt, dass nicht nur das Flugzeug wandert. Auch Crews wechseln zwischen Maschinen, und Umsteigepassagiere oder umgeladenes Gepäck verbinden Flüge miteinander. Wartet ein Flug auf eine verspätete Crew von einer anderen Maschine, ist das ebenfalls eine Folgeverspätung, nur eben über einen anderen Pfad.

Wie stark sich eine Verspätung weiterträgt, kannst du mit der einfachen Umlauf-Logik selbst abschätzen:

Wie viel Verspätung erbt der nächste Flug?

Gib ein, wie verspätet das Flugzeug ankommt, wie lang die geplante Bodenzeit ist und wie viel Zeit der Turnaround mindestens braucht.

Vereinfachtes Modell: Es setzt voraus, dass am Boden alles nach Plan läuft und kein Slot oder Crewwechsel hinzukommt. Die Beispielwerte sind frei gewählt, keine Planwerte einer bestimmten Airline.

Für dich am Zaun folgt daraus eine wichtige Regel: Morgens ist der Flugplan am verlässlichsten, abends am wenigsten. Die ersten Wellen starten mit Flugzeugen, die über Nacht am Abflugort standen, und mit ausgeruhten Crews. Im Laufe des Tages sammeln sich Störungen, und am Nachmittag und Abend trägt manches Flugzeug die Verspätung von drei oder vier Vorflügen mit sich.

Die IATA-Verspätungscodes im Überblick

Damit Airlines, Abfertiger und Flughäfen auswerten können, wo es hakt, wird jede Abflugverspätung einer Ursache zugeordnet. Dafür gibt es ein standardisiertes System zweistelliger IATA-Verspätungscodes. Die Codes werden in den Bewegungsmeldungen übermittelt, die zwischen den Stationen ausgetauscht werden, zusammen mit der Anzahl der Minuten. Hat eine Verspätung mehrere Ursachen, können mehrere Codes mit ihren jeweiligen Minuten angegeben werden. Viele Airlines ergänzen die Codes intern um eigene Unterkategorien; diese sind aber nicht einheitlich.

Die erste Ziffer verrät dir die Ursachengruppe:

Codegruppe Ursachenbereich Typische Beispiele
0x interne Airline-Verwendung frei für eigene Zwecke einzelner Airlines
1x Passagiere und Gepäck späte Annahme von Fluggästen (11), Probleme beim Boarding, etwa fehlende Passagiere am Gate (15)
2x Fracht und Post Verzögerungen bei Dokumenten oder Verladung von Fracht
3x Abfertigung am Flugzeug verspätete oder fehlerhafte Ladepapiere wie das Loadsheet (31), Beladung, Betankung, Catering
4x Technik technischer Defekt am Flugzeug (41), Wartung, Ersatzflugzeug
5x Schäden und IT-Ausfälle beschädigtes Flugzeug, Ausfall von Systemen
6x Flugbetrieb und Crew verspätetes Erscheinen oder Boarding der Crew (63), Flugplanung, Crewmangel
7x Wetter Wetter am Abflugort (71), am Zielort, unterwegs; Enteisung
8x Flugsicherung, Flughafen, Behörden Flusssteuerung im Streckenluftraum (81), Einschränkungen am Zielflughafen (83), Einschränkungen am Abflugflughafen (89)
9x Folgeverspätungen und Sonstiges Flugzeug kam verspätet vom Vorflug (93), Warten auf Crew von einem anderen Flug (95), Sonstiges (99)

Wichtig für die Einordnung: Ein Code beschreibt immer nur die unmittelbare Ursache an diesem Abflug. Kommt ein Flugzeug wegen eines Gewitters am Vormittag später an und fliegt deshalb auch nachmittags verspätet weiter, steht beim Nachmittagsflug nicht der Wettercode, sondern die 93. Die eigentliche Ursache taucht nur beim ersten betroffenen Flug auf. Genau deshalb ist der Anteil der Folgeverspätungen in den Statistiken so groß.

Codes siehst du als Spotter selten

Verspätungscodes sind interne Betriebsdaten und erscheinen weder auf Abflugtafeln noch auf gängigen Flugradar-Seiten. Mit der Code-Logik im Kopf kannst du Verspätungen trotzdem einordnen: Kam der Flieger zu spät vom Vorflug, steht er höchstwahrscheinlich unter 93 in den Büchern.

Primärursachen: was am Boden und in der Luft bremst

Zieht man die Folgeverspätungen ab, bleiben die Primärursachen. Sie verteilen sich auf ein paar große Bereiche.

Airline und Abfertigung

Der größte Block primärer Verspätungen liegt laut Eurocontrol bei den Airlines selbst. Dazu zählen technische Probleme, die vor dem Abflug behoben oder freigegeben werden müssen, aber auch Engpässe bei der Abfertigung: Das Gepäckband ist zu spät, der Tankwagen steht noch am Nachbarflugzeug, die Ladepapiere sind nicht fertig, oder es fehlt ein Passagier, dessen Koffer wieder ausgeladen werden muss. Wie eng diese Abläufe getaktet sind, zeigen die Guides zur Gepäckabfertigung und zur Arbeit der Ramp Agents auf dem Vorfeld. Auch die Crew gehört hierher: Fällt jemand kurzfristig aus oder würde eine Crew durch die Verspätung ihre zulässige Dienstzeit überschreiten, muss Ersatz her.

Flusssteuerung im Luftraum

Der europäische Luftraum ist in Sektoren aufgeteilt, die jeweils nur eine bestimmte Zahl von Flugzeugen pro Stunde sicher abwickeln können. Erwartet ein Sektor mehr Verkehr, als er bewältigen kann – wegen Personalmangel bei der Flugsicherung, Gewittern, militärischer Nutzung oder schlicht Spitzenverkehr –, greift die Flusssteuerung (Air Traffic Flow Management, ATFM). Wie die nationale Flugsicherung dabei mitspielt, beschreibt der Guide zur DFS Deutsche Flugsicherung.

Flughafen und Wetter

Auch Flughäfen haben eine begrenzte Kapazität pro Stunde, abhängig von Pisten, Betriebsrichtung und Sichtweite. Bei Nebel müssen Abstände zwischen landenden Flugzeugen größer werden, bei starkem Seitenwind fällt an manchen Flughäfen eine Piste aus, und im Winter kostet die Enteisung zusätzliche Minuten an jedem Flugzeug. Was die Pistenkapazität bestimmt, erklärt der Artikel zur Flughafenkapazität. Wenn ein Zielflughafen voll ist und das nicht schon am Boden geregelt wurde, landen Flugzeuge in der Warteschleife.

ATFM-Slot und CTOT: warten am Boden statt in der Luft

Die Flusssteuerung hat in Europa einen klaren Grundsatz: Es ist besser, ein Flugzeug am Boden warten zu lassen, als es in der Luft kreisen zu lassen. Am Boden verbraucht es keinen Treibstoff für Warteschleifen und belastet keinen ohnehin vollen Luftraum. Deshalb vergibt das Network Manager Operations Centre von Eurocontrol bei Engpässen eine berechnete Startzeit, die Calculated Take-Off Time (CTOT) – umgangssprachlich den „Slot“.

So läuft das ab:

1. Engpass wird erkannt

Ein Sektor oder Zielflughafen erwartet mehr Flüge pro Stunde, als er sicher abwickeln kann. Die zuständige Flugsicherung meldet eine Beschränkung, die sogenannte Regulierung.

2. Startzeiten werden neu berechnet

Für alle Flüge, die durch den Engpass führen, berechnet der Network Manager neue Startzeiten, sodass der Verkehr gleichmäßig verteilt ankommt.

3. Das Flugzeug wartet am Gate

Die Crew erhält ihre CTOT und muss in einem Fenster von fünf Minuten vor bis zehn Minuten nach dieser Zeit abheben. Bis dahin bleibt die Maschine meist am Gate oder auf der Position.

4. Verbesserungen werden weitergegeben

Entspannt sich die Lage, kann sich ein Slot nach vorn verschieben. Deshalb starten regulierte Flüge manchmal früher als zuerst angekündigt.

Für dich als Spotter hat das eine überraschende Folge: Eine Verspätung, die du am Münchner Zaun siehst, kann ihre Ursache in einem Luftraumsektor über Frankreich haben, den das Flugzeug erst Stunden später durchfliegt. Und eine Regulierung am Zielflughafen hält Flugzeuge an Dutzenden Abflugorten gleichzeitig fest.

Verwechsle den ATFM-Slot nicht mit dem Flughafen-Slot. Letzterer ist das langfristig zugeteilte Recht einer Airline, an einem koordinierten Flughafen zu einer bestimmten Zeit zu starten oder zu landen. Wie das funktioniert, erklärt der Guide Slots an Flughäfen. An vielen großen Flughäfen wie Frankfurt oder München werden die Abläufe zusätzlich per Airport Collaborative Decision Making (A-CDM) abgestimmt: Airline, Abfertiger, Flughafen und Flugsicherung teilen ihre Zeitprognosen, damit Pushback und Start möglichst genau zur Slot-Zeit passen.

Wind, Pisten und Wetter im Blick

Planetrack zeigt dir Wetter, Wind und aktive Pisten am Flughafen – so erkennst du schnell, ob heute mit Kapazitätsengpässen zu rechnen ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Pünktlich oder verspätet: wo die Grenze liegt

In Statistiken der Luftfahrt gilt ein Flug in der Regel als pünktlich, wenn er weniger als 15 Minuten nach Plan ankommt oder abfliegt. Auf diese Schwelle beziehen sich auch die 72,4 Prozent Ankunftspünktlichkeit, die Eurocontrol für Europa im Jahr 2024 ermittelt hat. Üblich ist dabei der Vergleich mit den Blockzeiten, also dem Abrollen von der Parkposition und dem Erreichen der Parkposition – nicht mit Abheben oder Aufsetzen.

Das erklärt auch, warum Airlines Puffer in ihre Flugpläne einbauen: Die geplante Blockzeit einer Strecke ist häufig etwas länger als die reine Flugzeit unter idealen Bedingungen. Ein Flug, der verspätet abrollt, kann so trotzdem pünktlich ankommen. Für Fluggastrechte nach der EU-Verordnung 261/2004 spielt die 15-Minuten-Marke dagegen keine Rolle; dort gelten eigene, längere Schwellen.

Was das für deine Planung am Spot bedeutet

Mit diesem Wissen wird aus dem Ankunftsmonitor ein Werkzeug. Statt nur auf die angezeigte Zeit zu schauen, prüfst du die Kette dahinter.

Eher pünktlich, wenn …

  • das Flugzeug bereits am Abflugort steht oder dort pünktlich gelandet ist
  • es der erste Umlauf des Tages ist
  • Wetter und Wind an Abflug- und Zielflughafen ruhig sind

Unsicher, wenn …

  • der Flug am späten Nachmittag oder Abend liegt
  • der Vorflug knapp im Plan ist und die Bodenzeit kurz
  • in der Hauptsaison viele Sektoren reguliert sind

Eher verspätet, wenn …

  • der Vorflug noch gar nicht gestartet ist
  • Gewitter auf der Route oder Nebel am Ziel gemeldet sind
  • das Flugzeug kurzfristig gegen eine andere Maschine getauscht wurde

Der wichtigste Handgriff: Verfolge das Flugzeug, nicht die Flugnummer. Auf Flugradar-Seiten kannst du über das Kennzeichen sehen, wo die Maschine gerade ist und wann sie ihren Vorflug beendet hat. Wie du das gezielt machst, zeigen die Guides zur Flugverfolgung mit ADS-B und zur Genauigkeit von Ankunftsprognosen auf Flugradar-Seiten. Für Seltenheiten lohnen sich zusätzlich Benachrichtigungen für Kennzeichen und Typen.

Plane außerdem nach Tageszeit. Wenn du einen bestimmten Kurzstreckenflieger fotografieren willst, ist sein Morgen-Umlauf die sicherere Wahl. Langstreckenflüge sind dagegen weniger von langen Umlaufketten betroffen, weil sie meist nur einen oder zwei Flüge am Tag machen – dafür hängen sie stärker an Wetter, Rückenwind und der Lage am Zielflughafen. Ein ruhiger Platz wie der Besucherhügel am Flughafen München oder die Aussichtsplattform Zeppelinheim in Frankfurt macht Wartezeit zum Glück erträglich.

Verspätungs-Check vor dem Losfahren

Hak ab, was du geprüft hast – dann weißt du, wie sicher dein Zeitfenster ist.

  • Ich habe den Vorflug meines Wunschfliegers über das Kennzeichen geprüft.
  • Ich weiß, der wievielte Umlauf des Tages mein Flug ist.
  • Ich habe Wetter und Wind am Abflug- und Zielflughafen angeschaut.
  • Ich weiß, welche Betriebsrichtung heute wahrscheinlich ist.
  • Ich habe einen Puffer eingeplant, falls der Flug später kommt.

Worauf du achten solltest

  • Der Monitor kennt nur die Prognose. Angezeigte Ankunftszeiten werden laufend neu berechnet. Kurz vor der Landung sind sie genau, Stunden vorher oft nur eine grobe Schätzung.
  • Flugzeugtausch kommt häufig vor. Bei größeren Störungen tauschen Airlines Maschinen zwischen Umläufen, um Verspätungen zu begrenzen. Dein Wunschkennzeichen fliegt dann eine ganz andere Strecke. Deshalb immer das Kennzeichen prüfen.
  • Nachtflugregeln setzen Grenzen. Wird es abends sehr spät, kann ein Flug an Flughäfen mit Nachtbeschränkungen ausfallen oder umgeleitet werden. Welche Regeln wo gelten, steht im Überblick zum Nachtflugverbot an deutschen Flughäfen.
  • Verspätung kann auch Chance sein. Verschiebt sich ein Abendflug in die Dämmerung oder kommt eine Maschine bei geänderter Betriebsrichtung von der anderen Seite, entstehen ungeplante Motive.

Jede Sichtung im Hangar festhalten

Poste deine Sichtungen mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline und Spot, sammle sie im Hangar und setz seltene Flieger auf deine Wunschliste – Sichtungs-Alarme melden dir, wenn einer im Anflug ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Fazit

Flugverspätungen wirken zufällig, folgen aber einem klaren Muster. Eine Primärursache – Technik, Abfertigung, Crew, Wetter, Flugsicherung oder Flughafen – setzt die Kette in Gang, und der Umlauf des Flugzeugs trägt sie weiter, bis ein ausreichender Puffer sie auffängt. In Europa ist dieser weitergereichte Anteil mit fast der Hälfte aller Verspätungsminuten der größte Einzelposten. Flusssteuerung per CTOT verlagert die Wartezeit aus der Luft auf den Boden, oft weit weg vom eigentlichen Engpass. Wer diese Mechanik kennt, liest den Ankunftsmonitor mit anderen Augen und steht seltener umsonst am Zaun.

Kurzfazit

Fast jede zweite Verspätungsminute in Europa ist vom Vorflug geerbt. Prüfe deshalb vor dem Losfahren, wo dein Wunschflieger gerade ist, plane seltene Kurzstreckenflieger lieber am Morgen ein und behalte bei Gewitter- oder Nebellagen im Hinterkopf, dass Slots die Abflüge weit vom Engpass entfernt verzögern.

Zusammenfassung

  • Eine Flugverspätung hat fast nie nur einen Grund. Meist überlagern sich eine Primärursache und ihre Folgen im weiteren Umlauf.
  • Die IATA-Verspätungscodes ordnen Ursachen in Gruppen von Passagieren und Gepäck über Technik und Crew bis zu Wetter, Flugsicherung und Folgeverspätung.
  • Nach Eurocontrol-Daten lag die durchschnittliche Verspätung pro Flug in Europa 2024 bei 17,5 Minuten, rund 72 Prozent der Flüge kamen innerhalb von 15 Minuten an.
  • Flusssteuerung (ATFM) verlagert Wartezeit vom Himmel auf den Boden – das spart Treibstoff, verschiebt aber Abflugzeiten an weit entfernten Flughäfen.
  • Am Spot hilft dir der Blick auf den Vorflug deines Wunschfliegers mehr als die Anzeige am Ankunftsmonitor.

Häufige Fragen

Was ist der häufigste Grund für Flugverspätungen?

In Europa sind es Folgeverspätungen. Laut Eurocontrol entfielen 2024 rund 46 Prozent aller Verspätungsminuten darauf, dass das Flugzeug, die Crew oder Passagiere verspätet von einem vorherigen Flug kamen. An zweiter Stelle standen Ursachen, die bei der Airline selbst liegen, etwa Technik, Abfertigung oder Crewplanung, gefolgt von Flusssteuerung im Luftraum und Einschränkungen am Flughafen.

Was sind IATA-Verspätungscodes?

Ein standardisiertes System zweistelliger Ziffern, mit dem Airlines und Abfertiger die Ursache einer Abflugverspätung dokumentieren. Die erste Ziffer steht für die Ursachengruppe: 1x Passagiere und Gepäck, 3x Abfertigung am Flugzeug, 4x Technik, 6x Flugbetrieb und Crew, 7x Wetter, 8x Flugsicherung und Behörden, 9x Folgeverspätungen und Sonstiges. Code 93 etwa bedeutet, dass das Flugzeug verspätet vom Vorflug kam.

Was ist eine Folgeverspätung?

Eine Verspätung, die nicht am Abflugort entsteht, sondern von einem früheren Flug übernommen wird. Landet ein Flugzeug 40 Minuten zu spät und hat nur wenig Puffer in der Bodenzeit, startet es auch zum nächsten Flug verspätet. So kann eine einzige Störung am Morgen alle folgenden Umläufe des Tages betreffen.

Was bedeutet CTOT oder Slot bei einer Verspätung?

CTOT steht für Calculated Take-Off Time, die vom Eurocontrol Network Manager berechnete Startzeit. Sie wird vergeben, wenn ein Luftraumsektor oder ein Flughafen mehr Verkehr erwartet, als er abwickeln kann. Das Flugzeug muss dann in einem Fenster von fünf Minuten vor bis zehn Minuten nach dieser Zeit abheben. Dieser ATFM-Slot ist nicht zu verwechseln mit dem Flughafen-Slot, also dem Recht, einen Flughafen zu einer bestimmten Zeit zu nutzen.

Ab wann gilt ein Flug als verspätet?

In der Luftfahrtstatistik gilt ein Flug meist dann als pünktlich, wenn er weniger als 15 Minuten nach der planmäßigen Zeit ankommt oder abfliegt. Für Fluggastrechte nach der EU-Verordnung 261/2004 gelten andere, deutlich längere Schwellen, die von der Flugstrecke abhängen.

Warum ist ein Flug abends öfter verspätet als morgens?

Weil sich Verspätungen über den Tag ansammeln. Die ersten Umläufe starten nach der Nacht mit ausgeruhter Crew und Flugzeugen, die bereits am Abflugort stehen. Jede Störung im Tagesverlauf wird von den folgenden Flügen geerbt, wenn die Bodenzeit sie nicht auffängt. Am späten Nachmittag und Abend ist die angesammelte Verspätung deshalb typischerweise am größten.

Kann ich als Spotter vorhersehen, ob mein Wunschflieger verspätet kommt?

Oft ja. Prüfe auf einer Flugradar-Seite den Vorflug des Flugzeugs anhand des Kennzeichens: Ist es noch gar nicht am Abflugort gelandet oder dort verspätet gestartet, wird auch der Flug zu dir später kommen. Bei Langstrecken hilft die laufende Ankunftsprognose, bei Kurzstrecken der Blick auf die ganze Tagesrotation.

PT

Planetrack Redaktion

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